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13.5 Der Anlagespiegel in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 517 - 520

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_517

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
13.5 Der Anlagespiegel 497 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.11 Seite 497 Status: Imprimatur IAS 36.111 nun in umgekehrter Richtung Indikatoren für eine Werterholung an, welche an unternehmensexternen und an unternehmensinternen Informationen anknüpfen. Liegen entsprechende Hinweise für eine Werterholung vor, so ist der erzielbare Betrag des betroffenen Vermögenswertes zu ermitteln und dem durch außerplanmäßige Abschreibung verminderten Buchwert gegenüberzustellen. Übersteigt der erzielbare Betrag diesen Buchwert, ist zwingend eine Zuschreibung vorzunehmen (Zuschreibungspflicht). Allerdings stellt der Buchwert, der anzusetzen wäre, wenn es keine außerplanmäßige Abschreibung gegeben hätte, die Zuschreibungsobergrenze dar. Im Falle des Anschaffungskostenmodells ist somit maximal eine Zuschreibung auf die fortgeführten historischen Anschaffungs- oder Herstellungskosten möglich (IAS 36.117 f.). Daher ist es notwendig, diese fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten in einer Nebenbuchhaltung mitzuführen. Die Verbuchung der Wertminderung und der Werterhöhung hat im Anschaffungskostenmodell grundsätzlich erfolgswirksam über die Periodenerfolgsrechnung zu erfolgen (IAS 36.119). Differenzierter stellt sich die Behandlung von Wertminderungen und -erhöhungen im Neubewertungsmodell dar (vgl. Teil A, Abschn. 12.3.2, S. 453 ff.). Bei einem Goodwill ist eine Zuschreibung grundsätzlich ausgeschlossen (IAS 36.124), so dass von einem Impairmentonly approach gesprochen werden kann (vgl. bspw. Bieg/Hossfeld/Kußmaul/Waschbusch, Rechnungslegung, S. 507, Hoffmann, IFRS-Kommentar, § 11, Rn. 69). Ergänzende Literatur zu: 13.4 Abschreibungen und Zuschreibungen nach den IFRS Adler/Düring/Schmaltz, International, Abschnitt 8 und 9. Bartels/Jonas, IFRS-Bilanzkommentar, Wertminderung und Wertaufholung, § 27 Hoffmann, IFRS-Kommentar, Wertaufholung, § 11, S. 411–486 Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn, Rechnungslegung, S. 286–305 Scheinpflug, IFRS-Bilanzkommentar, Immaterielle Vermögenswerte, § 4 13.5 Der Anlagespiegel Kapitalgesellschaften haben gemäß § 268 Abs. 2 HGB die Entwicklung der einzelnen Positionen des Anlagevermögens in der Bilanz oder im Anhang darzustellen. Dies geschieht im sog. Anlagespiegel bzw. Anlagengitter. Ausgehend von den ursprünglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten der Anlagegüter werden zunächst Zu- und Abgänge erfasst; hierauf folgen Umbuchungen, mit deren Hilfe Positionsveränderungen innerhalb des Anlagengitters berücksichtigt werden. Anschließend kommen die Zuschreibungen des Geschäftsjahres und die Abschreibungen in ihrer gesamten Höhe, d. h. die kumulierten Abschreibungen, zum Ausweis. Als Ergebnis leitet sich durch horizontale Addition der Buchwert der Periode ab, der um die Angaben des Vorjahres zu erweitern ist. Darüber hinaus müssen die Abschreibungen des Geschäftsjahres entweder in der Bilanz bei der betreffenden Position oder gesondert im Anhang ausgewiesen werden (§ 268 Abs. 2 Satz 3 HGB). Damit ergibt sich folgendes Schema für die Gliederung des Anlagespiegels: 13 Vorbereitender Abschluss und Abschlussübersicht498 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.11 Seite 498 Status: Imprimatur Entwicklung Bilanzposition Gesamte historische- Anschaffungs- oder Herstellungskosten (zu Beginn des Geschäftsjahres) Zugänge (des Geschäftsjahres) (+) Abgänge (des Geschäftsjahres) (–) Umbuchungen (des Geschäftsjahres) (+/–) Zuschreibungen (des Geschäftsjahres) (+) kumulierteAbschreibungen (–) Restbuchwert zum 31. 12. des Abschlussjahres Restbuchwert zum 31. 12. des Vorjahres Abschreibungen des Abschlussjahres gesondert für die einzelnen Posten des Anlagevermögens (vgl. § 266 Abs. 2 HGB) Gliederung des Anlagespiegels Für Kapitalgesellschaften wird damit das Informationsdefizit, das sich aus der Verpflichtung zur Anwendung der direkten Abschreibungsmethode ergibt, zumindest beim Anlagevermögen wieder ausgeglichen. Sowohl die historischen Anschaffungs- oder Herstellungskosten als auch die Summe der vorgenommenen Abschreibungen sind dem Anlagengitter zu entnehmen. Im Gegensatz zu einem Ausweis als Wertberichtigung geschieht dies aber ohne Verlängerung und damit Aufblähung der Bilanz. Beispiel: Die X-AG ist seit Anfang 04 Eigentümerin eines bebauten Grundstücks, dessen historische Anschaffungskosten für den Grund und Boden 750.000 und das Gebäude 1.000.000 betrugen. Die Abschreibung des Gebäudes erfolgt entsprechend § 7 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 EStG linear noch mit jährlich 3 % der historischen Anschaffungskosten. Am Ende des Jahres 06 waren daher Abschreibungen in Höhe von insgesamt 90.000 vorgenommen worden. Anfang 07 wurde eine Erweiterung des Gebäudes fertig gestellt. Die Herstellungskosten dieser Baumaßnahme betrugen 200.000. Die Abschreibungen für 07 betragen somit (1.000.000 + 200.000) x 3 % = 36.000. Für den Anlagespiegel am Ende des Jahres 07 ergibt sich der nachfolgende Ausweis: Entwicklung Bilanzposition Gesamte historische Anschaffungsoder Herstellungskosten (zu Beginn des Geschäftsjahres) Zugänge (des Ge schäftsjahres) (+) Abgänge (des Geschäftsjahres) (–) Umbuchungen (des Geschäftsjahres) (+/–) Zuschreibun gen (des Geschäftsjahres) (+) kumulierte Abschreibun gen (–) Restbuchwert zum 31. 12. des Abschlussjahres Restbuchwert zum 31. 12. des Vorjahres Abschreibun gen des Abschluss jah res A. II. 1. Grundstücke Bauten 750.000 1.000.00 – 200.000 – – – – – – – 126.000 750.000 1.074.000 750.000 910.000 – 36.000 Anlagespiegel am Ende des Jahres 07 13.5 Der Anlagespiegel 499 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.11 Seite 499 Status: Imprimatur Die vertikale Gliederung des Anlagespiegels, d. h. die Tiefe der Aufgliederung der Posten des Anlagevermögens im Anlagespiegel ist auch von der Größe der jeweiligen Kapitalgesellschaft abhängig. Während große Kapitalgesellschaften die Entwicklung aller einzelnen Posten des Anlagevermögens darzustellen haben, besteht für mittelgroße Kapitalgesellschaften (§ 267 Abs. 2 HGB) hinsichtlich der Offenlegung des Anlagespiegels in Übereinstimmung mit § 327 HGB die Möglichkeit, bei den immateriellen Vermögensgegenständen die Entwicklung entgeltlich erworbener Konzessionen, gewerblicher Schutzrechte und ähnlicher Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten und der geleisteten Anzahlungen sowie bei den Finanzanlagen die Entwicklung der Wertpapiere des Anlagevermögens und der sonstigen Ausleihungen nicht offen zu legen. Kleine Kapitalgesellschaften (§ 267 Abs. 1 HGB) sind seit dem 1. 1. 1995 aufgrund des durch das Gesetz zur Änderung des D-Markbilanzgesetzes und anderer handelsrechtlicher Bestimmungen vom 25. 7. 1994 (BGBl. I 1994, S. 1682 ff.) neu in das HGB eingefügten § 274a von der Verpflichtung zur Erstellung eines Anlagespiegels sowie der nachrichtlichen Angabe der Abschreibungen des Geschäftsjahres befreit (§ 274a Nr. 1 HGB). Unternehmen, auf die das Publizitätsgesetz anzuwenden ist, unterliegen aufgrund der dortigen Größenkriterien den gleichen Regelungen wie große Kapitalgesellschaften (§ 5 Abs. 1 PublG). Für Genossenschaften sind die Regelungen für große, mittelgroße und kleine Kapitalgesellschaften analog anzuwenden (§§ 336 Abs. 2 und 339 Abs. 2 HGB). Die Auswirkungen der größenklassenabhängigen Erleichterungen für die vertikale Gliederung des Anlagespiegels sind in der nachfolgenden Abbildung zusammenfassend dargestellt: Gesellschaft Bilanzpositionen Große Kapitalgesellschaften, große Genossenschaften und Unternehmen, auf die das PublG anzuwenden ist Mittelgroße Kapitalgesellschaften und mittelgroße Genossenschaften Kleine Kapitalgesellschaften und kleine Genossenschaften1 A. Anlagevermögen: x x – I. Immaterielle Vermögensgegenstände: x x –1 1. Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte; 2. entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten; 3. Geschäfts- oder Firmenwert; 4. geleistete Anzahlungen; x x x x x – x – – – – – II. Sachanlagen: x x –1 1. Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten einschließlich der Bauten auf fremden Grundstücken; 2. technische Anlagen und Maschinen; 3. andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung; 4. geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau; x x x x x x x x – – – – 13 Vorbereitender Abschluss und Abschlussübersicht500 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.11 Seite 500 Status: Imprimatur Gesellschaft Bilanzpositionen Große Kapitalgesellschaften, große Genossenschaften und Unternehmen, auf die das PublG anzuwenden ist Mittelgroße Kapitalgesellschaften und mittelgroße Genossenschaften Kleine Kapitalgesellschaften und kleine Genossenschaften1 III. Finanzanlagen: x x –1 1. Anteile an verbundenen Unternehmen; 2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen; 3. Beteiligungen; 4. Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht; 5. Wertpapiere des Anlagevermögens; 6. sonstige Ausleihungen. x x x x x x x x x x – – – – – – – – 1 Kleine Kapitalgesellschaften und kleine Genossenschaften müssen keinen Anlagespiegel aufstellen (§§ 274a und 336 Abs. 2 HGB). Bei freiwilliger Aufstellung eines Anlagespiegels sollte sich dessen vertikale Mindestgliederung an der Mindestgliederung der Bilanz bei kleinen Kapitalgesellschaften (§ 266 Abs. 1 Satz 2 HGB) orientieren. Demnach wäre bei freiwilliger Erstellung eines Anlagespiegels die Entwicklung der Posten Immaterielle Vermögensgegenstände, Sachanlagen und Finanzanlagen darzustellen. Vertikale Gliederung des Anlagespiegels in Abhängigkeit von den Größenklassen der Unternehmen Der Anlagespiegel umfasste nach Rechtslage vor Inkrafttreten des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes zudem die Entwicklung von als Bilanzierungshilfe aktivierten Aufwendungen für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebes nach § 269 HGB a. F. Mit Abschaffung der Bilanzierungshilfe durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz sind lediglich noch Altbestände, welche gemäß Art. 67 Abs. 5 EGHGB fortgeführt werden, übergangsweise relevant. Ergänzende Literatur zu: 13.5 Anlagespiegel Baetge/Kirsch/Thiele, Bilanzen, S. 277–283 Coenenberg/Haller/Schultze, Jahresabschluss, S. 164–167 Federmann, Bilanzierung, S. 610–613 Lorson, Anlagevermögen, § 268 HGB, Rn. 52–186 Wöhe, Bilanzierung, S. 201 13.6 Rechnungsabgrenzung 13.6.1 Zeitliche (erfolgsberichtigende) Abgrenzung Der tatsächliche Erfolg ist nur als Einnahmen-Ausgabendifferenz der Totalperiode ermittelbar. Durch den Zwang zur periodischen Rechnungslegung wird dagegen die Totalperiode in einzelne Abrechnungsabschnitte geteilt und somit eine Teilperiodenerfolgsermittlung in Form der Ertrags-Aufwandsdifferenz not-

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.