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2.2 Rechnungstechnische Abgrenzungen in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 810 - 814

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_810

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
2.2 Rechnungstechnische Abgrenzungen 791 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 791 Status: Imprimatur nung von Kosten eignet, als Leistung zu betrachten ist (Plinke, Leistungs- und Erlösrechnung, Sp. 2563). Diese weite Begriffsfassung ist aber für die hier verfolgten Zwecke nur bedingt geeignet; als Leistung oder Betriebsertrag soll deshalb im Folgenden der Wert des Zugangs an Gütern, Dienstleistungen und Geld auf Grund der betrieblichen Tätigkeit während einer Periode verstanden werden (s. Teil B, Kap. 8, S. 981 ff.). 2.2 Rechnungstechnische Abgrenzungen Die im Rechnungswesen einer Unternehmung geldmäßig erfassten Güter- und Leistungsströme bewirken eine Veränderung der in einem Unternehmen gehaltenen Bestände. Je nachdem, auf welcher Rechnungsebene Bestandsänderungen hervorgerufen werden, ist zwischen Auszahlung, Einzahlung, Ausgabe, Einnahme, Aufwand, Ertrag, Kosten und Betriebsertrag (Leistung) zu unterscheiden. Eine übersichtliche Darstellung einschließlich der aus Zustrom und Abstrom resultierenden Bestandsveränderungen zeigt die folgende Matrix der Rechnungsebenen und Rechnungsgrößen (vgl. Krümmel, Finanzplanung, S. 226; vgl. hierzu auch die Ausführungen im Einleitungsteil, Kap. 1, S. 3 ff.). Rechnungsebene Bestände und ihre Komponenten Zustrom Abstrom Bestandsver änderungen U n te rn eh m en se b en e Zahlungs mittel ebene Kassenbestand + jederzeit verfügba re Bankguthaben = Zahlungsmittel bestand Einzahlung Auszahlung Zahlungs mittel bestands veränderung Geldvermö gensebene Zahlungsmittelbe stand + alle übrigen Forderungen ./. Verbindlichkeiten = Geldvermögen Einnahme Ausgabe Geldvermö gensänderung Reinvermö gensebene Geldvermögen + Sachvermögen = Reinvermögen Ertrag Aufwand Reinvermö gensänderung (Gewinn/ Verlust) Betriebs ebene Betriebsnotwendiges (kalkulatorisches) Vermögen Betriebs ertrag (Leistung) Kosten Betriebserfolg Matrix der Rechnungsebenen und Rechnungsgrößen Auszahlung (Einzahlung): Abfluss (Zufluss) liquider Mittel aus dem (in den) Unternehmensbereich in die (aus der) wirtschaftliche(n) Umwelt. Ausgabe (Einnahme): Auszahlungen (Einzahlungen) + Zugang (Abgang) an Verbindlichkeiten + Abgang (Zugang) an Forderungen. 2 Definitorische Grundlagen792 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 792 Status: Imprimatur Aufwand (Ertrag): Bewerteter Verbrauch (Zuwachs) von Gütern und Dienstleistungen innerhalb einer Abrechnungsperiode. Kosten (Betriebsertrag): Bewerteter Güter- und Leistungsverbrauch einer Periode, der zur Erstellung und zum Absatz der betrieblichen Produkte und zur Aufrechterhaltung der hierfür notwendigen Kapazitäten erforderlich ist (Wert des Zugangs an Gütern, Dienstleistungen und Geld auf Grund der betrieblichen Tätigkeit während einer Periode). Die Abgrenzung von Auszahlungen und Ausgaben bzw. Einzahlungen und Einnahmen ergibt sich aus der unten folgenden Darstellung. Nicht ausgabewirksame Auszahlungen liegen immer dann vor, wenn eine Auszahlung in gleicher Höhe mit einer Senkung der Verbindlichkeiten (z. B. Bartilgung eines Kredits) oder mit einer Erhöhung der Forderungen (z. B. Vergabe eines Darlehens an einen Kunden) verbunden ist und sich somit Ausgaben in Höhe von null ergeben. Analog sind nicht einnahmegleiche Einzahlungen alle Einzahlungen, die unmittelbar in gleicher Höhe zu einer Abnahme der Forderungen (z. B. Rückzahlung eines vergebenen Darlehens durch den Schuldner) oder zu einer Zunahme der Verbindlichkeiten (z. B. Aufnahme eines Bankkredits mit Barauszahlung) führen. Nicht auszahlungswirksame Ausgaben sind demgegenüber ausgabewirksame Geschäftsvorfälle, die den Zahlungsmittelbestand nicht negativ berühren wie beispielsweise der Kauf von Waren oder Rohstoffen auf Ziel. Entsprechend sind nicht einzahlungswirksame Einnahmen alle Einnahmen, die den Zahlungsmittelbestand nicht positiv tangieren wie z. B. der Verkauf von Waren und Produkten auf Ziel. Auszahlungen Nicht ausgabewirksame Auszahlung (z. B. Bar rückzahlung eines Bank kredits, Vergabe eines Kundendarlehens) Ausgabewirksame Aus zahlung (z. B. Einkauf von Rohstoffen gegen Barzahlung) Auszahlungswirksame Ausgaben Nicht auszahlungswirksa me Ausgaben (z. B. Ein kauf von Waren auf Ziel) Ausgaben Einzahlungen Nicht einnahmewirksame Einzahlung (z. B. Aufnah me eines Bankkredits mit Barauszahlung) Einnahmewirksame Ein zahlung (z. B. Barverkauf, Bareinlage eines Unter nehmenseigners) Einzahlungswirksame Einnahmen Nicht einzahlungswirk same Einnahmen (z. B. Verkauf von Waren und Produkten auf Ziel) Einnahmen Abgrenzung von Auszahlungen und Ausgaben bzw. Einzahlungen und Einnahmen 2.2 Rechnungstechnische Abgrenzungen 793 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 793 Status: Imprimatur Ausgaben und Aufwand bzw. Einnahmen und Ertrag werden, wie unten dargestellt, voneinander abgegrenzt. Nicht aufwandsgleiche Ausgaben sind Ausgaben, soweit diese erst in späteren Rechnungsperioden oder nie zu Aufwand führen (z. B. Beschaffungen auf Lager oder Kauf eines Grundstücks). Nicht ertragsgleiche Einnahmen sind alle Einnahmen, die innerhalb der Periode nicht zu Erträgen führen (z. B. Verkauf eines Grundstücks zum Buchwert). Ein nicht einnahmewirksamer Ertrag liegt demgegenüber immer dann vor, wenn ein ertragswirksamer Vorgang erst in späteren Perioden zu Einnahmen führt (z. B. Produktion auf Lager). Ein nicht ausgabewirksamer Aufwand ergibt sich, wenn einem Aufwand in der Periode keine entsprechende Ausgabe gegenübersteht. Dies ist beispielsweise beim Einsatz von Produktionsfaktoren aus Lagerbeständen oder bei Abschreibungen der Fall. Die Abgrenzung des Aufwands gegenüber den Kosten wird in zwei Stufen durchgeführt (Kilger, Kostenrechnung, S. 24 f.): Da Kosten als bewerteter Verbrauch an Gütern und (Dienst-)Leistungen zur Erstellung und zum Absatz betrieblicher Produkte definiert sind, werden vom Aufwand zunächst jene neutralen Positionen abgegrenzt, die in keinem Zusammenhang mit der Leistungserstellung der Periode stehen (Merkmal der Leistungsbezogenheit). Betriebsfremder Aufwand (z. B. Spenden), außerordentlicher Aufwand (z. B. Feuer- oder Unfallschäden) sowie periodenfremder Aufwand (z. B. Steuernachzahlungen) sind daher keine Kostenbestandteile. Die Differenz zwischen dem gesamten Aufwand und diesem neutralen Aufwand ergibt den Zweckaufwand. Ausgaben der Periode Nicht aufwandsgleiche Ausgaben (z. B. Beschaf fung auf Lager) Aufwandsgleiche Ausga ben (z. B. Verbrauch von in der Periode beschafften Stoffen) Ausgabewirksamer Aufwand Nicht ausgabewirksamer Aufwand (z. B. Abschrei bungen) Gesamter Aufwand Einnahmen der Periode Nicht ertragsgleiche Ein nahmen (z. B. Barverkauf eines Grundstücks zum Buchwert) Ertragsgleiche Einnah men (z. B. Barverkauf von Erzeugnissen, die in der Periode erstellt wurden) Einnahmewirksamer Ertrag Nicht einnahmewirksamer Ertrag (z. B. Produktion auf Lager) Gesamter Ertrag Abgrenzung von Ausgaben und Aufwand bzw. Einnahmen und Ertrag 2 Definitorische Grundlagen794 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 794 Status: Imprimatur Eine weitere Abgrenzung wird erforderlich, weil ein Teil des Zweckaufwands nicht bzw. nicht in derselben Höhe als Kosten verrechnet, sondern durch kalkulatorische Kostenarten ersetzt bzw. erweitert wird (im Einzelnen vgl. Teil B, Abschn. 3.1.2.5, S. 812). Ein Teil der kalkulatorischen Kosten, der als Anderskos ten bezeichnet wird, wird sowohl in der externen Geschäftsbuchführung als Aufwand als auch in der internen Unternehmensrechnung als Kosten erfasst, erfährt jedoch eine unterschiedliche Behandlung. Der Unterschied liegt lediglich in der Preiskomponente (Wertgerüst), da nicht an historischen Anschaffungskosten orientierte Wertansätze, sondern leistungsorientierte Knappheitspreise (Opportunitätskosten) zum Ansatz kommen. Als Beispiel seien hier die Abschreibungen genannt, die in der Geschäftsbuchführung nach dem Prinzip der nominellen Kapitalerhaltung durchgeführt werden müssen, in der Kostenund Leistungsrechnung jedoch häufig nach dem Prinzip der substanziellen Kapitalerhaltung vorgenommen werden. Dieser Sachverhalt führt zu unterschiedlichen Wertansätzen. Der andere Teil der kalkulatorischen Kosten, der als Zusatzkosten bezeichnet wird, hat im Aufwandsbereich kein Äquivalent. In der Kostenrechnung werden Beträge errechnet, die sich weder mengen- noch wertmäßig im externen Rechnungswesen niederschlagen. Beispiele dafür sind Zinsen auf das Eigenkapital, Miete für eigene Betriebsräume, kalkulatorischer Unternehmerlohn und kalkulatorische Wagniskosten. Gesamter Aufwand Zweckaufwand Neutraler Aufwand Als Kosten verrechne ter Zweckaufwand Nicht als Kosten verrechneter Zweckaufwand Grundkosten Anderskosten* Zusatzkosten Kalkulatorische Kosten Gesamtkosten * Die Anderskosten können größer oder kleiner als der nicht als Kosten verrechnete Zweck aufwand sein. Abgrenzung von Aufwand und Kosten Analog erfolgt auch die Abgrenzung von Ertrag und Betriebsertrag in zwei Stufen. Nach Ermittlung der neutralen Erträge wird der Teil des Zweckertrages, der nicht als Betriebsertrag verrechnet wird, durch kalkulatorische Betriebserträge ersetzt. Entsprechend den kalkulatorischen Kosten stellen die kalkulatorischen Betriebserträge einen Wertzuwachs dar, der sich hinsichtlich des Andersbe triebsertrages gegenüber der Ertragsrechnung durch eine andere Bewertung mengenmäßig gleicher Zuwächse auszeichnet. 2.3 Formale Struktur der Kostenrechnung 795 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 795 Status: Imprimatur Gesamter Ertrag Zweckertrag Neutraler Ertrag Als Betriebsertrag verrechneter Zweck ertrag Nicht als Be triebs ertrag ver rechneter Zweckertrag Grundbetriebsertrag Andersbetriebs ertrag* Zusatzbe triebsertrag Kalkulatorischer Betriebsertrag Gesamtbetriebsertrag ( leistung) * Der Andersbetriebsertrag kann größer oder kleiner als der nicht als Betriebsertrag verrech nete Zweckertrag sein. Abgrenzung von Ertrag und Betriebsertrag 2.3 Formale Struktur der Kostenrechnung 2.3.1 Kostenrechnungssysteme Zur Erfüllung der vielfältigen Aufgaben der Kostenrechnung als innerbetriebliches Kontroll- und Lenkungsinstrument (s. Teil B, Kap. 1, S. 787 f.) sind eine Reihe spezifischer Abrechnungsverfahren mit jeweils sich unterscheidender inhaltlicher Ausgestaltung der Grundelemente (Kostenarten-, Kostenstellen-, Kostenträgerrechnung) jeder Kostenrechnung entwickelt worden. Kostenrech nungssysteme bestimmen folglich den jeweiligen Abrechnungsgang programmatisch mit entsprechender Konsequenz bezüglich Eignung und Qualität der damit erzielten Kontroll- und Vorgabeinformationen. Kostenrechnungssysteme lassen sich grundsätzlich nach den beiden Merkmalen: Charakter oder auch Zeitbezug der Kosten sowie Verrechnungs- bzw. Sachumfang der Kosten differenzieren (vgl. Coenenberg/Fischer/Günther, Kostenrechnung und Kostenanalyse, S. 61). 1) Nach dem Zeitbezug kann unterschieden werden, ob tatsächlich angefallene Kosten, durchschnittliche Kosten vergangener Perioden oder prognostizierte Kosten künftiger Perioden verrechnet werden. Entsprechend diesem unterschiedlichen Kostenansatz sind – Istkostenrechnungssysteme – Normalkostenrechnungssysteme und – Plankostenrechnungssysteme zu unterscheiden. 2) Nach dem Sachumfang ist zu differenzieren, ob sämtliche oder nur ein Teil der Kosten verrechnet werden. Danach lassen sich – Vollkostenrechnungen und – Teilkostenrechnungen unterscheiden.

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.