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5.3 Vortragsfähige Verluste in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 207 - 208

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_207

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170 Teil II: Steuerbilanzpolitik aus, in dem die Veranlagung für das Jahr t = 0 durchgeführt wird. In den meisten Fällen ist dies das Jahr t = +1 oder das Jahr t = +2. Hinsichtlich des Zahlungszeitpunktes hat somit ein Verlustrücktrag in das Jahr t = –1 in vielen Fällen die gleiche Wirkung wie ein Verlustausgleich für das Jahr t = 0. In diesen Fällen gelten hinsichtlich einer maximalen Gewinnachverlagerung bzw. einer Anpassung der Einkommen an eine Gleichwertigkeitskurve die gleichen Überlegungen wie sie in Gliederungspunkt 4 dargestellt worden sind. Verlustrückträge in das Jahr t = –1 aufgrund steuerbilanzpolitischer Maßnahmen, die im Jahr t = 0 zur Verlustentstehung führen, sind somit regelmäßig in gleicher Weise zu behandeln wie Gewinnminderungen im Jahr t = 0 im „Normalfall“. Zu beachten ist also, dass das Jahr t = –1 in gleicher Weise zu behandeln ist wie „normalerweise“ das Jahr t = 0. Ein Beispiel soll den Zusammenhang verdeutlichen. Beispiel Die X-GmbH hat bisher für das Jahr t = –1 ein Einkommen von 2 Mio € versteuert. Im Mai des Jahres t = +1 ermittelt der Steuerberater S der X-GmbH für das Jahr t = 0 ein zu versteuerndes Einkommen von 100 T€. Hierbei ist noch nicht berücksichtigt worden, dass die X-GmbH für das Jahr t = 0 Sonderabschreibungen i. H. v. 200 T€ geltend machen könnte. Für das Jahr t = +1 rechnen der Geschäftsführer der X-GmbH G und der Steuerberater S nach einer gemeinsamen Beratung mit einem steuerlichen Verlust von 1 bis 1,5 Mio € und für das Jahr t = +2 von 0,5 bis 1 Mio €. Ab dem Jahr t = +3 rechnen sie wieder mit steuerlichen Gewinnen. Werden Steuerzahlungen aufgrund einer Sonderabschreibung in die Zukunft verlagert, so hat dies die Verringerung eines Kontokorrentkredites zur Folge. Gerechnet wird damit, dass der Kontokorrentkredit im Durchschnitt der nächsten Jahre mit 10 % p. a. zu verzinsen sein wird. Eine Hinzurechnung der Zinsen nach § 8 Nr. 1 GewStG ist aufgrund des in dieser Vorschrift enthaltenen Freibetrags von 100 T€ nicht zu erwarten. G will von S wissen, ob und in welcher Höhe von der Möglichkeit der Sonderabschreibung Gebrauch gemacht werden sollte. S und G gehen von dem für das Jahr 2009 geltenden Steuerrecht aus. Durch die Inanspruchnahme der Sonderabschreibung kann der steuerliche Gewinn des Jahres t = 0 in einen steuerlichen Verlust verwandelt werden. Der höchstmögliche Verlustausweis für das Jahr t = 0 beträgt (100 – 200 =) –100 T€. Dieser ist in vollem Umfang in das Jahr t = –1 rücktragsfähig. Von dieser Möglichkeit sollte Gebrauch gemacht werden. Der Grund liegt darin, dass die Minderungen der Steuerzahlungen für das Jahr t = –1 zu Differenzinvestitionen verwendet werden, die bei einem Bruttozinssatz von 10 % p. a. einen Nettozinssatz von deutlich größer als 0 % p. a. aufweisen 43 . Soll ein Verlustrücktrag von 0,1 Mio € erreicht werden, so muss die GmbH im Jahr t = 0 eine Sonderabschreibung von 0,2 Mio € vornehmen. 5.3 Vortragsfähige Verluste Vortragsfähige Verluste mit Hilfe von steuerbilanzpolitischen Aktionsparametern zu erzeugen, kann - wenn überhaupt - nur dann vorteilhaft sein, wenn diese Aktionsparameter im ersten Jahr, in dem voraussichtlich wieder Gewinn entsteht, nicht mehr ausgeübt werden können. Weitere Voraussetzung ist, dass mit Hilfe dieser steuerbilanzpolitischen Maßnahmen die kumulierten Gewinne (nach Abzug der 43 Hinsichtlich der möglichen Nettozinssätze bei einem vorgegebenen Bruttozinssatz von 10 % s. Tabelle T-9 des Anhangs, Zeile 4. 5 Besonderheiten bei Verlusten 171 Verluste) nach Wiedereintritt des Unternehmens in eine Gewinnphase (vorübergehend) niedriger sind als bei Verzicht auf diese Maßnahmen. Diese Ausführungen gelten für den Fall, dass alle Steuersätze linear sind. Sofern progressive Einkommensteuersätze zu berücksichtigen sind, ist eine bilanzpolitische Maßnahme zur Erzeugung eines vortragsfähigen Verlustes dann vorteilhaft, wenn so eine bessere Anpassung der Einkommen an eine (niedrigere) Gleichwertigkeitskurve gelingt. Auf die komplizierten Zusammenhänge soll nicht weiter eingegangen werden. 5.4 Aufgabe 3 Während des Jahres t = –1 hat die X-GmbH einen steuerlichen Verlust von 50 T€ erzielt. Dieser ist körperschaftsteuerlich in das Jahr t = –2 zurückgetragen und dort abgezogen worden. Gewerbesteuerlich wird der Verlust des Jahres t = –1 durch eine Hinzurechnung in gleicher Höhe ausgeglichen. Im Jahre t = 0 ist gewerbesteuerlich weder eine Hinzurechnung nach § 8 GewStG noch eine Kürzung nach § 9 GewStG vorzunehmen. Für das Jahr t = 0 weist die X-GmbH in ihrer vorläufigen Steuerbilanz einen Gewinn von 100 T€ aus. In diesem Gewinn ist die mögliche Bildung einer steuerfreien Rücklage nach § 6b Abs. 3 EStG (6b-Rücklage) von maximal 200 T€ noch nicht berücksichtigt. Im Zeitpunkt der Erstellung der vorläufigen Bilanz für das Jahr t = 0 zeichnet sich für t = 1 ein steuerlicher Gewinn von 150 T€ ab. Für die weitere Zukunft rechnet der Geschäftsführer (G) mit deutlich steigenden Gewinnen der X-GmbH. G rechnet damit, dass die X-GmbH im Jahre t = +2 eine Investition tätigen wird, die eine die Anschaffungskosten mindernde Auflösung der 6b-Rücklage in diesem Jahr ermöglicht. Die Investition wird in der Anschaffung von Grund und Boden bestehen. Es ist zu prüfen, ob sich aus dem hier geschilderten Sachverhalt steuerbilanzpolitische Aktionsparameter ergeben. Sollte dies der Fall sein, ist zu prüfen, wie diese bei einer steuerbilanzpolitischen Partialbetrachtung genutzt werden sollen. Hierbei ist davon auszugehen, dass Supplementinvestitionen stets in der Form eines Abbaus von Schulden durchgeführt werden. G geht in diesem Zusammenhang von einer 10 %igen Verzinsung aus. Er nimmt an, dass es nicht zu einer Hinzurechnung der Zinsen nach § 8 Nr. 1 GewStG kommt. Es ist das für das Jahr 2009 geltende Steuerrecht anzuwenden. Der nach dem Recht dieses Jahres zu erhebende Solidaritätszuschlag soll berücksichtigt werden. Der Gewerbesteuerhebesatz beträgt 400 %. Ein aus vorangegangenen Jahren stammender gewerbesteuerlicher Verlustvortrag besteht nicht.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.