Content

3.1 Grundsätzliches, Durchschnitts-, Differenz- und Grenzsteuersatz in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 51 - 52

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_51

Bibliographic information
3 Steuersätze im Rahmen der betrieblichen Steuerpolitik 3.1 Grundsätzliches, Durchschnitts-, Differenz- und Grenzsteuersatz Eine Steuerschuld besteht aus dem Produkt aus der Bemessungsgrundlage und dem hierauf anzuwendenden Steuersatz. Bei den meisten Steuerarten ist der Steuersatz konstant, d. h. er ist unabhängig von der Höhe der Bemessungsgrundlage. Von diesem Grundsatz gibt es - soweit ersichtlich - in allen Rechtsordnungen der Welt eine wichtige Ausnahme. Sie betrifft die Einkommensteuer. Bei dieser Steuerart ist der Tarif progressiv gestaltet, d. h. der Steuersatz steigt mit der Höhe des zu versteuernden Einkommens. Hierbei lassen sich systematisch die folgenden beiden Methoden zur Erreichung eines Progressionseffekts unterscheiden: 1. Der Einkommensteuersatz, mit dem die jeweils letzte Einheit des zu versteuernden Einkommens belastet wird, steigt mit steigendem zu versteuernden Einkommen stetig an. 2. Der Einkommensteuersatz steigt in Sprüngen, d. h. er beträgt z. B. für die ersten 10.000 Geldeinheiten 0 %, für die zweiten 30.000 Geldeinheiten 20 %, für die nächsten 30.000 Geldeinheiten 30 % und für alle (10.000 + 30.000 + 30.000 =) 70.000 Geldeinheiten übersteigenden Beträge 40 %. In der Bundesrepublik Deutschland sind die beiden Methoden miteinander verknüpft. Hierauf wird im nächsten Gliederungspunkt eingegangen. Bei der Einkommensteuer lassen sich drei Arten von Steuersätzen unterscheiden, und zwar • der Durchschnittssteuersatz, • der Differenzsteuersatz und • der Grenzsteuersatz. Der Durchschnittssteuersatz ist der Steuersatz, mit dem das zu versteuernde Einkommen durchschnittlich belastet ist. Es handelt sich also um den Quotienten aus der Einkommensteuerschuld und dem zu versteuernden Einkommen22. Der Differenzsteuersatz ist der Steuersatz, mit dem eine Einkommensdifferenz belastet ist. Es handelt sich also um den Quotienten aus der Steuerdifferenz und der Differenz aus dem zu versteuernden Einkommen. Der Ermittlung des Grenzsteuersatzes liegt eine Marginalbetrachtung zugrunde. Der Grenzsteuersatz ist der Steuersatz, mit dem eine marginale Einkommensänderung belastet ist. Er wird ermittelt aus dem Quotienten aus der durch eine margi- 22 Vgl. Michels, R., Wahlrechte, 1982, S. 146. 3 Steuersätze im Rahmen der betrieblichen Steuerpolitik 15 nale Einkommensänderung hervorgerufenen Steuerdifferenz und der marginalen Einkommensänderung. Mathematisch handelt es sich also um die erste Ableitung der die Höhe der Einkommensteuer definierenden Gleichungen. 3.2 Einkommensteuersätze nach deutschem Recht 3.2.1 Einführung Bereits seit Jahrzehnten ist der in der Bundesrepublik Deutschland geltende Einkommensteuertarif in der für den jeweiligen Veranlagungszeitraum geltenden Fassung in § 32a EStG geregelt. Beschließt der Gesetzeber für künftige Veranlagungszeiträume eine Tarifänderung, so regelt er diese traditionell in den Anwendungsvorschriften des § 52 EStG. Während der letzten Jahre hat der deutsche Gesetzgeber den Einkommensteuertarif nur wenig verändert. So beträgt der Grundfreibetrag des § 32a Abs. 1 EStG für die Veranlagungszeiträume 2005 bis 2008 jeweils 7.664 €. Für den Veranlagungszeitraum 2009 hat ihn der Gesetzgeber geringfügig auf 7.834 € und für 2010 auf 8.004 € erhöht. An den Grundfreibetrag schließen sich in allen genannten Veranlagungszeiträumen zwei Progressionsbereiche an. Sie werden durch zwei quadratische Gleichungen definiert. Die sich aus diesen Gleichungen ergebenden Kurvenverläufe weichen in den einzelnen Veranlagungszeiträumen nur minimal voneinander ab. Für alle Einkommensteile, die oberhalb des Progressionsbereichs liegen, beträgt der Grenzsteuersatz der Einkommensteuer seit dem Veranlagungszeitraum 2005 einheitlich 42 %. Der Bereich oberhalb des Progressionsbereichs wird als (unterer) Proportionalbereich oder als (unterer) Plafond bezeichnet. Während aller genannten Jahre, d. h. seit 2005, beginnt er bei zu versteuernden Einkommen, die zwischen 52 T€ und 53 T€ liegen. Mit Wirkung ab dem Veranlagungszeitraum 2007 hat der Gesetzgeber für zu versteuernde Einkommen von mehr als 250 T€ einen gesonderten Steuersatz von 45 % eingeführt (Reichensteuer). Seither gibt es einen weiteren Proportionalbereich, der hier als oberer Proportionalbereich oder oberer Plafond bezeichnet wird. Alle genannten Beträge des zu versteuernden Einkommens beziehen sich auf den Grundtarif. Bei Anwendung des Splittingtarifs verdoppeln sie sich. 3.2.2 Durchschnitts-, Differenz- und Grenzsteuersätze nach dem für 2010 geltenden Tarif Der nach dem Rechtsstand im Sommer 2009 für das Jahr 2010 gesetzlich definierte Tarif ist im Anhang 1 zu diesem Buch unter „Vorbemerkungen“ abgedruckt. Die Wiedergabe dieser Tarifvorschrift erfolgt deshalb, weil in nachfolgenden konkreten Berechnungen häufig auf sie zurückgegriffen wird. Die Wiedergabe soll es

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.