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1 Warum die Mittelstandsfinanzierung wieder in das Blickfeld rückt – Einführung in:

Stefan Müller, Kai Brackschulze, Matija Denise Mayer-Fiedrich

Finanzierung mittelständischer Unternehmen nach Basel III, page 14 - 17

Selbstrating, Risikocontrolling und Finanzierungsalternativen

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3923-6, ISBN online: 978-3-8006-3924-3, https://doi.org/10.15358/9783800639243_14

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1 Warum die Mittelstandsfinanzierung wieder in das Blickfeld rückt – Einführung Die Finanzmarktkrise hat am Kapitalmarkt erhebliche Spuren hinterlassen. Neben Änderungen ökonomischer Sachverhalte führen regulatorische Maßnahmen, wie etwa die am 16.12. 2010 vom Baseler Ausschuss verabschiedete Neuregelung der Eigenkapitalregeln für Banken (Basel III)1, zu Änderungen auch bei der Versorgung mittelständischer Unternehmen mit Krediten. Das primäre Ziel der Neuregelung ist die Erhöhung der Stabilität der Banken durch die Erhöhung ihres Eigenkapitals und durch Restriktionen bei risikoreichen Geschäften. Die Verknappung des anrechenbaren Eigenkapitals in Kombination mit höheren Unterlegungsanforderungen soll die Banken anhalten, ihre Kreditvergabe noch genauer und risikoorientierter zu steuern. Zudem steht zu erwarten, dass der Verlust lukrativer Geschäfte durch die aufsichtsrechtlichen Restriktionen die Margenanforderungen in anderen Geschäftsbereichen – auch im Mittelstandsgeschäft – erhöhen werden. Zwar liegt die Stabilität der Banken als Voraussetzung für eine adäquate und kontinuierliche Kreditversorgung auch im Interesse mittelständischer Unternehmen, jedoch erhöht Basel III abermals den Anpassungsdruck auch aufseiten der Kreditnehmer. Diese krisengetriebene Neuregelung erfolgt keine 8 Jahre nach der Verabschiedung der Basel II-Regeln, deren Umsetzung am Markt bereits deutliche Änderungen beim Prozess und den Anforderungen an die Kreditvergabe durchgesetzt hat, auch wenn diese z.B. durch die Bevorzugung von Retail- oder Mittelstandskrediten bei der Eigenkapitalunterlegung zumindest für kleinere Unternehmen etwas abgeschwächt wurden. Derzeit wird die Situation noch begünstigt durch die nach der Wirtschaftskrise weltweit sehr expansive Geldpolitik, die zu vergleichsweise günstigen Zinsen führt. Schon jetzt ist jedoch mit Erholung der Konjunktur und den wieder stark anziehenden Rohstoffpreisen auch ein Anspringen der Inflationsraten zu beobachten, was mittelfristig auch zu höheren Zinsen führen dürfte. Unternehmen sind daher weiterhin gefordert, sich intensiv mit der Thematik der Finanzierung auseinanderzusetzen, die Beschaffung von Bankkrediten genau vorzubereiten sowie eventuell ihre Attraktivität für Kreditinstitute und ggf. auch weiterer Kapitalgeber zu verbessern. Dabei ist zu beachten, dass mittelständische Unternehmen einerseits oft im besonderem Maße von Bankkrediten abhängig sind, andererseits aber häufig 1 Baseler Ausschuss (Hrsg.): Basel III: International framework for liquidity risk measurement, standards and monitoring, 2010, Online-Quelle: http://www.bis.org/publ/ bcbs188.pdf (9.3. 2011); Baseler Ausschuss  (Hrsg.): Basel III: A global regulatory framework for more resilient banks and banking systems, 2010, Online-Quelle: http:// www.bis.org/publ/bcbs189.pdf (9.3. 2011). 2 1 Einführung nicht über das Know-How und die personellen Ressourcen verfügen, um sich intensiv mit der Finanzierung zu beschäftigen. Definiert man mittelständische Unternehmen als Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten oder 50 Millionen Umsatz pro Jahr, so beträgt ihr Anteil an allen deutschen Unternehmen 99,7%. Sie beschäftigen 70,2% aller Erwerbstätigen und erwirtschaften 48,8% der Bruttowertschöpfung in Deutschland.2 Unabhängig von etwaigen quantitativen Definitionen mittelständischer Unternehmen richtet sich dieses Buch jedoch vielmehr an diejenigen Unternehmen, die entweder Handlungsbedarf bei ihren Finanzierungsaktivitäten sehen, etwa weil sie kürzlich Schwierigkeiten bei der Kreditversorgung erlebt haben, oder aber von sich aus ein Interesse an einer Verbesserung der Finanzierungsposition haben und durch aktive Vorbereitung auf die sich ankündigenden weiteren Veränderungen der Finanzierungsbedingungen die sich daraus ergebenden Chancen nutzen wollen. Aus diesem Grund enthält dieses Buch zwei große Themenkomplexe: Der erste Komplex beschäftigt sich mit der Optimierung der Risikoposition und der Darstellung derselben gegenüber der Bank. Hierzu wird in Kapitel 3 ein auch als Excel-Tool auf der beiliegenden CD mitgeliefertes Selbstratingsystem aufgezeigt, das zum einen Risiken im Unternehmen systematisch erkennen und bewerten hilft und zum anderen einen Einblick in die Funktionsweise bankinterner Ratingsysteme bietet. Da Risikoerkennung kein einmaliger Prozess sein darf, wird in Kapitel 4 exemplarisch aufgezeigt, wie sich die Erkenntnisse aus dem Selbstrating in das Controllingsystem integrieren lassen, um eine dauerhafte Überwachung der Risiken und damit die Stabilität des Unternehmens zu gewährleisten. Das Wissen um die eigenen Risiken und deren aktive Steuerung ist gewissermaßen als absolute Pflichtübung für Unternehmer zu verstehen und inzwischen auch gesetzlich verankert. Folgerichtig lassen sich ohne einen derartigen Nachweis in Zukunft nur noch schwer Kapitalgeber finden. Auf der anderen Seite bieten die aktuellen Veränderungen die Chance, über die bloße Bankkreditfinanzierung hinauszugehen und Alternativen zum Bankkredit kritisch zu prüfen. So lässt sich aus der Pflichtübung der Ratingoptimierung eine „Kür“ machen und die Stabilität des Unternehmens erhöhen. Hierbei leistet Kapitel 5 einen Beitrag. Es stellt zum einen die wichtigsten Fakten über solche alternative Finanzierungsinstrumente dar, die auch in mittelständischen Unternehmen zum Einsatz kommen können. Zum anderen werden auch konkrete Finanzierungsempfehlungen in Abhängigkeit der Präferenzen mittelständischer Unternehmer gegeben. Das Buch möchte jedoch nicht nur Wissen vermitteln, sondern Sie auch aktiv zur kritischen Reflektion über die Risiko- und Finanzierungsverhältnisse im Unternehmen anregen. Deshalb ist das Selbstratingsystem so ausgestaltet, dass für jedes zu betrachtende Kriterium Instruktionen zur Berechnung notwendiger 2 Vgl. Institut  für Mittelstandsforschung  (Hrsg.): Definition und Schlüsselzahlen, Online- Quelle: http://www.ifm-bonn.org/dienste/definition.htm (18.1. 2011). 1 Einführung 3 Kennzahlen und zur Bewertung der Daten des betrachteten Unternehmens gegeben werden. Anschauliche Tabellen und die beiliegende CD unterstützen die aktive Auseinandersetzung mit den Inhalten des Buches, so dass unmittelbar ein Eindruck über die Attraktivität des Unternehmens aus dem Blickwinkel einer Bank oder eines sonstigen Kapitalgebers möglich ist und mögliche Anpassungsmaßnahmen rechtzeitig vorbereitet werden können. 2 Weshalb Risikoorientierung notwendig ist – Die Folgen regulativer Änderungen Mittelständische Unternehmen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich Größe, Einfluss einzelner Personen oder internem Aufbau von Großunternehmen, sie benötigen auch andere Rahmenbedingungen bei der Finanzierung. Der hohe Anteil von Bankkrediten in den Bilanzen kleiner und mittlerer Unternehmen deutet auf die starke Abhängigkeit von Kreditinstituten hin. Bereits mit der Einführung von Basel II1 haben sich die Anforderungen in der Kreditvergabepraxis in Deutschland stark erhöht. Die strengeren Anforderungen an Höhe und Qualität des Eigenkapital zur Unterlegung von Kreditrisiken, die durch die neuen Baseler Eigenkapitalanforderungen (Basel III) eingeführt werden sollen, werden zudem bereits relativ kurzfristig zu weiteren Anpassungen auf Seiten der Banken führen, auch wenn die gesetzliche Umsetzung von Basel III erst 2013 zu erwarten ist. Hinzu tritt die Unzufriedenheit der Banken über die Margen im Geschäft mit Mittelstandskrediten. Diese Problematik begann vor allem nach dem Zusammenbruch der New Economy-Blase Ende 2000, welche durch eine in der Vergangenheit nicht konsequent genug eingehaltene Risikoorientierung bei der Kreditvergabe entstand. Ebenfalls haben hohe Insolvenzquoten unter deutschen Unternehmen und nicht zuletzt die jüngsten Ereignisse der globalen Finanzkrise zu hohen Verlusten und damit Eigenkapitalbelastungen bei den Banken beigetragen. Ziel dieses Kapitels ist es deshalb aufzuzeigen, weshalb das Risiko eines Unternehmens in Zukunft eine noch zentralere Rolle bei Finanzierungsentscheidungen im Unternehmen spielen muss. Nach einer kurzen Zusammenfassung der aktuellen regulatorischen Vorgaben für Banken (Baseler Eigenkapitalanforderungen und MaRisk) erfolgt eine Analyse der Auswirkungen auf Unternehmen. Hier gilt es insbesondere abzuleiten, welchen Einfluss das Risiko eines Unternehmens auf die Verfügbarkeit und die Kosten der Finanzierung in Zukunft haben wird. Der abschließende Abschnitt zeigt eine Übersicht möglicher Handlungsalternativen für Unternehmen zur Reaktion auf die Veränderungen. Fragestellungen des Kapitels: • Welche Neuerungen bringen Basel I und die MaRisk für die Banken? • Welche Folgen ergeben sich daraus für Unternehmen? • Wie sehen mögliche Anpassungsmaßnahmen aus? • Weshalb müssen Unternehmen in Zukunft ihr Risiko stärker in ihre Finanzierungs‐ entscheidungen einbeziehen? 1 Baseler Ausschuss (Hrsg.): Internationale Konvergenz der Eigenkapitalmessung und Eigenkapitalanforderungen, 2006, Online-Quelle: http://www.bis.org/publ/bcbs128ger.pdf (9.3. 2011).

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Zusammenfassung

Vorteile: • Frühzeitig auf strengere Regeln der Kreditvergabe durch Banken ab 2013 vorbereitet sein • Optimierung von Risikopositionen für Kreditverhandlungen • Beiliegende CD mit einem Excel-Sheet zum Selbstrating. Zum Werk: Finanzierungsentscheidungen größeren Umfangs sind immer mittelfristig zu betrachten. Deshalb müssen Unternehmen schon heute die ab 2013 geltenden, strengeren Regeln (Basel III) der Kreditvergabe durch Banken in ihren Finanzplanungen berücksichtigen. Dieses Fachbuch stellt Strategien vor, wie die Versorgung mit Finanzmitteln vor dem Hintergrund von Basel III gesichert bleibt. Autoren: Von Prof. Dr. Stefan Müller leitet das Institut für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) Hamburg. Prof. Dr. Mayer-Fiedrich ist Inhaberin des Lehrstuhls für Internationale Finanzierung an der HSU. Dr. Kai Brackschulze ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HSU. Zielgruppe: Für Fach- und Führungskräfte im Rechnungs- und Finanzwesen mittelständischer Unternehmen, SteuerBerater und Wirtschaftsprüfer.