11 Reisekosten in:

Gerhard C. Girlich

Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung, page 135 - 149

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3831-4, ISBN online: 978-3-8006-3933-5, https://doi.org/10.15358/9783800639335_135

Series: Vahlen Praxis

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Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 138 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 139 11 Reisekosten 11.1 Grundlagen Im Rahmen der Reisekostenabrechnung sind folgende Punkte zu beachten: •• Alles, was der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer im Rahmen der Reisekostenerstattung zahlt, ist nach § 3 Nr. 13 bzw. 16 EStG steuerund sozialversicherungsfreier Arbeitslohn, soweit die gesetzlichen Höchstgrenzen eingehalten werden. Es sollte daher zuerst geprüft werden, in welcher Höhe eine Reisekostenerstattung erfolgen kann. Gegebenenfalls besteht die Möglichkeit einer Pauschalierung in Höhe von 25 %. Hierdurch tritt Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung ein. •• Die Reisekostenabrechnung kann im Rahmen der Lohnbuchhaltung oder durch ein separates Reisekostenabrechnungsprogramm abgewickelt werden. •• Der Arbeitnehmer sollte die Reisekostenabrechnungen auf speziellen Vordrucken vornehmen. •• Auch bei Reisekostenabrechnungen sollte auf die Möglichkeit des Vorsteuerabzugs für den Arbeitgeber geachtet werden. 11.2 Wann liegt eine Dienstreise vor? Eine Auswärtstätigkeit (Dienstreise) liegt vor, wenn der Arbeitnehmer •• vorübergehend •• außerhalb seiner Wohnung und an keiner seiner regelmäßigen Arbeitsstätten •• beruflich tätig wird. Beachten Sie: Die „Dreimonatsfrist“ ist zum 01.01.2008 weggefallen. 11.2.1 Erläuterungen zu „vorübergehend“ „Vorübergehend“ bedeutet im Reisekostenrecht, dass der Arbeitnehmer nach Beendigung seiner Auswärtstätigkeit zu seiner regelmäßigen Arbeitsstätte zurückkehren kann. Der Zeitraum kann dabei sehr kurz, aber Behandlung Abwicklung Rückkehr maßgebend Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 140 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 141 11 Reisekosten140 auch sehr lang sein. Es gibt zurzeit noch keine Regelung, die „vorübergehend“ nach oben hin begrenzen würde. Wir wollen uns die durchaus komplexe Materie anhand von einigen Beispielen anschauen. Beispiel: Unvorhersehbare Verlängerung Arbeitnehmer A erhält im Februar 2011 den Auftrag, beim Kunden vor Ort einen Montageauftrag zu überwachen. Statt der geplanten zehn Monate dauert die Überwachung wegen unvorhersehbarer Probleme 15 Monate. Hier ist für die gesamten 15 Monate von einer vorübergehenden beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit auszugehen. Beispiel: Abordnung Arbeitnehmer B wird ab April 2011 für zwei Jahre von seinem Arbeitgeber zu einer Tochtergesellschaft abgeordnet. Für die gesamten zwei Jahre ist von einer vorübergehenden beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit auszugehen. Beispiel: Versetzung Arbeitnehmer C wird ab Mai 2011 von seinem Arbeitgeber von der Hauptniederlassung auf Dauer zu einer Zweigniederlassung versetzt. Es liegt keine beruflich veranlasste Auswärtstätigkeit vor, da C nicht vorübergehend versetzt wurde, sondern auf Dauer. Die Zweigniederlassung ist ab Mai 2011 die regelmäßige Arbeitsstätte von C. 11.2.2 Erläuterungen zu „außerhalb seiner Wohnung und an keiner seiner regelmäßigen Arbeitsstätten“ „Regelmäßige Arbeitsstätte“ bedeutet im Reisekostenrecht, dass der Firmensitz des Arbeitgebers im Jahr an durchschnittlich einem Tag pro Arbeitswoche aufgesucht wird (vgl. R 9.4 Abs. 3 S. 1 bis 3 LStR). Dabei spielt es keine Rolle, ob der Arbeitnehmer für einen bestimmten Zeitraum laufend in der Firma ist und anschließend nicht mehr oder ob er während des Jahres sporadisch in die Firma kommt. Maßgebend ist allein die Anzahl der Tage. Ist der Arbeitnehmer weniger als 46 Tage im Jahr (52 Kalenderarbeitswochen abzüglich 6 Urlaubswochen) an einer Arbeitsstätte, so liegt keine regelmäßige Arbeitsstätte vor. Der Betrieb des Kunden begründet nach Meinung des BFH (Urteil vom 10.07.2008, BStBl. 2009 II, S. 818) keine regelmäßige Arbeitsstätte des Arbeitnehmers. Dies gilt grundsätzlich auch für Leiharbeitnehmer (BFH vom 17.06.2010, BStBl II, S. 852). < 46 Tage/ Jahr im Betrieb Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 140 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 141 11.2 Wann liegt eine Dienstreise vor? 141 Beachten Sie: Ein „vorübergehender“ Aufenthalt liegt auch bei Tätigkeiten mit ständig wechselnden Tätigkeitsstätten vor (vgl. R 9.4 Abs. 2 Sätze 1 und 2). Beispiel: Aufsuchen des Arbeitsplatzes einmal pro Woche Der Mitarbeiter A kommt jeden Montagvormittag in den Betrieb, um die erledigten Aufträge abzugeben und neue Aufträge in Empfang zu nehmen. A hat im Betrieb des Arbeitgebers eine regelmäßige Arbeitsstätte, da er diese durchschnittlich mindestens einmal in der Woche aufsucht, wenn auch nur kurz. Es reicht aus, um von Nachhaltigkeit zu sprechen. Bei den Fahrten von zu Hause zur Firma bzw. umgekehrt handelt es sich um Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte und nicht um eine Auswärtstätigkeit. Beispiel: Aufsuchen des Arbeitsplatzes alle zwei Wochen Der Mitarbeiter B kommt lediglich alle 14 Tage in den Betrieb, um die erledigten Aufträge abzugeben und neue Aufträge in Empfang zu nehmen. B hat im Betrieb des Arbeitgebers keine regelmäßige Arbeitsstätte, da er den Betrieb im Kalenderjahr nicht durchschnittlich an einem Arbeitstag je Arbeitswoche aufsucht. Es liegt keine Nachhaltigkeit vor. Die Fahrten zum Betrieb und nach Hause sind Fahrten im Rahmen einer beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit. Damit ist eine Reisekostenerstattung möglich. Beispiel: Weniger als 46 Tage im Jahr im Betrieb A ist im Außendienst beschäftigt. In der Zeit von Januar bis Mai eines jeden Jahres verbringt er ca. 40 Tage im Betrieb seines Arbeitgebers. Der Betriebssitz ist keine regelmäßige Arbeitsstätte. A hält sich dort nicht nachhaltig auf, da er dort im Durchschnitt nicht mindestens einen Wochenarbeitstag (46 Tage pro Jahr) im Kalenderjahr tätig ist. Beispiel: Mindestens als 46 Tage im Jahr im Betrieb I B ist im Außendienst beschäftigt. In der Zeit von Januar bis Mai eines jeden Jahres verbringt er ca. 50 Tage im Betrieb seines Arbeitgebers. Der Betriebssitz ist eine regelmäßige Arbeitsstätte. B hält sich dort nachhaltig auf, da er dort im Durchschnitt mindestens einen Wochenarbeitstag im Kalenderjahr tätig ist: B ist an mindestens 46 Tagen im Kalenderjahr im Betrieb seines Abreitgebers. Beispiel: Mindestens 46 Tage im Jahr im Betrieb II C ist im Außendienst beschäftigt. Er ist im Frühjahr und im Herbst jeweils ca. 25 Tage am Firmensitz seines Arbeitgebers. Der Betriebssitz ist eine regelmäßige Arbeitsstätte. C hält sich dort nachhaltig auf, da er dort im Durchschnitt mindestens einen Wochenarbeitstag im Kalenderjahr tätig ist: B ist an mindestens 46 Tagen im Kalenderjahr im Betrieb des Arbeitgebers. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Tage am Stück oder verteilt auf das Jahr dort verbracht werden. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 142 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 143 11 Reisekosten142 Beispiel: Wechsel Innen-/Außendienst D ist im Innendienst einer Firma tätig. Am 01.07.2011 wechselt er in den Außendienst. Ab diesem Zeitpunkt sucht er den Firmensitz nur noch alle zwei Wochen auf. D hat bis zum 30.06.2011 eine regelmäßige Arbeitsstätte im Betrieb seines Arbeitgebers. Ab 01.07.2011 hat er keine regelmäßige Arbeitsstätte mehr im Betrieb des Arbeitgebers. Ab diesem Zeitpunkt liegen ausschließlich Auswärtstätigkeiten vor. Beispiel: Outsourcing Die IT-Abteilung der O-AG wird mit allen Mitarbeitern in die B-GmbH eingebracht (sog. Outsourcing). Für die Mitarbeiter ändert sich effektiv nichts, da sie weiterhin in ihren alten Räumen tätig sind, die der O-AG gehören. Die Räume der O-AG waren und sind die regelmäßige Arbeitsstätte der Mitarbeiter der B-GmbH. In diesem Fall ist es unerheblich, dass die Räume nicht ihrem Arbeitgeber gehören (vgl. BMF-Schreiben vom 21.09.2009, BStBl. 2010 I, S. 21). Beispiel: Fester Arbeitsort beim Kunden Die Arbeitnehmer einer Gebäudereinigungsfirma säubern täglich ca. zwei Stunden ausschließlich die Büroräume eines Kunden. Die Räumlichkeiten des Kunden sind nach gefestigter Rechtsprechung des BFH keine regelmäßige Arbeitsstätte (BFH v. 10.07.2008, BStBl II 2009, S. 828 und BFH v. 09.07.2009, BStBl II 2009, S. 822). Anders verhält es sich nur in dem oben beschriebenen Outsourcingfall. Beispiel: Springertätigkeit Ein Arbeitnehmer wird als sog. Springer eingesetzt und säubert die Büroräume unterschiedlicher Kunden. Die Räumlichkeiten des Kunden sind nach gefestigter Rechtsprechung des BFH keine regelmäßige Arbeitsstätte (BFH v. 10.07.2008, BStBl II 2009, S. 828 und BFH v. 09.07.2009, BStBl II 2009, S. 822). Anders verhält es sich nur in dem oben beschriebenen Outsourcingfall. Beispiel: Feste Verleihung I Der Arbeitnehmer V wird von einer Zeitarbeitsfirma eingestellt und bis auf Weiteres für einen Entleiher tätig. Der Arbeitnehmer hat in dem Betrieb des Entleihers keine regelmäßige Arbeitsstätte, da nicht sichergestellt ist, dass V die gesamte Zeit seines Arbeitsvertrags dort tätig ist. Unmaßgeblich ist, dass es sich um eine außerbetriebliche Einrichtung handelt. Beispiel: Feste Verleihung II Der Arbeitnehmer V wird von einer Zeitarbeitsfirma genau für ein bestimmtes Projekt eines bestimmten Entleihers eingestellt. Der Arbeitnehmer hat in dem Betrieb des Entleihers eine regelmäßige Arbeitsstätte, da sichergestellt ist, dass V die gesamte Zeit seines Arbeitsvertrags dort tätig ist. Unmaßgeblich ist, dass es sich um eine außerbetriebliche Einrichtung handelt. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 142 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 143 11.2 Wann liegt eine Dienstreise vor? 143 Beispiel: Variable Verleihung Der Arbeitnehmer V wird von einer Zeitarbeitsfirma eingestellt und flexibel bei verschiedenen Entleihern eingesetzt. Der Arbeitnehmer hat in den Betrieben der Entleiher keine regelmäßige Arbeitsstätte, da seine Tätigkeit dort nicht auf Dauer angelegt ist. Es liegen Auswärtstätigkeiten vor. Beispiel: Weiträumiges Arbeitsgebiet F ist bei der Werksfeuerwehr des Frankfurter Flughafens tätig. Das Einsatzgebiet von F ist einen Hektar groß. Der Frankfurter Flughafen stellt ein weiträumiges Arbeitsgebiet dar. Einsätze innerhalb des Flughafens begründen keine Auswärtstätigkeit. Beispiel: Gebiet eines Handelsvertreters Ein Handelsvertreter darf nur in einem bestimmten Gebiet tätig werden, zum Beispiel im Großraum Wiesbaden. Der Großraum Wiesbaden stellt kein weitläufiges Arbeitsgebiet dar. Seine Kundenfahrten sind Auswärtstätigkeiten. Damit ist eine steuerfreie Reisekostenerstattung ist möglich. Beispiel: Mehrere regelmäßige Arbeitsstätten I Ein Geschäftsführer ist gleichzeitig bei vier verschiedenen Filialen tätig. Seine Tätigkeit besteht darin, die verschiedenen Filialen das ganze Jahr über abwechselnd aufzusuchen. Die Fahrten zu den einzelnen Filialen sind Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte und keine Auswärtstätigkeit, da der Geschäftsführer in jeder Filiale mehr als 46 Tage verbringt, er also nachhaltig in den Räumen seines Arbeitgebers tätig wird. Die Fahrten zwischen den Filialen sind keine Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, sondern stellen Auswärtstätigkeiten dar. Hier ist eine steuerfreie Reisekostenerstattung für die Fahrten möglich. Eine steuerfreie Erstattung von Verpflegungsmehraufwand ist hingegen nicht möglich, da sich der Geschäftsführer nicht für mehr als acht Stunden außerhalb seiner regelmäßigen Arbeitsstätten befindet. Beispiel: Mehrere regelmäßige Arbeitsstätten II Bei der Einstellung hat der Arbeitgeber mit einer Arbeitnehmerin vereinbart, dass sie auf Dauer montags bis donnerstags in der Filiale A und jeden Freitag in der Filiale B tätig ist. Die Arbeitnehmerin begründet an zwei Orten eine regelmäßige Arbeitsstätte. Dies wäre sogar dann noch der Fall, wenn sie jeden Tag in einer anderen Filiale tätig wäre. Maßgebend ist allein der Umstand, dass sie mindestens 46 Tage im Jahr dort tätig wird und es sich um eine Einrichtung ihres Arbeitgebers handelt. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 144 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 145 11 Reisekosten144 11.2.3 Erläuterungen zu „beruflich“ Beruflich veranlasst ist eine Auswärtstätigkeit nur, wenn eine private Veranlassung ausgeschlossen werden kann. Erfolgt hingegen eine Auswärtstätigkeit aus betrieblichen und privaten Gründen, ist nur der betrieblich veranlasste Teil steuerfrei erstattbar. Die Aufteilung erfolgt in der Regel nach Zeitanteilen. Beispiel: Allgemeinbildende Reise Um die erfolgreiche Unternehmenskultur in den USA studieren und auf die Gift GmbH übertragen zu können, beauftragt die Firma die Einkaufsmanagerin Manuela Gift, für eine Woche in die USA zu reisen. Liegt hier eine Dienstreise vor? Es liegt eine Dienstreise vor, wenn aus einer lückenlosen Dokumentation eine betriebliche Veranlassung ersichtlich ist. Ansonsten ist von einem überwiegend privaten Charakter auszugehen und eine steuerfreie Reisekostenerstattung ausgeschlossen. Beispiel: Gemischte Reise Die Geschäftsführerin Dorothea Gift nimmt an einem dreitägigen Kongress des Einzelhandels in Stockholm teil und verbringt anschließend eine Woche in Gripsholm. Liegt hier eine Dienstreise vor? Bezüglich des Fachkongresses liegt eine Dienstreise vor. Diese Kosten sind vom Arbeitgeber steuerfrei erstattbar (inkl. Rückfahrt). Die Kosten für die anschließende Privatreise sind nicht steuerfrei erstattbar. Beispiel: Zwangsreise Frau Gut wird von der Firma Gift GmbH gegen ihren Willen auf ein Seminar zum Thema „Wie drücke ich die Einkaufspreise?“ von Nullo geschickt. Der Tagesplan sieht wie folgt aus: 9:00 Frühstück 14:00 Vortrag 10:00 Gymnastik 16:00 Besprechung 11:00 Vortrag 16:30 Stadtbesichtigung 12:00 Mittagessen Liegt eine Dienstreise vor? Bei diesem Programm liegt nicht ausschließlich eine Dienstreise vor. Vielmehr ist die Reise auch privater Natur. Nach der neuen Rechtsprechung (BFH-Urteil vom 18.08.2005, BStBl. 2006 II, S. 30) erfolgt eine Aufteilung nach objektiven Gesichtspunkten (Verhältnis der Zeitanteile). Beispiel: Mitnahme des Ehepartners Alfons Pech muss für die Gift GmbH an einem Kongress teilnehmen. Um auf der abendlichen Party die Firma angemessen repräsentieren zu können, nimmt er seine Ehefrau mit. Liegt eine Dienstreise vor? Die Reisekosten für Herrn Pech sind steuerfrei erstattbar. Die Erstattung der Zusatzkosten für die Ehefrau stellt hingegen steuer- und sozialversicherungspflichtigen Arbeitslohn dar. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 144 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 145 11.3 Welche Aufwendungen können erstattet werden? 145 11.3 Welche Aufwendungen können steuer und beitragsfrei erstattet werden? 11.3.1 Fahrtkosten 11.3.1.1 Nutzung des ÖPNV Erstattbar sind die tatsächlichen Kosten. Beispiel: Bahncard Fabula Gut muss als Einkaufsleiterin häufig für ihren Arbeitgeber Dienstreisen unternehmen. Hierzu erhält sie vom Arbeitgeber eine Bahncard für 57 €. Da sie die Karte auch geringfügig privat nutzt, muss sie dem Arbeitgeber 10 € erstatten. Daneben setzt sie die Bahncard auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ein. Ist die Überlassung der Bahncard steuer- und beitragsfrei? Da hier die private Nutzung von untergeordneter Bedeutung ist, stellt die Überlassung der Bahncard keinen steuer- und beitragspflichtigen Arbeitslohn dar. 11.3.1.2 Nutzung des Flugzeugs Ansetzbar sind die tatsächlichen Kosten. Beispiel: First-Class-Flug Fabula Gut muss zu einem Großlieferanten nach Istanbul reisen. Hierzu nimmt sie einen First-Class-Flug (Kosten: 600 €), obwohl noch genug Plätze in der Businessclass (Kosten: 200 €) frei sind. Ist die Erstattung des First-Class-Tickets steuer- und beitragsfrei? Dem Arbeitgeber steht es frei, auch eine höherwertige Transportklasse zu erstatten. 11.3.1.3 Nutzung des Firmen-Pkws Hier ist keine Kostenerstattung möglich. Beispiel: Firmen-Pkw Fabula Gut nutzt für eine Dienstreise den firmeneigenen Wagen. Leider ist dieser nicht vollgetankt, sodass sie dies für 45,70 € nachholen muss. Die Rechnung über 47,00 € (inkl. 1,30 € für einen Schokoriegel) wird Frau Gut von ihrem Arbeitgeber erstattet. Wie ist die Erstattung zu behandeln und zu verbuchen? Da dem Arbeitnehmer durch die Nutzung des Firmen-Pkws keine unmittelbaren Kosten entstehen, kann der Arbeitgeber nur die Kosten, die die Arbeitnehmerin für den Arbeitgeber verauslagt hat, als „Auslagenersatz“ und nicht als „Reisekosten“ steuer- und beitragsfrei erstatten. Der Schokoriegel zählt nicht dazu. 11.3 Welche Aufwendungen können erstattet werden? Keine Erstattung Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 146 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 147 11 Reisekosten146 11.3.1.4 Nutzung des Privat-Pkws Erstattbar sind entweder die Pauschale oder die tatsächlichen Kosten. Beispiel: Dienstreise mit Privat-Pkw Manuela Gift und Fabula Gut begeben sich am 30.04. gemeinsam auf eine Dienstreise (250 km). Hierbei benutzen sie den Privatwagen von Manuela Gift. Welche Kosten kann der Arbeitgeber erstatten? Der Arbeitgeber kann entscheiden, ob er •• pauschal 0,30 € pro gefahrenen Kilometer zzgl. 0,02 €/km Mitnahmeentschädigung pro Person (250 km × [0,30 €/km + 0,02 €/km] = 80 €) oder •• die vom Arbeitnehmer tatsächlich nachgewiesenen Kosten ([lfd. Kosten + Reparatur + Pkw-AfA]/Gesamtkilometerzahl) pro Kilometer erstatten will. Beispiel: Unfall Fabula Gift begibt sich erneut auf eine Dienstreise (100 km). Bei der Rückfahrt verursacht sie vollkommen übermüdet einen Verkehrsunfall. Den Schaden in Höhe von 1.000 € erstattet ihr der Arbeitgeber. Ist die Erstattung steuer- und beitragsfrei? Die Erstattung des Schadens ist steuer- und beitragsfrei, soweit dieser beruflich veranlasst ist. Ist der Unfall privat veranlasst, z. B. wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss, kann keine steuer- und beitragsfreie Erstattung erfolgen. Beispiel: Privater Pkw und Autotelefon Jürgen Problem nutzt für Dienstfahrten seinen privaten Pkw, den er am 01.10.2003 erworben hatte. Damals bezahlte er 20.000 € brutto zzgl. 2.000 € für Sonderausstattung, 200 € für einen Radio und 350 € für das Autotelefon. Bei Zahlung am 05.10.2003 nimmt er 2 % Skonto in Anspruch. Die Kosten für das Autotelefon werden ihm vom Arbeitgeber erstattet. Laut Aufstellung von Jürgen Problem entstehen jährlich Kosten in Höhe von 4.500 €, die die Firma übernimmt. Laut vorgelegtem Fahrtenbuch wurden im Jahr 2004 insgesamt 30.000 km gefahren. Davon entfallen 10.000 km auf Dienstfahrten und 8.000 km auf Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Welche Kosten kann der Arbeitgeber steuer- und beitragsfrei erstatten? Welche Kostenerstattung stellt Arbeitslohn dar? Autotelefon Die Erstattung der Einbaukosten ist steuer- und sozialversicherungsfrei. Telefonkosten Die Erstattung der Telefonkosten ist nur insoweit steuer- und beitragsfrei, als deren dienstliche Veranlassung nachgewiesen ist. Reisekosten Der Arbeitgeber kann entweder 0,30  €/km oder einen individuellen Satz (nur lineare AfA möglich!) anwenden. Zuschuss für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte Der gewährte Zuschuss kann bis maximal in Höhe der Entfernungspauschale mit 15 % pauschal versteuert werden (§ 40 Abs. 2 EStG). Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 146 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 147 11.3 Welche Aufwendungen können erstattet werden? 147 11.3. Verpflegungskosten Ausgaben für Ernährung sind Kosten der privaten Lebensführung und damit vom Arbeitgeber nicht erstattbar. Der Arbeitgeber kann aber die Verpflegungsmehrkosten pauschal erstatten. Mit den Verpflegungsmehraufwendungen will der Gesetzgeber dem Umstand Rechnung tragen, dass dem Arbeitnehmer auf einer Reise mehr Kosten für die Verpflegung entstehen als zu Hause (Frühstück im Hotel, Snack am Imbissstand etc.). Im Inland gelten folgende Pauschalen pro Tag: •• Abwesenheit weniger als 8 Std. 0 € •• Abwesenheit mind. 8 Std. 6 € •• Abwesenheit mind. 14 Std. 12 € •• Abwesenheit 24 Std. 24 € Bei Auslandsreisen gelten andere Pauschalen. Im Ausland sind die Pauschalen vom jeweiligen Land abhängig. Anders als bei der Definition für eine Dienstreise ist der „Dreimonatszeitraum“ bei den Verpflegungsmehraufwendungen erhalten geblieben. Eine steuer- und beitragsfreie Erstattung von Verpflegungsmehraufwendungen ist nur für die ersten drei Monate der Dienstreise möglich. Wird auch nach Ablauf der drei Monate Verpflegungsmehraufwand erstattet, liegt steuer- und beitragspflichtiger Arbeitslohn vor. Beispiel: Dreimonatsfrist Ein Mitarbeiter der Hauptverwaltung der Gift GmbH wird vom 01.03. bis 30.06. nach München geschickt, um dort eine neue Filiale aufzubauen. Vom 20.05. bis zum 10.06. nimmt er Urlaub. Wie lange liegen Dienstreisen nach München vor? Die Dreimonatsfrist endet am 31.05.; zwischen dem 01.06. und dem 30.06. sind keine Verpflegungsmehraufwendungen erstattbar. Krankheit und Urlaub beeinflussen den Dreimonatszeitraum nicht. Beispiel: Mehrere Dienstreisen und Dreimonatsfrist Ein Mitarbeiter der Hauptverwaltung der Gift GmbH wird vom 01.03. bis 30.04. nach München geschickt, um dort eine neue Filiale aufzubauen. Vom 01.05. bis 15.06. arbeitet er wieder am Hauptsitz, um aber ab 16.06. bis 30.09. erneut in München zu arbeiten. Wie lange liegen Dienstreisen nach München vor? 1. Dreimonatsfrist: 01.03. bis 30.04. 2. Dreimonatsfrist: 16.06. bis 16.09. Da die Unterbrechung größer als vier Wochen ist, beginnt der Dreimonatszeitraum erneut. Beträgt die Unterbrechung weniger als vier Wochen, beginnt kein neuer Dreimonatszeitraum. Vom 17.09. bis 30.09. sind Verpflegungsmehraufwendungen nicht steuerfrei erstattbar. Mehrkosten erstattbar Inlandspauschalen Dreimonatsfrist Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 148 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 149 11 Reisekosten148 Beispiel: Handelsvertreter I Ein Vertreter macht täglich Kundenbesuche im Bereich einer Großstadt. Es handelt sich täglich um eine neue vorübergehende beruflich veranlasste Auswärtstätigkeit. Es beginnt keine neue Dreimonatsfrist. Das Gleiche gilt, wenn dieselbe Tätigkeitsstätte wöchentlich an nicht mehr als zwei Tagen aufgesucht wird (R 9.6 Abs. 4 Satz 1 LStR). Beispiel: Handelsvertreter II Der Arbeitnehmer T fährt um 8:00 Uhr von seiner Wohnung aus in den Betrieb, von wo er nach Entgegennahme der Aufträge um 9:00 Uhr in den Außendienst fährt. Um 16:30 Uhr kehrt er in den Betrieb zurück; an seiner Wohnung trifft er um 18:00 Uhr ein. Ein Verpflegungsmehraufwand kann nicht steuerfrei gezahlt werden, da die Abwesenheit von der Wohnung und der Arbeitsstätte nicht mindestens acht Stunden beträgt. Beispiel: Mehrere Auswärtstätigkeiten hintereinander Der Arbeitnehmer R unternimmt eine Auswärtstätigkeit mit Übernachtung, die am 05.02. um 18:00 Uhr begonnen und am 06.02. um 12:00 Uhr beendet wird. Am 06.02. übernimmt er erneut eine Auswärtstätigkeit mit Übernachtung, die um 18:00 Uhr begonnen und am 07.02. um 12:00 Uhr beendet wird. Die Dauer der Abwesenheit am 06.02. wird zusammengerechnet. Da der Arbeitnehmer damit mind. 14 Stunden abwesend ist, kann ein Verpflegungsmehraufwand in Höhe von 14 € ausgezahlt werden. Auch wenn der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber oder auf dessen Veranlassung durch einen Dritten eine kostenlose oder verbilligte Mahlzeit erhält, können Verpflegungsmehraufwendungen steuerfrei erstattet werden. Der Wert der Mahlzeit ist aber grundsätzlich in Höhe der Sachbezugswerte der Besteuerung zu unterwerfen. Beispiel: Kantinenessen anlässlich einer Dienstreise I Ein Arbeitnehmer der Hauptverwaltung der Gift GmbH macht eine Dienstreise zu einer Filiale. Die Dienstreise beginnt am Montag um 13:00 Uhr und endet am Mittwoch um 15:00 Uhr. Das Mittagessen nimmt der Arbeitnehmer unentgeltlich in der Kantine der Filiale ein. Verpflegungsmehraufwand: Mo 11 Std. 6 € Di 24 Std. 24 € Mi 15 Std. 12 € 42 € kann der Arbeitgeber steuer- und beitragsfrei erstatten. Kantinenessen: Möglichkeit 1: Der Sachbezug des Kantinenessens muss als steuer- und beitragspflichtiger Arbeitslohn behandelt werden. Möglichkeit 2: Die Verpflegungsmehraufwendungen werden um den Sachbezug für die unentgeltlichen Mahlzeiten gekürzt. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 148 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 149 11.3 Welche Aufwendungen können erstattet werden? 149 Beispiel: Kantinenessen anlässlich einer Dienstreise II Ein Arbeitnehmer der Hauptverwaltung der Gift GmbH macht eine Dienstreise zu einer Filiale. Die Dienstreise beginnt am Montag um 13:00 Uhr und endet am Mittwoch um 15:00 Uhr. Das Mittagessen nimmt der Arbeitnehmer in der Kantine der Filiale ein und zahlt dafür 3,00 €. Da die Zuzahlung über dem Sachbezugswert für ein Mittagessen liegt, liegt kein steuer- und beitragspflichtiger Arbeitslohn vor. Der im vorangegangenen Beispiel ermittelte Verpflegungsmehraufwand kann in voller Höhe steuer- und beitragsfrei ausgezahlt werden. Beispiel: Wertvolles Abendessen Der Arbeitgeber gewährt dem Arbeitnehmer anlässlich einer eintägigen Auswärtstätigkeit ein Abendessen im Wert von 40 € (Alternative: 45 €). Der Arbeitgeber kann den Verpflegungsmehraufwand steuerfrei erstatten. Für das Abendessen hat der Arbeitnehmer 2,83 € zu versteuern. Bei der Alternative liegt keine übliche Beköstigung (= bis 40 € Bruttokosten) mehr vor; somit sind 45 € zu versteuern. Beispiel: Mittagessen bei einem Seminar Der Arbeitgeber meldet seinen Arbeitnehmer zu einem Fortbildungsseminar an. Die Teilnahmegebühr beträgt inkl. umfangreicher Tagungsunterlagen und Mittagessens 500 €. Der Wert des Mittagessens übersteigt 40 € nicht. Der Arbeitnehmer hat für das Mittagessen einen Sachbezugswert von 2,83  € zu versteuern, und zwar selbst dann, wenn er die Getränke aus eigener Tasche bezahlen muss. Beispiel: Vertragshotel Ein Nürnberger Unternehmen hat eine Niederlassung in Köln. Da es absehbar ist, dass Arbeitnehmer aus Nürnberg häufig nach Köln fahren werden, wird mit dem Hotel „Drei Könige“ in Köln ein schriftlicher Vertrag geschlossen, wonach das Unternehmen einen Sonderpreis erhält. Die Übernachtung kostet inklusive Frühstück 100 €. Der Arbeitgeber reserviert die Zimmer der Arbeitnehmer immer vor deren Abreise. Das Frühstück ist mit dem amtlichen Sachbezugswert in Höhe von 1,50 € beim Arbeitnehmer zu versteuern. Die Übernachtungspauschale ist – ohne Kürzung um einen Frühstücksanteil – steuerfrei erstattbar. Der den Pauschbetrag übersteigende Verpflegungsmehraufwand kann grundsätzlich mit 25 % pauschal versteuert werden. Zur Ermittlung des steuerfreien Vergütungsbetrags dürfen die einzelnen Aufwendungen (Fahrtkosten, Übernachtung und Verpflegungsmehraufwand) zusammengefasst werden. Auch mehrere Auswärtstätigkeiten lassen sich zusammen abrechnen. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 150 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 151 11 Reisekosten150 Beispiel: Pauschalierung Ein Arbeitnehmer der Hauptverwaltung der Gift GmbH macht eine Dienstreise zu einer Filiale. Die Dienstreise beginnt am Mittwoch um 10:00 Uhr und endet am Freitag um 12:00 Uhr. Die Firma erstattet dem Arbeitnehmer 60 € an Verpflegungsmehraufwendungen. Wie ist der Sachverhalt lohnsteuerlich zu beurteilen? Wie im Beispiel „Kantinenessen“ (siehe oben) ermittelt, liegt der steuer- und beitragsfreie Verpflegungsmehraufwand bei 42 €. Der Restbetrag kann bis max. 42 € (Verpflegungsmehraufwand) mit 25 % pauschal versteuert werden. Er ist damit in der Sozialversicherung beitragsfrei. Bei Auslandsreisen gelten die pauschalen Auslandstagegelder. Besucht der Arbeitnehmer mehrere Länder, richtet sich das Auslandstagegeld nach dem letzten Tätigkeitsort im Ausland. Bei mehrtägigen Auslandsreisen ist das Land maßgebend, das der Arbeitnehmer vor 24:00 Uhr Ortszeit zuletzt erreicht hat. Beispiel: Mehrere Länder Ein Arbeitnehmer mit regelmäßiger Arbeitsstätte in Kempten besucht zuerst einen Kunden in Österreich und dann einen in der Schweiz. Er ist dabei mindestens 14 Stunden abwesend. Maßgebend ist das Auslandstagegeld der Schweiz (= 32 €). Hätte die Reise in umgekehrter Reihenfolge stattgefunden, wäre der Satz für Österreich (= 24 €) maßgebend gewesen. Beispiel: Flugreisen im Ausland Ein Arbeitnehmer fliegt am Montag um 10:30 Uhr zu einer Dienstreise nach Thailand. Von dort fliegt er am Mittwoch um 19:00 Uhr weiter nach Schanghai und am Freitag kehrt er um 22:00 Uhr zurück. Mo (Thailand) (Maßgebend ist, wo er um 24:00 Uhr ist.) Di (Thailand) Mi (China) (Maßgebend ist, wo er um 24:00 Uhr ist.) Do (China) Fr (China) (Maßgebend ist der letzte Aufenthaltsort.) 11.3.3 Übernachtungskosten Übernachtungskosten können in tatsächlicher Höhe erstattet werden. Lediglich die Kosten für das Frühstück sind nicht erstattbar. Sind die Kosten für das Frühstück nicht gesondert ausgewiesen, so geht die Finanzverwaltung davon aus, dass das Frühstück mit 4,80 Euro im Übernachtungspreis enthalten war. Auslandstagegeld Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 150 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 151 11.3 Welche Aufwendungen können erstattet werden? 151 Beispiel: Frühstück im Hotel Für eine Hotelübernachtung muss der Arbeitnehmer Jung 110 € bezahlen. Der Arbeitnehmer Alt zahlt für die Übernachtung in einem Grand Hotel 150 € zzgl. 10,50  € für das Frühstück. Welchen Betrag kann der Arbeitgeber steuer- und beitragsfrei erstatten? Jung: Da in den 110 € das Frühstück enthalten ist, muss es mit 4,80 € herausgerechnet werden – für das Frühstück erhält der Arbeitnehmer den Verpflegungsmehraufwand. Der Restbetrag von 105,20 € ist steuer- und beitragsfrei. Alt: Da in der Rechnung das Frühstück extra ausgewiesen ist, können nur 150 € steuerund beitragsfrei erstattet werden. Beispiel: Übernachtung bei Bekannten Ein Arbeitnehmer befindet sich auf Dienstreise und übernachtet bei einem Bekannten. Welchen Betrag kann der Arbeitgeber steuer- und beitragsfrei erstatten? Ohne Nachweis kann der Arbeitgeber pauschal 20 € für die Übernachtung im Inland auszahlen. Beispiel: Mehrere Länder Ein Arbeitnehmer fährt zu einer Dienstreise für drei Tage nach Paris. Die zwei Übernachtungen kosten insgesamt 200  € inkl. Frühstück. Danach geht es aus dienstlichen Gründen weiter nach London. Für die dortigen Übernachtungen kann der Arbeitnehmer keinen Beleg mehr vorlegen. Welchen Betrag kann der Arbeitgeber steuer- und beitragsfrei erstatten? Bei Auslandsreisen kann der Arbeitgeber die tatsächlichen Kosten oder eine Pauschale in Höhe der Auslandsübernachtungsgelder erstatten. (Als Werbungskosten können nur die tatsächlichen Kosten geltend gemacht werden!). Dabei ist zu beachten, dass die Frühstückskosten auch hier herauszurechnen sind. Sie werden pauschal mit 20 % der Verpflegungsmehraufwendungspauschale für 24 Stunden für das jeweilige Land angesetzt. Für Paris können somit die Pauschale oder die tatsächlichen Kosten abzüglich Frühstück steuer- und beitragsfrei erstattet werden – für London nur die Pauschale. 11.3.4 Sonstige Reisekosten Auch sonstige Reisekosten können vom Arbeitgeber steuer- und beitragsfrei erstattet werden. Zu den sonstigen Reisekosten gehören unter anderem folgende Aufwendungen: •• Beförderung und Aufbewahrung von Gepäck; Telefonate mit dem Auftraggeber oder der Firma (nicht: Telefonate mit der Familie) •• Ausgaben für Parkplätze und Parkhäuser; Wertverluste von privaten Gegenständen durch Diebstahl (nicht: Verlust von Geld) •• Reiseunfallversicherung, die ausschließlich Berufsunfälle außerhalb der Arbeitsstätte abdeckt (nicht: Krankenversicherung) Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 152 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 153 11 Reisekosten152 11.4 Vorsteuerabzug bei Dienstreisen •• Fahrtkosten Ein Vorsteuerabzug bei der Erstattung von Rechnungen über den ÖPNV und Flugreisen ist nur möglich, wenn darauf der Arbeitgeber als Leistungsempfänger genannt ist. Bei Fahrkarten ist der Vorsteuerabzug immer möglich. Ein Vorsteuerabzug aus den erstatteten Kilometerpauschalen ist hingegen nicht möglich. •• Verpflegungskosten Ein Vorsteuerabzug aus den Pauschbeträgen ist nicht mehr möglich. Möglich ist aber der Vorsteuerabzug aus den Verpflegungsrechnungen, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer voll erstattet. Beispiel: Voraussetzungen für Vorsteuerabzug Ein Arbeitnehmer geht anlässlich einer Dienstreise in einem italienischen Restaurant essen und lässt die Rechnung über 45 € auf den Arbeitgeber ausstellen. Unter welchen Voraussetzungen ist ein Vorsteuerabzug für den Arbeitgeber möglich? Ein Vorsteuerabzug ist nur möglich, wenn •• es sich um eine abziehbare Betriebsausgabe handelt, •• die Rechnung in voller Höhe vom Arbeitgeber beglichen wurde, •• die Rechnung auf den Arbeitgeber ausgestellt ist und •• eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt. •• Übernachtungskosten Ein Vorsteuerabzug bei Übernachtungskosten ist nur möglich, wenn die Rechnung auf den Arbeitgeber ausgestellt ist. Vorsteuerabzug aus Auslandsrechnungen ist nicht möglich. Beispiel: Vorsteuer Hotelrechnung Der Arbeitnehmer legt dem Arbeitgeber eine Rechnung über eine Übernachtung in Leipzig in Höhe von 95 € (inkl. 5 € für das Frühstück) vor. Die Umsatzsteuer ist in der Rechnung korrekt ausgewiesen. In welcher Höhe ist ein Vorsteuerabzug möglich? Der Vorsteuerabzug ist aus der Rechnung nur möglich, wenn diese allen Tatbestandsmerkmalen des § 14 UStG genügt. Ist dies der Fall, kann ein Vorsteuerabzug erfolgen. Zu beachten ist, dass zurzeit die Vorsteuer für Übernachtungen bei 7 % und für das Frühstück bei 19 % liegt. Beispiel: Vorsteuer aus Pauschalen Der Arbeitgeber erstattet dem Arbeitnehmer pauschal 20 € an Übernachtungskosten. In welcher Höhe ist ein Vorsteuerabzug möglich? Ein Vorsteuerabzug aus Pauschalen ist nicht möglich. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 152 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 153 12 Besondere Mitarbeiter In diesem Kapitel wollen wir uns mit Mitarbeitern beschäftigen, deren steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Behandlung sich vom „klassischen“ Arbeitnehmer unterscheidet. Der typische Arbeitnehmer bezieht seinen monatlichen Arbeitslohn und muss diesen voll der Lohnsteuer unterwerfen. Er und sein Arbeitgeber müssen in allen Zweigen der Sozialversicherung Beiträge einzahlen. Für einen „besonderen“ Mitarbeiter muss der Arbeitgeber eventuell nur eine pauschale Steuer bezahlen. So zum Beispiel beim kurzfristig Beschäftigten oder dem geringfügig entlohnten Beschäftigten. Bei anderen „besonderen“ Mitarbeitern muss entweder der Arbeitnehmer oder der Arbeitgeber nicht in alle Zweige der Sozialversicherung einzahlen. Beim Altersrentner z. B. zahlt nur der Arbeitgeber einen Beitrag zur Rentenversicherung, nicht aber der Arbeitnehmer. Bei geringfügig entlohnten Beschäftigten zahlt nur der Arbeitgeber pauschale Beiträge zur Sozialversicherung, während der Arbeitnehmer überhaupt keine Beiträge zahlt. Bei kurzfristig Beschäftigten zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber überhaupt keine Beiträge zur Sozialversicherung. Arbeitnehmer Behandlung in der Sozialversicherung Behandlung in der Steuer • sozialversicherungsfrei • sozialversicherungspflichtig • steuerfrei • steuerpflichtig • pauschal zu versteuern • in allen Zweigen • in einigen Zweigen Steuer- und sozialversicherungsrechtliche Behandlung von Arbeitnehmern In den folgenden Unterkapiteln werden wir zuerst die sozialversicherungsrechtlichen Aspekte beleuchten und anschließend die steuerlichen. Besonderheiten in der SV

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Zusammenfassung

Alles sicher im Griff.

Der schnelle Einstieg

Lohnsteuer, Arbeitslohn, Abzüge, Sozialversicherung, Reisekosten: Die wichtigsten Begriffe der Lohnbuchhaltung sollte man kennen und anwenden können. Dieses Buch zeigt, wie Sie Schritt für Schritt eine perfekte Lohnbuchhaltung aufbauen und Ihre monatlichen Lohnabrechnungen schnell und sicher in den Griff bekommen. Anhand zahlreicher Praxisbeispiele werden Sie kurzweilig und verständlich an die Thematik herangeführt. Die praktische Software zur Lohnabrechnung auf der CDROM dient Ihnen als Grundlage für Ihre eigene Lohnbuchhaltung. Mit Hilfe der umfangreichen Demoversion können Sie die Beispiele einfach nachvollziehen und Ihre eigene Lohnbuchhaltung starten.

- Basiswissen: Arbeitsrecht, Sozialversicherungsrecht, Lohnsteuerrecht

- Lohnabrechnung: vom Eintritt bis zum Austritt des Mitarbeiters

- Sonderfälle: geringfügig Beschäftigte, Rentner, Studenten

- Arbeitslohn: steuerfreier und pauschal zu versteuernder Arbeitslohn, Sachlohn, Zuwendungen

- Reisekostenabrechnungen: schnell und sicher buchen

- Betriebsprüfungen der Sozial- und Finanzverwaltung: so prüft der Fiskus

- Alle Lohnbestandteile sicher im Griff

Der Autor

Gerhard C. Girlich, Diplom Finanzwirt (FH), ist in der bayerischen Finanzverwaltung tätig. Er unterrichtet seit mehreren Jahren an verschiedenen Bildungseinrichtungen Steuerrecht und Buchführung und ist Autor von zahlreichen Büchern und Fachpublikationen.