Content

6.6 Wechselbilanzierung und Wechselobligo in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 222 - 223

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_222

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
6 Wechselgeschäfte202 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 202 Status: Imprimatur Regressnehmer C bucht: Bei Wechselprotest mangels Zahlung: Protestwechsel 22.000 an Besitzwechsel 22.000 Bei Rückgriff durch Erteilung der Regressrechnung: Sonstige Forderungen (Rückgriffsforderung) 22.150 an Protestwechsel Nebenkosten des Zahlungsverkehrs 22.000 150 Regresspflichtiger A bucht: Protest-(Rück-)Wechsel Nebenkosten des Zahlungsverkehrs 22.000 150 an Sonstige Verbindlichkeiten 22.150 Zwischen C und A lebt das ursprüngliche Schuldverhältnis zuzüglich des Erstattungsanspruchs auf die Kosten des Wechselprotests wieder auf. Sieht A seinerseits die Möglichkeit zum Regress gegenüber B, dann wird er neben dem Wechselbetrag und den Fremdkosten entstandene eigene Kosten (10) in Rechnung stellen; seine Rückgriffsforderung ist dann wie folgt zu buchen: Sonstige (Rückgriffs-) Forderungen 22.160 an Protest-(Rück-)Wechsel Nebenkosten des Zahlungsverkehrs 22.000 160 6.6 Wechselbilanzierung und Wechselobligo Zum bilanziellen Wechselbestand gehören die im Besitz und im Bankdepot befindlichen Wechsel (Besitzwechsel), die im regelmäßigen Geschäftsverkehr hereingenommen worden sind und normale Laufzeit besitzen, sowie die zum Inkasso oder zur Diskontierung versandten Wechsel, soweit Gutschrift oder Diskontierung in neuer Rechnung erfolgt. Nicht bilanziert werden im Wechselbestand befindliche eigene Wechsel (Solawechsel). Der Besitzwechselbestand ist in der Bilanz zum Barwert anzusetzen (vgl. IDW, WP-Handbuch 06 I, S. 409). Die aus der Annahme gezogener Wechsel (Akzepte) und aus der Weitergabe eigener Wechsel bestehenden Verbindlichkeiten sind in der Bilanz stets mit dem Betrag der Wechselsumme (Rückzahlungs- bzw. Erfüllungsbetrag) aufzuführen. Nur bei längerer Laufzeit kann entsprechend § 250 Abs. 3 HGB eine Abgrenzung des Diskontbetrages in Betracht kommen; steuerlich ist diese bei einer über den Bilanzstichtag hinausreichenden Wechsellaufzeit zwingend vorzunehmen (Verfügungsbetrag). Solange sich Besitzwechsel im Portefeuille des Wechselinhabers befinden, kann der Bestand an Wechselforderungen, da auch der Ausweis unter der entsprechenden Forderungsposition erfolgt, analog der Handhabung bei anderen Kundenforderungen abgeschrieben werden (s. Teil A, Abschn. 13.2.3.1 und 13.2.3.2, S. 467 ff. und S. 471 ff.); dabei ist die Zahlungsfähigkeit aller Wechselverpflichteten (auch Indossanten und Bürgen) zu berücksichtigen. Sind Besitzwechsel jedoch bereits an eine Bank verkauft (diskontiert) oder anderweitig weitergegeben, dann entfällt infolge der nicht (mehr) existenten Buchforderung auch die Möglichkeit einer Abschreibung. Mit der fortbestehenden Haftung für begebene 6.6 Wechselbilanzierung und Wechselobligo 203 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 203 Status: Imprimatur und übertragene Wechsel verbleibt jedoch eine Eventualverbindlichkeit aus Inanspruchnahme bei Regress (Wechselobligo), die unter der Bilanz gemäß § 251 HGB (s. auch die Erläuterungspflichten für Kapitalgesellschaften nach § 268 Abs. 7 HGB) gesondert zu vermerken ist. Sobald jedoch eine Inanspruchnahme aus dieser Eventualverbindlichkeit droht, muss dies durch einen Passivposten buch- und bilanzmäßig zum Ausdruck gebracht werden; es ist dann eine Rückstellung für Wechselobligo zu bilden, deren wirtschaftlicher Gehalt hinsichtlich Bildung und Auflösung dem des Delkredere entspricht. Bei Gewissheit über die Inanspruchnahme ist eine Sonstige Verbindlichkeit auszuweisen. Ein Regressanspruch ist am Bilanzstichtag zu aktivieren. Die Höhe des Rückstellungsbetrages richtet sich nach der mutmaßlichen Abdeckung des Ausfallwagnisses; hierbei spielen auf der bisherigen Zahlungsfähigkeit und Zahlungswilligkeit (Bonität) von Akzeptanten beruhende Erfahrungssätze eine besondere Rolle. Aber auch künftige Bearbeitungs-, Prolongations- und Protestauslagen sowie Zinsen können infolge nicht beabsichtigter oder nicht möglicher Weiterberechnung bei der Rückstellungsbildung zum Ansatz kommen. Analoges gilt auch für übernommene Wechselbürgschaften. Bei Kreditinstituten sind hereingenommene Wechsel mit den Anschaffungskosten (§§ 253 Abs. 1, 255 HGB) zu bilanzieren. Eine zeitanteilige Realisierung des Diskontertrages bis zum Ende des Bilanzierungszeitraumes ist nach dem Diskonturteil des BFH v. 26. 4. 1995 (DB 1995, S. 1541) steuerlich nicht möglich. Der gesamte Diskontertrag wird erst bei Wechselfälligkeit erfolgswirksam (Plewka/ Krumbholz, Wechseldiskonturteil, S. 342). Die Rechtsprechung wird in diesem Punkt als problematisch angesehen, da bei anderen Finanzierungsgeschäften mit Diskontelement, wie bspw. Zerobonds, eine zeitanteilige Verbuchung des Diskont(Zins-)ertrages erfolgt (vgl. Teil A, Abschn. 7.2.2, S. 234 f., und Hoffmann, Wechseldiskonturteil, S. 420). Übungsbeispiel: Die folgenden Geschäftsvorfälle einer Bauzubehör- und Baustoffgroßhandlung sind unter Angabe der Kontennummern des Kontenrahmens für den Groß- und Außenhandel zu kontieren (vgl. hierzu Anhang A.2, S. 1308–1311): 1) Lieferung einer Förderanlage an ein Bauunternehmen: Warenwert 15.000 + 10 % USt. Der Kunde akzeptiert kurze Zeit später einen Wechsel über 16.500. 2) Anlieferung von 5 Zementmischern durch die Herstellerfirma: Nettorechnungsbetrag 8.000 + 10 % USt. Der Lieferant hat einen Wechsel beigefügt, der „quergeschrieben“ zurückgesandt wird (Wechselsumme 8.800). 3) An eine Hochbaufirma wurden 20 Tischkreissägen zum empfohlenen Verkaufspreis von je 180 (netto) abzüglich 331⁄3 % Funktionsrabatt verkauft. Die Rechnung wird unter Abzug von 2 % Skonto durch Banküberweisung von 787,20, der Rest (1.800) durch Akzept beglichen. 4) Der aus Vorgang 1) hereingenommene Wechsel wird an die Hausbank verkauft. Diese erstellt folgende Abrechnung: Wechselbetrag 16.500,00 ./. 6 % Diskont für 90 Tage 247,50 ./. Wechselprovisionen und -spesen 152,50 Gutschrift auf Bankkonto 16.100,00

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.