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8.1 Grundsachverhalte der Arbeitsentlohnung in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 337 - 348

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_337

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 317 Status: Imprimatur 8 Personalaufwand 8.1 Grundsachverhalte der Arbeitsentlohnung Der Produktionsfaktor Arbeit wird durch den Betrieb in Form von Lohn- und Gehaltszahlungen für Arbeiter und Angestellte entgolten. Arbeitslohn sind dabei alle Einnahmen, die dem Arbeitnehmer im Hinblick auf ein künftiges, aus seinem gegenwärtigen oder einem früheren Arbeits- bzw. Dienstverhältnis zufließen, egal unter welcher Bezeichnung oder in welcher Form die Einnahmen gewährt werden (§ 2 LStDV). Hierzu gehören insbesondere Gehälter, Löhne, Provisionen, Gratifikationen, Tantiemen, sonstige von der Unternehmensentwicklung abhängige Vergünstigungen, wie im Rahmen von Aktienoptionsprogrammen, Entschädigungen, Ausgaben für Zukunftssicherung sowie Sachbezüge bzw. geldwerte Vorteile wie freie oder verbilligte Wohnung, Kost und Kleidung. Sämtliche Einnahmen aus einem Dienstverhältnis zählen unabhängig davon, ob es sich um laufendes Entgelt (z. B. Monatslohn bzw. -gehalt) oder einmalige Bezüge (z. B. 13. Monatsgehalt, Jubiläumszuwendungen, Urlaubsgeld, Weihnachtsvergütungen) handelt, zum Arbeitslohn. Die Arbeitnehmer erhalten jedoch nicht das gesamte tariflich festgelegte oder frei vereinbarte Bruttoarbeitsentgelt ausbezahlt, sondern nur einen nach Vornahme bestimmter Abzüge verbleibenden Nettobetrag. Die Abzüge sind größtenteils gesetzlich vorgeschrieben; zu ihnen gehören vor allem Steuern und Sozialabgaben. Darüber hinaus sind freiwillige Sozialleistungen dem Arbeitsentgelt zuzurechnen, so dass sich das Nettoentgelt des Arbeitnehmers sowie der gesamte Personalaufwand des Arbeitgebers wie folgt zusammensetzen: Arbeitnehmer Arbeitgeber Bruttoarbeitsentgelt – Lohnsteuer – Solidaritätszuschlag – Kirchensteuer – Sozialversicherungsbeitrag (Arbeitnehmeranteil) Bruttoarbeitsentgelt + Sozialversicherungsbeitrag (Arbeitgeberanteil) + tarifvertragliche Sozialleistungen = Nettoarbeitsentgelt – vermögenswirksame Leistung = vertraglicher und gesetzlicher Personalaufwand + freiwillige Sozialleistungen = Auszahlungsbetrag = gesamter Personalaufwand Zu den Steuern und steuerähnlichen Abgaben gehören insbesondere die Einkommensteuer auf den Arbeitslohn (Lohnsteuer) und die Kirchensteuer. Seit 1. 1. 1995 kommt der Solidaritätszuschlag hinzu. 8 Personalaufwand318 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 318 Status: Imprimatur Für Steuerpflichtige, die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit beziehen, wird die Einkommensteuer durch direkten Abzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) im sog. Quellenabzugsverfahren erhoben. Der Arbeitgeber behält dazu die Lohnsteuer für Rechnung des Arbeitnehmers ein und führt sie zusammen mit einer Lohnsteuer-Anmeldung bis spätestens zehn Tage nach Ablauf eines jeden Lohnsteuer-Anmeldungszeitraums an die Kasse des örtlich zuständigen Finanzamts (Betriebsstättenfinanzamt) oder die von der OFD bestimmte Kasse ab (§§ 38 u. 41a EStG). Der Lohnsteuer-Anmeldungszeitraum umfasst grundsätzlich einen Kalendermonat. Betrug die abzuführende Lohnsteuer im vorangegangenen Jahr weniger als 4.000 €, kommt eine vierteljährliche, bei Lohnsteuerbeträgen bis zu 1.000 € sogar nur eine jährliche Anmeldung und Zahlung in Frage. Die Höhe der monatlich einzubehaltenden und abzuführenden Lohnsteuer entspricht dem Teilbetrag der Jahreseinkommensteuer, die ein Arbeitnehmer schuldet, der ausschließlich Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit erzielt (§ 38a EStG). Aus Vereinfachungsgründen waren die Lohnsteuerbeträge vom Bundesministerium für Finanzen bis 2003 in Jahres- und Monats-Lohnsteuertabellen tabellarisiert, wobei die Verpflichtung zur Aufstellung solcher Tabellen im Gesetz zur Senkung der Steuersätze und zur Reform der Unternehmensbesteuerung (Steuersenkungsgesetz – StSenkG) vom 23. 10. 2000 (BGBl. I 2000, S. 1433) durch den Wegfall des früheren § 38c EStG bereits früher aufgehoben wurde. Die Beträge richten sich nach dem steuerpflichtigen Entgelt, der jeweiligen Lohnsteuerklasse des Arbeitnehmers (§ 38b EStG) sowie bestimmten Freibeträgen (§ 39a EStG), die sämtlich auf den von der örtlich zuständigen Gemeinde auszustellenden Lohnsteuerkarten eingetragen sein müssen (§ 39 EStG). Im Rahmen des jährlichen Lohnsteuer-Jahresausgleichs bzw. der Einkommensteuererklärung kann dann die unter Berücksichtigung individuell steuerlich absetzbarer Ausgaben (z. B. Werbungskosten, Sonderausgaben) und anderer Einkünfte zu viel bezahlte Lohnsteuer zurückgefordert werden (§§ 42b, 46 i. V. m. § 36 EStG). Seit der im Jahr 2004 erfolgten Umstellung vom Stufentarif auf den bis heute gültigen stufenlosen Formeltarif (§ 32a EStG) werden keine auf dem Prinzip der Stufenberechnung basierenden amtlichen Lohnsteuertabellen mehr vom BMF herausgegeben. Im Einzelfall ist es aber weiterhin möglich, eine manuelle Lohnsteuerberechnung auf Basis des regelmäßig vom BMF veröffentlichten Programmablaufplans für die Herstellung von Lohnsteuertabellen anhand dieser durchzuführen (vgl. § 51 Abs. 4 Nr. 1a EStG; BMF v. 12. 8. 2009, BStBl. I 2009, S. 1216). Insbesondere für kleinere Unternehmen mit manueller Lohnsteuerberechnung stellt dies eine Erleichterung dar. Es ergeben sich diesbezüglich jedoch Nachteile dergestalt, dass bei der Erstellung der Lohnsteuertabellen die Jahreslohnsteuer jeweils aus dem höchsten Wert des 36 € betragenden Lohnstufenabstands ermittelt werden muss. Je weiter der (tatsächliche) Lohn nun von dieser Grenze abweicht, desto größer wird der Unterschied zwischen einer Einzelwertberechnung und dem auf Basis der Tabelle ermittelten Wert sein. Kirchensteuer ist von Mitgliedern jener Religionsgemeinschaften zu entrichten, die Körperschaften des öffentlichen Rechts sind und die das in Art. 140 Grundgesetz kodizifierte Recht zur Steuererhebung wahrnehmen. Die Kirchensteuer wird ebenfalls im Quellenabzugsverfahren vom Arbeitgeber einbehalten und zusammen mit der Lohnsteuer an das zuständige Finanzamt abgeführt. Bemes- 8.1 Grundsachverhalte der Arbeitsentlohnung 319 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 319 Status: Imprimatur sungsgrundlage für den Kirchensteuerabzug ist die einbehaltene Lohnsteuer; der Kirchensteuersatz beträgt je nach Bundesland 8 % bzw. 9 %. Im Rahmen der Veranlagung zur Einkommensteuer bzw. des Lohnsteuerjahresausgleiches erfolgt eine Angleichung der Kirchensteuer an die tatsächlichen Jahreseinkünfte, wobei für große Einkommen ggf. eine länderspezifische Kappungsgrenze von bis zu 4 % des zu versteuernden Einkommens den Kirchensteuerbetrag limitiert. Für Teilzeit- und geringfügig Beschäftigte sowie für bestimmte Zukunftssicherungsleistungen können Lohnsteuer und Kirchensteuer auch pauschal erhoben werden. Übersteigen die Leistungen des Arbeitgebers nicht die in den §§ 40a, 40b EStG gesteckten Grenzen, so kann der Arbeitgeber bei kurzfristig Beschäftigten 25 vom Hundert, bei einer Beschäftigung in geringem Umfang und gegen geringen Arbeitslohn sowie von Beiträgen des Arbeitnehmers an eine Pensionskasse oder für eine Direktversicherung (Altzusage, s. u.) 20 vom Hundert als pauschale Lohnsteuer einbehalten und an die Finanzbehörde abführen. Zahlt der Arbeitgeber für das Arbeitsentgelt aus geringfügigen Beschäftigungen (s. u.) Beiträge nach § 168 Abs. 1 Nr. 1b, 1c oder nach § 172 Abs. 3, 3a SGB VI, kann dieser die Lohnsteuer (einschließlich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) wahlweise mit einem Pauschalbetrag von 2 % des Arbeitsentgelts entrichten (vgl. § 40a Abs. 2 EStG). Die Kirchensteuer auf die pauschalierte Lohnsteuer wird mit einem länderspezifischen Prozentsatz zwischen 4 % und 7 % erhoben und anschließend nach einem bestimmten Schlüssel den Religionsgemeinschaften zugeteilt (in Baden-Württemberg bspw. 6,5 % mit paritätischer Aufteilung auf die katholische und die evangelische Kirche). Neben diesem vereinfachten Verfahren existiert das sog. Nachweisverfahren, nach dem die Arbeitnehmer, die nachgewiesenermaßen nicht kirchensteuerpflichtig sind, aus der Kirchensteuerpauschalisierung ausscheiden. Auf die restlichen (kirchensteuerpflichtigen) Arbeitnehmer ist sodann der Regelkirchensteuersatz des betreffenden Bundeslandes anzuwenden. Die Behandlung der Kirchensteuerpauschalierung entspricht hierbei den Erlassen der obersten Finanzbehörden der Länder (OFL) v. 10. 9. 1990 (BStBl. I 1990, S. 773). Der Solidaritätszuschlag wird als Ergänzungsabgabe zur Einkommensteuer und Körperschaftsteuer, jedoch nicht zur Kirchensteuer, erhoben (§ 1 SolZG 1995). Er wird im Rahmen des Lohnsteuer-Abzugsverfahrens vom Arbeitgeber einbehalten. Entsprechend ist der Zuschlag nach der Lohnsteuer vom laufenden Arbeitslohn und von den sonstigen Bezügen zu bemessen (§ 3 Abs. 1 Nr. 3 SolZG 1995 i. V. m. § 51a Abs. 2a EStG). Laufender Arbeitslohn ist der Arbeitslohn, der dem Arbeitnehmer regelmäßig fortlaufend zufließt (R 39b.2 Abs. 1 LStR). Hierzu zählen bspw. Monatsgehälter, Wochen- und Tagelöhne, Zuschläge und Zulagen sowie bestimmte geldwerte Vorteile. Die sonstigen Bezüge umfassen u. a. 13. und 14. Monatsgehälter, Urlaubsgelder, Weihnachtszuwendungen oder Gratifikationen (R 39b.2 Abs. 2 LStR). Der Solidaritätszuschlag wird gegenwärtig mit einem Zuschlagsatz von 5,5 % auf diese Bezüge erhoben (§ 4 SolZG 1995). Er fällt allerdings dann nicht an, wenn der Lohnsteuerbetrag nach dem laufenden Arbeitslohn in der Steuerklasse III 162 €, in den Steuerklassen I, II, IV bis VI 81 € bei monatlicher Lohnzahlung nicht übersteigt (§ 3 Abs. 4 SolZG 1995). Bei nur wenig über diesen Grenzen liegenden Beträgen würde ein Solidaritätszu- 8 Personalaufwand320 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 320 Status: Imprimatur schlag von 5,5 % auf den gesamten Lohnsteuerbetrag zu einer unverhältnismä- ßig hohen Zusatzbelastung führen. Um dies zu verhindern, ist der Zuschlag auf 20 % des Unterschiedsbetrages zwischen der Bemessungsgrundlage, also des maßgeblichen Lohnsteuerbetrages, und den angegebenen Grenzen beschränkt (§ 4 Satz 2 SolZG 1995). Der Verzicht auf den Steuerabzug erstreckt sich jedoch mit Ausnahme der mit 2 % pauschal besteuerten 400-Euro-Jobs (s. u.) nicht auf die pauschalierte Lohnsteuer. Hier ist der Solidaritätszuschlag voll abzuziehen (BMF vom 20. 9. 1994, BStBl. I 1994, S. 757). Zu den Sozialabgaben gehören Beiträge zur Krankenversicherung (geregelt in den §§ 1 ff. SGB V), Pflegeversicherung (§§ 1 ff. SGB XI), Rentenversicherung (§§ 1 ff. SGB VI), Arbeitslosenversicherung (§§ 1 ff. SGB III) und zur Unfallversicherung (§§ 150 ff. SGB VII). Aufgrund von Überleitungsvorschriften sowie des niedrigeren Lohnniveaus in den neuen Bundesländern existierten bis vor kurzem noch unterschiedliche Grenzwerte im Hinblick auf Versicherungspflicht, Versicherungsfreiheit sowie Beitragsbemessung zwischen den alten Bundesländern und dem Beitrittsgebiet. Inzwischen wurden die Grenzwerte in vielen Bereichen vereinheitlicht, wobei z. T. allerdings noch zwischen den Werten für die alten und für die neuen Bundesländer zu differenzieren ist. Auszubildende sind unabhängig von der Höhe ihres Einkommens in allen Zweigen der Sozialversicherung versicherungspflichtig. Angestellte und Arbeiter können sich dagegen von der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht befreien lassen und privat krankenversichern, sofern ihr regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt die Jahresarbeitsentgeltgrenze (Versicherungspflichtgrenze) übersteigt. Die Versicherungsfreiheit beginnt mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Versicherungspflichtgrenze überschritten wird (vgl. § 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB V). Diese Grenze wird jährlich von der Bundesregierung durch Rechtsverordnung an die Entwicklung der durchschnittlichen Bruttogehaltssumme des vorherigen Kalenderjahrs angepasst (§ 6 Abs. 6 SGB V). Die allgemeine Versicherungspflichtgrenze beträgt derzeit 49.500 € (Stand 2011). Außer bei Bestehen einer freiwilligen Krankenversicherung entfällt bei Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze auch die Versicherungspflicht in der sozialen Pflegeversicherung, die damit dem Versicherungsrecht der gesetzlichen Krankenversicherung folgt (§ 1 Abs. 2 Satz 1 SGB XI). In der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sind geringfügig Beschäftigte beitrags- bzw. versicherungsfrei (§§ 7 SGB V, 20 SGB XI, 5 Abs. 2 SGB VI, 27 Abs. 2 SGB III). Eine geringfügige Beschäftigung (Minijob) liegt vor, wenn das Arbeitsentgelt aus dieser Beschäftigung regelmäßig im Monat 400 € nicht übersteigt (geringfügig entlohnte Beschäftigung; § 8 Abs. 1 Nr. 1 SGB IV). Daneben gilt eine auf maximal zwei Monate bzw. 50 Arbeitstage befristete Beschäftigung ebenfalls als geringfügig, sofern sie nicht berufsmä- ßig ausgeübt wird oder ihr Entgelt nicht über die Grenze von 400 € im Monat hinausgeht (kurzfristige Beschäftigung; § 8 Abs. 1 Nr. 2 SGB IV). Parallel dazu existiert noch die in § 8a SGB IV geregelte geringfügige Beschäftigung in Privathaushalten. Ordentlich Studierende sind bei einer Beschäftigung gegen Arbeitsentgelt grundsätzlich kranken-, pflege- und arbeitslosenversicherungsfrei (§§ 6 Abs. 1 Nr. 3 SGB V, 27 Abs. 4 Nr. 2 SGB III), sofern sich die Studierenden noch überwiegend dem Stu dium widmen, was bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 20 Stunden und weniger unterstellt wird. Zeitlich umfangreichere 8.1 Grundsachverhalte der Arbeitsentlohnung 321 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 321 Status: Imprimatur Tätigkeiten in der vorlesungsfreien Zeit können diesbezüglich ggf. noch akzeptabel sein. Ferner sind Studierende im Rahmen von Pflichtpraktika oder solchen mit einer geringen Vergütung von bis zu 400 € monatlich auch rentenversicherungsfrei (§ 5 Abs. 2 Nr. 1, Abs. 3 SGB VI). Für den Arbeitgeber sind die geringfügig entlohnten, jedoch nicht die kurzfristigen Beschäftigungsverhältnisse mit Sozialabgaben verbunden (Ausnahme: Studierende in o. g. Praktika). Er hat pauschal 13 % des Arbeitsentgelts an die Kranken- (§ 249b SGB V) und 15 % an die Rentenversicherung (§ 172 Abs. 3 SGB VI) als Beiträge abzuführen. Für die geringfügig Beschäftigten in Privathaushalten betragen die Pauschalbeiträge jeweils 5 % (§§ 249b SGB V, 172 Abs. 3a SGB VI). Hinsichtlich der Krankenversicherung betrifft dies auch Tätigkeiten als Werkstudent, d. h. außerhalb von Pflichtpraktika, soweit diese die Kriterien einer geringfügig entlohnten Beschäftigung erfüllen und nicht in der vorlesungsfreien Zeit ausgeübt werden; die Befreiung von der Krankenversicherungspflicht greift in diesem Fall nicht. Allerdings gilt die Befreiung wieder bei Überschreiten der Grenze für geringfügige Beschäftigungen, d. h. bei einem Entgelt von über 400 €, jedoch einem Stundenumfang von nicht mehr als 20 Stunden. Die pauschale Belegung geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse mit Sozialabgaben wurde durch das Gesetz zur Neuregelung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse vom 24. 3. 1999 (BGBl. I 1999, S. 388) mit Wirkung vom 1. 4. 1999 eingeführt. Wirtschaftlich bewirkte die zusätzliche Belastung dieser Arbeitsverhältnisse mit Sozialabgaben einen bedeutenden Attraktivitätsverlust der geringfügigen Beschäftigungen, da weiterhin auch Lohnsteuer (lediglich mit Pauschalierungsmöglichkeit gemäß § 40a EStG) einzubehalten war. Ausgenommen vom Lohnsteuerabzug wurde in diesem Zusammenhang nur der Fall von Arbeitsentgelten an solche Arbeitnehmer, bei denen die Summe der anderen Einkünfte nicht positiv ist und die dem Arbeitgeber eine entsprechende Bescheinigung des Finanzamtes vorlegen (§§ 3 Nr. 39, 39a Abs. 6 EStG). Diese Ausnahme wurde zum 1. 4. 2003 (Hartz II) aufgehoben. Seitdem ist der Arbeitgeber verpflichtet, für geringfügige Beschäftigungen eine Pauschalabgabe von 2 % für Lohnsteuer einschließlich Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag an das Finanzamt abzuführen (§ 40a Abs. 2 EStG). Ebenfalls zum 1.4.2003 eingeführt wurde eine Gleitzone für Arbeitsentgelte von 400,01 € bis 800,00 € im Monat (Midijobs). Diese Zone soll verhindern, dass es bei Überschreitung der Grenze für geringfügige Beschäftigungen zu einem sprunghaften Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge von 0 % auf über 20 % für den Arbeitnehmer kommt. Dazu wird der Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung von 16,60 € (ca. 4,15 %) linear bis zum vollen Betrag von 164 € (ca. 20,5 %) bei Erreichen der oberen Grenze von 800 € Bruttoverdienst angehoben. Der Arbeitgeber hingegen zahlt ab einem Arbeitsentgelt von 400 € den vollen Beitrag zur Sozialversicherung. Zu berechnen ist dieser für das vereinbarte Arbeitsentgelt nach den jeweils aktuellen Beitragssätzen in der Renten-, Arbeitslosen-, Pflege- und Krankenversicherung. Die Lohnsteuer für Midijobs wird anhand der in der Lohnsteuerkarte eingetragenen Steuerklasse ermittelt, wobei eine Pauschalierung nicht möglich ist. Abzüge fallen jedoch nur in den Steuerklassen V und VI an. Eine weitere Änderung stellt das am 1. 1. 2006 eingeführte Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG) dar, mit dem ein Umlage- und Ausgleichsverfahren 8 Personalaufwand322 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 322 Status: Imprimatur etabliert wurde, das die Belastung der Unternehmen im Falle zu leistender Entgeltfortzahlungen bei Krankheit oder Schwangerschaft bzw. Mutterschaft reduziert. Da diese Zahlungen insbesondere für kleinere Unternehmen ein Problem darstellen, beschränkt sich die Möglichkeit zur Geltendmachung eines Aufwandsausgleichs aus einer Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auf Firmen mit maximal 30 Mitarbeitern (vgl. § 3 Abs. 1 Satz 2 AAG). Dem Arbeitgeber wird in diesen Fällen von der jeweiligen gesetzlichen Krankenkasse 80 % des fortgezahlten Bruttoarbeitsentgelts erstattet, wobei die Krankenkasse in ihrer Satzung auch niedrigere Erstattungssätze (Minimum 40 %) mit entsprechend angepassten Umlagesätzen vorsehen kann (vgl. §§ 1 Abs. 1 AAG, 9 Abs. 2 AAG). Nicht erstattungsfähig sind hingegen die auf die Arbeitgeberaufwendungen entfallenden Sozialversicherungsbeiträge, da diese im Rahmen der 80 %igen Erstattung des Bruttoarbeitsentgelts pauschal abgegolten werden. Entgeltfortzahlungen bei Schwangerschaft lösen bei Unternehmen jedweder Größe einen Erstattungsanspruch von 100 % des Bruttolohns zuzüglich der darauf entfallenden pauschalen Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge sowie Arbeitgeberzuschüsse auf das von der Krankenkasse gezahlte Mutterschaftsgeld aus (vgl. § 1 Abs. 2 AAG; Berndt, Sozialversicherungsrecht, S. 184). Zur Finanzierung dieser Ausgleichszahlungen wurden die Umlagebeiträge U1 (für die Ausgleichszahlungen im Krankheitsfall) und U2 (für die Ausgleichszahlungen bei Schwangerschaft) eingeführt, die sich jeweils auf das Bruttoarbeitsentgelt des Arbeitnehmers beziehen. Die konkrete Höhe der Umlagesätze bestimmt sich aus der Satzung der jeweiligen Krankenkasse und ist damit nicht einheitlich vorgegeben. Je nach Erstattungssatz variiert die Höhe der Umlage U1 derzeit (Stand 2010) von ca. 0,9 % (ermäßigter Umlagesatz für 40 % Erstattung) bis 2,9 % (ermäßigter Umlagesatz für 80 % Erstattung). Der Beitragssatz für die Umlage U2 beträgt momentan ca. 0,24 %. Während Unternehmen mit mehr als 30 Mitarbeitern demzufolge lediglich von Umlage 2 betroffen sind, müssen kleine Unternehmen i. S. d. § 3 Abs. 1 AAG beide Umlagen entrichten. Auch für geringfügig entlohnte und kurzfristig Beschäftigte werden beide Umlagen grundsätzlich erhoben. Im Zuge der Umstrukturierung des Unfallversicherungsrechts und den damit einhergehenden Änderungen in Bezug auf die Verwaltung des Insolvenzgeldes wurde zum 1. 1. 2009 die Umlage U3 (Umlage für Entgeltfortzahlungen im Insolvenzfall, „Insolvenzgeldumlage“) eingeführt, nach der die Arbeitgeber jährlich einen bestimmten Prozentsatz (2010: 0,41 %) vom jeweiligen Bruttoarbeitsentgelt des Arbeitnehmers an die Bundesagentur für Arbeit abzuführen haben. Der Beitrag zu den einzelnen Zweigen der Sozialversicherung bemisst sich nach dem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverdienst (der sich im Allgemeinen nach den lohnsteuerlichen Vorschriften errechnet), wobei jedoch der über der Beitragsbemessungsgrenze liegende Lohn unberücksichtigt bleibt. Die Beitragsbemessungsgrenzen betragen für 2011: – in der Kranken- und Pflegeversicherung: 3.712,50 € monatlich bzw. 44.550 € jährlich, – in der Renten- und Arbeitslosenversicherung: 5.500 € monatlich bzw. 66.000 € jährlich in den alten Bundesländern (einschließlich West-Berlin) sowie 4.800 € 8.1 Grundsachverhalte der Arbeitsentlohnung 323 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 323 Status: Imprimatur pro Monat bzw. 57.600 € im Jahr für die neuen Bundesländer (einschließlich Ost-Berlin). Einmalzahlungen (insbesondere Weihnachtszuwendungen, Abschlussgratifikationen, Tantiemen, Urlaubsgelder) sind für die Zwecke der Beitragsbemessung gleichmäßig auf die Beschäftigungsdauer im laufenden Kalenderjahr beim selben Arbeitgeber zu verteilen, so dass auch die über der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze eines einzelnen Lohnabrechnungszeitraums liegenden einmaligen Zahlungen (teilweise) sozialversicherungspflichtig sind (§ 23a SGB IV). Soweit Einmalzahlungen im 1. Quartal eines Jahres anfallen, werden diese vollständig dem vorangegangenen Jahr zugeordnet, sofern bei einer gleichmäßigen Verteilung des Entgelts auf die bereits vergangenen Monate im laufenden Kalenderjahr die Beitragsbemessungsgrenze überschritten würde. Beispiel: Arbeitnehmer aus altem Bundesland (Beträge in €) Laufender Monatslohn Januar–November 2011 4.000,50 Weihnachtszuwendung im November 2011 4.000,50 Beitragspflichtiges laufendes Entgelt 11 × 4.000 44.000,50 Somit ist von der Weihnachtszuwendung beitragspflichtig: – Zur Kranken- und Pflegeversicherung: Bemessungsgrenze (11/12 von 44.550) 40.837,50 laufendes Entgelt 44.000,50 Differenz (nur übersteigender Betrag) 0,50 beitragspflichtig 0,50 – zur Renten- und Arbeitslosenversicherung: Bemessungsgrenze (11/12 von 66.000) 60.500,50 laufendes Entgelt 44.000,50 Differenz 16.500,50 beitragspflichtig 4.000,50 Bis zum Ende des Jahres 2008 wurden die Beitragssätze der Krankenversicherung von den einzelnen Krankenkassen in deren Satzungen bestimmt, so dass es z. T. zu erheblichen regionalen Beitragssatzunterschieden kam. Im Zuge der Gesundheitsreform 2009 wurde ein einheitlicher Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung beschlossen. Vom 1. 1. 2009 bis zum 30. 6. 2009 betrug dieser 15,5 %, wobei Arbeitnehmer 8,2 % (inkl. 0,9 % Zusatzbeitrag) und Arbeitgeber 7,3 % zu tragen hatten. Zum 1. 7. 2009 wurde der Beitragssatz im Rahmen des Konjunkturpakets II auf 14,9 % gesenkt. Der Arbeitgeberanteil betrug 7 %, der Arbeitnehmeranteil 7,9 % (inkl. 0,9 % Zusatzbeitrag). Ab dem 1. 1. 2011 beträgt der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung wieder 15,5 %. Während davon 8,2 % (inkl. 0,9 % Zusatzbeitrag) auf die Arbeitnehmer entfallen, wurde der Beitrag der Arbeitgeber auf 7,3 % eingefroren. Demnach sind künftige Beitragserhöhungen vollständig von den Arbeitnehmern zu tragen. Die Änderung ist im Zusammenhang mit der Aufhebung der Deckelung der Zusatzbeiträge auf 1 % des beitragspflichtigen Einkommens zum 1. 1. 2011 zu sehen. Ab diesem Zeitpunkt können die Krankenkassen Zusatzbeiträge in gesetzlich nicht beschränkter Höhe von den Versicherten verlangen (die den gesetzlich vorgegebenen Zusatzbeitrag von 0,9 % überschreitenden Zusatzbeiträge werden indes nicht im Zuge des Quellenabzugsverfahrens, sondern von den Krankenkassen direkt beim Versicherten erhoben). Übersteigt dieser von den Krankenkassen 8 Personalaufwand324 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 324 Status: Imprimatur separat erhobene Zusatzbeitrag 2 % des Einkommens, erhalten Arbeitnehmer jedoch einen Sozialausgleich aus Steuermitteln. In diesem Fall werden nicht die vollen 8,2 %, sondern ein (individuell ermittelter) ermäßigter Kassenbeitrag vom Bruttolohn abgezogen. Für die daraus resultierenden Einnahmeausfälle der gesetzlichen Krankenkassen kommt der Staat auf. Die Beitragssätze in der gesetzlichen Unfallversicherung variieren je nach Unfallgefahr in den einzelnen Wirtschaftszweigen. Für die Pflegeversicherung bestand in der Zeit vom 1. 1. 1995 bis zum 30. 6. 1996 ein Beitragssatz von 1 %. Dieser wurde am 1. 7. 1996 wegen der dann gewährten vollstationären Pflege auf 1,7 % und am 1. 7. 2008 auf nunmehr 1,95 % erhöht. Seit dem 1. 1. 2005 müssen Kinderlose, die das 23. Lebensjahr vollendet haben, einen Beitragszuschlag von 0,25 % auf den Arbeitnehmeranteil des Pflegeversicherungsbeitrags (0,975 %) zahlen (§ 55 Abs. 3 SGB XI). Die Beiträge für die Rentenversicherung betragen zum 1. 1. 2011, wie im Jahr zuvor, bundeseinheitlich 19,9 % und für die Arbeitslosenversicherung insgesamt 3,0 % des sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverdienstes. Die Beiträge zur Sozialversicherung werden, abgesehen von Geringverdienern und den beschriebenen Ausnahmen, insbesondere bei der Krankenversicherung, je zur Hälfte von Arbeitnehmer (Arbeitnehmeranteil) und Arbeitgeber (Arbeitgeberanteil) getragen (§§ 346 SGB III, 249 SGB V, 168 SGB VI), wobei hinsichtlich der Pflegeversicherung eine abweichende länderspezifische Regelung möglich ist (§ 58 SGB XI). In vollem Umfang trägt der Arbeitgeber die Beiträge zur Unfallversicherung aller Arbeitnehmer und die Sozialversicherungsbeiträge von Geringverdienern. Die Geringverdienergrenze beträgt 400 €. Der Arbeitgeber hat den Arbeitnehmeranteil vom Arbeitslohn einzubehalten und zusammen mit dem Arbeitgeberanteil an die zuständige Krankenkasse (AOK oder Ersatzkasse) abzuführen (§ 28h Abs. 1 SGB IV), die dann die Verteilung auf die einzelnen Sozialversicherungsträger (Pflegekasse, Rentenversicherungsanstalt, Bundesagentur für Arbeit) und an den vom Bundesversicherungsamt als Sondervermögen verwalteten Gesundheitsfonds (§ 271 SGB V), der wiederum Mittel an die Krankenkassen weiterleitet, vornimmt. Die Pflegekassen sind zwar Selbstverwaltungseinrichtungen, die in der Rechtsform von Körperschaften des öffentlichen Rechts betrieben werden (vgl. Schneider, Pflegeversicherung, S. 1931), ihre Aufgaben werden jedoch von den Krankenkassen wahrgenommen. Dementsprechend ist bei jeder gesetzlichen Krankenkasse eine Pflegekasse eingerichtet (vgl. Alt/Jenak, Lohnbuchhalter, S. 65). Die Beiträge zur Unfallversicherung sind vom Arbeitgeber an die Berufsgenossenschaft oder Unfallkassen abzuführen (vgl. § 114 Abs. 1 SGB VII). Die vermögenswirksamen Leistungen nehmen im System der Arbeitsentlohnung eine Sonderstellung ein, da sie sowohl Zusatzleistungen des Arbeitgebers als auch einzubehaltende Lohnteile beinhalten können. Vermögenswirksame Leistungen sind Leistungen im Sinne des 5. Gesetzes zur Förderung der Vermögensbildung der Arbeitnehmer (5. VermBG), die vom Arbeitgeber nicht ausbezahlt, sondern in den gesetzlich vorgeschriebenen Formen zugunsten des Arbeitnehmers fest angelegt werden. Im Wesentlichen für vermögenswirksame Leistungen, die nach dem 31. 12. 1993 erbracht werden, gilt das 5. Vermögensbildungsgesetz in der Neufassung vom 4. 3. 1994 (BGBl. I 1994, S. 406). Für 8.1 Grundsachverhalte der Arbeitsentlohnung 325 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 325 Status: Imprimatur vermögenswirksame Leistungen vor dem 1. 1. 1994 ist § 17 des 5. VermBG 1989 (BGBl. I 1989, S. 137), geändert durch das Steuerreformgesetz 1990 (BGBl. I 1988, S. 1093), maßgeblich (§ 17 Abs. 2 5. VermBG in der aktuellen Fassung). § 2 des 5. VermBG sieht als alternative Anlagearten insbesondere vor: – Aufwendungen für den Erwerb von Aktien, Investmentanteilen, Wandelund Gewinnschuldverschreibungen etc., – Aufwendungen im Sinne des Wohnungsbau-Prämiengesetzes (WoPG), – Aufwendungen zum Bau, Erwerb oder zur Erweiterung eines im Inland gelegenen Wohngebäudes bzw. einer Eigentumswohnung, – Sparbeiträge aufgrund eines Sparvertrages des Arbeitnehmers mit einem Kreditinstitut, – Beiträge zu Kapitalversicherungen auf den Erlebens- und Todesfall. Die vermögenswirksamen Leistungen (steuer- und sozialversicherungspflichtig) können je nach tarifvertraglicher und betriebsindividueller bzw. arbeitsvertraglicher Vereinbarung in voller Höhe vom Arbeitgeber zusätzlich zum Arbeitslohn, vollständig vom Arbeitnehmer aus seinem Arbeitslohn oder teilweise vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer bezahlt werden. Unabhängig von der jeweiligen Zahlungsvereinbarung hat der Arbeitgeber die vermögenswirksame Leistung einzubehalten und in voller Höhe für den Arbeitnehmer unmittelbar an den entsprechenden Träger (Bank, Versicherungsgesellschaft, Bausparkasse) abzuführen. Arbeitnehmer, die Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit beziehen und deren zu versteuerndes Jahreseinkommen 20.000 € (17.900 €) bzw. 40.000 € (35.800 €) bei Zusammenveranlagung von Ehegatten nicht übersteigt, erhalten auf die in § 13 Abs. 1 Nr. 1 VermBG (§ 13 Abs. 1 Nr. 2 VermBG) genannten vermögenswirksamen Leistungen eine steuer- und sozialversicherungsfreie Arbeitnehmer-Sparzulage. Die Sparzulage beträgt 20 % der vermögenswirksamen Leistungen, soweit sie insgesamt 400 € im Kalenderjahr nicht übersteigen. Die vermögenswirksamen Leistungen zu Spar- und Kapitalversicherungsverträgen werden seit 1990 grundsätzlich nicht mehr durch Arbeitnehmer-Sparzulagen gefördert. Die Sparzulage wird nach Ablauf einer mehrjährigen Sperrfrist, die von der konkreten Anlageform abhängig ist, vom Finanzamt an den Arbeitnehmer ausbezahlt (§ 7 VermBDV 1994). Beispiel: Monatsgehaltsabrechnung eines Angestellten oder Arbeiters (20 Jahre alt, keine Kinder, gerundete Werte in €, Bemessungsgrenzen von 2010, altes Bundesland, Lohnsteuer gemäß § 32a EStG, der Beitrag zur Pflegeversicherung soll je zur Hälfte auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber entfallen, Kranken- und Arbeitslosenversicherung in der ab 1. 1. 2011 gültigen Form): Bruttogehalt (einschließlich Arbeitgeberanteil zur vermögenswirksamen Leistung 25 % von 40 € (480/12) = 10 €) 3.850 . /. Lohnsteuer (gem. § 32a EStG, Steuerklasse I/0 734 . /. Solidaritätszuschlag (5,5 % der Lohnsteuer) 40 . /. Kirchensteuer (8 % der Lohnsteuer) 59 . /.  Krankenversicherung (15,5 % von 3.712,50), davon Arbeitnehmeranteil 304 8 Personalaufwand326 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 326 Status: Imprimatur . /.  Pflegeversicherung (1,95 % von 3.712,50) davon Arbeitnehmeranteil 36 . /.  Rentenversicherung (19,9 % von 3.850), davon Arbeitnehmeranteil 383 . /.  Arbeitslosenversicherung (3,0 % von 3.850), davon Arbeitnehmeranteil 58 . /. vermögenswirksame Leistung (Bausparvertrag) 40 1.654 Auszahlungsbetrag 2.196 Der Beitrag zur Unfallversicherung beträgt 50. Letztlich fließen daher dem Finanzamt und den Sozialversicherungsträgern folgende, in der Graphik veranschaulichte Beträge zu (die Verteilerfunktionen der Krankenkasse sowie des Gesundheitsfonds bleiben dabei unberücksichtigt): Ebenfalls eine Besonderheit im Gehaltsabrechnungssystem stellt die Direktversicherung dar. Dabei wird vom Arbeitgeber zugunsten des Arbeitnehmers eine Lebensversicherung abgeschlossen. Eine Versicherung, die das typische Todesfallwagnis und – bereits bei Vertragsbeginn – das Rentenwagnis zum Gegenstand hat, ist dagegen keine Direktversicherung (BFH v. 9. 11. 1990, BB 1991, S. 963 f.). Der Vorteil dieser Konstruktion liegt in der steuerlichen Begünstigung begründet, wobei zwischen Zusagen vor und nach dem 1. 1. 2005 zu unterscheiden ist. Nach § 40b EStG kann die Lohnsteuer für die Beiträge zur Direktversicherung pauschal mit 20 v. H. erfasst werden, sofern die Zusage seitens des Arbeitgebers vor dem 1. 1. 2005 erteilt wurde (Altverträge mit Bestandsschutz); hinzu kommen pauschale Kirchensteuer sowie Solidaritätszuschlag. Voraussetzung dafür ist, dass der Erlebensfall nicht vor dem 60. Lebensjahr liegt und eine Kündigung nicht in Betracht kommt. Darüber hinaus dürfen die Beiträge im Kalenderjahr 1.752 € bzw. 2.148 €, soweit für mehrere Arbeitnehmer ein Direktversicherungsvertrag vorliegt und die durchschnittlichen Beiträge je Arbeitnehmer nicht über 1.752 € liegen, nicht überschreiten. Die Steuer kann vom Arbeitgeber oder Arbeitnehmer getragen werden. Seit dem Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes am 1. 1. 2005 ist das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung von Rentenbezügen auch auf Direktversicherungen anzuwenden. Für Zusagen, die nach dem 1. 1. 2005 erfolgen, sieht § 3 Nr. 63 EStG demnach eine Finanzamt 833 383 304 3.850 271 ArbeitgeberArbeitnehmer Deutsche Rentenversicherung Bund Berufsgenossenschaft Krankenkasse (AOK) Bundesagentur für Arbeit PflegekasseBausparkasse 383 40 58 36 36 58 2.196 50 Verfahren der Monatsgehaltsabrechnung 8.1 Grundsachverhalte der Arbeitsentlohnung 327 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 327 Status: Imprimatur Befreiung von der Steuerpflicht für Beträge bis zu 4 % der Beitragsbemessungsgrenze (alte Bundesländer) der Rentenversicherung zzgl. einem Festbetrag von 1.800 € vor. Folglich sind derzeit Beiträge bis zu einer Höchstgrenze von 4.400 € steuerfrei. Tritt der Leistungsfall ein, sind Leistungen, die aus steuerbefreiten Beträgen resultieren, vollständig zu versteuern. Hinsichtlich der Sozialversicherungspflicht sind Direktversicherungsbeiträge, die aus Zusagen vor dem 1. 1. 2005 resultieren, lediglich dann freigestellt, wenn sie pauschal besteuert sind und aus zusätzlichen Leistungen des Arbeitgebers herrühren oder aus Sonderzahlungen stammen (§ 2 Arbeitsentgeltverordnung; ArEV v. 18. 12. 84, BGBl. I 1984, S. 1642 ff.); ansonsten erhöhen sie das sozialversicherungspflichtige Arbeitsentgelt (vgl. Jenak, Gehaltsabrechnung, S. 134–141). Beiträge für Direktversicherungen, die nach dem 1. 1. 2005 abgeschlossen wurden, gelten nicht als Arbeitsentgelt i. S. d. § 14 SGB IV, sofern sie nicht 4 % der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung zzgl. 1.800 € Festbetrag übersteigen. Somit unterliegen lediglich die diese Grenze übersteigenden Beiträge der Sozialversicherungspflicht. Die buchtechnische Behandlung des Personalaufwandes orientiert sich an der Notwendigkeit, sämtliche Bestandteile des Bruttolohns und den Arbeitgeberanteil an den Beiträgen zur Sozialversicherung zu erfassen. Insbesondere die Aufzeichnungserfordernisse beim Lohnsteuerabzug verpflichten den Arbeitgeber zur Führung von Lohn- und Gehaltskonten für jeden Arbeitnehmer und jedes Kalenderjahr (§ 41 Abs. 1 EStG). In diese laufenden Konten der einzelnen Arbeitnehmer sind sowohl die Angaben aus der Lohnsteuerkarte über persönliche Verhältnisse des Steuerpflichtigen zu übernehmen als auch der Bruttolohn sowie die darauf entfallenden Abzüge im Einzelnen ersichtlich zu machen (§ 4 LStDV). Die Mindestangaben in den Lohnunterlagen für Zwecke der Sozialversicherung ergeben sich aus § 8 Beitragsverfahrensordnung (BVV v. 3. 5. 2006, BGBl. I 2006, S. 1138 ff.). Hinzu kommen gewöhnlich weitere umfangreiche Aufzeichnungen über sonstige Leistungen, z. B. nach dem 5. Gesetz zur Förderung der Vermögensbildung der Arbeitnehmer (5. VermBG) und der dazugehörigen Durchführungsverordnung (VermBDV 1994 v. 20. 12. 1994). Die Vielzahl der zu berücksichtigenden Einzeltatbestände steuerlicher, sozialversicherungsrechtlicher und sozialpolitischer (sparfördernder) Art verursacht erheblichen Verwaltungsaufwand, der noch um das arbeitsaufwendige Gebiet der Vergütungen bei Dienstgängen und Dienstreisen und den dabei anfallenden Auslagenersatz sowie um den Komplex der freiwilligen betrieblichen Altersvorsorge erweitert wird. Das Führen der Lohnkonten erfordert deshalb in aller Regel eine besondere Lohn- und Gehaltsbuchführung (Personalbuchhaltung), die häufig bereits bei kleineren Betrieben den Einsatz von EDV-Anlagen erzwingt (im Einzelnen vgl. Teil A, Abschn. 15.5.5, S. 669 ff.). Die Lohnbuchhaltung wird infolge ihrer Komplexität in der Praxis häufig isoliert, außerhalb der eigentlichen Finanzbuchführung durchgeführt. Die den Personalaufwand zum Ausdruck bringenden und über die Erfolgsrechnung abzuschließenden Hauptbuchkonten übernehmen dann nur noch die Kontensaldensummen, getrennt nach Bruttoarbeitsentgelt, Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung und gegebenenfalls freiwilligem Sozialaufwand. 8 Personalaufwand328 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 328 Status: Imprimatur 8.2 Die Lohn- und Gehaltsverbuchung Der Standardbuchungssatz für die Auszahlung von Löhnen und Gehältern lautet: Personalkosten (Bruttolohn) an Kasse/Bank (Nettolohn) Noch abzuführende Abgaben (Abzüge) und zur Verbuchung des Arbeitgeberanteils zur Sozialversicherung: Gesetzliche soziale Aufwendungen an Noch abzuführende Abgaben Um die Abzüge genauer zu spezifizieren, werden regelmäßig für das Konto „Noch abzuführende Abgaben“ Unterkonten nach der Art der Abzüge (Lohnsteuer, Kirchensteuer, AOK, . . .) eingerichtet. Da die Abzüge (Steuern und Sozialabgaben) gegenüber dem Zeitpunkt der Nettolohnauszahlung i. d. R. erst zu einem späteren Termin fällig werden (z. B. einbehaltene Lohnsteuer i. d. R. am 10. des Folgemonats, Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung je nach Satzung der zuständigen Krankenkasse, spätestens aber am 15. des Folgemonats; § 41a EStG, § 23 Abs. 1 SGB IV, § 348 SGB III), sind diese zum Zwecke der korrekten Aufwandserfassung im Zeitpunkt der Lohnzahlung bis zu ihrer Abführung an das Finanzamt und die Sozialversicherungsträger als Schuld zu behandeln und auf dem Konto: Noch abzuführende Abgaben zu sammeln. Ihr bilanzieller Ausweis erfolgt unter den Sonstigen Verbindlichkeiten (antizipative Passiva). In der Regel werden sie bei Fälligkeit durch Banküberweisung beglichen und anschließend erfolgsneutral ausgebucht: Noch abzuführende Abgaben an Bank Die vermögenswirksam angelegten Teile des Arbeitsentgelts sind unmittelbar auf (Prämien-, Bau-, Versicherungs-)Sparkonten zu überweisen. Bei Vorliegen freiwilliger sozialer Leistungen (Beihilfen, Zuschüsse, Unterstützungs- und Fürsorgezahlungen) erfolgt die Belastung auf einem gesonderten Aufwandskonto. Bis auf weiteres wird in den nachfolgenden Beispielen für die betrachteten Arbeitnehmer von einem AOK-Beitrag in Höhe von 15,5 %, Beiträgen zur Renten- und Arbeitslosenversicherung in Höhe von 19,9 % bzw. 3,0 % und einer paritätischen Aufteilung des Pflegeversicherungsbeitrages von insgesamt 1,95 % zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ausgegangen.

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.