2 Gewinnermittlungsarten in:

Gerhard C. Girlich

Buchführung in der Praxis, page 17 - 29

Kontenrahmen, Umsatzsteuer, Anlagevermögen, Betriebsausgaben, Gewinnberechnung

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3926-7, ISBN online: 978-3-8006-3927-4, https://doi.org/10.15358/9783800639274_17

Series: Vahlen Praxis

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Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 19 2 Gewinnermittlungsarten Wie wir im ersten Kapitel herausgearbeitet haben, kennt das deutsche Steuerrecht (grundsätzlich) zwei Möglichkeiten den Gewinn eines Unternehmens zu ermitteln: 1. Einnahmen-/Überschussrechnung (EÜR) 2. Bet00riebsvermögensvergleich (BVV) bzw. doppelte Buchführung In diesem Kapitel erhalten Sie einen kurzen Überblick über diese zwei Formen der Gewinnermittlung. Nach der Durcharbeitung des Kapitels können Sie die folgenden Fragen beantworten: • Haben Sie die freie Auswahl zwischen der Einnahmen-/Überschussrechnung und der doppelten Buchführung? • Müssen Sie unter bestimmten Umständen zwingend eine der beiden Gewinnermittlungsarten auswählen? 2.1 Einnahmen-/Überschussrechnung Wenden wir uns zuerst der einfacheren der beiden Gewinnermittlungsarten zu, der Einnahmen-/Überschussrechnung (EÜR). Das Grundprinzip ist relativ einfach (siehe Abbildung 5): Sie summieren alle Betriebseinnahmen auf und subtrahieren davon alle Betriebsausgaben. Abbildung 5 : Das Grundprinzip der EÜR Lassen Sie uns das Grundprinzip an Hand des folgenden Beispiels vertiefen: Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 20 2 Gewinnermittlungsarten20 Praxis-Beispiel Claus Charmant, der ein Café betreibt, hat während des Jahres 2012 folgende Einnahmen und Ausgaben: • Tageseinnahmen am 30.03.: 5.000 Euro • Tageseinnahmen am 30.06.: 4.500 Euro • Tageseinnahmen am 30.09.: 3.300 Euro • Kauf von Kuchen für das Café am 10.02.: 900 Euro • Kauf von Kuchen für das Café am 10.05.: 2.300 Euro • Bezahlung einer Aushilfe am 15.01: 1.500 Euro • Bezahlung einer Aushilfe am 15.04.: 500 Euro Bei der Einnahmen-/Überschussrechnung werden die gleichartigen Aufwendungen (hier: Kuchenkauf, Aushilfslohn) auf so genannten Buchungskonten zusammengefasst. Auf diesen Buchungskonten werden der Tag und die Höhe des Geldabflusses dokumentiert. Am Ende des Jahres werden die Geldabflüsse auf jedem Buchungskonto zusammengefasst und in die eigentliche Einnahmen-/Überschussrechnung übertragen (siehe Abbildung 6). Durch die Gegenüberstellung der Geldzuflüsse (= Betriebseinnahmen ) und der Geldabflüsse (= Betriebsausgaben ) ergibt sich der Gewinn. Im Folgenden ist die laufende Buchhaltung (= Buchungskonten ) und der Jahresabschluss (= Einnahmen-/Überschussrechnung) dargestellt. Abbildung 6 : EÜR für das Café Claus Charmant Aber ist diese Gewinnermittlungsart wirklich so einfach, wie sie aussieht? Nein, denn es sind noch einige wichtige Probleme zu klären! Stellen Sie sich folgenden Sachverhalt vor: Praxis-Beispiel: Gewinnermittlung Am 17.11.2011 kommt Frau Schlamper in die Werkstatt von Max Strebsam und beauftragt ihn, bis zum 19.12.2011 eine Schrankwand für ihren Mann anzufertigen . Bereits am 15.12.2011 ist Max Strebsam fertig. Wie vereinbart holt Frau Schlamper die Schrankwand am 19.12.2011 ab. Herr Strebsam überreicht ihr gleichzeitig die Rechnung über 1.000 Euro zzgl. 190 Euro Umsatzsteuer. Wegen des Feiertagsstress bezahlt Frau Schlamper aber erst am 16.02.2012. E stellen sich nun folgende Fragen: • Wann ist die Betriebseinnahme aufzuzeichnen? • In welcher Höhe ist die Betriebseinnahme aufzuzeichnen? Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 21 2.1 Einnahmen-/Überschussrechnung 21 Wenden wir uns der ersten Frage zu: Wann sind die Betriebseinnahmen und die Betriebsausgaben aufzuzeichnen? Die Betriebseinnahmen sind bei Zufluss, d. h. erst wenn Max Strebsam das Geld erhält, zu berücksichtigen. Wann Herr Strebsam die Rechnung gestellt hat und wann er Anspruch auf das Geld hat, spielt bei der Einnahmen-/Überschussrechnung keine Rolle. Betriebsausgaben sind bei Abfluss, d. h. erst wenn Max Strebsam das Geld ausgibt, zu berücksichtigen. Wann Herr Strebsam die Rechnung erhalten hat und wann er zahlen müsste, spielt bei der Einnahmen-/Überschussrechnung keine Rolle. Die Lösung zum Praxis-Fall Frau Schlamper Erst bei Zufluss im Jahre 2012 ist die Betriebseinnahme in der Gewinnermittlung zu berücksichtigen. Wenden wir uns nun der zweiten Frage zu: In welcher Höhe sind die Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben zu berücksichtigen? Aus Vereinfachungsgründen, werden die Betriebsausgaben und Betriebseinnahmen immer in Bruttohöhe erfasst. Die Lösung zum Praxis-Fall Frau Schlamper Bei Zufluss im Jahre 2012 ist die Betriebseinnahme in Höhe von 1.190 Euro (Bruttohöhe) zu berücksichtigen. Die so genannte Bruttomethode führt dazu, dass Sie als Unternehmer alle Betriebseinnahmen in Bruttohöhe erfassen müssen, obwohl Sie die Umsatzsteuer noch an das Finanzamt abzuführen haben. Dass es sich bei der Bruttomethode nur um eine Vereinfachung handelt und Sie im Endergebnis nur die Netto-Betriebseinnahmen versteuern müssen zeigt folgendes Beispiel. Praxis-Beispiel: Bruttomethode Peter Pummel, der einen Partyservice in Passau betreibt, erhält von einem Kunden für eine Kuchenlieferung am 30.12.2011 den Betrag von 1.190 Euro (inkl. 190  Euro Umsatzsteuer) . Seine Umsatzsteuererklärung 2011 gibt Pummel am 31.05.2012 ab, zugleich bezahlt er seine Umsatzsteuerschuld i. H. v. 190 Euro. Am 15.06.2012 erhält Pummel für die Ausrichtung eines Festes 2.380 Euro (inkl. 380 Euro Umsatzsteuer). Zum 31.12.2012 gibt Pummel sein Geschäft auf. Seine Umsatzsteuererklärung 2012 gibt Pummel am 31.05.2013 ab, zugleich bezahlt er seine Umsatzsteuerschuld i. H. v. 380 Euro. Weitere Geschäftsvorfälle finden nicht statt. 30.12.2011: Betriebseinnahme i. H. v. 1.190 € => Gewinn 2011: 1.190 € 31.05.2012: Betriebsausgabe i. H. v. 190 € 15.06.2012: Betriebseinnahme i. H. v. 2.380 € => Gewinn 2012: 2.190 € 31.05.2013: Betriebsausgabe i. H. v. 380 € => Gewinn 2013: – 380 € Effektiv muss Pummel „nur“ den Nettoerlös, also das was er behalten darf, versteuern. Aus Vereinfachungsgründen wird aber immer der gesamte Zufluss Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 22 2 Gewinnermittlungsarten22 (= Brutto) als Betriebseinnahme angesetzt. Ausgeglichen wird die zu hohe Betriebseinnahme durch die Berücksichtigung der Umsatzsteuer als Betriebsausgabe, wenn diese abfließt. Praxis-Tipp Im Privatbereich verwenden Sie immer eine „Einnahmen-/Überschussrechnung“, beispielsweise wenn Sie ein Haushaltsbuch führen. Zusammenfassung Bei der Einnahmen-/Überschussrechnung kommt es auf die Geldströme an: • Betriebseinnahme bei Zufluss in Bruttohöhe • Betriebsausgabe bei Abfluss in Bruttohöhe 2.2 Betriebsvermögensvergleich Wenden wir uns nun der schwierigeren der beiden Gewinnermittlungsarten zu, dem Betriebsvermögensvergleich (BVV). Besser bekannt unter dem Begriff „doppelte Buchführung“. Das Grundprinzip ist relativ einfach: Sie ziehen das Betriebsvermögen des Jahresanfangs vom Betriebsvermögen am Ende des Jahres ab (siehe Abbildung 7). Abbildung 7 : Das Grundprinzip des Betriebsvermögensvergleichs Zum Betriebsvermögen des Unternehmens gehören sowohl sein Besitz (= positives Betriebsvermögen ) als auch seine Schulden (= negatives Betriebsvermögen ). Lediglich die Differenz geht in die Gewinnermittlungsformel ein. Lassen Sie uns diese Erkenntnis an einem Beispiel vertiefen. Praxis-Beispiel: Betriebsvermögen Theo Tee betreibt in Trier einen Teeladen. Am 31.12.2010 macht er für seinen Betrieb eine Aufstellung über seinen Besitz und seine Schulden : Kassenbestand: 1.200 Euro Schulden bei der Deutschen Bank: 9.000 Euro Konto bei der Postbank: 3.200 Euro Konto bei der Dresdner Bank: 5.600 Euro Schulden beim Finanzamt (Umsatzsteuer): 2.200 Euro Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 23 2.2 Betriebsvermögensvergleich 23 Bestand grüner Tee (lt. Inventur): 1.100 Euro Bestand schwarzer Tee (lt. Inventur): 1.050 Euro Bestand Pfirsichtee (lt. Inventur): 1.700 Euro Forderungsbestand: 2.200 Euro Ermitteln Sie zuerst den Besitz und anschließend die Schulden sowie das Betriebsvermögen des Teeladens von Theo Tee zum 31.12.2010. 1. Ermittlung des Besitzes (= positives Betriebsvermögen): Kasse + Konto Postbank + Konto Dresdner Bank + Warenbestand (Tee) + Forderungen = 1.200 € + 3.200 € + 5.600 € + 1.100 € + 1.050 € + 1.700 € + 2.200 € = 16.050 € 2. Ermittlung der Schulden (= negatives Betriebsvermögen): Schulden Deutschen Bank + Schulden Finanzamt = 9.000 € + 2.200 € = 11.200 € 3. Ermittlung des Betriebsvermögens: Besitz – Schulden = 16.050 € – 11.200 € = 4.850 € Praxis-Beispiel: Gewinnermittlung Theo Tee betreibt in Trier einen Teeladen . Am 31.12.2010 ermittelt er für seinen Teeladen ein Betriebsvermögen von 4.850 Euro. Am 01.01.2010 betrug das Betriebsvermögen 4.000 Euro. Der Gewinn von Theo Tee im Jahr 2010 beträgt damit 4.850  Euro abzüglich 4.000 Euro = 850 Euro. Sie haben gesehen, dass das Betriebsvermögen eigentlich ganz einfach zu ermitteln ist : 1. Ihren Besitz ermitteln Sie, in dem Sie durch Ihren Betrieb gehen und schauen, was Ihnen gehört. Dieser Vorgang wird als Inventur bezeichnet. 2. Ihre Schulden ermitteln Sie, in dem Sie sich notieren, wem Sie wie viel Geld schulden. Auch dieser Vorgang wird als Inventur bezeichnet. Das Ergebnis Ihrer Bemühungen ist eine Vermögensaufstellung , auf Grund derer Sie Ihr Betriebsvermögen ermitteln. Natürlich sollten Sie Ihre Vermögensaufstellung auch in eine ordentliche Form bringen: • Eine Vermögensaufstellung in vertikaler Form ist ein Inventar . • Bei einer Vermögensaufstellung in horizontaler Form wird von einer Bilanz gesprochen . Abbildung 8 fasst die Begriffe noch einmal grafisch zusammen. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 24 2 Gewinnermittlungsarten24 Abbildung 8 : Von der Inventur über das Inventar zur Bilanz Praxis-Beispiel: Inventar und Bilanz Theo Tee betreibt in Trier einen Teeladen. Am 31.12.2010 führt Theo Tee eine Inventur durch. Aus der Inventur ergibt sich das in Abbildung 9 aufgeführte Inventar . Abbildung 9 : Inventar des Teeladens am Jahresende 2010 Aus dem Inventar heraus hat Theo Tee seine Bilanz zum 31.12.2010 wie in Abbildung 10 aufgeführt entwickelt. Abbildung 10 : Bilanz des Teeladens zum 31.12.2010 An Hand des Beispiels Theo Tee sehen Sie, dass die Bilanz eine Zusammenfassung des Inventars ist. Nimmt das Inventar mehrere Seiten oder bei großen Unternehmen mehrere tausend Seiten ein, passt eine Bilanz immer auf eine Seite. Damit können Sie für Inventar und Bilanz die in Tabelle 1 aufgeführten Unterschiede festhalten. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 25 2.2 Betriebsvermögensvergleich 25 Inventar Bilanz Darstellung vertikal horizontal Genauigkeit sehr genau (alle Wirtschaftsgüter werden einzeln erfasst) ungenau (die Wirtschaftsgüter werden zu Gruppen zusammengefasst) Tabelle 1 : Gegenüberstellung Inventar und Bilanz Lassen Sie uns zuletzt noch über die Wirkung von privaten Vorgängen auf das Betriebsvermögen sprechen. Wie Sie bereits wissen, gehören private Vorgänge nicht in die Buchhaltung. Was aber machen Sie, wenn der Unternehmer Geld aus dem Unternehmen nimmt und sich dafür privat etwas kauf? Wie wirkt sich das auf die Gewinnermittlungsformel aus? Überlegen wir uns erst einmal was überhaupt „Entnahmen“ und „Einlagen“ sind. Verkürzt lässt sich folgende Definition finden : Definition: Wenn Sie für private Vorgänge Geld aus der Kasse oder von Ihrem betrieblichen Bankkonto nehmen, liegt eine Entnahme vor. → beeinflusst den Gewinn nicht! Definition: Wenn Sie Geld von Ihrem privaten Girokonto auf Ihr betriebliches Konto überweisen oder in die Kasse legen, liegt eine Einlage vor. → beeinflusst den Gewinn nicht! Die Definitionen lassen grafisch wie in Abbildung 11 dargestellt zusammenfassen. Abbildung 11 : So hängen Entnahme und Einlage zusammen Vertiefen wir das Thema noch an einem Praxis-Beispiel. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 26 2 Gewinnermittlungsarten26 Praxis-Beispiel: Entnahme und Einlage Claus Charmant betreibt ein Café in Coburg. Bei welchen der folgenden Vorgänge in Checkliste 2 liegt eine Entnahme oder eine Einlage vor? Entnahme Einlage Charmant nimmt Geld aus der Kasse, um es auf sein Geschäftskonto einzubezahlen rein innerbetrieblicher Vorgang rein innerbetrieblicher Vorgang Charmant nimmt Geld aus der Kasse, um ich damit eine Wurstsemmel zu kaufen X Charmant bezahlt die Miete für sein EFH von seinem Privatkonto hat nichts mit dem Betrieb zu tun; private Sphäre hat nichts mit dem Betrieb zu tun; private Sphäre Die Ehefrau von Charmant nimmt 50 Euro aus ihrer Brieftasche und legt diese in die Geschäftskasse X Charmant bezahlt seine Urlaubsreise per Überweisung von seinem Firmenkonto X Charmant überweist 1.000 € von seinem Privatkonto auf sein Firmenkonto X Checkliste 2 : Handelt es sich um eine Entnahme oder um eine Einlage? Jede Entnahme und jede Einlage beeinflussen aber das Betriebsvermögen am Ende des Jahres. Eine Entnahme mindert das Betriebsvermögen, da das Geld nicht mehr da ist; eine Einlage erhöht das Betriebsvermögen am Ende des Jahres, weil jetzt mehr Geld da ist. Sowohl die Entnahme als auch die Einlage würden sich bei unserer Gewinnermittlungsformel auf den Gewinn auswirken. Daher müssen wir unsere Gewinnermittlungsformel anpassen: Abbildung 12: Anpassen der Gewinnermittlungsformel Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 27 2.2 Betriebsvermögensvergleich 27 Praxis-Beispiel: Entnahme Claus Charmant betreibt in Coburg ein Café. Das Betriebsvermögen am 01.01.2011 beträgt 4.850 Euro; am 31.12.2011 beträgt es 10.000 Euro. • Am 15.06.2011 erhält Charmant für eine Dienstleistung 6.650 Euro (Umsatzsteuer fällt keine an); Charmant hatte keinerlei Kosten hierfür. • Am 17.06.2011 nimmt Charmant 1.500 Euro aus der Kasse, um seiner Frau einen Pelzmantel zu kaufen. Weitere Vorfälle ereignen sich in 2011 nicht. Gewinn lt. BVV: BV 31.12.11 10.000 Euro – BV 01.01.11 4.850 Euro = Vermögensänderung 5.150 Euro + Entnahmen 1.500 Euro = Gewinn 6.650 Euro Praxis-Beispiel: Einlage Claus Charmant betreibt in Coburg ein Café. Das Betriebsvermögen am 01.01.2012 beträgt 10.000 Euro; am 31.12.2012 beträgt es 16.000 Euro. • Am 10.09.2012 erhält Charmant für eine Dienstleistung 3.000 Euro (Umsatzsteuer fällt keine an). • Am 17.09.2012 bezahlt Charmant eine Rechnung über Sahnetorten i. H. v. 2.000 Euro (keine Vorsteuer). • Am 25.09.2012 überweist Charmant von seinem Privatkonto auf sein Firmenkonto einen Betrag von 5.000 Euro. Weitere Vorfälle ereignen sich in 2012 nicht. Gewinn lt. BVV: BV 31.12.12 16.000 Euro – BV 01.01.12 10.000 Euro = Vermögensänderung 6.000 Euro – Einlage 5.000 Euro = Gewinn 1.000 Euro An dieser Stelle wollen wir noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse dieses Abschnittes festhalten. Zusammenfassung Beim Betriebsvermögensvergleich ermitteln Sie den Gewinn alleine mit Hilfe der Bilanz, d. h. Sie vergleichen das Betriebsvermögen am Ende mit dem Betriebsvermögen am Anfang des Jahres und bereinigen die Vermögensdifferenz um private Vorgänge. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 28 2 Gewinnermittlungsarten28 2.3 Wann gilt welche Gewinnermittlung? Am Ende des Kapitels stellen Sie sich sicherlich die Frage, wann Sie welche Gewinnermittlungsart anwenden müssen. Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir uns den Unterschied zwischen Freiberufler und Gewerbetreibenden klar machen: • Ein Freiberufler ist jemand, der entweder einen Katalogberuf i. S. d. § 18 Abs. 1 EStG betreibt (z. B. Rechtsanwalt, Notar, Arzt) oder aber einer bestimmten Tätigkeit nachgeht (wissenschaftlich, künstlerisch, schriftstellerisch, unterrichtend, erzieherisch). • Ein Gewerbetreibender (§ 15 EStG) ist jemand, der kein Landwirt, kein Forstwirt und kein Freiberufler ist. Ein Freiberufler kann wählen, ob er seinen Gewinn mit Hilfe der Einnahmen-/Überschussrechnung (EÜR) oder des Betriebsvermögensvergleichs (BVV) ermittelt. Bei einem Gewerbetreibenden ist die Sachlage etwas komplizierter: • Ist der Gewerbetreibende buchführungspflichtig, muss er seinen Gewinn durch den BVV ermitteln. • Ist er nicht buchführungspflichtig, kann er wie der Freiberufler wählen, welche Gewinnermittlung er anwendet. Ein Gewerbetreibender ist buchführungspflichtig, wenn eine der folgenden Gegebenheiten vorliegt: • sein Umsatz über 500.000 Euro liegt und das Finanzamt ihn zur Buchführung aufgefordert hat (§ 141 AO). • sein Gewinn über 50.000 € liegt und das Finanzamt ihn zur Buchführung aufgefordert hat (§ 141 AO). • er im Handelsregister eingetragen ist (Kaufmann!) und zwar ohne Aufforderung zur Buchführung durch das Finanzamt (§ 238 HGB). Praxis-Hinweis Durch das im April 2009 verabschiedete Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (Bil- MoG) wurde eine Neuerung in das Handelsgesetzbuch eingefügt: Einzelkaufleute (nicht Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften), die an den Abschlussstichtagen von zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren nicht mehr als 500.000 Euro Umsatzerlöse und 50.000 Euro Jahresüberschuss aufweisen, unterliegen nicht mehr den Buchführungspflichten (§§ 241a, 242 Abs. 4 HGB). Bei Neugründungen tritt die Befreiung von der Buchführungspflicht bereits ein, wenn die Werte am ersten Abschlussstichtag nach der Neugründung nicht überschritten werden. Damit haben auch (kleine) Kaufleute zum ersten Mal das Recht, zwischen der doppelten Buchführung und der Einnahmen-/Überschussrechnung zu wählen. Bei einer Kapitalgesellschaft (GmbH, AG, KGaA) ist die Entscheidung am einfachsten: Diese ist immer zum BVV verpflichtet (§ 8 Abs. 2 KStG). Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 29 2.3 Wann gilt welche Gewinnermittlung? 29 Praxis-Beispiel: Buchführungspflicht Welche der folgenden Unternehmer sind buchführungspflichtig und müssen daher ihren Gewinn mit Hilfe des BVV bzw. der Bilanzierung ermitteln? • Die Rad AG betreibt in Aachen ein Fahrradgeschäft. Ihr Umsatz liegt bei 200.000 Euro, ihr Gewinn bei 15.000 Euro. • Jochen Speiche betreibt in Freiburg i. Br. einen Fahrradladen. Sein Umsatz liegt bei 600.000 Euro, sein Gewinn bei 50.000 Euro (kein Handelsregistereintrag). • Prof. Dr. Rasierklinge ist als selbstständiger Internist in Berlin tätig. Sein Umsatz liegt bei 450.000 Euro, sein Gewinn bei 190.000 Euro. • Eduard Klingel betreibt in Berlin einen Fahrradladen. Sein Umsatz liegt bei 200.000 Euro, sein Gewinn bei 55.000 Euro (kein Handelsregistereintrag). zu 1: Rad AG Eine GmbH ist kraft Rechtsform verpflichtet, Bücher zu führen, d. h. ihren Gewinn mit Hilfe des BVV zu ermitteln. zu 2: Jochen Speiche Als Fahrradhändler ist Speiche Gewerbetreibender, deshalb sind die Grenzen des § 141 AO zu prüfen. Mit 600.000 Euro Umsatz liegt er über der Umsatzgrenze des § 141 AO, aber unter der Gewinngrenze (über 50.000 Euro!). Es reicht aber, wenn nur eine Grenze überschritten wurde. Herr Speiche ist aber erst nach Aufforderung durch das Finanzamt verpflichtet, seinen Gewinn mit Hilfe des BVV zu ermitteln. Würde er z. B. seine Bilanz 2011 am 31.05.2012 abgeben, könnte ihn das Finanzamt frühestens zum 01.01.2013 dazu verpflichten, eine Bilanz aufzustellen – d. h. im Jahr 2012 könnte er seinen Gewinn noch mit Hilfe der EÜR ermitteln. zu 3: Prof. Dr. Rasierklinge Als Freiberufler (Arzt = Katalogberuf des § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG) ist Prof. Dr. Rasierklinge nie verpflichtet, seinen Gewinn an Hand des BVV zu ermitteln. zu 4: Eduard Klingel Als Fahrradhändler ist Klingel Gewerbetreibender, deshalb sind die Grenzen des § 141 AO zu prüfen. Mit 200.000 Euro Umsatz erreicht er die Umsatzgrenze des § 141 AO nicht, aber mit einem Gewinn von 55.000 Euro überschreitet er die Gewinngrenze. Es reicht aber, wenn er eine Grenze überschritten hat. Herr Klingel ist aber erst nach Aufforderung durch das Finanzamt verpflichtet, seinen Gewinn mit Hilfe des BVV zu ermitteln. Würde er z. B. seine Bilanz 2011 am 31.12.12 abgeben und würde das Finanzamt erst im Januar 2013 die Veranlagung durchführen, könnte ihn das Finanzamt frühestens zum 01.01.2014 dazu verpflichten, eine Bilanz aufzustellen – d. h. im Jahr 2012 und 2013 könnte er seinen Gewinn noch mit Hilfe der EÜR ermitteln. Zur Visualisierung betrachten Sie bitte Abbildung 13 und Abbildung 14. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 30 2 Gewinnermittlungsarten30 Abbildung 13 : Wer kann wie seinen Gewinn ermitteln? Abbildung 14 : Buchführungspflicht eines Gewerbetreibenden Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 31 3 Wichtige Schritte bei Firmengründung Stellen Sie sich vor, Sie gründen eine Firma (z. B. einen Baustoffhandel). Welche Verpflichtungen kommen dann auf Sie zu? Zum einen müssen Sie als Gewerbetreibender Ihr Gewerbe bei der Gemeinde anmelden bzw. als Freiberufler beim Finanzamt. Zum anderen müssen Sie sich ein geeignetes Buchhaltungsprogramm (z. B. DATEV) besorgen und sich Gedanken zur Organisation Ihrer Buchführung machen. Lassen Sie uns die einzelnen Schritte an Hand der Betriebsgründung von Bertram Bauer besprechen, der in Ansbach im Jahr 2010 einen Baustoffhandel eröffnet hat. Hierzu ein Kurzprofil: Allgemeine Angaben: Firmenname Bertram Bauer e. K. Firmenzweck Baustoffhandel Adresse Residenzstr. 23 in 91522 Ansbach Gewinnermittlungsart Doppelte Buchführung bzw. BVV Kontenplan Standartkontenrahmen SKR04 Erstes Buchungsjahr 2010 (Wirtschaftsjahr = Kalenderjahr) Steuerliche Angaben: Finanzamt Ansbach Steuernummer 203/111/11111 USt-ID-Nr. DE123456770 Umsatzsteuerpflicht Soll-Besteuerer 3.1 Fragebogen zur Gewerbeanmeldung Nachdem das Finanzamt von der Firmengründung des Bertram Bauer erfahren hat, schickt das Finanzamt Ansbach einen „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ . CD-Tipp Den jeweiligen Fragebogen für die Gründung eines Einzelunternehmens, einer Kapitalgesellschaft oder einer Personengesellschaft finden Sie auf der beigefügten CD-ROM zum Praxis-Buch. Ebenso finden Sie auf der CD-ROM Infobroschüren zur Existenzgründung; herausgegeben durch das Finanzministerium Bayerns bzw. Baden-Württembergs. Öffnen Sie auf der CD-ROM das Kapitel 3 – Gründung: Hier stehen Ihnen die Informationen in den Rubriken Fragebögen und Infobroschüren zur Verfügung.

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References

Zusammenfassung

Buchführung in der Praxis

Dieser aktuelle Ratgeber liefert einen praxisorientierten Einstieg in die Grundlagen der doppelten Buchführung. Ausgehend von einem Unternehmensgründer werden die theoretischen Grundlagen kurzweilig vermittelt. Durch die zahlreichen Praxisbeispiele und Schaubilder ist das Werk besonders anschaulich.

Buchführung auf den Punkt gebracht:

– Zahlreiche Übungen und Beispiele aus der Buchführungspraxis

– Von Einzelbelegen zum vorläufigen Jahresergebnis: So berechnen Sie Einnahmen und Ausgaben

– Auf CD-ROM: Excel-Tools zu Abschreibung, Gewinn- und Verlustermittlung, AfA-Tabellen und DATEV-Kontenrahmen