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7.3 Zur Vereinbarkeit der Subziele miteinander in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 221 - 222

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_221

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184 Teil II: Steuerbilanzpolitik Mit Hilfe der Jahresabschlusspolitik kann auch versucht werden, ertragsabhängige Auszahlungen zu beeinflussen. Neben der Beeinflussung der Steuerzahlungen kann insbesondere versucht werden, die Ausschüttungen an die Gesellschafter zu beeinflussen. Mit der Feststellung, dass die Geschäftsführung die Möglichkeit besitzt, über die Höhe des Gewinns (Jahresüberschusses) die Höhe der Ausschüttungen zu beeinflussen, ist noch nicht über die Zielrichtung einer möglichen Beeinflussung entschieden. So ist es denkbar, dass der Geschäftsführer (Vorstand) ein Interesse hat an dem Ausweis • hoher, im Zeitablauf möglichst steigender Gewinne, • konstanter oder im Zeitablauf konstant steigender Gewinne, • möglichst niedriger Gewinne. An dem Ausweis hoher, möglichst steigender Gewinne und daran geknüpft an hohen Gewinnausschüttungen kann z. B. der Vorstand einer Aktiengesellschaft dann interessiert sein, wenn er annimmt, dass infolge hoher Ausschüttungen die Möglichkeiten der Eigenkapitalbeschaffung verbessert werden. Aus dem gleichen Grunde kann er an dem Ausweis konstanter bzw. konstant steigender Gewinne und - daran geknüpft - an konstanten Ausschüttungen interessiert sein. In beiden Fällen stellt er die Ausschüttungspolitik in den Dienst der Politik der Eigenkapitalbeschaffung. An dem Ausweis möglichst niedriger Gewinne und daran angeknüpft an möglichst niedrigen Gewinnausschüttungen kann z. B. der Geschäftsführer einer GmbH interessiert sein, wenn er annimmt, durch eine möglichst restriktive Ausschüttungspolitik am besten die Investitionskraft der Gesellschaft erhalten zu können. 7.3 Zur Vereinbarkeit der Subziele miteinander Bereits die vorstehenden, kurzen Ausführungen zeigen, dass es eine Reihe unterschiedlicher bilanzpolitischer Subziele geben kann. Es stellt sich die Frage, welche von ihnen miteinander vereinbar sind und in welchen Fällen Zielkonflikte zu erwarten sind. Als ein häufig anzutreffendes handelsbilanzpolitisches Subziel dürfte der Ausweis eines möglichst hohen Gewinnes (Jahresüberschusses) anzusehen sein. Dieses ist vereinbar mit den ebenfalls häufig vorkommenden Subzielen eines hohen Vermögens- und Eigenkapitalausweises. Eine Gewinnerhöhung führt i. d. R. zu einer Erhöhung der Eigenkapitalrendite53. Die Verfolgung des Subziels eines hohen Gewinnausweises ist also auch mit dem ebenfalls möglichen Subziel des Ausweises einer hohen Eigenkapitalrentabilität vereinbar. Eine Gewinnerhöhung führt zu einer Erhöhung des Eigenkapitals. Diese ihrerseits bewirkt eine Erhöhung des Eigenkapitalanteils am Gesamtkapital. Damit ver- 53 Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalrentabilität sind synonyme Begriffe. Die Definition der Eigenkapitalrendite entspricht mithin der Definition der Eigenkapitalrentabilität. 7 Steuerbilanzpolitik und handelsbilanzpolitische Ziele 185 ringert sich die Fremdkapitalquote54. Die Verfolgung des Subziels eines hohen Gewinnausweises geht somit einher mit dem ebenfalls möglichen Subziel des Ausweises einer niedrigen Fremdkapitalquote. Auch mit dem möglichen Subziel des Ausweises eines geringen dynamischen Verschuldungsgrades55 geht der Ausweis eines hohen Gewinns konform. Das Subziel einer Erhöhung des Gewinnausweises führt in den meisten Fällen zu einem Zielkonflikt mit dem steuerbilanzpolitischen Ziel einer Steuerbarwertminimierung. Das gilt fast ausnahmslos, wenn die Steuerbarwertminimierung zu dem vereinfachten Zielkriterium einer maximalen Gewinnachverlagerung führt. Der Grund liegt in dem Maßgeblichkeitsprinzip. Unterliegt der Gewinn im Zeitablauf starken Schwankungen, so wird in den bisher angesprochenen Fällen häufig nicht das Subziel eines möglichst hohen, sondern das eines nivellierten Gewinnausweises angestrebt. Dieses ist in den Jahren, in denen es eine Gewinnivellierung „von oben nach unten“ zur Folge hat, unvereinbar mit den Subzielen eines möglichst hohen Vermögens- und Eigenkapitalausweises. Es ist in diesen Jahren auch nicht vereinbar mit den möglichen Subzielen einer hohen Eigenkapitalrentabilität, einer niedrigen Fremdkapitalquote und eines niedrigen Verschuldungsgrades. Vereinbarkeit besteht in diesen Fällen aber mit dem besonders häufig anzutreffenden steuerbilanzpolitischen Subziel einer maximalen Gewinnachverlagerung. In Jahren, in denen der Gewinn „von unten nach oben“ nivelliert wird, steht das Subziel der Gewinnivellierung hingegen nicht im Einklang mit dem einer maximalen Gewinnachverlagerung, d. h. einem besonders häufig anzutreffenden Subziel der Steuerbilanzpolitik. 7.4 Handeln bei Zielkonflikten Sieht die Geschäftsleitung in Fällen eines Zielkonfliktes eines dieser Ziele als dominant an (Zieldominanz), so sollte sie dieses verfolgen. Als dominant ist z. B. häufig das Ziel der Erhaltung oder Steigerung der Kreditwürdigkeit oder ein Ziel der Ausschüttungspolitik anzusehen. Dominiert bei einem Zielkonflikt nicht eines der Ziele, so ist es sinnvoll, einen Zielkompromiss anzustreben. So kann versucht werden, Zielerreichungsgrade der miteinander konkurrierenden Ziele zu verglei- 54 Die Fremdkapitalquote ist definiert als: Fremdkapital/Gesamtkapital. Zur bilanzanalytischen Konkretisierung der Kennzahlenbestandteile vgl. z. B. Bitz, M./Schneeloch, D./Wittstock, W., Jahresabschluß, 2003, S. 497 ff. 55 Der dynamische Verschuldungsgrad wird unterschiedlich definiert, und zwar entweder als dynamischer Verschuldungsgrad 1 = Fremdkapital/Cash Flow oder als dynamischer Verschuldungsgrad 2 = Effektivverschuldung/Cash Flow. Vgl. hierzu auch u. a. Bitz, M./Schneeloch, D./Wittstock, W., Jahresabschluß, 2003, S. 568 ff.; Baetge, J./Kirsch, H.-J./Thiele, S., Bilanzanalyse, 2004, S. 275 ff.; Küting, K./Weber, C.-P., Bilanzanalyse, 2006, S. 164 f.

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References

Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.