4 Einführung in das Lohnsteuerrecht in:

Gerhard C. Girlich

Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung, page 42 - 53

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3831-4, ISBN online: 978-3-8006-3933-5, https://doi.org/10.15358/9783800639335_42

Series: Vahlen Praxis

Bibliographic information
Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 42 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 43 4 Einführung in das Lohnsteuerrecht 4.1 Grundlagen Im Gegensatz zum Sozialversicherungsrecht finden sich die Regelungen zum Lohnsteuerrecht in nur einem Gesetz, dem Einkommensteuergesetz. Erhebungsformen der Einkommensteuer Abzugsverfahren ESt-Vorauszahlung Veranlagungs-verfahren • Einzelveranlagung • Zusammenveranlagung • Lohnsteuer • Kapitalertragsteuer • Steuer nach § 50a EStG • Bauabzugsteuer Erhebungsformen der Einkommensteuer Beachten Sie: Die Lohnsteuer ist keine selbstständige Steuer, sondern eine spezielle Erhebungsform der Einkommensteuer. Die Regelungen des Einkommensteuergesetzes werden ergänzt um die Verwaltungsvorschriften Lohnsteuerrichtlinie (LStR) und Lohnsteuerhinweise (LStH). Diese Regelungen sind für die Arbeitgeber nicht rechtsverbindlich. Da diese Regelungen die Meinung der Finanzverwaltung wiedergeben, ist es in der Praxis sicher sinnvoll, sich daran zu orientieren, um so bei Betriebsprüfungen unnötigen Streit zu vermeiden. 4.2 Lohnsteuerabzug 4.2.1 Grundlagen Der Staat geht bei Arbeitnehmern den einfachsten Weg, um an sein Geld heranzukommen: Er nimmt sich das Geld direkt von der Quelle. Gemäß § 38 Abs. 1 EStG wird bei Einkünften aus nicht selbstständiger Arbeit die Zusatzregelungen zum EStG Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 44 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 45 4 Einführung in das Lohnsteuerrecht44 Einkommensteuer (in Form der Lohnsteuer) durch Abzug vom Arbeitslohn erhoben. ArbeitslohnBemessungs-grundlage Einflussfaktoren persönliche Verhältnisse • Lohnsteuerkarte • Steuerklasse • Freibetrag • Hinzurechnungsbetrag Höhe der LSt individuell pauschal Berechnung der Lohnsteuer In einem ersten Schritt müssen Sie die Bemessungsgrundlage (= Arbeitslohn) ermitteln. Hierbei ist zwischen folgenden Steuermerkmalen zu unterscheiden: •• L = lohnsteuerpflichtiger Arbeitslohn •• P = pauschal zu versteuernder Arbeitslohn •• F = lohnsteuerfreier Arbeitslohn Nur lohnsteuerpflichtiger Arbeitslohn unterliegt dem individuellen Lohnsteuerabzug. Pauschal versteuerter Arbeitslohn ist hingegen nach einem einheitlichen Steuersatz zu besteuern. 4.2.2 Bemessungsgrundlage Bemessungsgrundlage ist der zugeflossene Arbeitslohn, wobei zwischen laufendem Arbeitslohn und sonstigen Bezügen unterschieden wird. ArbeitslohnBemessungsgrundlage laufender Arbeitslohn sonstige Bezüge Ansatzzeitpunkt im jeweiligen LSt- Anmeldezeitraum bei tatsächlichem Zufluss Einteilung von Arbeitslohn Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 44 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 45 4.2 Lohnsteuerabzug 45 Laufender Arbeitslohn ist Arbeitslohn, der dem Arbeitnehmer regelmäßig zufließt (z. B. Monatsgehalt, Fahrtkostenzuschuss). Ein sonstiger Bezug fließt dem Arbeitnehmer nur einmalig zu (z. B. Weihnachtsgeld, Tantieme). Beispiel: Sonstiger Bezug Arbeitnehmer A erhält sein Dezembergehalt 2010 und seine Tantieme für 2010 erst am 10.01.2011 ausbezahlt. A muss sein Dezembergehalt noch im Jahr 2010 versteuern, da es sich um laufenden Arbeitslohn handelt und dieser immer in dem Lohnzahlungszeitraum (= meist Kalendermonat) zu versteuern ist, zu dem er gehört. Anders verhält es sich mit der Tantieme. Diese ist als sonstiger Bezug erst 2011 zu versteuern, im Lohnzahlungszeitraum Januar 2011. Maßgebend ist bei sonstigen Bezügen immer der tatsächliche Zufluss. 4.2.3 Lohnsteuerliche Merkmale Anschließend ist aufgrund der lohnsteuerlichen Merkmale (Steuerklasse, Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte, Alter, Kinder etc.) die Höhe der Lohnsteuer, des Solidaritätszuschlags und der Kirchensteuer zu berechnen. Die lohnsteuerlichen Merkmale können Sie der Lohnsteuerkarte entnehmen, die die Arbeitnehmer von ihrer Wohnsitzgemeinde für 2010 noch in Papierform erhalten haben. Alternativ legt der Arbeitnehmer eine Ersatzbescheinigung vor. Ausblick: ELSTAM Bundeszentralamt für Steuern Arbeitnehmer Zuteilung Steuer-ID-Nr. Arbeitgeber Gemeinde Finanzamt elektronische Übermittlung Lohnsteuerbescheinigung Übermittlung lohnsteuerliche Merkmale Übermittlung lohnsteuerliche Merkmale D atenüberm ittlung Aushändigung einer Lohnsteuerbescheinigung Überblick über ELSTAM Laufender Lohn vs. sonstiger Bezug Quelle Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 46 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 47 4 Einführung in das Lohnsteuerrecht46 Ab 2012 soll die (Papier-)Lohnsteuerkarte entfallen. Stattdessen wird beim Bundeszentralamt für Steuern ein Datenpool („ELSTAM“) eingerichtet, in dem für jeden Arbeitnehmer unter dessen Steueridentifikationsmerkmalen die lohnsteuerlichen Merkmale gespeichert werden. Die Merkmale werden von den Gemeinden und von den Finanzämtern in den Datenpool eingestellt. Das Bundeszentralamt für Steuern stellt dann den Arbeitgebern die Merkmale elektronisch zur Verfügung. Diese gelten für die Dauer des Arbeitsverhältnisses; Änderungen werden den Arbeitgebern elektronisch mitgeteilt. In Härtefällen erhält der Arbeitgeber die lohnsteuerlichen Merkmale von seinem Betriebsstättenfinanzamt in Papierform (= Abzugsbescheinigung). Lohnsteuerklasse LSt-Klasse I alleinstehende Personen § 38b Satz 2 Nr 1 EStG LSt-Klasse II alleinstehende Personen mit Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (§ 24b) § 38b Satz 2 Nr 2 EStG LSt-Klasse III verheiratete Personen mit Ehepartner Steuerklasse V oder ohne LSt-Karte § 38b Satz 2 Nr 1 EStG LSt-Klasse IV verheiratete Personen und beide Steuerklasse IV § 38b Satz 2 Nr 1 EStG LSt-Klasse V verheiratete Personen mi Ehepartner Steuerklasse III § 38b Satz 2 Nr 1 EStG LSt-Klasse VI weiteres Arbeitsverhältnis oder Nichtvorlage der Lohnsteuerkarte § 38b Satz 2 Nr 1 EStG Lohnsteuerklassen Beachten Sie: Liegt keine Lohnsteuerkarte vor, ist der Steuerabzug nach Lohnsteuerklasse VI vorzunehmen. Eine nachträgliche Korrektur nach § 41c EStG ist aber möglich. Exkurs: Faktorverfahren (§ 39 f. EStG i. V.m. § 52 Abs. 52 EStG) Bei Ehegatten, die dies beantragen, wird anstelle der Steuerklassenkombination III/V die Steuerklasse IV in Verbindung mit einem Faktor eingetragen. Der Faktor wird berechnet, indem die voraussichtliche Einkommensteuer für beide Ehegatten nach dem Splittingverfahren durch die Summe der Lohnsteuer bei beiden Ehegatten nach der Steuerklasse IV dividiert wird. Lohnsteuerdatenpool Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 46 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 47 4.2 Lohnsteuerabzug 47 Beispiel: Auswirkung eines Faktors Ehepartner M hat ein monatliches Gehalt von 2.500 € (30.000 €). Ehepartner F hat monatlich ein Gehalt von 3.500 € (42.000 €). Im Rahmen der Einkommensteuererklärung würde sich eine Einkommensteuer von 11.582 € ergeben. Würde die klassische V/III-Kombination gewählt, ergäbe sich folgende Steuer: M 7.424,00 € F 4.282,00 € gesamte Lohnsteuer 11.706,00 € Bei einer Kombination IV/IV ergäbe sich folgende Steuer: M 4.187,00 € F 7.521,00 € gesamte Lohnsteuer 11.708,00 € Bei einem Faktor von 0,989 ergäbe sich folgende Steuer: M 4.140,00 € F 7.438,00 € gesamte Lohnsteuer 11.578,00 € Durch die Wahl eines Faktors ergibt sich keine Steuerersparnis für M und F, sondern lediglich eine andere Verteilung bei der Lohnsteuer. Der Faktor kann auf www.abgabenrechner.de/fb2010/index.jsp selbst berechnet werden. Die Vorschrift gilt erst seit dem Veranlagungszeitraum 2010. Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte Um sich einen Freibetrag auf die Lohnsteuerkarte eintragen zu lassen, ist beim Finanzamt ein Lohnsteuerermäßigungsantrag einzureichen. Ein Freibetrag wird nur eingetragen, wenn der einzutragende Freibetrag 600 Euro übersteigt. Eintragungsfähig sind v. a. folgende Ausgaben: •• Werbungskosten, die den Arbeitnehmerpauschbetrag übersteigen •• Sonderausgaben, die den Sonderausgabenpauschbetrag übersteigen •• außergewöhnliche Belastungen •• negative Einkünfte Beispiel: Freibetrag Arbeitnehmer F hat einen Bruttoarbeitslohn von 3.000 €. Auf der Lohnsteuerkarte ist die Steuerklasse I vermerkt und ein Freibetrag von 200 € eingetragen. Steuerpflichtiger Arbeitslohn LSt SoliZ KiSt beitragspflichtiger Arbeitslohn Ohne FB 3.000 € 544,75 € 29,96 € 43,58 € 3.000 € Mit FB 2.800 € 480,08 € 26,40 € 38,40 € 3.000 € Eintragungsfähige Ausgaben Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 48 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 49 4 Einführung in das Lohnsteuerrecht48 Hinzurechnungsbetrag auf der Lohnsteuerkarte Bei Arbeitnehmern mit zwei Arbeitsverhältnissen besteht die Möglichkeit, den im ersten Dienstverhältnis nicht ausgeschöpften Grundfreibetrag als Freibetrag auf der zweiten Lohnsteuerkarte eintragen zu lassen. Auf der ersten Lohnsteuerkarte wird dann ein Hinzurechnungsbetrag in Höhe des Freibetrags auf der zweiten Lohnsteuerkarte eingetragen. 4.2.4 Lohnsteuertabelle Grundsätzlich wird die Lohnsteuer individuell für jeden Arbeitnehmer ermittelt. Ausgehend von den lohnsteuerlichen Merkmalen des Arbeitnehmers und seinem Arbeitslohn kann mithilfe einer Lohnsteuertabelle die Höhe der Steuerabzüge ermittelt werden. Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Lohnsteuertabellen: allgemeine Tabelle besondere Tabelle = gekürzte Vorsorgepauschale = vgl. R 39b.7 Abs. 3 LStR = volle Vorsorgepauschale = vgl. R 39b.7 Abs. 2 LStR 4.2.5 Lohnsteuerabführung Die aufgrund des Arbeitslohns und der lohnsteuerlichen Merkmale ermittelten Steuern sind dem Finanzamt bis zum 10. des Folgemonats •• elektronisch zu melden (Lohnsteueranmeldung) und •• abzuführen. Beachten Sie: Eine Ausnahme von der elektronischen Übermittlung kann nur in Härtefällen beantragt werden. Der Anmeldezeitraum ist von den im Vorjahr abzuführenden Lohnsteuerbeträgen abhängig (§ 41a EStG): •• bis zu 1.000 Euro: jährliche Lohnsteueranmeldung •• über 1.000 Euro und bis 4.000 Euro: vierteljährlicher Anmeldungszeitraum •• über 4.000 Euro: monatliche Abgabe der Anmeldung Gibt es kein Vorjahr, ist immer der erste volle Monat maßgebend. Frist Zeitraum Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 48 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 49 4.4 Jahresabschluss 49 Beispiel: Anmeldezeitraum bei Gründung Wird ein Unternehmen am 01.03.2011 gegründet, ist die Lohnsteuer des Monats März auf einen Jahresbetrag hochzurechnen. Beträgt diese beispielsweise 200 €, so ist der Jahresbetrag 2.400 € und damit eine vierteljährliche Lohnsteueranmeldung erforderlich. Beachten Sie: Erfolgt eine verspätete Anmeldung, werden unter Umständen ein Verspätungszuschlag, bei verspäteter Zahlung Säumniszuschläge fällig. 4.3 Lohnkonto Der Arbeitgeber muss die lohnsteuerlichen Merkmale und die Lohnzahlungen •• am Ort der Betriebsstätte, •• für jeden Arbeitnehmer, •• für jedes Kalenderjahr in Form eines Lohnkontos dokumentieren (§ 41 Abs. 1 Satz 1 EStG). Hierfür ist keine besondere Form vorgeschrieben. Ihr Lohnbuchhaltungsprogramm nimmt Ihnen diese Arbeit weitestgehend ab. 4.4 Jahresabschluss Bei Beendigung des Dienstverhältnisses oder am Ende des Kalenderjahres hat der Arbeitgeber •• ggf. einen Lohnsteuerjahresausgleich durchzuführen (vgl. Abb.), •• das Lohnkonto abzuschließen (§ 41b Abs. 1 Satz 1 EStG), •• die elektronische Lohnsteuerbescheinigung bis spätestens 28.02. des Folgejahres an die Übermittlungsstelle zu senden, •• dem Arbeitnehmer einen Ausdruck der Lohnsteuerbescheinigung oder die Lohnsteuerkarte auszuhändigen (§ 41b Abs. 1 Satz 3 EStG), •• die Lohnsteuerkarte ggf. zu vernichten (§ 41b Abs. 1 Satz 6 EStG). Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 50 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 51 4 Einführung in das Lohnsteuerrecht50 max. 9 Mitarbeiter am 31.12. Lohnsteuerjahresausgleich durch den ArbG ist freiwillig max. 10 Mitarbeiter am 31.12. Lohnsteuerjahresausgleich durch den ArbG ist verpflichtend Ein Lohnsteuerjahresausgleich ist nur möglich, wenn – im Ausgleichsjahr lückenlos beschäftigt – am 31.12. beim Arbeitgeber beschäftigt – kein Fall des § 42b Abs. 1 Satz 4 EStG Lohnsteuer lt. Jahreslohnsteuertabelle ./. einbehaltene Lohnsteuer = Erstattungsbetrag Lohnsteuerjahresausgleich Beachten Sie: Nach Versenden der Lohnsteuerbescheinigung ist eine nachträgliche Änderung nicht möglich (§ 41c Abs. 3 Satz 1 EStG). 4.5 Haftung Der Arbeitgeber haftet grundsätzlich (§ 42d Abs. 1 EStG) •• für die einzubehaltende und abzuführende Lohnsteuer, •• für die zu Unrecht erstattete Lohnsteuer beim Lohnsteuerjahresausgleich, •• für die Lohnsteuer, die aufgrund fehlerhafter Angaben im Lohnkonto oder in der Lohnsteuerbescheinigung verkürzt wurde. In solchen Fällen sind Arbeitnehmer und Arbeitgeber Gesamtschuldner (§ 42d Abs. 3 Satz 1 EStG). Das Finanzamt muss im Rahmen des pflichtgemäßen Ermessens entscheiden, wen von beiden es in Anspruch nimmt. Näheres erfahren Sie im letzten Kapitel zum Thema „Lohnsteueraußenprüfung“. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 50 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 51 4.7 Einkommensteuererklärung 51 4.6 Anrufungsauskunft Auf Antrag des Arbeitgebers oder des Arbeitnehmers muss das Betriebsstättenfinanzamt Auskunft erteilen, inwieweit die Vorschriften über die Lohnsteuer im einzelnen Fall anzuwenden sind (§ 42e Satz 1 EStG). Die Anrufungsauskunft bindet das Finanzamt nur gegenüber demjenigen, der diese beantragt hat (H 42e „Bindungswirkung“ LStH); für die Veranlagung entfaltet sie keine Bindungswirkung. 4.7 Einkommensteuererklärung 4.7.1 Pflicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung Der Abzug der Lohnsteuer hat grundsätzlich Abgeltungscharakter, d. h. Arbeitnehmer müssen nicht, können aber in den meisten Fällen eine Einkommensteuererklärung abgeben. Pflichtveranlagung Antragsveranlagung • Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug > 410 Euro • Einkünfte mit Progressionsvorbehalt > 410 Euro • mehrere Arbeitsverhältnisse • Werksrentner und Pensionäre • Ehegatten mit Steuerklasse V und/oder VI • Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte muss Steuererklärung abgeben kann Steuererklärung abgeben Abgabe einer Einkommensteuererklärung Fall 1: Pflichtveranlagung Wer in diese Gruppe fällt, muss eine Erklärung abgeben. Hierzu hat der Steuerpflichtige bis zum 31.05. des Folgejahres Zeit. Pflichtveranlagung ist z. B. gegeben, wenn •• der Steuerpflichtige neben dem Arbeitslohn noch andere Einkünfte (Rente, Zinsen und Dividende) hatte, die mehr als 410 Euro betragen, •• Lohnersatzleistungen (Arbeitslohn, Mutterschaftsgeld etc.) von mehr als 410 Euro bezogen wurden, Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 52 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 53 4 Einführung in das Lohnsteuerrecht52 •• mehrere Arbeitsverhältnisse bestanden, •• Ehegatten die Lohnsteuerklassen III und V hatten, •• Ehegatten das Faktorverfahren beantragt haben und/oder •• ein Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eingetragen wurde. Fall 2: Antragsveranlagung Wer in diese Gruppe fällt, muss keine Erklärung abgeben, kann es aber tun. Wer hohe Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen bzw. Verluste aus anderen Einkunftsarten hat, sollte eine Erklärung abgeben, da er grundsätzlich eine Erstattung erhält. 4.7.2 Berechnung der Einkommensteuer Wenn der Arbeitnehmer eine Einkommensteuererklärung abgibt, ermittelt sich die Einkommensteuer aufgrund des „zu versteuernden Einkommens“. Die Lohnsteuer wird auf die Einkommensteuerschuld angerechnet. Das zu versteuernde Einkommen wird – verkürzt dargestellt – folgendermaßen ermittelt: Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft + Einkünfte aus Gewerbebetrieb + Einkünfte aus selbstständiger Arbeit + Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit + Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung + sonstige Einkünfte (z. B. aus Renten) = Summe der Einkünfte (S. d. E.) – Altersentlastungsbetrag – Entlastungsbetrag für Alleinerziehende – Freibetrag für Land- und Forstwirte = Gesamtbetrag der Einkünfte (G. d. E.) – Verlustabzug nach § 10d EStG – Sonderausgaben (z. B. bestimmte Versicherungen, Spenden) – außergewöhnliche Belastungen (z. B. Krankheitskosten) = Einkommen – Kinderfreibetrag = zu versteuerndes Einkommen (z. v. E.) Nachdem das z. v. E. bestimmt ist, kann anhand der Einkommensteuertabellen die Einkommensteuer bestimmt werden. Hierbei ist zu beachten, dass für Singles, Verwitwete und Geschiedene grundsätzlich die Grundtabelle (GT) und für Verheiratete die Splittingtabelle (SpT) gilt. Verheira- Abgabegründe ESt-Tabelle Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 52 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 53 4.7 Einkommensteuererklärung 53 tete können aber auch die getrennte Veranlagung beantragen; dann gilt auch für sie die Grundtabelle. In den Tabellen ist jedem z. v. E. ein Einkommensteuerbetrag zugeordnet, wobei im Jahr 2010 ein z. v. E. bis 8.004 Euro bei Ledigen und 16.008 Euro bei Verheirateten steuerfrei (Grundfreibetrag) bleibt – jeder Euro darüber muss versteuert werden. Beachten Sie: Die Einkommensteuer ist eine progressive Steuer, d. h. nicht jeder Euro wird gleich besteuert. Die während des Jahres vorausbezahlte Einkommensteuer wird auf die tarifliche Einkommensteuer angerechnet. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 54 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 55 5 So gehen Sie vor, wenn Sie einen Mitarbeiter anstellen Nach so viel Theorie geht es uns nun endlich auch um das praktische Vorgehen, wenn Ihr erster Mitarbeiter kommt. Was ist alles zu tun? Aber nicht so schnell! Wir müssen uns erst einmal Gedanken machen, wer überhaupt Arbeitnehmer ist und wer nicht. Anschließend befassen wir uns mit den organisatorischen Fragen. 5.1 Wer ist Arbeitnehmer? 5.1.1 Begriffsdefinition Wer ist Arbeitnehmer? Auch wenn die Frage leicht zu beantworten scheint, sollten wir uns zunächst einmal die gesetzliche Definition (§ 1 Abs. 1 LStDV) des Arbeitnehmers im Lohnsteuerrecht anschauen: Arbeitnehmer sind Personen, die in öffentlichem oder privatem Dienst angestellt oder beschäftigt sind oder waren und die aus diesem Dienstverhältnis oder einem früheren Dienstverhältnis Arbeitslohn beziehen. Arbeitnehmer sind auch die Rechtsnachfolger dieser Personen, soweit sie Arbeitslohn aus dem früheren Dienstverhältnis ihres Rechtsvorgängers beziehen. Der zentrale Punkt bei der Definition des Arbeitnehmers ist der Begriff des Dienstverhältnisses. „Dienstverhältnis“ bedeutet, dass jemand weisungsgebunden und in den geschäftlichen Organismus eingegliedert ist. Da diese Begriffe relativ unbestimmt sind, finden sich im H 19.0 „Allgemeines“ LStH einige konkrete Merkmale, die für einen Arbeitnehmer sprechen. Die folgende Tabelle stellt die Merkmale von Arbeitnehmern und Selbstständigen gegenüber: Merkmale Arbeitnehmer Merkmale Selbstständiger •• weisungsgebunden •• Anspruch auf erfolgsunabhängigen Arbeitslohn •• schuldet Arbeitskraft •• Tarifvertragsbindung •• Urlaubsanspruch •• geregelte Arbeitszeit •• Kündigungsschutz •• Lohnfortzahlung im Krankheitsfall •• Vertragsdauer i.d.R. unbestimmt •• Auftraggeber bestimmt Ort, Art und Weise der Erledigung •• nicht weisungsgebunden •• erfolgsabhängige Bezahlung •• schuldet Arbeitserfolg •• keine Tarifvertragsbindung •• kein Urlaubsanspruch •• keine feste Arbeitszeit •• kein Kündigungsschutz •• eigenes Unternehmerrisiko •• Vertragsdauer jeweils begrenzt auf eine bestimmte Zeit bis zum Erreichen des Erfolgs Dienstverhältnis

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Alles sicher im Griff.

Der schnelle Einstieg

Lohnsteuer, Arbeitslohn, Abzüge, Sozialversicherung, Reisekosten: Die wichtigsten Begriffe der Lohnbuchhaltung sollte man kennen und anwenden können. Dieses Buch zeigt, wie Sie Schritt für Schritt eine perfekte Lohnbuchhaltung aufbauen und Ihre monatlichen Lohnabrechnungen schnell und sicher in den Griff bekommen. Anhand zahlreicher Praxisbeispiele werden Sie kurzweilig und verständlich an die Thematik herangeführt. Die praktische Software zur Lohnabrechnung auf der CDROM dient Ihnen als Grundlage für Ihre eigene Lohnbuchhaltung. Mit Hilfe der umfangreichen Demoversion können Sie die Beispiele einfach nachvollziehen und Ihre eigene Lohnbuchhaltung starten.

- Basiswissen: Arbeitsrecht, Sozialversicherungsrecht, Lohnsteuerrecht

- Lohnabrechnung: vom Eintritt bis zum Austritt des Mitarbeiters

- Sonderfälle: geringfügig Beschäftigte, Rentner, Studenten

- Arbeitslohn: steuerfreier und pauschal zu versteuernder Arbeitslohn, Sachlohn, Zuwendungen

- Reisekostenabrechnungen: schnell und sicher buchen

- Betriebsprüfungen der Sozial- und Finanzverwaltung: so prüft der Fiskus

- Alle Lohnbestandteile sicher im Griff

Der Autor

Gerhard C. Girlich, Diplom Finanzwirt (FH), ist in der bayerischen Finanzverwaltung tätig. Er unterrichtet seit mehreren Jahren an verschiedenen Bildungseinrichtungen Steuerrecht und Buchführung und ist Autor von zahlreichen Büchern und Fachpublikationen.