4 Theorie externer Effekte in:

Dietmar Wellisch

Finanzwissenschaft I: Rechtfertigung der Staatstätigkeit, page 122 - 164

1. Edition 2000, ISBN print: 978-3-8006-2500-0, ISBN online: 978-3-8006-4875-7, https://doi.org/10.15358/9783800648757_122

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Kapitel 4 Theorie externer Effekte 4.1 Einführung und Klassifikation Das wirtschaftliche Handeln eines Individuums er"eugt immer Vorund/oder Nachteile für andere Individuen, mit denen es in I3eziehung steht. Oft trägt der Handelnde auch direkt die Folgen seines Tuns: Will er ".B. ein privates Gut konsumieren, so muß er einen Preis entrichten, der zumindest ausreicht, die Produktionskosten des Gutes , und damit die Nachteile des Produ"enten, "u decken. Die marginale Zahlungsbereitschaft des Konsumenten muß also zumindest ausreichen, die Grenzkosten der Produktion auszugleichen, NI B = NIC. I3ei Zahlung des Kaufpreises werden die Folgen durch den Käufer internalisiert, NI B = p = ll/IC. Jedoch trägt ein Akteur nicht immer alle Folgen seiner Aktivität. Ein Imker, der durch seine Bienemmcht die Befruchtung der nachbarschaftlichen Obstbäume während der I3lütezeit erhöht, zieht diese positiven Folgen für den Obstgärtner nicht in sein Kalkül mit ein. Gleich"eitig erlleugen seine Bienen mehr Honig, da sie mehr Blütenstaub sammeln. Sowohl die Tätigkeit des Imkers als auch die des Gärtners rufen einen indirekten Vorteil für die jeweils andere Partei hervor, für den aber keine der beiden Seiten eine unmittelbare Belohnung erhält. Ebenso führt das Autofahren oder die Produktion in einigen Industriezweigen zu einer erheblichen Verschlechterung der Umweltqualität. Deshalb hat der Staat gerade in diesem Bereich in den let"ten drei J ahr"ehnten verschiedene Maßnahmen ergriffen, um eine ,,11 starke Verschmubung "u verhindern. So führte er Emmissionsgrenzwerte in der Industrie ein, verschärfte die Auflagen bei der Neuerrichtung von I3etrieben bezüglich ihrer Umweltverträglichkeit oder subventionierte den Neukauf eines Autos mit Drei \Vege-Katalysatoren, indern er die KFZ-Steuer für derartige Automobile in den ersten Jahren aussebte. All diese Maßnahmen erhöhten ohne 118 Kapitel4 TheoTie extemeT Effekte Zweifel die Lebensqualität in vielen Industriezentren wIe dem Ruhrgebiet oder im Chemiedreieck Leipzig-Halle-I3itterfeld. Ihnen ist es auch zu verdanken, daß die oberbayerischen Seen wieder Trinkwasserqualität erlangt haber!. Jedoch sind viele Probleme im Umweltbereich noch nicht gelöst. Das Waldsterben, die VerschIIlUt/lung der Nord- und Ostsee sowie die Zerstörung der Natur im Erzgebirge oder dem Alpenraum durch den /llUlehmenden Tourismus sind nur einige Beispiele dafür. Sowohl die Umweltverschmutzung als auch der Fall der Imkerei sind I3eispiele für ein Phänomen, welches wir externe Effekte oder Externalitäten nennen. Ein externer Effekt liegt immer dann vor, wenn ein Akteur durch sein Handeln anderen einen spürbaren Vor- oder Nachteil aufbürdet, ohne diesen Teil der Folgen selbst zu trage!!. Dieser kann entweder über den Preismechanismus des Marktes oder über eine direkte Beziehung zwischen den \Virtschaftsakteuren übertragen werden. \Verden die Folgen über den Preismechanismus übertragen, so spricht man von einem pekuniären externen Effekt. Betrachten wir ".B. eine große Volkswirtschaft wie die USA, von der wir annehmen, daß sie Nettokapitalimporteur ist, d.h. sie überweist Zins- und Tilgungszahlungen an den Rest der \Velt. Besteuert die Regierung der Vereinigten Staaten nun im Interesse ihrer I3ürger, die im Ausland verschuldet sind, das in den USA eingeset/lte Kapital, so sinkt durch diese Maßnahme die \Veltkapitalnachfrage und bei gegebenem Kapitalangebot der \;\Teltmarkt/lins, da die USA aufgrund ihrer Größe einen wesentlichen Teil der Welt kapitalnachfrage ausmachen. Die Zinsleistungen an das Ausland sinken und der Nut/len der im Ausland verschuldeten Amerikaner steigt /lU Lasten ihrer ausländischen Gläubiger, Durch diese Maßnahme kommt es "u einer Einkommensumverteilung "ugunsten der USA. Unterscheiden sich "ugleich infolge dieser Politikmaßnahme die I3ruttozinssätze in den USA und dem Rest der Welt, so kommt es zu einer ineffizienten Kapitalallokation und damit zu einer Verfehlung des Pareto-Optimums. Der Umverteilungseffekt des \Velteinkornrnens kann aber nur auftreten, wenn die Politik der USA den \Veltmarkt/lins beeinflussen kann. \Vürde dagegen ein kleines Land wie ".B. Island die gleiche Strategie verfolgen, so hätte dies eine zu vernachlässigende Auswirkung auf den \Veltzinssatz. Island verhält sich wie ein Haushalt oder Unternehmen bei vollkommenem \Vettbewerb gegenüber dem \Velbinssab als Preisnehmer und kann durch seine Politikentscheidung genausowenig diesen Preis spürbar beeinflussen wie die Nachfrage- und Angebotsentscheidungen eines Haushalts oder Unternehmens die Güter- und Faktorpreise verändert. Es kornrnt /lU keinem pekuniären externen Effekt, da durch die isländische Steuerpolitik das Real- Kapitel 4.1 Einfühmng und Klassifikation 119 einkommen anderer Länder nicht berührt wird. Aus Sicht von Island ist es daher nicht optimal, den Kapitaleinsatz im eigenen Land zu besteuern. \Vohlgemerkt ist eine Veränderung der Preise nicht mit einern wirksamen pekuniären externen Effekt gleichzusetzen. Steigt z.I3. der \Veltzinssatz aufgrund eines exogenen Schocks, so müssen die im Ausland verschuldeten Bürger eines jeden Landes höhere Zins/lahlungen an ihre auswärtigen Gläubiger überweisen und es kommt :.-:u einer Einkommensumverteilung :.-:u Lasten der Schuldner. Entscheidend für das Vorliegen eines wirksamen pekuniären externen Effekts ist, daß ein Akteur durch seine Entscheidungen die Preise spürbar verändern kann, wie z.I3. die Politik der USA den \Veltzinssatz beeinflussen kann. Erst dann kommt es sowohl zu einer Einkornrnensurnverteilung als auch /lU einer Verfehlung einer effi/lienten Allokation. Sie sind insbesondere Gegenstand der modernen Außenhandelstheorie wie sie /I.B. von Elhanan Helpman und Fa'ul R. KT"ugrnan (1989) vertreten wird. \Vährend ein pekuniärer externer Effekt über die Preise und damit über die Budgetrestriktion nur indirekt den Nuben oder die Produktionsmöglichkeiten eines Akteurs beeinflußt, können Externalitäten auch über eine direkte Beziehung zwischen den \Virtschaftsakteuren übertragen werden. Formal ist die Tätigkeit eines \Virtschaftssubjektes ein Argument in der Nutzen- oder Produktionsfunktion eines anderen Haushalts oder Unternehmens. Derartige Effekte werden auch technologische externe Effekte genannt. Der obige Fall des Imkers und des Obstgärtners ist ein Beispiel für eine derartige Externalität. Wir beschränken uns in unseren weiteren Ausführungen auf technologische externe Effekte und sprechen kurz von externen Effekten oder gleichbedeutend von Externalitäten. Beachtet ein Akteur nur diejenigen Folgen seiner Aktivität, die ihn selbst treffen, und nicht die Auswirkungen auf andere Wirtschaftssubjekte, mit denen er in einer direkten Be/liehung steht, so bleibt ein Teil der Folgen ohne Preis. \Venn aber kein Preis für diese externen Effekte existiert, besit/lt weder der Handelnde selbst noch ein anderer Akteur einen Anrei/l, diese Externalität in sein Kalkül zu ziehen, d.h. zu internalisieren. Offensichtlich führt dieser Umstand zu einer Verfehlung der EffizienzbedingungeIL so daß ein Staatseingriff aus allokativer Sicht begründet werden kann. Als Ursache für eine ineffi:.-:iente Allokation bei externen Effekten kann man folglich neben der Interdependenz der Wirtschaftssubjekte das Fehlen eines Preises oder Marktes für die Externalität anseher!. Zusammenfassend sagen wir: Ein (technologischer) externer Effekt liegt vor. wenn die Aktivität eines handelnden Haushalts oder Un- 120 Kapitel4 TheoTie extemeT Effekte ternehmens den Nutzen elIles anderen Haushalts oder die Produktionsmöglichkeiten eines anderen Unternehmens unmittelbar beeinflußt, so daß kein Preis für diese Beeinträchtigung existiert. Das Fehlen eines Marktes für externe Effekte kann allgemein auf die Nichtdurchsetzbarkeit von Eigentumsrechten zurückgeführt werden. Verdeutlichen wir uns dies an folgendem Beispiel: Betrachten wir :6wei Imlividuen A und B, die beide freien Zugang zur Nutzung von frischer Luft haberl. A verschmutlle die Luft und schade damit unmittelbar dem B. Diese Schädigung des B :6ieht A aber nicht in Betracht. A :6ahlt keinen Preis für die Schädigung des B. \Venn man jedoch Eigentumsrechte für die Nutzung der Luft einrichten könnte, so könnte der externe Effekt vermieden werden. \Vürde man :6.B. dem B die Nubungsrechte überlch'lsen, so müßte A das Recht aufVerschmubung von B kaufen. Besit:6en weder A noch B auf einem Markt für Luftnutllungsrechte eine markt beherrschende Stellung, so müßte der A die Schädigung des B vollständig bellahlen. A würde die Folgen seiner Aktivität internalisieren. Besitzt dagegen A die Nutzungsrechte, so müßte B diese von A abkaufen, wenn er frische Luft will. In beiden Fällen wird die Schädigung des B über die Schaffung von Eigentumsrechten internalisiert. Jedoch ist offensichtlich, daß eine Durchsetllung derartiger Eigentumsrechte oftmals illusorisch ist. \Vie sollte der Eigentümer der Nutzungsrechte den anderen von der Nutzung ausschließen? In kleinen Gruppen können wir uns noch vorstellen, daß eine Verhandlungslösung existiert. Jedoch wird die Durchsetzung einer Vereinbarung bei steigender An:6ahl der Akteure immer schwieriger. Bei vielen Betroffenen tritt dann wieder das free-rider-Problem bei fehlender Ausschließbarkeit auf. \Vir können externe Effekte aufgrund verschiedener Kriterien klassifizieren. Zunächst können wir einseitige und wechselseitige externe Effekte unterscheiden. Eine einseitige Externalität liegt vor, wenn die Wirkungskette eindeutig von einem Verursacher A zu einern Betroffenen B verläuft und niemals umgekehrt. Derartige externe Effekte sind Gegenstand der folgenden Ausführungen. Im Gegensatz zu diesen nennen wir eine Externalität wechselseitig, wenn A und B sowohl Verursacher als auch Betroffene sind. Ein Beispiel dafür ist die Überfüllung einer Straße, die wir in Abschnitt 3.2.1 behandelt haberl. Nutzt nämlich ein zusätzlicher Fahrer die Straße, so kommen alle Fahrer langsamer an ihr Ziel. Jeder Fahrer ruft einen externen Effekt für die anderen hervor. Einen wechselseitigen externen Effekt werden wir in Abschnitt 4.3 behandeln. Dann können wir externe Effekte danach unterscheiden, welche Wirtschaftssubjekte von der Externalität betroffen sind. So gibt es Externa- Kapitel 4.1 Einfühmng und Klassifikation 121 litäten zwisehen Produzenten, zwisehen Produzenten und Konsumenten oder allein zwischen Konsumenten. Ein externer Effekt zwischen Produzenten liegt vor, wenn die Produktionsaktivität eines Unternehmens die Produktionsmöglichkeiten eines anderen Unternehmens unmittelbar beeinflußt. Beispiele hierfür sind vielfältig. Eine Firma verschmutht das \;\Tasser eines Flusses und beeinträchtigt ein stromabwärtsliegendes Unternehmen, welches sauberes Wasser bei der Produktion benötigt. Eine Ölgesellsdmft entdeckt ein Ölvorkommen; aufgrund dieser Entdeckung wissen die umliegenden I3ohrunternehmen, wo sie suchen müssen. Ein Transportunternehmen schickt seine LCh'ltwagen auf eine stark befahrene Straße und erhöht somit die Reisezeitkosten für alle Lastwagen, die sich bereits auf dieser Straße befinden. In all diesen Fällen zieht die verursachende Firma die unmittelbaren Folgen für die anderen Unternehmen nicht in Betracht. Die positive wie auch negative Beeinträchtigung erfolgt dabei entweder über den Einsatz eines Produktionsfaktors oder über die produzierte Menge des Verursachers. Die Aktivitäten eines Unternehmens können aber auch den Nutzen der Haushalte unmittelbar beeinflussen. So reduziert der Schadstoffausstoß einer Fabrik oder die Verseuchung des I30dens durch eine Mülldeponie die Lebensqualität der Anwohner, genauso wie der Baustellenlärm die Ruhe der Nachbarn stört. In diesen I3eispielen liegen externe Effekte zwischen Produzenten und Haushalten vor. Schließlich kann eine Externalität allein zwischen Haushalten vorlieger!. So stört den einen Haushalt das Rasenmähen des Nachbarn, das Rauchen in einer Gaststätte verschlechtert die Luft für den nichtrauchenden Gast und die Anlage eines schönen Gartens löst bei den Nachbarn Wohlgefallen oder Neid aus. Des weiteren können wir positive und negative externe Effekte unterscheiden, je nachdem ob die Externalität dem betroffenen Personenkreis Vor oder Nachteile bringt. Beide Arten wollen wir kurz anhand eines Beispiels darstellen. Positive externe Effekte Ein Individuum A möchte einen Park anlegen. Die Größe des Park sei x. Alle Anwohner erfreuen sich des Anblicks dieses Parks. Der Park stellt somit ein Konsumgut für alle Nutzer i, i = 1, ... ,N, einschließlich des A dar. Offensichtlich treten bei Externalitäten aufgrund der Eigenschaft des gemeinsamen Konsums die gleichen Probleme wie bei einem öffentlichen Konsumgut auf. Aus diesem Grund ist eine effiziente Größe des Parks, x*, genau dann erreicht, wenn die Grenzkosten der Erstellung, !'vIex, 122 Kapitel4 TheoTie extemeT Effekte der Summe der marginalen Zahlungsbereitschaften aller Konsumenten entsprechen: N MCr(x*) = L MB~(x*) = MB~l(X*) + L MB~(x*). (4.1) i=l :icFA Dies ist wieder die bekannte Samuelson-I3edingung. Bei de 0, im Vergleich zum Allokationsoptimum die Produktion von x /lU stark ausgedehnt wird. In Abbildung 4.1 stellen wir obige Überlegungen graphisch dar. \Venn wir steigende Grenzkosten annehmen, besitzt die !vIG.r-Kurve eine positive Steigung. Ein Allokationsoptimum ist bei der Ausbringungsmenge x* erreicht, da dann die privaten Gren X * . ~Welcher ~Wohlfahrt.sgewinn ist bei einer Verringerung der Produktion von xe auf x* zu realisieren? Um diesen in der Graphik zu bestimmen, nut.zen wir das Kon rechte Diagramm den aggregierten Markt für das Gut X darstellt. vVenden wir uns ,,;unächst dem Angebotsverhalten eines ein,,;elnen Unternehmens /lU. Die kurdristige Angebotsfunktion eines ein/lelnen Unternehmens verläuft bei vollkommener Konkurren/l auf allen Märkten sprunghaft. Solange der für das einzelne Unternehmen exogen gegebe- Kapitel 4.2 Internaz.tsiemngsstmtegien 133 ne Marktpreis des Gutes X, den wIr nun mit p bezeiehnen, unterhalb der Durchschnittskosten liegt, erfordert gewinnmaximierendes Verhalten einer Firma ein Angebot von Null. Ansonsten würde das Unternehmen nämlich einen Verlust erleiden. Ist der Preis jedoch größer oder gleich den Durchschnittskosten, so wird die Angebotsfunktion bei vollkornrnenem vVettbewerb durch die Grenzkostenkurve, NIC, wiedergegeben. Liegt der Preis über den Durc:hsc:hnittskosten, so würde das Unternehmen einen Gewinn realisieren. Diese Situation kann jedoch bei kostenlosem Marktzutritt kein langfristiges Gleichgewic:ht darstellen, denn sobald positive Gewinne auftreten, werden weitere Unternehmen, angeloc:kt durc:h diese Profite, in den Markt treten. Durch diese wird das gesamte Güterangebot erhöht, was wiederum bei einer fallenden Nac:hfragekurve, D, auf dem Markt für das Gut X ein Sinken des Preises impliziert. Ein Eintritt weiterer Unternehmen setzt sich solange fort, bis der einzelwirtsc:haftlic:he Gewinn gleich Null ist. Die langfristige Angebotskurve entspric:ht daher bei gegebenen Absat Xe, und somit die Summe der Schäden in der Ökonomie durch Für den Verlauf der ACz-Kurve für ein Produktionsniveau .7: > ;re wurde unterstellt, daß das Unternehmen dann eine Steuer in Höhe von !vI D pro produzierte Einheit zahlen muß. Da dieser Zweig der ACz-Kurve für die Entscheidung des einzelnen Unternehmens im langfristigen Gleichgewicht nicht relevant ist, bleibt diese Annahme ohne Auswirkung auf das Ergebnis. 136 Kapitel4 TheoTie extemeT Effekte die Subventionszahlungen noeh zunimmt. Für eine Subventionsstrategie erhalten wir abschließend das Ergebnis 4.2.2 Negative externe Effekte können kurzfristig aueh dureh eine SubventionsZös'nng 'internalisieT't werden. Langfristig ist diese Methode nieht effizient, wenn die Mögliehkeit des Marktzutritts besteht. In diesem Fall erfolgt langfristig eine 'Übermäßige Ansdehr!'ILng deT' schädigenden Aktivität. 4.2.3 Eigentumsrechte und das Coase-Theorem Die bisher betrachteten Internalisierungsstrategien erforderten einen aktiven Eingriff des Staates in das Preissystem. Wir konnten zeigen, daß in der langen Frist alleine die Steuerlösung ein Allokationsoptimum sichert. Eine weitere Möglichkeit , eine Internalisierung /lU erreichen, besteht darin, einen Markt für die Externalität /lU schaffen. Dieser Vorschlag starnrnt von Ronald H. Coasc2 Coasc fragte sich, warum externe Effekte nicht durch einen Markt internalisiert werden? \Varum tritt der Gesc:hädigte nic:ht mit dem Verursac:her in Verhandlungen, um die ihn sc:hädigende Aktivität zu vermeiden? Seine Antwort war: Das Fehlen von Eigentumsrechten bedingt das Fehlen eines Preises für die Externalität. Denn ohne Eigentumsrechte gibt es auc:h keine legalen Ansprüc:he auf Durchführung b/lw. Vermeidung der Aktivität x. Könnte der gesc:hädigte Fischereibetrieb jedoch vorn Chemieunternehmen einen Ersatz für den erlittenen Sc:haden geric:htlic:h einfordern, so würde der Verursac:her diese Sc:hadensersatzzahlungen als zusätzlic:he Kosten in sein Kalkül aufnehmen. Ebenso könnte die Fischerei dem Chemieunternehmen Ausgleic:hs"ahlungen "ukommen lassen, wenn dieses seine Ausbringungsmenge einsc:hränkt. Dem Staat käme in beiden Fällen lediglich die passive Rolle eines Wächters über die Einhaltung dieser Rechte zu. In diesem Absc:hnitt werden wir untersuc:hen, wie aufgrund definierter Eigentumsrec:hte ein Allokationsoptimum realisiert werden kann. Dabei werden wir zwei Fälle untersc:heiden. Im ersten Fall besitze der gesc:hädigte Fischereibetrieb die Eigentumsrec:hte, d.h. er kann den Verursacher für die erlittenen Schäden haftbar mac:hen. Im /lweiten Fall sei der Verursac:her der alleinige Eigentümer an den Rec:hten. Um die Produktion des Chemieunternehmens einzudämmen, muß nun der Ronald H. Coa8e ist Professor an der Universität von Chicago und erhielt 1991 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Kapitel 4.2 Internaz.tsiemngsstmtegien 137 Fischcrcibdrieb dem Verursacher das Recht auf Durchführung der Produktion von x abkaufen. ~Wir werden sehen. daß in beiden Fällen ein Allokationsoptimum erreicht werden kann. Jedoch unterscheidet sich in beiden Fällen die Verteilung der individuellen Gewinne und Verluste. Haftungspfiicht für das Chemieunternehmen Nehmen wir an, die Fischerei besitze alle Rechte. ,;\Till das Chemieunternehmen dennoch produzieren, ohne dafür die Rechte von dem Fischereibetrieb abgekauft zu haberL so kann die geschädigte Firma den Verursacher vor Gericht anklagen und einen Schadensersat/l einfordern. Somit haftet das Chemieunternehmen vollständig für die durch seine Produktion entstehenden Schäden. Da wir vollständige Information unterstellen, weiß das Gericht, welcher Schaden bei der Fischerei durch die Produktion des Gutes x entsteht, und gewährt diesem auch lediglich eine Ersatzleistung in Höhe des tatsächlich erlittenen Schadens. Für die weitere Analyse unterstellen wir zusätzlich, daß bei den Verhandlungen keine Transaktionskosten entstehen. Für die erste produ/lierte Einheit des Gutes x muß nun das Chemieunternehmen dem Fischereibetrieb eine Haftungszahlung in Höhe des marginalen Schadens also der Strecke EF geben. Diese kompensiert die Fischerei gerade für den Schaden dieser Einheit. Das Chemieunternehmen ist /lU dieser Zahlung auch bereit, da sein Erlös aus der Produktion dieser ersten Einheit, der Absat/lpreis Px, seinen Nachteil, nämlich die Summe aus den Grenzkosten und der Schadensersatzleistung für diese Einheit in Höhe der Strecke OF, übersteigt. Aufgrund der steigenden Grenzkosten, steigt dieser Nachteil der Produktion für jede weitere Einheit an, während die marginale Kompensationszahlung an den Fischereibetrieb konstant bleibt. Bei einer Ausbringungsmenge von x* beträgt die Surnrne aus der Haftungs/lahlung für die let/lte Einheit und den marginalen Produktionskosten gerade die Strecke x* A und entspricht somit dem Absat/lpreis PX' Das gewinnmaximierende Chemieunternehmen wird bei vollständiger Haftung seine Produktion solange ausdehnen, bis sich die marginalen Vor und Nachteile aus der Produktion gerade ausgleichen, und somit die effiziente Menge x* anbieten. Die minimale Kompensation, die da,,, Chemieunternehmen der Fischerei gewähren muß, entspricht der Fläche unter der Grenzschadenskurve IvI Dy in Abbildung 4.2. Die minimalen privaten Gren/lkosten des Verursachers bei Produktion des Gutes x werden daher durch die Kurve IvI Dy + IvIG:r abgebildet. 138 Kapitel4 TheoTie extemeT Effekte Verglichen mit elIler Situation ohne Haftungspfiicht des Verursachers zahlt nun das Chemieunternehmen mindestens eine Kompensation in Höhe der Fläche EF AD an die Fischerei. Zusätzlich reduziert sich der Vorteil des Verursachers netto um das Dreieck ABD aufgrund der Verringerung der Produktion von xe auf x*. Insgesamt verbleibt für das Chemieunternehmen ein Verlust in Höhe der Fläche EF AB durch die Zuweisung der Eigentumsrechte an den Fischereibetrieb. Auf der anderen Seite gewinnt dieser zum einen die Kompensationszahlungen EF AD und II(x) , wenn sie die optimale 142 Kapitel4 TheoTie extemeT Effekte Ausbringungsmenge des Chemiebetriebes kennt. Bei unvollständiger Information über die Ausbringungsmenge kann die Fischerei aber nur Erwartungen über den Wert des Eigentumsrechts für das Chemieunternehmen bilden. Dieses kennt natürlich seine optimale Menge und wird nur dann auf die Produktion verzichten, wenn der gebotene Preis für eine Unterla,'lSllIlg der gesamten Produktion, p, zumindest den entgangenen Gewinn II(x) deckt, p 2: II(x). 8(x) DM II(x) (~(O, 5) A -----------------~--------~< 8(0,375) - - - - - - - - - o 0,375 0,5 0,75 1 x Abb. 4.4: Eigentumsrechte und unvollständige Information Aus Sicht des Fischereibetriebes aber ist die Annahme seines Angebots durch das Chemieunternehmen ein SignaL daß die gekauften Eigentumsrechte für eine vollständige Einstellung der Produktion von x den angebotenen Preis p nicht wert sind. Denn, wenn das Chemieunternehmen das Angebot der Fischerei annimmt, so weiß der Fischereibetrieb, daß der Preis p mindestens den Gewinn des Chemieunternehmens deckt. Zugleich beträgt aus Sicht der Fischerei der Erwartungswert der gewinnrnaxirnalen Ausbringungsrnenge des Chemieunternehmens lediglich E(x). Somit erwartet das Fischereiunternehmen, daß dem Chemieunternehmen bei Kapitel 4.2 Internaz.tsiemngsstmtegien 143 Annahme des Preises p die Einstellung der eigenen Produktion zumindest E(x) . p :2: II(x) wert ist. Dann ergibt sich jedoch ein zu erwartender Vorteil für die geschädigte Fischerei in Höhe von 1,5· E(x) . p < p DM, der immer kleiner ist als die Kornpensationsllahlung an das Chernieunternehmen. In Abbildung 4.4 können wir diesen Sachverhalt auch folgendermaßen verdeutlichen. Ohne besseres \Vissen erwartet die Fischerei, daß das Chemieunternehmen eine Ausbringungsmenge von E(x) = 0,5 wählt. In diesem Fall wäre der Fischereibetrieb maximal bereit, einen Preis von p = 8(0,5) pFN(xe ). Aus diesem Zusammenhang ergeben sich folgende äquivalente Aussagen: Im langfristigen Gleichgewicht übersteigt der Reallohn auf Basis des Fischpreises, Jl das Grenllprodukt der Arbeit. Welehe Strategien sind denkbar, die IIU einer Internalisierung des externen Effektes führen? Ein Vorschlag stammt von F. H. Knight (1924). Kapitel 4.8 Kollektiv n'utzbar-e RessouT'cen 155 Er plädierte dafür, die kollektiv nutzbare Ressource in Privatbesitz zu überführen. Der Eigentümer kann dann die Fischereibetriebe von der Nutzung der Ressource ausschließen, d.h. er kann einen Preis für die Nut7:ung verlangen. Zwei Möglichkeiten stehen nun dem Eigentümer des Gewässers 7:ur Verfügung. Zum einen kann er selbst eine Fischerei betreiben und sich dann wie ein gewinnrnaximierendes Fischereikonsortium verhalten. Ist er Preisnehmer auf dem Faktormarkt und dem Fischmarkt, so wird die Ressource effizient genutzt. Zum anderen kann er die Nutzungsrechte an die Fischereiunternehmen veräußern, indern er dem höchsten Angebot den Zuschlag erteilt. DclS höchste Gebot, das der Eigentümer der Ressource für seine Nub:ungsrechte erhalten kann, entspricht genau der maximalen Rente aus der Nutzung der Ressource L, und somit ist eine effiziente Nutzung des Gewässers auch bei dieser Alternative gewährleistet. Eine weitere Möglichkeit der Internalisierung bei vollkommenem \Vettbewerb :6wischen den ein:6elnen Fischereibetrieben ist die Erhebung einer Steuer. Führt der Staat eine effi:6iente Stücksteuer pro Fisch in Höhe der Strecke DA ein, so erhöhen sich die Durchschnittskosten auf das Niveau der Grenzkosten in Punkt A: AC(x*) + t* = MC(x*). Gleichbedeutend sinkt durch diese Maßnahme der Erlös aus einem gefangenen Fisch nach Steuern auf p - t* und wir erhalten das Ergebnis 4.3.3 Die Ei"~füh-T"ung eineT e.ffizienzsichernden St'ückste'ueT in Höhe von t* = I\lIC(x*) - AC(x*) ge'Währleistet ein Allokationsoptim'UTTi bei vollkommenem Wettbe'Werb z'Wischen den Fischereibetr·ieben. Fischereiindustrie sei Monopolist auf dem Absatzmarkt I3isher war die betrachtete Fischereiindustrie klein bezüglich des Absatzmarktes und nahm den Absat7:preis, p, als exogen gegeben. Nun besit7:e die Fischereiindustrie eine MonopolsteIlung auf dem Absatzmarkt. Ein I3eispiel ist eine Forellenzucht in einem idyllischen Tal in Oberbayern. Die Fischereiindustrie sehe sich einer fallenden Preis-Absatz-Funktion, p(x) , gegenüber. Der Preis sinkt folglich mit steigender Angebotsmenge an Fisch. In Abbildung 4.8 ist diese Situation für eine lineare Preis-Absat:6- Funktion, D = p( x), dargestellt. Das Allokationsoptimum ist weiterhin dann erreicht, wenn die sozialen Kosten für einen zusätzlich gefangenen Fisch, NI C (x), dem Preis entsprechen, den die Nachfrager für diesen let7:ten Fisch 7:U 7:ahlen bereit sind: p(x*) = MC(x*). ( 4.19) 156 Kapitel4 TheoTie extemeT Effekte Diese Bedingung ist in Punkt A erreicht und die effiziente Fangmenge ist x*. DM o G A G F x* B Xe C MG AG D = p(x) NIR x Abb. 4.8: Kollektiv nutzbare Ressource bei Marktrnacht Besteht die Fischereiindustrie wieder aus emem Konsortium oder betrachten wir eine nationalisierte Fischerei , so verhalten sich diese wie ein Monopolist. Der Monopolist kann durch Variation der Absatllmenge den Preis für Fisch beeinflussen. Erhöht er seine Angebotsmenge, so sinkt der Preis, d.h. der Grenzerlös sinkt mit zunehmender Menge. Ein Gewinnmaximum der nationalisierten Fischerei ist erreicht. wenn der Grenzerlös (marginal revenue), NIR(x), den Gren;ckosten entspricht: ( 4.20) Diese Bedingung ist in Punkt G erfüllt , wobei die optimale Angebotsmenge aus Sicht eines Monopolisten x'Jv[ ist. Die optimale Menge ist mit dem Index NI versehen, um ;cu verdeutlichen, daß es sich um die gewinnmaximale Fangmenge eines Monopolisten handelt. Den Absabpreis dieser Menge lesen wir im Cournotpunkt G ab. Gegenüber dem Allokationsoptimum entsteht aufgrund der Marktrnacht des Monopolisten ein \Vohlfahrtsverlust in Höhe der Fläche GAG. Um diese Fläche übersteigt die Kapitel 4.8 Kollektiv n'utzbar-e RessouT'cen 157 Zahlungsbereitschaft der Konsumenten für eine Erhöhung der Fangmenge von auf x*, die Fläche xIv/x* AC, die Kosten für die Ausdehnung des Fischangebots, die Fläche unter der Grenzkostenkurve xIv/x* AG. Das gleiche Ergebnis erhalten wir, wenn wir dem Vorschlag von Kn-lght (1924) folgen und die Ressource einern eim~igen Eigentümer übertragen. I3etreibt dieser den Fischfang für sich , so verhält er sich wie ein Monopolist. Veräußert er dagegen die Nutzungsrechte an der Ressource, so entspricht die maximale Rente dem maximalen Gewinn eines monopolistischen Fischunternehmens. der diese Rechte erwirbt. Betrachten wir nun die Situation, in der wettbewerbliches Verhalten und freier Markbutritt eimelner Fischereibetriebe herrscht. Da das ein

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Zusammenfassung

Das dreibändige Werk zur Finanzwirtschaft stellt alle finanzwissenschaftliche Problemstellungen im Zusammenhang von „Rechtfertigung der Staatstätigkeit“, „Theorie der Besteuerung“ und „Staatsverschuldung“ dar. Dabei wird ein normativer Ansatz zugrunde gelegt, der der Einsicht folgt, dass man zunächst die Aktivitäten des Staates als solche in einer marktwirtschaftlichen Ordnung rechtfertigen und somit den Bereich staatlicher Aufgaben festlegen muss, bevor man Fragen der Wirkungsweise öffentlicher Ausgaben und deren Finanzierung erörtern kann.