10 Der Warenverkehr in:

Gerhard C. Girlich

Buchführung in der Praxis, page 164 - 179

Kontenrahmen, Umsatzsteuer, Anlagevermögen, Betriebsausgaben, Gewinnberechnung

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3926-7, ISBN online: 978-3-8006-3927-4, https://doi.org/10.15358/9783800639274_164

Series: Vahlen Praxis

Bibliographic information
Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 169 10 Der Warenverkehr In diesem Kapitel beschäftigen Sie sich mit dem Warenverkehr , d. h. der Verbuchung des Wareneingangs und des Warenausgangs. Hierbei gibt es zwei verschiedene Buchungsmethoden (siehe Abbildung  157), von denen wir aber nur die in der Praxis gängige Bruttomethode besprechen werden. Abbildung 157 : Netto- und Bruttoverfahren 10.1 Das System des Bruttoverfahrens Beim Bruttoverfahren geht es nicht darum, für jeden Verkauf den exakten Gewinn zu bestimmen; vielmehr wird der in einem Jahr erwirtschaftete Gewinn oder Verlust, der mit Waren entstanden ist, ermittelt. Hierzu müssen Sie lediglich den gesamten Warenerlös dem gesamten Warenaufwand gegenüberstellen. Die Differenz ist der Gewinn oder Verlust aus Warenumsatz (siehe Abbildung 158)! Abbildung 158 : Ermittlung Rohgewinn Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 170 10 Der Warenverkehr170 Ermittlung des Warenerlöses: Der gesamte Nettoumsatz stellt den Warenerlös dar, d. h. jeder Umsatz wird als Ertrag (SKR 04: Kontenklasse 4) gebucht. Ermittlung des Warenverbrauchs: Warenbestand am Anfang + Zugänge während des Jahres – Warenbestand am Ende = Warenverbrauch Die Zugänge während des Jahres werden alle auf Buchungskonten der Kontenklasse 5 (SKR 04) erfasst, d. h. auf Aufwandskonten. Der Anfangs- und Schlussbestand der Waren wird auf dem Buchungskonto „Bestandsänderungen“ erfasst (SKR 04: 5880). Die Differenz zwischen dem Anfangs- und Schlussbestand wird als Ertrag oder Aufwand im GuV-Konto erfasst. Abbildung 159 bietet Ihnen hierzu eine grafische Übersicht. Bestandsänderungskonto: A 01.01.10 P Waren 5.000 S #5880 H AB 5.000 S #4400 H S #5400 H S GuV HA 31.12.10 P Kapital 5.000 3.4 4.000 6.9 3.000 2.3 1.000 6.8 2.000 (5400) 3.000 Saldo 7.000 Saldo 3.000 (4400) 7.000 (Gew) 2.000 GuV 2.000 (5800) 2.000 Waren 3.000 Bank 4.000 Kapital 7.000 Inventur SB 3.000 Abbildung 159 : System des Bruttoverfahrens Im Bruttoverfahren wird unterstellt, dass der gesamte Warenzugang auch verbraucht wird. Ist der Anfangsbestand der Waren (AB) identisch mit dem Schlussbestand der Waren (SB), ist dies auch korrekt. Divergiert der Anfangs- vom Schlussbestand, so ergeben sich zwei Fallkonstellationen: • AB > SB Es sind nicht nur die gesamten Zukäufe verkauft worden, sondern auch ein Teil des Anfangsbestandes; somit ist die Differenz zwischen Anfangs- und Schlussbestand als Aufwand zu erfassen. • AB < SB Es sind nicht alle Zukäufe verkauft worden. Der nicht verkaufte Teil der zugekauften Waren ist zum Anfangsbestand hinzuzurechnen; Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 171 10.1 Das System des Bruttoverfahrens 171 somit ist die Differenz zwischen Anfangs- und Schlussbestand als Ertrag zu erfassen (= Korrektur des zu hoch erfassten Aufwands). An Hand des folgenden Beispiels können Sie das System des Bruttoverfahrens nachvollziehen. Praxis-Beispiel: Bruttoverfahren Karoline Karara betreibt in der Betongasse 23 in 23478 Saarbrücken ein Fliesengeschäft. Sie ermittelt ihren Gewinn mit Hilfe des BVV. Als Regelbesteuerer versteuert sie ihre Umsätze nach vereinbarten Entgelten . Die Bilanz von Karoline Karara hat zum 01.01.07 folgendes Aussehen: Abbildung 160: Beispielbilanz Im Jahr 07 ereignen sich folgende Geschäftsvorfälle: • Am 05.02.07 kauft Fr. Karara Fliesen für 11.900 Euro von einem italienischen Produzenten. Sie zahlt per Überweisung. • Am 07.03.07 kauft Fr. Karara Fliesen für 1.190 Euro von einem dt. Produzenten und zahlt am selben Tag per Überweisung. In der Rechnung sind 190 Euro Umsatzsteuer gesondert ausgewiesen. Die Voraussetzungen für einen Vorsteuerabzug liegen vor. • Am 08.04.07. kauft Fr. Karara von einem deutschen Privatmann Fliesen für 2.380 Euro und zahlt am selben Tag per Überweisung. • Am 01.07.07 verkauft Fr. Karara Fliesen für 15.000 Euro an einen Privatmann in Kiel. Auf eine Rechnung verzichtet dieser; er zahlt sofort per Überweisung. • Am 13.08.07 verkauft Fr. Karara an den Bauunternehmer Harry Kleinlich Fliesen für brutto 5.000 Euro; dieser zahlt am selben Tag per Überweisung. Eine Rechnung hat sie ihm bisher nicht zugesandt. • Bei der Inventur am 31.12.07 sind noch Fliesen im Wert von 8.000 Euro auf Lager. Lieferung aus Italien: Die Lieferung aus Italien stellt einen innergemeinschaftlichen Erwerb dar, der von Frau Karara in Deutschland zu versteuern ist; zugleich hat Frau Karara aus dem innergemeinschaftlichen Erwerb den vollen Vorsteuerabzug. Einzutragen ist der Vorgang in der Umsatzsteuer-Voranmeldung und in die Anlage UR der Umsatzsteuerjahreserklärung. Umsatzsteuerbemessungsgrundlage ist dabei der vereinbarte Kaufpreis. 05.02.07: 5425 (11.900 Euro) / 1800 (11.900 Euro) 1404 (2.261 Euro) / 3804 (2.261 Euro) Lieferung aus Deutschland: 07.03.07: 5400 (1.000 Euro) / 1800 (1.190 Euro) 1406 (190 Euro) Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 172 10 Der Warenverkehr172 Kauf von Privatmann: Ein Vorsteuerabzug ist nicht möglich, da die Rechnung nicht von einem anderen Unternehmer stammt. 08.04.07: 5200 (2.380 Euro) / 1800 (2.380 Euro) Verkauf an Privatmann: Umsatzsteuer entsteht kraft Gesetz, unabhängig davon, ob Frau Karara eine Rechnung stellt oder nicht. 01.07.07: 1800 (15.000,00 Euro) / 4400 (12.605,04 Euro) 3806 (2.394,96 Euro) Verkauf an Unternehmer: Umsatzsteuer entsteht kraft Gesetz, unabhängig davon, ob Frau Karara eine Rechnung stellt oder nicht. 13.08.07: 1800 (5.000,00 Euro) / 4400 (4.201,68 Euro) 3806 (798,32 Euro) Inventur am Jahresende: Die Differenz zwischen AB und SB „Waren“ wird als Aufwand gebucht: AB – SB = 10.000 € – 8.000 € = 2.000 € werden über Konto 5880 (Bestandsver- änderung Waren) als Aufwand gebucht. 10.2 Wareninventur Um den Warenverbrauch korrekt ermitteln zu können, benötigen Sie den Warenbestand am Ende des Wirtschaftsjahres. Dieser wird mit Hilfe der Wareninventur ermittelt. Die Inventur ist die körperliche Bestandsaufnahme der Waren am Ende des Wirtschaftsjahres. Dabei werden die Waren grundsätzlich zu Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten bewertet. Es gibt verschiedene Arten von Inventuren (§ 240 HGB) – einen guten Überblick verschafft Ihnen Abbildung 161. Inventurarten Stichtagsinventur zeitverschobene Inventur permamente Inventur 1. Erfassung der Menge (= körperliche Bestandsaufnahme) 2. Bewertung des Bestandes mit den Anschaffungskosten grds. Durchschnittsbewertung Ausnahmen: Ladenhüter, Festwert, Herstellungskosten Abbildung 161 : Arten der Inventur Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 173 10.2 Wareninventur 173 • Stichtagsinventur (vgl. R 5.3 Abs. 1 EStR): Ermittlung des Warenbestandes nach Art, Menge und Wert am Bilanzstichtag. • Zeitverschobene Inventur (vgl. R 5.3 Abs. 2 EStR bzw. 241 Abs. 3 HGB): Inventur drei Monate vor oder zwei Monate nach dem Bilanzstichtag . Am Inventurtag wird der Warenbestand nach Art, Menge und Wert festgestellt. Der am Inventurtag festgestellte Warenbestand wird auf den Bilanzstichtag fortgeschrieben bzw. rückberechnet. • Permanente Inventur (vgl. § 241 Abs. 2 HGB): Diese Inventurart ist nur möglich bei einem guten Lagerwirtschaftssystem. Bei allen drei Arten der Inventur erfolgt die Bewertung des Warenbestandes grundsätzlich mit den Anschaffungskosten (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG i. V. m. § 253 Abs. 3 HGB) – siehe Abbildung 162. Inventurarten Stichtagsinventur zeitverschobene Inventur permamente Inventur 1. Erfassung der Menge (= körperliche Bestandsaufnahme) 2. Bewertung des Bestandes mit den Anschaffungskosten grds. Durchschnittsbewertung Ausnahmen: Ladenhüter, Festwert, Herstellungskosten Abbildung 162 : Bewertung des Warenbestandes anhand der Anschaffungskosten Abweichungen vom Grundsatz: Bitte beachten Sie, dass die nachfolgende Aufzählung nur Beispielscharakter hat und nicht abschließend ist! • Von diesem Grundsatz wird z. B. abgewichen, wenn es um die Bewertung von so genannten Ladenhütern geht. Unter Ladenhütern versteht man schwer verkäufliche Ware. Diese Ware kann natürlich nicht mit ihren Anschaffungskosten bewertet werden, sondern mit dem niedrigeren tatsächlichen Wert (= Teilwert ; vgl. R 6.7 Abs. 2 EStR). • Für Wirtschaftsgüter (wie z. B. Nägel, Schrauben; für Details vgl. § 240 Abs. 3 HGB und BMF v. 08.03.1993 – BStBl I S. 276) kann auch für mehrere Jahre der gleiche Wert angesetzt werden (= Festwert ). • Waren, die im Unternehmen selbst hergestellt werden, werden nicht mit den Anschaffungskosten bewertet, sondern mit deren Herstellungskosten (siehe folgendes Kapitel). Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 174 10 Der Warenverkehr174 10.3 Die Herstellungskosten § 255 Absatz 2 Satz 1, 2, 3, 4 Handelsgesetzbuch (HGB): Herstellungskosten sind Aufwendungen, die durch den Verbrauch von Gütern und die Inanspruchnahme von Diensten für die Herstellung eines Vermögensgegenstandes entstehen (…). Dazu gehören die Materialkosten, die Fertigungskosten und die Sonderkosten der Fertigung sowie angemessene Teile der Materialgemeinkosten, der Fertigungsgemeinkosten (…). Bei der Berechnung der Herstellungskosten dürfen angemessene Teile der Kosten der allgemeinen Verwaltung (…) einbezogen werden. Forschungs- und Vertriebskosten dürfen nicht einbezogen werden. Fertigungsmaterial + Fertigungslöhne + Materialgemeinkosten + Fertigungsgemeinkosten = Mindestherstellungskosten (vgl. auch R 6.3 I EStR) + allg. Verwaltungskosten = höchstmöglicher Ansatz (vgl. auch R 6.3 IV EStR) Im Einzelnen gliedern sich die Kosten wie folgt: • Fertigungsmaterial: Rohstoffe, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe etc. • Fertigungslöhne: Löhne für Arbeitnehmer, die in der Produktion eingesetzt sind • Materialgemeinkosten: Hierzu zählen Kosten der Lagerung, Transport in der Firma und Wartung des Fertigungsmaterials u. a. • Fertigungsgemeinkosten: Raumkosten für die Fertigung, Kosten für Vorarbeiter, Strom etc. • Allgemeine Verwaltungskosten: Hierzu zählen Buchführung, Geschäftsleitung u. a. Bei der Aufstellung der Bilanz können Sie zwischen dem Mindestansatz und dem höchstmöglichen Ansatz wählen. Praxis-Beispiel: Herstellungskosten Ein Unternehmer hat für 100.000 Euro zzgl. USt Fertigungsmaterial erworben (Vorsteuer abziehbar) und daraus 1.000 Stück Möbel hergestellt . Für die Lagerung des Materials hat er 20.000 Euro ausgegeben (kein Vorsteuerabzug möglich). Für allgemeine Verwaltungskosten hat er 5.000 Euro ohne USt (externe Buchhaltung) bezahlt. 880 Möbelstücke verkaufte er für 132.000 € netto. Am Anfang des Jahres befand sich kein Möbelstück auf Lager. Am Ende des Jahres befinden sich noch 120 Stück auf Lager. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 175 10.3 Die Herstellungskosten 175 Schritt 1: Verbuchung der Aufwendungen und Erträge nach SKR 04 a) Verbuchung des Fertigungsmaterials Rohstoffe 100.000 Euro (5000)/Bank (1800) 119.000 Euro Vorsteuer 19.000 Euro (1406) b) Verbuchung der Lagerkosten Raumkosten (6310)/Bank (1800) 20.000 Euro c) Verbuchung der allg. Verwaltungskosten Buchführung (6830)/Bank (1800) 5.000 Euro d) Verbuchung der Erlöse Bank (1800)157.080 Euro / Warenerlöse (4400) 132.000 Euro Umsatzsteuer (3806) 25.080 Euro Schritt 2: Ermittlung der Herstellungskosten Fertigungsmaterial 100.000 € + Materialgemeinkosten 20.000 € = Mindestherstellungskosten 120.000 € → HK pro Stück: 120 € + allg. Verwaltungskosten 5.000 € = höchstmöglicher Ansatz 125.000 € → HK pro Stück: 125 € Schritt 3: Auswirkung der Wahl des Ansatzes Abbildung 163: Auswirkung Bewertung Wie Sie leicht erkennen können, führt eine höhere Bewertung zu einem höheren Gewinn. Wieso? Denken Sie daran: Je höher der Bilanzansatz der Waren in der Bilanz, desto höher das Endvermögen und damit der Gewinn. In der Praxis bedient man sich häufig der Kosten- und Leistungsrechnung , um die Herstellungskosten eines Wirtschaftsgutes zu ermitteln. Hierbei werden die gesamten Kosten des Betriebes auf die einzelnen Produktarten umgelegt, sodass sich die Gesamtherstellungskosten eines Produkts ergeben. Um die Herstellungskosten pro Produkt zu ermitteln, werden die Gesamtherstellungskosten lediglich durch die Anzahl der in diesem Jahr erstellten Produkte geteilt. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 176 10 Der Warenverkehr176 10.4 Behandlung von Spezialfällen Im Folgenden wird davon ausgegangen, dass der Unternehmer das Bruttoverfahren anwendet. 10.4.1 Verderb von Waren Dadurch, dass die verdorbenen Waren am Ende des Jahres nicht mehr vorhanden sind, werden sie automatisch als Aufwand erfasst. Zuerst ist der Warenschlussbestand zu ermitteln. Praxis-Beispiel: Verderb Karoline Karara betreibt in der Betongasse 23 in 23478 Saarbrücken ein Fliesengeschäft . Laut Inventur vom 31.12.09 befinden sich Waren im Wert von 10.000 Euro (400 Fliesen) auf Lager. Weder kauft Frau Karara während des Jahres Waren noch verkauft sie Waren. Am 20.08.10 gehen 100 Fliesen zu Bruch. Bei der Inventur am 31.12.10 befinden sich noch 300 Fliesen auf Lager. Wie wird der Warenschwund buchtechnisch berücksichtigt? Zuerst ist der Warenschlussbestand zu ermitteln: 300 Stück x (10.000 €/400 Stück) = 7.500 € Dann ist der Schlussbestand in das Wareneingangskonto einzubuchen (siehe Abbildung 164). Abbildung 164 : Auswirkung von Verderb und Diebstahl In der Praxis wird die Bestandsminderung bei der Inventur über Konto 5880 berücksichtigt. Praxis-Tipp Wie Sie sehen, brauchen Sie beim Verderb der Waren keine Buchungen vorzunehmen, da der Verderb bei der Inventur automatisch berücksichtigt wird. 10.4.2 Diebstahl von Waren Dadurch, dass die gestohlenen Waren am Ende des Jahres nicht mehr vorhanden sind, werden sie automatisch als Aufwand erfasst . In dem Praxis-Beispiel Verderb haben Sie bereits gesehen, wie sich der Vorgang buchhalterisch auswirkt. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 177 10.4 Behandlung von Spezialfällen 177 10.4.3 Rücksendung der Waren a) Durch den Kunden: Die Erlösbuchung wird rückgängig gemacht. b) An den Lieferanten: Die Aufwandsbuchung wird rückgängig gemacht. Praxis-Beispiel: Rücksendung Karoline Karara betreibt in der Betongasse 23 in 23478 Saarbrücken ein Fliesengeschäft . • Der Warenbestand zum 01.01.10 beträgt 15.000  Euro; davon 8.000  Euro weiße Fliesen (500 Stück), 3.000 Euro rote Fliesen (120 Stück) und 4.000 Euro grüne Fliesen (350 Stück). Im Jahr 10 ereignen sich folgende Geschäftsvorfälle: • Am 10.02.10 erwirbt Frau Karara 200 rote Fliesen für 27 Euro/Stück (brutto) und zahlt am selben Tag per Überweisung. In der beiliegenden Rechnung ist die Umsatzsteuer gesondert ausgewiesen. Bei der sofortigen Überprüfung der Ware stellt Frau Karara fest, dass 100 Fliesen zerbrochen sind. Die zerbrochenen Fliesen sendet Frau Karara zurück und verlangt ihr Geld zurück. Am 10.04.10 überweist der Lieferant 2.700 Euro auf das Firmenkonto. • Am 15.06.10 erwirbt Frau Karara 10.000 grüne Fliesen für 9,50 Euro/Stück (brutto) und zahlt am selben Tag per Überweisung. In der beiliegenden Rechnung ist die Umsatzsteuer gesondert ausgewiesen. Bei Erhalt der Lieferung ist Frau Karara entsetzt, da sie eigentlich nur 1000 Fliesen wollte. Daher sendet Sie am 20.06.10 die 9.000 Fliesen zurück. Am 10.07.10 überweist der Lieferant 84.000 Euro, da er 1.500 Euro an Bearbeitungsgebühren einbehält. • Am 15.03.10 verkauft Frau Karara an einen Kunden 200 rote Fliesen für 35 Euro/Stück (brutto), der bar bezahlt. Da der Kunde nicht alle Fliesen benötigt, gibt er am 20.06.10 100 Stück zurück und erhält von Frau Karara einen Gutschein über 3.500 Euro. • Am 15.04.10 verkauft Frau Karara an einen Kunden 200 weiße Fliesen für 4.000 Euro (brutto). Das Päckchen kommt am 15.06.10 ungeöffnet zurück: Der Kunde ist unbekannt verzogen. • Bei der Inventur am 31.12.10 stellt Frau Karara Folgendes fest: weiße Fliesen 480 Stück rote Fliesen 100 Stück grüne Fliesen 850 Stück Erstellen Sie die Buchungssätze. Die Lösung nach SKR 04: 10.02.10: Wareneingang (5400) 4.537,82 € / Bank (1800) 5.400 € Vorsteuer (1406) 862,18 € 10.04.10 Bank (1800) 2.700 € / Wareneingang (5400) 2.268,91 € Vorsteuer (1406) 431,09 € 15.06.10: Wareneingang (5400) 79.831,93 € / Bank (1800) 95.000 € Vorsteuer (1406) 15.168,07 € 20.06.10: sonst. Ford (1300) 85.500 € / Wareneingang (5400) 71.848,74 € VoSt (1406) 13.651,26 € Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 178 10 Der Warenverkehr178 10.07.10: Bank (1800) 84.000 € / sonst. Ford. (1300) 85.500 € a. o. Ä. (7500) 1.500 € Praxis-Hinweis Ein Vorsteuerabzug aus der Bearbeitungsgebühr ist nicht möglich, da es sich hierbei um einen echten Schadenersatz handelt, der nicht der Umsatzsteuer unterliegt. 15.03.10: Kasse (1600) 7.000 € / Warenerlöse (4400) 5.882,35 € Umsatzsteuer (3806) 1.117,65 € 20.06.10: Warenerlös (4400) 2.941,18 € / sonst. Vbdl. (3500) 3.500 € Umsatzsteuer (3806) 558,82 € 15.04.10: Debitor 4.000 € / Warenerlöse (4400) 3.361,34 € Umsatzsteuer (3806) 638,66 € 15.06.10: Warenerlöse (4400) 3.361,34 € / Debitor 4.000 € Umsatzsteuer (3806) 638,66 € Zuerst ist eine Bewertung des Inventurbestandes durchzuführen: 480 Stk x (8.000 €/500 Stk) = 7.680,00 € 100 Stk x (3.000 € + 2.268,91 €)/(120 Stk + 100 Stk) = 2.394,96 € 850 Stk x (4.000 € + 7.983,21 €)/(350 Stk + 1.000 Stk) = 7.544,98 € Gesamtwert 17.619,94 € Über das Buchungskonto „Bestandsveränderungen Waren“ (5880) wird die Ver- änderung des Warenbestandes als Ertrag gebucht. 10.5 Preisnachlässe Wir unterscheiden drei Arten von Preisnachlässen : • Rabatt: Wenn Sie einen niedrigeren Preis zahlen, als den festgesetzten Preis, wird der Preisunterschied Rabatt genannt. Beispiel: Ein Möbelstück kostet laut Preisschild 1.200 Euro. Da Sie ein treuer Kunde des Möbelhauses sind, erhalten Sie das Möbelstück für 1.100 Euro. Die Differenz von 100 Euro wird als Rabatt bezeichnet. • Bonus: Unter Bonus versteht man einen nachträglich gewährten Preisnachlass. Beispiel: Bei Ihrem Hauptlieferanten haben Sie während des Jahres Waren im Wert von 100.000 Euro geordert. Als Dank hierfür erhalten Sie von Ihrem Lieferanten einen Scheck über 1.000 Euro (= Bonus). • Skonto: Wenn Sie bei frühzeitiger Zahlung der Rechnung weniger als den Rechnungsbetrag zahlen müssen, wird die Preisdifferenz Skonto genannt. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 179 10.5 Preisnachlässe 179 10.5.1 Preisnachlässe von Lieferanten Alle drei Preisnachlässe haben eins gemeinsam : • Sie führen dazu, dass Sie weniger Geld für die Waren ausgeben müssen, daher mindert sich der Warenaufwand um den Preisnachlass. • Ebenso mindert sich Ihr Vorsteueranspruch (§ 17 Abs. 1 UStG), da Sie durch den Preisnachlass weniger Umsatzsteuer an den Lieferanten bezahlt haben. Abbildung 165 zeigt, wie Preisnachlässe von Lieferanten gebucht werden. Abbildung 165 : So werden Preisnachlässe von Lieferanten gebucht Aus Gründen der Aussagekraft werden Boni und Skonti (Aufwandsminderungen ) auf ein eigenes Konto gebucht. Rabatte werden gleich bei der Verbuchung des Wareneingangs berücksichtigt – außer bei nachträglich gewährten Rabatten. Praxis-Beispiel: Preisnachlässe von Lieferanten Markus Mercator betreibt in der Rasergasse 123 in Stuttgart ein Autohaus . Er ist Regelbesteuerer und versteuert seine Umsätze nach vereinbarten Entgelten. Abbildung 166: Abbuchungen auf dem Geschäftskonto von Herrn Mercator Zu Umsatzsteuer: Am 12.05.07 bucht das Finanzamt per Lastschrifteinzug die Zahllast der USt- Voranmeldung April 07 ab. 12.05.02: Umsatzsteuer-Vorauszahlung (3820) / Bank (1800) 2.000 € Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 180 10 Der Warenverkehr180 Zu Raffzahn: Am 01.05.07 kauft Herr Mercator bei Raffzahn einen Audi TT für 10.000 Euro. Da er binnen 14 Tagen überweist nimmt er 2 % Skonti in Anspruch. Die Umsatzsteuer i. H. v. 19 % ist ordnungsgemäß ausgewiesen. 01.05.02: WE (5400) 8.403,36 € / Vbdl. Raffzahn (70112) 10.000 € Vorsteuer (1406) 1.596,64 € 12.05.02: Vbdl. Raffzahn 10.000 € / Skonto (5736) 168,07 € Vorsteuer (1406) 31,93 € Bank (1800) 9.800,00 € Zu Privatmiete: 12.05.02: Privatentnahme (2100) / Bank (1800) 2.000 € Zu Ahnungslos: Am 10.01.07 kauft Herr Mercator vom Privatmann Ahnungslos dessen Privatwagen für 5.000 Euro (inkl. USt; in Rechnung gesondert ausgewiesen). Erst nach langwierigen Streitereien überweist Herr Mercator am 12.05.07 den Kaufpreis. 10.01.02: Wareneingang (5200) / Vbdl. Ahnungslos (70113) 5.000 € (kein Vorsteuerabzug, da Rechnung von einem Privatmann) 12.05.02: Vbdl. Ahnungslos (70113) / Bank (1800) 5.000 € Zu VW AG: Am 01.05.07 wurde der von Herr Mercator bestellte VW Lupo geliefert. Bezahlt wurde die Rechnung aber erst am 12.05.07. Am 20.12.07 erhielt Herr Mercator ein Schreiben, in dem die VW AG Mercator einen Bonus für 07 versprach, da er in 07 Wagen im Wert von 500.000 Euro abgenommen habe. Der Bonus i. H. v. 5.000 Euro wurde am 10.02.08 auf das Firmenkonto von Herr Mercator überwiesen. 01.05.02: WE (5400) 12.605,03 € / Vbdl. VW (70114) 15.000 € Vorsteuer (1406) 2.394,97 € 12.05.02: Vbdl. VW (70114) / Bank (1800) 15.000 € 20.12.02: Ford. VW (10100) 5.000 € / Bonus (5760) 4.201,68 € Vorsteuer (1406) 798,32 € 10.02.03: Bank (1800) / Ford. VW (10100) 5.000 € 10.5.2 Preisnachlässe an Kunden Alle drei Preisnachlässe haben eins gemeinsam : • Sie führen dazu, dass Sie weniger Geld für die Waren erhalten, daher mindert sich der Warenerlös um den Preisnachlass. • Ebenso mindert sich Ihre Umsatzsteuer (§ 17 Abs. 1 UStG), da durch den Preisnachlass die Bemessungsgrundlage geringer wird und somit auch die Umsatzsteuer. Abbildung 167 gibt einen Überblick, wie Preisnachlässe an Kunden gebucht werden. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 181 10.5 Preisnachlässe 181 Abbildung 167 : So werden Preisnachlässe an Kunden gebucht Aus Gründen der Aussagekraft werden Boni und Skonto (Ertragsminderungen ) auf ein eigenes Konto gebucht. Rabatte werden gleich bei der Verbuchung des Warenausgangs berücksichtigt – außer bei nachträglich gewährten Rabatten. Praxis-Beispiel: Preisnachlässe an Kunden Markus Mercator betreibt in der Rasergasse 123 in Stuttgart ein Autohaus . Er ist Regelbesteuerer und versteuert seine Umsätze nach vereinbarten Entgelten. Abbildung 168: Gutschriften auf dem Geschäftskonto von Herrn Mercator Zu Verkauf eines Opels: Am 02.05.02 verkauft Herr Mercator einem Studenten der Psychologie einen Opel für 20.000 Euro. Aufgrund der psychologischen Fähigkeiten des Studenten erhält er 5.000 Euro Rabatt auf den Wagen. Er überweist am 13.05.02. 02.05.02: Debitor (10000) 15.000 € / Warenerlöse (4400) 12.605,04 € Umsatzsteuer (3806) 2.394,96 € (Rabatte werden sofort bei der Erlösbuchung berücksichtigt.) 13.05.02: (1800) 15.000 € / Debitor (10000) 15.000 € Zu Verkauf eines BMW: Am 10.05.02 verkauft Herr Mercator an einen Kunden einen BMW für 55.000  Euro. Der Kunde zahlt binnen 14 Tagen, sodass er von seinem Recht Gebrauch macht, 2 % Skonto abzuziehen. 10.05.02: Debitor (10100) 55.000 € / Warenerlöse (4400) 46.218,49 € Umsatzsteuer (3806) 8.781,51 € Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 182 10 Der Warenverkehr182 13.05.02: Bank (1800) 53.900,00 € / Debitor (10100) 55.000 € Skonto (4736) 924,37 € Umsatzsteuer (3806) 175,63 € Zu Verkauf eines Ford: Am 10.04.02 verkauft Herr Mercator an einen Kunden einen Ford für 55.000 Euro. Der Kunde zahlt nicht binnen 14 Tagen, zieht aber dennoch bei der Überweisung 2 % Skonto ab. Da es sich um einen guten Kunden handelt, verzichtet Herr Mercator auf den vollen Kaufpreis. 10.04.02: Debitor (10200) 55.000 € / Warenerlöse (4400) 46.218,49 € Umsatzsteuer (3806) 8.781,51 € 13.05.02: Bank (1800) 53.900,00 € / Debitor (10200) 55.000 € Skonto (4736) 924,37 € Umsatzsteuer (3806) 175,63 € Praxis-Hinweis Auch wenn der Kunde keinen Anspruch auf Skonto mehr hatte, stellt die nachträgliche Preisminderung eine Ertragsminderung dar, da Herr Mercator auf die restliche Forderung freiwillig verzichtet. 10.6 Anzahlungen 10.6.1 Kundenanzahlungen Solange Sie die Ware noch nicht geliefert haben, hat der Kunde einen Anspruch auf Rückerstattung des gezahlten Geldes, d. h. Sie haben gegenüber dem Kunden eine Verbindlichkeit . Zu diesem Zeitpunkt entsteht aber noch kein Ertrag. Beachten Sie aber, dass Sie als Regelbesteuerer auf jeden Fall Umsatzsteuer auf die Anzahlung abführen müssen (handelsrechtliche Behandlung siehe Abbildung 169). Abbildung 169 : Kundenanzahlungen Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 183 10.6 Anzahlungen 183 10.6.2 Anzahlungen an Lieferanten Solange der Lieferant die Ware noch nicht geliefert hat, haben Sie einen Anspruch auf Rückerstattung des gezahlten Geldes, d. h. Sie haben gegenüber dem Lieferanten eine Forderung . Zu diesem Zeitpunkt entsteht aber noch kein Aufwand. Beachten Sie, dass Sie evtl. bereits jetzt Vorsteuer in Anspruch nehmen können (handelsrechtliche Behandlung siehe Abbildung 170). Abbildung 170 : Anzahlungen an den Lieferanten Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 185 11 Anlagebuchhaltung In diesem Kapitel beschäftigen Sie sich mit der Behandlung des betrieblichen Anlagevermögens . Hierzu werden wir zuerst die Begriffe „Betriebsvermögen “, „Anlagevermögen “ und „Umlaufvermögen “ wiederholen. Danach befassen Sie sich mit den „Anschaffungskosten “ und „Herstellungskosten “. Abschließend erfolgt die Besprechung der Bilanzierung des Anlagevermögens. 11.1 Was ist Betriebsvermögen? In die Bilanz gehören nur diejenigen Wirtschaftsgüter, die Betriebsvermögen des Unternehmens sind. Dabei ist zwischen Einzelunternehmen und Kapitalgesellschaft zu unterscheiden (siehe Abbildung 171). Abbildung 171 : Betriebsvermögen Einzelunternehmen Alle Wirtschaftsgüter , die zu mehr als 50 % betrieblich genutzt werden, sind zwingend in die Bilanz aufzunehmen (notwendiges Betriebsvermögen ). Bei Wirtschaftsgütern, die zu mindestens 10 % und maximal 50 % betrieblich genutzt werden, besteht ein Wahlrecht (gewillkürtes Betriebsvermögen ). Alle Wirtschaftsgüter, die zu weniger als 10 % betrieblich genutzt werden, dürfen in der Bilanz nicht erscheinen (Privatvermögen ). Schulden , die zum Erwerb von Wirtschaftsgütern des Betriebsvermögens aufgenommen wurden oder unmittelbar mit der Betriebstätigkeit in Zusammenhang stehen, sind zwingend in der Bilanz auszuweisen.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Buchführung in der Praxis

Dieser aktuelle Ratgeber liefert einen praxisorientierten Einstieg in die Grundlagen der doppelten Buchführung. Ausgehend von einem Unternehmensgründer werden die theoretischen Grundlagen kurzweilig vermittelt. Durch die zahlreichen Praxisbeispiele und Schaubilder ist das Werk besonders anschaulich.

Buchführung auf den Punkt gebracht:

– Zahlreiche Übungen und Beispiele aus der Buchführungspraxis

– Von Einzelbelegen zum vorläufigen Jahresergebnis: So berechnen Sie Einnahmen und Ausgaben

– Auf CD-ROM: Excel-Tools zu Abschreibung, Gewinn- und Verlustermittlung, AfA-Tabellen und DATEV-Kontenrahmen