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7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 252 - 318

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_252

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
7 Wertpapiere und Finanzinnovationen232 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 232 Status: Imprimatur Hauptfachausschuss des Instituts der Wirtschaftsprüfer, Genussrechte, S. 419–423 Langenbeck/Wolf, Buchführung, S. 109–117 Lühn, Genussrechte, S. 71–118 Perridon/Steiner/Rathgeber, Finanzwirtschaft, S. 309–356 Rudolph, Mezzanine-Kapital, S. 14–18 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 7.2.1 Entwicklung der Finanzmärkte Einer in den 70er Jahren einsetzenden Liberalisierung und Globalisierung der Märkte für Waren und Dienstleistungen sind entsprechende Entwicklungen auf den internationalen und nationalen Finanzmärkten gefolgt. So hat es seit Beginn der achtziger Jahre z. T. drastische Veränderungen gegeben, die eine Fülle neuer Finanzprodukte, so genannte Finanzinnovationen, hervorgebracht haben. Entstanden sind Finanzierungsformen zumeist ohne historische Vorbilder, die sich nicht ohne weiteres normieren lassen und die vorhandene Trennungslinien zwischen den Finanzmärkten durchbrechen oder sogar beseitigen. Die Finanzinnovationen ihrerseits haben erheblichen Einfluss auf die Volumina, das Wachstum und die Struktur der internationalen Finanzmärkte genommen, was zu weiteren Wachstumsimpulsen, aber auch zur Eliminierung oder Rückführung gewisser nur kurzlebiger Finanzinnovationen geführt hat. Auslöser für die beschriebenen Entwicklungen ist neben der hohen Volatilität vieler Währungen und der Schwankungsbreite der Zinsniveaus insbesondere die Internationalisierung der Geschäftsbeziehungen. In den internationalen Leistungsaustausch eingebundene Unternehmen bewirken Zahlungsströme in verschiedenen Währungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Befristet auftretende Liquiditätsunter- und -überdeckungen sind durch Mittelaufnahmen oder -anlagen an den Geld- oder Kapitalmärkten möglichst kostenoptimal auszugleichen. Neben dem klassischen Anlage- und Finanzierungsinstrumentarium entwickelten die Märkte auf individuelle Bedürfnisse abgestimmte Kontraktarten. Hinsichtlich Laufzeiten, Konditionen, Währungen und Inanspruchnahmen erfolgte bei innovativen Finanzierungsformen eine erhebliche Flexibilisierung. Ein Großteil der neuen Produkte ist dabei dem Wertpapierbereich zuzurechnen. Durch Variation der Ausstattungsmerkmale bestehender Finanzierungsformen, wie Zinssatz, Zinsbindungszeit (Floating Rate Notes), Art des Zinses (Zinsswap), Zahlungszeitpunkte der Zinsen (Zerobonds), Laufzeit, Währung (Währungsswap), oder durch besondere Options- und Wandelrechte ergeben sich neuartige Konstruktionen mit spezifischen Rendite- und Risikostrukturen. Während die neuen Finanzprodukte zunächst vornehmlich von der finanzwirtschaftlichen Literatur aufgegriffen wurden, haben sie mittlerweile auch für die handels- und steuerrechtliche Diskussion sowie im Bereich der Bankenaufsicht eine gewichtige Rolle erlangt. Bezüglich vieler dabei aufgeworfener Problemstellungen hat sich auch bis dato noch keine einheitliche Meinung herausgebildet. 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 233 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 233 Status: Imprimatur tt 00 AZ EZ Normal-Kupon-Anleihe Null-Kupon-Anleihe Losgelöst von der Frage, wie lange Produkte und Verfahren wirklich neu sind und dementsprechend als Innovationen bezeichnet werden können, werden im Folgenden tatsächlich „neue“ sowie solche Finanzprodukte betrachtet, für die sich der Terminus „Finanzinnovation“ eingebürgert hat. Obwohl am Euro-Markt bereits in den siebziger Jahren herausgebildet, stand der Einführung innovativer Anleiheformen am deutschen Kapitalmarkt bis Anfang 1985 ein Agreement zwischen der Deutschen Bundesbank und den Kreditinstituten entgegen. Durch die Aufhebung dieser Vereinbarung (sog. Restliberalisierung) wurde die Palette der Anleihen um neue Formen auf den Kapitalmärkten erweitert. Grundformen in diesem Marktbereich sind die Null- Kupon-Anleihen (Zerobonds), die variabel verzinslichen Anleihen (Floating Rate Notes), die Doppelwährungsanleihen (Dual Currency Bonds) und Anleihen in Verbindung mit Swapgeschäften. Neben diesen werden im Folgenden auch weitere Finanzierungsformen, wie bedingte Termingeschäfte und Futures, behandelt. Hinzu treten Verbindungen von Derivaten und Anleihen, sog. strukturierte Anleihen, deren Bilanzierung ebenfalls erörtert wird. 7.2.2 Zerobonds Eine Sonderform der Schuldverschreibungen bzw. Anleihen sind die Zerobonds. Bereits seit 1981 an den internationalen Finanzmärkten bekannt, können auf DM bzw. EUR lautende Zerobonds seit der Restliberalisierung des Kapitalmarktes im Jahre 1985 begeben und genutzt werden. Diese Null-Kupon-Anleihen sind Anleihen, auf die keine periodischen Zinszahlungen geleistet werden, sondern deren Gegenleistung für die Kapitalüberlassung durch einen gegenüber dem Ausgabebetrag erhöhten Rücknahmebetrag am Ende der Laufzeit beglichen wird. Der Anleger erzielt Einkommen nicht durch laufenden Zinsertrag, sondern durch Kapitalzuwachs. Durch den Aufzinsungseffekt ist die Emissionsrendite während der ganzen Laufzeit gesichert; ebenfalls gibt es kein Wiederanlagerisiko für die laufenden Zinszahlungen. Während diese Form der Auf- bzw. Abzinsung vor Einführung der Zerobonds bereits von Sparbriefen oder Bundesschatzbriefen vom Typ B her bekannt war, stellten die hohe Fungibilität durch Handel am Kapitalmarkt sowie die Flexibilität bei der Laufzeitgestaltung Neuentwicklungen dar. Für den Anleger in Zerobonds ergeben sich im Verhältnis zu Normal-Kupon- Anleihen die folgenden prinzipiellen Einzahlungs- (EZ) und Auszahlungsströme (AZ). 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen234 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 234 Status: Imprimatur Die Darstellung verdeutlicht, dass auf den Emittenten im Fälligkeitszeitpunkt eine wesentlich höhere Liquiditätsbelastung zukommt als bei einer gewöhnlichen Kupon-Anleihe. Schließlich sind zu diesem Zeitpunkt sämtliche Zinsen mit Zinseszinsen zu bezahlen. Beispiel: Die X-AG erwirbt für 40.000 € einen neu emittierten Zerobond der Y-AG zu folgenden Bedingungen: Emissionskurs (E) am 1. 4. 2008 40 % Rücknahmekurs (R) am 31. 3. 2018 100 % Buchung: (bei der X-AG) Wertpapiere 40.000 an Bank 40.000 Gemäß der Ausstattung des Zerobonds hat die X-AG einen Anspruch auf Rückzahlung zum 31. 3. 2018 in Höhe von 100.000 €. Die Emissionsrendite (r) p. a. errechnet sich bezogen auf die Laufzeit (n) wie folgt: Die X-AG hat demnach unter Berücksichtigung des Zinseszinseffektes eine jährliche Rendite vor Steuern in Höhe von 9,6 % zu erwarten. Während die errechnete Emissionsrendite bis zum Einlösungszeitpunkt sicher ist, wirken sich Marktzinsveränderungen bei einer Normalkuponanleihe auf die weitere Verzinsung der zwischenzeitlichen Zinseingänge aus. Analog zu festverzinslichen Wertpapieren fällt der Kurs der Null-Kupon-Anleihe, wenn das Marktzinsniveau während der Laufzeit der Papiere steigt. Aufgrund des besonderen Wiederanlagemechanismus, wodurch nicht nur der Emissionswert (Kapitalbetrag), sondern auch die zukünftigen Zinsen mit einem unter dem Marktzinssatz liegenden Zinssatz weiterverzinst werden, wird der Marktwert des Zerobonds jedoch überproportional sinken bzw. bei umgekehrter Marktzinsentwicklung ansteigen. Der Zerobond ist deshalb gegenüber einer vergleichbaren Kuponanleihe in extremer Weise einem Wertänderungsrisiko ausgesetzt. Für den Anleger in Zerobonds ist dieser Sachverhalt dann von Relevanz, wenn er seine Papiere während der Laufzeit veräußern will. Der bei einer Veräußerung während der Laufzeit erzielte Überschuss des Veräußerungserlöses gegenüber den Anschaffungskosten kann somit aufgeteilt werden in einen Zinsbetrag, berechnet auf Basis der Rendite im Erwerbszeitpunkt, und in einen Betrag, der durch die Marktzinsschwankung bedingt ist. Beispiel: Der Marktwert des von der Y-AG emittierten Zerobonds beträgt am 1. 4. 09 48 %. Bei gegenüber dem Emissionszeitpunkt unverändertem Zinsniveau dürfte der Marktwert jedoch lediglich 43,84 % betragen. Der überproportionale Anstieg des Kurswertes des Zerobonds lässt dementsprechend auf einen Rückgang des E · (1 + r)n = R r = √R/E – 1 r = √100.000/40.000 – 1 r = 9,6 % 10 n 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 235 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 235 Status: Imprimatur allgemeinen Marktzinsniveaus schließen (das Bonitätsrisiko sei hier unbeachtlich). Für den Erwerber per 1. 4. 09 ergibt sich dementsprechend eine Rendite von lediglich 8,5 % p. a. (r = 9√100/48 – 1). Hätte die X-AG ihre Papiere bereits nach einem Jahr veräußert, hätte sie eine effektive Rendite von 20 % erzielt. Unter der Annahme eines im Vergleich zum Emissionszeitpunkt unveränderten Zinsniveaus, erzielte die X-AG zum 31. 12. 08 Zinserträge i. H. v. 2.880; vgl. zur Verbuchung am 31. 12. 08, S. 236. Verbuchung: Verkauf durch die X-AG am 1. 4. 09; die beauftragte Bank behält Kapitalertragsteuer (entsteht im Zeitpunkt des Zuflusses; vgl. § 44 Abs. 1 Satz 2 und 3 EStG) i. H. v. 25 % auf den Kursgewinn) und Solidaritätszuschlag i. H. v. 5,5 % auf die Kapitalertragsteuer ein (vgl. hierzu Teil A, Abschn. 7.1.3.1, S. 210): Steuervorauszahlungen Bank 2.110 45.890 an Wertpapiere Zinserträge sonst. betriebl. Erträge 42.880 960 4.160 Für die Behandlung im handelsrechtlichen Jahresabschluss stellt sich die Frage, ob die Zinserträge bei Zerobonds laufend vereinnahmt werden müssen. Bei strenger Zugrundelegung des Anschaffungskostenprinzips im Hinblick auf das Realisationsprinzip dürfte der Anleger in Zerobonds lediglich zu Anschaffungskosten ohne Aktivierung der anteiligen Zinserträge bilanzieren. Aus dem Periodisierungsgrundsatz (§ 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB) ergibt sich, dass zeitproportional entstehende Erträge, die verspätet oder verfrüht zu Einnahmen führen, pro rata temporis zu periodisieren sind. Der Erwerber wird dementsprechend die jährliche Zinsforderung aktivieren; dabei ist unerheblich, dass der Zahlungsanspruch erst am Ende der Laufzeit entsteht. Durch die Aktivierungspflicht soll sichergestellt werden, dass während der Laufzeit der Anleihe die Vermögens- und Ertragslage des Anleihegläubigers zutreffend i. S. d. § 264 Abs. 2 HGB dargestellt wird. In entsprechender Weise wird von der Finanzverwaltung die Aktivierung von Zerobonds auch in der Steuerbilanz vorgeschrieben (BMF v. 5. 3. 1987, BStBl. I 1987, S. 394). Für den Bilanzansatz des Zerobonds beim Ersterwerber sind somit zunächst die historischen Anschaffungskosten zuzüglich der seit der Emission aufgelaufenen, rechnerischen Zinsen als nachträgliche Anschaffungskosten heranzuziehen. Je nach Zuordnung zum Anlage- oder Umlaufvermögen ist sodann bei einem niedrigeren Stichtagskurs eine Abschreibung nach Maßgabe des Niederstwertprinzips durchzuführen (vgl. Teil A, Abschn. 7.1.5, S. 216 ff.). Ertragsteuerlich entspricht dem der Ansatz mit den Anschaffungskosten oder bei voraussichtlich dauerhafter Wertminderung fakultativ dem niedrigeren Teilwert gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG. Beispiel: Die am 1. 4. 08 von der X-AG zu Anschaffungskosten von 40.000 € (Emissionskurs 40 %) erworbenen Zerobonds, die eine Emissionsrendite von 9,6 % p. a. erwarten lassen, sind zum Bilanzstichtag 31. 12. 08 zu bilanzieren. Die abgegrenzte Zinsforderung für 9 Monate beträgt 2.880 € (= 40.000 € · (1 + 9,6 %)9⁄12). 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen236 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 236 Status: Imprimatur Verbuchung: Wertpapiere 2.880 an Zinserträge 2.880 Ansatz der Zerobonds in der Handelsbilanz zu 42.880 €. Beträgt jedoch der Kurswert der Zerobonds per 31. 12. 08 nur 41 %, ist folgendermaßen zu verfahren, wenn bspw. von einer dauerhaften Wertminderung auszugehen ist: Verbuchung: Wertpapiere Abschreibungen auf Finanzanlagen 1.000 1.880 an Zinserträge 2.880 Bei Erwerb während der Laufzeit – so genannter Zweiterwerb – sind die Zerobonds erstmalig mit dem Erwerbsbetrag als Anschaffungskosten zu bilanzieren. Im Weiteren ist zu fragen, nach welchem Maßstab die Zinsen zu berechnen sind, die als nachträgliche Anschaffungskosten den Wertansatz erhöhen. In Analogie zur Behandlung „normaler“ Kuponbonds kann eine Erhöhung der Anschaffungskosten gemäß der ursprünglichen Verzinsung des Zerobonds, d. h. der Rendite im Emissionszeitpunkt (Emissionsrendite), vorgenommen werden (vgl. Kußmaul, Null-Kupon-Anleihen, S. 1568). Vorzuziehen ist demgegenüber eine Erhöhung der Anschaffungskosten gemäß der Rendite im Erwerbszeitpunkt (Erwerbsrendite; vgl. Kußmaul, Zero-Bonds, S. 1928 f.; Lorson, § 268 HGB, Rn. 166 ff.); hierdurch wird der Zweiterwerber gleich behandelt wie der Erwerber eines im Erwerbszeitpunkt neu emittierten, in Bezug auf die Restlaufzeit identisch ausgestatteten Zerobonds. Zinsen und Veräußerungsgewinne von den im Privatvermögen gehaltenen Zero-Bonds (§ 20 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 EStG) unterliegen seit dem 1.1.2009 der Abgeltungsteuer (§ 52a Abs. 10 Satz 6 EStG; vgl. zur Abgeltungsteuer und ihrer gesetzlichen Grundlage Teil A, Abschn. 7.1.3.1, S. 210 f.). Nach § 20 Abs. 4 Satz 1 EStG fällt der Unterschiedsbetrag zwischen den Einnahmen aus der Veräußerung der Zero-Bonds (abzgl. Veräußerungskosten) und den Anschaffungskosten unter die Veräußerungsgewinne nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 EStG. Auf diese ist die Abgeltungsteuer von 25 % zzgl. Solidaritätszuschlag sowie ggf. Kirchensteuer zu entrichten, sofern der Sparerfreibetrag von 801 € bzw. 1602 € bei zusammenveranlagten Ehegatten bereits ausgeschöpft ist. Die Bilanzierung des Zerobonds beim Emittenten erfolgt zum Ausgabebetrag zuzüglich der bis zum Bilanzstichtag aufgelaufenen Zinsen (vgl. HFA, Zero- Bonds, S. 248; Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 253 HGB, Rn. 85 ff.). 7.2.3 Floating Rate Notes Gemeinsames Kennzeichen dieser in zahlreichen Variationen angebotenen Schuldverschreibungen mit mittlerer bis langer Laufzeit ist die regelmäßige, meist im Drei-, Sechs- oder Zwölfmonats-Rhythmus erfolgende Anpassung des Zinssatzes an die Entwicklung der Geldmarktzinsen. Es handelt sich demnach um Instrumente, deren Kosten nicht im Voraus festgesetzt werden, sondern je nach Finanzmarktsituation variieren. Als Basis für die Festlegung der Zinssätze dienen Referenzzinssätze, die als Durchschnitt 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 237 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 237 Status: Imprimatur von Interbanken-Geldmarktsätzen ermittelt werden. Solche Referenzzinssätze sind der EURIBOR („Euro Interbank Offered Rate“) und der LIBOR („London Interbank Offered Rate“), die jeweils für verschiedene Laufzeiten im Kurzfristbereich ermittelt werden. Der vom Emittenten zu entrichtende Zinssatz ergibt sich schließlich aus dem variablen Referenzzinssatz und dem in den Anleihebedingungen fest vereinbarten Zinssatzzuschlag (Spread), dessen Höhe von der Bonität des Emittenten abhängig ist. Da i. d. R. nur Unternehmen mit erstklassigem Rating Floating Rate Notes (FRN) emittieren können, ist der vereinbarte Spread häufig relativ niedrig (< 0,25 %). Während der Schuldner den Vorteil einer langfristigen Kapitalmarktfinanzierung zu kurzfristigen Konditionen hat, bieten FRN dem Anleger den Vorteil einer zinsreagiblen Investitionsmöglichkeit bei weitgehender Ausschaltung von Kursrisiken. Die buchhalterische Behandlung der FRN erfolgt analog der bei festverzinslichen Wertpapieren (Teil A, Abschn. 7.1, S. 207 ff.). Die Bewertung ist entsprechend dem Stichtagspostulat am Niederstwertprinzip ausgerichtet. Ein Abschreibungsbedarf wird sich bei Zinsschwankungen allenfalls für den Zeitraum bis zum Ende der laufenden Zinsanpassungsperiode ergeben. Für die Zinsvereinnahmung müssen die Zinsen auf der Basis des jeweils gültigen Zinssatzes abgegrenzt werden. Im Privatvermögen sind die vereinnahmten Zinsen für den Erst- und Folgeerwerber steuerpflichtig; sie unterliegen seit dem 1. 1. 2009 der Abgeltungsteuer i. H. v. 25 % zzgl. 5,5 % Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer (vgl. wiederum Teil A, Abschn. 7.1.3.1, S. 210 f.). Ein Gewinn aus der Veräußerung bzw. Einlösung von Floating Rate Notes ist seit dem 1. 1. 2009 unabhängig von der Haltedauer ebenfalls abgeltungsteuerpflichtig. 7.2.4 Dual Currency Bonds Wesentliches Charakteristikum von Dual Currency Bonds (Doppelwährungsanleihen) ist, dass die Emission einer langfristigen Festzinsanleihe und deren Rückzahlung in unterschiedlicher Währung erfolgen. Doppelwährungsanleihen stellen somit eine Mischform zwischen reiner Inlands- und reiner Fremdwährungsanleihe dar. Die Zinszahlung kann sowohl in der Einzahlungsals auch in der Rückzahlungswährung vereinbart sein. Dadurch lassen sich Wechselkursrisiken zwischen Gläubiger und Schuldner umverteilen. Bei einer Doppelwährungsanleihe mit US-Dollar- und EUR-Komponente können beispielsweise die Einzahlungen des Anlegers in EUR, die Zinszahlungen des Emittenten ebenfalls in EUR, die Rückzahlung jedoch in US-Dollar erfolgen. Abhängig von der längerfristigen Kurs- bzw. Zinserwartung sowie der grundlegenden Risikobereitschaft des Anlegers wird es dem Anleiheschuldner auf diese Art möglich sein, das Wechselkursrisiko bezüglich des Kapitalbetrags auf den Anleger, gegen Gewährung einer Risikoprämie, abzuwälzen. Die Emissionsrendite bei einem so gestalteten Dual Currency Bond wird zwischen den Renditen für Anleihen in den jeweiligen Währungen liegen. Der Kurswert im Zeitablauf wird sowohl von den Marktzinsentwicklungen der 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen238 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 238 Status: Imprimatur beiden Währungsländer als auch von der Wechselkursentwicklung zwischen Aufbringungs- und Rückzahlungswährung beeinflusst. Trotz dieser vielgestaltigen Einflussfaktoren wird sich bei Annäherung an den Fälligkeitstermin der Kurs stärker am Renditeniveau der Tilgungswährung orientieren. Beispiel: Die X-AG kauft am 1. 7. 09 über eine ausländische Bank, die die Verwaltung des Wertpapierbestandes übernimmt, aus einer Neuemission der ED-Corporation Wertpapiere für 100.000 €. Die gesamte Emission mit einem Volumen von 150 Mio. € hat eine Laufzeit von 8 Jahren mit einem Zinskupon von 9 % p. a. (Zinstermin jährlich 30. 06.; Zinszahlungen in EUR). Beim genannten Einzahlungspreis von 100.000 € sollen am Laufzeitende US-$ 105.000 zurückgezahlt werden. Bei einem Wechselkurs von 1 € = 1 US-$ entspricht dies 105.000 €. Buchungssatz: Wertpapiere 100.000 an Bank 100.000 Durch eine zwischenzeitliche Erhöhung des Dollarkurses notieren die Anleihen am 1. 10. 09 zu 103 %. Aus Liquiditätsgründen nimmt die X-AG den Verkauf der Hälfte ihrer Anleihen vor. Buchungssatz: Bank 52.625 an Wertpapiere sonst. betriebl. Erträge Stückzinsen 50.000 1.500 1.125 Aus den im Depot verbleibenden Papieren resultiert somit ein jährlicher Zinsanspruch von 4.500 €. Einen konstanten Wechselkurs bis zum Rückzahlungszeitpunkt vorausgesetzt, würde die X-AG bei einem Rückzahlungsbetrag von 52.500 € eine Effektivrendite von 9 % p. a., bezogen auf den nicht liquidierten Anleiheteil, erzielen. Durch den Erwerb von Doppelwährungsanleihen erwirbt der Anleger zwei getrennte Ansprüche. Während der Zinsanspruch pro rata temporis mit der Dauer der Kapitalüberlassung entsteht, ergibt sich aus dem Rückzahlungsanspruch in US-$ im Jahresabschluss eine offene Währungsposition für das eingesetzte Kapital. In Bezug auf die Stichtagsbewertung sind potentielle Währungskursgewinne aufgrund des Realisationsprinzips nicht zu aktivieren. Im Gegensatz dazu besteht jedoch aufgrund des Vorsichtsprinzips ggf. ein Abschreibungsbedarf bei zu antizipierenden Kursverlusten (Niederstwertprinzip mit Abschreibungswahlrecht beim Finanzanlagevermögen). 7.2.5 Swaps Eines der von deutschen Unternehmen bislang am häufigsten eingesetzten innovativen Finanzierungsverfahren ist die Swaptechnik. Swaps beinhalten den Austausch von Zinszahlungen und ggf. von Kapitalbeträgen über einen bestimmten Zeitraum. Sie werden abgeschlossen, um Konditionenunterschiede beider Swappartner in verschiedenen Zinssegmenten auszunutzen oder um bestehende Geschäfte wirtschaftlich zu transformieren (bspw. wirtschaftliche Umwandlung einer festverzinslichen Verbindlichkeit in eine variabel verzinsliche). Im ersten Fall kann es sich sowohl um absolute als auch um komparative 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 239 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 239 Status: Imprimatur Kostenvorteile handeln, die es bei geeigneter Fallgestaltung den Swappartnern gestatten, in der Summe weniger Zinsen an den Kapitalmarkt zu bezahlen (im Falle von Kreditaufnahmen) bzw. mehr Zinsen zu erhalten (bei Finanzanlagen) als dies bei jeweils isolierter Inanspruchnahme des Kapitalmarktes möglich wäre. Swaps lassen sich zunächst danach differenzieren, ob sie im Zusammenhang mit einem Aktivum oder einem Passivum der Bilanz stehen. Entsprechend kann zwischen Swaps mit Vermögensgegenständen (Asset-Swaps) und Swaps mit Verbindlichkeiten (Liability-Swaps) unterschieden werden. Je nachdem, welche Intention der Swaptransaktion zugrunde liegt, erfolgt ein Austausch von Zinszahlungen (Zinsswap), ein Kapitaltausch in unterschiedlichen Währungen (Währungsswap) oder eine Kombination von beidem (Zins-Währungs-Swap). Beispiel: Die X-AG und die Y-AG, die sich beide am Kapitalmarkt Finanzierungsmittel in Höhe von 10 Mio. € für 5 Jahre beschaffen wollen, sehen sich folgender Konditionenstruktur gegenüber: Teilmärkte Schuldner zinsvariable Mittel festverzinsliche Mittel X-AG Y-AG LIBOR+0,5 % LIBOR+1,5 % 7,5 % 9,0 % Die schwächere Bonität der Y-AG kommt in den von Seiten der Gläubiger geforderten Zinsen zum Ausdruck und wird am Markt für Festsatzmittel offensichtlich stärker gewichtet als am Markt für zinsvariable Mittel. Während jedoch die X-AG an einer zinsvariablen Mittelaufnahme interessiert ist, bevorzugt die Y-AG festverzinsliche Mittel. Da identische und währungsgleiche Kapitalbeträge aufgenommen werden, kann in dieser Situation ein Zinsswap vorteilhaft sein. Das ist dann der Fall, wenn sich die X-AG, entgegen ihrer Interessenlage, Festsatzmittel zu 7,5 % beschafft und sich die Y-AG zu LIBOR+1,5 % finanziert. Um die eigentliche Zielsetzung zu realisieren, schließen X-AG und Y-AG nun einen Zinsswapvertrag, der eine Austauschvereinbarung bezüglich der festen und variablen Zinsverpflichtungen beinhaltet. Die Vorteilhaftigkeit des Zinsswaps für beide Unternehmen lässt sich durch folgenden Kostenvergleich aufzeigen: (jeweils bezogen auf den einfachen Kapitalbetrag): X-AG Y-AG gesamt ohne Swap: Kreditkosten – (LIBOR+0,5 %) – 9 % – (LIBOR+9,5 %) mit Swap: Kreditkosten Zufluss durch Swap Abfluss durch Swap Nettokosten – 7,5 % + 7,5 % – (LIBOR+1,5 %) – (LIBOR+1,5 %) – (LIBOR+1,5 %) + (LIBOR+1,5 %) – 7,5 % – 7,5 % – (LIBOR+9,0 %) Bei dieser Konstellation muss der Swapvertrag eine Kompensationszahlung der Y-AG an die X-AG von 1 % (primärer Zinsnachteil) sowie eine Klausel bezüglich der Verteilung des komparativen Kostenvorteils von insgesamt 0,5 % beinhalten. 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen240 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 240 Status: Imprimatur Legt man diese Ausgleichszahlung auf 1,25 % p. a. fest, entstehen der X-AG letztendlich jährliche Kreditkosten in Höhe von LIBOR + 0,25 % und der Y-AG in Höhe von 8,75 %. Summa summarum ergibt sich für beide Unternehmen ein Vorteil aus dem Swapgeschäft in Höhe von 0,25 % bzw. 25.000 € pro Jahr (sofern der jeweilige Partner nicht ausfällt). Analog zu den Liability-Swaps (vgl. vorstehendes Beispiel) werden auch bei Asset-Swaps Zinszahlungen und ggf. Kapitalbeträge getauscht. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Zinsverbindlichkeiten aufgrund von Darlehensschulden, sondern um Zinsforderungen, die aus fest- oder variabel verzinslichen Anleihen, eventuell auch in unterschiedlichen Währungen, resultieren. Als Unterformen existieren Coupon-Swaps, wobei eine variable gegen eine feste Verzinsung getauscht wird, sowie Basis-Swaps, wobei zwei variable Verzinsungen mit unterschiedlicher Zinsbasis (LIBOR, EURIBOR etc.) getauscht werden. Mit Hilfe von Asset-Swaps werden Unternehmen in die Lage versetzt, ein aktives Zinsmanagement zu realisieren und dadurch innerhalb eines bestehenden Wertpapierportefeuilles Renditeverbesserungen oder Risikostrukturveränderungen zu erzielen. Für die Anwendung dieser Swaptechnik ist der Erwerb oder Besitz von Wertpapieren Voraussetzung, aus denen der Investor Zinszahlungen erhält. Die Veränderung der Qualität dieser Zinszahlungsströme lässt sich beispielsweise durch die wirtschaftliche Umwandlung eines festverzinslichen Wertpapiers in ein variabel verzinsliches und vice versa erreichen. Wirtschaftlich erfolgt dadurch eine Veränderung des Anteils der fest- oder variabel verzinslichen Papiere am Gesamtbestand, ohne dass ein Verkauf der gehaltenen Wertpapiere erfolgen muss. Der Einsatz von Asset-Swaps ermöglicht dadurch ein flexibles Reagieren auf antizipierte Zinsänderungstendenzen. Beispiel: Die X-AG, die am 1. 7. 08 Floating Rate Notes in Höhe von 200.000 € mit vierteljährlicher Zinsanpassung (EURIBOR + 0,5 %) erworben hatte, geht ein Jahr später (1. 7. 09) davon aus, dass das Zinsniveau (EURIBOR = 6,5 %) nicht weiter steigen wird, und möchte deshalb eine möglichst günstige Zinsfestschreibung erzielen. Als Swap-Gegenpartei ermittelt sie die Z-AG, die ihrerseits von einem weiter steigenden Zinsniveau ausgeht und ihre im Depot befindlichen festverzinslichen Wertpapiere (Zinssatz 7,0 %, Zinszahlung jeweils zum 1. 4. und 1. 10., gleicher (Nominal-)Betrag) gerne in Floater umtauschen würde. Beide Unternehmen vereinbaren einen Tausch der Zinszahlungen (EURIBOR +0,5 % gegen 7 % fix; wobei die fixen Zinszahlungen, welche die Z-AG vom Markt erhält, vereinfachend direkt an die X-AG weitergeleitet werden). 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 241 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 241 Status: Imprimatur festverzinsliche Anlage variable Zinszahlung fixe Zinszahlung EURIBOR-Zinsen Festzinsen Anlage FRN Z-AGX-AG – Die unterschiedlichen Zukunftserwartungen der X-AG und der Z-AG führen bei Abschluss eines Asset-Swaps zu folgenden, schematischen Zahlungsströmen: Angenommen der EURIBOR sei kontinuierlich bis Mitte des nächsten Jahres (1. 7. 10) auf 7,5 % angestiegen, dann sehen die bis dahin anfallenden Zinszahlungen aus Sicht der X-AG folgendermaßen aus, wobei die letzte Zinszahlung am 1. 7. 10 auf dem Stand des EURIBOR vom 1. 4. 10 basiert (= 7,25 % p. a.): 1. 10. 09 Einzahlung FRN-Zins (7 % für 3 Monate) + 3.500 Auszahlung FRN-Zins (7 % für 3 Monate) – 3.500 Einzahlung Festzins (7 % für 6 Monate) + 7.000 1. 1. 10 Einzahlung FRN-Zins (7,25 %, d. h. EURIBOR-Anstieg) + 3.625 Auszahlung FRN-Zins (7,25 % für 3 Monate) – 3.625 1. 4. 10 Einzahlung FRN-Zins (7,5 %) + 3.750 Auszahlung FRN-Zins (7,5 %) – 3.750 Einzahlung Festzins (7 % für 6 Monate) + 7.000 1. 7. 10 Einzahlung FRN-Zins (7,75 %) + 3.875 Auszahlung FRN-Zins (7,75 %) – 3.875 Aus dieser Darstellung wird deutlich, dass die X-AG durch den Asset-Swap das Risiko fallender Marktzinsen ausgeschaltet hat, da die Zahlungsströme, die die Floating Rate Notes betreffen, ohne zeitliche Differenzen lediglich eine durchlaufende Position darstellen. Erfolgswirksam bleibt letztendlich die halbjährliche Festzinszahlung. Während diese Art der Ausgestaltung zunächst beiden Partnern Gebührenersparnisse bringt, geht im weiteren Vertragsverlauf nur noch das Zinskalkül eines der Beteiligten auf. Denkbar sind jedoch auch Situationen, in denen beide Kontraktpartner dauerhafte Vorteile ziehen. Beispiel: Die X-AG hat momentan die Möglichkeit, Finanzmittel auf 5 Jahre am Kapitalmarkt zu 7,5 % fest anzulegen. Die Z-Bank als Hausbank der X-AG kann zwar 5-jährige Konsumentenkredite zu einem Zinssatz von 9,5 % vergeben, präferiert jedoch derzeit eine eher kurzfristige Disposition am Geldmarkt für EUR-Anlagen, wo sie Gelder zu EURIBOR (z. Zt. 7,0 %) unterbringen kann. Am selben Markt wären für die X-AG lediglich 5,5 %, d. h. EURIBOR-1,5 % erzielbar. – Situation ohne Swap: Die X-AG legt die Mittel festverzinslich an und erwirtschaftet 7,5 % p. a. Die Bank wählt eine Anlage zu EURIBOR. 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen242 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 242 Status: Imprimatur – Einsatz eines Zins-Asset-Swaps: Entgegen ihren tatsächlichen Bedürfnissen vergibt die Bank Kredite zu 9,5 %. Die X-AG wiederum legt ihre Mittel zu EURIBOR-1,5 % an. Anschließend vereinbaren X-AG und Z-Bank einen Zinsswap, d. h. einen Austausch dieser Zinszahlungen. Auf diese Art erhalten beide Partner Zinsen in der ursprünglich gewünschten Form, jedoch erzielen sie in der Summe mit Bezug auf den einfachen Anlagebetrag betrachtet statt wie ursprünglich (EURIBOR + 7,5 %) nun (9,5 % + EURIBOR-1,5 %), d. h. unabhängig von der Entwicklung des Referenzzinssatzes eine bezogen auf den einfachen Anlagebetrag um 0,5 % p. a. höhere Zinszahlung. Erforderlich ist selbstverständlich eine regelmäßige Kompensationszahlung von Seiten der X-AG an die Z-Bank in Höhe von 1,5 %, um deren primären Zinsnachteil auszugleichen. Die Aufteilung des restlichen Vorteils aus dem Geschäft in Höhe von 0,5 % ist Verhandlungssache. Durch den Einsatz von Swaps wird es also mittels strategischen Verhaltens möglich, Kapitalmarktdifferenzierungen zum Vorteil beider Kontraktpartner auszunutzen. Selbst marginale Zinsvorteile, wie sie auf Finanzmärkten durchaus üblich sind, können – ein entsprechendes Transaktionsvolumen vorausgesetzt – Anlass für Swaps sein. Die bisher unterstellte Vorteilhaftigkeit von Swaps wird durch ein erhöhtes Bonitätsrisiko gegenüber einer unmittelbaren Kapitalmarkttransaktion im originären Verschuldungs- bzw. Anlageinteresse relativiert. Die gewünschte Art der Verschuldung bzw. Anlage ergibt sich erst aus der Summe von Swapzahlung und der dem Partnerwunsch angepassten Kapitalmarkttransaktion, so dass bei Ausfall eines Swappartners, und damit der von ihm erwarteten Zinszahlungen, der nicht insolvente Partner in der „nicht gewünschten“ Weise mit dem Kapitalmarkt vertraglich verbunden bzw. gebunden bleibt. Haben sich die Marktverhältnisse bis zum Insolvenzfall hinsichtlich des Swap zugunsten des nicht insolventen Partners entwickelt, geht diesem der Vorteil (weitgehend) verloren. Bilanziell gesehen sind Swaps als schwebende Geschäfte (vgl. Dreissig, Swap- Geschäfte, S. 325; Scharpf, Derivative Finanzinstrumente, Rn. 851 f.; Kommission für Bilanzierungsfragen des Bundesverbandes deutscher Banken, Rechnungslegung, S. 159) zu behandeln, die somit grundsätzlich bilanzunwirksam sind. Dies gilt im Besonderen für Zinsswaps; bei Währungs- und Zins-Währungs-Swaps ver- ändern lediglich die unmittelbar ausgetauschten Kapitalbeträge das Bilanzbild. Wie die vorangehenden Beispiele illustrieren, sind Swaps meist in Verbindung mit einer anderen Finanztransaktion, Grundgeschäft genannt, zu sehen, deren Konditionen durch den Swap wirtschaftlich verändert werden sollen. Auch die Bilanzierung vermag dieser Verknüpfung von Grundgeschäft und Swap zu folgen (Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 246 HGB, Rn. 379; Förschle/Usinger, Termingeschäfte, Rn. 111), wenn die an eine Bewertungseinheit zu stellenden Voraussetzungen erfüllt sind (vgl. Teil A, Abschn. 7.2.9, S. 285 ff.). Entsprechend ist das Zinsergebnis aus Grundgeschäft und Swap saldiert als Zinsaufwand bzw. Zinsertrag zu erfassen. Ebenso ist gegebenenfalls eine kompensierende Betrachtung bei Swaps hinsichtlich der Rückstellungsbildung für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften notwendig. Bei einer Einzelbetrachtung von Swaps ist hinsichtlich Ansatz und Bewertung einer Drohverlustrückstellung sinnvollerweise auf einen negativen Marktwert des Swap am Bilanzstichtag abzustellen, in welchem der Verpflichtungsüberhang zum Ausdruck kommt 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 243 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 243 Status: Imprimatur (vgl. IDW, WP-Handbuch I 06, S. 304; Kommission für Bilanzierungsfragen des Bundesverbandes deutscher Banken, Rechnungslegung, S. 163 ff.; so wohl auch Adler/ Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 249 HGB, Rn. 165). Die Grundsachverhalte der bilanziellen Behandlung von Swaps mit Grundgeschäft sollen am Beispiel eines Währungsswap verdeutlicht werden. Beispiel: Das deutsche Unternehmen D benötigt am 31. 12. 09 US-$ 100 Mio. für einen Zeitraum von 3 Jahren. Zur Beschaffung des Kapitalbetrages nimmt D zunächst einen dreijährigen Kredit über 100 Mio. € zu 7,75 % p. a. auf. Gleichzeitig schließt D mit dem amerikanischen Unternehmen U, das einen EUR-Betrag in entsprechender Höhe benötigt, einen Währungsswap mit folgenden Konditionen ab: D zahlt an U am 31. 12. 09 100 Mio. € und erhält im Gegenzug US-$ 100 Mio. Die Rückzahlung der ausgetauschten Kapitalbeträge soll am 31. 12. 12 in gleicher Höhe erfolgen. Während der Laufzeit zahlt D an U zum 31. 12. jeden Jahres 10 % Zinsen auf den erhaltenen US-$-Betrag und erhält gleichzeitig 8 % Zinsen auf den hingegebenen EUR-Betrag. Am 31. 12. 12 werden die Kapitalbeträge des Swap zurückgezahlt und D tilgt seine Kreditverbindlichkeit. Während der gesamten Laufzeit des Swap bleibt der Währungskurs des Dollar konstant bei 1 €/US-$; ebenso ändern sich die Zinskonditionen des Marktes nicht. Buchungen für den 31. 12. 09: Kreditaufnahme: Bank (EUR-Konto) 100 Mio. an Verbindlichkeiten 100 Mio. Währungsswap: Bank (US-$-Konto) 100 Mio. an Bank (EUR-Konto) 100 Mio. Buchungen für den 31. 12. 10: (ebenso für das Jahr 11) Zinsaufwand 9,75 Mio. an Bank 9,75 Mio. Der Zinsaufwand setzt sich zusammen aus den Kreditzinsen in Höhe von 7,75 Mio. €, der Swapeinzahlung von 8 Mio. € und der Swapauszahlung von 10 Mio. US-$, die beim angegebenen Währungskurs 10 Mio. € entsprechen. Rechtzeitig zum 31. 12. 12 hat D bereits einen US-$-Betrag für die Rückzahlung des Kreditbetrages und die letzte Zinszahlung erworben. Buchungen für den 31. 12. 12: Währungsswap: Bank (EUR-Konto) 100 Mio. an Bank (US-$-Konto) 100 Mio. Kredittilgung: Verbindlichkeiten 100 Mio. an Bank (EUR-Konto) 100 Mio. Zinszahlung: Zinsaufwand 9,75 Mio. an Bank 9,75 Mio. 7.2.6 Bedingte Termingeschäfte Termingeschäfte sind dadurch charakterisiert, dass bei ihnen die Zeitpunkte von Vertragsabschluss und -erfüllung auseinander fallen. Sie sind damit gegenwärtig abgeschlossene Vereinbarungen über Art, Menge, Preis und Zeitpunkt zukünftig zu erbringender Lieferungen oder Leistungen. Dies bedeutet, dass bei Vertragsabschluss zwar die Ware und ihr Preis genau spezifiziert werden, 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen244 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 244 Status: Imprimatur die effektive Lieferung und Bezahlung jedoch erst zu einem (vorherbestimmten) zukünftigen Zeitpunkt stattfinden. Da bei diesen Geschäften somit die Vertragserfüllung mindestens einer Vertragsseite vor dem spezifizierten Zeitpunkt noch aussteht, sind Termingeschäfte während ihrer Laufzeit als schwebende Geschäfte zu behandeln. Im Unterschied hierzu erfolgt die Vertragserfüllung bei einem Kassageschäft sogleich mit dessen Abschluss oder innerhalb einer kurzen, abwicklungstechnisch bedingten Frist von zwei Werktagen. Setzt bei einem Termingeschäft die Erfüllung der Lieferungs- bzw. Leistungsverpflichtung den Eintritt bestimmter Umstände voraus oder ist der Erfüllungsumfang hiervon abhängig, so wird das Termingeschäft als bedingt bezeichnet. Steht hingegen der Umfang der wechselseitigen Verpflichtungen fest und ist ihre Erfüllung für beide Vertragspartner in jedem Falle verbindlich, so heißt das Termingeschäft unbedingt. Zu den unbedingten Termingeschäften zählen neben den börsenmäßig gehandelten Futures auch die außerbörslich gehandelten Forwards (vgl. hierzu Teil A, Abschn. 7.2.7, S. 262 ff.). Bedingte Termingeschäfte treten in der Praxis besonders in Form der auf den Finanz- und Warenmärkten gehandelten Optionen sowie der als Caps, Floors bzw. Collars bekannten Vereinbarungen über Zinsbegrenzungen auf. Die genannten bedingten Termingeschäfte zeichnen sich dadurch aus, dass die Entscheidung über ihre Erfüllung einseitig einer Vertragspartei anheim gestellt wird. Somit ist die Erfüllung von der Bedingung abhängig, dass der Inhaber des Ausübungsrechtes durch dessen Geltendmachung einen wirtschaftlichen Vorteil erzielt. Dieses einseitige Recht bewirkt, dass sein Inhaber zwar ein zukünftiges Gewinn-, aber nicht gleichzeitig ein Verlustpotential hat. Umgekehrt verhält es sich beim Vertragspartner, der das Ausübungsrecht einräumt. Er wird später im Falle der Geltendmachung des Rechtes zu einer Lieferung oder Leistung verpflichtet. Da sein Verhalten durch das des Rechtsinhabers bestimmt wird, der Verpflichtete also nur reagiert, wird er Stillhalter genannt. Als Gegenleistung für die Einräumung des Ausübungsrechtes erhält der Stillhalter bei Vertragsabschluss (oder später) eine Ausgleichszahlung, die Optionsprämie bzw. bei Caps die so genannte Capprämie. Da der Inhaber des Ausübungsrechtes dieses vom Verpflichteten durch Bezahlung der Prämie kauft, wird der Berechtigte als Käufer, der Stillhalter auch als Verkäufer bezeichnet. Eine gewisse Sonderrolle nehmen diesbezüglich Collars ein. Darauf wird noch eingegangen. 7.2.6.1 Optionen Gegenstand von Optionen ist die Lieferung von Devisen, Waren oder (synthetischen) Wertpapieren. Dementsprechend wird auch von Devisen-, Waren-, Effekten- oder Aktienindexoptionen gesprochen. Daran zeigt sich zunächst, dass Optionen in solche mit lieferbarem und solche mit nicht lieferbarem Optionsgegenstand unterteilt werden können. Hinsichtlich der Art des verbrieften Rechtes lässt sich danach unterscheiden, ob der Käufer der Option berechtigt ist, vom Stillhalter den Optionsgegenstand zum festgesetzten Preis, bei Optionen als Basispreis bezeichnet, zu kaufen (Kaufoption) oder ob er ein Verkaufsrecht besitzt (Verkaufsoption). Optionen, bei denen das Ausübungsrecht auf einen be- 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 245 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 245 Status: Imprimatur stimmten Zeitpunkt beschränkt ist, heißen europäische Optionen; erstreckt sich das Recht dagegen über einen Zeitraum, so ist die Option amerikanischen Typs. Der börsenmäßige Optionshandel wurde in Deutschland erst Mitte 1970 nach rund vierzigjähriger Abstinenz wieder aufgenommen, als die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen waren. Die gewachsene, große Bedeutung, die mittlerweile dem Optionshandel in Deutschland zukommt, ist sicherlich zu einem wesentlichen Teil auf die Impulse zurückzuführen, die von der Einführung des Optionshandels an der Deutschen Terminbörse (DTB) zu Beginn des Jahres 1990 ausgingen. Die aus dem Zusammenschluss der DTB und der schweizerischen SOFFEX (Swiss Options and Financial Futures Exchange) im Jahr 1998 hervorgegangene EUREX (European Exchange) nimmt bereits seit ihrer Gründung weltweit eine Spitzenstellung unter den Derivatebörsen ein. An den internationalen Optionsmärkten haben sich neben den eingangs genannten Grundformen weitere, vielgestaltige Optionsarten entwickelt. Diese treten vor allem als Kombinationen mit anderen Finanzinnovationen in Erscheinung, wie bspw. als Optionen auf Futures oder auf Swaps. Mit der zunehmenden finanzwirtschaftlichen Bedeutung von Optionskontrakten gewinnen auch Fragen der Optionsbilanzierung mehr und mehr an Bedeutung für Unternehmen unterschiedlichster Branchen. Die bilanzielle Behandlung von Optionen lässt sich in Abhängigkeit der Stellung des Bilanzierenden im Optionsvertrag wie folgt darstellen: (1) Für den Käufer einer Option stellt diese einen entgeltlich erworbenen immateriellen Vermögensgegenstand dar (vgl. Dreissig, Optionen, S. 1515; Niemeyer, Optionsgeschäfte, S. 49). Insofern kommt eine Verbuchung der dem Umlaufvermögen zuzuordnenden Optionen unter den sonstigen Vermögensgegenständen (§ 266 Abs. 2 B. II. 4 HGB; vgl. BFA, Optionsgeschäfte, S. 421, sowie den Entwurf zur Ersetzung dieser Stellungnahme: BFA, Optionsgeschäfte, IDW ERS BFA 6, S. 120; vgl. des Weiteren Dusemond/Heusinger-Lange/Knop, § 266 HGB, Rn. 197 ff.) in Betracht. Da die hier im Vordergrund stehenden Optionen mit finanzwirtschaftlicher Zielsetzung i. d. R. Wertpapiercharakter besitzen, kann auch eine Bilanzierung unter den sonstigen Wertpapieren (§ 266 Abs. 2 B.III.2. HGB) sachgerecht sein. Bei Zuordnung zum Anlagevermögen ist die Option unter den immateriellen Vermögensgegenständen (§ 266 Abs. 2 A.I. HGB), evtl. mit einer speziellen Untergliederung für Optionsrechte, zu verbuchen. Die Höhe des Wertansatzes richtet sich im Zeitpunkt des Erwerbs nach den Anschaffungskosten und entspricht daher der bezahlten Optionsprämie. Hinsichtlich der weiteren buchmäßigen Wertentwicklung sind die (üblichen) Vorschriften des § 253 HGB zu beachten. Dabei ist anzumerken, dass bei der Zuordnung der Option zum Anlagevermögen diese kein abnutzbarer Vermögensgegenstand ist, so dass eine planmäßige Abschreibung nach § 253 Abs. 3 HGB entfällt (vgl. Breker, Optionsrechte, S. 80; Eisele/Knobloch, Finanzinnovationen, S. 582 f.; Häuselmann, Bilanzierung von Optionen, S. 1746). Bei den eingangs bezeichneten Optionen ist stets von der hier unterstellten Bilanzierungsfähigkeit dem Grunde nach auszugehen, denn diese sind i. d. R. selbst über eine Börse veräußerbar oder aber die aus ihnen resultierenden Rech- 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen246 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 246 Status: Imprimatur te könnten einzeln veräußert werden, da sich die Optionen auf marktgängige Güter beziehen. Beispiel: Die X-AG erwirbt am 20. 12. 09 bei der A-Bank 1.000 amerikanische Kaufoptionen auf die Aktie der Y-AG mit Basispreis von 600 € und Fälligkeit 17. 9. 10 und ordnet sie dem Umlaufvermögen zu. Die X-AG bezahlt dafür 24.200 €. Des Weiteren kauft sie am selben Tag 400 Verkaufsoptionen auf Aktien der Z-AG mit einem Basispreis von 550 € und gleicher Laufzeit. Die Verkaufsoptionen notieren zu 17 € pro Stück (Gesamtwert also 6.800 €) und werden gleichfalls dem Umlaufvermögen zugewiesen. Daneben besitzt die X-AG im Umlaufvermögen bereits Aktien der Z-AG (400 Stück, Anschaffungskosten und momentaner Bilanzansatz 540 €/ Stück; Buchwert der Position also 216.000 €). Buchungssätze im Anschaffungszeitpunkt: Für die Kaufoptionen: Sonstige Wertpapiere (Optionen) 24.200 an Bank 24.200 Für die Verkaufsoptionen: Sonstige Wertpapiere (Optionen) 6.800 an Bank 6.800 Am Bilanzstichtag 31. 12. 09 notieren die Kaufoptionen zum Börsenkurs von insgesamt 20.000 €. Da die Kaufoptionen dem Umlaufvermögen zugeordnet sind, muss sich ihr Wertansatz dem niedrigeren Börsen- bzw. Marktpreis anpassen. Die Verbuchung erfolgt unter den Abschreibungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens (§ 275 Abs. 2 Nr. 12 HGB). Der Wert der Verkaufsoptionen stieg demgegenüber auf 36 €/Stück. Bei diesen ergibt sich aufgrund des Anschaffungswertprinzips keine Änderung des Bilanzansatzes. Die Aktien der Z-AG werden zum Kurs von 520 €/Stück gehandelt. Sie sind nach § 253 Abs. 4 HGB somit auf diesen niedrigeren Börsenkurs abzuschreiben. Buchungen für den 31. 12. 09: Abschreibungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens (Kaufoptionen) 4.200 an Sonstige Wertpapiere (Kaufoptionen) 4.200 Abschreibungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens (Z-AG-Aktien) 8.000 an Sonstige Wertpapiere (Z-AG-Aktien) 8.000 Verkaufsoptionen dienen, neben spekulativen Zwecken, vorrangig dazu, vorhandene Wertpapierbestände, deren Veräußerung geplant ist, gegen einen Kursverfall zu schützen. So mag es im Beispielfall die Absicht der X-AG gewesen sein, ihr Aktienpaket der Z-AG im ersten Halbjahr des Jahres 10 abzustoßen. In diesem Falle wären die Verkaufsoptionen erworben worden, um einen Mindestveräußerungserlös für die Aktien zu gewährleisten. Dieser läge bei 533 €/Stück (Basispreis 550 € – Optionsprämie 17 €). Es stellt sich folglich die Frage, inwieweit diese zunächst rein finanzwirtschaftliche Überlegung auch für die Bilanzierung der Optionen zum 31. 12. 09 von Bedeutung sein kann. Eine sich daraus ergebende Untergrenze für den Bilanzansatz der Aktien in Höhe von 533 €/Stück wäre nur möglich, wenn Verkaufsoptionen und Aktien zu einer Bewertungseinheit verbunden würden. Dies setzt den Nachweis des Absicherungszusammenhanges 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 247 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 247 Status: Imprimatur voraus (BFA, Optionsgeschäfte, S. 422; im Einzelnen zu den Voraussetzungen der Bildung von Bewertungseinheiten vgl. Teil A, Abschn. 7.2.9, S. 285 ff.). U. a. beinhaltet dies eine eindeutige Deklaration und eine entsprechende Dokumentation des Absicherungszusammenhanges bzw. der Absicherungseffektivität (BT-Drs. 16/10067, S. 58). Sind alle für die Bildung einer Bewertungseinheit relevanten Erfordernisse erfüllt, kann auf eine Abschreibung der Aktien auf den beizulegenden Wert von 520 €/Stück verzichtet und stattdessen nur auf den abgesicherten Mindestveräußerungserlös von 533 €/Stück abgeschrieben werden. Die Behandlung des Bestandes der Z-AG-Aktien und der Verkaufsoptionen wird in Teil A, Abschn. 7.2.9, S. 293 ff., nochmals aufgegriffen, um die Wirkungsweisen von isolierter und kompensatorischer Bewertung darzustellen. Bei einer Bewertungseinheit von Optionen und Aktien hat die Buchung für die Abschreibung auf den Aktienbestand dann die folgende Gestalt. Buchung für den 31. 12. 09 (Fall: Bewertungseinheit): Abschreibungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens (Z-AG-Aktien) 2.800 an Sonstige Wertpapiere (Z-AG-Aktien) 2.800 Im Falle der Ausübung einer Kaufoption über einen lieferbaren und zu liefernden Gegenstand erhält der Optionsinhaber den Optionsgegenstand gegen Zahlung des Basispreises. Der Basispreis geht somit in die Anschaffungskosten des Optionsgegenstandes ein. Darüber hinaus ist auch der Restbuchwert der Optionsprämie, ohne die ein Erwerb des Gegenstandes zum Basispreis nicht möglich wäre, unter diese Anschaffungskosten zu rechnen (vgl. BFA, Optionsgeschäfte, S. 421; BFA, Optionsgeschäfte, IDW ERS BFA 6, S. 121; Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 255 HGB, Rn. 74). Ebenfalls denkbar wäre die Berücksichtigung der Optionsprämie mit deren ursprünglichen Anschaffungskosten (vgl. BMF-Schreiben v. 27. 11. 2001, BStBl. I 2001, S. 988). Wird auf den Restbuchwert abgestellt (h. M.), so stellt sich zudem die Frage, ob diesbezüglich der Buchwert des vor dem Kauf liegenden Bilanzstichtags oder vielmehr der am Tag des Kaufs aktuelle (Rest-)Buchwert der Optionsprämie heranzuziehen ist. Im Folgenden wird der Buchwert des dem Kauf vorangegangenen Bilanzstichtags als Teil der Anschaffungskosten interpretiert. Der Buchungsvorgang bei Ausübung der Kaufoption betrifft demnach zum einen den Zahlungsmittelabgang aus Kasse oder Bank und zum anderen die Ausbuchung der aktivierten Optionsprämie. Beides bestimmt die Anschaffungskosten des Optionsgegenstandes. Fallen zusätzlich noch Transaktionskosten, wie Maklergebühren oder Bankprovisionen (vgl. Teil A, Abschn. 7.1.2, S. 208), an, erhöhen sich die Anschaffungskosten entsprechend. Beispiel: Die X-AG übt am 28. 4. 10 die Hälfte ihrer am 20. 12. 09 erworbenen Kaufoptionen aus, um 500 Aktien der Y-AG, die zu 640 € pro Stück notieren, zu kaufen. Sie hat dabei dem Stillhalter für jede Aktie den Basispreis i. H. v. 600 €, insgesamt also 300.000 € zu zahlen. Zu diesen Anschaffungskosten der Aktien tritt noch der Restbuchwert der Optionen i. H. v. 10.000 € hinzu. 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen248 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 248 Status: Imprimatur Buchung am 28. 4. 10: Wertpapiere (Y-AG-Aktien) 310.000 an Bank Sonstige Wertpapiere (Kaufoptionen) 300.000 10.000 Im Zeitpunkt der Ausübung einer Verkaufsoption über einen zu liefernden Gegenstand erhält der Optionsinhaber den Basispreis gegen Lieferung des Optionsgegenstandes. Bilanziell bedeutet dies, dass der Veräußerungserlös des Optionsgegenstandes durch den Basispreis bestimmt wird, wobei auch hier wiederum die aktivierte Optionsprämie auszubuchen und ihr Restwert vom Basispreis in Abzug zu bringen ist. Vom so ermittelten Wert sind gegebenenfalls noch Nebenkosten der Veräußerung abzuziehen. Beispiel: Am 25. 6. 10 entschließt sich die X-AG, ihren Bestand an Aktien der Z-AG aufzulösen. Da der Kurs einer Aktie zu diesem Zeitpunkt bei 510 € liegt, übt sie dazu ihre am 20. 12. 09 erworbenen Verkaufsoptionen aus (– der in der Praxis bei gegebener Fungibilität eher relevante Fall einer Veräußerung der Optionen auf dem Sekundärmarkt wird aus Vereinfachungsgründen nicht betrachtet). Dadurch erhält sie den Basispreis i. H. v. 550 €/Stück. Je nachdem, ob zum 31. 12. 09 eine separate Bewertung der Aktien und Verkaufsoptionen stattfand oder beide Positionen zu einer Bewertungseinheit zusammengefasst wurden, ergibt sich eine der folgenden Buchungen. Buchung am 25. 6. 10 (nach getrennter Bewertung zum 31. 12. 09): Bank 220.000 an Erträge aus Nichtbeteiligungswertpapieren Sonstige Wertpapiere (Verkaufsoptionen) Wertpapiere (Z-AG-Aktien) 5.200 6.800 208.000 alternativ Buchung am 25. 6. 10 (nach Bilanzierung als Bewertungseinheit zum 31. 12. 09): Bank 220.000 an Sonstige Wertpapiere (Verkaufsoptionen) Wertpapiere (Z-AG-Aktien) 6.800 213.200 Die Bildung der Bewertungseinheit zum 31. 12. 09 bewirkt also, dass der Buchwert der Gesamtposition nicht unter den auch im ungünstigsten Fall realisierbaren Veräußerungserlös fällt. Dadurch werden die Erfolgswirkungen der Absicherungsmaßnahme auch dem Bilanzierungszeitraum zugerechnet, in dem sie verursacht wurden, hier dem Geschäftsjahr 09. In der vorliegenden Situation eines Kursverfalls der Aktie bis zum Ausübungszeitpunkt wird somit der Erfolg des Jahres 10 nicht mehr beeinflusst. Findet bei Ausübung der Kauf- bzw. Verkaufsoption jedoch keine Lieferung des Optionsgegenstandes, sondern lediglich ein finanzieller Ausgleich statt (Cash Settlement), da sich die Option beispielsweise auf einen nicht lieferbaren Gegenstand (etwa einen Index) bezog oder vertraglich eine Lieferung nicht vorgesehen war, so ist die daraus resultierende Zahlung zusammen mit dem 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 249 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 249 Status: Imprimatur Restbuchwert der Optionsprämie erfolgswirksam zu verbuchen. Ein positiver Saldo aus Ausgleichszahlung und Restbuchwert der Option ist als „Ertrag aus einem Nichtbeteiligungswertpapier“ (§ 275 Abs. 2 Nr. 10 bzw. Abs. 3 Nr. 9 HGB) auszuweisen, ein negativer Saldo dagegen unter den „Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens“ (§ 275 Abs. 2 Nr. 12 bzw. Abs. 3 Nr. 11 HGB). Verfällt die Option, so ist ihr Restbuchwert am Laufzeitende demgemäß bei den „Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens“ zu erfassen. (2) Der Optionsstillhalter hat die erhaltene Optionsprämie als sonstige Verbindlichkeit auszuweisen (vgl. BFA, Optionsgeschäfte, S. 422; BFA, Optionsgeschäfte, IDW ERS BFA 6, S. 120). Während ihrer Laufzeit unterliegt die Option gewöhnlich Wertschwankungen, die in engem Zusammenhang mit der Wertentwicklung des zugrunde liegenden Optionsgegenstandes stehen. Aus diesen Wertschwankungen kann es zu einem Verpflichtungsüberhang des Stillhalters kommen. Der daraus abzuleitende drohende Verlust ist aufgrund des Vorsichtsprinzips gemäß den Vorschriften der §§ 249 Abs. 1 und 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB zwingend im handelsrechtlichen Jahresabschluss abzubilden. Da sowohl die Höhe als auch der Zeitpunkt der zukünftigen Leistungsverpflichtung des Stillhalters am Bilanzstichtag noch nicht feststehen, kann der bilanzielle Ausweis des zu erwartenden Verlustes nur als Rückstellung für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften (Drohverlustrückstellung), nicht jedoch als Verbindlichkeit erfolgen. Hinsichtlich der Bemessung der Rückstellungshöhe und damit der Beurteilung des Verpflichtungsüberhanges kann ein Vergleich des Marktpreises des Optionsgegenstandes am Bilanzstichtag mit dem Basispreis und der Optionsprämie herangezogen werden (Ausübungsfiktion). Da bei einer Kaufoption der Stillhalter zur Lieferung des Optionsgegenstandes verpflichtet wird, bestimmt dessen Marktpreis den Wert der Leistung des Stillhalters. Dieser stehen als Gegenleistung des Optionsinhabers der bei Ausübung zu entrichtende Basispreis und die bei Abschluss des Optionsvertrages bezahlte Optionsprämie gegenüber. Ein Verlust des Stillhalters einer Kaufoption ist am Bilanzstichtag also dann zu erwarten, wenn der Marktpreis des Optionsgegenstandes die Summe aus Basispreis und Optionsprämie übersteigt. In eben dieser Höhe ist aus Sicht der Ausübungsmethode die Rückstellung zu bilden (vgl. Eisele/Knobloch, Finanzinnovationen, S. 584 f.; IDW, WP-Handbuch 06 I, S. 300). Anstelle des Kassapreises des Optionsgegenstandes ist bei Vorliegen eines Terminpreises geeigneter Fristigkeit dieser heranzuziehen. Im Unterschied zur gerade dargestellten Rückstellungsbemessung wird auch vorgeschlagen, als Höhe der Drohverlustrückstellung eine positive Differenz des aktuellen Marktpreises der Option und der erhaltenen Optionsprämie anzusetzen. Dem liegt die Fiktion zugrunde, dass sich der Stillhalter durch Kauf einer identischen Option von seiner Verpflichtung befreit (so genannte Glattstellungsfiktion; vgl. Breker, Optionsrechte, S. 148 ff.; BFA, Optionsgeschäfte, S. 422; BFA, Optionsgeschäfte, IDW ERS BFA 6, S. 120, sowie Förschle/Usinger, Termingeschäfte, Rn. 75 f.). Diese Vorgehensweise entspricht in dem Sinne mehr noch als die Ausübungsmethode dem Vorsichtsprinzip, als hierbei auch der Zeitwert der Option, welcher bei 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen250 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 250 Status: Imprimatur der wirtschaftlichen Neutralisierung der Verpflichtung ebenfalls aufzubringen ist, berücksichtigt wird. Darüber hinaus wird die Glattstellungsmethode den tatsächlichen Gegebenheiten eher als die Ausübungsmethode gerecht (in der Praxis werden ca. 90 % der Optionskontrakte glattgestellt), so dass sie nach herrschender Meinung der Ausübungsmethode vorzuziehen ist (vgl. Rümmele, Optionsgeschäfte, S. 222, Scharpf/Luz, Finanzderivate, S. 422; Bieg, Bankbilanzierung, S. 597 f.). Der Stillhalter einer Verkaufsoption ist im Ausübungsfall zu einer Zahlung, nämlich in Höhe des Basispreises, verpflichtet. Dieser Zahlung stehen als Gegenleistung des Rechtsinhabers die Lieferung des Optionsgegenstandes sowie die Optionsprämie gegenüber. Ein Verpflichtungsüberhang des Stillhalters einer Verkaufsoption ist also dann zu erwarten, wenn am Bilanzstichtag der Basispreis höher als die Summe aus Kassa- bzw. Terminpreis des Optionsgegenstandes und Optionsprämie ist. Eine solche positive Differenz bestimmt die Rückstellungshöhe. Alternativ wird wiederum ein Verlust, der bei Glattstellung durch Kauf einer Option entstünde, als Ansatz für die Rückstellungshöhe vorgeschlagen (h. M., vorziehenswürdig). Darüber hinaus hat der Stillhalter von Verkaufsoptionen die Angabepflicht des § 285 Nr. 3a HGB zu beachten. Diese beinhaltet den Ausweis der latenten Verpflichtung zur Zahlung der Basispreise aller Verkaufsoptionsverträge, für die eine Stillhalterposition eingegangen wurde – sofern die Angabe der sonstigen finanziellen Verpflichtungen insgesamt für die Beurteilung der Finanzlage von Bedeutung ist. Für Kreditinstitute ist entsprechend § 35 Abs. 1 Nr. 4 RechKredV zu beachten. Steuerrechtlich endet der Schwebezustand eines Optionsgeschäfts mit der Zahlung der Optionsprämie (BFH-Urteil v. 18. 12. 2002, BStBl. II 2004, S. 126). Risiken im Zusammenhang mit Wertentwicklungen sind während der Optionslaufzeit gemäß der Glattstellungsmethode bilanziell zu erfassen. Ist der Teilwert der vereinnahmten Optionsprämie höher als der passivierte (Zugangs-)Wert, so kann nach Steuerrecht auf den höheren Teilwert erfolgswirksam zugeschrieben werden, sofern die Teilwerterhöhung als dauerhaft angesehen werden kann (vgl. Rümmele, Optionsgeschäfte, S. 222; Scharpf/Schaber, Bankbilanz, S. 579). Bei Ausübung einer Kaufoption bucht der Stillhalter den – ggf. inzwischen erworbenen – Optionsgegenstand sowie die passivierte Optionsprämie aus. Als Veräußerungserlös sind der Basispreis und die Optionsprämie anzusetzen. Ein Gewinn (Verlust) aus dem Abgang von Vermögensgegenständen ergibt sich demnach, wenn der Veräußerungserlös zuzüglich einer ggf. aufzulösenden Drohverlustrückstellung den Buchwert des Optionsgegenstandes übersteigt (unterschreitet). Der Gewinn bzw. Verlust aus dem Abgang von Vermögensgegenständen erscheint in der Gewinn- und Verlustrechnung unter den sonstigen betrieblichen Erträgen (§ 275 Abs. 2 Nr. 4 bzw. Abs. 3 Nr. 6 HGB) bzw. den sonstigen betrieblichen Aufwendungen (§ 275 Abs. 2 Nr. 8 bzw. Abs. 3 Nr. 7 HGB). Bei Ausübung einer Verkaufsoption erwirbt der Stillhalter den Optionsgegenstand. Dessen Anschaffungskosten berechnen sich aus dem im Ausübungszeitpunkt zu zahlenden Basispreis abzüglich der erhaltenen Optionsprämie, die wie derum auszubuchen ist. Schließlich ist bei der Ermittlung des Buchwertes des Optionsgegenstandes eine vom letzten Bilanzstichtag gegebenenfalls noch bestehende 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 251 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 251 Status: Imprimatur Rückstellung für die Optionsverpflichtung aufzulösen und mit den Anschaffungskosten zu verrechnen. Nicht ausgeübte Optionen sind grundsätzlich am Verfalltag erfolgswirksam auszubuchen. Beispiel: Die im Optionshandel tätige Invest AG geht am 25. 11. 09 die Stillhalterposition für 500 Kaufoptionen auf die Aktie der K-AG und für 800 Verkaufsoptionen auf die L-AG-Aktie ein. Die Kaufoptionen sind mit einem Basispreis von 250 €/Stück ausgestattet und verfallen am 16. 3. 10. Ihr Markt-/Emissionspreis am 25. 11. 09 beträgt 14 €/Stück. Als Entgelt für die Stillhalterposition bei den Verkaufsoptionen erhält die Invest AG 22 €/Stück. Den Verkaufsoptionen ist ein Basispreis von 300 € zugeordnet, ihr Verfalltag ist der 15. 6. 10. Die den Optionen zugrunde liegenden Aktien notieren am 25. 11. 09 zu 258 € (K-AG) bzw. 290 € (L-AG). Buchungen am 25. 11. 09: Für die Kaufoptionen: Bank 7.000 an Sonstige Verbindlichkeiten 7.000 Für die Verkaufsoptionen: Bank 17.600 an Sonstige Verbindlichkeiten 17.600 Am 31. 12. 09 liegt der Börsenkurs der K-AG-Aktie bei 270 €, der der L-AG-Aktie bei 260 €. Die Optionspreise haben sich dementsprechend erhöht: Die Kaufoption notiert zu 24 €, die Verkaufsoption zu 49 €. Auch wenn die Invest AG am Bilanzstichtag nicht in Anspruch genommen wird, ist doch zu diesem Zeitpunkt ein Verlust aus den Stillhalterpositionen für das Jahr 10 zu erwarten. Das Vorsichtsprinzip gebietet hier nach den §§ 252 Abs. 1 Nr. 4 und 249 Abs. 1 HGB also die Bildung einer Rückstellung für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften (Drohverlustrückstellung). Wird von der Glattstellungsfiktion (h. M.) ausgegangen, hat ein Vergleich der Optionspreise am Bilanzstichtag mit den erhaltenen Optionsprämien zu erfolgen. Demnach würde sich am 31.12.09 ein drohender Verlust von 10 € (= 24 € – 14 €) je Kaufoption bzw. von 27 € (= 49 € – 22 €) je Verkaufsoption ergeben. Für die Kaufoptionen wäre folglich eine Rückstellung in Höhe von 5.000 € und für die Verkaufsoptionen eine Rückstellung über 21.600 € zu bilden. Buchungen am 31. 12. 09: Für die Kaufoptionen: Sonstige betriebliche Aufwendungen 5.000 an Sonstige Rückstellungen 5.000 Für die Verkaufsoptionen: Sonstige betriebliche Aufwendungen 21.600 an Sonstige Rückstellungen 21.600 Wird demgegenüber die Ausübungsfiktion zugrunde gelegt, ist zu berücksichtigen, dass sich die Kurse beider Aktien zuungunsten der Invest AG entwickelt haben. Würden die Optionen am Bilanzstichtag ausgeübt, so ergäbe sich für die Invest AG selbst unter Verrechnung der ursprünglich erhaltenen Optionsprämien ein Verlust, und zwar sowohl für die Kaufoptionen als auch für die Verkaufsoptionen. Im Falle der Kaufoptionen wäre die Invest AG zur Lieferung von 500 Aktien der K-AG verpflichtet. Diese Aktien müsste das Unternehmen zum Marktpreis von 270 €/Stück, insgesamt also für 135.000 € beschaffen. Im Gegenzug erhielte die Invest AG jedoch lediglich den Basispreis von 250 €/Stück, insgesamt also 125.000 €. Berücksichtigt man die am 25. 11. 09 erhaltene Optionsprämie, so ergäbe sich immer noch ein Verlust der Invest AG aus diesem Engagement in Höhe von 3.000 €. Analog verhält es sich hinsichtlich der Verkaufsoptionen. Bei einer Inanspruch- 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen252 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 252 Status: Imprimatur nahme aus diesen hätte die Invest AG den Basispreis in Höhe von 300 €/Stück, d. h. 240.000 € in der Summe aufzubringen. Dem stünden die ursprünglichen Optionsprämien in Höhe von 17.600 € sowie Aktien der L-AG im Wert von 260 €/ Stück bzw. 208.000 € für das Paket gegenüber. Summa summarum ergäbe sich ein Wertverlust in Höhe von 14.400 € (die im Vergleich zur Glattstellungsfiktion niedrigeren Rückstellungshöhen ergeben sich aufgrund der Tatsache, dass die Ausübungsmethode lediglich den inneren Wert der Optionen – nicht aber deren Zeitwert berücksichtigt; vgl. dazu dieser Abschn., S. 250). Zusätzlich ist neben der Bildung einer Drohverlustrückstellung u. U. im Anhang noch gemäß § 285 Nr. 3 HGB die aus den Verkaufsoptionen bestehende potentielle Zahlungsverpflichtung in Höhe von 240.000 € anzugeben. Der Eigentümer der Kaufoptionen übt diese am letztmöglichen Termin, d. h. am 16. 3. 10, aus. Der Kurs der K-AG-Aktie beträgt zu diesem Zeitpunkt 266 €. Die Invest AG erwirbt daraufhin zunächst 500 Aktien der K-AG (Wert: 133.000 €) und überträgt sie anschließend dem Vertragspartner, der wiederum 125.000 € der Invest AG anweist. Unter Beachtung der gemäß der Glattstellungsfiktion gebildeten Rückstellung und der unter den sonstigen Verbindlichkeiten ausgewiesenen Optionsprämien ergeben sich für die Invest AG die folgenden Buchungen. Kauf der K-AG-Aktien: Wertpapiere 133.000 an Bank 133.000 Buchung bei der Inanspruchnahme aus den Kaufoptionen: Bank Sonstige Verbindlichkeiten Sonstige Rückstellungen 125.000 7.000 5.000 an Wertpapiere Sonstige betriebliche Erträge 133.000 4.000 Am 19. 4. 10 werden schließlich auch die Verkaufsoptionen ausgeübt. (Der Aspekt der (möglichen) Nicht-Optimalität einer Optionsausübung vor Ablauf der Optionsfrist wird hier aus Vereinfachungsgründen nicht berücksichtigt.) Der Börsenkurs der zugrunde liegenden Aktien der L-AG liegt an diesem Tag bei 270 €. Buchung bei der Inanspruchnahme aus den Verkaufsoptionen: Sonstige Verbindlichkeiten Sonstige Rückstellungen Wertpapiere 17.600 21.600 200.800 an Bank 240.000 Zur Ermittlung des Buchwertes der erhaltenen Aktien der L-AG wurde also auch die zum 31. 12. 09 gebildete Rückstellung herangezogen. Zu unterscheiden sind von diesem Buchwert der Wertpapiere deren Anschaffungskosten. Diese ergeben sich aus dem bezahlten Basispreis abzüglich der erhaltenen Optionsprämie zu 278 €/Stück. Gänzlich unerheblich ist jedoch der Börsenkurs der Aktien am Ausübungstag: Er ist weder Anschaffungswert noch ein mit diesem zu vergleichender Bilanzstichtagswert (Erfolgseffekte ergeben sich im Jahr 10 aus der zum Bilanzstichtag zwingend vorzunehmenden Bewertung der Wertpapiere). Eine Besonderheit hinsichtlich der Rückstellungsbildung zum Bilanzstichtag ergibt sich für den Stillhalter einer Kaufoption. Besitzt er bereits den im Falle der Optionsausübung zu liefernden Gegenstand und ist die Bedienung der Option aus diesem Bestand beabsichtigt, so ist auch der bilanziell zu antizipierende Verlust durch den Buchwert des Gegenstandes begrenzt. Dies bedeutet, dass der zu erwartende Verlust aus der Stillhalterposition nicht größer sein kann als der Buchwert des Optionsgegenstandes abzüglich Basispreis und Optionsprämie. Die Ausübung der Option würde in diesem Fall für den Stillhalter letztlich 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 253 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 253 Status: Imprimatur nur bedeuten, dass ein Abgang von Vermögensgegenständen in Höhe dieses Buchwertes erfolgte, dem die bereits bei Abschluss des Optionsvertrages erhaltene Prämie und der bei Ausübung zufließende Basispreis gegenüberstünden. Die Voraussetzungen für eine solche Bilanzierung entsprechen denen, die für Bewertungseinheiten (vgl. Teil A, Abschn. 7.2.9, S. 286 f.) gelten. Insbesondere ist die dokumentierte, explizite Zuordnung des Deckungsbestandes unabdingbar. Beispiel: Die aus vorigem Beispiel bekannte Invest AG besitze am 31. 12. 09 ein Paket von 500 Aktien der K-AG, das sie zur Absicherung ihrer Stillhalterposition in den Kaufoptionen einsetzt. Anschaffungs- und Buchwert der Aktien betragen 266 €/ Stück. Für den Fall einer Inanspruchnahme aus den Kaufoptionen am Bilanzstichtag müsste die Invest AG also nicht Aktien der K-AG zum Börsenkurs von 270 € erwerben, sie könnte vielmehr auf ihren Bestand an Altaktien zurückgreifen. Bilanziell hätte sie dadurch einen um 4 €/Stück geringeren buchmäßigen Vermögensabgang. Somit könnte die für die Kaufoptionen zu bildende Rückstellung um 2.000 € (500 Stück bei 4 €/Stück) auf 3.000 € bei vorheriger Anwendung der Glattstellungsfiktion bzw. auf 1.000 € bei Anwendung der Ausübungsfiktion reduziert werden. Die Rückstellungsbuchung der Invest AG für die Kaufoptionen hätte demnach die folgende Gestalt (Glattstellungsfiktion): Buchung am 31. 12. 09: Sonstige betriebliche Aufwendungen 3.000 an Sonstige Rückstellungen 3.000 7.2.6.2 Instrumente zur Zinsbegrenzung: Caps, Floors, Collars Zu den verhältnismäßig jungen Finanzinnovationen zählen Vereinbarungen, die auf eine Begrenzung des Zinsniveaus einer Finanzmittelaufnahme oder einer Finanzanlage nach oben bzw. nach unten gerichtet sind. Diese Vereinbarungen sind mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum, wie viele andere Finanzinnovationen, unter ihren angelsächsischen Bezeichnungen, nämlich als Caps, Floors und Collars, bekannt. Die Finanzinstrumente wirken ähnlich wie Optionen in dem Sinne, dass sie bei Eintritt bestimmter äußerer Umstände einseitig eine Vertragsseite zu einer Zahlung verpflichten. Entsprechend der bei Optionen gewählten Terminologie wird hier daher der aus einer solchen Vereinbarung Verpflichtete als Stillhalter bezeichnet. Der Cap besteht aus der Vereinbarung eines variablen Referenzzinssatzes (z. B. LIBOR), einer fixen Zinsobergrenze, endlich vieler Zinsvergleichszeitpunkte – entsprechend der Caplaufzeit – und eines (fiktiven) Kapitalbetrages. Übersteigt in einem Zinsvergleichszeitpunkt der Referenzzinssatz aufgrund der allgemeinen Zinsentwicklung die vereinbarte Zinsobergrenze, so hat der Capverkäufer dem Capkäufer die Zinssatzdifferenz bezogen auf den fiktiven Kapitalbetrag und die Zeit bis zum nächsten Zinsvergleichszeitpunkt zu erstatten. Damit können Caps zur Absicherung gegen das Zinsänderungsrisiko aus einer variabel verzinslichen Verbindlichkeit – mit korrespondierenden Konditionen – herangezogen werden. Beträgt beispielsweise der Zinssatz der Verbindlichkeit LIBOR + 1 %, so bewirkt der Kauf eines Cap mit Referenzzinssatz LIBOR und einer Zinsobergrenze von 8 %, dass die Zinsbelastung insgesamt maximal bei 9 % liegt. Ein gekaufter Cap 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen254 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 254 Status: Imprimatur (engl.: Kappe, Deckel) kommt für einen Schuldner somit einer Zinsbegrenzung nach oben gleich. Floors wirken demgegenüber entgegengesetzt. Eine Zahlungsverpflichtung des Floorverkäufers ist dann gegeben, wenn eine Zinsuntergrenze vom Referenzzinssatz unterschritten wird. Die Zahlungshöhe richtet sich wiederum nach der Zinssatzdifferenz. Ein Floor (engl.: Boden) kann demnach eingesetzt werden, um für eine variabel verzinsliche Finanzanlage eine vom Zinsniveau unabhängige Mindestverzinsung zu garantieren. Ein Collar (engl.: Kragen, Manschette) schließlich ist eine Kombination aus einem Cap und einem Floor und beinhaltet einen oberen und einen unteren Grenzzinssatz. Einerseits verpflichten Collars den Verkäufer zum Zinsausgleich (verkaufter Cap), wenn der Referenzzinssatz eine Obergrenze überschreitet, andererseits erhält der Verkäufer einen Zinsausgleich (gekaufter Floor), wenn der Referenzzinssatz eine niedrigere Grenze unterschreitet (vgl. Zahn, Futures und Optionen, S. 131). Aus Sicht des Collarkäufers entspricht dies umgekehrt einem gekauften Cap und gleichzeitig verkauften Floor. Dadurch können je nach Zinsentwicklung sowohl der Verkäufer des Collar über den verkauften Cap als auch der Collarkäufer über den verkauften Floor zum Stillhalter werden. Durch den Erwerb eines Collar kann der für eine variabel verzinsliche Verbindlichkeit zu entrichtende Zins, wirtschaftlich betrachtet, innerhalb einer gewissen Bandbreite gehalten werden. Der Collarkäufer begrenzt dann seine variable Zinsverpflichtung nach oben wie beim Cap, wird aber andererseits von einem sinkenden Zinsniveau nur so lange profitieren, bis die Zinsuntergrenze des inhärenten Floor erreicht wird. Während im Weiteren von dieser Grundform des Collar ausgegangen wird, können, unter Erweiterung des in der Literatur gemeinhin zu findenden Begriffsinhaltes, als Collars im weiteren Sinne auch andere beidseitig wirkende Kombinationen von Caps und Floors bezeichnet werden. Darunter wäre dann auch die Position dessen zu subsumieren, der sowohl einen Cap als auch einen Floor kauft. Diese Position kann aus spekulativen Motiven heraus eingegangen werden und ist dann vorteilhaft, wenn der Referenzzinssatz starken Schwankungen sowohl nach oben als auch nach unten unterliegt. Der Stillhalter erhält für das eingeräumte Recht vom Vertragspartner eine Ausgleichszahlung, die Cap- bzw. Floorprämie. Im Falle von Collars ergibt sich die vom Käufer zu leistende Prämie aus der Differenz der zu zahlenden Capprämie und der zu fordernden Floorprämie, bei entsprechender Wahl der fixen Zinsgrenzen u. U. also zu null (Zero Cost Collar). Die Funktionsweise der beschriebenen Instrumente zur Zinsbegrenzung soll im folgenden Schaubild anhand eines Collar verdeutlicht werden. Der Collar ist mit dem 6-Monats-LIBOR als Referenzzinssatz, 6-monatigen Zinsanpassungszeiträumen sowie einer Zinsobergrenze von 8 % und einer Zinsuntergrenze von 5 % ausgestattet; es werden die Zahlungen der ersten drei Jahre dargestellt. Aus der Zahlungsreihe des Collar lassen sich unmittelbar auch die Zahlungsreihen für entsprechend ausgestattete Caps und Floors ableiten. Die Bilanzierung der Instrumente zur Zinsbegrenzung wird anhand von Caps dargestellt. Die bilanzielle Behandlung von Floors und Collars kann daraus im Wesentlichen analog abgeleitet werden, weshalb nur kurz auf die Unterschiede eingegangen wird. 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 255 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 255 Status: Imprimatur Wie bereits der Beschreibung von Caps zu entnehmen ist, besteht eine starke Affinität zwischen diesen Vereinbarungen und Optionen (vgl. Teil A, Abschn. 7.2.6.1, S. 244 ff.), die sich auch in der bilanziellen Behandlung widerspiegelt. Beide verpflichten über ihre Laufzeit hinweg einseitig einen Vertragspartner, wobei der Eintritt der Zahlungsverpflichtung von der Entwicklung äußerer Umstände abhängt. Anders als bei Optionen geht die Capvereinbarung jedoch nicht ohne weiteres unter, sobald der Stillhalter aus ihr in Anspruch genommen wird. (1) Der Käufer eines Cap hat das durch die Capprämie erworbene Recht, vergleichbar der Situation beim Optionskauf, als entgeltlich erworbenen immateriellen Vermögensgegenstand zu behandeln. Es kommt damit eine den Optionen entsprechende Einordnung im Umlaufvermögen unter den sonstigen Vermögensgegenständen (§ 266 Abs. 2 B.II.4 HGB), im Anlagevermögen unter den (sonstigen) immateriellen Vermögensgegenständen (§ 266 Abs. 2 A.I i. V. m. § 265 Abs. 5 HGB) in Betracht (z. T. wird auch eine Aktivierung der Prämie als aktiver Rechnungsabgrenzungsposten für zulässig erachtet, vgl. Scharpf, Derivative Finanzinstrumente, Rn. 821; Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 246, Rn. 382). Im Erwerbszeitpunkt ist der Cap nach dem Anschaffungswertprinzip in Höhe der Capprämie zu aktivieren. Zinssatz [% p.a.] Zinsobergrenze Zinsuntergrenze Jahre LIBOR Zinssatz p.a. für Zahlungen aus Collar (Käufersicht)– 3 – 2 – 1 0 1 2 3 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Zahlungsreihe des Collar für den Käufer (Zinszahlungen in GE nachschüssig bezogen auf 100 GE); Collar entspricht einem gekauften Cap und verkauften Floor; separat Zahlungsreihen (in GE) für gekauften Cap und gekauften Floor. Zahlungen aus Käufersicht für Jahre 0 Collar 0 – Collarprämie 0,5 1 1,5 2 2,5 3 0 0 0 0 0 0 0 0 -0,25 0 0,25 -0,75 0 0,75 0,5 0,5 0 – Capprämie – Floorprämie Cap Floor 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen256 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 256 Status: Imprimatur Für die weitere Entwicklung des Buchwertes ist § 253 HGB heranzuziehen. Dabei ist jedoch anders als bei Optionen von einer Abnutzbarkeit eines dem Anlagevermögen zuzurechnenden Cap auszugehen (Eisele/Knobloch, Finanzinnovationen, S. 585). Dies ergibt sich daraus, dass sich bei Caps die Ansprüche des Rechtsinhabers auf diskrete Zeitintervalle beziehen, er quasi auch für die in jedem Intervall existierende Möglichkeit einer Zahlung an ihn eine Teilprämie, in der Summe dann die bezahlte Capprämie, entrichtet hat. Von daher ist als Abschreibungsverfahren, wenn nicht besondere Umstände ein anderes Vorgehen nahe legen, ein lineares Verfahren (vgl. Teil A, Abschn. 12.2.3.1, S. 439 ff.), das sich an den Zinsvergleichszeitpunkten orientiert, möglich. Da sich der Werteverbrauch beim Cap nach den bereits zurückliegenden Zinsvergleichszeitpunkten bemisst, ist dann der Capbuchwert unter Berücksichtigung der planmäßigen Abschreibung aus der Division der ursprünglichen Capprämie durch die Gesamtzahl aller Zinsvergleichszeitpunkte und Multiplikation mit den noch ausstehenden Zinsvergleichszeitpunkten zu ermitteln. Zweckmäßigerweise ist die Capprämie dabei ohne den Barwert einer ggf. im Abschluss-Zeitpunkt bereits konkretisierten Zinszahlung nach der ersten Teilperiode anzusetzen, so dass dementsprechend auch nur auf die aus Sicht dieses Zeitpunktes zukünftigen Zinsvergleichstermine abzustellen ist. Anstelle dieser gleichmäßigen Verteilung der Capprämie kann auch eine laufzeitgewichtete Verteilung vorgenommen werden. Betrachtet man den Cap als Bündel von Zinsoptionen mit Fälligkeiten entsprechend den (zukünftigen) Zinsvergleichsterminen, dann ergibt sich bei diesem Vorgehen der Anteil einer einzelnen Zinsoption aus der Laufzeit dieser Option zur Summe der Laufzeiten sämtlicher Optionen. Dieser Anteil ist auf die Capprämie zu beziehen, von der zuvor noch der gerade angesprochene Barwert der ersten Zinszahlung abzuziehen ist, sofern sich der Wert bereits im Zeitpunkt des Abschlusses des Capvertrages konkretisiert hat und eine Verrechnung nicht schon in der ausgewiesenen Cap prämie berücksichtigt wurde. Bei einer n Teilperioden umfassenden Caplaufzeit ergeben sich nach dem oben beschriebenen Ablauf zu Beginn der ersten Teilperiode (= Abschluss-Zeitpunkt des Capvertrages) noch n – 1 zukünftige Zinsvergleichszeitpunkte, die den Fälligkeiten der inhärenten Zinsoptionen entsprechen. Der Zinsoption, die dem k-ten dieser Zeitpunkte zuzuordnen ist, wird dann ein Anteil von 2 · k n · (n –1)  der – ggf. bereinigten – Capprämie zugemessen. Bspw. wird bei einer 10 Teilperioden umfassenden Caplaufzeit der aus Sicht des Abschluss-Zeitpunktes im vierten zukünftigen Zinsvergleichstermin verfallenden Zinsoption ein Anteil von 8,9 % (k = 4, n = 10) zugewiesen. Anzumerken bleibt, dass die beschriebene Wertverteilung nicht die finanzmathematisch exakte Zusammensetzung der Capprämie repräsentiert (vgl. hierzu Sandmann, Stochastik der Finanzmärkte, S. 486 f.), sondern diesbezüglich eine zweckentsprechende Vereinfachung darstellt. Wenn sich im unmittelbar zurückliegenden Zinsvergleichszeitpunkt eine Zahlungsverpflichtung des Stillhalters konkretisiert hat, so kann davon ausgegangen werden, dass sich die Capzahlung auf die gesamte Zinsperiode bis 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 257 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 257 Status: Imprimatur zum nächsten Zinsvergleichszeitpunkt bezieht; dies gilt insbesondere bei nachschüssigen Capzahlungen. Daher sollte die Capzahlung grundsätzlich erst am Ende der Zinsperiode vollständig verbucht werden. Liegt allerdings der Bilanzstichtag in dieser Zinsperiode, so ist eine anteilige Gewinnrealisierung vorzunehmen (Burkhardt, Zinsbegrenzungsverträge, S. 159). Da der Stillhalter unbedingt zur Zahlung verpflichtet ist und die Gegenleistung des Capkäufers durch Bezahlung der Capprämie bei Vertragsabschluss bereits erfolgte, entspricht eine anteilige Ertragsverbuchung dem Realisationsprinzip. Der Erfolgsbeitrag ist unter den sonstigen Zinsen (§ 275 Abs. 2 Nr. 11 bzw. Abs. 3 Nr. 10 HGB) auszuweisen, wenn der Cap nicht in Verbindung mit einer Verbindlichkeit zu sehen ist. Gibt es dagegen eine solche auch buchhalterisch dokumentierte Verbindung (Bewertungseinheit nach § 254 HGB), so ist eine Verbuchung des Zinsaufwandes aus der Verbindlichkeit vermindert um den aus dem Cap zustehenden Betrag vorzunehmen. In dieselbe Position ist schließlich auch am Bilanzstichtag die Abschreibung des Cap einzustellen, die in diesem Fall zu den Aufwendungen aus der nach oben zinsbegrenzten Verbindlichkeit zählt (vgl. Schumacher, Finanzinnovationen, S. 131). Eine derartige Saldierung ist jedoch an strenge Voraussetzungen geknüpft (zur Bildung von Bewertungseinheiten vgl. Teil A, Abschn. 7.2.9, S. 285 ff.). Beispiel: Am 1. 4. 09 nimmt das Industrieunternehmen A-AG einen Kredit über 1.000.000 € auf. Der Kredit ist mit dem 6-Monats-LIBOR und einer Marge von 2 % p. a. zu verzinsen und nach 3 Jahren zu tilgen. Die Zinsen werden halbjährlich neu, d. h. am 1. 4. und 1. 10. eines jeden Jahres, angepasst und nachschüssig am Ende der Zinsperiode gezahlt. Bei Vertragsabschluss steht der 6-Monats-LIBOR auf 7 % p. a. Um ein Ansteigen des Schuldzinssatzes über 10 % zu verhindern, schließt die A-AG am 1. 4. 09 als Käufer einen Cap mit der B-AG ab. Den Bedürfnissen der A-AG entsprechend besitzt der Cap eine Zinsobergrenze von 8 % für den 6-Monats- LIBOR, Zinsvergleichszeitpunkte am 1. 4. und 1. 10. jeden Jahres sowie einen zugrunde liegenden Kapitalbetrag von 1.000.000 €. Erster Zinsvergleichszeitpunkt ist der 1. 10. 09, letzter Vergleichszeitpunkt der 1. 10. 11. Die Zahlungen aus dem Cap erfolgen wie diejenigen aus dem Kreditvertrag nachschüssig am Ende der jeweiligen Referenzperiode. Die Capprämie beträgt 25.000 €. Die A-AG ordnet den Cap dem Anlagevermögen zu und dokumentiert die Verbindung zum bezeichneten Kredit. Buchung am 1. 4. 09: Bank 1.000.000 an Verbindlichkeiten 1.000.000 Buchung am 10. 7. 09: Sonstige immaterielle Vermögensgegenstände 25.000 an Bank 25.000 Die Entwicklung des LIBOR-Satzes während der Laufzeit des Cap und die sich daraus für die A-AG ergebenden Zahlungen sind folgender Tabelle zu entnehmen, wobei zu beachten ist, dass sich die Zahlungen eines Termins nach dem LIBOR- Kurs des vorausgehenden Termins richten. Für den Kredit sind lediglich die Zinszahlungen, nicht jedoch Einzahlung und Tilgung des Kreditbetrages vermerkt. 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen258 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 258 Status: Imprimatur Datum Jahr 09 10 11 12 Tag 1.10. 1.4. 1.10. 1.4. 1.10. 1.4. LIBOR [% p.a.] 8 9 7 9 10 irrelevant Einzahlung aus Cap [€] 0 0 5.000 0 5.000 10.000 Zinszahlung aus Kredit [€] 45.000 50.000 55.000 45.000 55.000 60.000 Nettoauszahlung [€] 45.000 50.000 50.000 45.000 50.000 50.000 Die Zinsbelastung aus der Kreditaufnahme wird durch den Cap auf 100.000 € p. a. begrenzt, so dass die an sich ungünstige Zinsentwicklung für die A-AG in ihrer Wirkung gemildert wird. Für die buchhalterische Abbildung lässt sich aus den gegebenen Daten zunächst der planmäßige Werteverbrauch des Cap bei jedem Zinsvergleichszeitpunkt bestimmen. Bei einer gleichmäßigen Verteilung der Capprämie auf die 5 Zinsvergleichszeitpunkte ergibt sich ein Werteverbrauch von 5.000 € je Zinsvergleichszeitpunkt. Für den ersten Bilanzstichtag nach Erwerb des Cap ergibt sich dadurch ein Restbuchwert von 20.000 €. Entsprechend vermindert sich der Restbuchwert des Cap zu den nachfolgenden Bilanzstichtagen gemäß der Zahl inzwischen vergangener Zinsvergleichszeitpunkte. Für die Laufzeit des Cap ergeben sich unter Berücksichtigung einer saldierten Verbuchung der Capzahlungen und des Zinsaufwandes aus der Verbindlichkeit die folgenden Buchungen. Buchungen: Zum 1. 10. 09 (Zinszahlung aus dem Kreditvertrag): Zinsaufwand 45.000 an Bank 45.000 Zum 31. 12. 09  (Abschreibung auf die Capprämie in Höhe von 5.000 € und zeitliche Abgrenzung des Kreditzinses für einen LIBOR-Satz von 8 %): Zinsaufwand 30.000 an Sonstige immaterielle Vermögensgegenstände Sonstige Verbindlichkeiten 5.000 25.000 Zum 1. 4. 10 (Zinszahlung aus dem Kreditvertrag und Auflösung des Abgrenzungspostens): Zinsaufwand Sonstige Verbindlichkeiten 25.000 25.000 an Bank 50.000 Zum 1. 10. 10 (Zinszahlung aus dem Kreditvertrag saldiert mit den Capzahlungen): Zinsaufwand 50.000 an Bank 50.000 Zum 31. 12. 10 (Abschreibung auf die Capprämie in Höhe von 10.000 € und zeitliche Abgrenzung des Kreditzinses für einen LIBOR-Satz von 7 %): Zinsaufwand 32.500 an Sonstige immaterielle Vermögensgegenstände Sonstige Verbindlichkeiten 10.000 22.500 Zum 1. 4. 11 (Zinszahlung aus dem Kreditvertrag und Auflösung des Abgrenzungspostens): Zinsaufwand Sonstige Verbindlichkeiten 22.500 22.500 an Bank 45.000 Zum 1. 10. 11 (Zinszahlung aus dem Kreditvertrag saldiert mit den Capzahlungen): Zinsaufwand 50.000 an Bank 50.000 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 259 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 259 Status: Imprimatur Zum 31. 12. 11  (Aufwandsverrechnung des verbliebenen Capbuchwertes von 10.000  € und zeitliche Abgrenzung des Kreditzinses für einen LIBOR-Satz von 10 % unter Berücksichtigung des Cap mit hierzu korrespondierender Aktivierung einer sonstigen Forderung aus dem Cap): Sonstige Forderungen Zinsaufwand 5.000 35.000 an Sonstige immaterielle Vermögensgegenstände Sonstige Verbindlichkeiten 10.000 30.000 Zum 1. 4. 12  (Zins- und Tilgungszahlung aus dem Kreditvertrag, Capzahlung sowie Auflösung der Forderungsposition): Zinsaufwand Sonstige Verbindlichkeiten Verbindlichkeiten 25.000 30.000 1.000.000 an Bank Sonstige Forderungen 1.050.000 5.000 Es ist darauf hinzuweisen, dass der Cap bereits im Jahre 11 voll abgeschrieben wird. Da der 1. 10. 11 der letzte Zinsvergleichszeitpunkt ist, besteht für die Zeit danach aus dem Cap selbst keine Chance mehr auf weitere Zahlungen. Ein Anspruch aus der laufenden Zinsperiode hat sich bereits konkretisiert. Die sonstige Forderung dient in diesem Fall der Rechnungsabgrenzung. Dem liegt die eingangs beschriebene Annahme zugrunde, dass sich die Capzahlung gleichmäßig auf die gesamte Zinsperiode bezieht. (2) Der Stillhalter eines Cap hat die erhaltene Prämie als sonstige Verbindlichkeit auszuweisen. Nach inzwischen herrschender Meinung (vgl. Förschle/Usinger, Termingeschäfte, Rn. 74; Scharpf, Derivative Finanzinstrumente, Rn. 825, sowie Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 246 HGB, Rn. 383) ist die Prämie entsprechend den dem Cap inhärenten Zinsoptionen aufzulösen (analog zum Vorgehen beim Käufer des Cap wird z. T. die Passivierung der Prämie als passiver Rechnungsabgrenzungsposten als zulässig erachtet, vgl. Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 246 HGB, Rn. 822). Das bedeutet, dass zu jedem Zinsvergleichszeitpunkt der Teil der ursprünglichen Capprämie, der auf die zuzuordnende Zinsoption entfällt, erfolgswirksam zu vereinnahmen ist. Er ist unter den Zinserträgen zu erfassen (vgl. Förschle/Usinger, Termingeschäfte, Rn. 74). Die für die Ermittlung des anteiligen Optionswertes mitunter als zulässig erachtete lineare Verteilung der Capprämie auf die Zinsvergleichszeitpunkte sollte aufgrund des Vorsichtsprinzips nicht angewandt werden. Demgegenüber erscheint auch unter Vereinfachungsgesichtspunkten nur die laufzeitgewichtete Verteilung der Prämie, wie oben beschrieben, als sachgerecht (vgl. Scharpf, Derivative Finanzinstrumente, Rn. 822), da der Wert einer Option, je nach Konstellation der übrigen wertbeeinflussenden Parameter, im Regelfall stark mit der Restlaufzeit ansteigt. Bis zum Bilanzstichtag kann sich der Referenzzinssatz dergestalt zuungunsten des Cap-Stillhalters entwickelt haben, dass von einem zukünftigen Verpflichtungsüberhang auszugehen ist. Eine solche Situation führt handelsbilanziell zur Bildung einer Drohverlustrückstellung nach § 249 Abs. 1 HGB (zur Buchung von Rückstellungen vgl. Teil A, Abschn. 13.7.1, S. 512 ff.). Eine solche ist bei vorliegender Bewertungseinheit wegen § 5 Abs. 1a EStG auch in der Steuerbilanz anzusetzen. Das nach § 5 Abs. 4a Satz 1 EStG grundsätzlich geltende steuerliche 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen260 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 260 Status: Imprimatur Passivierungsverbot für Drohverlustrückstellungen wurde durch das Gesetz zur Eindämmung missbräuchlicher Steuergestaltungen vom 7. 4. 2006 für negative Ergebnisse aus Bewertungseinheiten außer Kraft gesetzt (§ 5 Abs. 4a Satz 2 EStG). Im Rahmen einer Einzelbewertung liegt allerdings die Analogie zur Behandlung von (einfachen) Optionen (vgl. Teil A, Abschn. 7.2.6.1, S. 250) nahe, im Rahmen der Glattstellungsfiktion bei dauerhafter Teilwerterhöhung von einer steuerbilanziellen Zuschreibungsmöglichkeit auszugehen. Handelsrechtlich ist ein Verpflichtungsüberhang zum Bilanzstichtag dann zu erwarten, wenn bei Fortbestehen des aktuellen Zinsniveaus die zukünftigen Capzahlungen die ausgewiesene Capprämie übersteigen würden. Somit entspricht die Rückstellungshöhe den aus dem Zinsniveau des Bilanzstichtages berechneten Zinsen ab dem nächstliegenden Zinsvergleichszeitpunkt bis zum Laufzeitende abzüglich des Restbuchwertes der Capprämie. Eine aus der laufenden Zinsperiode gegebenenfalls noch bestehende Zahlungsverpflichtung ist getrennt davon zu behandeln. Diese besitzt nicht mehr Rückstellungscharakter, weil sie sich konkretisiert hat und sie somit nicht mehr ungewiss ist. Da sie eine unabwendbare wirtschaftliche Belastung nach sich zieht, ist sie als Verbindlichkeit zu Lasten des sonstigen Zinsaufwandes zu passivieren. Unterstellt man allerdings analog der Bilanzierung beim Capkäufer, dass sich die Capzahlung auf die gesamte Zinsperiode bezieht und nachschüssig bezahlte Zinsen repräsentiert, so hat die Aufwandsverrechnung zeitanteilig zu erfolgen. So gesehen, erscheint auch die Saldierung einer Cap(aus)zahlung mit dem zeitgleich zu vereinnahmenden Prämienanteil, als vertretbar, so dass nur eine Nettoauszahlung als Zinsaufwand zu verbuchen ist. Bei größerem Prämienanteil ist analog ein um die Capzahlung verminderter Zinsertrag anzusetzen. Hierbei bleibt aus Vereinfachungsgründen unbeachtet, dass sich die vereinnahmte Prämie auf den Vergleichszeitpunkt bezieht, der eine etwaige Capzahlung erst für den folgenden Zeitraum bestimmt. Bei zeitanteiliger Erfolgsverbuchung einer Capzahlung und zeitpunktorientierter Vereinnahmung der Prämie können Divergenzen nicht generell ausgeschlossen werden. Nach dem letzten Zinsvergleichszeitpunkt bestehen keine ungewissen zukünftigen Zahlungsverpflichtungen mehr, so dass der Restbuchwert der Capprämie sowie eine ggf. gebildete Rückstellung, verrechnet mit einer aus dem letzten Zinsvergleich resultierenden ggf. abzugrenzenden Zahlungsverpflichtung, aufzulösen sind. Eine Differenz ist erfolgswirksam unter den sonstigen Zinsaufwendungen bzw. -erträgen zu verbuchen. Da sich insbesondere Banken in die Stillhalterposition eines Cap begeben, besitzen hinsichtlich der Bilanzierung die Gliederungsvorschriften für Banken nach der RechKredV hier besondere Relevanz. Beispiel: Für die Bank B-AG, die am 1. 4. 09 gegenüber der A-AG die Stillhalterposition aus dem im vorausgehenden Beispiel beschriebenen Cap eingegangen ist, werden die auszuführenden Buchungen für die Capstillhalterposition mit laufzeitgerichteter erfolgswirksamer Vereinnahmung der Prämie dargestellt. Dabei ist von folgenden LIBOR-Sätzen an den Bilanzstichtagen auszugehen: Bilanzstichtag (31. 12.) 09 10 11 LIBOR [% p.a.] 10 9 irrelevant 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 261 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 261 Status: Imprimatur Buchungen: Am 1. 4. 09 (Erhalt der Capprämie): Kasse 25.000 an Sonstige Verbindlichkeiten 25.000 Am 1. 10. 09 (erfolgswirksame Verbuchung der anteiligen Capprämie): Sonstige Verbindlichkeiten 1.666,67 an Sonstiger Zinsertrag 1.666,67 Die anteilige Capprämie ergibt sich bei einer Gesamtlaufzeit von 6 Teilperioden (= Halbjahren) als 2 · 1 6 · 5 · 25.000 €. Zum 31. 12. 09  (Rückstellungsbildung aufgrund eines erwarteten Verpflichtungs- überhanges): Sonstiger Zinsaufwand 16.666,67 an Rückstellungen 16.666,67 Die Rückstellungshöhe von 16.666,67 € ergibt sich aus der am Bilanzstichtag bestehenden Differenz aus LIBOR-Satz und vereinbarter Zinsobergrenze (10 % – 8 % = 2 %) bezogen auf den Nennbetrag von 1.000.000 € und die vier noch ausstehenden Zinsvergleichszeitpunkte (1. 4. 10 – 1. 10. 11). Von den berechneten zukünftig erwarteten Verpflichtungen in Höhe von 40.000 € ist der Buchwert der Capprämie (23.333,33 €) in Abzug zu bringen. Zum 1. 4. 10 (erfolgswirksame Verbuchung der anteiligen Capprämie): Sonstige Verbindlichkeiten 3.333,33 an Sonstiger Zinsertrag 3.333,33 Die anteilige Capprämie zum Zinsvergleichszeitpunkt 1. 4. 10 ergibt sich als 2 · 2 6 · 5 · 25.000 €. Zum 1. 10. 10 (Verbuchung der Capzahlung und der anteiligen Capprämie): Sonstige Verbindlichkeiten 5.000 an Kasse 5.000 Da die anteilige Capprämie gerade der Capzahlung entspricht, erfolgt keine Buchung im Zinsaufwand bzw. -ertrag. Zum 31. 12. 10 (Anpassung der Rückstellungshöhe): Rückstellungen 16.666,67 an Sonstige betriebliche Erträge 16.666,67 Da am 31. 12. 10 der LIBOR 9 % beträgt, ergeben sich zu diesem Zeitpunkt erwartete zukünftige Verpflichtungen über 10.000 €. Diesen steht ein Restbuchwert der Capprämie von 15.000 € gegenüber. Somit ist die letztjährig gebildete Rückstellung vollständig aufzulösen. Zum 1. 4. 11 (Vereinnahmung der anteiligen Capprämie): Sonstige Verbindlichkeiten 6.666,67 an Sonstiger Zinsertrag 6.666,67 Zum 1. 10. 11 (Verbuchung der Capzahlung und der anteiligen Capprämie): Sonstige Verbindlichkeiten 8.333,33 an Zinsertrag Kasse 3.333,33 5.000,00 Der Zinsertrag entspricht dem Saldo der anteiligen Capprämie (8.333,33 €) und der Capzahlung (5.000 €). Da die letzte Teilperiode den Bilanzstichtag 31. 12. 11 beinhaltet, ist die für diese Teilperiode bereits konkretisierte, jedoch erst am 1. 4. 12 fällige Capzahlung zeitlich abzugrenzen. Es ergeben sich die folgenden Buchungen: Bereits zum 1. 10. 11: Sonstiger Zinsaufwand Aktive Rechnungsabgrenzung 5.000 5.000 an Verbindlichkeiten 10.000 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen262 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 262 Status: Imprimatur Am 1. 4. 12: Verbindlichkeiten Sonstiger Zinsaufwand 10.000 5.000 an Kasse Aktive Rechnungsabgrenzung 10.000 5.000 Die bilanzielle Behandlung von Floors erfolgt analog der gerade für Caps dargestellten. Hinsichtlich der Passivierung (Aktivierung) der erhaltenen (geleisteten) Prämien ist ebenso wie bei den Caps zu verfahren. Lediglich bei der Rückstellungsbildung eines Floorstillhalters ist zu beachten, dass ein Rückstellungsbedarf nur bei entsprechend gesunkenem Zinsniveau eintritt. Wurde der Floor abgeschlossen, um für eine Finanzanlage eine Mindestverzinsung zu garantieren, so kann dies unter den für die Caps beschriebenen Bedingungen zu einer entsprechenden Zusammenfassung der Ergebnisse aus Finanzanlage und Floor in der Gewinn- und Verlustrechnung führen. Konkretisierte Zinserträge sind dann wie bei gewöhnlichen festverzinslichen Wertpapieren pro rata temporis auszuweisen (Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 252 HGB, Rn. 82; Fülbier/Kuschel/Selchert, § 252 HGB, Rn. 90 ff.). Bei Collars ist bilanziell entsprechend ihrer Bestandteile zu verfahren. Dies bedeutet, dass bei dem aus einem gekauften Cap und verkauften Floor bestehenden Collar die dafür netto erhaltene (gezahlte) Prämie bei Erwerb zu passivieren (aktivieren) ist. Ein Rückstellungsbedarf kann sich beim Collar sogar trotz anfänglich bezahlter Prämie ergeben, nämlich grundsätzlich dann, wenn der Collarkäufer aus seiner impliziten Floorstillhal terposition voraussichtlich mehr zu leisten hat als aus dem Caprecht zu erwarten ist. Da bei der Bemessung der Rückstellungshöhe vereinfachend wiederum von der Konstanz des Zinsniveaus für die Restlaufzeit des Collar auszugehen ist, muss eine Rückstellung dann gebildet werden, wenn der aktuelle Referenzzinssatz am Bilanzstichtag unterhalb der im Collar festgelegten Zinsuntergrenze liegt. Insbesondere in einem solchen Fall ist überdies die Notwendigkeit einer außerplanmäßigen Abschreibung nach § 253 HGB auf einen niedrigeren Marktpreis bzw. beizulegenden Wert, der auch null sein kann, zu prüfen. 7.2.7 Forwards und Futures Forwards und Futures zählen zu den unbedingten Termingeschäften. Diese Kontrakte zeichnen sich im Gegensatz zu den bereits vorgestellten bedingten Termingeschäften (vgl. Teil A, Abschn. 7.2.6, S. 243 ff.) dadurch aus, dass sich sowohl Käufer als auch Verkäufer zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses verpflichten, einen Basistitel (Underlying) zu einem im Vertragszeitpunkt festgelegten Preis (Terminpreis), an einem bestimmten zukünftigen Termin abzunehmen bzw. zu liefern (vgl. Breidthardt, Derivative Finanzinstrumente, S. 5.). Forwards bezeichnen die zwischen zwei Vertragsparteien individuell ausgehandelten (over the counter (OTC)) unbedingten Terminkontrakte. Im Vertragszeitpunkt wird lediglich der im Erfüllungszeitpunkt zu zahlende Preis für den Basistitel fixiert; Zahlungen fallen hier und während der Laufzeit nicht an. Die Erfüllung kann grundsätzlich in Form der Lieferung des Underlying 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 263 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 263 Status: Imprimatur (physisch) oder durch Barausgleich (cash settlement) erfolgen. Die Zahlung bei Barausgleich entspricht der Differenz zwischen dem zu Beginn vereinbarten Terminpreis und dem im Erfüllungszeitpunkt aktuell gültigen Kassapreis des Underlying. In diesem Falle ersetzt der an sich zur Lieferung verpflichtete Vertragspartner dem anderen den Objektwert, der wiederum mit der Zahlungsverpflichtung des Partners verrechnet wird. Cash Settlement erfolgt stets dann, wenn eine Lieferung des Basistitels eo ipso ausgeschlossen ist, wie z. B. bei Aktienindexterminkontrakten. Dem Vorteil einer individuellen Vertragsgestaltung steht der Nachteil einer mangelnden Marktfähigkeit gegenüber. Börsengehandelte, unbedingte Terminkontrakte werden als Futures bezeichnet. Die Institutionalisierung des Kontrakthandels weist Spezifika gegenüber dem Handel in OTC-Produkten auf. Hieraus ergeben sich besondere Fragestellungen für die Bilanzierung, zu deren Verständnis die Kenntnis des Handelsablaufs an Futuresbörsen vonnöten ist. Entsprechend wird im folgenden Abschnitt zunächst der Handel in Futures beschrieben; erst danach wird auf die Bilanzierung von Futures, aber auch von Forwards eingegangen. 7.2.7.1 Handel in Futures Die Institutionalisierung unbedingter Terminkontrakte an den Finanzbörsen ist ebenso wie die bedingter Terminkontrakte eine verhältnismäßig neue Entwicklung. In der Bundesrepublik ist die Einführung der Futures mit der Einrichtung der Deutschen Terminbörse in 1990 verbunden. Futures sind hinsichtlich Art und Menge des Handelsobjektes, im Folgenden als Basiswert bezeichnet, sowie in Bezug auf ihre Fälligkeitstermine standardisierte unbedingte Terminkontrakte. Sie verpflichten die eine Vertragsseite zur Lieferung des Gutes, die andere zur Zahlung des Futurekurses, der dem über die Börse vereinbarten Terminpreis entspricht. Nach der Art des Handelsobjektes wird unterschieden in Waren- (commodities futures), Zins- (interest rate futures), Devisen- (currency futures) und Aktien- und Aktienindexterminkontrakte (single stock und stock index futures); zudem gibt es Futures, deren Gegenstand die Volatilität (Schwankung) eines Wertes (z. B. einer Währung gegen eine andere) ist. Ebenso wie beim Forward kann statt einer physischen Lieferung des Handelsobjektes ein cash settlement erfolgen. Als Käufer eines Future wird der zur Zahlung des Terminpreises, als Verkäufer entsprechend der zur Lieferung Verpflichtete bezeichnet. Zur Steigerung der Attraktivität der Futuresbörsen wurde das so genannte Clearingsystem entwickelt. Dabei tritt zwischen die eigentlichen, d. h. entgegengerichtete Geschäfte tätigenden Marktteilnehmer eine Clearingstelle, die zum unmittelbaren Vertragspartner eines jeden Marktteilnehmers wird. Die Folge ist, dass das Bonitätsrisiko eines Marktteilnehmers hinsichtlich der Erfüllung des Terminkontraktes auf das der Clearingstelle innewohnende reduziert und dadurch quasi eliminiert wird. Um ihrerseits sicherzustellen, dass auch die Marktteilnehmer ihren Verpflichtungen nachkommen, verlangt die Clearingstelle von jedem Kontrahenten zu Vertragsbeginn eine Einschusszahlung (initial margin) und bei ungünstiger Wertentwicklung des Future Nachschusszahlungen (variation margins), die täglich abgerechnet werden. Steigt beispielsweise der Futurekurs, d. h. der Wert 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen264 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 264 Status: Imprimatur des Objektes zum Fälligkeitstermin wird nunmehr höher eingeschätzt als bei Vertragsabschluss, so steigt in gleich hohem Maße der Wert der Leistung des Futureverkäufers zum Wert der Käuferleistung. Da die Futuresbörse nicht ohne weiteres davon ausgehen kann, dass der Verkäufer die zur Lieferung bei Fälligkeit benötigten Objekte dann auch besitzt, stellt sie durch Variation-margin- Zahlungen sicher, dass er zumindest deren Gegenwert erbringen kann. Verlangt sie demnach als variation margin gerade die sich ergebende Differenz des Futurewertes, so kann sich der Verkäufer mit diesem „hinterlegten“ Betrag und dem, den er vom Futurekäufer bei Fälligkeit zu erwarten hat, per Termin mit einem gleichwertigen Future eindecken. Seine Lieferfähigkeit ist damit garantiert. Umgekehrt profitiert der Futurekäufer von einem steigenden Futurekurs. Er hat das Objekt zu einem aus aktueller Sicht günstigen Preis eingekauft. Die Clearingstelle schreibt ihm entsprechend den Betrag, mit dem sie den Verkäufer belastet, zur freien Verfügung gut. Sinkt dagegen der Futurekurs, so hat der Käufer eine Leistung in Form einer variation margin zu erbringen, während dem Verkäufer der entsprechende Betrag gutgeschrieben wird. Da die variation margins täglich abgerechnet werden, ergibt sich bis zu einem beliebigen Zeitpunkt während der Laufzeit des Future für jeden Marktteilnehmer entweder ein Ein- oder Auszahlungssaldo. Dabei bedeutet ein Auszahlungssaldo, dass der Marktteilnehmer bis zum Betrachtungszeitpunkt insgesamt einen Verlust aus seinem Engagement hat. Die Höhe dieses Verlustes entspricht den netto geleisteten Zahlungen an variation margins; sie ergibt sich aus der Differenz zwischen aktuellem Futurekurs und dem historisch vereinbarten. Aus dem dargestellten Verfahren lässt sich ableiten, dass der Futurekäufer bei Fälligkeit den dann gültigen Futurekurs, der zu diesem Zeitpunkt dem Kassapreis des Basiswertes entspricht, (noch) zu zahlen hat, um das kontraktierte Objekt zu erhalten. Denn nur so zahlt der Käufer, alle Variation-margin-Zahlungen eingeschlossen, den ursprünglich vereinbarten Terminpreis des Basiswertes. Oft ist eine sich aus der Wertentwicklung ergebende variation margin nicht zahlungswirksam, nämlich dann, wenn die Börsenbestimmungen eine Verrechnung an sich fälliger variation margins mit der initial margin vorsehen. Eine Zahlung wird erst dann verlangt, wenn die Wertentwicklung die initial margin so weit aufzehrt, dass eine bestimmte Untergrenze (maintenance margin) unterschritten wird. Umgekehrt kann über eine gutgeschriebene variation margin nur insoweit verfügt werden, als die initial margin den geforderten Wert aufweist. Hinzuzufügen ist noch, dass jedem Marktteilnehmer bei Fälligkeit die zu Vertragsbeginn hinterlegte initial margin, soweit sie durch variation margins nicht aufgezehrt wurde, zurückgezahlt wird. Hinsichtlich der Bilanzierung werfen besonders die während der Laufzeit anfallenden, nur z. T. zahlungswirksamen variation margins Probleme auf. 7.2.7.2 Bilanzierung und buchtechnische Abwicklung Sowohl Forwards als auch Futures sind grundsätzlich als schwebende Geschäfte zu betrachten (vgl. Jutz, Financial Futures, S. 154; Grützemacher, Preisrisiken, S. 192 ff.; Breidthardt, Derivative Finanzinstrumente, S. 19), da während der Laufzeit noch Leistungen beider Vertragspartner ausstehen. Dies gilt jedoch nicht für 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 265 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 265 Status: Imprimatur so genannte glattgestellte Geschäfte, bei denen mit der Clearingstelle ein entgegengerichteter Future abgeschlossen wurde, so dass die Erfüllungspflichten erloschen sind. Aus dem Schwebezustand dieser unbedingten Termingeschäfte folgt unmittelbar deren grundsätzliche Bilanzunwirksamkeit. Bilanzielle Konsequenzen aus Terminforderung und -verpflichtung ergeben sich somit nur, soweit ein Verpflichtungsüberhang aus dem Forward oder dem Future droht. In diesem Falle findet der zu erwartende Verlust aus dem Forward- bzw. Futureengagement über die Bildung einer Drohverlustrückstellung gemäß § 249 Abs. 1 HGB Eingang in die Handelsbilanz. Der zu antizipierende Verlust hängt unmittelbar vom Wert des Basiswertes bei Fälligkeit ab, so dass sich die Bemessung der Rückstellungshöhe an einer Schätzung für diesen Wert zu orientieren hat. Als Schätzer für den Kassakurs bei Fälligkeit dient gerade der aktuelle Terminkurs des Basiswertes, somit der aktuelle Forward- bzw. Futurekurs (vgl. Copeland/Weston/Shastri, Financial Theory, S. 284 f.). Eine Drohverlustrückstellung ist also dann zu bilden, wenn sich ein Verpflichtungsüberhang aus dem Vergleich von Forward- bzw. Futurekurs des Bilanzstichtages und dem historisch vereinbarten ergibt. Die Differenz bestimmt die Rückstellungshöhe, wobei bei Restlaufzeiten von über einem Jahr gemäß § 253 Abs. 2 HGB (nach BilMoG) eine Abzinsung auf den Bilanzstichtag vorzunehmen ist. Ein Verzicht auf die Rückstellungsbildung ist allenfalls dann zulässig, wenn mit dem Forward oder dem Future Wertpapiere angeschafft werden sollen, die zum dauerhaften Verbleib im Unternehmen bestimmt sind und bei denen eine antizipierte Wertminderung am Bilanzstichtag nur vorübergehend ist (vgl. Oestreicher, Zinsterminkontrakte, S. 211 f.). Positive Wertänderungen dürfen aufgrund des Realisationsprinzips nicht angesetzt werden (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB). Im Folgenden wird die gegen- über Forwards komplexere Bilanzierung von Futures eingehend behandelt. Zur besseren Nachvollziehbarkeit werden allerdings vereinfachte und konstruierte Kontraktspezifikationen verwandt. Bspw. würde abweichend von den hier auf Eurobeträge abstellenden Beispielen der EUR/USD Future an der Chicago Mercantile Exchange (CME) in USD pro EUR notieren bei einer zugrunde liegenden Kontraktgröße von 125.000 EUR. Beispiel: Die X-AG kauft am 10. 7. 09 zum Kurs von 1,20 €/US-$ einen Devisenfuture über 50.000 US-$ mit Fälligkeit im Laufe des Jahres 10. Der Future notiert am 31. 12. 09 zu 1,15 €/US-$. Daraus ergibt sich am Bilanzstichtag ein für den Ausübungszeitpunkt zu erwartender Verlust in Höhe von 0,05 €/US-$ x 50.000 US-$ = 2.500 €, der über die Bildung einer Drohverlustrückstellung zu erfassen ist – eine Abzinsung sei unbeachtlich. Buchung am 31. 12. 09: Sonstige Aufwendungen 2.500 an Rückstellungen 2.500 Die im Hinblick auf den Handelsablauf bei Futures nahe liegende Vorgehensweise, auf die Bildung einer Drohverlustrückstellung zu verzichten und statt dessen den zu erwartenden Verlust über die erfolgswirksame Verbuchung der zu leistenden Marginzahlungen zu erfassen, ist abzulehnen. Diese Margin- 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen266 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 266 Status: Imprimatur zahlungen sind nämlich nicht das Äquivalent eines konkretisierten Verlustes, sofern der Future noch nicht glattgestellt ist. Es ist vielmehr grundsätzlich vom schwebenden Charakter des Geschäftes und damit von der Ungewissheit des sich letztlich ergebenden Verlustes auszugehen, was unter dem Postulat der Richtigkeit des Jahresabschlusses die Bildung einer Drohverlustrückstellung erzwingt (vgl. Eisele/Knobloch, Finanzinnovationen, S. 621). Die unmittelbar daraus abzuleitende Frage ist die nach der bilanziellen Behandlung der Marginbeträge. Die initial margin ist eine Sicherheitsleistung, die bei Fälligkeit des Future zurückbezahlt wird und folglich zu aktivieren ist. Um ihre Verfügungsbeschränkung zum Ausdruck zu bringen, ist sie als Forderung den sonstigen Vermögensgegenständen (§ 266 Abs. 2 B.II.4 HGB) zuzuordnen (vgl. Menninger, Financial Futures, S. 127). Demgegenüber erweist sich die Verbuchung der variation margins als problematischer, was sich auch an heterogenen Literaturmeinungen zur Bilanzierung dieser Beträge widerspiegelt (vgl. Förschle/Usinger, Termingeschäfte, Rn. 101; Jutz, Financial Futures, S. 159 ff.; Grünewald, Finanzterminkontrakte, S. 65 ff., 153 f.; Oestreicher, Zinsterminkontrakte, S. 205 ff.; Pricewaterhouse Coopers, IFRS für Banken, S. 611). Zunächst ist festzustellen, dass ihre Verbuchung nicht stets an Zahlungsvorgänge gekoppelt ist. So erfolgt bei Existenz einer maintenance margin der Ausweis einer variation margin auch dann, wenn sie lediglich die Höhe der bei der Clearingstelle hinterlegten initial margin mindert. Hinsichtlich des bilanziellen Ausweises der variation margins gilt, dass die vom Futurekäufer geleisteten variation margins als Anzahlungen zu betrachten sind, da sie bei Fälligkeit zur Erfüllung der Leistungspflicht des Käufers herangezogen werden. Somit sind die variation margins unter den sonstigen Vermögensgegenständen, gegebenenfalls weiter untergliedert in „Anzahlungen im Rahmen von Finanzterminkontrakten“, nach § 266 Abs. 2 B.II.4 HGB auszuweisen (vgl. Jutz, Financial Futures, S. 161). Spiegelbildlich sind diese vom Futurekäufer zu leistenden und somit dem Verkäufer zufließenden variation margins bei Letzterem als erhaltene Anzahlungen (§ 266 Abs. 3 C.3 HGB) zu passivieren. Anders verhält es sich dagegen bei variation margins, die vom Futureverkäufer zu leisten sind. Diese werden nicht zur Erfüllung der Leistungspflicht des Verkäufers, die einzig in der Lieferung des Basiswertes liegt, herangezogen. Sie stellen lediglich die Leistungsfähigkeit des Verkäufers sicher. Dadurch sind sie als Sicherheitsleistungen zu betrachten. Vom Verkäufer geleistete variation margins sind danach als Forderungen unter den sonstigen Vermögensgegenständen (§ 266 Abs. 2 B.II.4 HGB) auszuweisen. Der Käufer hingegen, der die variation margins erhält, hat diese als sonstige Verbindlichkeit (§ 266 Abs. 3 C.8 HGB) zu passivieren (vgl. Menninger, Financial Futures, S. 132). Beispiel: Ebenfalls am 10. 7. 09 verkauft die Y-GmbH einen Devisenfuture zum Kurs von 1,20 €/US-$, der identisch dem von der X-AG erworbenen ist. Die Börsenbestimmungen sehen in diesem Fall eine initial margin in Höhe von 5.000 € – dies entspricht 8,3 % des Kontraktwertes – sowie eine maintenance margin von 3.000 € vor. Somit haben die X-AG und Y-GmbH am 10. 7. 09 jeweils Zahlungen von 5.000 € an die Clearingstelle zu leisten. 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 267 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 267 Status: Imprimatur Buchung am 10. 7. 09 – für X-AG und Y-GmbH: Sonstige Vermögensgegenstände 5.000 an Bank 5.000 In den darauf folgenden Wochen erfährt der Future einen Kursverfall, bis er am 13. 11. 09 nach mehreren Auf- und Abwärtsbewegungen bei 1,05 €/US-$ steht. Die Kursentwicklung bis zum 13. 11. 09 sei dergestalt, dass die bei der Clearingstelle zu Buche stehenden initial margins für die X-AG 4.500 € und für die Y-GmbH 3.800 € betragen. Aus diesen Daten ergibt sich zunächst, dass die X-AG bis zum 13. 11. 09 variation margins in Höhe von 7.500 € (50.000 US-$ × 0,15 €/US-$) zu erbringen hatte, die als geleistete Anzahlungen gebucht wurden und von denen 7.000 € zahlungswirksam waren. Die Y-GmbH dagegen hatte bis dato 8.700 € aus Variationmargin-Zahlungen erhalten. Ein zwischenzeitlich entsprechend hoher Verbindlichkeitsstand hat sich bis zum 13. 11. 09 um 1.200 € verringert, weil bis dahin entsprechend hohe variation margins zu leisten waren. Diese zu leistenden variation margins waren jedoch nicht zahlungswirksam, sondern wurden mit der initial margin verrechnet. Die zu passivierenden Verbindlichkeiten aus variation margins belaufen sich somit am 13. 11. 09 auf 7.500 €. Steigt der Futurekurs am 14. 11. 09 um 0,02 €/US-$, so wird der X-AG eine variation margin von 1.000 € gutgeschrieben. Zur freien Verfügung bleiben nach Auffüllen des Initial-margin-Betrages auf seinen ursprünglichen Wert von 5.000 € jedoch nur 500 €. Von der Kursänderung betroffen sind also die Buchwerte der aktivierten initial margin und der aktivierten variation margins sowie der Kassenbestand. Für die Y-GmbH ergibt sich durch die Kursänderung eine Nachschusspflicht in Höhe von 2.200 €. Da die maintenance margin bei Abzug der anfallenden variation margin von der noch verbliebenen initial margin unterschritten wird, muss nicht nur der augenblickliche Kursverlust ausgeglichen werden, es ist darüber hinaus die initial margin wieder auf ihre ursprüngliche Höhe von 5.000 € zu bringen. Die variation margin von 1.000 € mindert den Buchwert des Variationmargin-Saldos. Buchungen am 14. 11. 09 bei steigendem Futurekurs: X-AG: Bank Sonstige Vermögensgegenstände (initial margin) 500 500 an Geleistete Anzahlungen (variation margins) 1.000 Y-GmbH: Sonstige Vermögensgegenstände (initial margin) Erhaltene Anzahlungen (variation margins) 1.200 1.000 an Bank 2.200 Im Falle, dass der Futurekurs am 14. 11. 09 gegenüber dem Vortag um 0,02 €/US-$ sinkt, ist seitens der X-AG die nunmehr zu leistende variation margin über 1.000 € vom vorhandenen Initial-margin-Betrag in Abzug zu bringen. Da die maintenance margin nicht unterschritten wird, findet kein Zahlungsvorgang statt. Der Y-GmbH werden dagegen 1.000 € gutgeschrieben. Allerdings erhält die Y-GmbH hieraus keine Zahlung, da die initial margin auch mit der Gutschrift noch nicht den geforderten Betrag von 5.000 € erreicht. 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen268 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 268 Status: Imprimatur Buchungen am 14. 11. 09 bei sinkendem Futurekurs: X-AG – die maintenance margin wird nicht unterschritten: Geleistete Anzahlungen (variation margins) 1.000 an Sonstige Vermögensgegenstände (initial margin) 1.000 Y-GmbH: Sonstige Vermögensgegenstände (initial margin) 1.000 an Erhaltene Anzahlungen (variation margins) 1.000 Bei Fälligkeit bzw. Glattstellung sind schließlich die aktivierten bzw. passivierten Variation-margin-Beträge sowie die initial margin auszubuchen. Der Futurekäufer bucht geleistete variation margins zusammen mit der Restzahlung gegen den neu zu aktivierenden Basiswert. Dessen Anschaffungskosten sind somit durch den ursprünglich vereinbarten Futurekurs bestimmt. Der sich daraus ergebende Wert ist gegebenenfalls um den Betrag einer noch aufzulösenden Rückstellung vom letzten Bilanzstichtag zu vermindern, um den aktuellen Buchwert des Basiswertes zu erhalten. Auch ein vom Kursverlauf profitierender Futurekäufer bucht den erhaltenen Basiswert mit dem historischen Kontraktpreis als Anschaffungskosten ein. Gleichzeitig bucht er die für die variation margins gebildete Verbindlichkeit gegen den Kassenabgang aus. Der Verkäufer eines Future erhält geleistete variation margins zurück. Seine dafür gebildete Forderung ist entsprechend auszubuchen. Ist der Verkäufer gezwungen, sich den Basiswert am Kassamarkt zu nun ungünstigen Bedingungen einzukaufen, um seiner Lieferpflicht nachzukommen, so ist der sich daraus ergebende Verlust zunächst mit einer gegebenenfalls für den letzten Bilanzstichtag gebildeten Rückstellung zu verrechnen. Ein verbleibender Saldo ist erfolgswirksam zu verbuchen. Schließlich hat der Verkäufer eines im Wert gefallenen Future seine Verbindlichkeit in Höhe der erhaltenen variation margins auszubuchen. Dadurch wird der Veräußerungserlös des Basiswertes nicht nur mit dem bei Fälligkeit erhaltenen niedrigen Betrag, sondern mit dem ursprünglichen Kontraktkurs ausgewiesen. Beispiel: Die Y-GmbH stellt ihre Futureposition am 22. 12. 09 bei einem aktuellen Kurs von 1,15 €/US-$ glatt. Die bei der Clearingstelle hinterlegte initial margin hat zu diesem Zeitpunkt ihren ursprünglichen Wert von 5.000 €. Folglich weist die Y-GmbH einen Variation-margin-Betrag von 2.500 € unter ihren erhaltenen Anzahlungen aus. Mit der Rückzahlung der initial margin geht für die Y-GmbH buchungstechnisch die Auflösung der aktivierten initial margin und der passivierten variation margins einher. Dabei ergibt sich für das Unternehmen netto ein Erfolg aus seinem Futureengagement. Buchungen bei Glattstellung: Bank 5.000 an Sonstige Vermögensgegenstände (initial margin) 5.000 Erhaltene Anzahlungen (variation margins) 2.500 an Sonstige betriebliche Erträge 2.500 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 269 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 269 Status: Imprimatur Die X-AG hält ihren Future bis zur Fälligkeit im Jahre 10. Zum 31. 12. 09 hat das Unternehmen gemäß obigem Beispiel eine Drohverlustrückstellung über 2.500 € gebildet. Bei Fälligkeit schließlich notiert der Future zu 1,13 €/US-$. Dies bedeutet, dass die X-AG 56.500 € zu bezahlen hat, um 50.000 US-$ zu erhalten. Die bei der Clearingstelle gutgeschriebene initial margin weise ihren Höchstwert von 5.000 € auf. Daraus ergibt sich ein aktivierter Variation-margin-Betrag von 3.500 €. Die das Futuregeschäft abschließenden Buchungen betreffen zunächst den Erwerb der 50.000 US-$ gegen Zahlung von 56.500 €, sodann neben der Änderung des Bankguthabens die Auflösung der initial und variation margins sowie der zum 31. 12. 09 gebildeten Rückstellung. Da der Futurekurs gegenüber dem Kurs, der der Rückstellung zugrunde liegt, weiter gesunken ist, ist am Bilanzstichtag nicht bereits der gesamte Verlust aus dem Futureengagement antizipiert worden; demnach hat die X-AG auch für das Jahr 10 noch einen Aufwand aus dem Futuregeschäft zu verbuchen, allerdings nur, wenn der niedrigere Euro-Kurs auch am Bilanzstichtag des Jahres 10 vorherrscht. Buchungen bei Fälligkeit: Bank (US-$-Konto) Rückstellungen 57.500 2.500 an Sonstige Vermögensgegenstände (initial margin) Bank (€-Konto) Anzahlungen 5.000 51.500 3.500 Dabei ist der Fremdwährungsbetrag, dessen Anschaffungskosten durch den historischen Futurekurs von 1,20 €/US-$ zu 60.000 € bestimmt sind, bereits unter Abzug des aufzulösenden Rückstellungsbetrages eingebucht. 7.2.8 Strukturierte Produkte Neben den bisher behandelten „Grundtypen“ von Finanzinstrumenten existieren Mischformen, bei denen innovative Instrumente mit klassischen Formen oder auch mit Finanzinnovationen selbst kombiniert werden (bspw. im ersten Fall Anleihen mit Optionselementen, im zweiten Fall Swaptions). Dabei sind als bedeutende Gruppe der unter dem Begriff der strukturierten Produkte verstandenen Finanzinstrumentkombinationen insbesondere Anleihen mit Sonderausstattungen hervorgetreten. Mitunter handelt es sich hierbei nur um das „Ins-Bewusstsein-Rücken“ des Charakters so genannter Nebenabreden, der dem einer Option gleicht, wie dies auf Anleihen oder Darlehen mit Schuldnerkündigungsrecht oder Sondertilgungsmöglichkeit (Darlehen und Zinsoption) zutrifft. Daneben wurden auch neue Formen geschaffen, wie bspw. die Aktienanleihe (auch Cash-or-Share-, Hochzins-Anleihe oder Reverse Convertible genannt) oder Anleihen mit Währungswahlrecht. Die seit längerem bekannten Optionsund Wandelanleihen werden hier ebenfalls zu den strukturierten Produkten gezählt, sofern ihre Einzelelemente nicht wie im Fall von Optionsanleihen mit einem abtrennbaren Optionsschein separat handelbar sind. Aus der Vielzahl der vorzufindenden Mischformen sollen ihrer Bedeutung wegen im Folgenden Options- und Wandelanleihen (auch als hybride Formen des mezzazinen Kapitals bezeichnet, vgl. Teil A, Abschn. 7.1.6, S. 221 ff.) sowie als innovative Form die Aktienanleihe näher untersucht werden. Die Betrachtung konzentriert sich im Folgenden auf strukturierte Anleihen innerhalb der Gruppe strukturierter Finanzprodukte. 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen270 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 270 Status: Imprimatur Im Gegensatz zu den IFRS (vgl. IFRS 9, IAS 39) existieren im deutschen Handelsrecht mit Ausnahme des § 272 Abs. 2 Nr. 2 HGB (Ausweis von Wandlungsrechten emittierter Schuldverschreibungen) keine expliziten Regelungen zur Bilanzierung von strukturierten Produkten. Da auch die branchenspezifischen Rechnungslegungsvorschriften (RechKredV, RechVersV) hierüber keinen Aufschluss geben, sind zur Bilanzierung dieser Instrumente zwangsläufig die GoB heranzuziehen (vgl. Bertsch, Strukturierte Produkte, S. 551; HFA, Strukturierte Finanzin strumente, S. 456, Eisele/Knobloch, Strukturierte Anleihen, S. 751). Aufgrund der besonderen Beschaffenheit dieser Produkte ergeben sich grundsätzlich zwei Möglichkeiten für den Bilanzansatz. So könnte das strukturierte Produkt entweder in seiner Gesamtheit als einheitlicher Vermögensgegenstand (vgl. bspw. die Bilanzierung einer Aktienanleihe nach Scherrer, Schuldverschreibungen, S. 1207) oder aber getrennt nach den Einzelbestandteilen in Gestalt eigenständig vorzufindender Finanzprodukte (Anleihe, Option o. ä.), aus denen sich das strukturierte Produkt zusammensetzt, bilanziert werden (vgl. die Bilanzierung des DAX-Redemption Bond nach Prahl/Naumann, Finanzinstrumente, S. 713 ff., Scharpf, Strukturierte Produkte, S. 29 f., Windmöller/Breker, Optionsgeschäfte, S. 391; zur Diskussion der Alternativen im Schrifttum vgl. Scharpf, Strukturierte Produkte, S. 21–30, Scharpf, Financial Instruments, S. 376). Mit der Verabschiedung des IDW RH BFA 1.003 „Zur Bilanzierung strukturierter Produkte“ am 2. 7. 2001 wurden erstmals konkrete Hinweise für die bilanzielle Behandlung dieser Finanzinstrumente durch den Bankenfachausschuss des IDW veröffentlicht (BFA, Strukturierte Produkte). Die darin enthaltenen Ausführungen waren eng an die bilanzielle Abbildung strukturierter Produkte nach den IFRS (IAS 39) angelehnt. Angesichts der stetigen Weiterentwicklung dieser Art von Finanzinnovationen und einiger offener Bilanzierungsfragen sah sich der Hauptfachausschuss des IDW gezwungen, eine Überarbeitung bzw. Aktualisierung des IDW RH BFA 1.003 durchzuführen, die in der Veröffentlichung des IDW RS HFA 22 „Zur einheitlichen oder getrennten handelsrechtlichen Bilanzierung strukturierter Produkte“ am 2. 9. 2008 (HFA, Strukturierte Finanzinstrumente) resultierte, der den vorherigen IDW RH BFA 1.003 ersetzt und fortan eine Referenz für die branchen- und rechtsformübergreifende Bilanzierung strukturierter Produkte bildet. Durch die Verabschiedung als Rechnungslegungsstandard kommt dem Themenkomplex zudem ein höherer Verbindlichkeitsgrad zu, als dem zuvor geltenden Rechnungslegungshinweis, dessen Anwendung lediglich empfohlen wurde (vgl. Schaber/Rehm/Märkl/Spies, Strukturierte Finanzinstrumente, S. 5). In seiner Stellungnahme definiert der HFA strukturierte Finanzinstrumente als Vermögensgegenstände mit Forderungscharakter (z. B. Ansprüche aus Krediten, Schuldscheindarlehen oder Anleihen) oder entsprechende Verbindlichkeiten, die im Vergleich zu nicht strukturierten Finanzinstrumenten besondere Ausstattungsmerkmale bezüglich Verzinsung, Laufzeit und/oder Rückzahlung aufweisen. Charakteristikum dieser Produkte ist die vertragliche Verknüpfung eines Basisinstruments mit einem oder mehreren Derivaten. Zudem ist ein Erwerb oder Verkauf der Einzelbestandteile eines solchen Finanzinstruments (stripping) in der Regel nicht möglich (HFA, Strukturierte Finanzinstrumente, S. 455). 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 271 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 271 Status: Imprimatur Der Einzelbewertungsgrundsatz nach § 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB ist prinzipiell auf Vermögensgegenstände und Schulden als Ganzes anzuwenden. Da die Bestandteile eines strukturierten Produktes zu einer rechtlichen Einheit verbunden sind und nicht losgelöst voneinander betrachtet werden können, spricht dies nach Ansicht des HFA für eine handelsrechtliche Behandlung als einheitlicher Vermögensgegenstand (Schuld). Nur in solchen Fällen, in denen die strukturierten Produkte durch das eingebettete Derivat im Vergleich zum Basisinstrument wesentlich erhöhten oder zusätzlichen (andersartigen) Risiken und/oder Chancen ausgesetzt sind, wird im Sinne einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise von der Existenz zweier separat zu bilanzierender Instrumente ausgegangen (HFA, Strukturierte Finanzinstrumente, S. 456). Trennungspflichtig sind beispielsweise Derivate, die neben dem Zinsänderungsrisiko einem zusätzlichen Marktpreisrisiko oder neben dem Bonitätsrisiko des Emittenten weiteren Bonitätsrisiken ausgesetzt sind. Konkret wird dies regelmäßig anhand des vorliegenden Einzelfalls zu überprüfen sein, so dass die in IDW RS HFA 22, Rn. 16 angegebenen Beispielfälle trennungspflichtiger Finanzinstrumente diesbezüglich nicht als abschließende Aufzählung aufzufassen sind (vgl. Schaber/Rehm/ Märkl/Spies, Strukturierte Finanzinstrumente, S. 11). Ausnahmsweise ist das Instrument dennoch einheitlich zu bilanzieren, wenn es der true and fair view erfordert (IDW RS HFA 22, Rn. 13), was insbesondere in den Fällen des IDW RS HFA 22, Rn. 14 lit. a–c so gesehen wird. Diese Ausnahmefälle betreffen Situationen, in denen – das strukturierte Produkt gemäß § 253 Abs. 3 und 4 HGB am Abschlussstichtag mit dem niedrigeren Wert aus beizulegendem Wert und fortgeführten Anschaffungskosten bewertet wird und diese Bewertung auf einer Notierung des strukturierten Finanzinstruments auf einem aktiven Markt basiert (IDW RS HFA 22, Rn. 14 lit. a), – das strukturierte Finanzinstrument dem Handelsbestand von Kredit- oder Finanzdienstleistungsinstituten zugeordnet wurde (IDW RS HFA 22, Rn. 14 lit. b) oder – eine vertraglich vereinbarte unbedingte Kapitalgarantie des Emittenten besteht, mit der das eingesetzte Kapital zum Fälligkeitszeitpunkt garantiert wird, und der Erwerber das strukturierte Finanzinstrument gemäß § 247 Abs. 2 HGB dem Anlagevermögen zugeordnet hat (IDW RS HFA 22, Rn. 14 lit. c). Die Beurteilung, ob eine einheitliche oder getrennte Bilanzierung zu erfolgen hat, ist grundsätzlich zum Zugangszeitpunkt durchzuführen und in den Folgeperioden beizubehalten. Nur bei durch Modifizierung der Vertragsstruktur bedingten wesentlichen Änderungen der Zahlungsströme des strukturierten Produkts, muss eine erneute Beurteilung vorgenommen werden. Die Bilanzierung der als Einheit zu behandelnden strukturierten Produkte beim Erwerber (Gläubiger der Anleihekomponente) erfolgt in Abhängigkeit von der Art des zugrunde liegenden Basisinstruments und den hierfür vorgesehenen Ansatz- und Bewertungsvorschriften (HFA, Strukturierte Finanzinstrumente, S. 456 f.). Die Zugangsbewertung der Vermögensgegenstände hat demnach grundsätzlich zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu erfolgen (§§ 253, 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen272 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 272 Status: Imprimatur 255 HGB). Da sich auch die Folgebewertung an jener des Basisinstruments orientiert, muss eine differenzierte Betrachtung, je nach anfänglicher Zuordnung des Vermögensgegenstandes zum Anlage- oder Umlaufvermögen erfolgen (vgl. Teil A, Abschn. 7.1.5, S. 218). Danach ist ein Vermögensgegenstand des Umlaufvermö gens mit dem Börsen- oder Marktpreis am Abschlussstichtag anzusetzen, sofern dieser ge ringer als die Anschaffungskosten ist (§ 253 Abs. 4 HGB; HFA, Strukturierte Finanzinstrumente, S. 457). Dies gilt unabhängig davon, ob sich die Unterverzinslichkeit der strukturierten Anleihe aus dem eingebetteten Derivat oder Veränderungen des Marktzinsniveaus ergibt (Schaber/Rehm/Märkl/Spies, Strukturierte Finanzinstrumente, S. 15). Häufig wird ein solcher Marktpreis existieren; falls ein verlässlicher Börsen- oder Marktpreis nicht ermittelt werden kann, sind die beizulegenden Zeitwerte der einzelnen Bestandteile des strukturierten Produkts anhand allgemein anerkannter Bewertungsmodelle zu bestimmen und zu einem Gesamtwert zusammenzufassen (HFA, Strukturierte Finanzinstrumente, S. 457; für einen Überblick dieser Bewertungsmodelle vgl. Schaber/Rehm/Märkl/Spies, Strukturierte Finanzinstrumente, S. 130–191). Der beizulegende Wert bildet grundsätzlich den Vergleichsmaßstab, falls es sich um einen dem Finanzanlagevermögen zuzuordnenden Vermögensgegenstand handelt, für den das gemilderte Niederstwertprinzip gilt (§ 253 Abs. 3 Satz 4 HGB). Demnach ergibt sich eine Abschreibungspflicht für unterverzinsliche strukturierte Anleihen dieser Klasse lediglich im Falle einer dauerhaften Wertminderung (zur Diskussion bezüglich dauerhafter Wertminderungen s. Teil A, Abschn. 7.1.5, S. 218 ff.). Mitunter weist der Be griff des beizulegenden Wertes zwar erheblichen Interpretationsspielraum auf (vgl. bspw. Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 253 HGB, Rn. 454 ff.; Brösel/ Olbrich, § 253 HGB, Rn. 577 ff.); bei den hier betrachteten Finanzinstrumenten kann jedoch (i. d. R.) an die Stelle einer tat sächlichen Marktbewertung eine fiktive, nach finanzwirtschaftlichen Methoden auf Basis von Marktparametern (Zinsniveau u. a.) durchgeführte Bewertung, wie sie auch von Marktteilnehmern vorgenommen würde, treten. Insofern sollte der tatsächliche oder fiktive, als beizulegender Wert betrachtete Marktwert des strukturierten Produktes zum Vergleich mit den Anschaffungskosten herangezogen werden, um eine Abschreibungspflicht bzw. -möglichkeit abzuleiten. Hat sich seit dem Erstansatz der Marktwert des strukturierten Produkts positiv entwickelt (überverzinsliche strukturierte Anleihen), so ergeben sich gemäß § 253 Abs. 1 HGB keine Bewertungsanpassungen, da die (fortgeführten) Anschaffungskosten die handelsrechtliche Obergrenze des Ansatzes darstellen. Eine Ausnahme stellt in diesem Falle der durch das BilMoG eingeführte § 340e Abs. 3 Satz 1 HGB dar, der für Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute eine Bewertung von Finanzinstrumenten des Handelsbestands zum beizulegenden Zeitwert (abzüglich eines Risikoabschlags) vorsieht (vgl. Teil A, Abschn. 3.1, S. 102; Teil A Abschn. 7.1.5, S. 221). Sofern also die strukturierten Finanzinstrumente dem Handelsbestand von Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten zugeordnet werden, müssen auch Wertsteigerungen über die Anschaffungskosten hinaus erfolgswirksam verbucht werden. Sollte der Marktwert des gesamten Instrumentes nach einer außerplanmä- ßigen Abschreibung wieder ansteigen, ist es sachgerecht, für einen erneuten 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 273 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 273 Status: Imprimatur Niederstwertvergleich den neuen Marktwert heranzuziehen. Es wird insofern nicht als Verstoß gegen das Niederstwertprinzip betrachtet, wenn der Anstieg einer Wertkomponente des Finanzinstrumentes (partiell) den Wertverlust einer anderen Komponente ausgleicht (vgl. Winkeljohann/Taetzner, Bilanzkommentar, § 280 HGB, Rn. 637 ff., sowie mit Hinweisen auch auf andere Ansichten Adler/ Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 280 HGB, Rn. 13). Die darin teilweise gesehene kompensatorische Bewertung (vgl. Scharpf, Strukturierte Produkte, S. 28) ist insbesondere nicht an Voraussetzungen zu knüpfen, wie sie an Bewertungseinheiten aus zwei oder mehreren selbstän digen Vermögensgegenständen zu richten sind (vgl. hierzu Teil A, Abschn. 7.2.9, S. 286 f.). Ist die strukturierte Anleihe in ihre Komponenten zu zerlegen, hat der Erwerber sowohl das Basisinstrument als auch das eingebettete Derivat nach den hierfür geltenden handelsrechtlichen Grundsätzen jeweils als einzelnen Vermögensgegenstand bzw. Verbindlichkeit zu bilanzieren. Für das Derivat bedeutet dies, dass es wie andere freistehende Derivate die Ansatzkriterien eines Vermögensgegenstandes nach HGB nicht erfüllt und damit als schwebendes Geschäft grundsätzlich nicht bilanziert wird, sofern nicht eine Anfangszahlung als im Preis des Gesamtinstruments enthalten anzunehmen ist (z. B. in Gestalt einer Optionsprämie). Stehen demgegenüber alle Leistungspflichten noch aus, ist lediglich im Falle einer negativen Kursentwicklung des Derivats eine Drohverlustrückstellung zu bilden (vgl. Coenenberg/Haller/Schultze, Jahresabschluss, S. 280). Auch in diesem Falle gilt es die branchenspezifische Ausnahmeregelung des § 340e Abs. 3 HGB zu beachten, wonach Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute bei Zuordnung der strukturierten Produkte zum Handelsbestand auch positive Marktwerte eines Derivats anzusetzen haben. Die Bilanzierung des Basistitels erfolgt entsprechend seiner Art nach den allgemeinen Vorschriften zur Bilanzierung von Forderungen oder Wertpapieren (vgl. Schaber/Rehm/ Märkl/ Spies, Strukturierte Finanzinstrumente, S. 39). Falls von einem Anfangswert des Derivats auszugehen ist, ergeben sich die Anschaffungskosten der beiden Bestandteile aus dem Verhältnis der beiden Einzelzeitwerte (von Basisinstrument und eingebettetem Derivat) und den gesamten Anschaffungskosten des strukturierten Produkts. Ist der Zeitwert des Derivats nicht ermittelbar, so wird dieser auf Basis der Differenz der beizulegenden Zeitwerte des strukturierten Produkts und des Basisinstruments bestimmt. Die Gegenbuchungen zu den aktivierten bzw. passivierten Optionsprämien sind als Rechnungsabgrenzungsposten zu erfassen, wenn diese ein Zinsregulativ zur laufenden Verzinsung des Basisinstruments darstellen (vgl. HFA, Strukturierte Produkte, S. 458). Für die Frage nach einheitlicher oder getrennter Bilanzierung der strukturierten Produkte beim Emittenten (Schuldner der Anleihekomponente) sind dieselben Grundsätze heranzuziehen, die auch beim Erwerber als Kriterien zur Klassifizierung dienen (HFA, Strukturierte Produkte, S. 459). Übersteigt bei einer einheitlich bilanzierten strukturierten Verbindlichkeit der beizulegende Wert in Form des Barwerts sämtlicher zukünftiger Zins- und Tilgungszahlungen aufgrund des eingebetteten Derivats den Rückzahlungsbetrag der Verbindlichkeit, spricht man von einer überverzinslichen strukturierten Verbindlichkeit. Liegt diese vor, gilt es zu untersuchen, ob die dem Erwerber zustehende Vergütung 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen274 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 274 Status: Imprimatur erst bei Fälligkeit ausgezahlt wird. In diesem Falle ist dem gestiegenen Rückzahlungsanspruch durch Zuschreibung der Verbindlichkeit (erhöhter Erfüllungsbetrag) Rechnung zu tragen. Andernfalls muss eine Drohverlustrückstellung gebildet werden (vgl. HFA, Strukturierte Produkte, S. 459; zur Behandlung einfacher Verbindlichkeiten mit alternativer Zuschreibung des Bilanzansatzes vgl. Teil A, Abschn. 13.8, S. 548 f.). Unterverzinsliche Verbindlichkeiten sind dagegen aufgrund des Realisationsprinzips stets zu ihrem, gegenüber diesem Barwert höheren Rückzahlungsbetrag als Erfüllungsbetrag i. S. d. § 253 Abs. 1 HGB anzusetzen (vgl. Schaber/Rehm/Märkl/Spies, Strukturierte Finanzinstrumente, S. 56 f.). Sind die Bestandteile des strukturierten Produkts hingegen getrennt voneinander zu bilanzieren, ist entsprechend dem Vorsichtsprinzip (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB) die ggf. im Finanzinstrument enthaltene Marge in Form der Differenz zwischen dem Emissionserlös der Verbindlichkeit und den beizulegenden Zeitwerten der Einzelbestandteile zeitanteilig über die Laufzeit des strukturierten Produkts erfolgswirksam zu erfassen (vgl. HFA, Strukturierte Produkte, S. 459). Unabhängig von ihrer bilanziellen Behandlung sind die in den strukturierten Produkten eingebetteten Derivate grundsätzlich wie schwebende Geschäfte in der Buchführung gesondert zu dokumentieren, wobei die dem Vertrag zugrunde liegenden Konditionen (z. B. Geschäftspartner, Nominalbetrag, Abschlusstag, Fälligkeitsstruktur, Abschlusskurs, Zinssätze, Basispreise, Risikoart, Optionslaufzeit) anzugeben sind. Zudem ist im Rahmen der Angaben und Erläuterungen zu den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden nach § 284 Abs. 2 HGB auch die Behandlung strukturierter Produkte darzustellen. Im Falle getrennt zu bilanzierender eingebetteter Derivate sind ggf. darüber hinaus die Angabepflichten des § 285 Satz 1 Nr. 19 HGB zu beachten. Die konkrete Bilanzie rung von struk turierten Produkten wird im Folgenden für Options- und Wandelanleihen, unter Berücksichtigung ihrer besonderen Verbindung zur Eigenkapitalsphäre seitens des Emit tenten, sowie für Aktienanleihen dargestellt. Optionsanleihen verbinden die üblichen Gläubigerrechte einer Schuldverschreibung mit dem Recht zum Bezug junger Aktien der emittierenden Gesellschaft (Optionsrecht; vgl. zum Folgenden bspw. Drukarczyk, Finanzierung, S. 414–416). Das Optionsrecht wird entsprechend einer Kaufoption durch Festlegung eines Erwerbspreises sowie einer Ausübungsfrist spezifiziert. Zudem legt das Optionsverhältnis fest, wie viele junge Aktien mit den mit einem bestimmten Anleihebetrag ausgegebenen Optionsrechten erworben werden können. Da sich das Optionsrecht einer solchen Anleihe auf neu zu schaffende Aktien bezieht und von daher bei seiner Ausübung die bestehenden Vermögens- und Stimmrechtsverhältnisse der Altaktionäre tangiert werden, setzt die Begebung einer Optionsanleihe eine bedingte Kapitalerhöhung nach § 192 AktG voraus, die auf der Hauptversammlung mit einer 3/4-Mehrheit des vertretenen Grundkapitals zu beschließen ist (§ 221 Abs. 1 AktG). Die Emissionsbedingungen von Optionsanleihen sehen teilweise vor, dass der das Optionsrecht verbriefende Optionsschein von der Schuldverschreibung getrennt werden kann und dann separat handelbar ist; zum Teil wird eine derartige Trennung aber auch ausgeschlossen. Wandelanleihen sind ähnlich den Optionsanleihen mit einem Be- 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 275 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 275 Status: Imprimatur zugsrecht auf junge Aktien ausgestattet. Im Unterschied zu Letztgenannten geht im Zuge der Ausübung allerdings die Anleihe als solche unter, d. h. sie wird in junge Aktien getauscht bzw. gewandelt, während die Schuldverschreibung bei Optionsanleihen von der Ausübung des Optionsrechtes unberührt bleibt. Die Emissionsbedingungen legen dementsprechend ein Wandlungsverhältnis, die Umtauschfrist sowie gegebenenfalls eine Zuzahlung als Spitzenausgleich fest. Für die Gewährung des einer Wandel- oder Optionsanleihe innewohnenden Rechtes erhält der Emittent eine niedrigere Effektivverzinsung seiner Schuld, die durch eine geringere Nominalverzinsung und/oder einen höheren Ausgabekurs im Vergleich zu identischen Obligationen ohne Optionsrecht realisiert wird. Für die Bilanzierung beim Emittenten ist zu beachten, dass der für Wandlungsund Optionsrechte erzielte Betrag nach § 272 Abs. 2 Nr. 2 HGB in die Kapitalrücklage einzustellen ist und selbst bei Nichtausübung durch die Berechtigten in dieser verbleibt (vgl. Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 272 HGB, Rn. 129; Häuselmann, Wandelanleihen, S. 144 f.). Deshalb ist dieser Betrag – im Unterschied zu der vom HFA vertretenen grundsätzlichen Vorgehensweise – aus dem „Paket“ Wandel- bzw. Optionsanleihe herauszurechnen (vgl. auch HFA, Strukturierte Finanzinstrumente, S. 459). Dazu kann der fiktive Wert einer sonst identischen Anleihe ohne Wandlungs- bzw. Optionsrecht durch Diskontierung der zukünftigen Zahlungen aus der Schuldverschreibung mit einem marktüblichen Zinssatz bestimmt und vom tatsächlichen Ausgabebetrag abgezogen werden (Residualmethode). Die Differenz entspricht dem auf das Recht entfallenden Entgelt (vgl. Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 272 HGB, Rn. 123; IDW, WP-Handbuch 06 I, S. 509; Förschle/Hoffmann, Bilanzkommentar, § 272 HGB, Rn. 180). Unter Zugrundelegung des fiktiven Ausgabebetrages ist der Anleiheteil dann wie eine gewöhnliche Schuldverschreibung, allerdings mit einem durch einen „Davon“-Vermerk getrennten Ausweis unter den „konvertiblen Anleihen“, zu bilanzieren (vgl. zur Bilanzierung von Verbindlichkeiten Teil A, Abschn. 13.8, S. 548 ff.). D. h. zunächst, dass die Obligation in Höhe ihres Erfüllungsbetrages (= Rückzahlungsbetrag) als Verbindlichkeit unter den konvertiblen Anleihen (§ 266 Abs. 3 C. 1 HGB) zu passivieren ist. In Höhe eines noch verbleibenden Agios ist ein passiver Rechnungsabgrenzungsposten zu bilden, der ratierlich über die Laufzeit hinweg aufgelöst wird. Für den wahrscheinlicheren Fall, dass sich nach Herausrechnung des Optionswertes ein Disagio ergibt, kann dieses handelsrechtlich nach § 250 Abs. 3 HGB aktivisch in einen Rechnungsabgrenzungsposten eingestellt oder sofort als Zinsaufwand verbucht werden. Steuerlich ist die Aktivierung zwingend (vgl. BFH vom 19. 1. 1978, BStBl. II 1978, S. 262). Bei Ausübung des Optionsrechts der Optionsanleihe wird der durch die Ausgabe der jungen Aktien eingehende Betrag in Höhe des Nennwertes oder des rechnerischen Wertes in das gezeichnete Kapital, der verbleibende Betrag in die Kapitalrücklage eingestellt. Die Ausübung des Wandlungsrechts bewirkt ebenfalls eine analoge Erhöhung des Grundkapitals und der Kapitalrücklage, wobei zugleich die nun gewandelte und somit nicht mehr bestehende Verbindlichkeit auszubuchen ist. Hinsichtlich der Bilanzierung beim Erwerber ist zunächst zu überprüfen, ob die Komponenten Anleihe und Options- bzw. Wandlungsrecht für die Bewer- 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen276 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 276 Status: Imprimatur tung ebenfalls getrennt werden müssen. Bei denjenigen Optionsanleihen, bei denen der Optionsschein vom Anleiheteil abtrennbar ist, ist dies sachgerecht und auch vom Hauptfachausschuss des IDW vorgesehen (vgl. HFA, Strukturierte Produkte, S. 455). Im Falle eines separat handelbaren und dadurch einzeln verwertbaren Optionsscheines ist grundsätzlich von zwei auch hinsichtlich ihres Bilanzausweises zu trennenden Vermögensgegenständen auszugehen, wobei der Optionsschein in Bezug auf die Bilanzierung wie eine Kaufoption zu behandeln ist (Ausweis im Umlaufvermögen unter den sonstigen Vermögensgegenständen oder den sonstigen Wertpapieren, im Anlagevermögen unter den immateriellen Vermögensgegenständen; vgl. Teil A, Abschn. 7.2.6.1, S. 244 ff.). Bei der Bestimmung der Anschaffungskosten des Optionsscheines kann wie beim Emittenten vorgegangen und der gesuchte Wert als Residualgröße zum Ausgabewert einer fiktiven Anleihe ohne Optionselement ermittelt werden. Im Falle einer Optionsanleihe mit einem nicht abtrennbaren Optionsschein bzw. bei einer Wandelanleihe kann für die Frage nach einem einheitlichen oder getrennten Bilanzansatz von Options- und Anleihekomponente, soweit noch keine Ausübung erfolgte, wiederum der IDW RS HFA 22 herangezogen werden. Zu berücksichtigen ist, dass das eingebettete Derivat im Falle von Options- bzw. Wandelanleihen im Vergleich zum Basisinstrument, welches dem Zinsänderungsrisiko unterliegt, zusätzlichen Marktpreisrisiken ausgesetzt ist (vgl. IDW RS HFA 22, Rn. 16 lit. a). Demnach ist grundsätzlich ein getrennter Ansatz von Anleihe und Optionsprämie vorzunehmen, wobei wie im Falle eines separierbaren Optionsscheins vorzugehen ist (vgl. S. 273; Teil A, Abschn. 7.2.6.1, S. 244 ff.; zu den Schwierigkeiten der Identifikation der einzelverwertbaren Komponenten des strukturierten Produkts vgl. Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 246 HGB, Rn. 20 ff.; Bertsch/Kärcher, Derivate, S. 554 f.; zu beachten sind ggf. die Ausnahmefälle nach IDW RS HFA 22, Rn. 13 f.). Die Ausübung des Options- oder Wandlungsrechts bewirkt ei nen Zugang von Aktien, dem ein Abgang von Kasse oder Bank (Optionsanleihe) bzw. des Betrages der Wan delanleihe gegenübersteht, wobei auch im Falle von Wandelanleihen durch die Zahlung eines Spitzenausgleiches Kasse oder Bank betroffen sein können. Die Anschaffungskosten der Ak tien bestimmen sich bei der Optionsanleihe nach dem zu zahlenden Erwerbspreis zuzüglich des für das Optionsrecht bei Erwerb der Anleihe aufgewendeten Betrages, der analog der Be handlung beim Emittenten zu berechnen ist. Die durch Ausübung des Wandlungsrechtes zu gehenden Aktien sind mit dem untergehenden Anleihebetrag ebenfalls zuzüglich des für das Wandlungsrecht aufgewendeten Betrages als Anschaffungskosten zu bewerten. Entspre chend dieser Vorgehensweise ergibt sich das Disagio der Anleihe nach Abzug des rechneri schen Wertes für das Options- bzw. Wandlungsrecht. Das Disagio ist als Zinsertrag zeitantei lig über die Laufzeit zu erfassen. Dabei wird hier davon ausgegangen, dass die Anschaffungs kosten der Anleihe durch entsprechende Zuschreibung fortgeführt werden (vgl. diesbezüglich Fülbier/Kuschel/Selchert, § 252 HGB, Rn. 96; Windmöller, Nominalwert, S. 695; anders insbesondere Ellrott/Brendt, Bilanzkommentar, § 255 HGB, Rn. 255). Im Folgenden soll die Bilanzierung einer Optionsanleihe mit einem nicht abtrennbaren Optionsschein sowie einer Wandelanleihe bei einheitlichem Bi- 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 277 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 277 Status: Imprimatur lanzansatz von Anleihe und Optionsschein am Beispiel dargestellt werden. Grundlage hierfür ist die Annahme, dass die Anleihen gemäß § 253 Abs. 3 und 4 HGB am Abschlussstichtag mit dem niedrigeren Wert aus beizulegendem Wert und fortgeführten Anschaffungskosten bewertet werden und die Bewertung auf einer Notierung der Anleihen auf einem aktiven Markt basiert (zu den Kriterien eines aktiven Marktes vgl. HFA, Bilanzierung von Finanzinstrumenten, S. 326). Damit ist der Ausnahmetatbestand des IDW RS HFA 22, Rn. 14 lit. a) erfüllt, der eine einheitliche Bilanzierung nach sich zieht. Beispiel: Die Groß AG emittiert am 1. 4. 09 zum Kurs von 99 % eine Optionsanleihe mit Nennbetrag von 20 Mio. € in einer Stückelung von 1.000 € Nennbetrag je Teilschuldverschreibung. Mit einer Teilschuldverschreibung ist das nicht abtrennbare Recht zum Erwerb von 10 jungen Stammaktien der Groß AG zum Preis von 30 € je Stück (Nennwert 10 €) verbunden; insgesamt werden also Rechte zum Erwerb von 200.000 jungen Aktien ausgegeben. Optionsfrist und Laufzeit der Anleihe sind identisch und betragen 4 Jahre (Rückzahlung zu 100 %). Der Nominalzinssatz ist 4 % p. a. bei jährlicher Zinszahlung. Der Marktzinssatz beträgt 5 % p. a. für Laufzeiten von einem bis vier Jahre. Zeitgleich begibt die Mutabor AG zum gleichen Kurs von 99 % eine Wandelanleihe mit einem Volumen von 10 Mio. € Nennwert, in einer Stückelung zu 500 € und mit einer jährlichen Zinszahlung von 4 % auf den nicht gewandelten Anleihebetrag. Die Wandlungsbedingungen gestatten dem Besitzer einer Teilschuldverschreibung, den Nennbetrag von 500 € in 50 junge Aktien (Nennwert 1 €) der Mutabor AG ohne Zuzahlung zu tauschen. Wandlungsfrist und Laufzeit der Anleihe betragen 4 Jahre. Die Glücklich AG erwirbt Teilschuldverschreibungen der Optionsanleihe in Höhe von 200.000 € sowie der Wandelanleihe über 300.000 € Nennwert. Die Notierungen der Options-(Wandel-)anleihe lauten für den 31. 12. 09: 101 % (102 %), für den 31. 12. 10 und den 31. 12. 11 jeweils 98 % (101 %) sowie am 31. 12. 12: 104 % (106 %). Das allgemeine Marktzinsniveau bleibt konstant bei 5 % p. a. Das sich nach Herausrechnung des Options- bzw. Wandlungsrechts ergebende Disagio von jeweils (1 + 2,546) % = 3,546 % wird von der Glücklich AG (vereinfachend) gleichmäßig über die Laufzeit als Zinsertrag erfasst. Die Anschaffungskosten der Wertpapiere werden entsprechend fortgeführt. Am 1. 4. 13 werden die Optionsscheine ausgeübt und der Anleihebetrag von der Groß AG zurückgezahlt. Zugleich machen die Inhaber der Wandelungsrechte gegenüber der Mutabor AG hiervon Gebrauch. Die Bilanzierung sieht wie folgt aus (Beträge in €): Am 1. 4. 09: Emittent Groß AG bucht: Bank Zinsaufwand 19,81 Mio. 0,71 Mio. an Konvertible Anleihen Kapitalrücklage 20,00 Mio. 0,51 Mio. Der zum Marktzinssatz berechnete Kurs des Anleiheteils beträgt 96,454 %, so dass die Differenz zum Ausgabekurs von 99 % multipliziert mit dem Nennwert der Anleihe dem in die Kapitalrücklage einzustellenden Betrag entspricht. Die Herausrechnung des Optionswertes ergibt ein Disagio der Anleihe in Höhe von 3,546 % des Nennwertes. Die Unternehmung entscheidet sich für eine sofortige Aufwandsverrechnung des Disagios. 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen278 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 278 Status: Imprimatur Emittent Mutabor AG bucht analog: Bank Zinsaufwand 9,9111 Mio. 0,3546 Mio. an Konvertible Anleihen Kapitalrücklage 10,0000 Mio. 0,2546 Mio. Die Glücklich AG ordnet die erworbenen Teilschuldverschreibungen dem Umlaufvermögen zu und bucht: Wertpapiere (Optionsanleihe) 198.000 an Bank 198.000 Wertpapiere (Wandelanleihe) 297.000 an Bank 297.000 Für die Bilanzierung zu den nachfolgenden Abschlussstichtagen (31. 12. 09 – 31. 12. 12) ergibt sich, zumal aufgrund des konstant gebliebenen Marktzinsniveaus, für die Emittenten kein Anlass zur Anpassung der ausgewiesenen Verbindlichkeitsbeträge nach dem Höchstwertprinzip. Die gegenüber dem Ausgabekurs höheren nachfolgenden Kurse sind vielmehr auf Wertänderungen der Optionselemente zurückzuführen. Lediglich die jährlichen Zinszahlungen sind zu erfassen bzw. periodengerecht abzugrenzen: Am 31. 12. 09/10/11/12: für die Groß AG: Zinsaufwand 0,6 Mio. an sonstige Verbindlichkeiten 0,6 Mio. für die Mutabor AG: Zinsaufwand 0,3 Mio. an sonstige Verbindlichkeiten 0,3 Mio. Am 1. 4. 10/11/12: für die Groß AG: Zinsaufwand sonstige Verbindlichkeiten 0,2 Mio. 0,6 Mio. an Bank 0,8 Mio. für die Mutabor AG: Zinsaufwand sonstige Verbindlichkeiten 0,1 Mio. 0,3 Mio. an Bank 0,4 Mio. Für die Glücklich AG ist allerdings zu beachten, dass sich aus dem Marktwertvergleich eine Abschreibung zum 31. 12. 10 ergibt und der sich ergebende Buchwert zum 31. 12.  11 beibehalten und erst zum 31. 12. 12 wegen des inzwischen wieder angestiegenen Marktwertes durch Zuschreibung erhöht wird. Hinsichtlich der Höhe der Abschreibung ist zu berücksichtigen, dass die fortgeführten Anschaffungskosten durch die Verteilung des Disagios pro rata temporis zum 31. 12. 10 einem Kurs von 100,55 % entsprechen (99 % + 3,546 % (Disagio) × 1,75 Jahre/4 Jahre). Unter Berücksichtigung der sich ergebenden Zinszahlungen und deren zeitlicher Abgrenzung lauten die Buchungen der Glücklich AG: am 31. 12. 09 aus der Optionsanleihe: Wertpapiere (Optionsanleihe) sonstige Forderungen 1.329,75 6.000,00 an Zinsertrag 7.329,75 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 279 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 279 Status: Imprimatur aus der Wandelanleihe: Wertpapiere (Wandelanleihe) sonstige Forderungen 1.994,62 9.000,00 an Zinsertrag 10.994,62 am 31. 12. 10/11/12: aus der Optionsanleihe: Wertpapiere (Optionsanleihe) sonstige Forderungen 1.773,00 6.000,00 an Zinsertrag 7.773,00 aus der Wandelanleihe: Wertpapiere (Wandelanleihe) sonstige Forderungen 2.659,50 9.000,00 an Zinsertrag 11.659,50 am 1. 4. 10/11/12: aus der Optionsanleihe: Bank 8.000,00 an sonstige Forderungen Zinsertrag 6.000,00 2.000,00 aus der Wandelanleihe: Bank 12.000,00 an sonstige Forderungen Zinsertrag 9.000,00 3.000,00 Zusätzlich: am 31. 12. 10: Abschreibungen auf Wertpapiere des UV 5.102,75 an Wertpapiere (Optionsanleihe) 5.102,75 am 31. 12. 11: (Abschreibung der nachträglichen Anschaffungskosten in Form des periodisierten Disagios) Abschreibungen auf Wertpapiere des UV 1.773,00 an Wertpapiere (Optionsanleihe) 1.773,00 am 31. 12. 12: Wertpapiere (Optionsanleihe) 6.875,75 an sonstiger betrieblicher Ertrag 6.875,75 Am 1. 4. 13: Emittent Groß AG bucht die Rückzahlung der Anleihe, die letzte Zinszahlung sowie die Ausgabe junger Aktien: sonstige Verbindlichkeiten Zinsaufwand Konvertible Anleihen 0,6 Mio. 0,2 Mio. 20,0 Mio. an Bank Gezeichnetes Kapital Kapitalrücklage 14,8 Mio. 2,0 Mio. 4,0 Mio. 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen280 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 280 Status: Imprimatur Emittent Mutabor AG bucht die Wandelung der Anleihe, die letzte Zinszahlung sowie die Ausgabe junger Aktien: sonstige Verbindlichkeiten Zinsaufwand Konvertible Anleihen 0,3 Mio. 0,1 Mio. 10,0 Mio. an Bank Gezeichnetes Kapital Kapitalrücklage 0,4 Mio. 1,0 Mio. 9,0 Mio. Schließlich bucht die Glücklich AG: zur Optionsanleihe: Wertpapiere (Aktien Groß AG) Bank 65.092 148.000 an Zinsertrag sonstige Forderungen Wertpapiere (Optionsanleihe) 2.443,25 6.000,00 204.648,75 zur Wandelanleihe: Wertpapiere (Aktien Mutabor AG) Bank 307.638 12.000 an Zinsertrag sonstige Forderungen Wertpapiere (Optionsanleihe) 3.664,88 9.000,00 306.973,12 Aktienanleihen stellen eine Schuldverschreibung dar, bei der dem Emittenten das Recht eingeräumt wird, am Ende der Laufzeit anstelle der Tilgung des Anleihebetrages in Geld dem Gläubiger eine spezifizierte Anzahl von Aktien einer bestimmten Gattung zu übereignen. Wirtschaftlich betrachtet, verbindet die Aktienanleihe aus Sicht des Emittenten eine Kreditaufnahme mit dem Kauf einer Verkaufsoption (Put) auf den Basiswert (Aktien). Der Gläubiger der Anleihe nimmt damit zugleich eine Stillhalterfunktion bezüglich des Puts ein. Als Ausgleich für das dem Emittenten eingeräumte Tilgungsrecht muss dieser einen gegenüber dem Marktzinsniveau für gewöhnliche Schuldverschreibungen erhöhten Schuldzinssatz bezahlen. Die Optionsprämie kann bspw. als im Rahmen der laufenden Zinszahlungen erbracht gelten. Sie kann auch als barwertig, d. h. im Ausgabekurs, verrechnet betrachtet werden, indem den relativ zum Marktzinsniveau hohen Zinszahlungen kein bei einer gewöhnlichen, nicht-strukturierten Anleihe angemessenes Agio gegenübersteht. Aktienanleihen bieten dem Emittenten die Möglichkeit, durch ein entsprechend weites Marktangebot in der Aggregation auch große Stillhalter-Gegenpositionen zu generieren. Trotz der Vielzahl von Vertragspartnern, die jeweils eine solche Stillhalterposition einnehmen, braucht dabei deren individuelle Bonität nicht berücksichtigt zu werden, da durch die Konstruktion des Finanzinstrumentes bereits sichergestellt ist, dass der Ausübungswert der Verkaufsoption durch inhärente Verrechnung mit der eigenen Rückzahlungsverpflichtung dem Emittenten zugute kommt. Faktisch dient der vom Gläubiger aufgebrachte Anleihebetrag damit als Sicherheit für die vollständige Erfüllung etwaiger Verpflichtungen aus der Stillhalterposition. Ein weiterer Beweggrund für die Emission von Aktienanleihen mag auch in der besonderen Attraktivität des Finanzproduktes liegen, das dem privaten Anleger das Eingehen der Risikoposition eines Optionsstillhalters gestattet. Wegen der Komplexität des Produktes kann sich für ihn dabei 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 281 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 281 Status: Imprimatur allerdings die Frage nach der Angemessenheit der Anleihebedingungen als problematisch erweisen. Ebenso wie bei den Options- und Wandelanleihen sind die Bestandteile der Aktienanleihe (Anleihe (long/short) mit Verkaufsoption (short/long)) grundsätzlich getrennt voneinander zu bilanzieren. Dies ergibt sich wiederum aufgrund der Tatsache, dass das Trägerinstrument (Anleihe) mit einem derivativen Finanzinstrument (Verkaufsoption) verbunden ist, welches gegenüber der Anleihekomponente zusätzlichen (Marktpreis-)Risiken, hier insbesondere in Gestalt des Aktienkursrisikos, ausgesetzt ist (vgl. Scharpf/Schaber, Bankbilanz, S. 537). Es liegt nahe, die Trennung der Komponenten barwertig vorzunehmen. Dies bedeutet, dass der Optionswert als in voller Höhe bei Geschäftsabschluss entrichtet gilt. Folglich ist der aus Sicht des Erwerbers der Anleihe entrichtete Kaufpreis als Nettobetrag des Kaufpreises des reinen Anleiheteils abzüglich der erhaltenen Optionsprämie zu verstehen. Aus der entsprechenden Rückrechnung des Optionswertes entsteht dann gewöhnlich eine Zahlungsreihe für die Anleihekomponente, welche durch hohe Nominalzinsen und ein hohes Aufgeld geprägt ist. Bspw. könnte eine zweijährige Aktienanleihe mit Nominalbetrag 100 GE und Nominalzinssatz von 6 % p. a. zu 100 % ausgegeben und – bei Nicht-Ausübung des Optionsrechts – auch zu 100 % zu tilgen sein. Bei einem Zinsniveau von 4 % p.a. für gewöhnliche Anleihen ohne Sonderausstattung, würde dann eine mit einem 6 %-Kupon ausgestattete Anleihe 103,77 GE kosten. Sie würde also ein Aufgeld von 3,77 GE aufweisen. Da die Aktienanleihe in diesem Beispiel jedoch zu 100 % emittiert wird, ist die Differenz, also das gesamte Aufgeld von 3,77 GE, als Wert des Optionsrechts im Emissionszeitpunkt zu betrachten. Allerdings entbehrt dieses Vorgehen nicht einer gewissen Willkür, zumal die Vertragsbedingungen schwerlich eine Beschreibung hinsichtlich der impliziten Verrechnung der Optionsprämie enthalten werden. Eine alternative Interpretation hinsichtlich der Aufbringung der Optionsprämie könnte darin bestehen, dass diese als kontinuierlich im Rahmen der Nominalzinszahlungen aufgebracht gilt. Der Anleiheschuldner und zugleich Inhaber des Optionsrechts würde dann zu jedem der beiden Zinstermine jeweils 2 GE der gesamten „Nominalzins“-Zahlung von 10 GE nicht als Zins, sondern als Optionsprämie leisten, die somit grundsätzlich zu aktivieren wären. Allerdings würde diese zweite Interpretation aufgrund des Vorsichtsprinzips zu einer komplexen Folgebilanzierung hinsichtlich des Optionselementes führen. Sie soll deshalb nicht weiterverfolgt werden. Stattdessen wird auf die erste Variante eines barwertigen Ansatzes der Optionsprämie abgestellt. Für Emittent und Erwerber sind die beiden getrennten Komponenten nach den jeweils anzuwendenden Bilanzierungsvorschriften zu behandeln. Für den Emittenten ist die Anleihekomponente entsprechend als Verbindlichkeit mit ihrem Erfüllungsbetrag nach § 253 Abs. 1 Satz 2 HGB zu passivieren (vorzugsweise unter den Anleihen nach § 266 Abs. 3 C.1 HGB). Das sich aufgrund der barwertigen Trennung üblicherweise einstellende Agio ist über einen passiven Rechnungsabgrenzungsposten zeitlich abzugrenzen (– im seltenen Falle eines verbleibenden Disagio kommt das Wahlrecht einer Aktivierung oder sofortigen aufwandswirksamen Verbuchung nach § 250 Abs. 3 HGB zum Tragen). Die 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen282 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 282 Status: Imprimatur Auflösung des passiven Rechnungsabgrenzungspostens kompensiert partiell die in der Folge auftretenden Nominalzinszahlungen, so dass per Saldo ein für die Verbindlichkeitenhöhe „angemessener“ Zinsaufwand entsteht. Darüber hinaus ist die Inhaberposition hinsichtlich der Verkaufsoption durch den Ansatz eines sonstigen Vermögensgegenstandes im Umlaufvermögen (§ 266 Abs. 2 B.II.4 HGB) respektive einer sonstigen Ausleihung im Anlagevermögen (§ 266 Abs. 2 A.III.6 HGB) abzubilden. Die Folgebewertungen entsprechen dem üblichen Vorgehen. Bei Fälligkeit sind die Positionen aufzulösen. Wird hierbei die Option nicht ausgeübt, so ist die Verbindlichkeit mit dem Erfüllungsbetrag gegen den im Betrag korrespondierenden Abgang aus dem Bankguthaben zu buchen. Ein Restbuchwert der Option ist aufwandswirksam auszubuchen. Im Falle der Ausübung der Option mit physischer Lieferung wird der Emittent die notwendige Anzahl der zugrunde liegenden Aktien zunächst im Bestand vorhalten. Er bucht diesen Bestand zusammen mit dem Restbuchwert der Option gegen den Abgang der Anleihenverbindlichkeit aus, wodurch sich ein positiver oder negativer Abgangserfolg einstellen wird. Die Bilanzierung beim Erwerber der Aktienanleihe erfolgt entsprechend spiegelbildlich zum Vorgehen beim Emittenten. Der Erwerber aktiviert im Zugangszeitpunkt die Anleihe als Vermögensgegenstand mit deren Anschaffungskosten, welche das Agio einschließen. Ein (entstehendes) Agio ist in der Folge ratierlich abzuschreiben. Zugleich bucht der Erwerber im Anschaffungszeitpunkt die Optionsverpflichtung als sonstige Verbindlichkeit (§ 266 Abs. 3 C.8 HGB). Hinsichtlich der Folgebewertung sind die hohen Nominalzinszahlungen als Zinsertrag zu erfassen. Dieser Erfolg wird gegebenenfalls, aber keineswegs zwingend durch einen Anstieg des Optionswertes und eine damit verbundene Aufwandsverbuchung aus der Bildung einer entsprechenden Drohverlustrückstellung partiell kompensiert oder sogar überkompensiert. Die separate Folgebilanzierung wird durch die Ausbuchung der Positionen bei Fälligkeit abgeschlossen. Im Falle der Nicht-Ausübung der Option durch den Emittenten erhält der Erwerber den Anleihebetrag zurück. Er bucht demgemäß den Geldeingang gegen die Anleiheforderung. Zugleich ist der Verbindlichkeitenansatz aus der Optionsverpflichtung ebenso wie eine gegebenenfalls noch vorhandene Drohverlustrückstellung erfolgswirksam aufzulösen. Wird die Option hingegen durch den Emittenten ausgeübt, so erfolgt der Aktienzugang zusammen mit der Ausbuchung der Optionsverbindlichkeit und der Drohverlustrückstellung gegen den Abgang des Anleihebuchwertes. Allerdings wird damit lediglich der Buchwert des Aktienbestandes unter Berücksichtigung der Wertverhältnisse des letzten Bilanzstichtages, die die Höhe der ggf. vorhandenen Drohverlustrückstellung bestimmen, abgebildet; es werden jedoch nicht die für die Folgebewertung der Aktien relevanten Anschaffungskosten des Bestandes bestimmt. Hinsichtlich der Höhe der Anschaffungskosten ist auf die Regelungen des Erwerbs von Aktien über Optionen zurückzugreifen (vgl. hierzu Teil A, Abschn. 7.2.6.1, S. 244 f.). Danach bestimmen sich die Anschaffungskosten einer Aktie aus dem Basispreis einer zugehörigen Option abzüglich der dafür erhaltenen Prämie. Der Basispreis einer Option auf eine Aktie ergibt sich aus dem Verhältnis von Nominalbetrag der Anleihe und der vertraglich festgelegten Anzahl der zu liefernden Aktien (vgl. Bertsch, Strukturierte Produkte, S. 557). 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 283 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 283 Status: Imprimatur Die Verbuchung bei Emittent und Erwerber soll im folgenden Beispiel, welches die zuvor skizzierte Situation aufgreift, verdeutlicht werden. Beispiel: Am 1. 1. 09 emittiert die Universal Bank AG eine Aktienanleihe im Nennwert von 1 Mio. € mit Ausgabekurs 100 %, jährlichen (nominalen) Zinszahlungen in Höhe von 6 % sowie einer Laufzeit von zwei Jahren (Fälligkeit 31. 12. 10). Die Universal Bank AG erhält das Recht, anstelle des Anleihebetrages am Ende der Laufzeit 10.000 Aktien der New Market AG zu liefern (Verkaufsoption mit Basispreis = 100 €/Aktie). Der marktgerechte Zinssatz ohne Optionsrecht beträgt 4 % p. a. Die Universal Bank AG hat am 31. 12. 10 einen Bestand von 10.000 Aktien der New Market AG mit einem Buchwert zu diesem Zeitpunkt von 900.000 €. Da die Verkaufsoption auch als separate Option handelbar ist, ist ihr Marktwert laufend verfügbar; er beträgt danach am 31. 12. 09 40.000 €. Die Aktienanleihe wird im Emissionszeitpunkt von der Invest AG im Umfang von 10.000 € Nominalbetrag erworben. Zur Bemessung der Höhe einer etwaigen Drohverlustrückstellung aus der Optionsverpflichtung greift die Invest AG auf einen Marktwertvergleich zurück. Am 31. 12. 10 soll der Aktienkurs der New Market AG entweder 120 € (Fall a) oder 40 € (Fall b) betragen. Die Marktzinsentwicklung bis zum 31. 12. 09 sei sowohl für die Bewertung der aktivischen Anleihekomponente bei der Invest AG als für die Bewertung der Anleiheverbindlichkeit bei der Universal AG unbeachtlich. Die Buchungen der Universal Bank AG als Emittentin lauten (Beträge in €): am 1. 1. 09: Bank 1.000.000,00 an Verbindlichkeiten (Anleihen) 1.000.000,00 Sonstige Vermögensgegenstände (Verkaufsoption) 37.721,89 an passive Rechnungsabgrenzung 37.721,89 am 31. 12. 09: Zinsaufwand Rechnungsabgrenzung 41.139,05 18.860,95 an Bank 60.000,00 Eine Abschreibung auf die Option ist nicht vorzunehmen, da der beizulegende Wert bzw. Marktwert der Option höher ist als ihre Anschaffungskosten. am 31. 12. 10: Fall a: Die Universal Bank AG übt ihre Verkaufsoption nicht aus und zahlt den Anleihebe trag zurück. Zinsaufwand passive Rechnungsabgrenzung Verbindlichkeiten (Anleihen) Verlust aus dem Abgang von Finanzinstrumenten 41.139,05 18.860,95 1.000.000,00 37.721,89 an Bank Sonstige Vermögensgegenstände (Verkaufsoption) 1.060.000,00 37.721,89 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen284 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 284 Status: Imprimatur Fall b: Die Universal Bank AG übt ihre Verkaufsoption aus und begleicht ihre Verbindlichkeit durch die Lieferung der Aktien der New Market AG. Zinsaufwand passive Rechnungsabgrenzung Verbindlichkeiten (Anleihen) 41.139,05 18.860,95 1.000.000,00 an Aktienbestand (New Market AG) Bank Sonstige Vermögensgegenstände (Verkaufsoption) Ertrag aus Finanzinstrumenten 900.000,00 60.000,00 37.721,89 62.278,11 Die Buchungen der Invest AG als Erwerberin lauten (Beträge in €): am 1. 1. 09: Anleihen 10.377,22 an Bank Sonstige Verbindlichkeiten (Verkaufsoption) 10.000,00 377,22 am 31. 12. 09: Zinseingang und Fortführung des Anleihebuchwertes: Bank 600,00 an Zinsertrag Anleihen (ratierliche Auflösung des Agio) 411,39 188,61 Bildung der Drohverlustrückstellung zur Optionsverpflichtung: Sonstige betriebliche Aufwendungen 22,78 an Sonstige Rückstellungen 22,78 am 31. 12. 10: Fall a: Die Universal Bank AG übt ihre Verkaufsoption nicht aus, so dass die Invest AG aus der Optionsverpflichtung nicht in Anspruch genommen wird und den Anleihebetrag zurückerhält. Optionsverbindlichkeit und Drohverlustrückstellung sind erfolgswirksam auszubuchen. Bank Sonstige Verbindlichkeiten (Verkaufsoption) Sonstige Rückstellungen 10.600,00 377,22 22,78 an Zinsertrag Anleihen Sonstiger betrieblicher Ertrag 411,39 10.188,61 400,00 Fall b: Die Universal Bank AG übt ihre Verkaufsoption aus, so dass die Invest AG die Aktien anstelle des Anleihebetrages erhält. Bank Sonstige Verbindlichkeiten (Verkaufsoption) Sonstige Rückstellungen Aktien (New Market AG) 600,00 377,22 22,78 9.600,00 an Zinsertrag Anleihen 411,39 10.188,61 Als historische Anschaffungskosten des Aktienpaketes der New Market AG gelten für die Invest AG der Basispreis in Höhe von 10.000 abzüglich der Optionsprämie in Höhe von 377,22, also ein Wert von 9.622,78. 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 285 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 285 Status: Imprimatur 7.2.9 Bewertungseinheiten Die deutsche Rechnungslegung ist in hohem Maße vom Vorsichtsgedanken getragen. Insbesondere dem Schutz der Unternehmensgläubiger dient das Bestreben, in Zweifelsfällen von einer eher ungünstigen Lage bzw. Entwicklung des Unternehmens auszugehen. Es soll damit eine zu hohe Ausschüttung an die Unternehmenseigner und somit ein Entzug von notwendigem Haftungskapital gegenüber den Gläubigern vermieden werden. Folglich neigt eine vorsichtige Bewertung der Vermögensgegenstände dazu, diesen einen geringeren buchhalterischen Wert zuzuweisen als wirtschaftlich vorhanden ist bzw. erwartet wird. Bei Schulden geht die Tendenz entsprechend zu einer Überbewertung. Analoges gilt für die Änderungen der Bestände. Erträge werden erst nach ihrer Realisation (durch Umsätze) ausgewiesen, Verluste sind, soweit absehbar, zu antizipieren (vgl. Teil A, Abschn. 1.2.2.2, S. 34 f.). Das Realisationsprinzip für die Gewinne bzw. das Imparitätsprinzip für die Verluste gelten stets für einen einzelnen Vermögensgegenstand bzw. eine einzelne Schuldposition; jedes Bilanzierungsobjekt ist demnach einzeln zu bewerten (§ 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB). Ein Abweichen von diesem Einzelbewertungsgrundsatz ist nur in begründeten Ausnahmefällen zulässig (§ 252 Abs. 2 HGB). Somit hängen das Realisations- und Imparitätsprinzip einerseits und der Einzelbewertungsgrundsatz andererseits aufs engste zusammen (vgl. Kupsch, Einzelbewertungsprinzip, S. 341 f.). Bei einer restriktiven Anwendung des Einzelbewertungsgrundsatzes müsste jedes einzelne Gut, das selbständig verkehrsfähig bzw. einzelverwertbar ist, also jeder Vermögensgegenstand (vgl. Kußmaul, § 246 HGB, Rn. 5 ff.; Kupsch, Einzelbewertungsprinzip, S. 342; Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 246 HGB, Rn. 13 ff.), für sich, folglich ohne Verbindung mit anderen Bilanzierungspositionen bewertet werden. Eine solche enge Auslegung des Einzelbewertungsgrundsatzes würde aber dem wirtschaftlichen Gehalt zahlreicher aktueller Bilanzierungssituationen nicht gerecht; sie widerspräche zum Teil sogar dem für Kapitalgesellschaften kodifizierten Grundsatz des true and fair view (§ 264 Abs. 2 HGB). Dies zeigt sich eindringlich bei den vorausgehend dargestellten Finanzinnovationen (Teil A, Abschn. 7.2.5–7.2.7, S. 238 ff.): Diese finanziellen Kontrakte werden vielfach einzig im Hinblick auf ein anderes Geschäft, das bilanziell einen Vermögensgegenstand oder eine Schuldposition darstellt, abgeschlossen. Sie dienen dann der wirtschaftlichen Modifikation der Wirkungen dieses Grundgeschäftes. Liegt ihre Funktion in der Eliminierung von Risiken des zugrunde liegenden Geschäftes, würde eine isolierte Bewertung bei ungünstiger Entwicklung des Grundgeschäftes u. U. einen Verlust antizipieren, der realiter nicht eintreten, vielmehr durch das Sicherungsgeschäft kompensiert würde. So kann der Kauf von Verkaufsoptionen (Sicherungsgeschäft) dazu eingesetzt werden, dass der Veräußerungserlös eines Aktienbestandes (Grundgeschäft) nicht unter einen über den Basispreis bestimmbaren Wert fällt. Der Zwang zur imparitätischen Berücksichtigung des Verlustes aus dem Grundgeschäft einerseits und des Gewinnes aus dem Sicherungsgeschäft andererseits wäre durch das Vorsichtsprinzip hier nicht mehr zu rechtfertigen und von daher zu verwerfen. Anstelle einer strengen Einzelbewertung von 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen286 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 286 Status: Imprimatur Optionen und Aktienbestand kann es dann sinnvoll sein, beide Positionen in einer Bewertungseinheit, die dann auch als Micro-Hedge bezeichnet wird, zu verbinden. Auf diese bzw. vergleichbare Sachverhalte stellen auch die in der Literatur anzutreffenden Begriffe der kompensatorischen Bewertung (vgl. Möhler, Absicherung, S. 87 f.) oder der geschlossenen Position ab. Die Wirkung der Bewertungseinheit besteht darin, dass buchhalterische Verluste einer oder mehrerer Positionen nicht ausgewiesen werden, wenn und soweit sie gleichzeitig durch noch nicht realisierte, daher an sich nicht ausweisbare Gewinne anderer Positionen ausgeglichen werden (so gemäß der sog. Einfrierungsmethode, s. S. 290 f.). Dabei ist nicht ausschließlich an bilanzierte Positionen zu denken. Die Bewertungseinheit kann sich anteilig auch aus bilanz unwirksamen Geschäften, wie beispielsweise bei manchen Termingeschäften der Fall, zusammensetzen (antizipative Transaktionen, s. u.). Darüber hinaus werden Prinzipien, die dem Vorsichtsgedanken Rechnung tragen, nicht außer Kraft gesetzt; insbesondere gilt weiterhin das Anschaffungskostenprinzip, das nunmehr allerdings auf die Gesamtheit der in die Bewertungseinheit einbezogenen Positionen anzuwenden ist. Vor der Einführung des BilMoG war die Bilanzierung von Bewertungseinheiten im deutschen Handelsrecht nicht gesetzlich geregelt. Lediglich für Fremdwährungsgeschäfte von Kreditinstituten war nach § 340h HGB ausdrücklich eine kompensatorische Bewertung zugelassen (vgl. zu den Besonderheiten der Fremdwährungsumrechnung bzw. der Sicherungsgeschäfte bei Kreditinstituten BFA, Fremdwährungsumrechnung, sowie Bieg, Bankbilanzierung, S. 502 ff.). Dennoch wurden in der Praxis regelmäßig Bewertungseinheiten gebildet. Begründet und als zulässig erachtet wurde dies insbesondere vor dem Hintergrund einer ansonsten drohenden Verletzung der Generalnorm des § 264 Abs. 2 Satz 1 HGB (vgl. Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 253 HGB, Rn. 105; Coenenberg/Haller/Schultze, Jahresabschluss, S. 289; Heyd/Kreher, BilMoG, S. 86). Durch den im Zuge des BilMoG neu eingeführten § 254 HGB wurde die bilanzielle Abbildung von Bewertungseinheiten gesetzlich kodifiziert. Damit wurde zugleich eine Regelungslücke im Hinblick auf das Steuerrecht geschlossen, da in § 5 Abs. 1a EStG bereits vor Einführung des BilMoG auf im Handelsrecht gebildete Bewertungseinheiten verwiesen wurde, ohne dass eine solche allgemeine handelsrechtliche Regelung im HGB explizit aufgeführt gewesen wäre (vgl. Cassel, Bewertungseinheiten, S. 431). Änderungen der bisherigen Bilanzierungspraxis sollen nach Aussage des Gesetzgebers damit jedoch nicht verbunden sein (vgl. BT-Drs. 16/10067, S. 57). Dies darf durchaus bezweifelt werden, da im Sinne des § 254 HGB nunmehr wohl alle in der Praxis bekannten Formen von Bewertungseinheiten, nämlich Micro-, Macro- und Portfolio-Hedges, als zulässig zu betrachten sind (vgl. BT-Drs. 16/10067, S. 58; Scharpf/Schaber, Bankbilanz, S. 307; sowie indirekt über die geforderten Anhangangaben nach §§ 285 Nr. 23, 314 Abs. 1 Nr. 15 HGB) während zuvor lediglich die Bildung von Micro-Hedges als unstrittig zulässig galt. Angesichts des Umstandes, dass eine Legaldefini tion nicht vorliegt, werden vor allem die beiden letztgenannten Hedge-Arten unterschiedlich abgegrenzt. Zumindest in der Gesetzesbegründung zum BilMoG wird ein Portfolio-Hedge als Absicherung mehrerer gleichartiger Grundgeschäfte durch 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 287 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 287 Status: Imprimatur ein oder mehrere Sicherungsinstrumente definiert (vgl. BT-Drs. 16/10067, S. 58), wobei sich die Gleichartigkeit auf das abzusichernde Risiko bezieht. Oftmals wird auch dann von einem Portfolio-Hedge gesprochen, wenn mehrere, z. T. auch gegenläufige Grundgeschäfte zusammengefasst werden (Portfolio) und die sich aus dieser Gruppe ergebende Netto-Risikoposition durch ein (oder mehrere) Sicherungsinstrument(e) abgesichert wird (vgl. Arbeitskreis „Externe Unternehmensrechnung“ der Schma len bach-Gesellschaft, Bilanzierung, S. 638). Wird allerdings die Betragsgleichheit von Grund- und Sicherungsgeschäften mit jeweils gegenläufiger Wertentwicklung verlangt, so wird dies z. T. noch unter dem Begriff des Micro-Hedge subsumiert (vgl. IDW, WP-Handbuch 06 I, S. 271) Wiederum andere stellen bei Portfolio-Hedges eher auf die Risikoreduktion geführter Handelsportfolios, denn auf den Gedanken der vollständigen Absicherung ab. Ziel solcher Bewertungseinheiten ist dann gegebenenfalls sogar nicht eine möglichst marktpreisrisikokongruente Absicherung, sondern eine Absicherung offener Risikopositionen nach dem Prinzip der kostengünstigsten Eindeckung, so dass u. U. auch ein Kompensationsgeschäft mit geringerem Absicherungsvermögen zum Einsatz kommt, wenn es entsprechend günstig zu beschafften ist (vgl. Herzig/Mauritz, Bewertungseinheiten, S. 101 ff.). Im Gegensatz zu dieser Beschränkung auf abgegrenzte Portfolios werden mithilfe von Macro-Hedges Risikopositionen auf aggregierter Ebene bis hin zur Unternehmensebene abgesichert (vgl. Scharpf/Luz, Finanzderivate, S. 296). Demnach meint Macro-Hedging die risikokompensierende Wirkung ganzer Gruppen von Grundgeschäften (vgl. BT-Drs. 16/10067, S. 58). Dabei tritt eine (vollständige) Kompensationswirkung nicht zwangsläufig ein. Aufgrund der Zulässigkeit aller Hedging-Arten nach § 254 HGB ist die Abgrenzung lediglich für die geforderten Anhangangaben gemäß §§ 285 Nr. 23, 314 Abs. 1 Nr. 15 HGB von Relevanz. Nach § 254 HGB können bestimmte Grund- und Sicherungsgeschäfte bilanziell zusammen betrachtet werden, sofern gewisse Kriterien als erfüllt gelten. Zu den absicherungsfähigen Grundgeschäften zählen Vermögensgegenstände, Schulden, schwebende Geschäfte und mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartete Transaktionen. Absicherungsfähig sind nicht nur Risiken aus Finanzinstrumenten, sondern vielmehr auch Risiken aus dem künftigen Bezug oder Absatz von nicht-finanziellen Vermögensgegenständen (vgl. Förschle/Usinger, Bilanzkommentar, § 254 HGB, Rn. 10). Der Kreis der absicherungsfähigen Grundgeschäfte wurde vom Gesetzgeber bewusst weit gefasst, um die bisherige Bilanzierungspraxis, insbesondere in Bezug auf die übliche Absicherung antizipativer Transaktionen, nicht zu beschneiden. In Abgrenzung zum Begriff des schwebenden Geschäfts, bei dem zum Abschlussstichtag bereits ein Rechtsgeschäft vorliegt, das jedoch noch nicht erfüllt ist, werden bei antizipativen Transaktionen zwar Rechtsgeschäfte mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet, diese sind aber noch nicht (endgültig) abgeschlossen (vgl. Förschle/Usinger, Bilanzkommentar, § 254 HGB, Rn. 12). Aufgrund der Unsicherheit, die mit einer antizipativen Transaktion einhergeht, stellt der Gesetzgeber hohe Anforderungen an die Bilanzierung der damit zusammenhängenden Absicherungen. So muss regelmäßig eine hohe Wahrscheinlichkeit für den tatsächlichen Abschluss des Rechtsgeschäfts bestehen. Dies bedeutet, dass dem Abschluss des Rechtsgeschäfts allenfalls noch außergewöhnliche Umstände entgegenstehen dürfen, die außerhalb des 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen288 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 288 Status: Imprimatur Einflussbereichs des Unternehmens liegen. Für diese Einschätzung sind historische Erfahrungen von Bedeutung, d. h., ob die in der Vergangenheit abgesicherten, zuvor erwarteten Rechtsgeschäfte im Nachhinein tatsächlich eingetreten sind (vgl. zur Überprüfung der antizipativen Bewertungseinheiten durch den Abschlussprüfer auch BT-Drs. 16/10067, S. 58). Als Sicherungsinstrumente sind nach § 254 HGB ausschließlich Finanzinstrumente zugelassen. Diese umfassen neben den derivativen auch originäre Finanzinstrumente. Als Beispiel für Bewertungseinheiten mit originären Sicherungsinstrumenten wird im RegE des BilMoG die Absicherung einer Fremdwährungsforderung (Grundgeschäft) mit einer auf dieselbe Währung lautenden Verbindlichkeit (Sicherungsinstrument) angeführt (vgl. BT-Drs. 16/10067, S. 58). Als Sicherungsinstrument ebenfalls zulässig sind die in § 254 Satz 2 HGB explizit genannten Warentermingeschäfte, die gemäß der Beschlussempfehlung des Rechtsausschusses zwar nicht unter dem Begriff des Finanzinstruments i. S. d. § 254 Satz 1 HGB subsumiert werden können, deren Verwendung jedoch aufgrund der in der Praxis gängigen Absicherung eines Kaufs oder Verkaufs von Waren weiterhin gestattet werden soll (vgl. BT-Drs. 16/12407, S. 86). Zudem muss im Zeitpunkt der Bildung einer Bewertungseinheit die erklärte Absicht bestehen, die beiden Geschäfte zur (gegenseitigen) Kompensation heranzuziehen und diese bis zur Erreichung dieses Zwecks zu halten (zur Durchhalteabsicht vgl. auch Kommission für Bilanzierungsfragen des Bundesverbands deutscher Banken, Rechnungslegung, S. 158 ff.; nach HFA, Bewertungseinheiten, S. 403, wird eine Durchhalteabsicht über einen definierten und in der Dokumentation niedergelegten Zeitraum gefordert, so dass eine beliebige Designation und Dedesignation nicht möglich sein soll; vgl. auch Oser, Bewertungseinheiten, S. I). Das alleinige Halten von adäquaten Grund- und Sicherungsgeschäften ist demnach nicht ausreichend für eine Anerkennung als Bewertungseinheit nach § 254 HGB (vgl. Schmidt, Bewertungseinheiten, S. 885). Die Designation der originären und derivativen Finanzinstrumente sowie der Warentermingeschäfte als Sicherungsinstrumente hat zwingend prospektiv zu erfolgen. Eine nachträgliche Bildung von Bewertungseinheiten ist ausgeschlossen. Somit sind die bis zum Zeitpunkt der Designation als Bewertungseinheit bei Grund- und Sicherungsgeschäft eingetretenen Wertänderungen nach den allgemeinen handelsrechtlichen Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften zu behandeln (vgl. Förschle/Usinger, Bilanzkommentar, § 254 HGB, Rn. 56). Von Kreditinstituten ursprünglich in den Handelsbestand eingeordnete Finanzinstrumente können später Teil einer Sicherungsbeziehung werden, indem sie in die Kategorie der Wertpapiere, die wie Anlagevermögen behandelt werden, umgegliedert werden. Bei Beendigung der Bewertungseinheit sind die Finanzinstrumente wieder in den Handelsbestand umzuklassifizieren (§ 340e Abs. 3 Satz 4 HGB; Bieg, Bankbilanzierung, S. 494). Bewertungseinheiten dürfen nur gebildet werden, wenn das Sicherungsinstrument der Kompensation der aus dem Grundgeschäft resultierenden Wert- oder Zahlungsstromänderungsrisiken dienen soll und damit Grund- und Sicherungsgeschäft gleichartigen (gegenläufig wirkenden) Risiken ausgesetzt sind. Wertoder Zahlungsstromänderungen können dabei auf Zinsänderungs-, Währungs-, Ausfall- oder sonstigen vergleichbaren Risiken beruhen. Beinhaltet ein Siche- 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 289 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 289 Status: Imprimatur rungsinstrument neben dem wertbestimmenden Risiko des Grundgeschäfts andere oder weitere Risiken, so ist dieses Instrument nicht zur Sicherung geeignet (vgl. hierzu auch HFA, Bewertungseinheiten, S. 401 f.). Grundsätzlich zulässig ist jedoch die Absicherung ausgewählter Teilrisiken aus dem Grundgeschäft (vgl. Förschle/Usinger, Bilanzkommentar, § 254 HGB, Rn. 26). Die Effektivität der Sicherungsbeziehung ist sowohl zum Zeitpunkt der Bildung der Bewertungseinheit (prospektiv) als auch mindestens an jedem auf die Bildung folgenden Bilanzstichtag (retrospektiv) nachzuweisen, wobei es dem Bilanzierenden obliegt, eine diesbezüglich geeignete Methode je nach Art der vorliegenden Bewertungseinheit zu wählen (vgl. BT-Drs. 16/10067, S. 58 f.; Förschle/Usinger, Bilanzkommentar, § 254 HGB, Rn. 43). Im Falle von Micro-Hedges, bei denen die wertbestimmenden Parameter 1:1 korrespondieren (insbes. Laufzeit und Nominalbetrag; perfect hedge), stellt dies aufgrund der unmittelbar erkenn- und nachprüfbaren Gegenläufigkeit kein Problem dar. Bei unterschiedlichen Parametern von Grund- und Sicherungsgeschäft sowie bei Macro- und Portfolio-Hedges gestaltet sich der Effektivitätsnachweis als ungleich schwerer. Je nach Art der Sicherungsbeziehung kann die Wirksamkeit dabei auf Basis eines angemessenen und wirksamen Risikomanagementsystems oder anhand weiterer, zumeist aus dem Kontext der US-GAAP- und IFRS-Bilanzierung abgeleiteter Methoden nachgewiesen werden (Beispiele für prospektive Methoden sind neben dem critical-term-match bei eindeutigen Absicherungen die Sensitivitätsanalyse, Value-at-Risk-Methode sowie der historische Abgleich unter Verwendung retrospektiver Methoden; zu diesen zählen die Dollar-offset-Methode(n), Varianzreduktionsmethode sowie die Regressionsanalyse; vgl. ausführlich Wiese, Hedge-Accounting, S. 141 ff.). Der Gesetzgeber hat in diesem Zusammenhang allerdings auf die Vorgabe quantitativer Effektivitätsspannen, wie sie beispielsweise in den IFRS üblich sind (vgl. IAS 39.88 i. V. m. IAS 39.AG105(b)), verzichtet. Die Pflicht zur hinreichenden Dokumentation der Sicherungsbeziehungen ergibt sich sowohl aus den allgemeinen Buchführungspflichten nach den §§ 238, 239 HGB als auch aus den umfangreichen Angabepflichten des § 285 Nr. 23 HGB bzw. § 315 Abs. 1 Nr. 15 HGB (vgl. Coenenberg/Haller/Schultze, Jahresabschluss, S. 292). Demnach sind im Anhang die Beträge von Grund- und Sicherungsgeschäften, die Höhe und Art der abgesicherten Risiken, die Ergebnisse der Effektivitätsprüfungen sowie eine Erläuterung der mit hoher Wahrscheinlichkeit erwarteten Transaktionen anzugeben, sofern diese Angaben nicht bereits im Lagebericht gemacht werden. Eine zusätzliche Orientierung an den diesbezüglichen Dokumentationspflichten des IAS 39 wird vielfach als sachgerecht empfunden (vgl. Cassel, Bewertungseinheiten, S. 441; Scharpf, Finanzinstrumente, S. 212). Sind die Voraussetzungen zur Bildung einer Bewertungseinheit erfüllt, sind in dem Umfang und für den Zeitraum, in dem sich die Wertänderungen von Grund- und Sicherungsgeschäft ausgleichen (effektiver Teil), die Vorschriften zum Einzelbewertungsgrundsatz (§ 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB), zum Imparitätsprinzip (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB), zum Anschaffungskostenprinzip (§ 253 Abs. 1 Satz 1 HGB), zur Währungsumrechnung (§ 256a HGB) und zur Bildung von Drohverlustrückstellungen (§ 249 Abs. 1 HGB) nur auf die Bewertungseinheit als Ganzes und nicht auf die Einzelgeschäfte anzuwenden (vgl. Baetge/Kirsch/Thiele, 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen290 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 290 Status: Imprimatur Bilanzen, S. 653). Der nicht durch das Sicherungsgeschäft ausgeglichene ineffektive Teil der Bewertungseinheit unterliegt den allgemeinen Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften des HGB. Wird also eine Wertminderung des Grundgeschäfts nicht (vollständig) durch eine gegenläufige Wertsteigerung des Sicherungsgeschäfts kompensiert, so ist dieser Verlust bzw. diese Deckungslücke grundsätzlich erfolgswirksam zu erfassen. Eine etwaige Überkompensation des (potentiellen) Verlustes aus dem Grundgeschäft durch (mögliche) Gewinne aus dem Sicherungsgeschäft bleibt aufgrund des Realisationsprinzips außer Ansatz. Demnach ist sowohl das Imparitätsprinzip (Antizipation möglicher Verluste) als auch Realisationsprinzip (Nichtausweis möglicher, unrealisierter Gewinne) jeweils auf das Nettoergebnis aus Grund- und Sicherungsgeschäft anzuwenden (vgl. Förschle/Usinger, Bilanzkommentar, § 254 HGB, Rn. 50). In seinem Entwurf einer Stellungnahme zur handelsrechtlichen Bilanzierung von Bewertungseinheiten (IDW ERS HFA 35) schlägt der Hauptfachausschuss des IDW eine zweistufige Bewertungstechnik vor (HFA, Bewertungseinheiten, S. 405 f.; Burchardt/Trepte, Bewertungseinheiten, S. 15 ff.). Auf Basis eines vorab definierten Umfangs der Absicherung, speziell im Falle einer nur partiellen Absicherung des Grundgeschäfts, ist der Erfolg aus diesem nicht abgesicherten Teil nach den allgemeinen Grundsätzen zu behandeln. Während dies im Falle eines Micro- Hedge durch eine Abschreibung des Grundgeschäfts erfolgen kann, muss bei Macro- und Portfolio-Hedges zwingend eine Drohverlustrückstellung gebildet werden, da hier eine Zuordnung der Wertminderung zu den einzelnen Grundgeschäften höchstens willkürlich erfolgen könnte. Demgegenüber kann auch bezüglich des (eigentlich) abgesicherten Teils bei nur unvollständiger Absicherung eine unausgeglichene Differenz entstehen. Ergibt sich diesbezüglich ein zusätzlicher (Bewertungs-)Verlust (bisherige Unwirksamkeit), ist dieser über eine „Rückstellung für Bewertungseinheiten“ zu erfassen (IDW ERS HFA 35, Rn. 64); eine Saldierung mit dem Ergebnis aus dem nicht abgesicherten Teil soll nicht möglich sein (IDW ERS HFA 35, Rn. 67). Hinsichtlich der anzuwendenden Methode zur Abbildung einer Bewertungseinheit im Jahresabschluss enthält § 254 HGB keine Vorgabe. Hinweise finden sich diesbezüglich aber bereits in der Regierungsbegründung zum BilMoG, in der den Unternehmen ein Wahlrecht zur Anwendung entweder der sog. Einfrierungsmethode (Methode der kompensatorischen Bewertung, Festbewertungsmethode) oder der sog. Durchbuchungsmethode eingeräumt wird (vgl. BT-Drs. 16/10067, S. 95, HFA, Bewertungseinheiten, S. 406 f.; zur Zulässigkeit der Durchbuchungsmethode vgl. Patek, Bewertungseinheiten, S. 1079 f.). Bei Anwendung der Einfrierungsmethode wird der effektive Teil der Sicherungsbeziehung weder in der Bilanz noch in der GuV abgebildet; er ist lediglich aus Nebenrechnungen bzw. einem Nebenbuch ersichtlich. Der ineffektive Teil der Bewertungseinheit hingegen wird nach den allgemeinen Bewertungsvorschriften behandelt, wobei unrealisierte Verluste nach Ansicht des HFA zur Bildung einer Rückstellung für Bewertungseinheiten führen (vgl. HFA, Bewertungseinheiten, S. 405, der die Unwirksamkeit auf Verlustsituationen bezieht, s. o.), während unrealisierte Gewinne unberücksichtigt bleiben (vgl. Coenenberg/ Haller/Schultze, Jahresabschluss, S. 292 f.; Cassel, Bewertungseinheiten, S. 443; 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 291 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 291 Status: Imprimatur Baetge/Kirsch/Thiele, Bilanzen, S. 653). Die Durchbuchungsmethode sieht demgegenüber die erfolgswirksame Erfassung sämtlicher Wertänderungen von Grund- und Sicherungsgeschäft vor, soweit sich diese ausgleichen (effektiver Teil der Sicherungsbeziehung). Folglich wird der Sicherungseffekt durch die gegenläufigen (gleichhohen) Aufwands- und Ertragsbuchungen in der GuV ersichtlich. In der Bilanz werden sowohl Grund- als auch Sicherungsgeschäft mit den beizulegenden Zeitwerten ausgewiesen. Diese Vorgehensweise wird oftmals auch als Bruttomethode bezeichnet (vgl. Schmidt, Bewertungseinheiten, S. 886; der HFA bezeichnet auch die Anpassung der Buchwerte in der Bilanz ohne korrespondierende GuV-Buchungen als sachgerecht, vgl. HFA, Bewertungseinheiten, S. 407). Ebenso wie bei der Einfrierungsmethode ergibt sich dabei in Bezug auf den effektiven Teil der Sicherungsbeziehung keine Auswirkung auf die Höhe des Jahresabschlusses, da sich diese Aufwendungen und Erträge stets zu „null“ saldieren (vgl. Küting/Cassel, Bewertungseinheiten, S. 772). Der ineffektive bzw. nicht abgesicherte Teil der Bewertungseinheit wird wiederum nach den allgemein gültigen Bewertungsvorschriften behandelt. Unterschiede zwischen den beiden Methoden ergeben sich demnach nur in Bezug auf den Ausweis des effektiven Teils der Sicherungsbeziehung. Zwar ist die Durchbuchungsmethode mit einem Informationsgewinn für den externen Bilanz- bzw. GuV-Leser verbunden, es ergeben sich jedoch einige Probleme bei der Anwendung. Neben dem Ansatz schwebender Geschäfte und der Durchbrechung des Anschaffungskostenprinzips (die aber durch § 254 HGB legitimiert wird), bereitet vor allem die Bilanzierung von antizipativen Bewertungseinheiten, von bilanzunwirksamen festen Verpflichtungen sowie von Macro- und Portfolio-Hedges Schwierigkeiten (vgl. dazu Förschle/Usinger, Bilanzkommentar, § 254 HGB, Rn. 54 f.; Küting/Cassel, Bewertungseinheiten, S. 772; Cassel, Bewertungseinheiten, S. 444 f.). Auf die Absicherung von antizipativen Bewertungseinheiten ist die Durchbuchungsmethode nicht ohne Weiteres anwendbar, da die in diesen enthaltenen, mit hoher Wahrscheinlichkeit erwarteten Transaktionen die Ansatzkriterien eines Vermögensgegenstands oder Rechnungsabgrenzungspostens nach HGB nicht erfüllen (vgl. HFA, Bewertungseinheiten, S. 407). Im Falle einer Bilanzierung solcher Grundgeschäfte würde demnach gegen die handelsrechtlichen GoB verstoßen (vgl. Cassel, Bewertungseinheiten, S. 444; Patek, Bewertungseinheiten, S. 1080). Wenn nun aber das Grundgeschäft nicht bilanziell erfasst wird, erscheint es als nicht sachgerecht, Wertänderungen des korrespondierenden Sicherungsgeschäfts erfolgswirksam zu erfassen. Diese (effektiv gesicherten) Wertänderungen sollten, parallel zum Vorgehen bei der Einfrierungsmethode, vielmehr erfolgsneutral in einer Nebenbuchhaltung erfasst werden. Wird nun das mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartete Grundgeschäft realisiert, sind diese „zwischengeparkten“ Wertänderungen sowie etwaige bereits bilanzierte Anschaffungskosten des Sicherungsgeschäfts entweder in die Anschaffungskosten des Grundgeschäfts mit einzubeziehen oder, im Falle der Absicherung von Zahlungsströmen, zeitkongruent mit der erfolgswirksamen Erfassung des Grundgeschäfts zu vereinnahmen (vgl. Scharf/Schaber, Bewertungseinheiten, S. 540; Coenenberg/Haller/ Schultze, Jahresabschluss, S. 295). Bei einem Absatzgeschäft ergibt sich demnach die Erfolgswirksamkeit im Zeitpunkt des Verkaufs, während dies bei einem 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen292 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 292 Status: Imprimatur abgesicherten Erwerbsvorgang erst im Zuge der nachfolgenden Abschreibung oder des Abgangs des Grundgeschäfts der Fall ist (vgl. Förschle/Usinger, Bilanzkommentar, § 254 HGB, Rn. 54). Faktisch folgt die Bilanzierung von antizipativen Bewertungseinheiten damit dem Vorgehen der Einfrierungsmethode. Die IFRS bilden antizipative Bewertungseinheiten über einen cash flow hedge ab. Wertänderungen des Sicherungsgeschäfts werden dabei nicht in einer Nebenrechnung, sondern erfolgsneutral in der Neubewertungsrücklage innerhalb des Eigenkapitals gebucht, soweit der Eintritt des abgesicherten Risikos ausgeschlossen ist und die kumulierte Wertänderung des Sicherungsgeschäfts hinter der kumulierten Wertänderung des abgesicherten Cashflows (Grundgeschäft) zurückbleibt (vgl. Teil A, Abschn. 7.3.2, S. 313 ff.). Darüber hinausgehende Wert- änderungen werden wie nach § 254 HGB erfolgswirksam erfasst (IAS 39.95 ff.). Auch für das Handelsrecht wird die Möglichkeit einer solchen ergebnisneutralen Erfassung der Wertänderungen diskutiert (vgl. DRSC, Stellungnahme BilMoG, S. 18; Patek, Bewertungseinheiten, S. 1081). Ähnliche Schwierigkeiten ergeben sich auch bei Bewertungseinheiten mit bilanzunwirksamen festen Verpflichtungen (firm commitments), bei denen die Durchbuchungsmethode den Bilanzierenden verpflichtet, die auf das abgesicherte Risiko zurückzuführenden kumulierten Änderungen des beizulegenden Zeitwerts der festen Verpflichtung als Vermögensgegenstand oder Verbindlichkeit in der Bilanz anzusetzen (vgl. Cassel, Bewertungseinheiten, S. 444). Im Falle der Portfolio- und Macro-Hedges ergeben sich Probleme bei der Zuordnung der kumulierten Wertänderungen des gesamten gesicherten Grundgeschäfts auf die zugrunde liegenden Posten. Die IFRS sehen im Rahmen eines Portfolio-Hedges gegen Zinsänderungsrisiken den Ansatz eines gesonderten Postens innerhalb der Vermögensgegenstände bzw. Verbindlichkeiten nach IAS 39.89A vor. Der deutsche Gesetzgeber hält dagegen sowohl eine quotale Aufteilung der Wertänderung als auch deren Berücksichtigung bei nur einzelnen Vermögensgegenständen für zulässig (vgl. Cassel, Bewertungseinheiten, S. 444). Die Einfrierungsmethode stellt die in der Praxis geläufige Bilanzierungsart dar (vgl. Küting/Cassel, Bewertungseinheiten, S. 769; HFA, Bewertungseinheiten, S. 407). Angesichts der Tatsache, dass der Gesetzgeber mit § 254 HGB lediglich die bisherige handelsrechtliche Bilanzierungspraxis kodifizieren wollte, erscheint die Möglichkeit zur Anwendung der vor allem innerhalb der IFRS vorgesehenen Durchbuchungsmethode vor dem Hintergrund der Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen als zumindest fragwürdig. Zudem wird der mit der Durchbuchungsmethode einhergehende Informationsvorteil hinsichtlich der Abbildung der Wertänderungen in Bilanz und GuV dadurch relativiert, dass bei der Einfrierungsmethode entsprechende Angaben zu den durch die Bewertungseinheit gesicherten Beträgen aus dem Anhang ersichtlich sind. Nicht zuletzt aufgrund der mit der Durchbuchungsmethode verbundenen Schwierigkeiten erscheint die Anwendung der Einfrierungsmethode als sachgerechter. Es ist jedoch zu beachten, dass Unternehmen, die einen IFRS-Abschluss aufstellen müssen oder dies freiwillig tun, durch IAS 39.89 zur Anwendung der Durchbuchungsmethode bei Fair-Value-Hedges verpflichtet sind (vgl. zu den geplanten Änderungen beim Hedge Accounting IASB, Hedge Accounting, sowie Teil A, Abschn. 7.3.2, S. 311 ff.). 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 293 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 293 Status: Imprimatur Liegen zu einem späteren Zeitpunkt die Voraussetzungen für die Bildung einer Bewertungseinheit nach § 254 HGB nicht (mehr) vor (z. B. unzureichender oder nicht messbarer Effektivitätsgrad, endgültiger Nichteintritt einer mit hoher Wahrscheinlichkeit erwarteten Transaktion, Wegfall der Sicherungsabsicht), so ist diese aufzulösen. Grund- und Sicherungsgeschäft sind von diesem Zeitpunkt an getrennt voneinander zu bewerten (vgl. Förschle/Usinger, Bilanzkommentar, § 254 HGB, Rn. 57). Nach § 5 Abs. 1a EStG gelten die nach § 254 HGB gebildeten Bewertungseinheiten auch für die Steuerbilanz (vgl. Oser, Bewertungseinheiten, S. I). Die Wirkung der Bildung einer Bewertungseinheit soll für die Absicherung eines zum Verkauf vorgesehenen Aktienbestandes durch den Erwerb von Verkaufsoptionen dargestellt werden. Dazu wird auf die Daten des Beispieles zur Verbuchung von Verkaufsoptionen (Teil A, Abschn. 7.2.6.1, S. 246 ff.) zurückgegriffen. Das dort beschriebene Verbuchungsverfahren wäre somit auch im folgenden Beispielfall anzuwenden und entspricht dem Vorgehen der Einfrierungsmethode. Beispiel: Die X-AG kauft am 10. 7. 09 Aktien der Z-AG im Umfang von 400 Stück, die sie dem Umlaufvermögen zuordnet. Sie bezahlt 540 €/Aktie. Bereits im Dezember desselben Jahres entschließt sich die X-AG, die Aktien innerhalb des folgenden Jahres wieder abzustoßen. Zur Sicherung eines Mindestveräußerungserlöses erwirbt das Unternehmen am 20. 12. 09 400 Verkaufsoptionen amerikanischen Typs auf Aktien der Z-AG. Da der Erwerb der Optionen einzig der Wertsicherung des Aktienbestandes dienen soll, ist beabsichtigt, die Optionen stets zusammen mit dem Verkauf der Aktien auszuüben bzw. am Markt zu veräußern. Der Sicherungszusammenhang zwischen Aktien- und Optionsbestand wird entsprechend deklariert und dokumentiert. Die Verkaufsoptionen sind mit einem Basispreis von 550 € ausgestattet und verfallen am 17. 9. 10. Beim Kauf notieren sie zu 17 €/Stück. Am 17. 9. 10 schließlich werden der Options- sowie der Aktienbestand aufgelöst. Zur Darstellung der Wirkungsweise einer Bewertungseinheit aus Aktienbestand und Optionen wird der wirtschaftliche Erfolg der Gesamtposition bei Ausübung der Optionen verglichen mit dem buchhalterischen Erfolg im Rahmen des Jahresabschlusses, und zwar sowohl bei Bildung einer Bewertungseinheit als auch ohne eine solche. Die Erfolgsbeiträge werden je für eine einzelne Aktie und Verkaufsoption beschrieben. Anhand von Schaubildern (siehe S. 294 f.) sollen die Sachverhalte graphisch verdeutlicht werden. Bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise ergibt sich für die Laufzeit der Option ein Gewinn-/Verlustprofil der Gesamtposition, das je nach Aktienkurs im Veräußerungszeitpunkt ein unbegrenztes Gewinnpotential auf der einen sowie auf der anderen Seite eine Begrenzung des Verlustes auf 7 € ausweist. Die in Schaubild a dargestellte Gewinn-/Verlustsituation wird beim Verkauf am Verfalltag der Option realisiert. Bei einer Auflösung der Gesamtposition während der Optionslaufzeit beschreibt dieses Profil einen Mindestgewinn bzw. maximalen Verlust, da das Optionsrecht durch eine separate Veräußerung am Markt wegen seines dann noch positiven Zeitwertes einen höheren Erfolgsbeitrag bringen wird als durch die Ausübung. Hinsichtlich der Wirkungen auf die Höhe des Jahresüberschusses ist zunächst zwischen den Geschäftsjahren zu differenzieren. Die Geschäftsjahre sollen hier den Kalenderjahren entsprechen, so dass in einem ersten Schritt die Erfolgsbeiträge für den Jahresabschluss 09 und danach die Erfolgsbeiträge für das Jahr 10 betrachtet werden. 7 W ertp ap iere u n d Fin an zin n o vatio n en 294 V ah len s H and bücher – E isele/K nobloch – Tech n ik des betrieblichen R ech nu ngsw esen s (8. A u fl.) – H ersteller: Frau D eu ringer Stand: 05.07.2011 Seite 294 Statu s: Im prim atu r 7.2 D ie V erb u ch u n g vo n Fin an zin n o vatio n en 295 V ah len s H and bücher – E isele/K nobloch – Tech n ik des betrieblichen R ech nu ngsw esen s (8. A u fl.) – H ersteller: Frau D eu ringer Stand: 05.07.2011 Seite 295 Statu s: Im prim atu r Vergleichende Betrachtung von getrennter buchhalterischer Behandlung und der Bildung einer Bewertungseinheit 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen296 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 296 Status: Imprimatur Bei getrennter Bewertung von Option und Aktie ergibt sich hinsichtlich der Gewinn- und Verlustrechnung (Schaubild ba) sowie der Buchwerte in der Bilanz (Schaubild bb) zum 31. 12. 09 die folgende Situation: Ein Abschreibungszwang auf den Aktienbestand (nach § 253 Abs. 4 HGB) besteht, wenn der Aktienkurs des Bilanzstichtages unter den Anschaffungskosten von 540 € liegt. Die Abschreibungshöhe kann dann – theoretisch – bis zu den Anschaffungskosten reichen. Ein Abschreibungsaufwand aus der Option entsteht bei einem Optionswert am Bilanzstichtag, der kleiner als 17 € ist. Da bei einem Aktienkurs unter 533 € die Option bei sofortiger Ausübung bereits mindestens 17 € erbringt, muss der Marktwert der Option in diesem Falle größer sein, so dass eine Abschreibung entfällt. Entsprechend kann eine Untergrenze des Marktwertes der Option für Aktienkurse über 533 € bestimmt werden. Bei Aktienkursen ab 550 € liegt diese Untergrenze schließlich bei null. Die Obergrenze des Optionsbuchwertes liegt für den Fall, dass die Option bis zum Bilanzstichtag im Wert gestiegen ist, bei den Anschaffungskosten von 17 €. Der Buchwert der Option ist also abhängig vom Marktwert der Option am Bilanzstichtag und wird bei Aktienkursen über 533 € zwischen den gekennzeichneten Werten liegen (vgl. Schaubild bb). Spiegelbildlich ergibt sich der Abschreibungsaufwand aus der Option, der im Aktienkursbereich über 533 € ebenfalls nur als Bereich denkbarer Werte zwischen einer oberen und einer unteren Grenze beschrieben werden kann (vgl. Schaubild ba). Der Aufwand der Gesamtposition ergibt sich dann als Summe von Aktien- und Optionsaufwand. Folglich kann er für Aktienkurse über 533 € auch nur durch eine Ober- und eine Untergrenze dargestellt werden. In den Abschluss des Jahres 10 gehen die buchhalterischen Wirkungen der Aus- übung bzw. des Verfalls der Option und des Aktienverkaufs ein. Diese Wirkungen sind zum einen abhängig vom dann herrschenden Aktienkurs, zum anderen aber auch vom Bilanzwert der Positionen für den 31. 12. 09. Stellvertretend für sämtliche möglichen Bilanzwerte des Jahres 09 werden die sich bei 3 verschiedenen Aktienkursen am Bilanzstichtag ergebenden Werte weiterverfolgt. Konkret wird der Erfolgseinfluss in 10 für alternative Aktienkurse am 31. 12. 09 von 1. 520 € (Schaubild bc), 2. 535 € (Schaubild bd) und 3. 550 € (Schaubild be) dargestellt. Der Erfolgsbeitrag der Gesamtposition ist dabei gedanklich stets aufgespalten in einen aus der Option und einen aus der Aktie stammenden Teil. Für den 1. Fall ergibt sich, im Unterschied zum 2. Fall, die Besonderheit, dass der Erfolgsbeitrag aus der Gesamtposition stets, also auch bei niedrigen Aktienkursen im Ausübungszeitpunkt, positiv ist und in keinem Fall unter 13 € fällt. Das gleiche Ergebnis mit entsprechend veränderten Mindesterträgen zeigt sich bei sämtlichen Aktienkursen am 31. 12. 09 unter 533 €. Eine ähnliche Situation ergibt sich bei Aktienkursen am Bilanzstichtag über 540 €. Hier können Marktwerte der Option auftreten, die unter 10 € liegen. Muss entsprechend eine Abschreibung auf einen solchen Wert vorgenommen werden, ohne dass zugleich die Wertsteigerung der Aktie miteinbezogen werden kann, ist ebenso bereits ein Ertragsausweis aus der Gesamtposition für das folgende Jahr vorbestimmt. Dies ist beispielhaft für einen Aktienkurs am Bilanzstichtag des Jahres 09 von 550 € dargestellt, wo im Extremfall eines Optionswertes von null und folglich dessen Vollabschreibung zum 31. 12. 09 im Jahr 10 ein Mindestertrag von 10 € entsteht (Schaubild be). Dieser Mindestertrag wird demgemäß auch bei jeder denkbaren ungünstigen Aktienkursentwicklung des Jahres 10 ausgewiesen, also auch in Situationen, in denen der Ertrag offensichtlich nicht in diesem Jahr verursacht wurde. Dieser augenfällige Widerspruch zum Periodisierungsgrundsatz wird vermieden, wenn Aktie und Option zu einer Bewertungseinheit verbunden werden. Ob ein solcher Mindestbetrag entsteht, hängt jedoch wesentlich von der Höhe der Abschreibung der Option ab, wie der Ertrags-/Aufwandsverlauf für den Fall zeigt, dass 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen 297 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 297 Status: Imprimatur keine Abschreibung auf die Option zum 31. 12. 09 erfolgte. Bei Aktienkursen zum 31. 12. 09 zwischen 533 € und 540 € ergibt sich kein vergleichbarer Mindestertrag für das Jahr 10. Graphisch wird dies am Beispiel eines Aktienkurses von 535 € zum Ende des Jahres 09 verdeutlicht (Schaubild bd). Bilden Aktie und Option für den Jahresabschluss zum 31. 12. 09 eine Bewertungseinheit, dann bleibt die Abschreibung aus der Gesamtposition auf maximal 7 € begrenzt (Schaubild ca). Sinkt nämlich der Aktienkurs am Bilanzstichtag unter 533 €, so können die sich daraus ergebenden Buchwertverluste z. T. mit Gewinnen kompensiert werden, die bei der Ausübung der Option anfallen würden. Ebenso kann ein bei höheren Aktienkursen ggf. entstandener Abschreibungsbedarf der Option auf 7 € begrenzt werden. Dies gilt im vorliegenden Fall jedoch nur deshalb, weil für die X-AG Optionsausübung und Aktienverkauf streng miteinander gekoppelt sind. Es besteht somit de facto ein wechselseitiger Sicherungszusammenhang. Dieser Zusammenhang bestünde nicht, wenn bei vorzeitigem Aktienverkauf das weitere Halten des Optionsbestandes beabsichtigt oder zumindest nicht ausgeschlossen wäre. Die Bestandsbewertung zum 31. 12. 09 (Schaubild cb) weist für die Bewertungseinheit je nach Kurs einen Buchwert der Aktien nicht unter 533 € aus. Die Optionen werden mit ihren Anschaffungskosten bzw. ihrem niedrigeren Marktwert, mindestens aber mit 10 € bilanziert. Für die Situation am Veräußerungstag werden die 3 Fälle unterschieden, die bereits bei der getrennten Bewertung betrachtet wurden. Für den 2. Fall ergibt sich keine Änderung gegenüber der separaten Bewertung (vgl. Schaubild bd). Dagegen sind bei vorausgehenden Aktienkursen zum 31. 12. 09 von 520 € (1. Fall) bzw. 550 € (3. Fall) jetzt keine dem neuen Geschäftsjahr zufallenden Mindest erträge festzustellen (Schaubilder cc und cd). Es ist u. U. nur die Möglichkeit ausgeschlossen, dass ein Aufwand aus der Gesamtposition das Ergebnis des Geschäftsjahres 10 beeinflusst. Dies ist dann der Fall, wenn der maximale Verlust aus der Position von 7 €, wie er sich auch bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise (vgl. Schaubild a) darstellt, bereits durch eine außerplanmäßige Abschreibung für das Jahr 09 vorweggenommen wurde. Die Schaubilder zeigen somit, dass die Bilanzierung ohne Bewertungseinheit zu Situationen führen kann, die dem Periodisierungsgedanken widersprechen, indem Absicherungserfolge, die wirtschaftlich in vorausgehenden Perioden verursacht wurden, erst folgenden Geschäftsjahren zugerechnet werden. Die gesetzliche Kodifizierung der Bilanzierung von Bewertungseinheiten durch § 254 HGB ist vor diesem Hintergrund zu begrüßen. Ergänzende Literatur zu: 7.2 Die Verbuchung von Finanzinnovationen Breker, Optionsrechte, S. 1–261 Burkhardt, Zinsbegrenzungsverträge, S. 147–165 Eisele/Knobloch, Finanzinnovationen, S. 577–586, 617–623 Förschle/Usinger, Termingeschäfte, Rn. 70–123 Glogowski/Münch, Neue Finanzdienstleistungen, S. 209–417 Hoffmann/Lüdenbach, Kommentar Bilanzierung, S. 173–187, 587–644 Jutz, Financial Futures, S. 1–178 Kußmaul, Null-Kupon-Anleihen, S. 1562–1572 Möhler, Absicherung, S. 5–188 Niemeyer, Optionsgeschäfte, S. 1–165 Scharpf, Derivative Finanzinstrumente, Rn. 801–878 7 Wertpapiere und Finanzinnovationen298 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 298 Status: Imprimatur 7.3 Finanzinstrumente nach den IFRS 7.3.1 Grundlegende Bilanzierungsvorschriften Innerhalb der IFRS sind für die Bilanzierung von Finanzinstrumenten die wesentlichen Vorschriften in den folgenden Standards niedergelegt: IAS 32 („Financial Instruments: Presentation“, „Finanzinstrumente: Darstellung“) charakterisiert den Begriff des Finanzinstrumentes und grenzt insbesondere finanzielle Verbindlichkeiten vom Eigenkapital des bilanzierenden Unternehmens ab. IFRS 7 („Financial Instruments: Disclosures“, „Finanzinstrumente: Angaben“) enthält Vorschriften vor allem zu ergänzenden Anhangangaben. Die für den (Wert-)Ansatz in Bilanz und Perioden- bzw. Gesamterfolgsrechnung zentralen Vorschriften enthält IAS 39 („Financial Instruments: Recognition and Measurement“, „Finanzinstrumente: Ansatz und Bewertung“), dessen Regelungen jedoch nur noch bis spätestens 31. 12. 2012 anwendbar sind. Der Standard wird im Rahmen eines mehrjährigen Prozesses durch den neuen IFRS 9 („Finan cial Instruments“, „Finanzinstrumente“) ersetzt. Das Projekt zur Ablösung des IAS 39 ist in drei Phasen gegliedert. Die erste Phase „Classification and Measurement“ wurde mit der Veröffentlichung des IFRS 9 am 12. 11. 2009 und seiner Ergänzung um Vorschriften zur Bilanzierung finanzieller Verbindlichkeiten am 28. 10. 2010 abgeschlossen. Die Ergebnisse der zweiten und dritten Phase, die mit „Impairment Methodology“ sowie „Hedge Accounting“ gekennzeichnet sind, sollen im Laufe des Jahres 2011 in den neuen Standard integriert werden, wobei zur zweiten Phase bereits im November 2009 ein Entwurf (Exposure Draft [ED]) vorgelegt wurde (ED/2009/12 „Financial Instruments: Amortised Cost and Impairment“, im Januar 2011 ergänzt durch „Supplement to ED/2009/12“), dem im Dezember 2010 der Entwurf zur dritten Phase folgte (ED/2010/13 „Hedge Accounting“; dieser soll im Laufe des Jahres 2011 um Vorschläge zur Bilanzierung von Portfolio-Hedges ergänzt werden. Im Januar 2011 veröffentlichten das IASB und das FASB zudem einen gemeinsamen Vorschlag für einen Standard zur Saldierung von finanziellen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten (vgl. hierzu den Entwurf ED/2011/1 „Offsetting Financial Assets and Financial Liabilities“). IFRS 9 ist verpflichtend für Geschäftsjahre ab dem 1. 1. 2013 anzuwenden, wobei eine frühere Anwendung möglich ist. Allerdings hat die EU-Kommission den Prozess zur Übernahme des Standards in geltendes europäisches Recht im November 2009 zunächst ausgesetzt, um die weitere Entwicklung des Standards und dessen Gesamtergebnis abzuwarten (Märkl/Schaber, IFRS 9, S. 65). Aufgrund ihrer zentralen Bedeutung werden im Mittelpunkt der folgenden Ausführungen die Regelungen des IFRS 9 (die hier verwendeten Abschnittsverweise basieren auf der Neunummerierung, welche die Version vom 28. 10. 2010 gegenüber der Vorgängerversion beinhaltet) sowie des IAS 39 (in der Fassung vor Verabschiedung des IFRS 9) stehen. Den Vorschriften des IAS 39 respektive IFRS 9 gehen Vorschriften der in IAS 39.2 aufgeführten Standards bzw. speziellen Regelungsbereiche vor (z. B. bei Pensionsverpflichtungen und zugehörigem Pensionsvermögen, Leasinggeschäften oder Versicherungsverträgen).

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.