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8.4 Vorschüsse und Abschlagszahlungen in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 357 - 359

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_357

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
8.4 Vorschüsse und Abschlagszahlungen 337 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 337 Status: Imprimatur 8.4 Vorschüsse und Abschlagszahlungen Lohn- bzw. Gehaltsvorschüsse beinhalten Vorauszahlungen (Antizipationen) künftig fällig werdenden Personalaufwands aus besonderem Anlass, die durch Verrechnung mit dem laufenden Arbeitsentgelt zu tilgen sind. Anders als bei vertraglich vorgesehenen Abschlagszahlungen werden Vorschüsse ohne rechtliche Verpflichtung gewährt; ihre Einbehaltung bei der Lohnzahlung ist unabhängig von für die Aufrechnung gegenseitiger Ansprüche geltenden Beschränkungen. Kurzfristig gewährte Vorschüsse werden in der Praxis häufig bereits mit der Gehalts- oder Lohnzahlung am Monatsende verrechnet und unmittelbar über das Personalaufwandskonto verbucht. Dies birgt bei Erstellung kurzfristiger (z. B. monatlicher) Erfolgsrechnungen die Gefahr unkorrekter Periodenabgrenzung durch Antizipation künftigen Aufwands in sich. Zweckmäßiger erscheint es deshalb, die Vorschüsse auf das Arbeitsentgelt zunächst erfolgsneutral als Forderungen an das Personal zu behandeln und unter Sonstige Forderungen auszuweisen, um diese erst im Zeitpunkt ihrer Verrechnung über das Lohnkonto gewinnmindernd in Ansatz zu bringen. Das gilt uneingeschränkt für langfristige Vorschüsse mit mehrperiodischer Tilgung (vgl. Beispiel, Fall c): Beispiel (gerundete Werte): Vorschuss 500,50 Monatsbruttolohn 2.000,50 Lohnsteuer 226,50 Solidaritätszuschlag 12,50 Kirchensteuer (8 %) 18,50 Sozialversicherung 412,50 Buchungssätze: a) Sofortige Aufwandsverbuchung des Vorschusses: Personalaufwand 500,50 an Kasse 500,50 Personalaufwand 1.500,50 an Kasse Noch abzuführende Abgaben 831,50 668,50 Für den Arbeitgeberbeitrag zur Sozialversicherung: Gesetzl. sozialer Aufwand 394,50 an Noch abzuführende Abgaben 394,50 b) Erfolgsneutrale Behandlung des Vorschusses bei Fälligkeitstilgung: Sonst. Forderungen 500,50 an Kasse 500,50 Personalaufwand 2.000,50 an Kasse Noch abzuführende Abgaben Sonst. Forderungen 831,50 668,50 500,50 Für den Arbeitgeberbeitrag zur Sozialversicherung: Gesetzl. sozialer Aufwand 394,50 an Noch abzuführende Abgaben 394,50 8 Personalaufwand338 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 338 Status: Imprimatur c) Erfolgsneutrale Behandlung des Vorschusses bei Ratentilgung (zu je 50): Sonst. Forderungen 500,50 an Kasse 500,50 Personalaufwand 2.000,50 an Kasse Noch abzuführende Abgaben Sonst. Forderungen 1.281,50 668,50 50,50 Für den Arbeitgeberbeitrag zur Sozialversicherung: Gesetzl. sozialer Aufwand 394,50 an Noch abzuführende Abgaben 394,50 Abschlagszahlungen sind grundsätzlich vertraglich vorgesehene Vorwegzahlungen auf den bereits teilweise fällig gewordenen Arbeitslohn, die bei einer zeitaufwendigen Neuberechnung von Arbeitslohn aufgrund zu erfassender Datenänderungen bzw. insbesondere im Zusammenhang von Neueinstellungen an den Arbeitnehmer geleistet werden. Dieser erhält dadurch kurzfristig eine Lohnzahlung, die dem effektiv verdienten Lohn (nur) annähernd entspricht, so dass die genaue Lohnabrechnung auf einen späteren Zeitpunkt verlagert werden kann. Die zwischen der Summe der in einer Lohnabrechnungsperiode bezahlten und i. d. R. nach dem Verdienst des Vormonats bemessenen Abschläge und dem effektiv ermittelten Lohnanspruch verbleibende Differenz (Restlohn) wird an dem der Abrechnung folgenden Zahltag ausbezahlt. Die Verbuchung der Abschlagszahlungen kann sowohl unmittelbar über das Lohn- und Gehaltskonto als auch über ein speziell eingerichtetes Konto für Abschlagszahlungen erfolgen. Die Zwischenschaltung eines besonderen Verrechnungskontos zur Aufnahme der Abschlagszahlungen erscheint zweckmäßig, um die interperiodischen Zahlungen transparent zu machen und das Lohnkonto übersichtlich zu gestalten, da dieses dann lediglich die endgültige Lohnsumme des Abrechnungszeitraumes aufnimmt. Beispiel: Bruttolohnsumme Monat Mai 20.400 Steuern (Lohn-, Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag) 4.200 Sozialversicherung 4.187 Abschlagszahlungen 10. und 20. 5. je 3.500 Buchungssätze: 10. 5.: Abschlagszahlungen 3.500 an Kasse 3.500 20. 5.: Abschlagszahlungen 3.500 an Kasse 3.500 30. 5.: Personalaufwand 20.400 an Kasse Noch abzuführende Abgaben Abschlagszahlungen 5.013 8.387 7.000 30. 5.: Gesetzl. sozialer Aufwand 4.004 an Noch abzuführende Abgaben 4.004 8.5 Bilanzierung von Stock Options 339 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 339 Status: Imprimatur 8.5 Bilanzierung von Stock Options Eine besondere Form der variablen Entlohnung von Mitarbeitern – insbesondere von Führungskräften – stellen sog. Stock Options dar. Stock Options sind (amerikanische) Aktienoptionen, die den Mitarbeitern i. d. R. unentgeltlich gewährt werden. Mit der Option erwirbt der Mitarbeiter das Recht, innerhalb eines festgelegten Zeitraums in der Zukunft Aktien des Unternehmens zu einem definierten Bezugskurs zu beziehen (zu Optionen vgl. Teil A, Abschn. 7.2.6.1, S. 244 ff.). Die Zielsetzung von Aktienoptionsprogrammen besteht vor allem darin, durch ein anreizkompatibles Entlohnungssystem den Interessenkonflikt zwischen Managern und Aktionären zu mindern. Während früher die variable Entlohnung meist am handelsrechtlich geprägten Periodenerfolg anknüpfte, wird im Rahmen des Shareholder-Value-Ansatzes zunehmend der Unternehmenswert als Indikator für die Messung der Leistung der Mitarbeiter herangezogen. Nicht zuletzt um eine nur am kurzfristigen Erfolg orientierte Unternehmenswert-Steigerung des Managements zu verhindern und die Führungskräfte langfristig an das Unternehmen zu binden, sind die Optionsrechte i. d. R. mit einer mehrjährigen Laufzeit, einer Ausübungssperre in den ersten Jahren – so verlangt z. B. § 193 Abs. 2 Nr. 4 AktG eine Mindestsperrfrist von vier Jahren – und Rückgabe- oder Entschädigungsregelungen für den Fall des Austritts aus dem Unternehmen verbunden (vgl. Herzig, Stock Options, S. 1). Nachfolgend werden drei grundlegende Formen unterschieden, wie Aktienoptionsprogramme aufgelegt werden können. Dazu gehören (a) die Ausgabe „reiner Optionen“ im Rahmen einer bedingten Kapitalerhöhung nach § 192 Abs. 2 Nr. 3 AktG, (b) die Ausgabe von Optionen auf Aktien, die das Unternehmen nach § 71 Abs. 1 Nr. 8 AktG selbst über den Kapitalmarkt erwirbt bzw. erworben hat, (c) die Abgabe von Optionen, deren Stillhalter eine dritte Partei ist. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, den Mitarbeitern Erwerbsrechte auf neue Aktien aus einem bedingten Kapital in Verbindung mit einer Optionsoder Wandelanleihe gemäß § 192 Abs. 2 Nr. 1 AktG zu gewähren. Ohne eine tatsächliche Lieferung von Aktien des Unternehmens kommen sog. „Stock Appreciation Rights“ aus. Statt der Lieferung von Aktien erhält der Mitarbeiter den Differenzbetrag zwischen vereinbartem Basiskurs und aktuellem Aktienkurs ausbezahlt, wenn er die Option ausübt. 8.5.1 Ausgabe reiner Optionen Die Möglichkeit, Optionen auf Aktien, die zum Zeitpunkt der Optionseinräumung noch nicht existieren, zu gewähren, wurde erst mit der Änderung des § 192 Abs. 2 Nr. 3 AktG durch das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) vom 27. 4. 1998 (BGBl. I 1998, S. 786) geschaffen. Die Vorschrift erlaubt nunmehr eine bedingte Kapitalerhöhung zu dem Zweck durchzuführen, Mitarbeitern Bezugsrechte auf Aktien des Unterneh-

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.