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5.4 Empfehlungen für die Wahl von Finanzierungsinstrumenten in:

Stefan Müller, Kai Brackschulze, Matija Denise Mayer-Fiedrich

Finanzierung mittelständischer Unternehmen nach Basel III, page 289 - 296

Selbstrating, Risikocontrolling und Finanzierungsalternativen

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3923-6, ISBN online: 978-3-8006-3924-3, https://doi.org/10.15358/9783800639243_289

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278 5 Alternativen zum Bankkredit Tabelle 5-29 zeigt die Gesamtbewertung für die dargestellten alternativen Fremdfinanzierungsinstrumente auf: 5.4 Empfehlungen für die Wahl  von Finanzierungsinstrumenten Die Analyse der Finanzierungsinstrumente hat die jeweiligen Vor‐ und Nachteile der einzelnen Instrumente aufgezeigt und anhand von Kriterien bewertet. In Abhängigkeit der Präferenzen eines Unternehmens können deren Eigentümer je nach Finanzierungssituation das für sie günstigste Instrument auswählen. Wurden bei einem Kriterium schlechte Noten für ein Finanzierungsinstrument vergeben, so zeigt dies mögliche Problemfelder bei der Akquisition (z.B. die hohen Finanzierung durch Schuldscheindarlehen, ABS, Mitarbeiterdarlehen Voraussetzungen Erfüllung der Anforderungen (– siehe Beschreibung der einzelnen Instrumente oben –) Kosten der Finanzierung • fix • variabel 3 (1) 2 Wirkung auf das Eigenkapital 6 Liquiditätswirkung 5 Verfügbarkeit 3 Informationsanforderungen 3 Einfluss der Kapitalgeber 2 Dauer der Kapitalüberlassung 4 Risikobereitschaft 4 Vorteile Nachteile • Beschaffung großer Summen von Kapital • kein Einfluss der Kapitalgeber • keine Offenlegung von Informationen in der Öffentlichkeit • geringe Fixkosten • Diversifizierung der Kapitalgeberstruktur • Verschlechterung der Eigenkapitalquote • Liquiditätsbelastung • nicht zur Finanzierung risikoreicher Projekt einsetzbar Motive für eine Kapitalerhöhung durch Altgesellschafter • Aufnahme größerer Summen von Fremdkapital ohne direkten Gang an den Kapitalmarkt • Diversifizierung der Kapitalgeberstruktur • Kapitalaufnahme, wenn Bank aufgrund erhöhter Risiken Kreditvergabe ablehnen würde Tabelle 5‐29: Bewertung alternativer Fremdfinanzierungsinstrumente 5.4 Empfehlungen für die Wahl von Finanzierungsinstrumenten 279 Informationsanforderungen im Rahmen eines Börsenganges) oder während der Laufzeit des Finanzierungsinstrumentes (z.B. Einfluss der Kapitalgeber auf die Unternehmensführung oder Liquiditätsbelastung durch regelmäßige Zinszahlungen) auf. Diese Problemfelder sind im Vorfeld der Kapitalaufnahme kritisch zu überdenken. Unter Umständen sind von Seiten des Unternehmens Maßnahmen umzusetzen, um die Voraussetzungen für den Einsatz des Finanzierungsinstruments zu gewährleisten und so Risiken aus seiner Inanspruchnahme zu reduzieren. Die Ableitung eines optimalen Finanzierungsinstruments für die jeweilige Finanzierungssituation setzt jedoch voraus, dass der Unternehmer die einzelnen bewerteten Kriterien in eine Rangfolge bringt, die seine Präferenzen widerspiegelt. Ist es für ihn von größter Wichtigkeit, dass die Kapitalgeber keinen Einfluss auf sein Unternehmen erhalten, muss er das Kriterium „Einfluss des Kapitalgebers“ an erste Stelle setzen. Unternehmer, die an einer kostengünstigen Finanzierung interessiert sind, sollten das Kriterium „variable Kosten“ ganz nach vorne in die Rangfolge setzen. Ist sich der Unternehmer über seine Finanzierungspräferenzen im Klaren, sind die einzelnen Instrumente anhand ihrer Bewertungen zu ordnen. Die so ermittelte Ordnung der Finanzierungsinstrumente zeigt auf, welches Instrument am besten zum Finanzierungsanlass und den Präferenzen des Unternehmers passt. In einem nächsten Schritt muss der Unternehmer jedoch prüfen, ob er die Voraussetzungen für die Anwendung dieses Instrumentes in seinem Unternehmen erfüllen kann. Ist dies nicht möglich, z.B. weil bestimmte Mindestgrößen nicht eingehalten werden können, kann er das für ihn beste Instrument nicht nutzen und muss auf das nächstbeste Instrument ausweichen. Hierfür sind dann ebenfalls die Voraussetzungen zu prüfen. Dasselbe gilt, wenn er z.B. der Aufnahme eines neuen Gesellschafters nicht zustimmt, so dass dieses Instrument für ihn nicht in Frage kommt. Hat der Unternehmer ein Instrument gefunden, dessen Anforderungen sein Unternehmen erfüllt und das er nicht aufgrund bestimmter Präferenzen von vornherein ausschließt, bestehen seine nächsten Aufgaben darin, investitionsbereite Kapitalgeber zu finden und mit ihnen in Verhandlungen einzutreten. Müssen die Verhandlungen mit allen potenziellen Investoren ergebnislos abgebrochen werden, startet der Prozess mit dem wiederum nächstbesten Instrument von neuem. Im Folgenden wird exemplarisch für einige typische Finanzierungssituationen aufgezeigt, wie die Wahl anhand der in Kapitel 5.3 aufgezeigten Bewertungen Handlungsempfehlungen für die Wahl der Finanzierungsinstrumente abgeleitet werden können. 5.4.1 Erhöhung der Eigenkapitalausstattung Im Rahmen einer KPMG-Doppelstudie erklärten drei Viertel der Unternehmen eine Eigenkapitalerhöhung als eine wichtige Maßnahme zur Optimierung der Finanzierung, während nur 29% angaben, dass eine Verbesserung der Eigenkapitalausstattung im eigenen Unternehmen weder bereits umgesetzt noch ge- 280 5 Alternativen zum Bankkredit plant ist.88 Wird eine Eigenkapitalerhöhung angestrebt, ist die oberste Präferenz bei der Wahl der Finanzierungsinstrumente das Kriterium „Eigenkapitalwirkung“. Soll das Eigenkapital als Unterlegung für Risiken im Unternehmen dienen, ist nach Möglichkeit das bilanzielle Eigenkapital zu erhöhen, da nur dieses in vollem Umfang für Risiken haftet. Alternativ ist die Aufnahme von Mezzanine-Kapital möglich, welches zumindest nachrangiges Fremdkapital zur Verfügung stellt und damit im Insolvenzfall ebenfalls bis zu einem gewissen Grad haftet, aber mit reinem Eigenkapital nicht vergleichbar ist. Wünscht das Unternehmen zusätzlich, dass der Kapitalgeber möglichst viel Risiko tragen und gleichzeitig keine zu hohen Renditeerwartungen haben soll, ergibt sich die Präferenzordnung „Eigenkapitalwirkung“ > „Risikoübernahme“ > „Kosten“. Tabelle 5-30 stellt die optimale Wahl der Finanzierungsinstrumente in Abhängigkeit dieser Präferenzordnung dar. 88 Vgl. KPMG (Hrsg.): Finanzierung, 2005, S. 28. Wahl des Finanzierungsinstruments zur Eigenkapitalverbesserung Kriterium: Instrument: Ei ge nk ap ita l‐ w ir ku ng R is ik oü be rn ah m e Va ri ab le  K os te n Ei nf lu ss  d er   K ap ita lg eb er In fo rm at io n‐ sa nf or de ru ng en Li qu id itä ts ‐ w ir ku ng Ve rf üg ba rk ei t D au er  K ap ita l‐ üb er la ss un g Business Angels 1 1 5 5 3 1 4 4 Altgesellschafter 1 2 4 1 1 1 4 1 Neue Gesellschafter 1 2 4 5 5 1 4 1 Beteiligungsgesellschaften 1 2 5 4 5 1 4 5 Börsengang 1 2 5 4 5 1 5 1 Nachrangdarlehen 3 3 3 2 3 4 2 4 Genussrechte 3 3 3 3 4 2 3 3 Stille Beteiligung 4 3 3 (flex) 4 3 3 3 Leasing 4 5 2 1 2 5 1 5 Factoring 4 5 4 1 1 1 2 4 Lieferantenkredite 5 5 4 1 2 1 1 5 Bankkredit 6 4 2 2 3 5 2 4 Anleihen 6 4 2 2 4 5 5 4 Alternative Fremdfinanzierungsinstrumente 6 4 3 2 3 5 3 4 Tabelle 5‐30: Optimale Wahl des Finanzierungsinstruments zur Eigenkapitalverbesserung 5.4 Empfehlungen für die Wahl von Finanzierungsinstrumenten 281 Somit wäre die Aufnahme eines Business Angels die optimale Strategie. Die Ausführungen zur Finanzierung über Business Angels in Kapitel 5.3.4.3 weisen jedoch darauf hin, dass Business Angels nur kleinere Summen Kapital zur Verfügung stellen können. Wird mehr Kapital benötigt, kann das Unternehmen dieses nicht über Business Angels beschaffen und muss auf das zweibeste Instrument zurückgreifen, in diesem Fall die Einlage durch Altgesellschafter. Können diese keine Einlage mehr leisten, müssten neue Gesellschafter oder eine Kapitalbeteiligungsgesellschaft gewonnen oder ein Börsengang in Erwägung gezogen werden. Wie erwartet schneidet der Bankkredit bei der Präferenz für eine Eigenkapitalerhöhung schlecht ab. 5.4.2 Suche nach risikobereiten Investoren Das in Kapitel 3 vorgestellte Selbstratingsystem erlaubt Unternehmen, eine grobe Einschätzung ihrer Risikoposition vorzunehmen und Risikofelder im Unternehmen zu identifizieren. Da die Betrachtung aus Sicht einer Bank vorgenom- Wahl des Finanzierungsinstruments zur Risikofinanzierung Kriterium: Instrument: R is ik o‐ üb er na hm e Va ri ab le   K os te n Ei nf lu ss  d er   K ap ita lg eb er Ei ge nk ap ita l‐ w ir ku ng In fo rm at io ns ‐ an fo rd er un ge n Li qu id itä ts ‐ w ir ku ng Ve rf üg ba rk ei t D au er  K ap ita l‐ üb er la ss un g Business Angels 1 5 5 1 3 1 4 4 Altgesellschafter 2 4 1 1 1 1 4 1 Neue Gesellschafter 2 4 5 1 5 1 4 1 Beteiligungsgesellschaften 2 5 4 1 5 1 4 5 Börsengang 2 5 4 1 5 1 5 1 Nachrangdarlehen 3 3 2 3 3 4 2 4 Genussrechte 3 3 3 3 4 2 3 3 Stille Beteiligung 3 3 (flex) 4 4 3 3 3 Bankkredit 4 2 2 6 3 5 2 4 Anleihen 4 2 2 6 4 5 5 4 Alternative Fremdfinanzierungsinstrumente 4 3 2 6 3 5 3 4 Leasing 5 2 1 4 2 5 1 5 Factoring 5 4 1 4 1 1 2 4 Lieferantenkredite 5 4 1 5 2 1 1 5 Tabelle 5‐31: Optimale Wahl des Instruments zur Risikofinanzierung 282 5 Alternativen zum Bankkredit men wurde, zeigt das Ergebnis des Selbstratingsystems, ob ein Kapitalgeber ein hohes oder ein niedriges Risiko eingeht, wenn er dem betrachteten Unternehmen Kapital zur Verfügung stellt. Wird im Selbstratingsystem ein hohes Risiko festgestellt, muss eine optimale Finanzierungsstrategie die Akquirierung von Kapitalgebern umfassen, die bereit sind, diese Risiken mitzutragen. Sucht das Unternehmen also einen risikobereiten Investor, hat das Kriterium „Risikoüber‐ nahme“ die oberste Priorität. Soll dieses Instrument möglichst kostengünstig sein, ohne großen Einfluss der Kapitalgeber auf das Unternehmen zuzulassen, ergibt sich die Präferenzordnung „Risikoübernahme > Kosten > Einfluss der Kapitalgeber“. Tabelle 5-31 stellt die Ordnung der Finanzierungsinstrumente bei dieser Präferenzordnung dar. Es ergibt sich damit eine ähnliche Ordnung der Finanzierungsinstrumente wie bei der Präferenz für Eigenkapitalfinanzierung: Das höchste Risiko wird von Business Angels übernommen, wofür sie eine entsprechend hohe Rendite verlangen. Andere Eigenkapitalgeber übernehmen ebenfalls hohe Risiken bei leicht geringeren Renditeforderungen. Die Fremdkapital ersetzenden Instrumente Leasing, Factoring und Lieferantenkredite übernehmen kein allgemeines Unternehmensrisiko, sodass diese am unteren Ende der Liste erscheinen. Ähnliches gilt auch für den Bankkredit. Auch hier ist es Aufgabe des Unternehmers, durch Überprüfung der Voraussetzungen und Verhandlungen mit potenziellen Kapitalgebern zu ergründen, welches Instrument einsetzbar ist. 5.4.3 Sicherstellung der Unabhängigkeit des Unternehmens Hat es für den Unternehmer größte Priorität, seine eigene Unabhängigkeit zu bewahren und den Kapitalgeber möglichst keinen Einfluss im Unternehmen zu gewähren, so sind die Finanzierungsinstrumente anhand des Kriteriums „Einfluss der Kapitalgeber“ zu ordnen. Wird gleichzeitig angenommen, dass der Unternehmer eine möglichst kostengünstige Finanzierung wünscht aber gleichzeitig möglichst wenig Informationen über sein Unternehmen preisgeben möchte, ergibt sich die Präferenzordnung „Einfluss Kapitalgeber > Kosten > Informationsanforderungen“. Tabelle 5-32 zeigt die sich ergebende Ordnung der Finanzierungsinstrumente:. Für diese Präferenzordnung stellt sich Leasing als die beste Finanzierungsstrategie heraus, gefolgt von der Einlage der Altgesellschafter und Factoring und Lieferantenkredite. Auch der Bankkredit kann hier in die engere Auswahl kommen. Instrumente, die reines Eigenkapital zur Verfügung stellen, haben naturgemäß hohe Einflussmöglichkeiten der Kapitalgeber und finden sich damit im unteren Teil der Liste wieder. Das Instrument „Stille Beteiligung“ kann auf Grund der flexiblen Ausgestaltung nicht richtig eingeordnet werden. 5.4.4 Kostengünstige langfristige Finanzierung Benötigt das Unternehmen weder mehr Eigenkapital noch risikobereite Kapitalgeber, kann es sich auf die Finanzierung durch kostengünstiges Kapital konzentrieren und sollte dabei auch eine möglichst langfristige Finanzierung nicht aus 5.4 Empfehlungen für die Wahl von Finanzierungsinstrumenten 283 dem Auge verlieren. Besteht das Unternehmen gleichzeitig noch darauf, möglichst wenig Einfluss an die Kapitalgeber zu verlieren, ergibt sich die Präferenzordnung „Kosten > Dauer der Kapitalüberlassung > Einfluss Kapitalgeber“. Tabelle 5-33 stellt die Ordnung der Finanzierungsinstrumente gemäß dieser Präferenzordnung dar. Für eine kostengünstige langfristige Finanzierung erweist sich der Bankkredit als günstigste Alternative, gefolgt von Anleihen und Leasing. Auch mezzanine Instrumente sind geeignet, jedoch teilweise mit höheren Kosten verbunden. 5.4.5 Andere Finanzierungspräferenzen Die bisher analysierten Finanzierungssituationen und Präferenzen dienen lediglich als Beispiel für die Ermittlung der optimalen Finanzierungsinstrumente. Es ist theoretisch jede Kombination der Präferenzen denkbar, und es bleibt dem Leser überlassen, die einzelnen Instrumente anhand seiner eigenen Präferenz in Wahl des Finanzierungsinstruments zur Wahrung der Unabhängigkeit Kriterium: Instrument: Ei nf lu ss  d er   K ap ita lg eb er Va ri ab le   K os te n In fo rm at io ns ‐ an fo rd er un ge n Ei ge nk ap ita l‐ w ir ku ng R is ik o‐ üb er na hm e Li qu id itä ts ‐ w ir ku ng Ve rf üg ba rk ei t D au er  K ap ita l‐ üb er la ss un g Leasing 1 2 2 4 5 5 1 5 Altgesellschafter 1 4 1 1 2 1 4 1 Factoring 1 4 1 4 5 1 2 4 Lieferantenkredite 1 4 2 5 5 1 1 5 Bankkredit 2 2 3 6 4 5 2 4 Alternative Fremdfinanzierungsinstrumente 2 2 3 6 4 5 3 4 Anleihen 2 2 4 6 4 5 5 4 Nachrangdarlehen 2 3 3 3 3 4 2 4 Genussrechte 3 3 4 3 3 2 3 3 Beteiligungsgesellschaften 4 5 5 1 2 1 4 5 Börsengang 4 5 5 1 2 1 5 1 Neue Gesellschafter 5 4 5 1 2 1 4 1 Business Angels 5 5 3 1 1 1 4 4 Stille Beteiligung (flex) 3 4 4 3 3 3 3 Tabelle 5‐32: Optimale Wahl des Finanzierungsinstruments  zur Sicherstellung der Unabhängigkeit 284 5 Alternativen zum Bankkredit die richtige Reihenfolge zu bringen, um das optimale Instrument zu ermitteln. Allerdings ist zu beachten, dass einige Präferenzen nur schwer vereinbar sind. So wird sich kaum Eigenkapital generieren lassen, ohne dass die Kapitalgeber ein Mindestmaß an Einfluss auf das Unternehmen haben oder einen höheren Preis fordern als Banken für Bankkredite. Ebenso werden Fremdkapitalgeber kaum Risiko tragendes Kapital zur Verfügung stellen. In diesen Fällen muss sich der Unternehmer entscheiden, welches Kriterium für ihn wichtiger ist und seine Finanzierungsstrategie entsprechend ausrichten. Ebenso ist es möglich, hier nicht bewertete Instrumente in die Analyse aufzunehmen. In diesem Fall müssen diese zunächst anhand der in Kapitel 5.3.1 dargelegten Kriterien bewertet und anschließend anhand ihrer Noten in die Liste der optimalen Finanzierungsinstrumente einsortiert werden. Wahl des Finanzierungsinstruments zur kostengünstigen Finanzierung Kriterium: Instrument: Va ri ab le   K os te n D au er  K ap ita l‐ üb er la ss un g Ei nf lu ss  d er   K ap ita lg eb er In fo rm at io ns ‐ an fo rd er un ge n Ve rf üg ba rk ei t Li qu id itä ts ‐ w ir ku ng R is ik o‐ üb er na hm e Ei ge nk ap ita l‐ w ir ku ng Bankkredit 2 4 2 3 2 5 4 6 Alternative Fremdfinanzierungsinstrumente 2 4 2 3 3 5 4 6 Anleihen 2 4 2 4 5 5 4 6 Leasing 2 5 1 2 1 5 5 4 Genussrechte 3 3 3 4 3 2 3 3 Stille Beteiligung 3 3 (flex) 4 3 3 3 4 Nachrangdarlehen 3 4 2 3 2 4 3 3 Altgesellschafter 4 1 1 1 4 1 2 1 Neue Gesellschafter 4 1 5 5 4 1 2 1 Factoring 4 4 1 1 2 1 5 4 Lieferantenkredite 4 5 1 2 1 1 5 5 Börsengang 5 1 4 5 5 1 2 1 Business Angels 5 4 5 3 4 1 1 1 Beteiligungsgesellschaften 5 5 4 5 4 1 2 1 Tabelle 5‐33: Optimale Wahl des Finanzierungsinstruments zur kostengünstigen Finanzierung 6 Wie sich die Mittelstandsfinanzierung weiterentwickelt – Zusammenfassung und Ausblick Die historisch relativ konstanten Finanzierungsstrukturen deutscher Unternehmen sind in der letzten Dekade verstärkt in Bewegung geraten. Gründe sind einerseits sowohl eine erhöhte Wahrnehmung der Risiken als auch ein tatsächliches Ansteigen der durchschnittlichen Risiken bei mittelständischen Unternehmen, andererseits die erfolgten bzw. geplanten Reaktionen hierauf von Banken, Bankenaufsicht und Gesetzgebung. Angesichts des derzeit enormen Wettbewerbsdrucks und des in Folge der Finanzkrise noch nicht vollständig wiederhergestellten Vertrauens zwischen den Banken und der Tatsache, dass die gesetzlichen Regelungen zum Teil erst in der Zukunft wirksam werden, besteht der Eindruck, dass aktuell die gesamte Problematik bei der Finanzierung mittelständischer Unternehmen noch nicht voll an den Märkten durchgeschlagen ist. Als Folgen des daraus resultierenden geänderten bzw. zu erwartenden Kreditvergabeverhaltens der Banken werden die Verfügbarkeit und der Zinssatz von Krediten zukünftig noch stärker als heute vom Rating abhängen. Erschwerend kommt die veränderte Aufbaustruktur der Banken gemäß MaRisk hinzu, die von den Unternehmen eine weitere Anpassung ihrer Kommunikationsstrategie mit der Bank erfordert. Auch die sich durch steuerrechtliche Regelungen und aufgrund der schlechten Rentabilitätslage ergebende relativ geringe Eigenkapitalausstattung vor allem mittelständischer Unternehmen in Deutschland wurde in den Blickpunkt gerückt. Für Mittelständler bedeutet dies, sich intensiver als bisher mit der Finanzierung ihres Unternehmens zu beschäftigen. In diesem Buch wurde ein hybrider Ansatz vorgestellt, mit dem mittelständische Unternehmen auf die Herausforderungen der veränderten Finanzierungssituation reagieren können: Zum einen müssen sich speziell kleine und mittlere Unternehmen stärker als bisher mit Risiken im Unternehmen auseinandersetzen, um ein gutes Rating zu erhalten und so den Zugang zu Bankkrediten sichern zu können, denn Bankkredite bleiben weiterhin die Hauptfinanzierungsquelle mittelständischer Unternehmen in Deutschland. Auf der anderen Seite müssen Unternehmen auch ihre Finanzierungsstrategie überdenken und verstärkt Alternativen zum Bankkredit in das Kalkül mit einbeziehen. Das vorgestellte Selbstratingsystem bietet einen Ansatzpunkt für die Bestimmung und Bewertung der Risiken im Unternehmen und gleichzeitig einen Einblick in die Funktionsweise bankinterner Ratingsysteme. Allerdings ist das Selbstratingsystem nicht empirisch abgeleitet und kann somit nicht die Funktion eines Ratings im Sinne von Basel II bzw. Basel III übernehmen und eine fundierte Ratingeinstufung errechnen. Vielmehr ist es ein Denkanstoß für den Un-

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Zusammenfassung

Vorteile: • Frühzeitig auf strengere Regeln der Kreditvergabe durch Banken ab 2013 vorbereitet sein • Optimierung von Risikopositionen für Kreditverhandlungen • Beiliegende CD mit einem Excel-Sheet zum Selbstrating. Zum Werk: Finanzierungsentscheidungen größeren Umfangs sind immer mittelfristig zu betrachten. Deshalb müssen Unternehmen schon heute die ab 2013 geltenden, strengeren Regeln (Basel III) der Kreditvergabe durch Banken in ihren Finanzplanungen berücksichtigen. Dieses Fachbuch stellt Strategien vor, wie die Versorgung mit Finanzmitteln vor dem Hintergrund von Basel III gesichert bleibt. Autoren: Von Prof. Dr. Stefan Müller leitet das Institut für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) Hamburg. Prof. Dr. Mayer-Fiedrich ist Inhaberin des Lehrstuhls für Internationale Finanzierung an der HSU. Dr. Kai Brackschulze ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HSU. Zielgruppe: Für Fach- und Führungskräfte im Rechnungs- und Finanzwesen mittelständischer Unternehmen, SteuerBerater und Wirtschaftsprüfer.