7 Preisbildung bei alternativen Marktformen in:

Sibylle Brunner, Karl Kehrle

Volkswirtschaftslehre, page 294 - 372

3. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4769-9, ISBN online: 978-3-8006-4770-5, https://doi.org/10.15358/9783800647705_294

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7 Preisbildung bei alternativen Marktformen Kapitelübersicht 7.1 Klassifizierung von Märkten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 285 7.1.1 Qualitative Klassifizierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 286 7.1.2 Marktstruktur und Verhaltensweise. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288 7.2 Polypolpreisbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 291 7.2.1 Vollständiger Wettbewerb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 291 7.2.2 Der optimale Produktionsplan bei vollständiger Konkurrenz. . . . . . . . . . . . . . . 292 7.2.3 Das Güterangebot eines Unternehmens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 299 7.2.4 Das Marktangebot . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 304 7.2.5 Determinanten der Preiselastizität des Angebots. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 305 7.2.6 Langfristige Anpassung des Güterangebots . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 306 7.2.7 Die langfristige Angebotskurve einer Industrie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 308 7.2.8 Effizienz von Märkten mit vollkommener Konkurrenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 311 7.3 Monopol . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 317 7.3.1 Das reine Monopol . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 317 7.3.2 Preis-Absatz-Funktion, Durchschnitts- und Grenzerlös . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 319 7.3.3 Gewinnmaximierung des Monopolisten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 321 7.3.4 Monopolpreis und Preiselastizität der Nachfrage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 323 7.3.5 Nachfrageänderungen und Güterangebot im Monopol . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 326 7.3.6 Vergleich der Monopol- und Polypolpreisbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 327 7.3.7 Preisdiskriminierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 330 7.3.7.1 Preisdiskriminierung ersten Grades . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 330 7.3.7.2 Preisdiskriminierung zweiten Grades . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 332 7.3.7.3 Preisdiskriminierung dritten Grades . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 334 7.3.8 Entstehung und Stabilität vom Monopolen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 337 7.3.9 Ansatzpunkte staatlicher Wettbewerbspolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 342 7.4 Monopolistische Konkurrenz und Oligopolpreisbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 345 7.4.1 Monopolistische Konkurrenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 345 7.4.2 Oligopolpreisbildung und oligopolistisches Verhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 349 7.4.3 Strategisches Verhalten im Oligopol. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 351 7.4.3.1 Statischer Mengenwettbewerb – das Cournot-Modell. . . . . . . . . . . . . . . . . 351 7.4.3.2 Statischer Preiswettbewerb – das Bertrand-Modell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 357 7.4.3.3 Preis- oder Mengenwettbewerb?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 359 7.1 Klassifizierung von Märkten 285 Lehrziele: Für die Analyse der Preisbildung bei alternativen Marktformen müssen wir zunächst die Märkte systematisieren, um die Gesetzmäßigkeiten der Preisbildung auf den unterschiedlichen Märkten untersuchen und vergleichen zu können. Als erste Marktform untersuchen wir die Preisbildung im vollkommenen Polypol. Unter den Bedingungen der vollkommenen Konkurrenz produzieren die Anbieter ein homogenes Produkt und verhalten sich als Preisnehmer. Aus der Angebotsentscheidung des Unternehmens lässt sich ableiten, wie sich das Güterangebot des Unternehmens ändert, wenn sich der Marktpreis des Gutes ändert. Dies führt uns zur individuellen Angebotskurve eines Unternehmens. Durch Aggregation der individuellen Angebotsfunktionen der einzelnen Unternehmen erhält man das marktmäßige Angebot einer Branche. Abschließend wird untersucht, welche Faktoren das Marktangebot beeinflussen und wie sich das Güterangebot durch Marktein- und -austritte sowie Veränderungen der Unternehmensgröße an eine veränderte Nachfrage anpasst. Im Angebotsmonopol sieht sich der Monopolist als einziger Anbieter der gesamten Markt nachfrage gegenüber. Die Nachfragekurve ist seine Preis-Absatz-Funktion. Aufgrund seiner Marktmacht kann er den Preis beeinflussen. Dies erlaubt es ihm, seine Angebotsentschei dungen so zu treffen, dass er Monopolgewinne erzielt, solange Marktzutritte nicht möglich sind. Wir werden sehen, dass ein Monopolist seinen Gewinn noch steigern kann, wenn es ihm gelingt, die Nachfrage zu segmentieren und von den verschiedenen Nachfragegruppen unterschiedliche Preise zu verlangen. Als dritte Marktform untersuchen wir die Preisbildung im Oligopol. Auf einem Markt mit wenigen großen Unternehmen wird kein Anbieter die Entscheidungen eines Mitbewerbers ignorieren können. Im Oligopol beruhen die Angebotsentscheidungen eines Unternehmens auf strategischen Überlegungen über das Verhalten der Konkurrenten. Kooperation und Konflikt lassen sich mit dem Instrumentarium der Spieltheorie untersuchen, weshalb oligopolistisches Verhalten vielfach spieltheoretisch erklärt werden kann. Aufgrund der unterschiedlichen Struktur strategischer Spiele ergeben sich zahlreiche Varianten oligopolistischer Interaktion. Für den Fall zweier Unternehmen, die nicht miteinander kooperieren, werden wir sehen, dass das Ergebnis davon abhängt, ob die konkurrierenden Unternehmen den Preis oder die Produktionsmenge als Aktionsparameter wählen. 7.1 Klassifizierung von Märkten Wir definieren Märkte als ökonomischen Ort des Zusammentreffens von Angebot und Nachfrage. Anbieter und Nachfrager kommen auf Märkten zusammen, um die als Folge der Spezialisierung arbeitsteilig hergestellten Güter und Dienste auszutauschen. Der Gütertausch kann dabei an einen geographischen Ort gebunden sein, er muss es aber nicht. Beispiele für geographisch gebundene Märkte sind etwa der lokale Wochenmarkt oder das Kaufhaus, geographisch ungebundene Märkte sind etwa der Versandhandel, die Onlinebörsen oder die virtuellen Marktplätze im Internet. In marktwirtschaftlichen Systemen haben Märkte weit reichende Funktionen. Märkte als Institutionen des Tausches führen die autonom und dezentral planenden und handelnden Wirtschaftssubjekte zusammen und bringen Anbieter und Nachfrager in ein wechsel- 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen286 seitiges Abhängigkeitsverhältnis. Aus der Summe der eigenständig handelnden Individuen wird so eine Wirtschaftsgesellschaft. Das Streben nach größtmöglichem Nutzen und Gewinn zwingt die Marktteilnehmer zu rationalem Handeln und einem ökonomischen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen. Im Zuge des Tauschvorgangs kommt es zur Festlegung des Preises, zu dem das Gut getauscht wird, denn die Käufer müssen ihre Zahlungsbereitschaft und die Verkäufer ihre Lieferbereitschaft offen legen. Mit der Zahlung des Kaufpreises signalisiert der Käufer, dass er das betreffende Gut höher einschätzt als andere Güter, die er mit dem Betrag kaufen könnte, während der Verkäufer zum Ausdruck bringt, dass er mit dem erzielten Preis andere Güter kaufen kann, die er höher einschätzt als das verkaufte Gut. Die Höhe und die Veränderung des Marktpreises liefern zudem den Marktteilnehmern Signale, die dazu führen, dass sie ihre Wirtschaftspläne gegebenenfalls überprüfen und an die neuen Marktgegebenheiten anpassen, so dass die Wirtschaftspläne der beteiligten Akteure fortlaufend koordiniert werden. Es gibt eine große Vielfalt von Märkten, angefangen von einem Basar mit einer Vielzahl an Waren, für die bei jedem Kauf und Verkauf ein eigener Preis ausgehandelt wird, über die verschiedenen Formen der Warendistribution durch den Handel, bei denen der Preis mitunter fest ist oder auch innerhalb bestimmter Grenzen verhandlungsfähig sein kann, bis zu der Möglichkeit, dass ein einzelner großer Anbieter ein Marktgebiet allein zu festen Preisen beliefert. Deshalb versucht man, Märkte zu systematisieren, um die Gesetzmäßigkeiten der Preisbildung auf alternativen Märkten analysieren und vergleichen zu können. Dazu werden Märkte in zwei Dimensionen unterschieden. Ein Charakteristikum der Märkte ist ihre qualitative Beschaffenheit. Dies betrifft insbesondere die Qualität des gehandelten Gutes, den Informationsstand der Marktteilnehmer sowie die Offenheit des Marktes. Unter quantitativen Aspekten unterscheidet man Märkte nach der Zahl der Marktteilnehmer auf Anbieter- und Nachfragerseite. 7.1.1 Qualitative Klassifizierung Man spricht von einem vollkommenen Markt, wenn er die vier folgenden Bedingungen erfüllt: • Homogene Güter: Die Güter, die auf dem Markt gehandelt werden, sind aus der Sicht der Käufer sachlich gleichartig. • Keine persönlichen Präferenzen: Für die Entscheidungen der Käufer und Verkäufer spielen persönliche Merkmale, Sympathien oder Abneigungen keine Rolle. Sie lassen sich bei ihren Entscheidungen ausschließlich von den Gütereigenschaften und dem Preis leiten. • Keine räumlichen Differenzierungen: Marktteilnehmer haben keine Präferenzen, wo sie das Gut kaufen. So bietet etwa der Kauf vor Ort keinen Vorteil gegenüber dem Kauf bei anderen Anbietern. Unterschiedliche Transportkosten entfallen. • Keine zeitlichen Differenzierungen: Liefer- und Zahlungsfristen entfallen bzw. sind für alle Marktteilnehmer gleich. Diese vier Bedingungen des vollkommenen Marktes werden häufig zur Homogenitätsbedingung zusammengefasst. Einen Markt, der diese Bedingungen erfüllt, bezeichnet man als homogen. Ist eine der vier Bedingungen nicht erfüllt, ist ein Markt unvollkommen, es liegt ein heterogener Markt vor. Nach dem Grad des Informationsstandes der Marktteilnehmer unterscheidet man zwischen vollständiger Markttransparenz und unvollständiger Markttransparenz. Vollständige 7.1 Klassifizierung von Märkten 287 Markttransparenz ist gegeben, wenn Anbieter und Nachfrager über die Marktbedingungen, insbesondere die gehandelten Güter und deren Preise vollständig und zutreffend informiert sind. Die Annahme vollständiger Markttransparenz ist weniger restriktiv, als sie scheinen mag. Denn sie impliziert auf einem vollkommenen Markt lediglich vollständige Preisinformation, nämlich dass Anbieter und Nachfrager über die Preise der in Frage kommenden Güter informiert sind. Auf heterogenen Märkten ist die Annahme allerdings vielfach nicht erfüllt, denn hier bedeutet vollständige Markttransparenz, dass alle Marktteilnehmer auch über die Beschaffenheit der Güter vollständig informiert sind. Aus der Homogenitätsbedingung und der Annahme vollständiger Markttransparenz folgt das Gesetz der Unterschiedslosigkeit des Preises (Law of Indifference), das auf den englischen Nationalökonomen Jevons1 (1835 – 1882) zurückgeht. Es besagt, dass es auf einem vollkommenen Markt nur einen einheitlichen Preis geben kann, zu dem der gesamte Marktumsatz getätigt wird. Würden etwa die Anbieter für Güter, die aus der Sicht der Nachfrager identisch sind, unterschiedliche Preise verlangen, dann würden aufgrund der Markttransparenz die Nachfrager in dem Maße, in dem sich die Preisinformationen ausbreiten, zu dem Anbieter mit dem niedrigsten Preis wechseln. Bei vollständiger Markttransparenz werden sämtliche Abschlüsse zum niedrigsten Preis getätigt. Der vollkommene Markt ist eine Fiktion und sollte nicht als ideale Marktform stilisiert werden. Es ist eine gedankliche Konstruktion, in der beim Kauf und Verkauf keine Transaktionskosten (z. B. für Informationssammlung, Verhandlungen, Transport usw.) anfallen und die Preisbildung ohne Friktionen verläuft. In der Realität kommen Börsen für Aktien oder Devisen dem vollkommenen Markt am nächsten. Für die Analyse der Prozesse der Preisbildung dient der vollkommene Markt als Referenzmarkt, um Ursachen für Marktunvollkommenheiten zu identifizieren und ihren Einfluss auf Preisunterschiede zu erklären. Nach den Möglichkeiten des Marktzutritts unterscheidet man zwischen offenen Märkten und Märkten mit beschränktem Marktzutritt. Ein Markt gilt als offen, wenn der Eintritt in und Austritt aus einem Markt für jeden (potenziellen) Marktteilnehmer jederzeit und ohne Kosten möglich ist. Marktzutrittsbeschränkungen treten auf in Form von rechtlichen oder institutionellen Regelungen oder wirtschaftlich/technischen Beschränkungen. Auf vielen Märkten ist der Marktzutritt durch den Gesetzgeber geregelt. Ärzte benötigen eine Approbation, Rechtsanwälte das zweite Staatsexamen, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer müssen ihre Qualifikation durch entsprechende Kammerprüfungen nachweisen. Wer eine Bank eröffnen will, benötigt neben einer entsprechenden Qualifikation eine Lizenz. Auch Gaststätten oder Taxiunternehmen müssen von Behörden lizenziert werden. In anderer Form beschränkt der Staat den Marktzugang, wenn er durch Zölle, Kontingente oder andere Handelshemmnisse ausländischen Anbietern den Markteintritt erschwert oder begrenzt. Wirtschaftliche Zugangsbeschränkungen liegen vor allem vor, wenn bei grundsätzlich offenen Märkten der Markteintritt an mangelndem Kapital scheitert oder wenn die bestehenden Anbieter durch „Marktregulierung“ wie z. B. Preisabsprachen oder Bieterkartelle den Markteintritt weiterer Wettbewerber behindern. Die wichtigste Form technischer Marktzu gangsbeschränkungen sind Patente. Patente verschaffen dem Patentinhaber eine vorübergehende Monopolstellung. Dies versperrt möglichen Wettbewerbern zumindest befristet den Markteintritt. 1 Jevons, W. S. (1871) 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen288 7.1.2 Marktstruktur und Verhaltensweise Grundlage für die Abgrenzung von Märkten nach ihrer quantitativen Besetzung ist das morphologische Marktformenschema, das auf Heinrich von Stackelberg2 (1905 – 1946) zurückgeht. Er unterscheidet neun Marktformen nach der Anzahl und Größe von Anbietern und Nachfragern. Um eine Aussage über die relative Größe der Marktteilnehmer machen zu können, wird die Symmetrieannahme zugrunde gelegt. Dies bedeutet, dass sich die Anbieter bzw. Nachfrager in ihrer Größe nicht wesentlich unterscheiden. Daraus folgt z. B., dass in einem Markt mit drei Anbietern jeder von ihnen einen Marktanteil von einem Drittel hat. Unterteilt man die Anzahl der Marktteilnehmer zwischen einem, wenigen und vielen Akteuren auf jeder Marktseite, ergibt sich das in Tabelle 7-1 dargestellte Marktformenschema.3 Tabelle 7-1: Marktformenschema3 Nachfrager Anbieter ein großer wenige mittlere viele kleine ein großer bilaterales Monopol beschränktes Monopol Monopol wenige mittlere beschränktes Monopson bilaterales Oligopol Oligopol viele kleine Monopson Oligopson Polypol Die in der Praxis wichtigsten Marktformen sind das Monopol, Oligopol und Polypol. Die Begriffe heißen wörtlich Alleinverkauf, Verkauf durch wenige bzw. viele. Das Monopol wie auch das Monopson sind als Marktformen eindeutig festgelegt. Der alleinige Anbieter sieht sich der gesamten Nachfrage gegenüber, muss also bei seinen Angebotsentscheidungen nur die Reaktion der Gesamtnachfrage berücksichtigen. Er kann bei seinen Angebotsentscheidungen eine aktive Preispolitik betreiben. Allerdings entscheiden dann die Nachfrager, welche Menge sie zu dem vom Monopolisten gesetzten Preis abnehmen wollen. Alternativ kann er auch die Angebotsmenge fixieren, dann entscheiden die Nachfrager über den Preis. Da der Monopolist bei seinen Entscheidungen keine Rücksicht auf Konkurrenten nehmen muss, bezeichnet man sein Verhalten auch als autonomes Preissetzungsverhalten bzw. als autonome Mengenfixierung. Beim beschränkten Monopol bzw. Monopson steht jeweils ein Akteur wenigen Marktteilnehmern auf der Marktgegenseite gegenüber. So ist etwa der Markt für Rüstungsgüter ein Beispiel für ein beschränktes Monopson. Dem Staat als alleinigen Abnehmer stehen mehrere Rüstungsunternehmen gegenüber. Da diese wenigen Nachfrager (Anbieter) mit ihren Entscheidungen das Verhalten des Monopolisten (Monopsonisten) beeinflussen, wird seine Macht beschränkt. Am niedrigsten ist schließlich die Anbieter- und Nachfragemacht im bilateralen Monopol, weil sich hier Anbieter und Nachfrager wechselseitig in ihrer Macht kontrollieren. Ein Beispiel dafür ist der Arbeitsmarkt. 2 Stackelberg, H. v. (1934) 3 Die Begriffe Monopol, Oligopol und Polypol sind zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern für allein (monos), wenige (oligoi), viele (polloi) und dem Wort für verkaufen (poletn). Entsprechend bedeutet Monopol Alleinverkauf, Oligopol Verkauf durch wenige und Polypol Verkauf durch viele. Die Begriffe Monopson und Oligopson setzen sich zusammen aus den Wörtern allein (monos) und wenige (oligoi), sowie dem Wort für kaufen (opsontn). Demnach heißt Monopson Alleinkauf und Oligopson Kauf durch wenige. 7.1 Klassifizierung von Märkten 289 Beim Oligopol stehen wenige Anbieter der gesamten Nachfrage gegenüber. Diese Marktform finden wir häufig auf Konsumgütermärkten. So wird etwa der Markt für Waschmittel von wenigen großen Anbietern dominiert. Ein oligopolistischer Anbieter muss bei seiner Absatzstrategie nicht nur die Reaktion der Nachfrager, sondern auch die Reaktion seiner Konkurrenten berücksichtigen, weil jeder der Anbieter einen relativ großen Marktanteil hat und Entscheidungen eines anderen Oligopolisten Auswirkungen auf die eigene Marktstellung haben. Würde etwa ein Anbieter versuchen, durch eine Preissenkung seinen Marktanteil vergrößern, müssten die restlichen Oligopolisten mit fühlbaren Absatzverlusten rechnen. Die Konkurrenten werden daher auf absatzpolitische Maßnahmen eines Anbieters mit Gegenreaktionen antworten. Eine oligopolistische Marktstruktur ist folglich dadurch gekennzeichnet, dass die Marktteilnehmer in einem Aktions-Reaktions-Verbund stehen. Diese Verhaltensweise bezeichnet man als strategisches Konkurrenzverhalten. Die Wettbewerber handeln interdependent. Das Polypol ist dadurch gekennzeichnet, dass auf jeder Marktseite viele kleine Anbieter und Nachfrager sind, von denen jeder einen relativ kleinen Marktanteil hat. Ein einzelner Anbieter bzw. Nachfrager kann mit seinen Entscheidungen das Marktgeschehen praktisch nicht beeinflussen. So wird etwa die Erhöhung der Angebotsmenge durch einen einzelnen Anbieter nur einen sehr geringen Einfluss auf die Höhe des Marktangebots haben, so dass sich dadurch der Marktpreis nicht ändert. Daher betrachtet der einzelne Anbieter den Marktpreis als gegeben. Als Aktionsparameter verbleibt nur die Ausbringungsmenge, weshalb man hier auch vom Preisnehmer bzw. Mengenanpasser spricht. Eine solche Verhaltensweise bezeichnet man als polypolistisches Verhalten. In dem Marktformenschema sind lediglich symmetrische Marktformen berücksichtigt. In der Praxis finden sich häufig auch asymmetrische Marktformen, bei denen die Teilnehmer einer Marktseite unterschiedlich groß sind. Von Bedeutung ist insbesondere das Teilmonopol bzw. Teiloligopol. Im Teilmonopol kommen zu einem großen Anbieter noch viele kleine Marktteilnehmer hinzu (bei vielen Nachfragern). Das Teiloligopol besteht aus wenigen mittleren Anbietern, zu denen noch zahlreiche kleine Anbieter hinzutreten. Wenn wir die qualitativen und quantitativen Merkmale zur Klassifikation von Märkten kombinieren, erhalten wir typische Marktstrukturen. Vollständiger Wettbewerb und Monopol sind extreme Marktformen mit den Verhaltensweisen des Preisnehmers und des autonomen Preisfixierers. Die dazwischen liegenden Marktformen beinhalten sowohl monopolistische als auch polypolistische Elemente. Darüber hinaus sind in der Tabelle 7-2 angreifbare Märkte (contestable markets) als eigener Typ aufgenommen. Die Theorie angreifbarer Märkte hat gezeigt, dass nicht der aktuelle Wettbewerb (dargestellt durch Anzahl und Verhalten der vorhandenen Anbieter), sondern der potentielle Wettbewerb das Verhalten der Anbieter in einem Markt bestimmt. Ein Markt gilt als vollkommen angreifbar, wenn mögliche neue Anbieter Zugang zur gleichen Technologie haben wie die bereits im Markt befindlichen und die mit dem Markteintritt verbundenen Fixkosten Nonsunk Costs darstellen. In diesem Falle können die erworbenen Anlagen und Maschinen bei einem Marktaustritt verkauft oder anderweitig genutzt werden. So müssen etwa neue Telefonanbieter kein eigenes Festnetz aufbauen, sondern können das Festnetz der Telekom gegen Entgelt nutzen. Dadurch wird das Risiko des Markteintritts für potentielle Anbieter erheblich reduziert. Sind die Sunk Costs (versunkene Kosten) gleich null, trägt der neue Anbieter kein Markteintrittsrisiko und kann sich ohne Verlust auch wieder aus dem Markt zurückziehen und damit in einer Art hit and run Aktion die bestehenden Wettbewerber unter Druck setzen. In angreifbaren Märkten bewirkt der Wettbewerbsdruck möglicher 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen290 Marktzutritte, dass sich die im Markt befindlichen Anbieter wettbewerbskonform verhalten und ihre Marktmacht beschränkt wird. Die wahrgenommene Drohung potenzieller Wettbewerber bestimmt dann das Verhalten der aktuellen Anbieter. Allerdings reduziert sich das Drohpotenzial möglicher Anbieter umso mehr, je höher die mit dem Markteintritt verbundenen Sunk Costs sind. Tabelle 7-2: Typen von Marktstrukturen Charakteristika Vollkommene Konkurrenz Monopolistische Konkurrenz Angreifbare Märkte Oligopol Monopol Anzahl der Anbieter viele viele viele/wenige/einer wenige einer Marktzutrittsbarrieren keine keine oder geringe keine oder geringe hoch wegen Economies of Scale and Scope hoch/unmöglich wg. Economies of Scale and Scope/ gesetzl. Regelung Angebotene Güter homogen/ identisch heterogen/ differenziert identisch oder differenziert identisch oder differenziert identisch Einfluss auf den Preis Preisnehmer begrenzt begrenzt erheblich Preisfixierung/staatlich reguliert Aktionsparameter Menge Menge/ Qualität/ Werbung Menge/Preis Preis/Qualität/Werbung Preis oder Menge Gewinn null kurzfristig positiv, langfristig null null abhängig von Marktzutritt und Verhalten der Anbieter positiv Wettbewerb sehr hoch hoch hoch niedrig/hoch abhängig vom Verhalten der Anbieter keiner/sehr niedrig Beispiele Ausgewählte Agrarprodukte, Wertpapiere Fachhandel, ausgewählte Dienstleistungen z. B. Restaurants Örtliche Restaurants, private Linienbusangebote PKW, Arzneimittel, Waschpulver, Zigaretten Schienennetz der Bahn, Gebietsmonopole bei Strom, Gas, Wasser 7.2 Polypolpreisbildung 291 7.2 Polypolpreisbildung 7.2.1 Vollständiger Wettbewerb Die Kostenkurve gibt uns für jede Produktionsmenge an, welche Kosten bei der Produktion einer gegebenen Menge mindestens anfallen. Für die Angebotsentscheidung der Unternehmung stellt sich dann die Frage, welche Gütermenge produziert und angeboten werden soll. Dabei spielt neben den Kosten der am Markt erzielbare Preis eine entscheidende Rolle. Somit hängt die Angebotsentscheidung auch davon ab, ob das Unternehmen mit seinem Angebot den Marktpreis beeinflussen kann oder nicht. Dies bedeutet aber, dass die Angebotsentscheidung von der Marktform abhängig ist. Wir untersuchen hier zunächst eine Situation, in der das einzelne Unternehmen über keine Marktmacht verfügt und folglich keinen Einfluss auf den Marktpreis ausüben kann. Dies ist in der Marktform der vollständigen Konkurrenz der Fall. Die Marktform der vollständigen Konkurrenz ist durch vier Eigenschaften charakterisiert: a) Marktteilnehmer verhalten sich als Preisnehmer. b) Sie bieten homogene Güter an. c) Es herrscht vollkommene Markttransparenz. d) Die Märkte sind offen. a) Die Marktteilnehmer verhalten sich als Preisnehmer. Sie betrachten den Marktpreis als gegebenen und entscheiden, welche Menge des betrachteten Gutes sie zu diesem Preis anbieten oder nachfragen wollen. Damit Anbieter und Nachfrager den Preis als gegeben betrachten, darf ihre Entscheidung über die angebotene Menge keinen Einfluss auf den Marktpreis haben. Dies ist genau dann der Fall, wenn das Angebot des einzelnen Unternehmens im Vergleich zum am Markt umgesetzten Volumen klein ist. Dann hat die Angebotsentscheidung des einzelnen Unternehmens keinen nennenswerten Einfluss auf den Marktpreis. b) Homogene Güter liegt vor, wenn die am Markt von den verschiedenen Unternehmen angebotenen Güter vollkommen substituierbar sind. Aus der Sicht der Käufer macht es keinen Unterschied, ob sie das Produkt von einem Unternehmen A oder dem Unternehmen B kaufen. Die Homogenitätseigenschaft ist vor allem auf Märkten erfüllt, auf denen standardisierte Produkte gehandelt werden. Dies ist etwa der Fall bei landwirtschaftlichen Produkten und Rohstoffen. Weitere Beispiele sind Strom, Telefongespräche, Benzin sowie Finanzmarkttitel wie etwa Devisen oder Bundesanleihen. Industrielle Fertigerzeugnisse und insbesondere die meisten Konsumgüter sind heterogene Produkte. Die Anbieter versuchen, sich durch besondere Produkteigenschaften oder andere absatzpolitische Instrumente von ihren Wettbewerbern abzusetzen, um einen eigenen preispolitischen Spielraum zu bekommen. c) Das Kriterium der vollkommenen Markttransparenz beinhaltet, dass Anbieter und Nachfrager jederzeit alle relevanten Informationen besitzen, die sie für ihre Nachfragebzw. Angebotsentscheidungen benötigen. Es betrifft sowohl die Preise als auch die Qualität der angebotenen Güter. Diese Annahme ist in der Regel für Börsen (Warenbörsen für Öl, Weizen, Fleisch usw.) und Auktionen (Blumen, Weine, Vieh usw.) erfüllt, nicht jedoch auf Märkten, auf denen die Waren dezentral angeboten werden. Die Annahmen homogener Produkte und der Markttransparenz stellen zusammen sicher, dass in einem solchen Markt alle Transaktionen zwischen Käufern und Verkäufern zu einem einheitlichen Preis abgewickelt werden. Da aus der Sicht der Nachfrager die angebotenen 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen292 Produkte vollkommen substituierbar und die Preise der Anbieter bekannt sind, werden die Nachfrager immer zu den niedrigst möglichen Preisen kaufen. Ein Unternehmen, das einen höheren Preis fordert, wird keine Umsätze erzielen. d) Die Annahme offener Märkte bedeutet, dass es allen bestehenden Marktteilnehmern jederzeit möglich ist, aus einem Markt auszutreten und die Produktion einzustellen oder zu verlagern, und alle potenziellen Marktteilnehmer jederzeit in den Markt eintreten und die Produktion aufnehmen können, ohne dass spezielle Kosten den Markteintritt oder -austritt erschweren. Diese Bedingung ist nicht erfüllt, wenn etwa durch Patente der Marktzutritt erschwert wird (z. B. Pharma) oder wenn beim Markteintritt in großem Umfang Investitionen getätigt werden müssen, die so spezifisch sind, dass sie als Sunk Costs zu betrachten sind, weil der Wiederverkaufswert der Anlagen gering oder gleich Null ist (z. B. Flugzeugbau). Die Annahme des freien Marktzutritts ist wichtig für den Wettbewerb, denn sie bedeutet, dass neue Anbieter in einen Markt eingetreten können, wenn auf Grund einer steigenden Nachfrage die Preise und Gewinne der bestehenden Unternehmen steigen, und dass Unternehmen sich aus einem Markt zurückziehen können, indem sie verlustbringende Produktionen schließen. Die Annahmen über den vollständigen Wettbewerb implizieren einen stilisierten Markt, der in der Realität in seiner Idealform nur selten vorkommen dürfte. Am ehesten dürften noch Waren-, Wertpapier- und Devisenbörsen die Bedingungen des vollkommenen Marktes erfüllen. Dennoch ist das Konzept des vollkommenen Marktes nützlich, weil wir mit diesen Annahmen die Bildung und das Verhalten der Preise analysieren können und weil die Ergebnisse vielfach auch dann noch gültig sind, wenn die Annahmen nicht genau erfüllt sind. Außerdem kann man aus Vergleichen zwischen vollkommenen und unvollkommenen Märkten wichtige Schlussfolgerungen ableiten im Hinblick auf die Effizienz und Stabilität von Märkten, die wohlfahrtsökonomischen Auswirkungen unvollkommener Märkte usw. 7.2.2 Der optimale Produktionsplan bei vollständiger Konkurrenz Ausgangspunkt für die weiteren Überlegungen zur Angebotsentscheidung ist die Zielsetzung des Unternehmens. Ziel jedes unternehmerischen Handelns ist die Erwirtschaftung von Gewinn, wobei in der Mikroökonomie davon ausgegangen wird, dass Unternehmen darauf abzielen, den Gewinn zu maximieren. Der Gewinn eines Unternehmens ergibt sich als Differenz zwischen den Verkaufserlösen und den Kosten der Produktion. Die Kostenfunktion beschreibt die minimalen Gesamtkosten, die bei der Produktion einer bestimmten Angebotsmenge entstehen. Die verschiedenen Kostenbegriffe und das Problem der Kostenminimierung haben wir im vorhergehenden Kapitel kennen gelernt. Die Wahl der kostengünstigsten Produktion ist eine Seite, um den größtmöglichen Gewinn zu erzielen. Darüber hinaus muss sich das Unternehmen über den Absatz Gedanken machen, indem es zu entscheiden hat, welche Produktionsmenge es zu welchem Preis am Markt absetzen kann. Die individuelle Nachfragekurve eines Unternehmens heißt Preis-Absatz- Funktion Informationen darüber, welche Gütermenge zu welchem Preis in einem Markt abgesetzt werden kann, liefert die Nachfragefunktion. Sie beschreibt, welche Menge eines Gutes die Nachfrager bei alternativen Preisen zu kaufen bereit sind. Da sich alle Anbieter einer Branche dieser Nachfrage gegenübersehen, beschreibt sie aus der Sicht der Anbieter, wel- 7.2 Polypolpreisbildung 293 che Menge die Branche oder Industrie insgesamt zu alternativen Preisen absetzen kann. Für die Angebotsentscheidung des einzelnen Anbieters ist aber nicht die Nachfragekurve der Industrie entscheidend, sondern die Nachfragekurve, der sich dieses Unternehmen gegenüber sieht. Diese individuelle Nachfragekurve des Unternehmens bezeichnet man als Preis-Absatz-Funktion. Sie beschreibt aus der Sicht des Anbieters, welche Mengen er in Abhängigkeit von dem gesetzten Preis absetzen kann. Nachfragefunktion und Preis-Absatz-Funktion eines einzelnen Anbieters stimmen nur im Monopolfall überein, denn dann steht ein Anbieter der Gesamtnachfrage gegenüber. Im Polypolfall sind es viele Anbieter, die der Gesamtnachfrage gegenüberstehen, wobei jeder Anbieter nur einen kleinen Teil des gesamten Angebots produziert und dementsprechend keinen signifikanten Einfluss auf den Marktpreis ausüben kann. Da Änderungen im Output keinen nennenswerten Effekt auf den Marktpreis haben, verläuft die Preis-Absatz-Funktion des einzelnen Polypolisten parallel zur Abszisse. Innerhalb seiner Kapazitätsgrenze kann der einzelne Anbieter seine Menge variieren, ohne dass sich der Marktpreis verändert. Würde er von sich aus eine aktive Preispolitik betreiben und versuchen, den Preis heraufzusetzen, müsste er damit rechnen, dass aufgrund der Homogenität des angebotenen Gutes die Nachfrager den Preisunterschied sehr schnell bemerken und zu anderen Anbietern abwandern. Mit einer Senkung des Angebotspreises unter den Marktpreis würde er zwar mehr Nachfrage auf sich ziehen, aber er kann diese nicht befriedigen, weil seine Produktionskapazität begrenzt ist. Zu einem niedrigeren Preis an der Kapazitätsgrenze zu produzieren kann jedoch nicht in seinem Interesse sein, denn auch beim herrschenden Marktpreis kann er seine Kapazität voll auslasten, so dass für den Polypolisten eine aktive Preispolitik als Instrument der Gewinnmaximierung ausscheidet. Praxisbeispiel 7-1: Marktnachfrage und Preis-Absatz-Funktion des einzelnen Anbieters Um zu verstehen, warum sich selbst große Produzenten als Preisnehmer verhalten, wählen wir als Beispiel den Weltmarkt für Weizen. Im Jahr 2004 belief sich die Weltproduktion laut FAO auf 627.000.000 t Weizen. Im Jahresdurchschnitt lag der Preis bei 161 $ je Tonne. Nach Schätzung der FAO4 beträgt die Preiselastizität für Weizen –0,14. Wenn wir eine lineare Nachfragefunktion in der Form x = a – bp unterstellen, lässt sich aufgrund dieser Angaben die Nachfragekurve nach Weizen bestimmen, denn es gilt: * * * * dx p dx p x mit b b b dp x dp x p Dabei bezeichnen p* und x* den Punkt auf der Nachfragekurve, in dem die Nachfrageelastizität gemessen wurde. Wir unterstellen hier die zum Preis von p* = 161 $ nachgefragte Menge von x* = 627.000.000 t Weizen. 627 000 000 b ( 0,14) 545 217 161 Für eine lineare Nachfragefunktion gilt: x = a – bp → a = x* + bp* a = 627 000 000 + 545 217∙161 = 7 147 880 000 Dann hat die lineare weltweite Nachfrage nach Weizen folgende Form: x = 7 147 880 000 – 545 217.p Das Weltangebot an Weizen stammt von einer großen Zahl von größeren oder kleineren Getreideproduzenten, die über eine Vielzahl von Ländern verstreut sind. Das Angebot der einzelnen Produzenten ist im Vergleich zum Weltangebot relativ klein. Um zu sehen, dass selbst große Getreideproduzenten nur einen geringen Einfluss auf den Preis ausüben können, unterstellen 4 Online Datenbank der FAO, http://faostat.fao.org/site/408/default.aspx, abgerufen am 29.9.2005 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen294 wir eine Farm mit einer Fläche, die unter günstigen Bedingungen eine Produktion von 10.000 t Getreide ermöglicht. Die durchschnittliche produzierte Weizenmenge liege bei 5.000 t, daneben würden andere Getreidesorten angebaut. Unter diesen Annahmen beträgt der Weltmarktanteil dieser großen Farm 0,0008 % oder 0,8 von einer Million. Unterstellen wir nun, der Getreideproduzent würde seine Weizenproduktion zulasten anderer Ge treidesorten verdoppeln. Dadurch würde die Weltproduktion um (5000/627  Mio.t) · 100  = 0,0008 % steigen. Welchen Einfluss wird dies auf den Marktpreis haben? Die Nachfrageelastizität von –0,14 besagt, dass bei einem Preisanstieg um 1 % die nachgefragte Menge um 0,14 % fällt, beziehungsweise umgekehrt, dass bei einem Anstieg der Produktionsmenge um 1 % der Preis um 7,14 % fallen würde. Somit führt die Steigerung der Weltproduktion um 0,0008 % zu einer Preissenkung von –7,14 ∙ 0,0008 % = –0,0057 %. Der Preis würde von 161,00 $ auf 160,99 $ je Tonne zurückgehen. Der Vergleich der Änderung des Marktpreises mit der Änderung der Produktionsmenge zeigt, dass die individuelle Nachfrageelastizität des Getreidefarmers viel höher ist als die Elastizität der Nachfrage am Weltmarkt: Seine Produktionssteigerung betrug 100 %. Die dadurch ausgelöste Preissenkung war 0,0057 %. Somit beträgt die individuelle Nachfrageelastizität: i 100% 17 544 0,0057% Der Getreideproduzent sieht sich also einer äußerst elastischen Nachfrage gegenüber. Wenn er versuchen würde, nur einen geringfügig höheren Preis zu fordern, würde seine Absatzmöglichkeit sehr rasch gegen Null gehen. Wir können jetzt auch die Preis-Absatz-Funktion des Weizenfarmers bestimmen. Dabei gelten die Parameter εi = -17544, * ix = 5000 und * ip = 161. Für die Preis-Absatz-Funktion ergeben sich daraus folgende Werte für Steigungs- und Niveauparameter: 5000 b ( 17 544) 544 845 161 a = 5000 + 544845 ∙ 161 = 87 725 000 In Abbildung  7-1 ist der Weltmarkt für Weizen und die Preis-Absatz-Funktion des einzelnen Weizenproduzenten dargestellt. Für den Weltmarkt für Weizen in der Abbildung links wird unterstellt, dass die beobachteten Werte für Preis und Menge ein Marktgleichgewicht darstellen. Die rechte Hälfte enthält die Preis-Absatz-Funktion für unseren Weizenproduzenten. Für die relevanten Produktionsmengen zwischen null und 10.000 t verläuft sie parallel zur Abszisse. Änderungen seiner Produktionsmenge haben nahezu keinen Einfluss auf die Höhe des Marktpreises. 600 610 620 640 650 Menge in Mio. t Weltmarkt für Weizen Menge in t Preis-Absatz-Funktion Kapazitätsgrenze 0 2000 4000 6000 10000 N A G 120 140 160 180 p ($/t) 120 140 160 180 p ($/t) 630 8000 Repräsentativer Weizenproduzent i Abbildung 7-1: Weltmarkt für Weizen und die individuelle Preis-Absatz-Funktion eines Weizenproduzenten 7.2 Polypolpreisbildung 295 Die vollkommen elastische Preis-Absatz-Funktion bedeutet, dass Outputänderungen, die ein Anbieter innerhalb seiner Produktionskapazität vornimmt, den Marktpreis unverändert lassen. Bei gegebenem Marktpreis ist der Erlös allein abhängig von der Angebotsmenge. Der Gesamterlös ergibt sich als Produkt aus Marktpreis und Angebotsmenge. E(x) = px Gesamterlös, Grenz- und Durchschnittserlös Analog zu den Kosten können wir Grenz- und Durchschnittserlös definieren. Der Grenzerlös ist der Erlöszuwachs, der aus dem Verkauf einer zusätzlichen Produkteinheit erzielt wird. Erzielt etwa ein Unternehmen einen Erlöszuwachs von 1000 € aus dem Verkauf von fünf zusätzlichen Einheiten, dann ist der Grenzerlös der zuletzt abgesetzten Einheit 200 €. Den Durchschnittserlös erhält man, wenn man den gesamten Erlös einer Periode durch die Anzahl der abgesetzten Mengeneinheiten teilt. Solange der Marktpreis von den eigenen Änderungen der Angebotsmenge eines Unternehmens nicht beeinflusst wird, sind Durchschnitts- und Grenzerlös gleich hoch und entsprechen dem Marktpreis. Die Durchschnitts- und Grenzerlöskurve fallen zusammen und bilden eine horizontale Linie in Höhe des Marktpreises. Die Gesamterlöskurve ist in diesem Fall eine Gerade, die mit zunehmendem Output mit der Steigung p ansteigt. Gewinnmaximierung als Ziel unternehmerischen Handelns Wenn ein Unternehmen auf einem Wettbewerbsmarkt den Preis nicht in seinem Sinn beeinflussen kann, muss es sich überlegen, welche Menge es produzieren und anbieten soll. Um die Grundstruktur des Entscheidungsproblems zu verstehen, betrachten wir wieder exemplarisch unsere Fertigungsabteilung. Dazu unterstellen wir, dass sich aus der Sicht der Käufer das Angebot der verschiedenen Produzenten nicht wesentlich unterscheidet und dass sich die verschiedenen Hersteller laufend in ihren Preisentscheidungen gegenseitig beobachten, so dass sich ein einheitlicher Preis im gesamten Absatzgebiet herausbildet. In diesem Fall ist der Preis für den einzelnen Hersteller gegeben, und er wird zu entscheiden haben, welche Menge er unter diesen Umständen herstellen und anbieten möchte, um seinen Gewinn zu maximieren. In der folgenden Tabelle 7-3 sind Kosten, Erlöse und Gewinn in Abhängigkeit von der Produktionsmenge dargestellt. Die Kostensituation der Fertigungsabteilung hatten wir bereits im vorhergehenden Kapitel untersucht5. Gesamtkosten, Stückkosten und Grenzkosten sind in den Spalten 2 bis 4 enthalten. Für die folgenden Überlegungen müssen wir noch die Erlösseite berücksichtigen. Unterstellen wir einen Preis von 5,40 Euro/Mengeneinheit, ergibt sich der Erlös in Spalte 5 als Produkt aus der Verkaufsmenge und dem Preis. Da der Verkauf jeder zusätzlichen Mengeneinheit denselben Erlöszuwachs erbringt, ist der Grenzerlös konstant und entspricht dem erzielten Preis. Der Gewinn in Spalte 7 ergibt sich als Differenz aus dem Gesamterlös und den Gesamtkosten. Ob der Gewinn durch den Verkauf einer zusätzlichen Mengeneinheit gesteigert werden kann, darüber informiert der Grenzgewinn in Spalte 8. Der Grenzgewinn entspricht dem Gewinnzuwachs, der aus dem Verkauf einer zusätzlichen Mengeneinheit erzielt werden kann. Solange die Grenzgewinne positiv sind, reduziert jede zusätzlich verkaufte Mengeneinheit den Verlust bzw. steigert jede zusätzlich abgesetzte Mengeneinheit den Gesamtgewinn. 5 Siehe Abschnitt 6.4.2. 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen296 Tabelle 7-3: Erlös-, Kosten- und Gewinnentwicklung in Abhängigkeit von der Produktionsmenge Menge Gesamtkosten Stückkosten Grenzkosten Erlös Grenzerlös Gewinn Grenzgewinn (1) (2) (3) (4) (5) (6) (7) (8) 0 500,00 0,00 5,40 –500,00 200 1635,00 8,175 5,675 1080,00 5,40 –555,00 –0,275 400 2597,50 6,494 4,813 2160,00 5,40 –437,50 0,588 600 3534,00 5,890 4,683 3240,00 5,40 –294,00 0,718 800 4460,50 5,576 4,633 4320,00 5,40 –140,50 0,768 900 4922,00 5,469 4,615 4860,00 5,40 –62,00 0,785 1000 5384,00 5,384 4,620 5400,00 5,40 16,00 0,780 1200 6310,50 5,259 4,633 6480,00 5,40 169,50 0,768 1400 7246,75 5,176 4,681 7560,00 5,40 313,25 0,719 1500 7723,25 5,149 4,765 8100,00 5,40 376,75 0,635 1600 8210,00 5,131 4,868 8640,00 5,40 430,00 0,532 1650 8461,00 5,128 5,020 8910,00 5,40 449,00 0,380 1700 8718,50 5,129 5,150 9180,00 5,40 461,50 0,250 1725 8853,00 5,132 5,380 9315,00 5,40 462,00 0,020 1750 8993,75 5,139 5,630 9450,00 5,40 456,25 -0,230 Wenn ein Unternehmen zu entscheiden hat, welche Produktionsmenge es anbieten soll, muss es Grenzerlöse und Grenzkosten vergleichen. Sind die Erlöszuwächse, die sich aus der Herstellung und dem Verkauf einer zusätzlichen Produkteinheit ergeben, größer als die Kosten, die durch die Produktion dieser Produkteinheit verursacht werden, resultiert aus dem zusätzlichen Absatz ein Gewinnzuwachs und der Gesamtgewinn steigt. Eine Ausdehnung der Produktionsmenge ist demnach solange Gewinn bringend, wie die Grenzgewinne positiv sind. Da aber die Gesamtkosten umso stärker zunehmen, je mehr das Unternehmen seine Produktion ausdehnt, führen die steigenden Grenzkosten der Produktion dazu, dass bei konstanten Grenzerlösen die Grenzgewinne abnehmen und schließlich negativ werden. Dies ist in unserem Beispiel ab einer Produktionsmenge von 1725 Mengeneinheiten pro Schicht der Fall. Der Absatz weiterer Mengen ist nicht mehr sinnvoll, weil jede zusätzlich produzierte und verkaufte Mengeneinheit einen Grenzverlust erbringt, der den Gesamtgewinn reduziert. Das Unternehmen maximiert folglich seinen Gewinn, wenn es sein Angebot so weit ausdehnt, bis die zuletzt abgesetzte Mengeneinheit keinen Gewinnzuwachs mehr erbringt. An dem Beispiel unserer Fertigungsabteilung können wir auch erkennen, dass es bei der Gewinn maximierenden Produktionsentscheidung nicht auf Durchschnittsgrößen ankommt. Würde unser Hersteller den Durchschnittserlös je Mengeneinheit den Durchschnittskosten der Produktion gegenüberstellen, so würde dies seinen Gewinn nicht maximieren. Der 7.2 Polypolpreisbildung 297 Durchschnittsgewinn je abgesetzter Einheit ist nämlich bei einer Produktionsmenge von 1650 Stück am größten. Hier beträgt die Differenz zwischen dem Preis und den Stückkosten 5,40 € – 5,13 € = 0,27 € pro Stück. Diese Produktionsmenge ist aber suboptimal, denn die zuletzt angebotenen Mengeneinheiten weisen noch positive Grenzgewinne auf. Durch eine weitere Ausdehnung des Angebots kann der Gesamtgewinn gesteigert werden. Dies zeigt, dass Unternehmen, die ihren Gewinn maximieren wollen, die Einflussfaktoren auf die Kostenentwicklung kennen sollten und sich zudem darüber Gedanken machen müssen, wie sich Veränderungen von Produktionsentscheidungen auf die Kostenentwicklung und damit auf die Grenzkosten auswirken. Für den Fall der vollständigen Konkurrenz entspricht der Grenzerlös dem Marktpreis, weil die Unternehmen Preisnehmer sind. Dann lautet die Bedingung für das Gewinnmaximum p = K’ Die „Preis = Grenzkosten“ Regel besagt, dass ein Unternehmen seinen Gewinn maximiert, wenn es die Outputmenge wählt, bei der der Marktpreis gerade so hoch ist wie die Grenzkosten. Man sagt, das Unternehmen verhält sich als Mengenanpasser. Dies ist in Abbildung 7-2 dargestellt. Bei konstantem Preis ist die Erlöskurve linear. Jede zusätzlich abgesetzte Mengeneinheit erbringt einen Erlöszuwachs in Höhe des erzielten Marktpreises. Die Kosten werden durch eine Kostenfunktion bei ertragsgesetzlicher Produktionstechnologie dargestellt. Die Gewinnfunktion ergibt sich bei jeder Angebotsmenge als vertikale Differenz zwischen Erlösen und Kosten. Solange das Unternehmen nichts produziert und anbietet, entsteht ihm ein Verlust in Höhe der Fixkosten. Danach steigen die Gesamtkosten schneller als die Erlöse, bis bei der Menge x1 das Verlustmaximum erreicht ist. Im Punkt P entspricht die Steigung der Kostenkurve derjenigen der Erlösfunktion, so dass hier die Bedingung p = K’ erfüllt ist (Punkt A in Abbildung 7-2 unten). Dabei handelt es sich um das Verlustmaximum. Ab der Menge x1 steigen die Kosten langsamer als die Erlöse, die Grenzkosten gehen bei konstantem Grenzerlös zurück und jede zusätzliche Einheit erbringt einen steigenden Gewinnzuwachs (Abbildung 7-2 unten). Dadurch werden die Verluste reduziert, bis im Punkt Q Kosten und Erlöse gleich hoch sind. Die Menge x2 bezeichnet man deshalb auch als Gewinnschwelle oder Break-even Point, denn ab der Menge x2 beginnt die Gewinnzone. Mit steigender Produktions- und Absatzmenge steigen die Gewinne weiter an, bis bei der Menge x3 das Gewinnmaximum erreicht ist. Im Punkt R hat die Kostenfunktion die gleiche Steigung wie die Erlösfunktion. Somit ist auch hier die Bedingung für das Gewinnmaximum p = K’ erfüllt (Punkt B in Abbildung 7-2 unten). Würde das Unternehmen seine Angebotsmenge über x3 hinaus ausdehnen, würde der Gewinn wieder zurückgehen, weil jetzt die Kosten stärker steigen als die Erlöse. Ursache dafür sind Kostensteigerungen durch steigenden Maschinen- und Materialverschleiß sowie Überstundenzuschläge, die umso stärker zum Tragen kommen, je mehr sich das Unternehmen seiner Kapazitätsgrenze nähert. Die Grenzkosten jeder zusätzlich produzierten Einheit steigen und sind höher als der Preis, den das Unternehmen am Markt erzielen kann. Steigende Grenzverluste reduzieren den Gesamtgewinn, bis schließlich im Punkt S die Gewinngrenze erreicht ist. Oberhalb der Gewinngrenze schreibt das Unternehmen steigende Verluste. Die Regel für das Gewinnmaximum p = K’ stellt nicht in jedem Falle sicher, dass das Unternehmen mit seinem Angebot jederzeit Gewinn gemacht. Denn nach Abbildung 7-2 ist die Bedingung auch in Punkt A erfüllt. Wie man aus dem oberen Teil der Grafik jedoch entnehmen kann, handelt es sich dabei um ein Verlustmaximum. Als weitere Forderung für ein Gewinnmaximum gilt somit, dass die Bedingung p = K’ im ansteigenden Ast der Grenzkostenkurve erfüllt sein muss. 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen298 Übung 7-1: Bestimmung der Gewinnschwelle und des Gewinnmaximums Ein Unternehmen produziere mit der Kostenfunktion K = 100 + x²/40 ein Gut, das es zu einem gegebenen Preis in beliebiger Menge am Markt absetzen kann. a) Bei welcher Menge liegt der Break-even Point für einen Marktpreis von p = 4? b) Welche Menge wird das Unternehmen bei den Preisen p = 2 und p = 4 anbieten, wenn es seinen Gewinn maximiert? c) Wie hoch ist beim Preis von p = 4 sein maximaler Gewinn? Lösung: a) Für die Gewinnschwelle gilt E(x) = K(x): 2x 4 x 100 40. Daraus erhält man die quadratische Gleichung mit x² – 160q + 4 000 = 0, deren Lö sungen ergeben sich als 2 1,2 ( 160) 160 4 4000 x 2 . x [Menge] K [Kosten] E [Erlöse] G [Gewinn] dx dK x [Menge] P R K(x) Q E(x) G(x) x1 x2 x3 K’, p p S Verlustzone Gewinnzone dx dE Grenzgewinne A B Abbildung 7-2: Der optimale Produktionsplan 7.2 Polypolpreisbildung 299 Die Gewinnschwelle ist der kleinere der beiden Werte. Folglich liegt die Gewinnschwelle bei x1 = 31,01 b) Die Bedingung für das Gewinnmaximum lautet p = K’. Somit gilt p = x/20 Für den Preis p = 2 ergibt sich die Menge x = 40 und für p = 4 ergibt sich x = 80. c) Für p = 4 und x = 80 ergibt sich ein Erlös von E = 4 ∙ 80 = 320. Für x = 80 belaufen sich die Gesamtkosten auf = + = 280 K 100 260 40 . Somit beträgt der maximale Gewinn Gmax = 60. 7.2.3 Das Güterangebot eines Unternehmens Um das Angebotsverhalten von Unternehmen zu untersuchen, ist es erforderlich, den Einfluss des Preises auf die Höhe des Gewinns zu betrachten. Denn selbst wenn ein Unternehmen darauf abzielt, seine Gewinne zu maximieren, ist nicht bei jedem Preis gewährleistet, dass es Gewinne erzielt. Erst bei Kenntnis der Stückkosten lässt sich bestimmen, ob ein Unternehmen überhaupt Gewinne erwirtschaftet und wie hoch diese sind. In Abbildung 7-3 sind für eine klassische Kostenfunktion zusätzlich zur Grenzkostenkurve K’ die U-förmig verlaufenden Kurven der gesamten und variablen Durchschnittskosten k und kv eingetragen. Für den gegebenen Marktpreis p1 verläuft die Preis-Absatz-Funktion, die zugleich den Grenzerlös des Unternehmens darstellt, parallel zur Abszisse. In Punkt A ist die Bedingung für das Gewinnmaximum erfüllt und das Unternehmen maximiert seinen Gewinn, wenn es die Menge x1 produziert und anbietet. Um zu beurteilen, ob das Unternehmen einen Gewinn erzielt, betrachten wir den Stückgewinn (= durchschnittliche Gewinn je abgesetzter Einheit). Er ergibt sich aus dem Erlös pro Stück und den Kosten je Stück: G E K x x x Der Durchschnittserlös je verkaufter Produkteinheit entspricht im Wettbewerbsmarkt dem Preis, den das Unternehmen erzielt. Somit gilt: G p k x Bei einem Preis von p1 entspricht der Stückgewinn in der Abbildung 7-3 der Strecke AB. Bei diesem Preis befindet sich das Unternehmen in einer komfortablen Situation, denn es erzielt einen wirtschaftlichen Gewinn, der sich als Produkt aus dem Stückgewinn und der abgesetzten Menge x1 ergibt. Der Gesamtgewinn ist in Abbildung 7-3 mit der schraffierten Fläche gekennzeichnet. Da ein wirtschaftlicher Gewinn voraussetzt, dass die Opportunitätskosten des Unternehmers und des Kapitaleinsatzes gedeckt sind, bedeutet die Existenz von Gewinnen, dass in dem betreffenden Markt die Rentabilität des eingesetzten Kapitals überdurchschnittlich hoch ist. Dadurch werden neue Anbieter in den Markt eintreten, indem Investoren/Unternehmen ihre Engagements in weniger rentablen Branchen überprüfen und ihr Kapital verstärkt in Produktionen mit überdurchschnittlichen Renditen investieren. Dadurch steigt allmählich das Marktangebot und der Marktpreis sinkt. Als Folge des sinkenden Marktpreises werden die Stückgewinne nach und nach kleiner, bis schließlich beim Preis pBO keine Stückgewinne mehr erzielt werden. Dabei senkt der Anbieter entsprechend der Regel p = K’ seine Angebotsmenge auf xBO. 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen300 Der Punkt BO in Abbildung  7-3 heißt Betriebsoptimum. Im Betriebsoptimum sind die durchschnittlichen Kosten vollständig durch den erzielten Marktpreis gedeckt. Das Unternehmen erzielt keinen Gewinn im Sinne eines surplus profit. Allerdings ist von der Definition der Kosten her gewährleistet, dass das eingesetzte Kapital und die unternehmerische Leistung angemessen entlohnt werden. Das Unternehmen erzielt einen Normalgewinn, der es ihm ermöglicht, als Anbieter in dem Markt zu bleiben. Nullgewinne in einem Markt sind kein Indiz für mangelnde unternehmerische Leistungsfähigkeit, sondern ein Ergebnis des Wettbewerbs. Der Preis im Betriebsoptimum sichert den Unternehmen einen ausreichenden Ertrag und damit ein Verbleiben in dem Markt. Der Begriff des Betriebsoptimums ist aus unternehmerischer Sicht nicht „optimal“, denn hö here Preise als pBO zu erzielen, würden Unternehmen sicherlich bevorzugen. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist jedoch eine solche Situation optimal, denn das betreffende Gut wird zu den geringsten möglichen Stückkosten produziert, dies impliziert eine optimale Faktorallokation. Außerdem werden die Konsumenten zum niedrigst möglichen Preis versorgt, was ihnen bei gegebenem Einkommen die höchstmögliche Güterversorgung gewährleistet. Das Betriebsoptimum als Preisuntergrenze sichert dem Unternehmen langfristig die volle Deckung seiner Kosten. Ein Unternehmen kann folglich langfristig nur im Markt verbleiben, wenn es mindestens diesen Preis erzielt. Daher bezeichnet man den Preis im Betriebsoptimum auch als langfristige Preisuntergrenze. Wie wird sich aber ein Unternehmen verhalten, wenn der Marktpreis unter das Betriebsoptimum fällt? Dies ist in Abbildung 7-4 dargestellt. Zum Preis p1 bietet das Unternehmen die Menge x1 an. Dabei muss es je verkaufter Mengeneinheit einen Stückverlust in Höhe von AB hinnehmen. Der gesamte Verlust entspricht der schraffierten Fläche. Da der Abstand zwischen den Stückkosten und den variablen Stückkosten den durchschnittlichen Fixkosten entspricht, ist nur ein Teil der Fixkosten gedeckt. Allerdings erwirtschaftet das Unternehmen zu Preisen zwischen pBO und pBM einen Deckungsbeitrag. Definiert man den durchschnittlichen Deckungsbeitrag x [Menge] p1 kv k K’ BO k kv K’ p pBO Gewinn A B N1 N0 x1 xBO Abbildung 7-3: Bestimmung der gewinnmaximalen Angebotsmenge 7.2 Polypolpreisbildung 301 als Differenz zwischen dem Marktpreis und den variablen Kosten pro Stück, dann ist der Deckungsbeitrag durch die Strecke BC dargestellt. Warum sollte das Unternehmen bei Preisen zwischen pBO und pBM überhaupt produzieren und anbieten? Die Antwort ist einfach. Sie lautet, weil bei der Alternative, nichts zu produzieren, die fixen Kosten in jedem Fall in voller Höhe anfallen und damit ein noch höherer Verlust entstehen würde, weil kein positiver Deckungsbeitrag zur Deckung der Fixkosten erwirtschaftet würde. Die Entscheidung, trotz anfallender Verluste zu produzieren, minimiert den Verlust. Eine absolute Preisuntergrenze ist jedoch erreicht, wenn der Marktpreis unter den Preis pBM sinkt. Jetzt deckt der Marktpreis nicht einmal mehr die variablen Stückkosten. Der Verlust würde über die Fixkosten hinaus mit jeder produzierten Mengeneinheit weiter zunehmen. Wenn aber der erzielbare Marktpreis noch nicht einmal mehr die variablen Kosten einer Produkteinheit deckt, ist jede Produktion unwirtschaftlich. Daher bezeichnet man den Preis pBM auch als kurzfristige Preisuntergrenze oder Shut-down Preis und den Punkt BM als Betriebsminimum oder Produktionsschwelle. Verlustbringende Produktionen können längerfristig nicht aufrechterhalten werden. Denn wenn ein Unternehmen auf die volle oder teilweise Deckung seiner Fixkosten verzichtet, bedeutet dies einen ineffizienten Ressourceneinsatz. Sinnvoll ist daher der Verzicht auf volle Deckung der Fixkosten nur, wenn die begründete Erwartung besteht, dass der Marktpreis zukünftig wieder steigt. Nur dann kann das Unternehmen seine Betriebsgröße aufrechterhalten. Ist dagegen davon auszugehen, dass der Preis dauerhaft unter pBO liegt, verbleiben als Alternativen entweder Schließung der Produktion und Ausstieg aus dem Markt oder Senkung der Stückkosten und Wahl einer kostengünstigeren Betriebsgröße oder Produktions methode. Nach der Ableitung der Produktionsentscheidung eines Unternehmens in Abhängigkeit von der Höhe des Preises ist es jetzt möglich, die Angebotskurve eines Unternehmens darzustellen. Die individuelle Angebotskurve eines Unternehmens gibt an, welche Gütermenge das Unternehmen bei alternativen Marktpreisen anbieten würde. Aus den x [Menge] p1 xBM BM kv k K’ BO k kv K’ p pBO Verlust A B C x1 xBO pBM N1 N0 N2 Abbildung 7-4: Kurz- und langfristige Untergrenze des Angebots 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen302 vorhergehenden Überlegungen können wir für den Verlauf der Angebotskurve folgende Aussagen machen: • Ein Unternehmen wird bei vollständiger Konkurrenz seine Produktion soweit ausdehnen, bis die Grenzkosten der zuletzt abgesetzten Einheit dem Marktpreis entsprechen. Maßgebend für das Güterangebot ist somit die Grenzkostenkurve des Unternehmens, denn sie gibt für jeden möglichen Preis die gewinnmaximale Produktionsmenge wieder. • Ein gewinnmaximierendes Unternehmen wird immer bei steigenden Grenzkosten anbieten. • Unterhalb des Minimums der variablen Durchschnittskosten ist kein Güterangebot möglich. Daher geht bei Preisen unter pBM die Angebotsmenge auf null zurück. • Das Betriebsminimum stellt die kurzfristige Angebotschwelle dar. Beim Preis pBM entstehen Verluste in Höhe der Fixkosten. Ob die Produktion eingestellt oder weitergeführt wird, hängt von den Preiserwartungen ab. • Die langfristige Angebotschwelle des Unternehmens ist festgelegt durch die Ausbringungsmenge im Minimum der Durchschnittskosten. Sie liegt also im Punkt BO, im Betriebsoptimum. In Abbildung 7-5 ist die Angebotskurve eines Unternehmens dargestellt. Danach entspricht die individuelle Angebotskurve eines Unternehmens dem ansteigenden Ast der Grenzkostenkurve, kurzfristig ab dem Betriebsminimum, langfristig ab dem Betriebsoptimum. Die Angebotsfunktion eines Unternehmens für ein Gut ordnet den alternativen hypothetischen Preisen die Angebotsmengen zu, die das Unternehmen bei gegebener Produktionstechnik und gegebenen Preisen der Produktionsfaktoren anzubieten bereit ist: x = f(p) Übung 7-2: Betriebsminimum und kurzfristige Angebotsfunktion Ein Unternehmen produziere die Mengen x ≥ 0 eines Gutes mit der Kostenfunktion K = 2,5x² + 15x + 250 und den Grenzkosten K’ = 5x + 15. Es kann das Gut zu einem gegebenen Preis in beliebiger Menge am Markt absetzen. a) Wie hoch sind die minimalen variablen Stückkosten im Intervall x ≥ 0? b) Wie lautet die kurzfristige Angebotsfunktion des Unternehmens? x xBM BM K’ = A BO p pBO kurzfristig pBM xBO langfristig Abbildung 7-5: Die individuelle Angebotsfunktion eines Unternehmens 7.2 Polypolpreisbildung 303 Lösung: a) Die variablen Stückkosten sind kv = 2,5x + 15 für x ≥ 0. Im Minimum der variablen Stückkosten gilt K’ = kv: 5x + 15 = 2,5x + 15 → x = 0. Daraus folgt kv = 15. b) Die Bedingung für das Gewinnmaximum lautet p = K’. Somit gilt: p = 5x + 15 x = 0,2p – 3 Dann lautet die Angebotsfunktion: 0 für p 15 x 0,2 p 3 für p 15 Die Ableitung des Angebots eines Unternehmens führt immer dann zu einer normal verlaufenden d. h. steigenden Angebotsfunktion, wenn die Grenzkostenkurve einen steigenden Verlauf hat. Im Falle einer linear limitationalen Produktionstechnik haben wir eine lineare Kostenfunktion und die Grenzkosten sind bei jeder möglichen Ausbringungsmenge konstant. Damit ist die Bedingung für das Gewinnmaximum p = K’ in der Regel nicht erfüllt. Daher wird ein Unternehmen bei gegebenem Güterpreis an der Kapazitätsgrenze produzieren und anbieten, weil die Stückkosten sinken und umso niedriger sind, je mehr produziert wird. Folglich ist der Stückgewinn an der Kapazitätsgrenze am höchsten bzw. der Verlust pro Stück am niedrigsten. In Abbildung 7-6 sind die Zusammenhänge veranschaulicht. Bei limitationaler Produktionstechnik fallen Grenzkosten K’ und variable Stückkosten kv zusammen und sind für jede Mengeneinheit konstant. Die Kurve der gesamten Durchschnittskosten k hat einen fallenden Verlauf, weil die durchschnittlichen Fixkosten mit zunehmender Produktionsmenge immer mehr zurückgehen und an der Kapazitätsgrenze an niedrigsten sind. Außerdem sind in der Abbildung drei alternative Preise eingetragen. Bei dem Preis p1 erzielt das Unternehmen ab dem Schnittpunkt der Preislinie mit der Stückkostenkurve Stückgewinne. Der Abstand zwischen der Preislinie und der Stückkostenkurve wird immer größer. Für alle Preise p ≥ k wird das Unternehmen an der Kapazitätsgrenze produzieren und anbieten, Kapazitätsgrenze k K’ = kv K’ p x k kv p1 p2 p3 A Abbildung 7-6: Das Güterangebot bei limitationaler Produktionstechnik 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen304 weil an der Kapazitätsgrenze der Stückgewinn am höchsten ist. Seine Angebotsfunktion verläuft senkrecht entlang der Kapazitätsgrenze. Sinkt der Preis unter die Durchschnittskosten an der Kapazitätsgrenze, etwa auf p2, erzielt das Unternehmen Verluste, weil ein Teil der Fixkosten nicht mehr gedeckt ist. Aber auch hier wird das Unternehmen kurzfristig an der Kapazitätsgrenze produzieren, weil dort der Verlust pro Stück am niedrigsten ist, so dass bei allen Preisen, die über den Grenzkosten liegen, das Angebot immer an der Kapazitätsgrenze liegt. Für den speziellen Fall, dass der Preis p3 gleich den Grenzkosten ist, ist die Angebotsmenge nicht eindeutig bestimmt. Gleichgültig, wie viel das Unternehmen produziert, es erleidet immer einen Verlust in Höhe der Fixkosten. Für alle Preise p < K’ wird nichts angeboten. Die Angebotsfunktion fällt mit der Abszisse zusammen. Für alle Preise p > K’ verläuft bei einer linearen Kostenfunktion die Angebotskurve des Unternehmens entlang der Kapazitätsgrenze, kurzfristig beginnend ab der Höhe der variablen Stückkosten, langfristig ab dem Niveau der Stückkosten an der Kapazitätsgrenze. 7.2.4 Das Marktangebot Um das kurzfristige Angebot aller Unternehmen am Markt zu ermitteln, werden die Angebotskurven der einzelnen Unternehmen addiert. Graphisch wird die Angebotsmenge aller Unternehmen dadurch ermittelt, dass für jeden Preis die Angebotsmenge der einzelnen Unternehmen horizontal addiert wird. Dazu sind in Abbildung 7-7 drei Unternehmen mit ihren jeweiligen Grenzkosten- bzw. Angebotskurven dargestellt. Die Unternehmen unterscheiden sich bei der Herstellung eines Gutes in ihren Produktionstechnologien und Kostenstrukturen, was in unterschiedlichen Verläufen der Grenzkostenkurven zum Ausdruck kommt. Bei einem Marktpreis in Höhe von p1 kann nur das Unternehmen A produzieren. Es wird die betriebsoptimale Menge xA anbieten. Entsprechend der „Preis = Grenzkosten“ Regel wird es bei einem steigenden Marktpreis seine Angebotsmenge ausdehnen, bis beim Marktpreis p2 das Unternehmen C als weiterer Anbieter in den Markt eintritt. Ab dem Preis p2 ergibt sich das gesamte Marktangebot aus den Angebotsmengen der Unternehmen A und C. Schließlich wird beim Preis p3 auch für das Unternehmen B die Produktion rentabel. Die Marktangebotskurve verlagert sich um die betriebsoptimale Men- Abbildung 7-7: Die Ableitung des Marktangebots p x 1p BxAx Cx Unternehmen A Marktangebot p x p x p 2p 3p 4p Unternehmen B Unternehmen C x = f(p) K’ = A K’ = A K’ = A x 7.2 Polypolpreisbildung 305 ge xB nach rechts und bei allen Preisen über p3 dehnen alle drei Unternehmen ihr Angebot entsprechend der Regel für das Gewinnmaximum immer weiter aus. Die Marktangebotskurve beschreibt somit die Lieferfähigkeit der Unternehmen in Abhängigkeit von der Höhe des Marktpreises. Weil für das einzelne Unternehmen Grenzkostenund Angebotsfunktion zusammenfallen, gibt die gesamte Angebotskurve gleichzeitig die Grenzkosten der zuletzt angebotenen Mengeneinheit an. Es ist erkennbar, dass immer dann, wenn ein weiteres Unternehmen als Anbieter in den Markt eintritt, die Angebotskurve eine Knickstelle hat. Unterstellt man jedoch sehr viele Unternehmen, kann die Angebotskurve durch eine stetige Funktion approximiert werden. Die Marktangebotskurve bleibt solange gültig, solange die unter der ceteris-paribus-Annahme konstant gehaltenen Größen unverändert bleiben. Ändern sich die als gegeben unterstellten Faktorpreise, die Preise anderer Güter oder die Produktionstechnik, kommt es in den anbietenden Unternehmen zu Anpassungsprozessen, die zu einer Verschiebung der Marktangebotskurve führen. Eine Verlagerung der Angebotskurve nach rechts ist dann zu erwarten, • wenn eine Verbesserung der Produktionstechnologie zu einer steigenden Faktorproduktivität und niedrigeren Produktionskosten führt. • wenn die Preise anderer Güter, die ein Unternehmen alternativ produzieren kann, sinken. Die Unternehmen werden dann verstärkt ihre Produktion zu Gunsten des höherpreisigen Gutes verschieben. • wenn die Preise eines oder mehrerer Produktionsfaktoren sinken und somit die Grenzkosten bei jeder Ausbringungsmenge niedriger sind. Das Gleiche gilt für Kostensteuern und Auflagen des Staates. • wenn als Folge einer neuen Produktionstechnologie die mindestoptimale Betriebsgröße steigt und die Unternehmen im Betriebsoptimum eine höhere Kapazität aufweisen. • wenn die Zahl der Anbieter steigt, sei es, weil heimische Unternehmen in den Markt eintreten oder weil Importeure das heimische Angebot durch ausländische Produktionskapazitäten erweitern. 7.2.5 Determinanten der Preiselastizität des Angebots Da das Angebot der Unternehmen durch den Verlauf der Grenzkosten bestimmt ist, ist die Angebotselastizität6 für gewinnmaximierende Unternehmen positiv. Bei einer Ausdehnung der Produktionsmenge verweisen stark steigende Grenzkosten auf eine geringe Angebotselastizität. Im Extremfall, dass ein Unternehmen oder eine Branche an der Kapazitätsgrenze produziert, wie dies etwa bei linear limitationaler Produktionstechnik der Fall ist (siehe Abbildung 7-6), ist das Angebot vollkommen preisunelastisch. Preisänderungen haben kurzfristig keine Auswirkungen auf die Angebotsmenge und die Angebotskurve verläuft senkrecht. Die Unternehmen werden längerfristig auf Preisveränderungen dadurch reagieren, dass sie ihre Produktionskapazitäten anpassen. Dagegen ist die Preiselastizität des Angebots hoch, wenn bei einer Ausdehnung der Angebotsmenge die Grenzkosten nur langsam zunehmen. Bereits geringe Preiserhöhungen führen zu einer starken Ausdehnung des Angebots. Im Extremfall eines völlig preiselastischen Angebots sind die Grenzkosten konstant und die Unternehmen sind bereit, zu dem Preis p0 = K‘ jede beliebige Menge bereitzustellen. 6 Zur Preiselastizität des Angebots siehe Abschnitt 4.3.2.2. 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen306 Die Preiselastizität des Angebots der Unternehmen wird maßgeblich beeinflusst von den Möglichkeiten der Unternehmen, sich die notwendigen Produktionsfaktoren zu beschaffen und/oder in alternativen Produktionen einzusetzen, sowie vom Zeithorizont der Angebotsentscheidung. Die Möglichkeit der Unternehmen, sich das notwendige Kapital und die erforderlichen Arbeitskräfte für die Produktion zu beschaffen, hängt ab von der Angebotselastizitäten an Arbeit und Kapital. Die Angebotselastizitäten der einzusetzenden Faktoren dürften umso größer sein, je leichter Arbeitskräfte und Kapital intersektoral mobil sind, d. h. je leichter die vorhandenen Qualifikationen und Maschinenleistungen in anderen Industriezweigen oder Produktionen eingesetzt werden können. So kann ein Landwirt ohne Verlust seine Maschinen und Arbeitskräfte für die Produktion verschiedener Getreidearten einsetzen, je nachdem bei welchen Getreidearten er sich den größeren Gewinn erhofft. Sind dagegen die Leistungs anforderungen an die einzusetzenden Arbeitskräfte und/oder das Kapital sehr spezifisch, können Beschaffungswiderstände zu einem unelastischen Güterangebot führen. So hört man immer wieder Klagen aus der IT-Branche in Deutschland, dass sie ihre Produktionsmöglichkeiten wegen fehlender IT-Experten nicht ausschöpfen könne. Die Preiselastizität des Angebots hängt aber auch vom Zeithorizont ab. In der Regel wird das kurzfristige Angebot preisunelastischer sein als das langfristige. Der Grund dafür ist, dass kurzfristig die Produktionstechnologie und die Produktionskapazität konstant sind. Eine Reaktion der Unternehmen auf Preisänderungen erfolgt zuerst über eine Anpassung der Beschäftigung, indem die Zahl der Arbeitsstunden oder Arbeitskräfte erhöht oder gesenkt wird. Erweist sich eine Preisänderung als nachhaltig, werden die Unternehmen ihre Produktionskapazitäten anpassen, und schließlich haben Sie die Möglichkeit, ihre Produktionstechnologie zu ändern, so dass trotz eines kurzfristig sehr unelastischen Angebots das langfristige Angebot völlig preiselastisch sein kann. 7.2.6 Langfristige Anpassung des Güterangebots Die Unterscheidung zwischen kurzfristigen und langfristigen Kostenfunktionen führt dazu, dass wir zwischen einem kurzfristigen und langfristigen Güterangebot unterscheiden müssen, denn der Verlauf der kurzfristigen Angebotskurve wird von den kurzfristigen Grenzkosten bestimmt, während die langfristige Angebotsfunktion vom Verlauf der langfristigen Grenzkosten abhängt. Aus dem Zusammenhang zwischen kurz- und langfristigen Kosten wissen wir, dass kurzfristige und langfristige Kosten bei gegebener Betriebsgröße in deren Kostenminimum gleich groß sind. In diesem Punkt sind auch lang- und kurzfristige Grenzkosten gleich groß. Bei jeder Produktionsmenge, die größer ist als die langfristige kostenminimale Ausbringungsmenge, nehmen die kurzfristigen Kosten stärker zu als die langfristigen. Folglich steigen die kurzfristigen Grenzkosten stärker als die langfristigen. Dies bedeutet, dass die kurzfristige Angebotskurve eines Unternehmens steiler verläuft als die langfristige. Die Preiselastizität des Angebots des Unternehmens ist folglich kurzfristig geringer als langfristig, weil die Unternehmen langfristig die Möglichkeit haben, ihre Produktionskapazitäten auszudehnen und eine größere kostenminimale Betriebsgröße zu wählen. Die kurz- und langfristige Anpassung des Angebots an eine gestiegene Nachfrage ist in Abbildung 7-8 dargestellt. In der linken Grafik wird das Angebotsverhalten eines repräsentativen Unternehmens i, in der rechten Grafik die Angebotsreaktion der gesamten Branche beschrieben. In der Ausgangssituation herrsche ein Marktgleichgewicht beim Preis p1, der 7.2 Polypolpreisbildung 307 Nachfrage und kurzfristiges Angebot zum Ausgleich bringt und zu dem im Markt die Gesamtmenge X1 umgesetzt wird. Der Preis p1 ist die langfristige Preisuntergrenze. Der Anbieter maximiert entsprechend der „Preis = Grenzkosten“-Regel seinen Gewinn, indem er im Betriebsoptimum anbietet (Punkt B1 in Abbildung 7-8). Das Marktgleichgewicht ist gekennzeichnet durch eine Null-Gewinn-Situation, d. h. die Unternehmen erzielen außer einem Normalgewinn keine darüber hinausgehenden wirtschaftlichen Gewinne. Im Punkt B1 sind außerdem die kurzfristigen Grenzkosten ´ 1K und Stückkosten k1 gleich den langfristigen Grenz- und Stückkosten. Der Einfachheit halber werden konstante Skalenerträge unterstellt, so dass die langfristige Kostenfunktion linear verläuft und langfristige Grenzund Durch schnittskosten gleich hoch und konstant sind. Wir wollen nun annehmen, die Nachfrage steige als Folge einer Veränderung der Bedarfsstruktur von N1 auf N2. Dies führt kurzfristig zu einem steigenden Marktpreis und die Unternehmen werden bei gegebenen Produktionskapazitäten entsprechend der kurzfristigen Grenzkostenkurve ihr Angebot ausdehnen. Das neue Marktgleichgewicht *1G liegt im Schnittpunkt der Nachfragekurve N2 mit der kurzfristigen Angebotskurve A1. Die kurzfristige Angebotsmenge des einzelnen Anbieters steigt von x1 auf * 1x , die am Markt angebotene Menge erhöht sich von X1 auf * 1X . Sie hat im Vergleich zur Nachfragesteigerung nur wenig zugenommen, so dass sich der Anstieg der Nachfrage kurzfristig in einem starken Anstieg des Marktpreises niederschlug. Diese Preissteigerung führt auf der Seite des Unternehmens zu einem kräftigen Anstieg der Stückgewinne und des Gesamtgewinns, der in der Grafik durch die schraffierte Fläche gekennzeichnet ist. Reaktionen auf steigende Nachfrage: Kapazitätserweiterung und Markteintritte Als Reaktion auf die steigenden Gewinne in der Branche sind zwei Entwicklungen möglich und zu erwarten, die sich in der Praxis allerdings überlagern. • Das repräsentative Unternehmen wird feststellen, dass es seine Stückkosten senken kann, wenn es seine Kapazität ausbaut und eine größere optimale Betriebsgröße wählt. 'kl = Kl x2 p1 Menge [Tsd.] p2 x1 1k'1K 2k ' 2K p * 1X Repräsentatives Unternehmen i Gewinn X1 p X2 N1 N2 A1 A2 Al Marktangebot und -nachfrage G1 G2 * 1G B1 B2 Me*1x Abbildung 7-8: Der Zusammenhang zwischen kurzfristigem und langfristigem Angebot 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen308 Dann könnte es jede Ausbringungsmenge zu den niedrigeren langfristigen Stückkosten kl produzieren und anbieten. Da aber die Kapazitätserweiterung von allen am Markt bestehenden Unternehmen betrieben wird, verlagert sich die kurzfristige Angebotskurve solange nach rechts, bis im Schnittpunkt von N2 und A2 mit dem Preis p1 und der Menge X2 ein neues lang- und kurzfristiges Marktgleichgewicht erreicht ist. Nach Abschluss des Anpassungsprozesses sind die wirtschaftlichen Gewinne eliminiert und das repräsentative Unternehmen produziert im neuen Betriebsoptimum B2 die Produktionsmenge x2. • Alternativ ist denkbar, dass die bestehenden Unternehmen weiter an der mindestoptimalen Betriebsgröße produzieren und ihre Produktionskapazitäten nicht erweitern. Dann würde z. B. im Marktgleichgewicht G1 die Menge X1 von 100 Unternehmen mit jeweils der Produktionsmenge x1 angeboten. Als Folge der steigenden Nachfrage würde jedes der bestehenden Unternehmen sein Angebot auf *1x ausdehnen, so dass das kurzfristige Angebot insgesamt auf *1X steigen würde. Die gestiegenen Gewinne in diesem Markt sind ein Signal für neue Anbieter, in den Markt einzutreten und die Produktion des Gutes aufzunehmen. Dies führt zu einer Ausdehnung des Angebots, so dass im neuen Marktgleichgewicht G2 die Menge X2 nunmehr von 200 Unternehmen mit jeweils einer individuellen Angebotsmenge von x1 angeboten wird. Als Folge des Markt eintritts sinkt der Preis wieder auf die langfristige Preisuntergrenze. Das langfristige Angebot ist folglich völlig preiselastisch. Die am Markt befindlichen Unternehmen erzielen ökonomische Nullgewinne. Damit gibt es kurzfristig für die Unternehmen keinen Grund, aus den Markt auszuscheiden. Es bestehen aber auch keine Anreize für andere Unternehmen, in den Markt einzutreten. Jedes Unternehmen hat seine intern realisierbaren Skalenerträge voll ausgeschöpft und produziert im Betriebsoptimum. Nach Abschluss des Anpassungsprozesses werden die Konsumenten zum ursprünglichen Wettbewerbspreis mit einer größeren Gütermenge beliefert. Das langfristige Marktgleichgewicht auf einem Wettbewerbsmarkt ist somit dadurch gekennzeichnet, dass • die Unternehmen ihren Gewinn maximieren, • ein Preis zustande kommt, bei dem der Markt geräumt wird, • es weder zu Markteintritten noch zu Marktaustritten kommt. Welche Konsequenzen lassen sich aus diesen Überlegungen für ein unternehmerisches Engagement ableiten? Ein Unternehmen, das zuerst mit einem neuen Produkt an den Markt kommt, unterliegt nicht den Bedingungen des Wettbewerbsmarktes und erzielt hohe wirtschaftliche Gewinne (z. B. IBM mit dem PC). Aufgrund der hohen Gewinne werden neue Unternehmen in den Markt eintreten (z. B. Amstrad, Dell, Targa, HP usw. bringen ebenfalls PCs auf den Markt). Dadurch erhöht sich das Angebot und der Preis sinkt. Der intensive Wettbewerb hat die PC Preise soweit gesenkt, dass sie zur Massenware wurden. Der Preisverfall in diesem Markt wurde durch langfristig sinkende Stückkosten gefördert, was die wirtschaftlichen Gewinne weiter reduzierte, so dass einzelne Unternehmen bereits wieder aus dem PC Markt ausgetreten sind (z. B. Amstrad, Escom, IBM). 7.2.7 Die langfristige Angebotskurve einer Industrie Wir haben die langfristigen Marktveränderungen abgeleitet für den Fall, dass die langfristigen Grenzkosten der Produktion konstant sind bzw. dass konstante Skalenerträge vorliegen (siehe Abbildung 7-9 linke Darstellung). Natürlich lässt sich diese Argumentation auch übertragen für den Fall, dass steigende oder fallende Skalenerträge gegeben sind. Bei 7.2 Polypolpreisbildung 309 steigende Skalenerträgen sinken die langfristigen Grenzkosten in der Industrie und der langfristige Gleichgewichtspreis fällt. Bei steigender Nachfrage wird dann eine größere Menge zu niedrigeren Preisen produziert. (Siehe Abbildung 7-9 rechte Darstellung). Es ist aber auch denkbar, dass infolge abnehmender Skalenerträge langfristig die Stückkosten der Produktion steigen und bei steigendem Output einer Industrie eine größere Menge zu einem höheren Preis bereitgestellt wird (siehe Abbildung 7-9 mittlere Darstellung). Die langfristige Marktangebotskurve beschreibt den Zusammenhang zwischen dem Marktpreis und dem langfristigen Angebot, wenn aufgrund einer Nachfrage induzierten Preisänderung keine Anreize zum Markteintritt oder -austritt mehr bestehen. Für den Fall einer horizontalen Angebotskurve bedeutet dies, dass die Unternehmen der betreffenden Industrie jede nachgefragte Menge zu einem konstanten Preis bereitstellen können, wobei der Preis dem Minimum der langfristigen Durchschnittskosten entspricht. Dies impliziert, dass sich im Zuge der Ausdehnung der Kapazitäten die langfristigen Stückkosten und damit die Inputpreise nicht ändern. Dies würde aber bedeuten, dass Arbeits- und Kapitalangebot sowie das Angebot anderer Vorleistungen völlig preiselastisch sind, was zumindest in einer vollbeschäftigten Wirtschaft nicht der Fall ist. Dies gilt auch nicht, wenn der Expansionsprozess sehr spezielle Inputs (Arbeitskräfte, Maschinen usw.) erfordert. Dann werden die Inputpreise mit zunehmendem Wachstum der Industrie steigen. Die kurzfristige Stückkostenkurve wird sich nach oben verlagern, so dass der Anpassungsprozess an die gestiegene Nachfrage mit steigenden Preisen verbunden ist. Als ein Beispiel könnte man den Transportsektor nehmen. Der wachsende Bedarf an Transportleistungen im Luftwie im Straßenverkehr führt zu niedrigeren Durchschnittsgeschwindigkeiten, häufigeren Staus und längeren Wartezeiten. Wenn nicht die Kapazität der Verkehrswege erweitert wird, steigen folglich die Stückkosten der Produktion mit der Folge, dass langfristig steigende Transportleistungen nur zu höheren Preisen bereitgestellt werden können. Langfristig könnten die steigenden Transportkosten allerdings durch neue Transporttechnologien und neue Verkehrskonzepte gesenkt werden. G1 x2x1 *1x p N1 N2 A2 A1 A1 Menge * 1G G2 * 1G * 1G * 1p*1p * 1p Fallende Skalenerträge Steigende SkalenerträgeKonstante Skalenerträge x2x1 *1x Mengex2x1 *1x Menge A1 p1 p N1 N2 A2 A1 A1 p1 p N1 N2 A2 A1 p2 p2 G1 G2 G1 G2 Abbildung 7-9: Verläufe der langfristigen Angebotskurve 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen310 Ausdehnung des langfristigen Angebots bei steigenden oder fallenden Preisen Schließlich ist zu überlegen, ob eine langfristige Expansion des Angebots auch zu langfristig fallenden Stückkosten und Preisen möglich ist. Solange ein Unternehmen in einem Wettbewerbsmarkt im Bereich sinkender Durchschnittskosten produziert, kann es seine Produktion ausdehnen und steigende Skalenerträge realisieren, denn es kann beim herrschenden Marktpreis unter der Bedingung vollkommener Konkurrenz seine gesamte Produktionsmenge absetzen. Für ein Unternehmen wäre es Gewinn bringend, seine Produktion solange auszudehnen, bis sämtliche Skalenerträge ausgeschöpft sind und das Minimum der langfristigen Durchschnittskosten erreicht ist. Diese Überlegung trifft aber auf alle Unternehmen in einem Wettbewerbsmarkt zu, so dass im langfristigen Marktgleichgewicht alle Unternehmen ihre internen Größenvorteilen ausgeschöpft haben und eine steigende Nachfrage wiederum nur zu konstanten oder steigenden langfristigen Stückkosten befriedigt werden kann. Langfristig sinkende Stückkosten können offenbar nur dann eintreten, wenn die Inputpreise der Industrie deshalb sinken würden, weil die vorgelagerte Industrie (Zulieferindustrie) ihre Produkte mit steigenden Skalenerträgen produziert. In diesem Fall spricht man von externen Größenvorteilen. Ein Beispiel dafür ist die Automobilindustrie, die in immer größerem Umfang Teile und Komponenten von Zulieferern bezieht. Dieses verstärkte Outsourcing hat es den Zulieferern ermöglicht, als Folge der steigenden Stückzahlen in großem Umfang Größenvorteile zu realisieren. Die sinkenden Preise auf der Inputseite sind dann die Ursache, dass in einer Industrie bei steigender Nachfrage eine größere Menge zu niedrigeren Preisen produziert und angeboten wird7. Ein anderes Beispiel dafür ist die Entwicklung der Agrarproduktion im Industrialisierungsprozess. Aufgrund der Industrialisierung entwickelten sich Märkte für Vorleistungen des Agrarsektors. Dadurch konnten der Agrarwirtschaft Vorleistungen, wie z. B. Dünger, Saatgut, Maschinen und andere Dienstleistungen effizienter bereitgestellt werden. Dies senkte die Kosten der Agrarproduktion und führte zu einer besseren Versorgung mit Agrarprodukten zu niedrigeren Preisen. Abschließend seien noch die Auswirkungen des technischen Fortschritts untersucht. Eine neue Produktionstechnologie ermöglicht es den Unternehmen, zu niedrigeren Kosten zu pro duzieren. Allerdings können häufig die Kostensenkungen nicht realisiert werden, ohne in neue Maschinen und Anlagen zu investieren. Da der Diffusionsprozess des technischen Fortschritts Zeit benötigt und bei den verschiedenen Anbietern unterschiedlich schnell erfolgt, ergeben sich für die Unternehmen einer Branche völlig unterschiedliche wirtschaftliche Situationen. Unternehmen mit älteren Produktionen werden beim Ersatz ihrer Anlagen auf die neue Technologie umsteigen und mit niedrigeren Kosten produzieren, während andere Unternehmen, die ihre Anlagen mit älterer Technologie erst später ersetzen, noch zu höheren Stückkosten produzieren. Erstere Unternehmen erzielen Gewinne. Man bezeichnet sie als intramarginale Anbieter, weil sie bei dem herrschenden Marktpreis aufgrund ihrer günstigeren Kostenstruktur wirtschaftliche Gewinne erwirtschaften. Die Gewinne der intramar ginalen Unternehmen sind ein Signal für neue Anbieter, mit der neuen Technologie in den Markt einzutreten. Dadurch erhöht sich das Angebot und der Preis sinkt. Das marginale Unternehmen oder der Grenzanbieter operiert dagegen im Betriebsoptimum und kann bei dem herrschenden Preis gerade sämtliche Kosten decken. Wenn nun als 7 In der Automobilindustrie wurden die sinkenden Inputpreise der Zulieferer u. a. dazu genutzt, Preissteigerungen bei anderen Inputs, wie z. B. Energie- oder Arbeitskosten aufzufangen und so die Automobilpreise zu stabilisieren. 7.2 Polypolpreisbildung 311 Folge des technischen Fortschritts der Preis des Produkts zu sinken beginnt, kommen die Grenzanbieter mit ihrer alten Technologie in die Verlustzone. Bei sinkenden Preisen werden sie ihre Produktionsanlagen erneuern oder aus dem Markt ausscheiden müssen, wenn der Preis die variablen Stückkosten nicht mehr deckt. Nach Abschluss des technologischen Strukturwandels erreicht die Industrie ein neues langfristiges Marktgleichgewicht, in dem alle Unternehmen mit der neuen Technologie in einem neuen Minimum der langfristigen Stückkosten produzieren. Der Wettbewerb hat dafür gesorgt, dass sämtliche wirtschaftlichen Gewinne im Sinne eines surplus profits eliminiert wurden und die Konsumenten zu niedrigeren Preisen mit einer größeren Menge versorgt werden. Bei vollkommener Konkurrenz werden sämtliche Effizienzgewinne aufgrund des technischen Fortschritts langfristig in Form niedrigerer Preise und eines höheren Güterangebots den Konsumenten zugutekommen. 7.2.8 Effizienz von Märkten mit vollkommener Konkurrenz In diesem Abschnitt gilt es zu überlegen, ob die Preisbildung, wie sie sich auf Märkten mit vollkommener Konkurrenz vollzieht, zu einer effizienten Allokation der Ressourcen führt. Unter Allokation versteht man die Zuordnung von Ressourcen auf Individuen oder die Zuordnung von Produktionen auf Unternehmen. Es lässt sich zeigen, dass auf Wettbewerbsmärkten ein Gleichgewichtspreis und eine Gleichgewichtsmenge zustande kommen, die die gesamte Wohlfahrt der Produzenten und Konsumenten maximiert. Keine andere Preis-Mengen-Kombinationen ermöglicht es den Individuen in einer Gesellschaft, ein höheres Wohlfahrtniveau zu erreichen. Daran gemessen ist die im Marktgleichgewicht zustande gekommene Allokation der Ressourcen für die Produktion von Gütern effizient. Wir sprechen von einer effizienten Ressourcenallokation, wenn es keine andere Allokation gibt, bei der nicht wenigstens ein Wirtschaftssubjekt besser gestellt werden kann, ohne ein anderes schlechter zu stellen. Um dies zu untersuchen, benötigen wir die Konzepte der Konsumentenrente und der Produzentenrente. Die Konsumentenrente sei an einem Beispiel erläutert. Ein Konsument habe eine Vorliebe für Schokolade. Zunächst fragen wir ihn, wie viele Tafeln er pro Woche konsumieren würde, wenn die Schokolade nichts kosten würde. Seine Antwort sei 6 Tafeln. Nun lassen wir den Abbildung 7-10: Grenznutzen und Konsumentenrente eines Konsumenten 1 2 3 4 5 p in € 0 1 2 3 4 5 Menge p = KR 6 Grenznutzen 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen312 Preis fortlaufend steigen und fragen ihn, welche Mengen er bei Preisen von 1, 2, … 5 € konsumieren würde. Seine Antwort sei, dass er seinen Konsum um jeweils eine Tafel einschränkt, wenn der Preis um einen Euro steigt. Der Zusammenhang ist in Abbildung 7-10 dargestellt. Warum sinkt die Bereitschaft des Konsumenten, mit zunehmender Menge immer weniger zu bezahlen? Die Antwort lautet, weil der Grenznutzen jeder zusätzlich konsumierten Tafel Schokolade kleiner wird und weil der Konsum einer jeden weiteren Tafel dadurch erkauft wird, dass der Konsument auf den Kauf einer zusätzlichen Einheit eines anderen Gutes wie zum Beispiel einer Tasse Kaffee verzichten muss. Der Preis, den ein Konsument für ein Gut zu zahlen bereit ist, entspricht dem Gegenwert in Euro, in dessen Umfang er auf den Kauf anderer Güter verzichten würde. Er vergleicht also den Preis eines Gutes mit dem Grenznutzen der jeweiligen Einheit und konsumiert so viel, bis der Grenznutzen der zuletzt konsumierten Tafel Schokolade gerade noch dem Preis entspricht. Dabei entspricht der Preis den Opportunitätskosten der Güter, auf die er verzichten muss. In der Nachfragekurve des Konsumenten kommt somit seine Zahlungsbereitschaft zum Ausdruck. Unterstellen wir in Abbildung 7-10 einen Preis von 2 € Euro je Tafel, dann wird der Konsument 4 Tafeln Schokolade nachfragen. Da er aber für die ersten 3 Tafeln Schokolade einen höheren Preis zu zahlen bereit war, erzielt er einen Gewinn. Diese ersparte Ausgabe bezeichnet man als seine Konsumentenrente. Betrachten wir nun die Nachfragekurve in Abbildung 7-11. Sie repräsentiert die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten. Die Fläche unter der Nachfragekurve bringt zum Ausdruck, welchen Gesamtbetrag die Konsumenten für alle Mengeneinheiten zu zahlen bereit wären. Dies ist die Konsumentenrente beim Preis von null. Beim Preis p0 in Abbildung 7-11 fragen die Konsumenten die Menge x0 nach. Dieser Gütermenge ordnen sie einen Wert zu, der der Fläche OPGx0 entspricht. Tatsächlich bezahlen sie dafür aber nur den Betrag p0x0, was der Fläche Op0Gx0 entspricht, so dass die Konsumentenrente der Fläche des Dreiecks oberhalb der Preislinie und unterhalb der Nachfragekurve entspricht. Die Konsumentenrente ergibt sich also aus der Tatsache, dass unter den Bedingungen der vollkommenen Konkurrenz alle Konsumenten denselben Preis zahlen, dass aber zahlreiche Konsumenten für das betreffende Gut einen höheren Preis zu zahlen bereit sind, beziehungsweise dass der in Geldeinheiten bewertete Grenznutzen des Gutes den Preis übersteigt. Je niedriger der Preis, zu dem ein Gut bereitgestellt wird, umso höher ist die Wohlfahrt der Konsumenten. Abbildung 7-11: Nachfragekurve, Zahlungsbereitschaft und Konsumentenrente x0 p0 x [Menge] Preis Konsumentenrente Ausgaben der Konsumenten P Marktpreis N O G 7.2 Polypolpreisbildung 313 Die Produzentenrente ist das Analogon zur Konsumentenrente. Wie Konsumenten zwischen dem subjektiven Wert/Nutzen eines Produkts und seinem Preis unterscheiden, so unterscheiden Produzenten zwischen den Kosten und dem Preis eines Produkts. Die Kosten sind das, was der Hersteller aufbringen muss, um eine Einheit des betreffenden Gutes zu produzieren, und der Preis ist das, was er dafür erhält. Die Kosten, die entstehen, wenn eine zusätzliche Einheit produziert wird, bezeichnet man als Grenzkosten. In der Abbildung  7-12 seien für einen einzelnen Hersteller die Kosten eingetragen, die bei der Produktion der 1., 2., … 5. Einheit anfallen. Die Grenzkosten sind der Mindestpreis, den ein Hersteller erzielen muss, damit er eine weitere Mengeneinheit eines Gutes herstellt. Dieser gerade noch akzeptable Preis bestimmt die Lieferfähigkeit der Produzenten. So kann unser Produzent in Abbildung 7-12 beim Preis von zwei Euro zwei Mengeneinheiten anbieten. Beim Preis von vier Euro wären es vier Mengeneinheiten. Wenn sich am Markt ein Preis von drei Euro einstellt, erzielt der Anbieter für jede Einheit diesen Preis, während die erste und zweite Mengeneinheit zu niedrigeren Grenzkosten produziert wurden. Beim Verkauf dieser Einheiten erzielt der Produzent einen Überschuss, den man als Produzentenrente bezeichnet. Die Angebotskurve aller Unternehmen ergibt sich aus der horizontalen Addition der Grenzkostenkurven der einzelnen Unternehmen. Sie ist die Grenzkostenkurve der betreffenden Industrie und gibt an, welche Mengen eines Gutes alle Unternehmen einer Branche bei alternativen Preisen produzieren werden. Sie beschreibt die Lieferbereitschaft der Anbieter. Der Abstand zwischen der Angebotskurve und der Abszisse entspricht den Grenzkosten jeder zusätzlich produzierten Mengeneinheit. Addiert man diese Grenzkosten über alle Mengeneinheiten bis zu einer Menge x0 auf, erhält man die variablen Kosten, die bei der Produktion dieser Menge angefallen sind. Die Fläche unter der Grenzkostenkurve entspricht den variablen Kosten (siehe Abbildung 7-13). Da unter den Bedingungen der vollständigen Konkurrenz ein einheitlicher Preis zustande kommt, erzielt jede abgesetzte Mengeneinheit einen Erlös in Höhe des Marktpreises. Die Differenz zwischen dem Gesamterlös und den variablen Kosten der Anbieter ist die Produzentenrente. In Abbildung 7-13 ergibt sich die Produzentenrente als Fläche zwischen der horizontalen Preislinie und der Angebotskurve. Die Produzentenrente ist das Ergebnis eines einheitlichen Preises, zu dem ein Gut verkauft wird, und den niedrigeren Kosten, die bei der Produktion jeder Mengeneinheit mit Ausnahme der letzten Einheit angefallen sind. Abbildung 7-12: Grenzkosten und Produzentenrente 1 2 3 4 5 p in € 0 1 2 3 4 5 p = PR Menge Grenzkosten 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen314 Die Produzentenrente ist nicht mit dem Gewinn einer Unternehmung oder einer Branche gleichzusetzen. Sie ist ein Bruttogewinn, aus dem die Fixkosten noch zu bestreiten sind. Konsumenten- und Produzentenrente können verwendet werden, um die allokative Effizienz eines Marktes zu messen. Im Marktgleichgewicht maximieren die Konsumenten ihren Nutzen, denn sie haben den Konsum des betrachteten Gutes so weit ausgedehnt, bis der Grenznutzen/die Opportunitätskosten der zuletzt konsumierten Einheit gleich dem Preis ist. Die Produzenten haben die Produktion des betreffenden Gutes soweit ausgedehnt, dass die Grenzkosten der zuletzt produzierten Einheit dem Preis sprechen. Dies bedeutet, dass die von den Nachfragern insgesamt am höchsten bewertete Menge eines Gutes zu den geringst möglichen Kosten bereitgestellt wird. Im Marktgleichgewicht sind Konsumentenrente und Produzentenrente eindeutig festgelegt und zusammen genommen maximal, denn in einem Wettbewerbsmarkt werden Ressourcen effizient zur Produktion solcher Güter eingesetzt, die die Konsumenten am höchsten bewerten. Ineffiziente Marktsituationen: Von einem Gut wird zu viel oder zu wenig produziert Die Ineffizienz anderer Marktsituationen können wir leicht anhand der Abbildung 7-14 demonstrieren, wenn wir unterstellen, der Output habe bei x1 gelegen. Die Nachfragekurve liegt oberhalb der Angebotskurve, was bedeutet, dass die Konsumenten der zuletzt produzierten Einheit einen höheren Wert zu ordnen, als sie Produktionskosten verursacht hat. Unter dieser Bedingung steigt bei jedem Preis der zwischen dem Grenznutzen und den Grenzkosten liegt, die Produzenten- und Konsumentenrente, so dass bei einer Steigerung der Produktion der Nutzen der Produzenten und Konsumenten, das heißt die Wohlfahrt der Volks wirtschaft als Ganzes steigt. Mit einer Erhöhung der Produktion steigen Konsumenten- und Produzentenrente zusammengenommen um die Fläche ABG. Betrachten wir umgekehrt die Menge x2 in Abbildung 7-14. In diesem Fall sind die Grenzkosten der über x0 hinaus produzierten Mengeneinheiten größer als der Grenznutzen der Konsumenten. Die Produzenten stellen zu viel von einem Gut zu viel zu hohen Kosten Abbildung 7-13: Angebotskurve, Lieferbereitschaft und Produzentenrente x0 p0 x [Menge] Preis Produzentenrente Variable KostenP Marktpreis A O G 7.2 Polypolpreisbildung 315 bereit. Die Konsumenten sind nicht bereit, für das Gut den Preis zu bezahlen, der bei dieser (zu großen) Menge notwendig wäre, um die Grenzkosten der Produzenten zu decken. Dies führt bei den Produzenten zu einem Verlust an Produzentenrente in Höhe von DEG, weil die Grenzkosten jeder Einheit höher sind als der Preis, den sie erzielt. Bei den Konsumenten kommt es zu einem Verlust an Konsumentenrente in Höhe von CDG, weil der Preis des Gutes höher ist, als es ihnen selbst wert ist. Beseitigt man folglich die Überschussmenge, steigt sowohl die Wohlfahrt der Konsumenten als auch die der Produzenten. Wir können jetzt zusammenfassen: Unter bestimmten Voraussetzungen kommt es auf Märkten mit vollkommener Konkurrenz zu einer effizienten Allokation der Ressourcen, bei der kein Wirtschaftssubjekt besser gestellt werden kann, ohne dadurch ein anderes schlechter zu stellen. Ein solches Ergebnis bezeichnet man auch als Pareto -optimal oder Pareto-effizient8. Es gibt eine Reihe von Gründen, die verhindern, dass auf Märkten eine optimale Ressourcenallokation zustande kommt. Zusammengefasst führen folgende Faktoren zu einem vollständigen oder teilweisen Marktversagen9: • externe Effekte, • öffentliche Güter, • asymmetrische Information der Marktteilnehmer • Monopole, • staatliche Eingriffe mit Preisober- und -untergrenzen, Steuern und Subventionen usw. Das vollständige oder teilweise Versagen des Marktmechanismus hat zwei mögliche Ergebnisse. Es wird entweder von einem Gut zu wenig oder zu viel produziert. Dass im Vergleich zur Gleichgewichtsmenge weder eine zu geringe noch eine zu große Angebotsmenge effizient ist, haben wir in Abbildung 7-14 dargestellt. 8 Benannt nach dem Ökonomen Vilfredo Pareto (1848 – 1923). Ein Pareto-Optimum bezeichnet allgemein einen Zustand, in dem es nicht möglich ist, ein Individuum besser zu stellen, ohne gleichzeitig ein anderes Individuum schlechter zu stellen. 9 Siehe dazu insbes. Kap. 8. Abbildung 7-14: Konsumentenrente und Produzentenrente und Marktgleichgewicht x0 p0 x [Menge] Preis Produzentenrente Variable Kosten B Marktpreis A O G Konsumentenrente A N x1 x2 E D C 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen316 Ein effizienter Ressourceneinsatz ist nicht gleichzusetzen mit einer gerechten Verteilung Abschließend sei davor gewarnt, eine effiziente Allokation mit einer „guten“ oder sogar „gerechten“ Allokation gleichzusetzen. Eine optimale Allokation ist nicht automatisch gerecht. So ist bei der Aufteilung einer Tafel Schokolade zwischen zwei Personen jede Aufteilung Pareto-effizient, solange nichts davon verschwendet wird, selbst wenn einer die ganze Tafel bekommt und der andere leer ausgeht. Ein Steuersystem, das Leistungsanreize setzt und das Wachstum fördert, dient einer effizienten Ressourcenallokation, wird aber möglicherweise von der Bevölkerung als ungerecht abgelehnt. Gleichwohl liefert das Pareto-Kriterium eine Begründung für staatliches Handeln. Wenn etwa an den derzeitigen Strom- und Gasmärkten, die stark oligopolistisch, gebietsbezogen sogar monopolistisch strukturiert sind, durch eine Marktöffnung niedrigere Preise möglich sind und damit eine Pareto-ineffiziente Allokation verbessert werden kann, sollte man versuchen, durch eine Änderung der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen eine verbesserte Ressourcenallokation zu erreichen. Übung 7-3: Auswirkungen einer Steuer auf Konsumenten und Produzenten Auf dem Markt für ein Produkt X laute die Marktnachfrage pN = 600 – 3x. Die Angebotsfunktion der am Markt agierenden Unternehmen sei pA = 40 + 2x. a) Bestimmen Sie für diesen Markt das Marktgleichgewicht für den Fall der vollkommenen Konkurrenz. b) Nehmen Sie an, der Staat erhebt auf das gehandelte Produkt eine Mengensteuer von 100 € pro Stück. Zeigen Sie, welche Auswirkungen die Steuer auf die Wohlfahrt von Konsumenten und Produzenten hat und bestimmen Sie das Steueraufkommen des Staates. Lösung: a) Die Bedingung für das Marktgleichgewicht im Polypol lautet pN = pA. 600 – 3x = 40 + 2x → x = 112 p = 600 – 3 ∙ 112 = 264. b) Mit der Steuer lautet die Angebotsfunktion pA = 100 + 40 + 2x 600 – 3x = 140 + 2x → x = 92 p = 600 – 3 ∙ 92 = 324. Vom Marktpreis müssen die Produzenten 100 € an den Staat abführen, so dass der von den Produzenten erzielte Preis 224 € beträgt. Ohne Steuer Mit Steuer Konsumentenrente Produzentenrente Zusammen ½ (600 – 264) ∙ 112 = 18.816 ½ (264 – 40) ∙ 112 = 12.544 31.360 ½ (600 – 264) ∙ 92 = 12.696 ½ (224 – 40) ∙ 92 = 8.464 21.160 Das Steueraufkommen des Staates beträgt 9200. Als Folge der Besteuerung werden sowohl Konsumenten als auch Produzenten in ihrer Wohlfahrt schlechter gestellt. Ob die Gesellschaft als Ganzes durch die Einführung einer Produktionssteuer schlechter gestellt wird, hängt von der Verwendung des Steueraufkommens durch den Staat ab. Grenzen des Modells Das Modell der vollkommenen Konkurrenz beruht auf einer Reihe sehr restriktiver Annahmen, die in der Realität nur auf wenigen Märkten erfüllt sein dürften. Dies betrifft etwa bestimmte Rohstoffmärkte und Wertpapierbörsen, nicht jedoch Konsumgütermärkte. In dem Umfang, in dem Präferenzen und Produktdifferenzierungen an Bedeutung gewin- 7.3 Monopol 317 nen, die Märkte intransparenter werden oder Unternehmen aufgrund ihrer Marktmacht Einfluss auf den Preis gewinnen, werden die Ergebnisse des vollkommenen Marktes eingeschränkt. Der Wettbewerb bezieht sich dann nicht mehr nur auf den Preis, sondern auch und verstärkt auf die Qualität der Produkte, das Image der Anbieter, die Marke, den Standort oder die zeitliche Verfügbarkeit. Formuliert man denn auch Marktmodelle, in denen einzelne oder mehrere Bedingungen des vollkommenen Marktes nicht mehr erfüllt sind, kommt es zu abweichenden Ergebnissen und zwar um so mehr, je weniger die Bedingungen erfüllt sind. Sind dagegen die realen Bedingungen nicht allzu sehr von den Modellannahmen entfernt, erweist sich das Modell der vollständigen Konkurrenz als durchaus robust. Diese Robustheit wird auch bestätigt, wenn man in empirischen Studien oder Experimenten die Vorhersagen des Modells mit der Wirklichkeit konfrontiert. Auf unvollkommenen Märkten geraten Preise in den Einfluss der Anbieter und entscheiden nicht mehr allein darüber, ob ein Unternehmen im Markt verbleibt oder ausscheiden muss. Preise sind dann nicht mehr Kostenpreise, und Gewinne werden nicht mehr durch den Wettbewerb eliminiert, sondern sind permanent. Dies bedeutet, dass die realen Marktergebnisse von den Modellergebnissen mehr und mehr abweichen. Deshalb hat man für solche Markttypen eigene Modelle entwickelt. Die Bedeutung der vollkommenen Konkurrenz besteht dann darin, dass das Modell ein Benchmark für die optimale Allokation der Ressourcen darstellt. Durch einen Vergleich mit dem Modell der vollkommenen Konkurrenz kann man feststellen, inwieweit andere Marktformen oder die Ergebnisse realer Märkte von einer optimalen Allokation der Ressourcen abweichen. 7.3 Monopol 7.3.1 Das reine Monopol Vollständige Konkurrenz und Monopol sind im Marktformenschema die beiden Extreme. Märkte lassen sich durch das Vorhandensein zweier gegenläufiger Kräfte leiten. Es sind dies der Wettbewerb und die Marktmacht der einzelnen Marktteilnehmer. Im Polypol herrscht Wettbewerb und der einzelne Anbieter hat keine Macht, das Marktgeschehen zu beeinflussen. Im Monopol ist es umgekehrt. Der Alleinanbieter kontrolliert das Marktgeschehen, Wettbewerb findet nicht statt. Wir betrachten zunächst die Marktform des reinen Angebotsmonopols. Sie ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet: • Dem einzigen Anbieter eines Gutes stehen viele Nachfrager gegenüber, die sich aufgrund ihrer Größe als Preisnehmer verhalten. Wegen ihres kleinen Marktanteils können sie den Preis nicht beeinflussen. • Es gibt keine persönlichen oder räumlichen Präferenzen oder zeitlichen Differenzierungen von Seiten des Monopolisten in Bezug auf bestimmte Nachfrager oder Nachfragergruppen. Präferenzen auf der Nachfrageseite kann es nicht geben, da das Monopolgut nur von einem Unternehmen angeboten wird. • Es herrscht Markttransparenz in dem Sinn, dass der Anbieter und die Nachfrager über die Marktbedingungen, insbesondere über das gehandelte Gut und die zustande gekommenen Preise vollständig informiert sind. 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen318 Diese Annahmen konstituieren einen vollkommenen Markt. Dies bedeutet, dass ein einheitlicher Preis zustande kommt, zu dem alle Transaktionen abgewickelt werden. Die Möglichkeit, unterschiedliche Preise für verschiedene Nachfragegruppen zu setzen, wird damit vorläufig ausgeschlossen. Damit ein Monopol tatsächlich dauerhaft bestehen kann, müssen zwei weitere Bedingungen erfüllt sein. Keine nahen Substitute Den Preisentscheidungen des Monopolisten können die Nachfrager nicht dadurch begegnen, dass sie auf ähnliche Produkte ausweichen. Es gibt keine engen Substitute. Das Wasser, das die Haushalte von öffentlichen Versorgungsunternehmen beziehen, ist ein Beispiel. Die Wassernetze sind noch nicht geöffnet. Alternative Möglichkeiten der Wasserversorgung sind zwar denkbar, setzen aber erhebliche Investitionen voraus. Als kurzfristige Reaktion auf Entscheidungen des Anbieters scheiden sie daher aus. Ein anderes Beispiel ist das Betriebssystem Windows von Microsoft. Die als Alternative zu Microsoft Windows zu Verfügung stehenden Betriebssysteme sind offensichtlich keine nahen Substitute für Windows. Denn obwohl Microsoft bei Anwendern nicht gerade das beste Image genießt, muss der quasi Monopolist ein Abwandern zu anderen Betriebssystemen in großem Umfang nicht fürchten. Ein drittes Beispiel sind schließlich neu auf den Markt gekommene Pharmazeutika für bestimmte Krankheiten. Solange es konkurrierenden Anbietern nicht gelingt, ein alternatives Arzneimittel zu entwickeln, sind Ärzte und Patienten allein auf den Monopolanbieter angewiesen. Diese Beispiele zeigen, dass die Annahme fehlender Substitute eine zeitliche Dimension hat. Langfristig mögliche Investitionen eröffnen Substitutionsmöglichkeiten. Neue technologische Entwicklungen können Monopolstellungen schwächen. Durch Produktinnovationen oder Imitationen kommen Alternativen auf den Markt, die die Stellung eines Monopolisten gefährden können. Marktzutrittbeschränkungen Im Gegensatz zur vollständigen Konkurrenz ist der Eintritt neuer Anbieter in den Monopolmarkt ausgeschlossen. Ursache dafür sind natürliche oder künstliche Zugangsbeschränkungen. Künstliche Zutrittsbarrieren werden in der Regel durch den Staat errichtet, indem der Staat den Marktzutritt durch Lizenzen regelt (zum Beispiel bestimmte Berufe, Banken) oder einzelnen Unternehmen das Recht einräumt, ein Gut oder eine Dienstleistung ausschließlich anzubieten (z. B. in der Vergangenheit das Briefmonopol, die Gebietsbeschränkungen bei Gas und Strom). Hierher gehört auch der Patentschutz, der dem Inhaber des Patents für begrenzte Zeit ein Eigentumsrecht an seiner Erfindung gewährt. Aber auch Unternehmen können künstliche Marktzutrittsbeschränkungen errichten, indem sie durch strategische Maßnahmen (z. B. Aufbau eines Images, strategische Investitionen) für potentielle Wettbewerber die Kosten des Zutritts so in die Höhe treiben, dass sie aufgrund der wirtschaftlichen Risiken beziehungsweise aufgrund der hohen Sunk Costs vom Markteintritt abgeschreckt werden. Eine weitere Marktzutrittsbeschränkung liegt vor, wenn ein einzelnes Unternehmen den gesamten Markt zu einem niedrigeren Preis beliefern kann als zwei oder mehr Unternehmen. Aufgrund sinkender Stückkosten kann ein einzelnes Unternehmen günstiger produzieren und anbieten. Diesen Sachverhalt bezeichnet man als natürliches Monopol. Er wird später noch genauer untersucht. 7.3 Monopol 319 7.3.2 Preis-Absatz-Funktion, Durchschnitts- und Grenzerlös Der Monopolist in der Lage ist, ein Höchstmaß an Absatzpolitik zu betreiben. Da er bei seinen Entscheidungen von Reaktionen anderer Anbieter unabhängig ist, ist der Preis für ihn kein Datum. In der Regel wird er den Preis für sein Angebot fixieren. Er kann jedoch nicht gleichzeitig Preis und Absatzmenge festlegen. Denn er ist zwar konkurrenzlos, aber doch immer noch abhängig von den Nachfrageentscheidungen der Haushalte. Diese Gesamtnachfrage ist jedoch allein auf ihn bezogen. Man sagt, der Monopolist sieht sich einer Preis-Absatz-Funktion gegenüber. Formal betrachtet ist die Preis-Absatz-Funktion des Monopolisten die Umkehrfunktion der Nachfragefunktion. Sie gibt ihm an, welche Menge er absetzen kann, wenn er einen bestimmten Preis setzt, bzw. zu welchem Preis er eine bestimmte Menge seines Produkts absetzen kann. Lautet etwa die Nachfrage nach einem bestimmten Produkt x = 180 – 12p, so ist die Preis-Absatz-Funktion der Monopolisten p = 15 – 0,083x. Diese funktionale Beziehung gibt aus der Sicht des Anbieters alle von der Nachfrageseite her möglichen Kombinationen von Preis und Absatzmenge eines Gutes wieder. Die Preis-Absatz-Funktion stellt den Monopolisten vor die Alternative, dass er die Absatzmenge nur erhöhen kann, wenn er den Preis senkt, und/oder dass er den Preis nur erhöhen kann, wenn er die Angebotsmenge senkt. In Abbildung 7-15 ist der durch die Preis-Absatz-Funktion beschriebene Zusammenhang dargestellt. Setzt der Monopolist etwa den Preis auf 10 €, dann kann er erwarten, dass die Nachfrager die von ihm angebotene Menge von 60 auch tatsächlich kaufen werden. Sein Erlös wäre in diesem Fall 600. Der durchschnittliche Erlös je abgesetzter Einheit entspricht mit 10 € dem erzielten Marktpreis. Würde er die Angebotsmenge auf 72 Mengeneinheiten erhöhen, müsste er seinen Preis auf 9 € Euro senken, damit er diese Menge absetzen kann. Durch diese Maßnahme würde der Erlös des Monopolisten auf 72 ∙ 9 € = 648 € steigen. Abbildung 7-15: Die Preis-Absatz-Funktion des Monopolisten 0 2 4 6 8 10 12 14 0 30 60 90 120 150 180 p in € x [Menge] Preis-Absatz- Funktion + ΔE1 - ΔE2 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen320 Einflüsse auf die Erlösentwicklung Diese Erlösentwicklung ist das Ergebnis aus zwei Teileffekten, nämlich einem Preis- und einem Mengeneffekt. Da sich die Menge von 60 auf 72 ausdehnt, erhöht sich der bisherige Erlös um ΔE1 = 12 ∙ 9 € = 108 € (waagerecht schraffiertes Rechteck in Abbildung 7-15). Allerdings werden auch die ersten 60 Stück nur zum Preis von 9 € verkauft; das bedeutet, dass der Gesamterlös im Vergleich zur Ausgangslage um ΔE2 = 60 ∙ 1 € = 60 € abnimmt (senkrecht schraffiertes Rechteck in Abbildung 7-15). Der Erlös steigt daher insgesamt nur um 108 € – 60 € = 48 € auf 648 €. Der Durchschnittserlös je verkaufter Einheit ist zwar 9 €. Aber jede der zusätzlich verkauften 12 Einheiten erbringt nur einen Erlöszuwachs von 48/12 = 4 €. Der Erlöszuwachs aus dem Verkauf einer zusätzlichen Einheit ist somit niedriger als der Preis, den sie erzielt Wenn wir die Zusammenhänge zusammenfassen und verallgemeinert darstellen, ergeben sich folgende Aussagen: Für jede Outputmenge ergibt sich der Preis, den der Monopolist verlangen kann, um diese Menge abzusetzen, aus der Preis-Absatz-Funktion. Diese beschreibt die vom Monopolisten erwarteten Absatzmöglichkeiten: p = p(x) Für jede Preis-Mengen-Kombinationen ergibt sich der Gesamterlös des Monopolisten als Produkt aus Preis und Menge: E p(x) x Den durchschnittlichen Erlös erhält man aus dem Gesamterlös dividiert durch die abgesetzte Menge. Er entspricht dem Preis: ⋅= =p xE p(x) x x Der Grenzerlös eines Monopolisten ist der Erlöszuwachs, den er aus dem Verkauf einer zusätzlichen Einheit erzielt. Die Änderung des Gesamterlöses ergibt sich bei einer Ausdehnung der Outputmenge aus der Mengenänderung multipliziert mit dem neuen Preis (+ΔE1 in Abbildung  7-15) und der Preisänderung multipliziert mit der ursprünglichen Menge (-ΔE2): 1 0E p x x p Beziehen wir die Erlösänderung auf die Veränderung der Outputmenge, erhalten wir den Grenzerlös: 1 0 pE E' p x x x Der Grenzerlös entspricht somit dem Preis, den die zuletzt abgesetzte Einheit erzielt, vermindert um den Erlösrückgang, der mit dem Verkauf jeder zusätzlichen Einheit verbunden ist. Dieser entspricht x0(Δp/Δx). Da der Quotient Δp/Δx kleiner Null ist, folgt auch, dass E E p x x . Für jede Menge größer null, ist der Grenzerlös des Monopolisten kleiner als der Preis. In der Abbildung 7-16 sind die Zusammenhänge grafisch dargestellt. Die linke Abbildung enthält die Preis-Absatz-Funktion und die Grenzerlösfunktion. Die rechte Abbildung enthält die Entwicklung des Gesamterlöses. Die Grenzerlösfunktion verläuft unter der Preis- 7.3 Monopol 321 Absatz-Funktion. Bei positivem Grenzerlös nimmt in der rechten Abbildung der Gesamterlös zu, allerdings mit abnehmenden Zuwächsen. Wird die Grenzerlösfunktion negativ, kommt es zu sinkenden Gesamterlösen. 7.3.3 Gewinnmaximierung des Monopolisten Nachdem wir die Erlösentwicklung des Monopolisten in Abhängigkeit von seinen Preisentscheidungen untersucht haben, soll nun die Produktionsentscheidungen des Monopolisten analysiert werden. Dabei wird unterstellt, dass der Monopolist seinen Gewinn maximiert. Wir sind uns dabei bewusst, dass der Monopolist als alleiniger Anbieter prinzipiell keinem Druck ausgesetzt ist, seine Kosten zu minimieren oder seinen Gewinn zu maximieren. Für den Fall, dass seine Marktstellung bedroht ist, könnte er auch mit Preisen am Markt agieren, die seinen Umsatz maximieren oder seine Kosten gerade noch decken. Der Gewinn des Monopolisten ergibt sich als Differenz aus Erlösen und Kosten. Da sich die Kostensituation eines Monopolisten grundsätzlich nicht von der eines Wettbewerbers unterscheidet, kann man sowohl mit einem S-förmigen als auch mit einem linearen Kostenverlauf arbeiten. = ⋅G(x) p(x) x -K(x) Für das Gewinnmaximum bildet man die erste Ableitung und setzt sie gleich 0: = + ⋅ − =dpdG dKp x 0 dx dx dx Dies ergibt die bekannte Bedingung für das Gewinnmaximum, nämlich Grenzerlös = Grenzkosten10. dp dK p x dx dx 10 Dass es sich tatsächlich auch um ein Gewinnmaximum handelt, setzt voraus, dass die Bedingung zweiter Ordnung erfüllt ist. Abbildung 7-16: Preis-Absatz-Funktion, Grenzerlös- und Erlösfunktion Erlösfunktion 0 2 4 6 8 10 12 14 0 30 60 90 120 150 180 0 100 200 300 400 500 600 700 0 30 60 90 120 150 180 x p in € Erlös in € x Nachfrage = Preis-Absatz-Funktion Grenzerlös 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen322 Danach maximiert der Monopolist seinen Gewinn, wenn er den Preis des Monopolguts so fixiert, dass der Grenzerlös der zuletzt abgesetzten Einheit den Grenzkosten entspricht. Die grafische Ableitung des Gewinnmaximums ist in Abbildung 7-17 zusammengefasst. In der linken Grafik wird das Gewinnmaximum als Differenz aus Erlös und Kosten ermittelt. Bei allen Produktionsmengen kleiner als x1 und größer als x2 erwirtschaftet der Monopolist Verluste. Eine Deckung der Gesamtkosten ergibt sich in den Punkten P und S. Dazwischen liegt die Gewinnzone. Das Gewinnmaximum liegt dort, wo der Vertikalabstand zwischen der Erlös- und der Kostenfunktion am größten ist. Dies ist dort der Fall, wo Erlös- und Kostenfunktion die gleiche Steigung haben. Der Monopolist wird folglich die gewinnmaximierende Menge x0 anbieten. Aus der linken Grafik lässt sich nicht bestimmen, zu welchem Preis die gewinnmaximale Menge abgesetzt wird. Dieser ergibt sich, wenn das Gewinnmaximum des Monopolisten mit Hilfe der Grenzgrößen abgeleitet wird. In der rechten Grafik der Abbildung 7-17 ist die mit N gekennzeichnete Kurve die Preis-Absatz-Funktion des Monopolisten. Mit E’ ist die zugehörige Grenzerlösfunktion eingetragen. Im Falle einer linearen Preis-Absatz-Funktion verläuft die Grenzerlösfunktion doppelt so steil wie die Preis-Absatz-Funktion. Beide haben denselben Ordinatenabschnitt. Die Grenzerlöskurve schneidet die Abszisse bei der halben Sättigungsmenge. Für die Bestimmung des Gewinnmaximums werden zudem die Grenzkosten K‘ benötigt, die hier den bekannten U-förmigen Verlauf aufweisen. Im Punkt A ist der Schnittpunkt von E‘ und K‘, Grenzerlös und Grenzkosten sind gleich groß. Die Senkrechte auf die Abszisse liefert die gewinnmaximale Menge x0, die Senkrechte auf die Preis-Absatz-Funktion führt zum Punkt C, dem Cournot‘schen Punkt11. Er kennzeichnet die gewinnmaximale Preis-Mengen-Kombination und erlaubt die Bestimmung des Preises p0 auf der Ordinate. Die im Cournot‘schen Punkt realisierte Preis-Mengen-Kombination ist nicht nur das Gewinnmaximum des Monopolisten, sondern ist zugleich das Marktgleich- 11 Benannt nach dem französischen Ökonomen Augustin Cournot (1801 – 1877). Abbildung 7-17: Produktionsentscheidung und Gewinnmaximum des Monopolisten x [Menge] K [Kosten] E [Erlöse] G [Gewinn] P R K(x) Q E(x) G(x) Verlustzone Gewinnzone S x [Menge] p0 x0 k p k K’ E’ E’ N C K’ A B x0 G x1 x2 7.3 Monopol 323 gewicht im Angebotsmonopol. Zum Preis p0 kann der Anbieter seine gesamte Produktion absetzen und alle Abnehmer, die bereit waren, diesen Preis zu zahlen, kommen in den Genuss des Gutes. Der Markt ist geräumt. Ob der Monopolist im Cournot‘schen Punkt einen Gewinn erzielt, kann man erst beurteilen, wenn man die Stückkosten kennt. Verläuft die Durchschnittskostenkurve bei jeder Produktionsmenge oberhalb der Preis-Absatz-Funktion, erzielt der Monopolist einen Verlust pro Stück. Es wird kein Güterangebot zu Stande kommen. Tangiert die Stückkostenkurve die Preis-Absatz-Funktion im Punkt C, entsprechen die Stückkosten dem Preis. Die Deckung aller wirtschaftlichen Kosten ermöglicht es dem Monopolisten, die Menge x0 anzubieten. Allerdings erzielt er keine darüber hinaus gehenden Gewinne. Verläuft die Stückkostenkurve dagegen im relevanten Bereich unter der Preis-Absatz-Funktion, erwirtschaftet der Monopolist positive Stückgewinne. In Abbildung 7-17 kennzeichnet k den Verlauf der Durchschnittskosten. Bei der Outputmenge x0 fallen Stückkosten in Höhe von x0B an. Der Durchschnittserlös entspricht dem Preis p0. Der Monopolist erwirtschaftet einen durchschnittlichen Gewinn je verkaufter Mengeneinheit in Höhe von BC. Der Gesamtgewinn ergibt sich aus Stückgewinn mal Absatzmenge. Er entspricht der mit G gekennzeichneten Fläche. Übung 7-4: Angebot und Gewinnmaximum eines Monopolisten Ein Monopolunternehmen habe aufgrund intensiver Marktforschung seine Preis-Absatz- Funktion wie folgt ermittelt: p = 100 – x. Seine Kostenfunktion laute: 3 21K x x 60x 400 120 mit den Grenzkosten: 2 1 K x 2x 60 40 . Bestimmen Sie die gewinnmaximale Preis-Mengen-Kombination und ermitteln Sie die Höhe des Gewinns. Lösung: Für die Bestimmung des Gewinnmaximums müssen die Erlösfunktion und die Grenzerlösfunktion bestimmt werden. Die Erlösfunktion lautet: E(x) = p∙x = (100 – x)x = 100x – x². Somit lautet die Grenzerlösfunktion: E’ = 100 – 2x Das Gewinnmaximum erfordert Grenzerlös = Grenzkosten: 2 21 1x 2x 60 100 2x x 40 x 40 40 40 Im Gewinnmaximum produziert der Monopolist 40 Mengeneinheiten. Um den Preis zu erfahren, setzt man die Menge in die Preis-Absatz-Funktion ein. p = 100 – 40 = 60 Der Monopolist maximiert also seinen Gewinn, wenn er 40 Mengeneinheiten produziert und diese zum Preis von 60 verkauft. Der Gesamtumsatz beträgt E = 40 ∙ 60 = 2400. Um die Produktionskosten zu ermitteln, wird die Menge in die Kostenfunktion eingesetzt und man erhält: 3 21K 40 40 60 40 400 1733,33 120 Der Monopolist erzielt einen Gewinn in Höhe von 666,67 7.3.4 Monopolpreis und Preiselastizität der Nachfrage In welchem Umfang ein Monopolist seinen Preis über die Grenzkosten hinaus setzen kann, wird von der Preiselastizität der Nachfrage bestimmt. Die Bedingung für das Gewinnmaximum lässt sich umformen, indem wir zunächst die Gleichung für den Grenzerlös modifizieren. Dazu wird der zweite Summand mit p erweitert und danach p ausgeklammert: 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen324 = + ⋅ ⋅ = + ⋅ ⋅ = + ⋅p dp dp dpdE x xp x p p p(1 ) dx p dx p dx p dx Der zweite Term entspricht der inversen Preiselastizität der Nachfrage, so dass sich für den Grenzerlös folgende Gleichung ergibt: x|p dE 1 p(1 ) dx Zusammenhang zwischen der Preiselastizität der Nachfrage und dem  Umsatz Die Gleichung ist bekannt als Amoroso-Robinson-Relation12. Sie zeigt, in welcher Form der Grenzerlös von der Preiselastizität abhängt. Da die Preiselastizität der Nachfrage negativ ist, folgt aus der Gleichung, dass der Grenzerlös kleiner als der Preis sein muss. Außerdem ergeben sich folgende Zusammenhänge zwischen der Preiselastizität und den Umsatz: • Ist der Wert der Preiselastizität εx|p < -1, ist der Grenzerlös positiv, weil der Ausdruck in der Klammer größer Null ist. Wenn der Monopolist in diesem Bereich seine Angebotsmenge ausdehnt und die damit einhergehenden Preissenkungen akzeptiert, kann er seinen Umsatz steigern. • Wenn εx|p = -1, ist der Grenzerlös null. Der Umsatz hat sein Maximum erreicht. • Wenn 0 > εx|p > -1, ist der Grenzerlös negativ, weil der Term in der Klammer negativ ist. Da sich der Monopolist im unelastischen Bereich der Nachfrage befindet, führt eine Steigerung der Absatzmenge zu einem Rückgang des Umsatzes. • Wenn εx|p = -∞, entspricht der Monopolpreis dem Grenzerlös. In diesem Fall verliefe die Preis-Absatz-Funktion des Anbieters horizontal, wie das bei vollkommener Konkurrenz der Fall ist. Im Monopolfall ist dies eher unwahrscheinlich. Aus den Überlegungen folgt schließlich, dass der Monopolist nie einen Preis im unelastischen Bereich der Nachfrage wählen wird. Dies wurde bereits im Zusammenhang mit der Preiselastizität der Nachfrage dargelegt, als der Zusammenhang zwischen Preiselastizität und Umsatz untersucht wurde13. Betrachten wir die Bedingung für das Gewinnmaximum mit Grenzerlös = Grenzkosten. Diese Gleichung kann nach p aufgelöst werden: x|p 1 p K' 1 (1 ) Daraus folgt, dass der vom Monopolisten fixierte Preis immer höher als die Grenzkosten ist. Der Monopolist setzt den Preis als Aufschlag auf die Grenzkosten. Den Zusammenhang zwischen den Grenzkosten, dem Aufschlagssatz und dem Preis in Abhängigkeit von der Preiselastizität der Nachfrage verdeutlicht folgendes Beispiel: 12 Die Amoroso-Robinson-Relation wurde benannt nach dem Schweizer Ökonomen Luigi Amoroso (1886 – 1965) und der englischen Nationalökonomin Joan Robinson (1903 – 1983). 13 Siehe hierzu Abschnitt 4.3.2.1. 7.3 Monopol 325 Preiselastizität -1,1 -1,5 -2 -10 -20 Grenzkosten 10,00 10,00 10,00 10,00 10,00 Aufschlagsfaktor 11,00 3,00 2,00 1,11 1,05 Preis 110,00 30,00 20,00 11,11 10,53 Monopolpreis als Aufschlag auf die Grenzkosten Der Aufschlag auf die Grenzkosten wird umso höher, je größer die Preiselastizität, d. h. je kleiner der Betragswert der Preiselastizität der Nachfrage ist. Bei einer sehr elastischen Nachfrage kann der Monopolist nur noch geringe Aufschläge auf die Grenzkosten durchsetzen. Grundsätzlich gilt, je elastischer die Nachfrage reagiert, umso geringer wird der Unterschied zwischen Preis und Grenzkosten und umso geringer wird bei gleichen Grenzkosten der Unterschied zwischen dem Monopolpreis und dem Preis auf Wettbewerbsmärkten sein. Die Bildung des Monopolpreises als Aufschlag auf die Grenzkosten in Abhängigkeit von der Preiselastizität zeigt, in welchem Umfang ein Anbieter einen Einfluss auf den Marktpreis seines Produkts hat. Dies betrifft aber nicht nur den Monopolanbieter, sondern jedes Unternehmen, das sich einer fallenden Preis-Absatz-Funktion gegenüber sieht. Auch Oligopolanbieter oder Anbieter in anderen Marktformen der unvollkommenen Konkurrenz haben einen mehr oder weniger großen Einfluss auf den Preis ihres Produkts. Daher kann man die Preisregel auch in anderen Märkten einsetzen, um zu prüfen, in welchem Umfang etwa oligopolistische Anbieter einen Einfluss auf den Preis ihres Produkts haben. Allerdings ist dabei nicht die Preiselastizität der Gesamtnachfrage zu beachten, sondern die spezielle Nachfrageelastizität des Unternehmens. Nehmen wir etwa die Automobilhersteller Audi, BMW und Mercedes, so hat jeder dieser Hersteller einen Einfluss auf den Preis. Für das Ausmaß des Aufschlags auf die Grenzkosten eines einzelnen Herstellers ist aber nicht die Nachfrageelastizität der gesamten Automobilnachfrage maßgebend, sondern die Nachfrageelastizität der jeweiligen Marke. Alle drei Hersteller sehen sich fallenden Preis-Absatz-Funktionen gegenüber und können demzufolge den Preis ihrer Produkte mehr oder weniger stark kontrollieren. Man sagt, sie verfügen über Marktmacht. Zur Messung der Marktmacht wurde von Abba Lerner14 ein Index entwickelt, der den prozentualen Aufschlag des Preises über die Grenzkosten misst und aus der vorhergehenden Gleichung abgeleitet ist: i x|p p K' 1 L p , wobei ix|p die Nachfrageelastizität der Marke/des Herstellers i ist. Der Lerner-Index der Marktmacht liegt zwischen 0 und 1 oder 0 und 100 %. Der Wert ist null unter den Bedingungen der vollkommenen Konkurrenz, denn dann gilt p = K‘. Er ist größer Null für alle Industriezweige mit unvollkommenem Wettbewerb. Monopolanbieter oder Anbieter differenzierter Produkte haben in der Regel einen Einfluss auf den Preis und werden Marktpreise setzen, die die Grenzkosten übersteigen. Nehmen wir etwa an, ein Hersteller habe für seine Nachfrage eine Preiselastizität von -2 gemessen, dann wird sein optimaler Preis doppelt so hoch sein wie die Grenzkosten. Der Monopolgrad, gemessen 14 Lerner, A.P. (1933), S. 157 ff. 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen326 durch den Lerner-Index, ist L = 0,5. Generell gilt, je größer L ist, umso größer ist die Monopolmacht des einzelnen Anbieters. Dabei zeigt die Formel, dass dafür die Preiselastizität der Nachfrage von entscheidender Bedeutung ist. 7.3.5 Nachfrageänderungen und Güterangebot im Monopol Bei vollkommener Konkurrenz gibt es sowohl zwischen der Nachfrage- als auch zwischen der Angebotsmenge und dem Preis eine eindeutige Beziehung. Das kurzfristige Angebot einer Industrie hängt vom Grenzkostenverlauf der einzelnen Unternehmen ab. Dies ergibt sich aus der „Preis = Grenzkosten“-Regel für das Gewinnmaximum. Als ein Ergebnis des Marktprozesses können wir dann festhalten: Steigt die Nachfrage oder steigen die Grenzkosten der Unternehmen, steigt der Marktpreis des betreffenden Gutes. Angebotsentscheidung ist abhängig von Grenzkosten und Nachfrageelastizität Auf einem Monopolmarkt gibt es zwar eine Nachfragekurve, die jedem Preis die nachgefragte Menge zugeordnet. Aber es gibt keine Angebotsfunktion im Sinne einer eindeutigen Beziehung zwischen Preis und angebotener Menge. Dies hängt damit zusammen, dass die Produktionsentscheidung eines Monopolisten nicht nur von den Grenzkosten, sondern auch von der Preiselastizität der Nachfrage abhängt. Ein gewinnmaximierender Monopolist wird bei einer steigenden Nachfrage nur dann seinen Preis erhöhen können, wenn als Folge der Nachfrageverschiebung die Preiselastizität nicht kleiner wird. Dies ist etwa der Fall, wenn sich die Nachfragekurve nach rechts verschiebt, wie das in der linken Grafik der Abbildung 7-18 dargestellt ist. In diesem Fall reagiert der Monopolist auf die Nachfrageänderung wie der Wettbewerbsmarkt. Er erhöht bei steigenden Preisen seine angebotene Gütermenge. Es wäre aber auch denkbar, dass der Monopolist auf eine Steigerung der Nachfrage nur mit einer Ausdehnung der Menge reagiert. In diesem Fall ist zwar die Nachfrage gestiegen, aber die Preiselastizität der Nachfrage ist unverändert geblieben. Entsprechend seiner Bedingung für das Gewinnmaximum wird er die Absatzmenge erhöhen, aber die Durchsetzung eines höheren Preises ist ihm wegen der unveränderten Preiselastizität der Nachfrage nicht möglich. Diese Nachfrageverschiebung ist in der mittleren Grafik der Abbildung 7-18 dargestellt. Solche Reaktionen finden wir etwa bei saisonbedingten Nachfrageschwankungen. So reagiert etwa die Bahn auf eine steigende Nachfrage während der Oster- oder Weihnachtsfeiertage nicht mit einer Preiserhöhung, sondern mit einem verstärkten Zugangebot. Schließlich ist es auch möglich, dass ein Monopolist auf eine Nachfragesteigerung entweder nur mit einer Preissenkung oder mit einer Preissenkung bei gleichzeitiger Ausdehnung des Angebots reagiert. Dies ist der Fall, wenn als Folge der Nachfrageänderung die Preiselastizität der Nachfrage immer kleiner wird. In der rechten Grafik der Abbildung 7-18 dehnt der Monopolist als Folge der Nachfragesteigerung sein Angebot aus, wobei er gleichzeitig den Preis senkt. Für diesen Fall finden sich viele Beispiele bei Elektronikprodukten (z. B. Spielekonsolen, Handys, Komponenten und Zubehör für Computer usw.). In dem Umfang, in dem diese Produkte zu „Massengütern” werden, steigt das Preisbewusstsein der Käufer. Die Nachfrage wird preiselastischer und die Möglichkeit, hohe Preisaufschläge auf die Grenzkosten durchzusetzen, wird eingeschränkt. In der Praxis wird dieses Angebotsverhalten häufig unterstützt oder überlagert durch sinkende Stückkosten in der Produktion. 7.3 Monopol 327 7.3.6 Vergleich der Monopol- und Polypolpreisbildung Unter Aspekten der Effizienz und der Wettbewerbspolitik wird regelmäßig die Monopolpreisbildung mit den Ergebnissen der Preisbildung unter vollständiger Konkurrenz verglichen. Für den Vergleich sind zwei weit reichende Annahmen erforderlich. • Der Monopolist kennt den Verlauf seiner Preis-Absatz-Funktion. Die Preis-Absatz- Funktion des Monopolisten stimmt mit der Gesamtnachfrage im Polypolfall überein. • Der Verlauf der Grenzkostenkurve des Monopolisten stimmt mit den zusammengefassten Grenzkostenkurven aller Polypolanbieter überein. Dies bedeutet, dass die Grenzkostenkurve des Monopolisten und die Angebotskurve im Polypol zusammenfallen. In Abbildung 7-19 sind die beiden Fälle der Preisbildung dargestellt. Unter Wettbewerbsbedingungen wird die Menge xW gemäß der „Preis = Grenzkosten“-Regel produziert. Dann ergibt sich unter Berücksichtigung der Nachfrage der Marktpreis pW. Das Gewinnmaximum des Monopolisten erfordert die Gleichheit von Grenzerlös und Grenzkosten. Er setzt den Preis pM und kann zu diesem Preis die Menge xM absetzen. Im Ergebnis wird im Monopolmarkt eine geringere Menge zu einem höheren Preis angeboten und verkauft. Aufgrund der schlechteren Güterversorgung zu höheren Preisen sind die Konsumenten insgesamt schlechter gestellt. Das Monopolunternehmen ist insgesamt besser gestellt. Während im langfristigen Konkurrenzgleichgewicht eine Null-Gewinn-Situation herrscht (Preis und Stückkosten sind gleich hoch), erzielt der Monopolist positive Stückgewinne in Höhe der Differenz zwischen Monopolpreis und Stückkosten. Wohlfahrtunterschiede zwischen Monopol und Polypol Um den Wohlfahrtsverlust in einem Monopolmarkt zu messen, können wir die Renten in den beiden Marktformen vergleichen. Unter der Bedingung der vollständigen Konkurrenz ergibt sich die Konsumentenrente aus den Flächen O + P + Q in Abbildung 7-19. Die Produzentenrente entspricht der Flächensumme R + S. Da diese Renten zusammen genommen maximal sind, ist das Marktergebnis bei vollkommener Konkurrenz eine effiziente Alloka- Abbildung 7-18: Auswirkungen von Nachfrageverschiebungen im Monopol p1 x [Menge] N1 x2 K’ C2 ' 1E N2 x1 p2 Preis x0 p0 x [Menge] Preis N1 x1 C1 K’ C2 ' 1E ' 2E N2 x2 x [Menge] Preis N1 x1 C1 K’ ' 1E ' 2E p1 p2C1 ' 2E C2 N2 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen328 tion der Ressourcen15. In einem Monopolmarkt reduziert sich die Konsumentenrente auf die Fläche O. Die Konsumenten erleiden einen Wohlfahrtverlust, weil die Konsumentenrente kleiner wird. Ein Teil dieser Konsumentenrente in Höhe des Rechtecks P wird vom Monopolisten abgeschöpft, seine Produzentenrente steigt. Es findet eine Umverteilung von den Konsumenten zu den Produzenten statt. Dagegen geht die Konsumentenrente in Höhe der Fläche Q endgültig verloren, weil Konsumenten zwischen xM und xW nicht beliefert werden. Der Monopolist muss einen Rentenverlust in Höhe der Fläche S hinnehmen, weil die Produktion von Mengeneinheiten zwischen xM und xW unterbleibt. Da in diesem Bereich die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten höher ist als die Grenzkosten der zu produzierenden Einheiten, wäre eine Produktion dieser zusätzlichen Einheiten gesamtwirtschaftlich wohlfahrtserhöhend. Nehmen wir etwa an, die Grenzkosten einer zusätzlichen Einheit seien 4 €, die Konsumenten seien bereit, für diese Einheit 5 € zu bezahlen, würde sich die Produktion aus der Sicht beider Parteien lohnen. Mindestens ein Wirtschaftssubjekt würde besser gestellt, ohne ein anderes schlechter zu stellen. Damit ist im Monopolfall die Ressourcenallokation ineffizient, weil zu wenig produziert wird. Der Monopolist ist aber an der Produktion einer zusätzlichen Einheit nicht interessiert, weil er bei einer Ausdehnung der Produktion nicht nur die zuletzt abgesetzte Einheit zu einem niedrigeren Preis verkauft, sondern alle produzierten Einheiten zu dem niedrigeren Preis abgeben muss. Daher produziert der Monopolist eine geringere Menge, um den Preis für alle Konsumenten hoch halten zu können. 15 Siehe dazu Abschnitt 7.2.8. Abbildung 7-19: Allokative Ineffizienz des Monopols pW x [Menge] Preis xW K’=A Cournot’scher Punkt N xM pM E’ = K’ p = K’ E’ O P Q R S T Tabelle 7-4: Wohlfahrtunterschiede zwischen Monopol und Polypol Polypol Monopol Gewinn/Verlust Konsumentenrente O + P + Q O - P- Q Produzentenrente R + S P + R + P – S Zusammen O + P + Q + R + S O + P + R - (Q + S) 7.3 Monopol 329 Wenn wir die Wohlfahrt anhand der Renten messen, ergeben sich aus Abbildung 7-19 die Wohlfahrtunterschiede zwischen Monopol und Polypol, die in Tabelle 7-4 zusammengestellt sind. Die Fläche Q + S ist ein Maß für den Nettowohlfahrtverlust in der Marktform des Monopols. Grenzen des Vergleichs Ein solcher unmittelbarer Vergleich des Monopols mit einer fiktiven vollständigen Konkurrenz ist jedoch aus mehreren Gründen problematisch. Insbesondere die Annahme, dass die vielen, kleinen Anbieter zusammengenommen denselben Kostenverlauf haben wie der Monopolist allein, ist wenig realistisch. Es ist zweifelhaft, ob z. B. 100 oder 200 kleine Automobilfirmen unter denselben Kostenbedingungen produzieren können wie ein gro- ßes Unternehmen, das alle Vorteile der Serienproduktion ausnutzen kann. Geht man von einem steileren Verlauf der aggregierten Grenzkostenkurve/Angebotskurve bei vollständiger Konkur renz aus, so ist die Differenz zwischen Monopolpreis und Konkurrenzpreis geringer, somit auch der Rentenverlust. Wenn aber die vielen kleinen Automobilunternehmen eine ungünstigere mindestoptimale Betriebsgröße haben als das Monopolunternehmen, wäre es aus der Sicht des einzelnen Anbieters interessant, zu expandieren oder zu fusionieren, um in größeren Serien kostengünstiger anbieten zu können. Aufgrund der Produktionsbedingungen wird ein Konzentrationsprozess einsetzen. In Abhängigkeit von den technischen Produktionsbedingungen wäre dann etwa ein Oligopol die effizientere Marktform. Übung 7-5: Konsumenten- und Produzentenrente im Polypol und Monopol In einem Markt lautet die Nachfrage p = 500 – 2x. Das aggregierte Marktangebot der Polypolanbieter sei p = 50 + 2x. Es entspreche zugleich den Grenzkosten im Monopol. a) Bestimmen Sie das Marktgleichgewicht für den Polypolmarkt. b) Die Polypolisten schließen sich zusammen und bilden bei unveränderten Kostenstrukturen ein Monopol. Wie lautet das Marktgleichgewicht im Monopolmarkt. c) Vergleichen Sie Produzentenrente und Konsumentenrente in den beiden Märkten und bestimmen Sie den Wohlfahrtverlust. Lösung: a) Die Bedingung für das Marktgleichgewicht im Polypol lautet pN = pA. 500 – 2x = 50 + 2x x = 112,5 → p = 500 – 2 ∙ 112,5 = 275 Unter den Bedingungen des Konkurrenzmarktes können 112,5 Mengeneinheiten zum Preis von 275 € abgesetzt werden. b) Die Bedingung für das Gewinnmaximum im Monopolmarkt lautet E‘ = K‘. Der Grenzerlös ist E’ = 500 – 4x. Für die Grenzkosten gilt laut Angabe K’ = 50 + 2x. 500 – 4x = 50 + 2x → x = 75 → p = 500 – 2 ∙ 75 = 350 Der Monopolist setzt einen Preis von 350 € und kann zu diesem Preis 75 Mengeneinheiten absetzen. c) Vergleich von Produzentenrente und Konsumentenrente in den beiden Märkten Polypol Monopol Konsumentenrente Produzentenrente Zusammen ½ (500 – 275) ∙ 112,5 = 12.656,25 ½ (275 – 50) ∙ 112,5 = 12.656,25 25.312,50 ½ (500 – 350) ∙ 75 = 5.625 ½ (200 – 50) ∙ 75 +150 ∙ 75 = 16.875 22.500 Der Wohlfahrtverlust im Monopol beträgt 2812,50. 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen330 7.3.7 Preisdiskriminierung Im vollkommenen Monopol steht der Monopolist vor dem Dilemma, dass er den Preis für alle Konsumenten senken muss, wenn er die Absatzmenge erhöht. Würde es ihm dagegen gelingen, den Preis nur für die jeweils zuletzt abgesetzte Einheit zu senken, könnte er seinen Gewinn steigern. In diesem Fall würde er dasselbe Gut an verschiedene Konsumenten zu unterschiedlichen Preisen verkaufen. Dies bezeichnet man als Preisdiskriminierung. Unter Preisdiskriminierung versteht man den Verkauf der gleichen Ware an verschiedene Käufer zu unterschiedlichen Preisen. Das Verfahren der Preisdiskriminierung besteht darin, die gesamte Preis-Absatz-Funktion so auf die einzelnen Käufer oder Käufergruppen aufzuspalten, dass der Anbieter für die verschiedenen Käufer oder Käufergruppen gleichzeitig verschiedene Preise setzt. Eine derartige Preisdiskriminierung ist natürlich nur durchführbar, wenn eine Kommunikation zwischen den Käufergruppen ausgeschlossen ist: • Es muss unmöglich sein, dass diejenigen Käufer, die einen höheren Preis zahlen wollen oder sollen, in die Gruppe überwechseln, für die ein niedrigerer Preis angesetzt ist. • Es muss aber ebenso unmöglich sein, dass die Käufer der Gruppe mit dem niedrigeren Preis so genannte Arbitragegeschäfte durchführen, indem sie das Gut zum niedrigeren Preis kaufen und den Käufern der höheren Preisgruppe zugänglich machen. Die ökonomische Isolierung von Käufergruppen, die für das gleiche Gut eines Anbieters verschiedene Preise zu zahlen haben, kann auf unterschiedliche Art und Weise erreicht worden. Häufig finden wir, dass Preise nach persönlichen Gesichtspunkten differenziert werden, z. B. nach dem Einkommen oder nach der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe (z. B. niedrigere Eintrittspreise für Jugendliche, Studenten oder Wehrpflichtige). Die räumliche Preisdifferenzierung beobachtet die EU-Kommission für den PKW Markt. Bei ihrer Untersuchung der PKW Preise kommt sie zu dem Ergebnis, dass derselbe Pkw in den verschiedenen Ländern der EU zu unterschiedlichen Preisen angeboten wird. Wir kennen die zeitliche Preisdifferenzierung, wonach dieselbe Ware oder Dienstleistung zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich viel kostet (z. B. Tag- und Nachtstrom). Und schließlich finden wir die sachliche Preisdiskriminierung in unterschiedlichsten Formen. Bei Mengenrabatten ist etwa der Durchschnittspreis je Mengeneinheit umso niedriger, je größer die nachgefragte Menge ist. Zur Systematisierung der verschiedenen Formen der Preisdiskriminierung unterscheidet man die Preisdiskriminierung ersten, zweiten und dritten Grades. 7.3.7.1 Preisdiskriminierung ersten Grades Betrachten wir das Praxisbeispiel 5-3, in dem die experimentelle Ermittlung der Nachfragekurve dargestellt wurde. Es wurde eine CD-ROM mit Statistiksoftware versteigert, und die Interessenten sollten in einer geschlossenen Auktion den Preis nennen, den sie für die CD zu zahlen bereit sind. Sofern der Anbieter nun zusätzlich weiß, welcher Student welchen Preis geboten hat, könnte er jedem Studenten den Preis in Rechnung stellen, den dieser in der Auktion genannt hat. Danach müsste der Student mit dem höchsten Gebot für die CD einen Preis von 19 € zahlen. Die beiden Bieter mit dem zweithöchsten Gebot bekämen die CD für 18 €, der nächste Bieter würde mit einem Preis von 17 € belegt und die weiteren fünf Studenten hätten jeweils einen Preis von 16 € zu zahlen usw. Jeder kaufwillige Student bekommt also die CD genau zu dem Preis, den er in der Auktion geboten hat. Unterstellen wir 7.3 Monopol 331 Grenzkosten für jede CD von 6 €, dann werden alle Studenten mit der CD-ROM beliefert, deren Zahlungsbereitschaft größer/gleich den Grenzkosten ist. Betrachten wir an Hand dieses Beispiels die Wirkung der Preisdiskriminierung ersten Grades und vergleichen sie mit dem vollkommenen Monopol. Unter der Bedingung einer einheitlichen Preissetzung für alle Nachfrager würde der Anbieter entsprechend seiner Bedingung für das Gewinnmaximum einen Preis von 12 € setzen. Zu diesem Preis könnte er insgesamt 21 CDs absetzen. Dies ergibt einen Gesamterlös von 252 €. Nach Abzug der variablen Kosten in Höhe von 126 € beträgt die Produzentenrente 126 €. Unter der Bedingung einer individuellen Preissetzung würde der Monopolist 45 CDs verkaufen, was seinen Umsatz auf 517 € steigen lässt. Die variablen Kosten betragen nun 270 €. Danach verbleibt eine Produzentenrente von 247 €. Perfekte Preisdiskriminierung: Abschöpfen der gesamten Konsumentenrente Als Ergebnis können wir festhalten: Bei perfekter Preisdiskriminierung verkauft der Monopolist jede zusätzlich produzierte Einheit an den Konsumenten, dem sie den höchsten Nutzen stiftet. Der Preis entspricht der maximalen Zahlungsbereitschaft dieses Konsumenten. Mit dieser Strategie gelingt es dem Monopolisten, die gesamte Konsumentenrente abzuschöpfen, gleichzeitig erhöht er seine Angebotsmenge, weil der Grenzerlös jeder zusätzlich verkauften Einheit dem Preis entspricht, zu dem er diese Mengeneinheit verkauft. Somit ist seine Angebotsmenge gleich hoch wie unter den Bedingungen der vollkommenen Konkurrenz. Folglich wird bei perfekter Preisdiskriminierung wie im Polypolfall eine effiziente Ressourcenallokation realisiert, weil die Summe aus Konsumentenrente und Produzentenrente maximal wird. Allerdings ergibt sich unter Verteilungsaspekten ein völlig gegensätzliches Ergebnis. Während bei vollkommener Konkurrenz die Konsumentenrente maximal ist, ist bei perfekter Preisdiskriminierung die Produzentenrente maximal. Sie entspricht in Abbildung 7-20 der Fläche zwischen der Nachfragekurve und der Grenzkos- Abbildung 7-20: Preisdiskriminierung ersten Grades p1 x [Menge] p in € x1 K’ C N xM pM E’ = K’ p = K’ Produzentenrente E’ 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen332 tenkurve. Damit ist die Maximierung der Wohlfahrt auch bei einer Konsumentenrente von Null möglich. Damit perfekte Preisdiskriminierung möglich ist, muss der Monopolist die Zahlungsbereitschaft jedes Konsumenten kennen, er muss in der Lage sein, personenbezogene Preise durchzusetzen und schließlich auch den Verbleib der gelieferten Ware zu kontrollieren. Die Bedingungen sind auf vielen Märkten nicht erfüllt. Individuelle Preissetzung findet jedoch überall dort statt, wo der Preis zwischen Käufer und Verkäufer ausgehandelt wird, wie z. B. auf Flohmärkten, auf einem Basar, bei Auktionen bei Ebay, aber auch im Anlagengeschäft im Industriesektor, im Gebrauchtwagenhandel. So haben Gebrauchtwagenverkäufer eine klare Vorstellung, zu welchem Preis sie einen Pkw gerade noch verkaufen können. Sie können die Käufer aufgrund ihrer Erfahrung gut einschätzen und wissen, in welchem Umfang sie Preiszugeständnisse machen müssen. Die Käufer sind mehr oder weniger geschickt oder hartnäckig in den Preisverhandlungen, so dass die ausgehandelten Preisnachlässe unterschiedlich hoch ausfallen. Insofern reflektiert der vereinbarte Gebrauchtwagenpreis die individuelle Zahlungsbereitschaft des Käufers. 7.3.7.2 Preisdiskriminierung zweiten Grades Sofern eine perfekte Preisdiskriminierung nicht möglich ist, weil die Voraussetzungen dafür nicht gegeben sind, kann der Monopolist mit einer Preisdiskriminierung zweiten Grades die Konsumentenrente ganz oder teilweise abschöpfen. Bei dieser Preisstrategie setzt der Monopolist unterschiedliche Preise in Abhängigkeit von den Verkaufsmengen des Gutes. Diese Form der Preisdiskriminierung finden wir etwa bei Mengenrabatten, wenn bei Abnahme größerer Mengen der Preis pro Mengeneinheit sinkt. Ein weiteres Beispiel sind Telefon, Gas, Strom und Wasser. Hier setzt sich der Preis pro Einheit zusammen aus einer festen Grundgebühr und einer Nutzungs- oder Verbrauchsgebühr je Mengeneinheit. Der Preis pro Mengeneinheit sinkt, je mehr Einheiten ein Haushalt abnimmt. Deshalb bezeichnet man die Preisdiskriminierung zweiten Grades auch als nicht-lineare Preisdiskriminierung. Der Preis eines Gutes nimmt degressiv in Abhängigkeit von der nachgefragten Menge ab. Ein Beispiel dafür ist das so genannte block pricing bei Strom in Abbildung 7-21. Unter den Bedingungen des vollkommenen Monopols würde das Stromunternehmen die Preis- Mengen-Kombination in C realisieren und die gesamte Menge in Höhe von 20 000 KWh zum Preis von 0,15 € absetzen. Nehmen wir nun an, der Stromlieferant betreibe Preisdiskriminierung und verlange für die ersten 10 000 KWh einen Preis von 0,20 € pro Kilowattstunde, für die nächsten 10 000 KWh einen Preis von 0,15 und für weitere 10 000 KWh sinke der Preis auf 0,10 €. Nach diesem Schema wird ein Haushalt mit einer Nachfrage von weniger als 10 000 KWh für jede Kilowattstunde einen Preis von 0,20 € bezahlen. Für Haushalte mit einem Verbrauch von über 10 000 KWh sinkt der Durchschnittspreis. So kostet eine Kilowattstunde bei einem Verbrauch von 15 000 KWh nur noch durchschnittlich 0,1833 € und bei einem Verbrauch von 25 000 KWh durchschnittlich 0,16 € je KWh. Trotz dieses rückläufigen Stückpreises kann der Anbieter seinen Gewinn steigern, indem er einen Teil der Konsumentenrente abschöpft. Gleichzeitig ist es aus der Sicht des Monopolisten gewinnbringend, bei sinkenden Stückkosten eine größere Menge anzubieten als unter den Bedingungen des vollkommenen Monopols. Eine vollkommene Abschöpfung der Konsumentenrente wäre dann möglich, wenn der Anbieter zusätzlich zu diesem Stufentarif eine Grundgebühr verlangt. Die Grundgebühr müsste dann so bemessen werden, dass sie der noch verbleibenden Konsumentenrente entspricht. Damit wäre es dem Monopolisten 7.3 Monopol 333 möglich, durch eine geeignete Gestaltung der Grundgebühr und des Arbeitspreises eine perfekte Preisdiskriminierung bei gleichzeitiger optimaler Ressourcenallokation zu erreichen. Dies gilt allerdings nur unter der einschränkenden Annahme, dass alle Konsumenten identische Nachfragefunktionen haben, was in der Realität nicht der Fall ist, so dass Preisdiskriminierung zweiten Grades in der Regel nicht perfekt ist. Übung 7-6: Preisdiskriminierung Nehmen Sie an, ein Unternehmen habe ein technisch neuartiges Produkt entwickelt, bei dem es als Monopolanbieter am Markt ist. Die Preis-Absatz-Funktion sei p = 500 – 0,2x. Die Produktionskosten lauteten K = 50.000 + 50x + 0,05x² (K’ = 50 + 0,1x). a) Welche Menge zu welchem Preis wird das Unternehmen im reinen Monopol absetzen können? Wie hoch ist seine Produzentenrente? b) Das Unternehmen plane, seine Abnehmer in zwei gleich große Marktsegmente aufzuteilen. Die erste Hälfte der Monopolmenge soll zu einem höheren Preis abgesetzt werden, während die zweite Hälfte zum Monopolpreis angeboten werden soll. Welchen Preis wird der Anbieter setzen und wie ändert sich seine Produzentenrente? c) Wäre es für das Unternehmen lohnend, ein drittes Marktsegment mit einer gleichgroßen Absatzmenge wie in den bisherigen zu etablieren? Welchen Preis müsste der Anbieter in diesem Segment setzen, wenn er zusätzlich 450 Einheiten absetzen will? d) Das Unternehmen überlege sich, das Produkt im Wege einer Auktion über das Internet zu vertreiben und jedem Bieter/Nachfrager seinen gebotenen Preis in Rechnung zu stellen. Welche Menge wird das Unternehmen in diesem Fall absetzen können und wie hoch ist seine Produzentenrente? Lösung: a) Die Bedingung für das Gewinnmaximum im Monopol lautet E’ = K’. 500 – 0,4x = 50 + 0,1x → x = 900 → p = 500 – 0,2 ∙ 900 = 320 Der Monopolist setzt einen Preis von 320 € und kann zu diesem Preis 900 Mengeneinheiten absetzen. b) Segment 1: x1 = 450 → p1 = 500 – 0,2 ∙ 450 = 410 Segment 2: x2 = 900 → p2 = 500 – 0,2 ∙ 900 = 320 Die Produzentenrente steigt gegenüber a) um (410 – 320) ∙ 450 = 40.500. Abbildung 7-21: Preisdiskriminierung zweiten Grades 0,10 x [Menge] p in € 10 000 0,20 K’ C N 0,15 20 000 k 30 000 E’ Produzentenrente 0,05 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen334 c) Segment 3: x3 = 1350 → p3 = 500 – 0,2 ∙ 1350 = 230 Die Produzentenrente steigt als Folge des neuen Marktsegments um ½ [(230 – 140) + (230 – 185)] ∙ 450 = 30.375 Ob der Verkauf des Produkts für das Unternehmen Gewinn bringend ist, hängt aber von der Höhe der Stückkosten ab. Die durchschnittlichen Kosten je Produkteinheit betragen bei einer Produktionsmenge von 1350 Einheiten 158,3 €. Damit erzielt das Unternehmen auch im dritten Marktsegment einen Stückgewinn. d) Wenn jeder Nachfrager seinen gebotenen Preis bezahlt, liegt perfekte Preisdiskriminierung vor. Es können 1500 Einheiten abgesetzt werden. Der Preis, zu dem die letzte Einheit abgesetzt werden kann, ist 200 €. Er entspricht den Grenzkosten. Die Konsumentenrente ist null. Die Produzentenrente entspricht der Fläche zwischen der Nachfragekurve und der Grenzkostenkurve. Die Produzentenrente beträgt ½ (500 – 200) ∙ 1500 + ½ (200 – 50) ∙ 1500 = 337.500. 7.3.7.3 Preisdiskriminierung dritten Grades Die Preisdiskriminierung dritten Grades bezieht sich auf die Identifikation unterschiedlicher Käufergruppen mit unterschiedlichen Nachfragekurven. Die Gruppen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Zahlungsbereitschaft. Von jeder Gruppe verlangt der Anbieter einen unterschiedlichen Preis, innerhalb einer Gruppe zahlt jeder Konsument denselben Preis. Voraussetzung für diese Form der Preisdiskriminierung ist, dass ein Wechsel von der Käufergruppe mit dem höheren Preis in eine Käufergruppe mit einem niedrigeren Preis nicht möglich ist beziehungsweise Arbitragegeschäfte ausgeschlossen sind. Diese Form der Preisdiskriminierung dürfte wohl am häufigsten vorkommen. Beispiele dafür sind unterschiedliche Preise oder Tarife für verschiedene Bevölkerungsgruppen wie etwa Studenten, Senioren oder Kinder bei Eintrittsgeldern ins Theater, in Museen oder Kinos usw. Bei den Pkw Preisen stellen wir unterschiedliche Preise bei demselben Modell zwischen den Ländern der EU fest, wobei die Preisunterschiede höher sind als die Transportkosten. Unternehmen vertreiben dieselben Produkte einmal unter ihrem Markennamen im klassischen Handel und als No-Name-Produkte bei Diskountern. Fluggesellschaften verlangen unterschiedlich hohe Flugpreise für Geschäftsreisen und Urlaubsreisen. Außerdem differenzieren sie ihre Preise danach, wie früh jemand eine Reise bucht. Gewinnmaximierung bei Preisdiskriminierung dritten Grades erfordert, dass der Anbieter bei seiner Entscheidung über die Höhe des Preises der unterschiedlichen Preiselastizität der Nachfrage Rechnung trägt. Wie wir in Abschnitt 7.3.4 gesehen haben, hängt der Preisaufschlag des Monopolisten auf die Grenzkosten von der Preiselastizität der Nachfrage im jeweiligen Marktsegment ab. Wenn also etwa VW oder Opel ihre Pkws in den Niederlanden oder in Dänemark zu niedrigeren Preisen verkaufen als in Deutschland, so kann dies damit zusammenhängen, dass die Nachfrage nach Pkw in diesen Ländern preiselastischer ist als in Deutschland. Ein Unternehmen, das Preisdiskriminierung dritten Grades betreibt, muss folglich für die Gewinnmaximierung zwei Bedingungen erfüllen: Erste Bedingung für das Gewinnmaximum ist, dass die Grenzerlöse in den betrachteten Marktsegmenten gleich hoch sind. Würde es etwa im Marktsegment A einen höheren Grenzerlös erzielen als im Marktsegment B, wäre es lohnend, die Angebotsmenge im Markt B einzuschränken und entsprechend im Markt A auszuweiten. Dadurch wird sich der Gesamterlös des Unternehmens verbessern. Zweite Bedingung für das Gewinnmaximum ist, dass die Bedingung „Grenzerlös 7.3 Monopol 335 = Grenzkosten“ auf jeden Teilmarkt erfüllt sein muss, so dass als Bedingung für das Gewinnmaximum zusammengenommen gilt: ' ' ' A B CE E E .... K' In der Abbildung 7-22 ist die Preisdifferenzierung dritten Grades grafisch dargestellt. NA und NB sind die Preis-Absatz-Funktionen, denen sich der Monopolist auf den Teilmärkten A und B gegenüber sieht. 'EA und 'EB sind die Grenzerlöskurven und K’ die Grenzkosten, die bei der Produktion einer zusätzliche Einheit anfallen. Sie sind unabhängig von den Teilmärkten, in die die Ware geliefert wird. Der Monopolist maximiert seinen Gewinn, wenn er auf jedem Teilmarkt nach der „Grenzkosten = Grenzerlös“-Regel verfährt und die Preis- Mengenkombination des Cournot‘schen Punktes in jedem Teilmarkt realisiert. Aufgrund der höheren Preiselastizität der Nachfrage wird der Monopolist im Teilmarkt A einen geringeren Preis verlangen können als auf den Teilmarkt B. So ist z. B. die Preiselastizität der Studenten bei Zeitungsabos höher als die anderer Zeitungsleser, was die Verlage veranlasst, den Studenten Rabatte einzuräumen. Praxisbeispiel 7-2: Automobilpreise in der Europäischen Union Die EU-Kommission16 beobachtete bis 2011 laufend die Entwicklung der Automobilpreise, um zu erkennen, inwieweit es im Binnenmarkt zu einer Angleichung der Kfz Preise kommt. In ihrem Bericht für das Jahr 2011 stellt die Kommission fest, dass die Preiskonvergenz in der EU insgesamt weiter voranschreitet, während Preisunterschiede vor allem in der Euro-Zone stabil sind. Im Durchschnitt ging die Standardabweichung in der EU von 8,5 % auf 8,2 % zurück, während sie in der Eurozone unverändert bei 6,5 % lag. Nach der Untersuchung der Kommission ist Deutschland nach wie vor der teuerste Markt in der EU mit Listenpreisen von 7,7 % über dem Durchschnitt der Eurozone. Es folgen Luxemburg, Österreich und Frankreich mit Preisen von 7,0 %, 4,8 und 4,3 % über dem Durchschnitt des Euroraumes. Innerhalb der Eurozone war Griechenland das billigste Land mit Vorsteuer-Listenpreisen von 5,6 % unter dem Durchschnitt der Euroländer. Es hat Malta abgelöst, das jetzt nach Slowenien 16 European Commission, DG Competition, Car prices within the European Union at 1 January 2011, http:// ec.europa.eu/ competition/sectors/motor_vehicles/prices/report.html, Download am 30.9.2013 Abbildung 7-22: Preisdiskriminierung dritten Grades pA x [Menge] NA xB CA K’ ' AE ' BE xA pB Preis x [Menge] Preis NB CB K’ Teilmarkt A Teilmarkt B 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen336 (–4,8 %) der drittbilligste Markt ist (4,6 % unter dem Durchschnitt der Eurozone). Innerhalb der EU insgesamt ist Dänemark das Land mit den niedrigsten Listenpreisen, gefolgt von Großbritannien und Schweden. Tabelle 7-5: Vorsteuerpreise ausgewählter Pkw Modelle in der EU 2011 Modell Euro-Zone Nicht-Euro-Zone Land mit dem … Preis Differenz (%) Land mit dem … Preis Differenz (%)niedrigsten höchsten niedrigsten höchsten Fiat Panda SI DE 43,9 HU LV 62,2 Ford Focus FI BE/LU 23,8 HU UK 15,7 Honda Civic MT AT 37,9 DK UK 24,5 Nissan Note SI AT 40,5 HU RO 42,7 Opel Corsa SI AT 33,7 HU SE 42,4 Peugeot 308 MT FR 36,1 HU UK 18,7 Renault Megane SK FR 30,3 RO SE 18,5 Toyota Auris SK PT 46,9 DK SE 18,3 VW Golf FI BE 24,4 LT/LV SE 21,2 Die Vorsteuerpreise für Kraftfahrzeuge weisen zwischen den einzelnen Ländern erhebliche Unterschiede auf und betragen häufig 1/5 bis 1/4 des Vorsteuerpreises des günstigsten Landes. Eine Ursache für diese Preisunterschiede sind einmal unterschiedlich hohen Mehrwert- und Verbrauchssteuern auf Kfz. Hohe Steuerbelastungen, wie wir sie zum Beispiel in Dänemark haben, zwingen Hersteller, ihre Vorsteuerpreise zu senken, wenn sie verhindern wollen, dass es im gro- ßen Umfang zu Parallelimporten aus anderen Mitgliedstaaten mit niedrigeren Preisen kommt. Wie aus Abbildung 7-22 deutlich wird, spielt die unterschiedliche Preiselastizität der Nachfrage eine Rolle für Preisunterschiede. So ist etwa das hohe Preisniveau in Deutschland sicherlich auch ein Ausdruck dafür, dass deutschen Autofahrern ihr Fahrzeug „lieb und teuer“ ist. Der Besitz eines Pkws befriedigt über die Mobilität hinaus weitere emotionale Bedürfnisse, so dass Präferenzen entstehen, die zu einer relativ unelastischen Nachfrage führen. Dies ermöglicht es den Herstellern, in Deutschland höhere Preise durchzusetzen als in Ländern mit vergleichsweise elastischer Nachfrage. So sind etwa viele Fahrzeugmodelle deutscher Hersteller in den Niederlanden oder in Italien billiger zu haben als in Deutschland, so dass deutsche Verbraucher selbst unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer beim Kauf im Ausland in erheblichem Umfang sparen können. Als Folge der Liberalisierung des PKW Marktes in der EU hat sich in Deutschland zwar ein Handel mit Reimporten herausgebildet, allerdings ist das Volumen zu gering, um echte Tendenzen für eine Angleichung der Preise in Gang zu setzen. Die EU-Kommission wird den Car Price Report nicht fortsetzen, weil sich aus ihrer Sicht die Wettbewerbssituation im Automobilmarkt aufgrund von wettbewerbspolitischen Maßnahmen und der zunehmenden Verfügbarkeit von Preisinformationen im Internet verbessert hat. 7.3 Monopol 337 7.3.8 Entstehung und Stabilität vom Monopolen Die Entstehung und der Bestand von Monopolstellungen hängen davon ab, ob es einem Unternehmen gelingt, über künstliche, technische oder gesetzliche Marktzutrittsbeschränkungen potenzielle Wettbewerber von einem Eintritt in den Markt fernzuhalten. Der einfachste Weg zum Monopol besteht für ein Unternehmen darin, dass es einen wichtigen Inputfaktor bzw. einen Schlüsselrohstoff unter seine Kontrolle bringt. Ein klassisches Beispiel dafür ist das südafrikanische Unternehmen DeBeers, das rund 80 % der weltweiten Diamantenproduktion kontrolliert. Damit ist die Marktstellung DeBeers groß genug, um den Markt maßgeblich bestimmen zu können. Der Einfluss der übrigen Anbieter ist begrenzt, so dass sie die Entscheidungen DeBeers nicht nachhaltig tangieren können. Durch aufwändige Werbung versucht DeBeers außerdem, Diamanten als einzigartige Edelsteine im Bewusstsein der Verbraucher zu positionieren („Diamonds are forever“). In dem Umfang, in dem dies gelingt, sind andere Edelsteine, wie z. B. Rubine oder Saphire, keine oder nur unvollkommene Substitute für Diamanten, wodurch die Marktmacht von DeBeers steigt. Ein Monopol, das auf der ausschließlichen Kontrolle eines Inputfaktors beruht, ist folglich solange stabil, solange der Monopolist den Inputfaktor maßgeblich kontrollieren kann und solange keine Substitute vorhanden sind, um diesen Inputfaktor zu ersetzen. Ein weiterer wesentlicher Grund für die Entstehung von Monopolstellungen ist der Staat. In aus seiner Sicht wichtigen Bereichen hat der Staat Monopolstellungen sanktioniert und Monopolunternehmen lange Zeit selbst betrieben. Beispiele dafür sind Post, Telefondienste, Bahn, Airlines sowie die klassischen staatlichen Aufgaben in den Bereichen Justiz, innere Sicherheit, Bildung, Erziehung und Gesundheit. Darüber hinaus gelingt es Interessengruppen, sich Monopolrenten zu sichern, indem sie mithilfe des Staates Marktzutrittsschranken errichten bzw. aufgrund gesetzlicher Vorschriften den Marktzutritt kontrollieren. Beispiele dafür sind etwa Schutzzölle, Normen und Sicherheitsstandards. Hierher gehören aber auch Taxis, für die eine Lizenz erforderlich ist, oder Berufsgruppen, bei denen die Zulassung mit Kammerprüfungen und/oder mit einer öffentlichen Bestellung verbunden sind (z. B. Steuerberater, Notare), sowie Berufe, denen der Staat eine Überwachungsfunktion im Interesse der öffentlichen Sicherheit übertragen hat (z. B. Schornsteinfeger, technische Überwachung). Obwohl in all diesen Fällen kein reines Monopol vorliegt, kommt es in den genannten Bereichen zu einem Streben nach zusätzlichen Renten (Rent Seeking). Darunter versteht man das Bestreben, den Transfer von Konsumentenrente auf die Produzenten möglichst groß zu machen. Das Streben nach Renten kann dadurch erfolgen, dass man versucht, durch Lobbying und Einflussnahme auf Politik oder Administration, mit Hilfe von Spenden oder über Publikationen in Medien die Ergebnisse politischer Entscheidungen in seinem eigenen Interesse zu steuern. Das Streben nach Renten kann aber auch darin bestehen, dass man als Zugang zu einem staatlich regulierten Markt eine Lizenz erwerben muss. Hat der Staat sämtliche Lizenzen ausgegeben, ist ein Marktzugang nur möglich, wenn man die Lizenz einem anderen Lizenzinhaber abkauft. Ein Beispiel dafür ist die Taxilizenz, die man von einem ausscheidenden Taxifahrer erwirbt. Beide Formen des Rent Seeking sind mit erheblichen Kosten verbunden. Unternehmen und Interessengruppen, die Rent Seeking betreiben, werden daher die mit den Rent-Seeking- Aktivitäten verbundenen Kosten in Relation setzen zu den zusätzlichen Gewinnen an Produzentenrente. Dabei ist es denkbar, dass die ganze Produzentenrente durch die Kosten des Rent Seeking ausgeschöpft wird. Damit ist das Streben nach Renten langfristig noch ineffizienter als das reine Monopol, weil im Extremfall die gesamte Produzentenrente als Kosten für Rent Seeking ausgegeben wird. 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen338 Eine weitere Form staatlich geschützter Monopole entsteht durch den Patent- und Lizenzschutz. Mit der Patentierung einer Erfindung erhält der Patentinhaber ein Monopol auf Zeit. Damit soll dem Unternehmen die Möglichkeit gegeben werden, die Erträge aus dem Patent für die Dauer der Patentlaufzeit selbst zu nutzen. Zwar hat jedes Unternehmen, das innovative Produkte auf den Markt bringt oder innovative Produktionstechniken einsetzt, einen monopolistischen Vorsprung. Damit ist aber nicht sichergestellt, dass der innovative Vorsprung lange genug anhält, um den hohen Entwicklungsaufwand der Vergangenheit wieder herein zu bekommen. Kopien und Nachbauten könnten die monopolistische Marktstellung gefährden. Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten wären damit häufig mit nicht kalkulierbaren Risiken verbunden. Durch den Patentschutz sollen die Risiken für Forschung und Entwicklung gesenkt und ein verstärkter Anreiz für Innovationen geschaffen werden. Den sozialen Kosten und Ineffizienzen einer monopolistischen Marktstellung müssen die gesellschaftlichen Nutzen des technischen Fortschritts gegenübergestellt worden. Gleichzeitig muss mit der Patentanmeldung die Technologie der Erfindung offen gelegt werden. Dies ist wieder ein Anreiz für Wettbewerber, alternative Technologien zu entwickeln und das Patentunternehmen in seiner Monopolstellung herauszufordern. Dies erhöht das Innovationstempo weiter und fördert den Diffusionsprozess neuer Technologien als ein wichtiger Motor für wirtschaftliches Wachstum. Eine vierte Begründung für die Entstehung von Monopolen ist die Technologie. Die technologische Überlegenheit von Monopolen liegt in der Realisierung von Economies of Scale and Scope. Steigende Skalenerträge und effizientere Produktionsverfahren führen zu sinkenden Stückkosten der Produktion (Economies of Scale). Economies of Scope entstehen, wenn ein Mehrproduktunternehmen spezifische Inputs in gleicher Weise für die Produktion mehrerer Güter nutzen kann, so dass die Stückkosten bei der Produktion jedes dieser Güter abnehmen. Natürliches Monopol infolge Stückkostendegression Sinkende Stückkosten führen zu einem natürlichen Monopol, wenn ein einziges Unternehmen in einer Industrie die gesamte Marktnachfrage zu niedrigeren Stückkosten bereitstellen kann als zwei oder mehr Unternehmen. Ursache für langfristig fallende Stückkosten sind steigende Skalenerträge der Produktion oder hohe Fixkosten beim Markteintritt, die häufig als Sunk Costs wie Markteintrittsbarrieren wirken. So müsste etwa die Netzinfrastruktur bei Strom, Gas, Wasser oder Bahn von jedem Anbieter vorgehalten werden, so dass das Risiko des Markteintritts für potentielle Konkurrenten sehr hoch ist, da die Sunk Costs bei einem späteren Marktaustritt nicht gedeckt werden können. In jedem Fall sind die Durchschnittskosten der Bereitstellung von Wasser oder Gas durch einen Anbieter niedriger, als wenn zwei Anbieter mit jeweils gleich hohen Fixkosten ein Gebiet beliefern würden. Somit ergibt sich im Fall des natürlichen Monopols ein Konflikt, weil bei nur einem produzierenden Unternehmen die Stückkosten minimal sind, andererseits der Monopolist aber bei Gewinnmaximierung eine Preis-Mengenkombination realisiert, die eine ineffiziente Ressourcenallokation darstellt. Die Überlegungen sind in Abbildung 7-23 dargestellt. Aufgrund der hohen Fixkosten sinken die Durchschnittskosten im gesamten relevanten Bereich. Damit sind die Produktionskosten bei nur einem Anbieter immer niedriger als die Produktionskosten mehrerer Anbieter. Wäre etwa die Menge xk die relevante Marktgröße, dann hätten zwei Unternehmen, von denen jedes die Hälfte des Marktes beliefert, jeweils für sich höhere Stückkosten als ein einzelnes Unternehmen. Diesen Sachverhalt bezeichnet man als Subadditivität der Kos- 7.3 Monopol 339 tenfunktionen. Bei jeder Produktionsmenge sind die Kosten zweier oder mehrerer Anbieter zusammengenommen höher als die Produktionskosten eines einzelnen Unternehmens. Möglichkeiten der Preissetzung und Regulierung im natürlichen Monopol Im natürlichen Monopol mit konstanten Grenzkosten bestehen mehrere Möglichkeiten der Preissetzung. Ohne staatliche Regulierung wird sich der natürliche Monopolist genauso verhalten wie ein Anbieter im vollkommenen Monopol. Er maximiert seinen Gewinn, indem er gemäß der „Grenzerlös = Grenzkosten“-Regel den Preis pM setzt und zu diesem Preis die Menge xM absetzt. Das Marktergebnis ist gesamtwirtschaftlich ineffizient, weil die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten bei dieser Menge xM noch höher ist als die Grenzkosten der Produktion. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, ein natürliches Monopol staatlich zu regulieren. Vorausgesetzt, die Regulierungsbehörde hat hinreichend genaue Informationen über Nachfrage und Kosten des Unternehmens, könnte sie die Wohlfahrt maximieren und den Monopolisten auffordern, sich wie ein Wettbewerbsunternehmen zu verhalten. Würde der Anbieter entsprechend der „Preis = Grenzkosten“-Regel verfahren, würde er die Menge xW zum Preis pW bereitstellen. Das Ergebnis wäre eine effiziente Allokation, die Konsumentenrente wäre maximal. Da aber die Produzentenrente Null ist, erwirtschaftet der Monopolist einen Verlust, weil zum Preis pW nur seine variablen Kosten gedeckt sind. Es entsteht ein Verlust pro Stück in Höhe von k – pW bei der Menge xW. Da kein Unternehmen dauerhaft Verluste tragen kann, müsste dem Monopolisten als Verlustausgleich entweder eine Subvention gezahlt werden, oder er müsste die Möglichkeit bekommen, die Fixkosten durch die Erhebung einer Grundgebühr auf die Konsumenten umzulegen, was bei unterschiedlichen Nachfragemengen der Konsumenten im Ergebnis eine Preisdiskriminierung zweiten Grades bedeutet. Bei beiden Lösungsansätzen kommt es jedoch im Normalfall zu Wohlfahrtverlusten. Diese müssten gegebenenfalls mit den Wohlfahrtsgewinnen der verbesserten Ressourcenallokation verrechnet werden. Um die Problematik des Verlustausgleichs und der Subventionierung zu umgehen, aber auch vor dem Hintergrund, dass Aufsichtsbehörden keine vollständige Information haben, kommt in der Praxis häufig eine zweitbeste Lösung zu Anwendung, nämlich die Abbildung 7-23: Das natürliche Monopol mit konstanten Grenzkosten K’ N k pW xW Cournot’scher Punkt xM pM E’ = K’ p = K’ pk xk p = k E’ x [Menge] Preis 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen340 Preissetzung nach Durchschnittskosten. Ein Preis pk ermöglicht dem Unternehmen die volle Kostendeckung einschließlich der Erwirtschaftung eines normalen Gewinns, da die Stückkosten eine angemessene Kapitalverzinsung und Entlohnung der unternehmerischen Leistung beinhalten. Das Ergebnis ist im Vergleich zur Wettbewerbslösung suboptimal, gleichwohl gegenüber der unregulierten Gewinnmaximierung vorzuziehen. Allerdings sind auch die Stückkosten nicht unmittelbar bekannt. Daher verwenden Genehmigungsbehörden zur Bestimmung des Preises die variablen Stückkosten, ergänzt um einen Aufschlag, der die Deckung der Fixkosten und einen angemessenen Gewinn gewährleisten soll. Natürliche Monopole werden mit technologischen Gründen in Verbindung gebracht. Monopolistische Marktpositionen können jedoch auch dadurch zu Stande kommen, dass sich aufgrund positiver externer Konsumexternalitäten Produkte zu Quasi-Standards entwickeln, und ein Unternehmen so eine marktbeherrschende Stellung erreicht. Beispiele dafür sind das Betriebssystem Windows oder das Office Paket von Microsoft. Aus der Sicht der Konsumenten stiften solche Netzwerkgüter einen umso höheren Nutzen, je mehr andere Konsumenten das Produkt verwenden17. So erfreut sich das Auktionshaus Ebay deswegen so großer Beliebtheit, weil dort viele unterschiedliche Produkte angeboten werden und gleichzeitig in der Regel zahlreiche Verkäufer gleiche oder ähnliche Produkte anbieten und aus der Sicht der Verkäufer immer eine größere Anzahl von Bietern vorhanden ist. Andere Anbieter von Auktionsplattformen haben es dagegen schwer, auf eine kritische Masse an Käufern und Verkäufern zu kommen, um aus der Sicht der Auktionsteilnehmer attraktiv genug zu sein. Im Grunde ergeben sich in diesen Fällen ähnliche Marktergebnisse und Probleme, so dass auch bei diesen Monopolstellungen eine laufende Wettbewerbsaufsicht erforderlich ist. Kartelle: Zusammenschlüsse von Unternehmen, um den Wettbewerb auszuschalten Schließlich können Monopole auch dadurch entstehen, dass sich die im Markt befindlichen Unternehmen zusammenschließen, um den Wettbewerb auszuschließen. Im Falle einer Fusion ergeben sich dieselben Probleme wie bei einem gewöhnlichen Monopol. Es wäre aber auch denkbar, dass die Unternehmen in einem Markt Absprachen treffen und sich wie ein Monopolist verhalten. Dann spricht man von einem Kartell. Man versteht darunter alle mündlichen oder vertraglichen Vereinbarungen zwischen Unternehmen mit dem Ziel, unter Ausschaltung des Wettbewerbs höhere Preise durchzusetzen und die Gewinne der beteiligten Unternehmen zu steigern. Wenn sich Unternehmen zu einem Kartell zusammenschließen, muss sich das Kartell wie ein einziges Monopolunternehmen verhalten, das den Gewinn der gesamten Industrie maximiert. Zur Analyse des Verhaltens eines Kartells und der Kartellmitglieder in Abbildung 7-24 gehen wir zunächst von einem Wettbewerbsmarkt aus, in dem sich die beteiligten Unternehmen polypolistisch verhalten. Im langfristigen Marktgleichgewicht ergibt sich der Marktpreis pW im Schnittpunkt von Angebot und Nachfrage. Insgesamt wird die Menge XW umgesetzt. Das repräsentative Unternehmen i realisiert sein langfristiges Unternehmensgleich gewicht und produziert gemäß der „Preis = Grenzkosten“ Regel im Betriebsoptimum die Menge xW. Nun schließen sich die Unternehmen dieser Industrie zu einem Kartell zusammen. Die Kartellführung verhält sich als Monopolist und betrachtet die Nachfragefunktion als die relevante Preis-Absatz-Funktion. Die Grenzkostenkurven der Kartellmitglieder ergeben 17 Vergleiche zu den Netzwerkeffekten die Ausführungen in Abschnitt 5.3.8. 7.3 Monopol 341 zusammengefasst die Grenzkosten des Kartells. Aus der Bedingung für das Gewinnmaximum E’ = K’ ergibt sich der Kartellpreis pM. Zu diesem Preis kann das Kartell nur noch die kleinere Menge XM absetzen. Jedes einzelne Kartellmitglied muss nun ebenfalls seine Produktionsmenge einschränken, und es maximiert seinen Gewinn, wenn es die Menge produziert, bei der die Grenzkosten mit dem Grenzerlös zum Ausgleich gebracht werden. Das repräsentative Unternehmen i wird folglich die Menge xM anbieten und erzielt dabei den Gewinn G in Höhe des grauen Rechtecks. Kartelle sind von zwei Seiten bedroht, von der Durchsetzung bzw. Nichteinhaltung der Produktionsquoten bei einzelnen Kartellmitgliedern und vom Markteintritt neuer Anbieter. Infolge der Kartellierung produziert jedes Mitglied eine geringere Menge, als es produzieren könnte. Innerhalb der Kartellunternehmen entstehen Überkapazitäten. Tatsächlich könnte ein einzelnes Kartellunternehmen seinen Gewinn vergrößern, wenn es heimlich seine Produktionsmenge ausdehnt, solange der Preis pM höher ist als seine Grenzkosten. Wenn ein Kartellmitglied heimlich entsprechend der Regel pM = K’ verfährt, produziert es die Menge xG und steigert seinen Gewinn in Höhe der schraffierten Fläche G‘. Allerdings kann es nur die Menge xM offiziell über das Kartell absetzen. Die Überschussmenge xG – xM verkauft es am so genannten Graumarkt. Solange nur ein einzelnes Unternehmen so verfährt, wird der Preis am grauen Markt dem Kartellpreis entsprechen. Je mehr Unternehmen aber die Kartelldisziplin verlassen, umso stärker wird der Preis am Graumarkt sinken. Würden alle Unternehmen die zu große Menge xG produzieren, entstünde ein Angebotsüberschuss in Höhe von XG – XM. Sofern der offizielle Kartellpreis überhaupt noch durchgesetzt werden kann, kann dieses Überschussangebot nur zum Preis pG abgesetzt werden. Kollektiv wäre dieses Verhalten kontraproduktiv, weil die Unternehmen dann an den Graumärkten Verluste erzielten, die die Kartellgewinne aufzehren würden. Eine zweite Bedrohung des Kartells kommt von Markteintritten neuer Anbieter und solchen Unternehmen, die dem Kartell nicht beigetreten sind. Bestehende Unternehmen, die nicht der Kartelldisziplin unterliegen, können bei steigenden Marktpreisen ihr Angebot ausdehnen. Als Folge der Kartellierung entstehen in der Branche Gewinne, die bei offenen Märkten ein Signal für den Markteintritt neuer Anbieter darstellen. Das zusätzliche Angebot Abbildung 7-24: Verhalten eines Kartells und der Kartellmitglieder X [in Mio.] A = K’ des Kartells C N pW Preis XWXM pM E’ = K’ Preis pM x [in 1000] Kartellunternehmen i xW xGxM K’ k XG B pG pM = K’ G E’ = K’ Gesamtmarkt G’ E’ pW = K’ N = A pW 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen342 führt zu sinkenden Marktpreisen, die schließlich zum Zusammenbruch des Kartells führen. Daher besteht ein starker Anreiz für die Kartellführung, den Marktzutritt zu unterbinden. Sie wird versuchen, durch Aktivitäten des Rent Seeking administrative Marktzugangsbeschränkungen zu errichten. Ein wichtiges Instrument dazu war in der Vergangenheit häufig die Errichtung von Schutzzöllen. Das Dilemma eines Kartells besteht somit in einem Konflikt zwischen den Interessen des Kartells und den Interessen des einzelnen Kartellmitglieds. Halten alle Kartellmitglieder den Preis und die Produktionsquoten ein, erzielt jedes Mitglied einen Monopolgewinn. Sie stellen sich besser als in einem Wettbewerbsmarkt. Das einzelne Unternehmen könnte sich jedoch besser stellen, wenn es dem Kartell nicht beitritt, sondern den Kartellpreis unterbietet und damit einen größeren Teil der Nachfrage auf sich zieht. Wenn es dagegen dem Kartell beitritt, könnte es sich besser stellen, wenn es heimlich seine Produktionsquote ausdehnt und dadurch zusätzliche Gewinne erzielt. Wenn aber alle Unternehmen sich so verhalten, werden sie sich schlechter stellen, als wenn sie die Kartellquoten eingehalten hätten. 7.3.9 Ansatzpunkte staatlicher Wettbewerbspolitik Aufgrund der unterschiedlichen Ursachen, die zum Aufbau monopolistischer Marktstellungen führen, hat der Staat unterschiedliche Eingriffsbereiche. Als ein wichtiger Ansatzpunkt zur Förderung des Wettbewerbs und zur Bekämpfung des Rent Seeking kann der Staat, wo immer möglich, Märkte deregulieren, Marktzutrittsschranken abbauen und den Außenhandel liberalisieren. Häufig haben Unternehmen in geschlossenen nationalen Märkten eine erhebliche Machtstellung, während sie bei offenen Märkten einem intensiven internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind. Durch Abbau von Zöllen und anderen nichttarifären Handelshemmnissen lassen sich monopolistische Marktstellungen abbauen. Durch Öffnung der Märkte für neue Anbieter wird der Wettbewerb intensiviert. So hat die Öffnung des Festnetzes der Telekom für neue Anbieter den Wettbewerb erheblich gefördert und positive Wohlfahrtwirkungen durch niedrigere Preise bewirkt. Zweiter Bereich für staatliches Handeln ist der Schutz des Wettbewerbs durch die Wettbewerbspolitik. Da der Wettbewerb aus der Sicht der Unternehmen eine ständige Herausforderung an das eigene Bestehen darstellt, besteht in einer Marktwirtschaft von Seiten der Unternehmen die Tendenz, den Wettbewerb auszuschalten. Durch gesetzliche Regelungen kann der Staat den Wettbewerb aufrechterhalten, indem er Kartelle verbietet und Fusionen unter Genehmigungsvorbehalt stellt. Kartellverbot, Fusionskontrolle und Missbrauchsaufsicht über marktbeherrschende Unternehmen, wie sie im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen18 enthalten sind, sollen dem Aufbau marktbeherrschender Marktstellungen entgegenwirken und/oder die missbräuchliche Ausnutzug von Marktmacht unterbinden. Mit dem Abbau und der Bestrafung von Wettbewerbsbeschränkungen, mit Kooperationserleichterungen für kleinere und mittlere Unternehmen sowie mit der Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs soll die Steuerungsfunktion des Marktes verbessert werden. 18 Zu den Instrumenten der Wettbewerbspolitik in der Bundesrepublik siehe Praxisbeispiel 3-1. 7.3 Monopol 343 Praxisbeispiel 7-3: Verfahren der EU-Kommission gegen Microsoft Die Europäische Kommission19 hat am 31.7.2000 entschieden, ein formelles Prüfverfahren gegen die Firma Microsoft zu eröffnen, weil sie angeblich ihre marktbeherrschende Stellung bei PC- Betriebssystemen ausnutzt, um diese Position auch auf den Markt für Server-Software auszuweiten. Die Kommission verfügte über Hinweise, dass Microsoft der Verpflichtung zur Offenlegung ausreichender Interface-Informationen über das PC-Betriebssystem nicht nachgekommen sei und Informationen an Wettbewerber nur auf diskriminierende Weise weitergegeben bzw. sich geweigert habe, Wettbewerbern Interface-Informationen zur Verfügung zu stellen. Ohne diese Informationen hätten alternative Server-Software-Anbieter keine Möglichkeit, mit Microsoftprodukten auf rein technischer Grundlage den Wettbewerb aufzunehmen. Im Jahr 2001 erweiterte die EU-Kommission ihre Untersuchung auf das bundling des Media Players. Sie ist der Auffassung, dass Microsoft mit der Kopplung des Media Players an sein Betriebssystem Windows rechtswidrig gehandelt hätte. Die Produkte der Wettbewerber würden dadurch benachteiligt, was weder mit ihren Preisen noch ihrer Qualität in einem Zusammenhang stehe. Am 24.3.2004 kam die Kommission zu dem Schluss, dass das US-amerikanische Software-Unternehmen Microsoft Corporation wegen Missbrauchs seines Quasi-Monopols bei PC-Betriebssystemen gegen die EG-Wettbewerbsregeln verstieß. Microsoft habe seine Marktmacht missbraucht, • indem es bewusst die Dialogfähigkeit zwischen dem Windows Betriebssystem für PCs und nicht von Microsoft stammenden Arbeitsgruppenservern einschränkte und • indem es seinen keineswegs konkurrenzlosen Windows Media Player (WMP) an das allgegenwärtige Windows-Betriebssystem koppelte. Um wieder faire Wettbewerbsbedingungen herzustellen, ordnete die Kommission folgende Abhilfemaßnahmen an: • Binnen 120 Tagen muss Microsoft die vollständigen und genauen Schnittstellenspezifikationen offen legen, damit nicht von Microsoft stammende Arbeitsgruppenserver uneingeschränkt mit Windows-PCs und -Servern kommunizieren können. • Binnen 90 Tagen muss Microsoft den PC-Herstellern als Alternative eine Version des PC- Betriebssystems Windows ohne WMP anbieten. Wegen dieser äußerst gravierenden Missbrauchshandlungen über einen Zeitraum von fünfeinhalb Jahren verhängte die Kommission eine Geldbuße von 497,2 Mio. €. Microsoft klagte gegen die Entscheidung der Kommission beim Europäischen Gerichtshof. Daraufhin wurden die im März 2004 auferlegten Bedingungen ausgesetzt. Das Gericht wies in erster Instanz die Klage von Microsoft am 22. September 2004 ab. Um sicherzustellen, dass der Entscheidung innerhalb der vorgeschriebenen Fristen Folge geleistet wird, ernannte die Kommission einen Überwachungsbeauftragten. Er sollte beurteilen, ob Microsoft die Protokollspezifikationen vollständig und tatsachengetreu offen legt und ob der Konzern diese unter angemessenen und nicht diskriminierenden Bedingungen zur Verfügung stellt. Bezüglich der Kopplung sollte er prüfen, ob Microsoft sich an die Auflage hält. In zwei Berichten kam der Überwachungsbeauftragte zu der Auffassung, dass die von Microsoft gelieferten Spezifikationen für die Interoperabilität unvollständig und ungenau wären. Daraufhin forderte die Kommission am 10. November 2005 Microsoft auf, bis 15. Dezember 2005 19 Vgl. zum folgenden Europäische Kommission, Kommission schließt Untersuchung gegen Microsoft mit Abhilfemaßnahmen und Geldbuße ab, Pressemitteilung IP/05/1215, http://europa.eu.int/rapid/ pressReleasesAction.do?reference=IP/05/1215&format=DOC&aged=1&language=DE&guiLangua-g e=en, Download am 31.1.2006, dies., Kommission droht Microsoft Geldbußen wegen Nichtbefolgung ihrer Entscheidung aus dem Jahr 2004 an, Pressemitteilung IP/05/1695, http://europa.eu.int/rapid/ pressReleasesAction.do?reference=IP/05/1695&format=HTML&aged=0&language=EN&guiLangu age=fr, Download am 31.1.2006, dies., Kartellrecht: Kommission verhängt Zwangsgeld in Höhe von 899 Mio. EUR gegen Microsoft wegen Nichteinhaltung ihrer Entscheidung vom März 2004, Pressemitteilung IP/08/318, http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/08/318& form at=HTML&aged=1&language=DE&guiLanguage=en, Download am 27.03.2011. Der Fall Microsoft ist auf der folgenden Seite der EU-Kommission ausführlich dokumentiert: http://ec.europa.eu/ competition/sectors/ICT/microsoft/index.html vom 28.03.2011 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen344 folgende Bedingungen zu erfüllen: (i) vollständige und genaue Angaben zur Interoperabilität zu liefern und (ii) diese Angaben zu angemessenen Bedingungen verfügbar zu machen, andernfalls würde ein Zwangsgeld von 2 Mio. € täglich festgesetzt. Daraufhin überarbeitete Microsoft die Interoperabilitätsangaben. Bei ihrer Prüfung kam die Kommission jedoch zu der Auffassung, dass die Angaben unvollständig und ungenau seien. Microsoft nahm Ende Januar zu den Beschwerdepunkten der Kommission Stellung, die jedoch von der EU-Kommission zurückgewiesen wurde. Mit einer Entscheidung am 12.7.2006 stellte die Kommission fest, dass Microsoft bis zum 20. Juni 2006 die Auflagen aus der Entscheidung vom März 2004 nicht erfüllt habe und verhängte ein Zwangsgeld von 280,5 Mio. € wegen fortgesetzter Nichteinhaltung der Auflagen vom März 2004. Microsoft reichte Klage gegen die Auflagen der EU-Kommission ein. Der Europäische Gerichtshof bestätigte in seiner Entscheidung vom 17.09.2007 die Entscheidung der Europäischen Kommission gegen Microsoft hinsichtlich des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung und die Geldbuße in Höhe von 497 Mio. EUR. Nach Prüfung des Urteils erklärte Microsoft, dass es sämtliche Auflagen aus dem Gerichtsurteil erfüllen wolle. Am 22.10.2007 senkte Microsoft seine Gebühren für die Bereitstellung der Schnittstelleninformationen auf ein aus der Sicht der EU-Kommission akzeptables Niveau, nachdem die Kommission bereits im Mai 2007 Microsoft ihre Bedenken wegen der überhöhten Preise dargelegt hatte. In der Entscheidung der Kommission vom 27. Februar 2008 wird festgestellt, dass Microsoft vor dem 22. Oktober 2007 unangemessen hohe Preise für die Bereitstellung der Schnittstellenspezifikationen für Arbeitsgruppen-Server verlangt hat. Microsoft habe somit auch über den Zeitraum vom 21.06.2006 bis 21.10.2007 gegen die Entscheidung aus dem Jahr 2004 verstoßen und sein vom Gericht erster Instanz für rechtswidrig erklärtes Verhalten fortgesetzt. Entsprechend dem angedrohten Zwangsgeld von 2 Mio. € täglich verhängte die Kommission eine Geldbuße gegen Microsoft in Höhe von 899 Mio. €. Soweit in einer Marktwirtschaft Monopole nicht vermieden werden können, kann der Staat die Monopolanbieter einer Regulierung unterwerfen. Dies betrifft insbesondere Netzmonopole, in denen die Irreversibilität der Kosten des Marktzutritts eine wesentliche Markt zutrittsbarriere darstellt. Durch die Festlegung von Nutzungsentgelten für neue Anbieter durch die Regulierungsbehörde kann eine Reihe dieser Märkte für neue Wettbewerber geöffnet worden. Allerdings zeigt das Beispiel des deutschen Strommarktes, dass eine gesetzliche Marktöffnung allein nicht ausreicht, wenn die Netzbetreiber mit hohen Durchleitungsgebühren neue Anbieter in ihren Angeboten behindern. In solchen Fällen wird die Regulierungsbehörde zur Verbesserung der Effizienz auch in die Preiskalkulation eingreifen und Preisobergrenzen festlegen. Wie der Fall des natürlichen Monopols gezeigt hat, wird der Staat auf Preisregulierungen überall dort zurückgreifen, wo Netze nicht für neue Anbieter geöffnet werden können, wie z. B. bei Wasser und Abwasser. In den Fällen, in denen eine Öffnung des Marktes nicht möglich ist, bleibt als Alternative zur Regulierung die staatliche Produktion und Bereitstellung der Güter. In vielen Ländern der Erde betrieb und betreibt der Staat Monopolunternehmen, z. B. im Bereich der Telekommunikation, der öffentlichen Versorgung, der Bahn und des öffentlichen Nahverkehrs. Als Begründung wird argumentiert, dass der Staat im Gegensatz zu einem privaten Monopolanbieter das Gut zu Wettbewerbspreisen anbieten kann, weil die dann entstehenden Verluste des staatlichen Unternehmens aus dem allgemeinen Steueraufkommen ausgeglichen werden können. In Wirklichkeit hat das dazu geführt, dass die öffentliche Hand (Kommune, Land) jeweils den gesamten Verlust des öffentlichen Unternehmens abdeckt, so dass der Zwang zur Kostenminimierung als Grundlage einer Gewinnsteigerung entfällt und staatliche Unternehmen häufig ineffizient produzieren. 7.4 Monopolistische Konkurrenz und Oligopolpreisbildung 345 7.4 Monopolistische Konkurrenz und Oligopolpreisbildung Unter den verschiedenen Marktstrukturen in Tabelle 7-2 haben wir bisher die Marktformen der vollkommenen Konkurrenz und des Monopols kennen gelernt. Während im Falle der vollkommenen Konkurrenz der einzelne Anbieter über keinerlei Einfluss auf die Marktbedingungen verfügt, konzentriert sich im Monopol die gesamte Marktmacht bei einem einzigen Unternehmen. Wir haben aber bereits bei der Darstellung der Monopolpreisbildung deutlich gemacht, dass die Ausübung von Monopolmacht nicht notwendigerweise ein reines Monopol voraussetzt. In vielen Märkten haben die einzelnen Anbieter die Möglichkeit, wie Monopolisten über ihre Preise selbst zu entscheiden, obwohl andere Wettbewerber im Markt sind. Gründe dafür sind, dass eine oligopolistische Marktstruktur mit wenigen großen Anbietern vorliegt oder dass es in einem Wettbewerbsmarkt den einzelnen Anbietern gelingt, durch Produktdifferenzierung eine eigene Marke zu schaffen und sich von den Mitanbietern abzusetzen, um so einen Einfluss auf den Preis des eigenen Produkts zu bekommen. 7.4.1 Monopolistische Konkurrenz Die Theorie des monopolistischen Wettbewerbs20 beruht auf vier Annahmen: • Wie in vollständigen Wettbewerbsmärkten gibt es eine große Anzahl von Unternehmen. Jeder Anbieter hat einen vergleichsweise kleinen Marktanteil. Die Output- und Preisentscheidungen des einzelnen Unternehmens beruhen auf der eigenen Nachfrage- und Kostensituation. Entscheidungen anderer Anbieter haben keinen Einfluss auf die eigene Angebotsentscheidung. Weil jede Unternehmung einen kleinen Marktanteil hat, kann kein Unternehmen die Marktbedingungen diktieren und Einfluss auf die Angebotsentscheidungen der Mitbewerber ausüben. Angesichts der großen Zahl der Anbieter sind aber auch eine Zusammenarbeit oder Absprachen auf der Anbieterseite ausgeschlossen. • Die Anbieter betreiben Produktdifferenzierung. Jedes Unternehmen erstellt ein Produkt, das sich von dem der Mitbewerber abhebt. Es kreiert seine Marke. Das Markenprodukt ist ein unvollkommenes Substitut für ähnliche Produkte anderer Hersteller. Auf Seiten der Konsumenten entstehen Präferenzen für bestimmte Marken, so dass sie für das Markenprodukt auch einen höheren Preis zu zahlen bereit sind. Wenn ein Anbieter den Preis für sein Produkt anhebt, verliert er somit nicht die gesamte Nachfrage an die Mitbewerber, weil die Produkte anderer Wettbewerber keine vollkommenen Substitute sind. Jeder Hersteller sieht sich seiner eigenen Preis-Absatz-Funktion gegenüber. Die Kreuzpreiselastizität zwischen den Produkten der Hersteller ist nicht unendlich, sondern sie ist umso geringer, je unvollkommener die Substitutionsbeziehung zwischen den angebotenen Waren ist. Entsprechend verläuft die Preis-Absatz-Funktion eines Herstellers umso flacher, je vollkommener die Substitutionsbeziehung zwischen seinem Produkt und denjenigen der Mitbewerber ist. • Es besteht die Möglichkeit des freien Marktzutritts und -austritts. Wie bereits im Fall der vollständigen Konkurrenz gezeigt bedeutet dies, dass langfristig keine wirtschaftlichen Gewinne bestehen können. Wenn nämlich in dem Markt hohe Gewinne erwirtschaftet und überdurchschnittliche Renditen erzielt werden, ist das ein Signal für neue Anbieter, in den Markt einzutreten. Diese Marktzutritte führen dazu, dass die Marktanteile bestehender Anbieter sinken und die Gewinne zurückgehen. Bei Verlusten 20 Das Modell der monopolistischen Konkurrenz stammt von Chamberlain, E. (1933) 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen346 werden einzelne Unternehmen aus dem Markt ausscheiden, die gesamte Marktnachfrage muss nun unter weniger Anbietern geteilt werden und die Verluste der verbleibenden Anbieter gehen zurück. Das langfristige Marktgleichgewicht ist dadurch gekennzeichnet, dass es weder Marktzutritte noch -austritte gibt und die bestehenden Anbieter Nullgewinne erwirtschaften. • Die letzte Annahme betrifft die Symmetrie. Wenn ein neues Unternehmen in den Markt eintritt und erfolgreich ein differenziertes Produkt anbietet, geht der Marktanteil aller bisherigen Anbieter gleichermaßen zurück. Wenn also in einem Markt 100 Anbieter sind, hat jeder einen Marktanteil von 1/100. Tritt ein weiterer Anbieter in den Markt ein, senkt dies den Marktanteil aller Anbieter auf 1/101. Das Modell der monopolistischen Konkurrenz ist in Abbildung  7-25 dargestellt, wobei zwischen dem kurzfristigen und dem langfristigen Gleichgewicht zu unterscheiden ist. Die Kurve Nk sei die kurzfristige Preis-Absatz-Funktion, der sich der Hersteller eines Markenprodukts gegenüber sieht. Die auf den Hersteller bezogene Nachfragekurve beschreibt die Absatzmöglichkeiten für sein Markenprodukt. Wir betrachten also nicht den gesamten Markt für ein Produkt, etwa den Gesamtmarkt für Jeans, sondern den Teilmarkt eines Jeansherstellers, etwa die Marke „Diesel“. Die fallende Preis-Absatz-Funktion sagt dem Hersteller, dass er einen preispolitischen Spielraum hat. Bei einer Preissenkung gewinnt er zusätzliche Nachfrage, muss aber das Produkt an alle Kunden billiger abgeben, das heißt, der Grenzerlös einer zusätzlich verkauften Einheit ist niedriger als der Preis. Die Grafik enthält außerdem die Grenzkosten und die Durchschnittskosten des Herstellers. Der Hersteller der Diesel-Jeans maximiert seinen Gewinn, wenn er die Jeansmenge produziert, bei der Grenzerlös und Grenzkosten zum Ausgleich gebracht sind. Dies ist die Menge xk. Der maximale Preis, zu dem die Konsumenten die Menge xk abzunehmen bereit sind, ist pk. Da aber bei einer Produktionsmenge von xk die durchschnittlichen Kosten je Jeans nur k0 betragen, erwirtschaftet das Unternehmen einen Stückgewinn in Höhe von pk – k0. Der Gesamtgewinn ergibt sich als Produkt aus Stückgewinn und Menge und entspricht der mit G gekennzeichneten Fläche in der Grafik. Abbildung 7-25: Kurz- und langfristige Preisbildung bei monopolistischer Konkurrenz x [Menge] C Nk Preis xk pk E’ = K’ Preis p x [Menge]x K’ k K’ G k 'ElE’ = K’ N1 Nk Ck0 langfristigkurzfristig Eḱ 7.4 Monopolistische Konkurrenz und Oligopolpreisbildung 347 Die bisherige Darstellung der Preisbildung bei monopolistischer Konkurrenz entspricht offensichtlich der Preisbildung im vollkommenen Monopol. Weil aber der Zutritt in einem Markt mit monopolistischer Konkurrenz frei ist, wird das kurzfristige Marktgleichgewicht nicht stabil sein. Die Tatsache, dass die bestehenden Markenjeanshersteller Gewinne erwirtschaften, wird dazu führen, dass neue Anbieter in den Markt eintreten, indem etwa Bekleidungshersteller eine eigene Jeansmarke kreieren. Der Markenauftritt neuer Anbieter kann nur erfolgreich sein, wenn es ihnen gelingt, ihren Marktanteil zulasten der bestehenden Anbieter auszubauen. Dies bedeutet, dass sich die Preis-Absatz-Funktion und die Grenzerlösfunktion der bestehenden Hersteller nach links verschieben mit der Folge, dass der Stückgewinn sinkt. Markteintritte kommen zum Stillstand, wenn Überrenditen eliminiert sind und die bestehenden Unternehmen „Nullgewinne“ erwirtschaften. Dies ist im rechten Teil der Abbildung 7-25 dargestellt. Aufgrund der Markteintritte verschiebt sich die Nachfragekurve nach links, und zwar solange, bis keine Stückgewinne mehr erzielt werden. Die Stückkostenkurve k tangiert die langfristige Preis-Absatz-Funktion Nl des Anbieters. Im langfristigen Gleichgewicht entspricht die Höhe des Preises den Stückkosten. Der gewinnmaximale Preis pl und die gewinnmaximale Menge xl sind niedriger als im kurzfristigen Gleichgewicht. Im Falle von Verlusten in einer Branche würde der Anpassungsprozess umgekehrt verlaufen. Marktaustritte werden dazu führen, dass die Nachfrage der im Markt verbleibenden Unternehmen wächst. Die Nachfragekurve verlagert sich solange nach rechts, bis die Verluste eliminiert sind. Ressourcenallokation in differenzierten Produktmärkten Die Tatsache, dass bei monopolistischer Konkurrenz langfristig Gewinne durch den Wettbewerb eliminiert werden, könnte zu der Vermutung führen, dass auch in differenzierten Produktmärkten eine effiziente Ressourcenallokation möglich ist. Wenn wir das langfristige Gleichgewicht eines Anbieters im monopolistischen Wettbewerb mit dem eines Anbieters bei vollkommener Konkurrenz vergleichen, kann man jedoch erkennen, dass dies nicht der Fall ist. In Abbildung 7-26 ist in der rechten Darstellung das langfristige Gleichgewicht eines Polypolanbieters dargestellt. Der Polypolist maximiert entsprechend der Regel p = K’ seinen Gewinn. Er produziert eine Menge xW, die durch das Betriebsoptimum (BO) bestimmt ist. Im Betriebsoptimum sind die Stückkosten der Produktion minimal, die Betriebsgröße ist optimal und die Produktionskapazität ist ausgeschöpft. Diese Ressourcenallokation ist effizient, weil die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten, die durch den Preis gemessen wird, den Kosten entspricht, die die zuletzt produzierte Einheit verursacht hat. Anders dagegen bei monopolistischer Konkurrenz, bei der der Preis pM höher ist als die Grenzkosten, die bei der Menge xM für die zuletzt produzierte Einheit entstanden sind. Solange aber eine Menge produziert und angeboten wird, bei der der Preis über den Grenzkosten liegt, ist die Summe aus Produzenten- und Konsumentenrente nicht ausgeschöpft. Es entsteht ein Nettowohlfahrtverlust in Höhe der Fläche R in der linken Darstellung der Abbildung 7-26. In dieser Hinsicht entspricht das Ergebnis demjenigen des reinen Monopols. Allerdings wird der Nettowohlfahrtverlust bei monopolistischer Konkurrenz wesentlich geringer sein als im Monopol, weil die Markenprodukte der verschiedenen Hersteller mehr oder weniger stark substituierbar sind, wodurch der monopolistische Spielraum und die Marktmacht des einzelnen Anbieters eingeschränkt werden. Dies begrenzt den Wohlfahrtverlust infolge ineffizienter Ressourcenallokation. 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen348 Wir erkennen außerdem, dass die Stückkostenkurve die Preis-Absatz-Funktion des monopolistischen Anbieters im Cournot’schen Punkt tangiert. Der Kapazitätsoutput eines Unternehmens ist jedoch bestimmt durch das Minimum der langfristigen Durchschnittskosten (= mindestoptimale Betriebsgröße). Da der Anbieter die Menge xM im fallenden Abschnitt seiner langfristigen Stückkostenkurve produziert, schöpft er seine vorhandenen Kapazitäten nicht vollständig aus und produziert zu Durchschnittskosten, die höher sind als diejenigen, die er bei optimaler Betriebsgröße realisieren könnte. Mit anderen Worten jeder Anbieter hat bei monopolistischer Konkurrenz nicht ausgenutzte Kapazitäten. Diese Überschusskapazitäten sind ineffizient, weil Skalenerträge in der betreffenden Industrie nicht ausgeschöpft werden. Bei weniger Unternehmen in dem Markt könnte jeder Produzent seine Kapazität besser auslasten und zu niedrigeren Stückkosten produzieren. Der Preis dafür wäre allerdings, dass die Substituierbarkeit der Produkte der bestehenden Hersteller zunehmen müsste, wenn Kunden bereit sein sollen, statt des Produkts eines Herstellers A das Produkt eines Herstellers B zu kaufen. Denn weniger Hersteller bedeuten auch eine geringere Angebotsvielfalt. Wenn es folglich Märkte mit monopolistischer Konkurrenz gibt, bedeutet dies, dass die Konsumenten diese Produktvielfalt schätzen und auch bereit sind, dafür zu bezahlen. Offensichtlich stiftet die Möglichkeit, aus einer großen Vielfalt an Produkten wählen zu können, den Konsumenten einen zusätzlichen Nutzen, weil diese Produktvielfalt den unterschiedlichen Verbraucherpräferenzen besser Rechnung trägt. Differenzierte Produkte erlauben den Konsumenten aufgrund ihrer unterschiedlichen Präferenzen ein höheres Maß an Bedürfnisbefriedigung. Dieser Zuwachs an Bedürfnisbefriedigung ist somit in Relation zu setzen zu dem Nettowohlfahrtverlust bei monopolistischer Preisbildung. Übersteigt der Nutzenzuwachs einer höheren Produktvielfalt den Wohlfahrtverlust einer ineffizienten Kostenstruktur, kann die Behauptung einer ineffizienten Ressourcenallokation bei monopolistischer Konkurrenz nicht aufrechterhalten werden. Das Modell der monopolistischen Konkurrenz ist vor allem deswegen kritisiert worden, weil seine Annahmen nur in wenigen Bereichen annähernd erfüllt sind. In den meisten Märkten, in denen differenzierte Produkte angeboten werden, liegt keine monopolistische Konkurrenz vor, sondern es handelt sich um oligopolistische Marktstrukturen. Nehmen wir als Beispiel Automobile, Waschpulver, Kaffee, Zigaretten, Babywindeln usw. Hier be- Abbildung 7-26: Vergleich zwischen vollkommener und monopolistischer Konkurrenz x [Menge] K’ N xM pM p = K’ pW x [Menge] Vollkommene Konkurrenz xW K’ k Monopolistische Konkurrenz k C E’ = K’ Preis R Preis N = E’BO E’ 7.4 Monopolistische Konkurrenz und Oligopolpreisbildung 349 treiben die einzelnen Oligopolanbieter Produktdifferenzierung, um als einzelner Anbieter die gesamte Breite des Marktes abzudecken. Teilweise handelt es sich auch um Preisdiskriminierung, wenn das gleiche Produkt unter einem Markennamen A zu einem hohen Preis und unter einem Markennamen B in einer anderen Verpackungen zu einem niedrigeren Preis auf den Markt gebracht wird. In vielen dieser Märkte ist außerdem die Bedingung des freien Zutritts nicht erfüllt, weil ein neuer Anbieter gegen große Hersteller mit etablierten Marken antreten muss und deshalb der Aufbau einer eigenen Marke sehr hohe Kosten verursacht, die bei einem Marktaustritt dauerhaft verloren wären. Mögliche Beispiele für monopolistisch strukturierte Märkte sind etwa Gaststätten und Restaurants, der Fachhandel (Bekleidung, Schuhe, Sportgeräte) und andere Dienstleister, wie z. B. Heimservice, Friseursalons, jeweils bezogen auf eine Stadt. Diese Dienstleister konkurrieren miteinander über Produktvielfalt, Qualität, Beratung und Service, Freundlichkeit und Kompetenz des Personals usw. Neben dem Sortiment der angebotenen Waren/dem Menu der angebotenen Speisen spielt für den Kunden das Ambiente des Konsums oder des Einkaufens eine wichtige Rolle. In diesen Branchen sind Markteintritte und -austritte häufig und schnell vollzogen. Die Geschäfte bzw. Anbieter haben in der Regel freie Kapazitäten. Wenn man in ein Geschäft kommt oder in ein Restaurant geht, wird man in der Regel unmittelbar ohne lange Wartezeiten bedient. Innerhalb eines bestimmten Spielraums können die Geschäfte ihre Preise selbst gestalten, ohne befürchten zu müssen, dass die Kunden zu anderen Anbietern abwandern. Sie haben einen monopolistischen Preisspielraum. 7.4.2 Oligopolpreisbildung und oligopolistisches Verhalten Eine weitere Marktform des unvollständigen Wettbewerbs stellt das Oligopol dar. In modernen Volkswirtschaften dürfte es die am häufigsten vorkommende Marktform im industriellen Sektor sein. Große Teile der Konsumgüter-, Investitionsgüter- und Grundstoffindustrie weisen oligopolistische Marktstrukturen auf. Klassische Oligopolmärkte sind beispielsweise Stahlindustrie, Automobilsektor, Mineralölindustrie, Handys, Waschmittel usw. Auf nationaler Ebene kann es sich hierbei auch um Monopole handeln, die jedoch bei offenen Märkten in einem intensiven Wettbewerb zu ausländischen Anbietern stehen. Oligopolistische Marktstrukturen sind auch gegeben, wenn wenige große Unternehmen in einer Industrie dominieren und daneben eine Vielzahl kleinerer Unternehmen in dem Markt anbietet. Ein Beispiel dafür ist der Einzelhandel, der von großen Supermarktketten beherrscht wird, in dem aber nach wie vor kleinere Einzelhändler oder regionale Anbieter vorhanden sind. Die Ursachen für die Entstehung von Oligopolen sind vielfach dieselben, die für die Entstehung von Monopolen maßgebend sind. Unter den natürlichen Ursachen sind es vor allem Economies of Scale or Scope, die dazu führen, dass nur wenige Unternehmen zu den geringst möglichen Stückkosten den gesamten Markt versorgen können. Ein weiterer wichtiger Grund für die Existenz nur weniger Unternehmen in einem Markt sind die Fixkosten. Hohe Fixkosten des Markteintritts wirken als Marktzutrittsbarriere. Aber auch die im Hochtechnologiebereich häufig vorkommenden hohen Entwicklungskosten sind hier von Bedeutung. Bei hohen Fixkosten und niedrigen Grenzkosten der Produktion haben Unternehmen, die große Stückzahlen absetzen können, Kostenvorteile gegenüber Unternehmen mit kleinen Stückzahlen. Schließlich können Oligopolmärkte auch das Ergebnis eines strategischen Verhaltens der Unternehmen sein. Mit abnehmender Anbieterzahl steigt der Marktanteil der bestehenden Unternehmen. Eine wichtige Grundlage des Unterneh- 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen350 menswachstums sind Übernahmen von Wettbewerbern oder Fusionen. Dadurch erhöht sich die Marktmacht der bestehenden Anbieter. Mit abnehmendem Wettbewerb steigt die Möglichkeit, über höhere Preise die Gewinne zu steigern. Langfristig wird diese Situation aber nur Bestand haben, wenn es den verbleibenden Anbietern gelingt, hinreichend hohe Marktzutrittsbarrieren zu errichten, um neuen Anbietern den Marktzutritt zu erschweren oder unmöglich zu machen. Die Marktformen der vollkommenen und monopolistischen Konkurrenz sind dadurch gekennzeichnet, dass jeder Anbieter seine Entscheidungen trifft, unabhängig davon, was seine Mitbewerber tun. Im Monopol ist der Anbieter definitionsgemäß ausschließlich auf die Nachfrage bezogen und wählt im Hinblick darauf seine gewinnmaximale Strategie. Beide Märkte erreichen ein Gleichgewicht, indem die Anbieter ihre Gewinne maximieren. Das Marktgleichgewicht ist dadurch gekennzeichnet, dass jeder Anbieter seine Produktionspläne realisieren konnte. Somit besteht kein Anlass, Preise und Produktionsmengen zu verändern. Von dieser Marktsituation unterscheidet sich das Oligopol grundsätzlich. Auf einem Markt mit wenigen großen Unternehmen wird kein Anbieter die Entscheidungen eines Mitbewerbers ignorieren können, da jede Entscheidung eines Unternehmens Auswirkungen auf die Konkurrenten hat. Jedes Unternehmen verfügt aufgrund seiner Größe über Marktmacht, aber kein Unternehmen kann die gesamte Marktnachfrage als seine Preis-Absatz-Funktion betrachten. Im Oligopol beruhen die Entscheidungen über Preise, Mengen, Marketing, Investitionen eines Unternehmens auf strategischen Überlegungen in Bezug auf mögliche Antworten der Konkurrenten. Da kein Anbieter freiwillig bereit ist, Marktanteile zu verlieren, muss sich ein Oligopolist vor jeder Aktion überlegen, mit welchen Reaktionen er von Seiten seiner Mitkonkurrenten zu rechnen hat. Anbieter im Oligopol müssen sich strategisch verhalten, da ihre Entscheidungen interdependent sind. Ein Oligopolist ist bei seinen Preisentscheidungen nicht nur abhängig von der Nachfrage und seiner Kostensituation, sondern auch von möglichen Preisstrategien seiner Wettbewerber. Da die Reaktionen der Wettbewerber im Vorhinein nicht bekannt sind, ergeben sich zusätzliche Probleme bei der genauen Bestimmung von Gleichgewichtspreis und Gleichgewichtsmenge. Jedes Oligopolunternehmen steht vor der grundsätzlichen Entscheidung, ob es sich als Wettbewerber verhalten und mit den anderen Unternehmen konkurrieren oder ob es kooperieren soll. Bei einer Kooperation können die Oligopolanbieter zusammengenommen einen höheren Gewinn erzielen als jeder für sich im Wettbewerb. Dies hatten wir bereits im Falle der Kartellierung kennen gelernt. Im Oligopol hat die Frage der Kooperation eine noch größere Bedeutung, weil sich bei wenigen Unternehmen in einem oligopolistischen Markt die Möglichkeit der Kooperation geradezu anbietet, um den Gewinnrückgang, der sich bei konkurrierendem Verhalten ergibt, zu vermeiden. Wenn sich die Anbieter so verhalten, sprechen wir von einem kooperativen Gleichgewicht. Dabei ist es unerheblich, ob die Kooperation offen oder eher stillschweigend durch ein passives Verhalten erfolgt. Der Fall des Kartells hat uns aber auch gezeigt, dass jedes einzelne Unternehmen seinen Gewinn weiter steigern kann, wenn es seine eigenen Entscheidungen trifft, während die übrigen kooperieren. Wenn sich aber alle so verhalten, werden sie sich gemeinsam und jeder für sich schlechter stellen als bei Kooperation. Ein Marktergebnis, das dadurch zu Stande kommt, dass jeder Anbieter seine eigenen optimalen Entscheidungen trifft, bezeichnet man als nicht-kooperatives Gleichgewicht. Ob in einem Markt ein kooperatives oder nicht-kooperatives Gleichgewicht zu Stande kommt, hängt sehr stark von den Ausgangsbedingungen ab. Ein Instrument, um strategisches Handeln zu analysieren, stellt uns die Spieltheorie 7.4 Monopolistische Konkurrenz und Oligopolpreisbildung 351 zur Verfügung. Daher sind einige Grundbegriffe der Spieltheorie in einem gesonderten Abschnitt, der online verfügbar ist, dargestellt. Auf Oligopolmärkten finden wir zahlreiche Varianten oligopolistischer Interaktion. Oligopolisten können ihre Entscheidungen simultan oder sequentiell treffen. Als Aktionsparameter kommen Preise oder Mengen in Betracht. Neben einem Oligopol mit homogenen Gütern (z. B. Kraftstoffe wie Benzin oder Diesel) spielen in der Realität heterogene Oligopole mit differenzierten Produkten eine große Rolle. Dann sind in Oligopol märkten weitere Aktionsparameter wie z. B. Werbung und Produktinnovation von Bedeutung. Deshalb gibt es eine Vielzahl von Modellen zur Analyse oligopolistischer Märkte. Im Rahmen dieses Lehrbuches können nur wenige Grundmodelle oligopolistischer Interaktion dargestellt worden. Ausführlich wird die Interaktion von Unternehmen in oligopolistischen Marktstrukturen in der Industrieökonomik untersucht. 7.4.3 Strategisches Verhalten im Oligopol21 7.4.3.1 Statischer Mengenwettbewerb – das Cournot-Modell Für die Ableitung des oligopolistischen Verhaltens im Cournot-Modell22 gehen wir von folgenden Annahmen aus: • Wir beschränken unsere Untersuchung der Preisbildung im Oligopol auf den speziellen Fall des Duopols mit nur zwei Unternehmen, die ein homogenes Produkt anbieten. • Beide Unternehmen haben die gleichen Kostenfunktionen. Zur Vereinfachung unterstellen wir konstante Grenzkosten der Produktion: K’A = K’B = c • Wir gehen von einer fallenden Nachfragekurve aus. Bei einem homogenen Gut ist folglich der Preis, der sich am Markt bildet, abhängig von der gesamten Angebotsmenge der beiden Unternehmen: p = a – b(xA + xB). • Da der Marktpreis nicht nur von der eigenen Angebotsmenge abhängt, sondern auch von der Angebotsmenge des anderen Unternehmens, muss jedes Unternehmen überlegen, welche Menge das andere Unternehmen anbieten wird. Unter der Annahme einer erwarteten Angebotsmenge des jeweils anderen Unternehmens entscheidet jedes Unternehmen über die eigene gewinnmaximale Produktionsmenge. Dabei nimmt jedes Unternehmen die Menge des anderen als gegeben hin. • Ziel der Unternehmen ist Gewinnmaximierung. Beide Unternehmen treffen ihre Entscheidungen gleichzeitig. Jedes Unternehmen muss entscheiden, welche Menge es produzieren und anbieten will. Für die Ableitung des Cournot-Modells wählen wir ein kleines Zahlenbeispiel. Wir betrachten zwei Unternehmen A und B, die ein homogenes Gut anbieten. Die gesamte Marktnachfrage sei bekannt und laute = +A B 1 p 15- (x x ) 12 21 Für die Beschreibung und Analyse oligopolistischen Verhaltens wird die Spieltheorie eingesetzt. Die Spieltheorie untersucht das strategische Verhalten in allen Arten von Spielen, in denen Spieler das jeweils erwartete Verhalten des jeweils anderen Spielers und die wechselseitige Abhängigkeit der Teilnehmer berücksichtigen. Eine Einführung in die Spieltheorie ist als Onlinedokument verfügbar. 22 Französischer Mathematiker und Ökonom (1801 bis 1876). Cournot, A. (1883), S. 88 ff. 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen352 Für den Erlös und Grenzerlös folgt dann für das Unternehmen A: = ⋅ = − ⋅A A B A 1 E p x 15- (x x ) x 12 ⇒ = −'A A B 1 1 E 15- x x 6 12 Aufgrund der standardisierten Produktionstechnologie produzieren beide Unternehmen mit denselben Kosten: K = 20 + 4x. Ihre Grenzkosten lauten ' 'A BK K 4 Die Bedingung für das Gewinnmaximum erfordert ' 'A AE K : − =A B 1 1 15- x x 4 6 12 Daraus ergibt sich die Angebotsmenge des Unternehmens A in Abhängigkeit von der Angebotsmenge des Unternehmens B: =A B 1 x 66- x 2 Es ist unmittelbar klar, dass das Unternehmen A die Monopolmenge anbietet, wenn das Unternehmen B nichts produziert. Wenn beide Unternehmen kooperieren und als Kartell auftreten, werden Sie gemeinsam die Monopolmenge produzieren. Folglich wird jedes Unternehmen die halbe Monopolmenge anbieten. Entscheidet jedes Unternehmen eigenständig über die Höhe seines Angebots, muss das jeweils andere dies bei seiner Produktionsentscheidung berücksichtigen. Die Reaktion des Unternehmens A auf alternative Angebotsmengen des Unternehmens B ist in Abbildung 7-27 dargestellt. In der linken Grafik erwartet das Unternehmen A z. B. eine Produktion des Unternehmens B in Höhe von xB = 30. Es nimmt diese Entscheidung als gegeben hin und betrachtet die verbleibende Nachfrage NA als seine Preis-Absatz-Funktion. Diese ist Grundlage für seine Produktionsentscheidung. Wenn Unternehmen B 30 Einheiten produziert, maximiert A seinen Gewinn, wenn es 51 Einheiten anbietet. Beide Unternehmen können ihre Angebotsmengen dann zum Preis von 8,25 € absetzen. Wenn das Unternehmen A dagegen erwartet, dass das Unternehmen 90 Einheiten produziert, verschiebt sich die für A verbleibende Nachfragefunktion NA um 90 Mengeneinheiten nach links (rechte Abbildung 7-27: Gewinnmaximierung und Angebotsentscheidung im Duopol 0 2 4 6 8 10 12 14 Preis ' AE K’ CA NA xB = 30 N Preis K’ xB = 90 0 2 4 6 8 10 12 14 0 30 60 90 120 150’ 1800 30 60 90 120 150 180 CA NA N ' AE A erwartet, dass B 30 Einheiten produziert. A erwartet, dass B 90 Einheiten produziert. x x G G 7.4 Monopolistische Konkurrenz und Oligopolpreisbildung 353 Darstellung in Abbildung 7-27). Die für A beste Antwort auf einen Output von 90 von Seiten des Unternehmens B ist eine Angebotsmenge von 21. Der Marktpreis fiele auf 5,75 €. Wenn wir für jeden möglichen Output von B die gewinnmaximale Menge von A bestimmen, erhalten wir die Reaktionskurve von A. Sie gibt uns die beste Antwort auf ein erwartetes Outputniveau des konkurrierenden Unternehmens. Die Reaktionskurven der Unternehmen A und B sind in Abbildung 7-28 dargestellt. RA(xB) ist die Reaktionskurve von A für erwartete Absatzmengen von B. RB(xA) ist die Reaktionskurve von B in Abhängigkeit von A. Wenn zum Beispiel A eine Menge von xB = 30 erwartet, ist seine beste Antwort darauf, die Menge xA = 51 zu produzieren. Diese Mengenaufteilung zwischen beiden Unternehmen repräsentiert jedoch kein Marktgleichgewicht. Denn wenn Unternehmen B ein xA = 51 erwarten würde, wäre seine beste Antwort gemäß seiner Reaktionsfunktion eine Produktionsmenge von 40,5. Wenn aber das Unternehmen B die Menge 40,5 produzieren würde, wäre die beste Reaktion von A, eine Menge von 45,75 zu produzieren. Würde B nun seinerseits 45,75 erwarten, wäre seine gewinnmaximale Produktionsmenge 43,13. Wir könnten die Anpassung der Produktionsmengen anhand der Reaktionskurven weiter verfolgen und würden sehen, dass sich die Produktionsmengen der beiden Unternehmen annähern. Das Marktgleichgewicht liegt im Schnittpunkt der beiden Reaktionskurven. Im Marktgleichgewicht produzieren beide Unternehmen die Menge von je 44 Einheiten, der Gleichgewichtspreis beträgt 7,67 €, und jedes Unternehmen erzielt einen Gewinn von 141,33 €. Das Marktgleichgewicht ist zugleich ein Nash-Gleichgewicht23. Die Erwartungen der Unternehmen an das jeweils andere sind konsistent, weil die wechselseitig erwarteten Produktionsmengen dazu führen, dass kein Unternehmen von seinem Produktionsplan abweicht. Kein Unternehmen kann seinen Gewinn durch eine Steigerung der Produktionsmenge verbessern, solange das andere Unternehmen bei seiner Strategie bleibt24. 23 Im Nash-Gleichgewicht wählte jeder Spieler eine Aktion, die optimal zur gegebenen Aktion des Gegenspielers ist. Das Gleichgewicht stellt eine Situation dar, in der kein Akteur seinen Gewinn durch abweichendes Verhalten steigern kann, solange der andere Akteur bei seinem Verhalten bleibt. 24 Der hier beschriebene Anpassungsprozess ist ein möglicher Weg, wie es im Cournot-Modell zum Marktgleichgewicht kommen kann. Tatsächlich ist das Cournot-Modell statisch und hat als Ergebnis Abbildung 7-28: Reaktionskurven und Marktgleichgewicht im Duopol xB RA(xB) xB = 90 xA0 30 60 90 120 RB(xA)xB = 30 Marktgleichgewicht 0 30 60 90 120 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen354 Tabelle 7-6: Nash-Gleichgewicht im statischen Cournot-Modell Gewinne der Akteure bei unterschiedlichen Produktionsmengen Unternehmen A produziert die halbe Monopolmenge (33 E.) die Oligopolmenge (44 E.) Unternehmen B produziert die halbe Monopolmenge (33 E.) 161,50 161,50 181,67 131,25 die Oligopolmenge (44 E.) 131,25 181,67 141,33 141,33 Dass es sich bei dem Gleichgewicht um ein stabiles Nash-Gleichgewicht handelt, können wir uns auch klar machen, wenn wir die Monopollösung mit dem Oligopolgleichgewicht vergleichen. Nehmen wir an, die beiden Oligopolisten würden kooperieren und als Kartell die Produktionsmenge planen. Ein Monopolist würde seinen Gewinn maximieren, wenn er 66 Einheiten produziert. Dann ergibt sich ein Preis von 9,50 €, und der Monopolgewinn wäre 323 €. Wenn sich die beiden Oligopolisten den Markt gleichmäßig teilen, würde jeder 33 Einheiten produzieren und einen Gewinn von 161,50 € erzielen. Im Oligopolgleichgewicht produziert dagegen jedes Unternehmen 44 Einheiten bei einem Gewinn von 141,33 €. Eine Kartellierung brächte also beiden Unternehmen Vorteile in Form eines höheren Gewinns. Dass trotzdem keine Kooperation zu Stande kommt, zeigt uns Tabelle 7-6. Danach ist das Abweichen von der Kartellvereinbarung die dominante Strategie25. Für den Fall, dass die beiden Unternehmen eine Kooperation vereinbaren, kann jeder Anbieter seinen Gewinn steigern, wenn er betrügt und heimlich seine Produktion ausdehnt, solange das andere Unternehmen sich an die Vereinbarung hält. Wenn z. B. das Unternehmen A seine Produktion heimlich auf 44 Einheiten ausdehnt und das Unternehmen B bei seiner Entscheidung bleibt, steigt der Gewinn von A auf 181,67 €. Würde ein Unternehmen über 44 Einheiten hinaus produzieren, würde sein Gewinn sinken, solange das jeweils andere bei der Menge von 33 bleibt. Damit ist das zustande gekommene Gleichgewicht im Cournot-Modell zugleich ein stabiles Nash-Gleichgewicht, weshalb man es auch Cournot-Nash-Gleichgewicht nennt. Abschließend sei das Problem der Gewinnmaximierung im Duopol allgemein betrachtet und mit den anderen Marktformen verglichen. Wir gehen von einer linearen Nachfragekurve aus: p = a – b(x1 + x2). Zur Vereinfachung unterstellen wir für beide Duopolisten konstante Grenzkosten der Produktion: ' '1 2K K c. Der Gewinn des Unternehmens 1 ergibt sich als Differenz aus Erlös und Kosten. 1 1 1 1 2 1 1 1G p K [a b(x x )] K (x ) Max!x x Somit lautet die Bedingung für das Gewinnmaximum G’ = 0: 1 1 2 1 G a 2bx b x c 0 x nur die Existenz eines Cournot-Gleichgewichts. Wie ein Cournot-Gleichgewicht erreicht wird, wird durch das Modell nicht beschrieben. 25 Unter einer dominanten Strategie versteht man eine Strategie, die unabhängig von den Alternativen des Gegenspielers immer zu einem besseren Ergebnis für einen selbst führt. Wenden beide Spieler ihre dominante Strategie an, ergibt sich ein Gleichgewicht. Dann kann sich kein Spieler durch die Wahl einer anderen Alternative besser stellen, solange der andere Spieler bei seiner Strategie bleibt. 7.4 Monopolistische Konkurrenz und Oligopolpreisbildung 355 Daraus ergibt sich die Angebotsmenge des Unternehmens 1 in Abhängigkeit von der Menge des Unternehmens 2: 1 2 a c 1 x x 2b 2 Dies ist die Reaktionsgleichung des Unternehmens 1. Sie beschreibt, welche Produktionsmenge das Unternehmen 1 anbietet, wenn es erwartet, dass das Unternehmen 2 eine bestimmte Menge x2 produzieren wird. Analog können wir auch die Reaktionsgleichung des Unternehmens 2 ableiten. 2 1 a c 1 x x 2b 2 Durch Gleichsetzen ergibt sich die Angebotsmenge der Duopolisten im Marktgleichgewicht: 1 2 a c x x 3b Setzt man diese Gleichgewichtsmengen in die Preis-Absatz-Funktion ein, erhält man den Preis im Marktgleichgewicht: a c 1 p a b(2 ) (a 2c) 3b 3 Im Cournot-Gleichgewicht erwirtschaften die beiden Duopolisten höhere Gewinne als unter der Bedingung des vollkommenen Wettbewerbs, aber niedrigere als im Monopolfall. Für den Fall einer linearen Nachfragefunktion und konstanten Grenzkosten in Höhe von c ergeben sich für die drei Marktformen folgende Preise und Mengen im Marktgleichgewicht: Tabelle 7-7: Vergleich von Gleichgewichtspreis und -menge bei unterschiedlichen Marktformen Marktform Parameter Monopol Cournot Duopol Oligopol mit 10  Anbietern vollkommene Konkurrenz Angebotsmenge 1 a-c 2 b 2 a-c 3 b 10 a-c 11 b a-c b Gleichgewichtspreis + 1 (a c) 2 +1 (a 2c) 3 + ⋅1 (a 10 c) 11 c Bei vollkommener Konkurrenz wird die Menge (a-c)/b zum Preis von c angeboten. Im Monopol wird die halbe Wettbewerbsmenge und im Duopol zusammengenommen 2/3 der Menge des Wettbewerbsmarktes angeboten. Entsprechend ist der Monopolpreis am höchsten. Der Oligopolpreis ist wegen des höheren Angebots niedriger. Unter der Bedingung konstanter Grenzkosten wird im Duopol die Outputmenge des Wettbewerbsmarktes nicht angeboten, weil bei einem Preis in Höhe der Grenzkosten die Deckungsbeiträge null wären und beide Anbieter einen Verlust in Höhe ihrer Fixkosten machen würden. 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen356 Wenn wir darüber hinaus Gleichgewichtspreis und -menge für mehr als zwei Anbieter (z. B. 10) berechnen, dann können wir feststellen, dass • der Gleichgewichtspreis mit zunehmender Zahl der Anbieter sinkt und die Gleichgewichtsmenge steigt. • mit steigender Zahl der Anbieter das Ergebnis sich demjenigen der vollständigen Konkurrenz annähert. • dass die Gewinne in einem Markt mit zunehmender Zahl der Wettbewerber immer kleiner werden. Übung 7-7: Preisbildung im Duopol Zwei Unternehmen, Samsung und Infineon, produzieren eine bestimmte Sorte von Speicherbausteinen. Die Kostenfunktionen der beiden Anbieter seien gleich und lauteten K = 4 000 + 20x. Die Marktnachfrage für ihr Produkt sei p = 140 – 0,05(x1 + x2). a) Bestimmen Sie die Reaktionsfunktionen der beiden Unternehmen. b) Wie lauten Preis und Menge im Marktgleichgewicht und welchen Gewinn erwirtschaften die Anbieter? c) Die Unternehmen treffen eine Absprache und verhalten sich monopolistisch. Wie ändern sich der Marktpreis, die Angebotsmenge und der Gewinn der beiden Anbieter? d) Welcher Marktpreis und welche Gleichgewichtsmenge würden zustande kommen, wenn sich die beiden Unternehmen wie Mengenanpasser bei vollständiger Konkurrenz verhalten würden? Lösung: a) Die Reaktionsfunktion von Samsung ergibt sich aus der Bedingung erster Ordnung für das Gewinnmaximum. Die Gewinnfunktion lautet: G1 = px1 – K1 = [140 – 0,05(x1 + x2)]x1 – 4 000 – 20x1 = Max! Die erste Ableitung wird gleich Null gesetzt: 1 1 dG dx = 140 – 2 ∙ 0,05x1 - 0,05x2 – 20 = 0 Für x1 aufgelöst erhält man die gewinnmaximale Menge von Samsung bei alternativen Produktionsmengen von Infineon. x1 = 1 200 – 0,5x2 Analog dazu gilt für die Reaktionsfunktion von Infineon: x2 = 1 200 – 0,5x1 b) Durch Gleichsetzen der Reaktionsfunktionen bestimmt sich die gewinnmaximale Menge im Marktgleichgewicht. x1 = 1 200 – 0,5 ∙ (1.200 – 0,5x1) → x1 = 800 In die Nachfragefunktion eingesetzt ergibt sich der Gleichgewichtspreis: p = 140 – 0,05 ∙ 1 600 = 60 Jedes der Unternehmen erwirtschaftet einen Gewinn in Höhe von G = 800 ∙ 60 – 4 000 - 20 ∙ 800 = 48 000 – 20 000 = 28 000 c) Für den Fall, dass es den Unternehmen gelingt, eine Absprache zu treffen, handeln sie als Monopolist. Aus der Bedingung erster Ordnung für das Gewinnmaximum bestimmen sich der Marktpreis und die Angebotsmenge im Marktgleichgewicht. G = p ∙ x – K = 140 – 0,05x – 4 000 – 20x = Max! Die Bedingung erster Ordnung für das Gewinnmaximum erfordert, dass die erste Ableitung gleich Null gesetzt wird: dG dx = 140 - 2 ∙ 0,05x – 20 = 0 → x = 1 200 → p = 140 – 0,05 ∙ 1 200 = 80 Wenn sich die Unternehmen als Monopolist verhalten, produziert jeder Anbieter die halbe Monopolmenge und erzielt einen Gewinn von G = 600 ∙ 80 – 4 000 - 20 ∙ 600 = 48 000 – 16 000 = 32 000 7.4 Monopolistische Konkurrenz und Oligopolpreisbildung 357 d) Der einzelne Anbieter maximiert unter der Bedingung der vollständigen Konkurrenz seinen Gewinn, wenn er die Menge anbietet, bei der der Preis gerade so hoch ist wie die Grenzkosten der zuletzt abgesetzten Einheit. Da beide Unternehmen dieselben Grenzkosten haben, werden sie ihre Angebotsmenge solange ausdehnen, bis der Preis den Grenzkosten entspricht. Somit gilt p = c. Die Angebotsmenge bei einem Preis von 20 ergibt sich aus der Nachfragefunktion: 20 = 140 – 0,05x → x = 2 400 Wenn die beiden Unternehmen sich als Mengenanpasser verhalten, werden sie die Menge von 2.400 Einheiten anbieten. Sofern jeder Anbieter die halbe Menge produziert, bedeutet dies für den Gewinn: G =2 400 ∙ 20 – 4 000 - 20 ∙ 2 400 = 48 000 – 52 000 = – 4 000 Wenn sich die Unternehmen als Mengenanpasser verhalten, wird jedes einen Verlust in Höhe seiner Fixkosten machen. 7.4.3.2 Statischer Preiswettbewerb – das Bertrand-Modell Der am meisten geäußerte Kritikpunkt am Cournot-Modell betrifft den Mengenwettbewerb. In Oligopolmärkten entscheiden Unternehmen nicht über die Angebotsmenge, sondern ihr wichtigster Aktionsparameter ist der Preis. Dann entscheidet der Markt, welche Menge zu diesem Preis abgesetzt werden kann. In Katalogen und Prospekten von Anbietern sind die einzelnen Produkte mit Preisen ausgezeichnet. Ein Herrenausstatter zum Beispiel gibt nicht bekannt, wie viele Anzüge er anbieten will, sondern er zeichnet die Ware mit einem Preis aus. Die Käufer entscheiden dann, wie viele Anzüge sie zu diesem Preis kaufen wollen. Diese Kritik wurde von Bertrand26 aufgegriffen und ein Modell des Preiswettbewerbs entwickelt. Dem Bertrand-Wettbewerb liegen folgende Annahmen zu Grunde: • Wir gehen von einem homogenen Oligopol aus und beschränken unsere Analyse auf den Fall des Duopols. • Beide Unternehmen haben konstante und identische Grenzkosten. Von Fixkosten sehen wir zunächst ab. • Die Unternehmen bieten ein homogenes Produkt an. Die Homogenität der Produkte hat zusammen mit der Informationsvollkommenheit des Marktes zur Folge, dass die Absatzmenge eines Anbieters, der seinen Preis höher setzt als den Preis des billigsten Anbieters, auf null sinkt. • Jedes Unternehmen nimmt den Preis als Aktionsparameter und entscheidet über seinen Preis, wobei es die Preise der anderen Anbieter als gegeben betrachtet. • Die gesamte Marktnachfrage werde durch die folgende Nachfragefunktion dargestellt: x = 180 – 12p. Dies führt zur Preis-Absatz-Funktion: p = 15 – 1/12 ∙ x Wir gehen für unsere Überlegungen von einem Cournot-Nash-Gleichgewicht aus und unterstellen, dass zu dem herrschenden Marktpreis von 7,67  € jedes Unternehmen 44 Einheiten produziert und anbietet. Dieses Marktgleichgewicht mit den Produktionsmengen der Unternehmen A und B ist im Punkt G in Abbildung 7-29 dargestellt. Unter den Bedingungen des Mengenwettbewerbs war dieses Ergebnis ein stabiles Gleichgewicht. Ist dies jedoch auch ein mögliches Nash-Gleichgewicht im Preiswettbewerb? Um diese Frage zu beantworten, betrachten wir die Entscheidungssituation des Unternehmens A. Würde das Unternehmen A seinen Preis über den des Unternehmens B anheben, würde es seine 26 Französischer Mathematiker Joseph Bertrand (1822 – 1900). 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen358 gesamte Nachfrage verlieren, seine Absatzmenge und sein Gewinn gingen auf null zurück. Für alle Preise pA > pB bis zum Höchstpreis fällt die Nachfragekurve des Unternehmens A mit der Ordinate zusammen. Beim Preis pA = pB sei angenommen, dass jedes Unternehmen die Hälfte der nachgefragten Menge absetzen könne. Wenn das Unternehmen A nun den Preis von B unterbieten würde, indem es etwa seinen Preis auf 7 € senkt, würde es die gesamte Nachfrage auf sich lenken. Infolge der Preissenkungen reduziert sich zwar sein Erlös für die bisherige Menge um 0,76 ∙ 44 = 33,44 (in Abbildung 7-29 als Verlust gekennzeichnet), gleichzeitig steigt aber sein Umsatz, weil es die gesamte Nachfrage des Unternehmens B auf sich zieht und die Absatzmenge auf insgesamt 96 Mengeneinheiten steigern kann. Der darauf entfallende Erlöszuwachs beträgt 364, der Gewinnzuwachs ist in Abbildung 7-29 mit Gewinn gekennzeichnet. Aber auch diese Situation wird nicht stabil sein, denn nun kann das Unternehmen B seinerseits den Preis senken und würde die gesamte Nachfrage auf sich ziehen mit der Folge, dass sein Gewinn steigt. Diese Preisunterbietungen werden sich solange fortsetzen, bis kein Unternehmen durch eine Preissenkung mehr einen Vorteil erlangen kann. Dies ist genau dann der Fall, wenn der Preis geradeso hoch ist wie die Grenzkosten. Kein Unternehmen wird seinen Preis niedriger setzen als die Grenzkosten der Produktion, weil es dann Verluste macht. Kein Unternehmen kann den Preis über die Grenzkosten anheben, denn es wird seine gesamte Absatzmenge verlieren, solange das andere Unternehmen bei seiner Preisstrategie bleibt. Ein Nash-Gleichgewicht ergibt sich nur beim Preis von pA = pB = K’. Zu diesem Preis können 132 Mengeneinheiten abgesetzt werden. Jedes Unternehmen produziert davon die Hälfte und beide Unternehmen erzielen „Nullgewinne“. Damit entspricht das Ergebnis des statischen Preiswettbewerbs im vollkommenen Oligopol dem der vollständigen Konkurrenz. Dies ist bemerkenswert, weil dieses Ergebnis unabhängig davon ist, wie viele Wettbewerber in dem Markt sind (es gilt für zwei oder 10 Unternehmen gleichermaßen) oder ob der Marktzutritt möglich ist oder nicht. Im Bertrand-Modell mit statischem Preiswettbewerb ergibt sich allerdings aus der Annahme konstanter Grenzkosten ein Problem, wenn wir zusätzlich realistischerweise Fixkosten 0 2 4 6 8 10 12 14 0 30 60 90 120 150 180 Preis x Nachfragekurve des Unternehmens A K’ N Verlust Gewinn xA=44 xB=44 G Abbildung 7-29: Statischer Preiswettbewerb im Bertrand Modell 7.4 Monopolistische Konkurrenz und Oligopolpreisbildung 359 berücksichtigen. Wenn jedes Unternehmen seine Produkte zu Preisen in Höhe der Grenzkosten verkauft, bedeutet dies, dass die Unternehmen Deckungsbeiträge von Null erzielen. Somit entsteht im Nash-Gleichgewicht bei jedem Unternehmen ein Verlust in Höhe der Fixkosten. Da kein Unternehmen dauerhaft Verluste hinnehmen kann, wird langfristig nur ein Unternehmen im Markt bleiben. Ein ruinöser Preiswettbewerb könnte etwa entscheiden, welches Unternehmen aus dem Markt ausscheiden muss. Die Problematik von dauerhaften Verlusten in Höhe der Fixkosten im statischen Preiswettbewerb gilt allerdings nur in dem besonderen Fall konstanter Grenzkosten, weil in diesem Fall die Stückkosten immer höher sind als die Grenzkosten und der Preis. Im Fall steigender Grenzkosten wäre die langfristige Preisuntergrenze im Minimum der Stückkosten und beide Oligopolisten erzielten „Nullgewinne“. 7.4.3.3 Preis- oder Mengenwettbewerb? Sowohl das Cournot-Modell als auch das Bertrand-Modell enthalten Elemente, denen man intuitiv zu stimmen kann, und andere, die mit der Realität nicht vereinbar sind. Unmittelbar nachvollziehbar ist im Mengenwettbewerb, dass in Oligopolmärkten • Preise zu Stande kommen, die höher als die Wettbewerbspreise sind, die aber unter dem Monopolpreis liegen. • die angebotene und nachgefragte Menge kleiner ist als bei vollkommener Konkurrenz. • Gewinne erzielt werden, die niedriger sind als der Monopolgewinn und mit zunehmender Zahl der Wettbewerber kleiner werden. Als wenig realistisch erweist sich im Cournot-Modell, dass in Oligopolmärkten die Menge der unternehmerische Aktionsparameter sein soll. Der Intuition im Preiswettbewerb entspricht, dass • Unternehmen in Oligopolmärkten Preispolitik betreiben. • man in bestimmten wirtschaftlichen Situationen tatsächlich einen intensiven Preiswettbewerb beobachten kann. • ein Unternehmen Preisunterbietungen strategisch einsetzen kann, um Wettbewerbern Marktanteile abzujagen oder um zusätzliche Aufträge zu gewinnen. Wenig intuitiv ist dagegen das Ergebnis, dass • der Preiswettbewerb zu Verhältnissen führt wie auf Märkten mit vollkommener Konkurrenz und „Nullgewinnen“. • Unternehmen so hohe Kapazitäten vorhalten, dass sie bei einer Preissenkung jederzeit die gesamte Nachfrage befriedigen können. In beiden Modellen wurde außerdem die Annahme gemacht, dass jedes Unternehmen die Entscheidung des Gegenspielers als gegeben hinnimmt. Tatsächlich werden die konkurrierenden Unternehmen nicht tatenlos zusehen, welche Preis- oder Mengenentscheidungen ein rivalisierendes Unternehmen trifft. Das Management wird lernen und frühzeitig auf Entscheidungen der Wettbewerber reagieren. Keines der Modelle kann solche dynamischen Prozesse abbilden. Es sind statische Modelle, die zeigen, dass ein Marktgleichgewicht existiert, dass dieses Gleichgewicht allein durch die Interaktion der Marktteilnehmer zustande kommt und, wenn es wie auch immer erreicht ist, ein stabiles Marktgleichgewicht darstellt. Die Modelle sind nicht in der Lage, die Prozesse zu beschreiben, die zu diesem Gleichgewicht führen. 7 Preisbildung bei alternativen Marktformen360 Gleichwohl können wir uns überlegen, unter welchen Bedingungen in einem Markt eher ein Preis- bzw. Mengenwettbewerb zu beobachten ist. Eine Implikation des Bertrand-Wettbewerbs ist, dass jeder Anbieter eine ausreichend hohe Produktionskapazität vorhält, um die auf ihn entfallende Nachfrage jederzeit befriedigen zu können. Theoretisch würde dies bedeuten, dass jeder Anbieter eine Kapazität vorhält, die gerade an die Absatzmenge heranreicht, die im Marktgleichgewicht abgesetzt werden kann. Dies muss aber in der Realität nicht gegeben sein. Es genügt, wenn in einer Industrie erhebliche freie Kapazitäten vorhanden sind, sei es weil als Folge einer rezessiven Konjunkturphase die Nachfrage zu gering ist und/oder strukturelle Überkapazitäten vorhanden sind. Ein Beispiel dafür war die amerikanische Automobilindustrie vor Beginn der Finanzkrise. Vor dem Hintergrund eines erheblichen Kapazitätsüberhangs bei Ford, GM und Chrysler lieferten sich die drei großen amerikanischen Hersteller kostspielige Rabattschlachten mit Rabatten von bis zu 6.000 US-Dollar pro Fahrzeug. Gleichzeitig wiesen Ford und GM Verluste aus. Die Schlussfolgerung kann somit nur lauten, dass die Unternehmen, um ihre Kapazitäten auszulasten, Neufahrzeuge unter den Stückkosten verkauften und keine oder zu geringe Deckungsbeiträge erwirtschafteten. Um aus diesen kostspieligen, ruinösen Preiskämpfen herauszukommen, haben die amerikanischen Hersteller beschlossen, in großem Umfang Fabriken stillzulegen und Kapazitäten abzubauen. Im Bertrand-Wettbewerb können Unternehmen langfristig nur bestehen, wenn keine Fixkosten anfallen bzw. die anfallenden Fixkosten alle Sunk Costs darstellen. Sunk Costs spielen für die Festlegung des Outputniveaus keine Rolle, da sie auch bei einer Einstellung des Geschäftsbetriebs nicht rückgängig gemacht werden können. Ein Beispiel dafür sind hohe Aufwendungen für Forschung und Entwicklung, um neue Produkte oder Systeme auf den Markt zu bringen. Soweit das dafür erforderliche Know-how sehr spezifisch ist, sind diese Aufwendungen weitgehend als versunken zu betrachten. Ein Beispiel dafür ist die Flugzeugindustrie. Den Entwicklungsaufwand für ein neues Flugzeug muss ein Hersteller aufbringen, bevor das System in die Produktion geht. Er stellt Fixkosten dar. Die variablen Kosten bestehen in den laufenden Produktionskosten. Gemessen an den gesamten Kosten pro Flugzeug haben die Entwicklungskosten ein großes Gewicht. In dieser Situation sind die großen Hersteller im harten Kampf um Aufträge und Marktanteile gegebenenfalls auch bereit, Preiszugeständnisse zu machen und im Einzelfall auf die volle Deckung der Fixkosten zu verzichten. Denn verlorene Aufträge liefern gar keine Deckungsbeiträge, so dass im Kampf um Aufträge Preisunterbietungen ein Instrument sein können, um Kapazitäten auszulasten. Voraussetzung für die Entstehung eines Preiswettbewerbs sind entweder angebotseitig zu hohe frei Kapazitäten oder ein Nachfrageeinbruch, der dazu führt, dass bisher ausgelastete Kapazitäten frei werden. Wenn dagegen die im Markt vorhandenen Anbieter ihre Kapazitäten so bemessen, dass sie zu dem im Cournot-Gleichgewicht herrschenden Preis ihre Kapazitäten auslasten können, besteht für den einzelnen Anbieter kein Anlass, in einen Preiswettbewerb einzutreten, weil er bei ausgelasteten Kapazitäten die zusätzliche Nachfrage gar nicht befriedigen kann. Die Bertrand-Lösung erfordert, dass jedes Unternehmen seine Kapazitäten so wählt, dass es jede auf sich entfallende Nachfrage auch befriedigen kann. Wenn Unternehmen ihre Gewinne maximieren wollen, müssen sie sich also schon bei der Wahl ihrer Produktionskapazitäten Gedanken darüber machen, welche Preise und welche Wettbewerbsbedingungen sich nach der Inbetriebnahme ihrer Produktionskapazitäten einstellen werden. 7.4 Monopolistische Konkurrenz und Oligopolpreisbildung 361 Wir haben es somit mit einem zweistufigen Spiel zu tun. Auf der ersten Stufe des Spiels entscheiden die Unternehmen über ihre Kapazitäten, auf der zweiten Stufe treffen sie ihre Preisentscheidungen. Welche Entscheidungen die Unternehmen treffen, die zu einem stabilen Marktgleichgewicht führen, lässt sich mit Hilfe der Rückwärtsinduktion lösen. Betrachten wir zuerst die Stufe des Preiswettbewerbs und gehen von gegebenen Produktionskapazitäten aus. Die Investitionskosten in die Produktionsanlagen seien Sunk Costs. Dann wissen wir, dass ein Preiswettbewerb zu Stande kommt und dass es solange zu Preisunterbietungen kommt, bis jedes Unternehmen seine Kapazitäten ausgelastet hat. Damit ergibt sich ein Bertrand-Gleichgewicht mit einem Gleichgewichtspreis und einer Nachfragemenge wie unter den Bedingungen der vollkommenen Konkurrenz. Unter der Bedingung konstanter Grenzkosten werden die Unternehmen Verluste in Höhe ihrer Fixkosten machen. Wenn den Unternehmen das Ergebnis der zweiten Stufe des Spiels bekannt ist, werden Sie dies in der ersten Stufe berücksichtigen müssen, denn mit ihrer Entscheidung über die Produktionskapazitäten entscheiden die Unternehmen gleichzeitig über künftige Angebotsmengen und über die Höhe des Marktpreises. Die Entscheidung der Unternehmen über die Produktionskapazitäten ist somit ein Mengenwettbewerb und im Cournot-Modell ergibt sich als Nash-Gleichgewicht, dass jedes Unternehmen gerade die Oligopolmenge wählt. Dies bedeutet, dass die Unternehmen ihre Gewinne maximieren, wenn sie ihre Produktionskapazitäten gerade so groß wählen, dass sie eine Angebotsmenge bereitstellen können, die dem Cournot -Gleichgewicht entspricht. Wenn sie dann in der zweiten Stufe in einen Preiswettbewerb eintreten, werden die Unternehmen solange ihre Angebotspreise unterbieten, bis sie ihre Kapazitäten ausgelastet haben. Der Marktpreis und die Angebotsmenge entsprechen dann dem Nash-Cournot-Gleichgewicht. Die Unternehmen erwirtschaften Gewinne, die niedriger sind als der Monopolgewinn, aber höher als im Preiswettbewerb. Der Grund für dieses Verhalten ist, dass die Unternehmen die zerstörerischen Folgen eines ruinösen Preiswettbewerbs erkennen und deshalb versuchen werden, diese Form des Wettbewerbs zu vermeiden, indem sie ihre Produktionskapazitäten begrenzen. Je besser dies den Unternehmen einer Branche gelingt, umso geringer ist der Preiswettbewerb. Der Wunsch nach stabilen Preisen und die Angst vor ruinösem Preiswettbewerb können in oligopolistisch strukturierten Branchen zu vergleichsweise starren Preisen führen. Die hier dargestellten Modelle der Oligopolpreisbildung sind statische Modelle. Es gibt eine große Zahl weiterer Modelle, die das Verhalten von Unternehmen in oligopolistischen Märkten analysieren. Drei weitere Modelle stehen als Onlinedokument zur Verfügung. Darin werden der dynamische Mengenwettbewerb, der Preiswettbewerb im heterogenen Oligopol und das Phänomen der Preisstarrheiten thematisiert. 8 Abweichungen von den Bedingungen des allgemeinen Gleichgewichts Kapitelübersicht 8.1 Bedingungen für eine optimale Allokation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 363 8.2 Externe Effekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 365 8.2.1 Definition und Arten externer Effekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 365 8.2.2 Konsequenzen negativer externer Effekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 367 8.2.3 Konsequenzen positiver externer Effekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 368 8.2.4 Internalisierung externer Effekte am Beispiel der Umweltpolitik . . . . . . . . . . . . 369 8.2.4.1 Internalisierung externer Effekte durch Verhandlungen . . . . . . . . . . . . . . . 369 8.2.4.2 Emissionsstandards und Grenzwerte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 373 8.2.4.3 Internalisierung externer Effekte durch Umweltsteuern . . . . . . . . . . . . . . . 374 8.2.4.4 Handelbare Emissionsrechte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 377 8.3 Öffentliche Güter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 380 8.3.1 Definition und Abgrenzung öffentlicher Güter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 380 8.3.2 Optimale Bereitstellung öffentlicher Güter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 382 8.3.3 Finanzierung öffentlicher Güter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 383 8.4 Gemeineigentum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 384 8.5 Unvollständige und asymmetrische Information . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 386 8.5.1 Formen unvollständiger Information. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 386 8.5.2 Asymmetrische Information – Principal-Agent-Ansatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 389 8.5.3 Asymmetrische Information – Adverse Selection . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 394 8.6 Transaktionskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 398 8.6.1 Grenzen der neoklassischen Analyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 398 8.6.2 Transaktionskosten als Ursache für die Entstehung von Unternehmen. . . . . . . 399 8.6.3 Transaktionen und Transaktionskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 400 8.6.4 Verhaltensannahmen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 402 8.6.5 Merkmale von Transaktionsbeziehungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 403 8.6.6 Zuordnung von Vertragstypen zu Transaktionstypen – einige Ergebnisse der Transaktionskostentheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 405

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Vorteile

- Zugeschnitten auf die Bachelor-Ausbildung

- Moderne didaktische Aufbereitung

Zum Werk

Das Buch deckt das Pflichtfach Volkswirtschaftslehre der Bachelor-Studiengänge Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen ab.

Zum didaktischen Konzept des praxisnahen Lehrbuchs gehören insbesondere vier Elemente:

- Den einzelnen Kapiteln sind Lehrziele vorangestellt. Diese vermitteln die wichtigsten Inhalte und die Logik der Argumentation.

- Die Autoren haben darauf geachtet, dass der Lehrstoff sowohl vom Schwierigkeitsgrad als auch vom Abstraktionsniveau her gut lesbar bleibt. Ganz überwiegend haben sie die Zusammenhänge anhand von grafischen Darstellungen oder Zahlenbeispielen untersucht, so dass sie auf ausführliche formale Ableitungen verzichten konnten.

- Zahlreiche Praxisbeispiele stellen den unmittelbaren Praxisbezug her und zeigen vielfältige Anknüpfungspunkte zum täglichen Leben. Gleichzeitig demonstrieren sie dabei die Anwendungsmöglichkeiten des volkswirtschaftlichen Instrumentariums.

- Schließlich ermöglichen in den Text integrierte Übungen mit den jeweiligen Lösungsmustern eine fortlaufende Verständniskontrolle des erarbeiteten Stoffs.

Autoren

Prof. Dr. Sibylle Brunner, Neu-Ulm; Prof. Dr. Karl Kehrle, München.

Zielgruppe

Studierende in betriebswirtschaftlichen Bachelor-Studiengängen an Universitäten und Fachhochschulen.