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2.1 Begriff und Arten der Investition in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 225 - 227

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_225

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2 Besteuerung und Investitionsentscheidungen 2.1 Begriff und Arten der Investition Unter einer Investition kann allgemein die Umwandlung liquider Mittel, d. h. von Geldvermögen in dem Betriebszweck dienendes (sonstiges) Unternehmensvermögen, verstanden werden. Miterfasst werden die Folgewirkungen dieser Maßnahme. Investitionen sind demnach Maßnahmen der Zahlungsmittelverwendung für betriebliche Zwecke und deren Folgewirkungen. Die Zahlungsmittel können aus dem Unternehmen selbst, sie können aber auch von außen, insbesondere von den Eigentümern des Unternehmens und von Kreditinstituten, stammen. Außerdem kann als Investition die Einlage von dem Betriebszweck dienenden Vermögen, insbesondere durch die Eigentümer des Unternehmens, angesehen werden. Das dem Betriebszweck dienende Vermögen kann sowohl materieller als auch immaterieller Art sein; es kann sowohl langfristig als auch kurzfristig im Betrieb gebunden sein. Angemerkt sei, dass die hier gewählte Begriffsabgrenzung recht weitgehend ist. Erfasst wird nicht nur die Umwandlung liquider Mittel in Sachanlagen, sondern auch in Finanzanlagen, in Umlaufvermögen und in den Erwerb von Dienstleistungen. Im Sprachgebrauch der Praxis hingegen wird unter einer Investition häufig nur die Umwandlung liquider Mittel in Sachanlagen verstanden. Dies gilt auch für einen Teil des älteren Schrifttums. Klargestellt sei, dass eine enge oder weite Begriffsabgrenzung nicht richtig oder falsch, sondern nur zweckmäßig oder unzweckmäßig sein kann. Eine weite Begriffsabgrenzung erscheint hier zweckmäßig, weil es so gelingt, einen großen Bereich gleichstrukturierter Probleme zu erfassen. Regelmäßig ist es zweckmäßig, zwischen zwei Arten von Investitionen zu unterscheiden, und zwar zwischen • Realinvestitionen einerseits und • Finanzinvestitionen andererseits. Bei einer Realinvestition fließt der Wertstrom unmittelbar von dem Investor in das Investitionsobjekt. Bei einer Finanzinvestition hingegen gelangt der Wertstrom nur mittelbar zu dem Investitionsobjekt. Beispiel Eine GmbH erwirbt: a) eine Maschine, b) festverzinsliche Wertpapiere. Im ersten Fall handelt es sich um eine Real-, im zweiten hingegen um eine Finanzinvestition. 2 Besteuerung und Investitionsentscheidungen 189 Bei einer Finanzinvestition ist der Investor nur an der finanziellen Seite der Investition beteiligt, bei einer Realinvestition hingegen muss er sich auch um die reale Seite seiner Anlage bemühen. Es kann also definiert werden: 1. Investitionen, deren Wertströme unmittelbar zwischen Investor und Investitionsobjekt fließen, werden als Realinvestitionen bezeichnet. 2. Investitionen, deren Wertströme nur mittelbar zwischen Investor und Investitionsobjekt fließen, werden Finanzinvestitionen genannt. Zwischen Realinvestitionen einerseits und Finanzinvestitionen andererseits bestehen bedeutsame Unterschiede, die anhand eines Beispiels verdeutlicht werden sollen. Beispiel Die X-GmbH tätigt folgende zwei Investitionen: a) Sie legt 1 Mio € als Festgeld mit einem Zinssatz von 10 % p. a. für zwei Jahre bei einer Bank an; nach Ablauf der zwei Jahre erhält sie also vertragsgemäß 1,21 Mio € von der Bank zurück. b) Sie kauft ein unbebautes Grundstück für 1 Mio € und verkauft es nach zwei Jahren für 1,21 Mio €. Für beide Investitionen der X-GmbH kann eine Rendite von 10 % p. a. ermittelt werden, da gilt: 1 Mio · (1 + 0,1) + 1 Mio · (1 + 0,1) · 0,1 = 1,21 Mio. Obwohl im Beispiel für beide Investitionen eine Rendite von 10 % p. a. errechnet werden kann, bestehen zwischen ihnen fundamentale Unterschiede. Diese lassen sich wie folgt umreißen: 1. Bei der Finanzanlage (Erwerb der festverzinslichen Wertpapiere) ist die Verzinsung vorgegeben; der Rückzahlungsbetrag kann also vorausberechnet werden. Bei der Realinvestition (Erwerb des Grundstücks) hingegen besteht keine Vereinbarung einer Verzinsung. Vielmehr ist die Frage, welche Verzinsung das Grundstück abwirft, falsch gestellt. Die späteren Einnahmen von 1,21 Mio € ergeben sich nicht aufgrund einer vereinbarten Verzinsung, vielmehr aufgrund der späteren Wertentwicklung des Grundstücks. 2. Bei der Finanzinvestition investiert nicht die X-GmbH in Sachen oder Dienstleistungen, dies geschieht vielmehr unter Vermittlung der Bank durch einen (anonymen) Dritten. Infolge einer Zinsvereinbarung kann im Falle einer Finanzinvestition die Prognose der zu erwartenden Zahlungsströme unzweifelhaft nach den Regeln der Finanzmathematik erfolgen. Bei Realinvestitionen hingegen bestehen keine derartigen zwangsweisen mathematischen Verknüpfungen zwischen Einzahlungen und Auszahlungen. So ist z. B. nicht einzusehen, warum ein unbebautes Grundstück mit mathematischer Gesetzmäßigkeit eine Verzinsung von 10 % p. a. erwirtschaften sollte. Damit ist die Vermutung naheliegend, dass zur Beurteilung der Vorteilhaftigkeit einer Realinvestition andere Beurteilungsmethoden erforderlich sind als zu der einer Finanzinvestition. 190 Teil III: Steuern, Investition und Finanzierung 2.2 Arten der Investitionsrechnung und Vorteilskriterien 2.2.1 Endvermögensmaximierung und Kapitalwertmethode In Teil I dieses Buches ist die Endvermögensmaximierung als sinnvolle Zielsetzung unternehmerischen Handelns herausgearbeitet worden1. Dies gilt (selbstverständlich) auch im Rahmen von Investitionsentscheidungen. Bestehen j Investitionsmöglichkeiten (j = 1, 2, ..., m), so ist im Rahmen eines Vorteilsvergleichs die Alternative zu wählen, die das höchste Endvermögen herbeiführt: (1) EVj→Max! Wie ebenfalls bereits in Teil I dargestellt, lässt sich das Endvermögen am Ende des Planungszeitraums wie folgt definieren: (2) EV = ∑ t = 0 n (Ze * t – Za * t) + R. Hierbei gibt Ze * t die Einzahlungen und Za * t die Auszahlungen des Jahres t an. R gibt den evtl. am Ende des Planungszeitraums noch vorhandenen Restwert des Investitionsobjekts an. Die miteinander zu vergleichenden Einzahlungen und Auszahlungen können mit Hilfe von Finanzplänen dargestellt werden. Sie enthalten dann in expliziter Weise diejenigen Zinseinzahlungen und Zinsauszahlungen, die durch die Finanzierung des jeweiligen Investitionsobjekts hervorgerufen werden. Führen Zahlungsdifferenzen beim Vergleich von Realinvestitionen ausschließlich zu Finanzinvestitionen, so können die Regeln der Finanzmathematik angewendet werden. Geschieht dies, so werden die aus den Supplementinvestitionen entstehenden Zinseinzahlungen und Zinsauszahlungen nicht explizit in den Einzahlungen und Auszahlungen erfasst. Ihre Berücksichtigung erfolgt dann vielmehr in dem Zinssatz i, mit dem die Supplementinvestitionen verzinst werden. In den Einzahlungen und Auszahlungen sind dann die Einzahlungen und Auszahlungen aus den Supplementinvestitionen nicht mehr erfasst. Zur besseren Unterscheidung werden diese um die auf den Supplementinvestitionen beruhenden Zinszahlungen geminderten Einzahlungen bzw. Auszahlungen nicht mit Ze * bzw. Za * , sondern mit Ze bzw. Za bezeichnet. Wird von einem einheitlichen Kalkulationszinsfuß i ausgegangen, so kann das Endvermögen demnach - wie ebenfalls bereits in Teil I erörtert - wie folgt dargestellt werden2: 1 Vgl. Teil I, Gliederungspunkt 5. 2 Zur näheren Begründung s. die Herleitung der Gleichungen (62) und (63) in Teil I, Gliederungspunkt 5.2.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.