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2 Mitbestimmung auf Unternehmensebene in:

Ewald Scherm, Stefan Süß

Personalmanagement, page 197 - 198

2. Edition 2010, ISBN print: 978-3-8006-3708-9, ISBN online: 978-3-8006-4474-2, https://doi.org/10.15358/9783800644742_197

Series: Lernbücher für Wirtschaft und Recht

Bibliographic information
2 Mitbestimmung auf Unternehmensebene Durch die Mitbestimmung auf Unternehmensebene werden die Arbeitnehmer größerer Kapitalgesellschaften an den grundlegenden Entscheidungsprozessen ihres Arbeitgebers beteiligt. Dabei handelt es sich um die indirekte Beteiligung über Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, die je nach Branche, Rechtsform und Mitarbeiterzahl des Unternehmens auf verschiedenen Gesetzen basiert. Die wesentlichen Unterschiede zwischen den im Betriebsverfassungs-, Mitbestimmungs- und Montan-Mitbestimmungsgesetz geregelten Mitbestimmungsformen beziehen sich auf die Zusammensetzung des Aufsichtsrats und die Wahl der Arbeitnehmervertreter, die Beschlussfassung im Aufsichtsrat und die Einrichtung bzw. Bestellung eines Arbeitsdirektors im Vorstand (vgl. Niedenhoff 2005, S. 379–416; auch Abb. IX.1). Der Aufsichtsrat ist ursprünglich ein beratendes und kontrollierendes Organ einer Aktiengesellschaft, das die Interessen nicht an der Geschäftsführung beteiligter Aktionäre zu wahren versucht. Er überwacht die Geschäftsführung und bestellt die Vorstandsmitglieder. Den von der Hauptversammlung gewählten Aktionärsvertretern im Aufsichtsrat werden im Rahmen der unternehmerischen Mitbestimmung von den Arbeitnehmern gewählte Vertreter zur Seite gestellt. wesentliche Unterschiede in den Gesetzen beratendes und kontrollierendes Organ BetrVG (1952) Geltungsbereich r Branche r Rechtsform alle AG, KGaA, GmbH, Genossenschaften alle AG, KGaA, GmbH, Genossenschaften Bergbau, Eisen, Stahl AG, GmbH, bergrechtliche Gewerk- MitbestG (1976) Montan-MitbestG (1951) r Anzahl der Arbeitnehmer Aufsichtsrat rMitgliederzahl 500 bis 2.000 3 bis 21, nach Stammbzw Grundkapital ab 2.001 12, 16 oder 20, nach Beschäftigtenzahl schaft ab 1.001 15 oder 21, nach Stamm- bzw. r Verhältnis Arbeitnehmer zu Arbeitgebervertretern r Beschlussfassung bei Sachentschei- . 1:2 einfache Mehrheit 1:1 einfache Mehrheit, Vorsitzender im 2. Grundkapital 1:1 + Neutraler einfache Mehrheit dungen Arbeitsdirektor nicht vorgeschrieben Wahlgang mit Zweitstimme vorgeschrieben, außer bei KGaA vorgeschrieben, nicht gegen Mehrheit der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat Abb. IX.1: Mitbestimmung auf Unternehmensebene Teil IX – Mitbestimmung 194 Deren Zahl hängt von der Größe des Unternehmens und dem gültigen Mitbestimmungsgesetz ab. In Unternehmen, die der Mitbestimmung nach dem Betriebsverfassungsgesetz von 1952 unterliegen, nehmen die Arbeitnehmervertreter ein Drittel der Aufsichtsratssitze ein. Demgegenüber sehen die anderen Mitbestimmungsgesetze eine paritätische Aufteilung zwischen Kapital geber- und Arbeitnehmerseite vor. Dennoch reduziert sich der faktische Einfluss der Arbeitnehmervertreter nach dem Mitbestimmungsgesetz von 1976 auf eine „Quasi-Parität“. Der Aufsichtsratsvorsitzende, der notfalls auch ohne Zustimmung der Arbeitnehmerseite gewählt werden kann (vgl. § 27 II MitbestG), hat die Möglichkeit, im Konfliktfall durch sein doppeltes Stimmrecht (vgl. § 29 II MitbestG) eine Entscheidung herbeizuführen. Echte Parität besteht nur nach dem Montan-Mitbestimmungsgesetz durch die zusätzliche Stimme des neutralen Aufsichtsratsmitglieds (vgl. § 4 I c Montan-MitbestG). Die Geschäftsführung des Unternehmens ist Aufgabe des Vorstands bzw. der Geschäftsleitung. Die unter nehmerische Mitbestimmung sieht keine Arbeitnehmer vertreter im Vorstand vor. Lediglich Unternehmen mit über 2.000 Mit arbeitern müssen ein Vorstandsmitglied als Arbeitsdirektor mit der Lei tung des Personalressorts betrauen. In Montanunternehmen besitzt die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat ein Vetorecht bei der Wahl des Ar beitsdirektors. Unabhängig davon hat der Vorstand dem Aufsichtsrat gegenüber eine Mitteilungspflicht über die wesentlichen geschäftlichen Angelegenheiten und Fragen. eingeschränkter Einfluss Arbeitsdirektor

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Zusammenfassung

Moderne Methoden des Personalmanagements.

Dieses Buch gibt Ihnen einen umfassenden und aktuellen Überblick über das Personalmanagement. Es ist in elf Teile gegliedert, die den Stand der Diskussion in den wesentlichen personalwirtschaftlichen Aufgabenfeldern widerspiegeln:

* Personalmanagement und Personaltheorie

* Personalplanung, -beschaffung und -freisetzung

* Personalauswahl, -einführung und -zuweisung

* Personalbeurteilung

* Ausbildung und Personalentwicklung

* Vergütung und Arbeitszeit

* Personalführung

* internationaler Personaleinsatz

* Mitbestimmung

* Personalcontrolling

* Personalorganisation

Alle Teile sind in sich geschlossen, vorangestellte Überblicke und Lernziele sowie abschließende Kontrollfragen sollen das Verständnis verbessern. Die Fallbeispiele am Ende jedes Teils erleichtern den Praxistransfer. Die Marginalientexte auf jeder Seite ermöglichen es Ihnen zudem, Inhalte auf einen Blick zu erfassen. Das Buch kann Sie daher durch Studium und Beruf begleiten.

Die Autoren

Professor Dr. Ewald Scherm ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insb. Organisation und Planung an der FernUniversität in Hagen.

Professor Dr. Stefan Süß ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insb. Organisation und Personal an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.