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Übungsbeispiel in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 760 - 765

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_760

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
16 Organisatorische Verbindung von Geschäfts- und Betriebsbuchführung740 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 740 Status: Imprimatur Dabei werden im Rechnungskreis I die Aufwendungen und Erträge aus der Geschäftsbuchführung erfasst. Im Rechnungskreis II werden diese dann zunächst von den in der Betriebsbuchführung verrechneten Kosten und Leistungen abgegrenzt und damit das Abgrenzungsergebnis (neutrales Ergebnis) ermittelt. Im Anschluss daran erfolgt die Betriebsbuchführung mit der Ermittlung des Betriebsergebnisses. Im Gesamtergebnis müssen die Rechnungskreise I und II somit wieder übereinstimmen. Der Industrie-Kontenrahmen hat sich der Entwicklung zur statistisch-tabellarischen Durchführung der Betriebsbuchführung dadurch angepasst, dass er für die meist noch in Kontenform durchgeführte Geschäftsbuchführung die Kontenklassen 0–8 reserviert, der Kosten- und Leistungsrechnung die Kontenklasse 9 zuweist und damit zum Ausdruck bringt, dass dieser Teil des betrieblichen Rechnungswesens nicht primär in der traditionellen Form, sondern und vor allem auch tabellarisch abgewickelt werden kann. Im Verlauf der weiteren Ausführungen wird aus didaktischen Gründen zunächst grundsätzlich an der kontenmäßigen Abwicklung des Rechnungswesens festgehalten, in vielen Fällen aber auch auf die statistisch-tabellarische Durchführung näher eingegangen. Übungsbeispiel: Abgrenzung von Geschäftsbuchführung und Betriebsbuchführung nach GKR und IKR (vgl. Wörner, Handels- und Steuerbilanz, S. 37 ff.): Die Buchführung weist für eine Abrechnungsperiode die folgenden Daten aus: Betrieblicher Aufwand und Ertrag: Materialverbrauch 60.000, Personalkosten 50.000, Umsatzerlöse 170.000. Neutraler Aufwand und Ertrag: Gebäudereparatur 10.000, Bilanzabschreibung 5.000, Darlehenszinsen 3.000, verdorbene Ware 12.000, Mieterträge 2.000. Kalkulatorische Kosten: Kalk. Abschreibung 5.700, kalk. Zinsen 4.200, kalk. Wagnisse 4.000, kalk. Unternehmerlohn 9.600. Zu ermitteln ist das Betriebs- und das Unternehmensergebnis a) durch Verbuchung nach dem GKR (s. Anhang A.1, S. 1304 ff.), b) durch Verbuchung nach dem IKR (s. Anhang A.4, S. 1316 ff.), c) auf statistisch-tabellarische Weise mittels der Ergebnistabelle. Lösung: a) Verbuchung nach dem GKR: Kontenklasse 2 Kontenklasse 4 S 210 Aufwendungen für Grundstücke und Gebäude H S 40 Stoffverbrauch H 113 10.000 987 10.000 300 60.000 980 60.000 S 211 Erträge für Grundstücke und Gebäude H S 43 Personalkosten H 987 2.000 113 2.000 113 50.000 980 50.000 16.2 Zweikreissysteme 741 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 741 Status: Imprimatur S 230 Bilanzmäßige Abschreibungen H S 480 Verbrauchsbedingte Abschreibungen H 00 5.000 987 5.000 280 5.700 980 5.700 S 240 Zinsaufwendungen H S 481 Betriebsbedingte Zinsen H 113 3.000 987 3.000 281 4.200 980 4.200 S 250 Eingetretene Wagnisse H S 482 Betriebsbedingte Wagnisse H 390 12.000 987 12.000 282 4.000 980 4.000 S 280 Verr. verbrauchsbedingte Abschreibung H S 483 Unternehmerlohn H 987 5.700 480 5.700 283 9.600 980 9.600 S 281 Verr. betriebsbedingte Zinsen H 987 4.200 481 4.200 S 282 Verr. betriebsbedingte Wagnisse H 987 4.000 482 4.000 Kontenklasse 8/9 S 283 Verr. Unternehmerlohn H S 83 Erlöse für Erzeugnisse H 987 9.600 483 9.600 980 170.000 113 170.000 Kontenklasse 9 S 987 Neutrales Ergebnis H S 980 Betriebsergebnis H 210 10.000 211 2.000 40 60.000 83 170.000 230 5.000 280 5.700 43 50.000 240 3.000 281 4.200 480 5.700 250 12.000 282 4.000 481 4.200 283 9.600 482 4.000 989 4.500 483 9.600 30.000 30.000 989 36.500 170.000 170.000 A 989 GuV E 987 4.500 980 36.500 999 32.000 36.500 36.500 Erläuterung der Buchungsschritte: • Verbuchung der betrieblichen Aufwendungen und Erträge auf den Konten der Klassen 4/8 sowie der neutralen Vorgänge in Klasse 2. • Verbuchung der kalkulatorischen Kosten durch den Buchungssatz: Klasse 4 an Klasse 2. Die kalkulatorischen Kosten führen somit in der Klasse 2 zu neutralen Erträgen. 16 Organisatorische Verbindung von Geschäfts- und Betriebsbuchführung742 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 742 Status: Imprimatur • Dreistufiger Abschluss: 1. Abschluss der Klassen 4 und 8 mit 980 Betriebsergebnis. Ermittlung des betrieblichen Gewinns von 36.500 und Abschluss auf 989 GuV-Konto. 2. Abschluss der Klasse 2 auf 987 Neutrales Ergebnis. Ermittlung des neutralen Verlustes von 4.500 und Abschluss auf 989 GuV-Konto. 3. Ermittlung des Unternehmensgewinns von 32.000 auf 989 GuV-Konto und Abschluss auf 999 Schlussbilanz-Konto. b) Verbuchung nach dem IKR: 1. Kreis: Geschäftsbuchführung (GB) Kontenklasse 6/7 Kontenklasse 5 S 60 Aufwendungen für Rohstoffe/Fertigungsmaterial H S 50 Umsatzerlöse H 200 60.000 802 60.000 802 170.000 280 170.000 S 62 Fertigungslöhne H S 54 Sonstige betriebliche Erträge H 280 50.000 802 50.000 802 2.000 280 2.000 S 65 Abschreibungen H 05 5.000 802 5.000 S 75 Zinsen und ähnliche Aufwendungen H 280 3.000 802 3.000 S 710 Sonstige Aufwendungen H 22 12.000 802 12.000 S 720 Fremdleistung H 280 10.000 802 10.000 Kontenklasse 8 A 802 GuV E 600 60.000 50 170.000 620 50.000 54 2.000 65 5.000 75 3.000 710 12.000 720 10.000 801 32.000 172.000 172.000 Die Verbuchung sämtlicher Aufwendungen und Erträge ohne Rücksicht auf ihre Betriebsbedingtheit führt zu einem Unternehmenserfolg von 32.000. 2. Kreis:  Betriebsbuchführung (BB) bzw. Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) Zunächst werden die betriebsfremden Aufwendungen und Erträge (hier: Hausund Grundstücksaufwendungen (HGA) und -erträge (HGE), die von ihrem Wesen her niemals Kosten oder Leistungen darstellen, auf dem Konto 90 „Unternehmensbezogene Abgrenzungen“ festgehalten und finden keinen Eingang in die BB. Es wird ein einziges Mal auf dem Konto 90 gebucht (HGA im Soll, HGE im Haben). 90 Unternehmensbezogene Abgrenzungen S verr. Aufw. verr. Ertrag H 10.000 2.000 99 8.000 Soweit Aufwand und Kosten in ihrer Höhe differieren (hier: Abschreibungen, Zinsen, Wagnisse und Unternehmerlohn), ist eine zusätzliche Buchung auf beiden Seiten des Kontos 91 „Kostenrechnerische Korrekturen“ vorzunehmen: Im 16.2 Zweikreissysteme 743 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 743 Status: Imprimatur Soll werden die in der GB verbuchten Aufwandsgrößen, im Haben die in der BB verrechneten Kostengrößen festgehalten. Das Konto 91 erfasst also alle kalkulatorischen Kostenarten (Haben) und stellt ihnen den an ihrer Stelle in der GB angefallenen Aufwand gegenüber (Soll), wobei rechts und links gleichzeitig und in unterschiedlicher Höhe gebucht wird. 91 Kostenrechnerische Korrekturen S Aufw. lt. GB Kosten lt. KLR H 5.000 5.700 3.000 4.200 12.000 4.000 99 3.500 9.600 23.500 23.500 Dann werden in einem gegenüber dem Einkreissystem zusätzlichen Buchungsschritt sämtliche Kosten und Leistungen in die KLR eingebracht. Buchungssatz: 93 an 92 bzw. 92 an 98. Das Konto 93 führt die Kostenstellen, das Konto 98 die Umsatzerlöse, das Konto 92 sämtliche Gegenbuchungen, da wegen der strikten organisatorischen Trennung zwischen GB und BB keinerlei Buchungen von der GB in die BB oder umgekehrt stattfinden. Die BB vollzieht sich auf den Konten 93–98. Das Konto 98 wird mit Konto 99 „Ergebnisausweise“ (hier: Betriebsgewinn 36.500) abgeschlossen. S 93–98 BB bzw. KLR H 92 60.000 92 170.000 92 50.000 92 5.700 92 4.200 92 4.000 92 9.600 99 36.500 170.000 170.000 S 99 Ergebnisausweise H Unternehmenserfolg (2. Kontrolle) 90 8.000 98 36.500 32.000 91 3.500 40.000 40.000 92 Kostenarten und Leistungsarten S verr. Leist. verr. Kosten H 98 170.000 93 60.000 Betriebserfolg (1. Kontrolle)93 50.000 93 5.700 93 4.200 93 4.000 93 9.600 36.500 170.000 170.000 16 Organisatorische Verbindung von Geschäfts- und Betriebsbuchführung744 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 744 Status: Imprimatur Nunmehr lässt sich der gefundene Betriebserfolg durch 2 Kontrollen auf seine Richtigkeit überprüfen: 1. Der Betriebserfolg muss sich auch auf Konto 92 errechnen, ohne dass das Konto 92 durch eine Gegenbuchung abgeschlossen wird. 2. Schließt man die Konten 90 und 91 auf Konto 99 ab, so muss auf dem Konto 99 der Unternehmenserfolg der GB als Saldo erscheinen (vgl. Konto 802), ohne dass das Konto 99 durch eine Gegenbuchung abgeschlossen wird. c) Ergebnistabelle: Rechnungskreis I Rechnungskreis II Erfolgsbereich der Geschäftsbuchführung Abgrenzungsbereich Kosten- und Leistungsrechnungsbereich Aufwands- und Ertragsarten Unternehmensbezogene Abgrenzung Kostenrechnerische Korrekturen Kosten- und Leistungsarten Konto Aufwendungen Erträge Neutrale Betriebsbezogene Aufwendungen Verrechnete Kosten (lt. KLR) Kosten Leistungen Aufwendungen (lt. GB) Erträge (lt. GB) 50 170.000 170.000 54 2.000 2.000 600 60.000 60.000 620 50.000 50.000 65 5.000 5.000 5.700 5.700 75 3.000 3.000 4.200 4.200 710 12.000 12.000 4.000 4.000 720 10.000 10.000 Kalk. U.lohn 9.600 9.600 ∑ 140.000 172.000 10.000 2.000 20.000 23.500 133.500 170.000 Ergebnis 32.000 8.000 3.500 36.500 172.000 172.000 10.000 10.000 23.500 23.500 170.000 170.000 GB = Geschäftsbuchführung; KLR = Kosten- und Leistungsrechnung Abstimmung der Ergebnisse: Rechnungskreis I: + Gesamtergebnis (Unternehmensergebnis) 32.000 Rechnungskreis II: + Ergebnis aus unternehmensbezogenen + Abgrenzungen –  8.000 + Ergebnis aus Kostenrechnerischen + Korrekturen +  3.500 + Abgrenzungsergebnis + (Neutraler Verlust) –  4.500 + Betriebsergebnis + 36.500 + Gesamtergebnis + 32.000 = 32.000 Übungsaufgaben 745 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 745 Status: Imprimatur Ergänzende Literatur zu: 16 Organisatorische Verbindung von Geschäfts- und Betriebsbuchführung Huch, Kostenrechnung, S. 206–213 Kilger, Kostenrechnung, S. 452–477 Kosiol, Leistungsrechnung, S. 95–129 Schmolke/Deitermann, Rechnungswesen, S. 359–383 Wörner, Handels- und Steuerbilanz, S. 37–40 Anlage zu Teil A: Übungsaufgabe 1: Buchung Kommissionsgeschäft Der Großhändler und Einzelunternehmer A. Kaufmann führt gelegentlich für den Kommittenten Müller Warenverkäufe durch. Kurz vor Jahresende weisen die Konten folgende Summen aus: Soll Haben 023 Bebaute Grundstücke 74.800 021 Unbebaute Grundstücke 70.000 034 Fuhrpark 45.000 033 Betriebs- und Geschäftsausstattung 38.500 1.100 06 Eigenkapital 263.940 072 Rückstellungen – – 101 Forderungen 343.400 260.000 104 Forderungen Kommissionsware KW 4.290 4.290 141 Vorsteuer 40.160 39.030 12 Wertpapiere 9.900 13 Bank 113.600 98.800 151 Kasse 64.000 58.500 16 Privat 5.500 171 Verbindlichkeiten 263.300 373.000 177 Konto des Kommittenten 3.900 3.900 176 Schuldwechsel – – 19 Sonstige Verbindlichkeiten 3.200 6.800 181 Mehrwertsteuer 48.820 52.010 209 Sonstige betriebliche Aufwendungen 400 21 Zinsaufwand 210 4910 Abschr. auf Grundstücke und Gebäude 8.400 036 Im Bau befindliche Anlagen 64.000 282 Verrechnete kalkulatorische Raumkosten – – 27 Sonstige betriebliche Erträge 280 26 Zinserträge 230 2421 Haus- und Grundstückserträge 15.400 301 Wareneinkauf 326.000 1.500 302 Warenbezugskosten 7.920 350 Kommissions-Wareneinkauf 3.000 3.000 808 Kundenskonto 2.200 308 Lieferantenskonto 3.500 402 Gehälter 33.400 404 Sozialer Aufwand 3.800 411 Raumkosten (Miete) 450 Übungsaufgaben Anlage

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.