Content

7.6 Besteuerung ausgeschütteter Gewinne in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 150 - 156

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_150

Bibliographic information
7 Unterschiedliche Systeme der Unternehmensbesteuerung 113 B entstanden. Diese führen in der Form von Supplementerträgen zu Vorteilen im Land A im Vergleich zum Land B. Auch Erträge können in unterschiedlichen Besteuerungssystemen zu unterschiedlichen Zeitpunkten steuerlich zu erfassen sein. Der vielleicht wichtigste Anwendungsfall ergibt sich aus einer unterschiedlichen Bewertung der am Bilanzstichtag vorhandenen unfertigen und fertigen Erzeugnisse. Können diese im Land A niedriger bewertet werden als im Land B, so erfolgt im Land A - c. p. - „jetzt“ ein geringerer Gewinnausweis. Dies ergibt sich daraus, dass der Ertrag aus der Erhöhung des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen im Land A mit einem geringeren Betrag zu verbuchen ist als im Land B. Andere Abweichungen können sich aus unterschiedlichen Regelungen zur Zuschreibung nach vorangegangenen außerplanmäßigen Abschreibungen ergeben. So brauchten z. B. nach dem bis einschließlich 1998 geltenden deutschen Recht früher vorgenommene Teilwertabschreibungen nicht durch Zuschreibungen wieder ausgeglichen zu werden, wenn der Teilwert zum Bilanzstichtag wieder gestiegen war. Seit 1999 hingegen muss nach § 6 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 EStG in derartigen Fällen bekanntlich eine Zuschreibung erfolgen. Nach altem Recht brauchte somit in derartigen Fällen kein Ertrag ausgewiesen zu werden, nach neuem Recht hingegen muss dies geschehen. 7.6 Besteuerung ausgeschütteter Gewinne 7.6.1 Einführung Gewinnausschüttungen stellen zunächst einmal Gewinne dar. Üblicherweise unterliegen sie deshalb auch bei der Kapitalgesellschaft der Gewinnbesteuerung in der Form einer Belastung mit Körperschaftsteuer. In verschiedenen Ländern können dann noch weitere Steuern hinzukommen, wie z. B. in Deutschland die Gewerbesteuer. Auf derartige zusätzliche Steuern soll nachfolgend nicht eingegangen, vielmehr lediglich die Belastung mit Körperschaftsteuer betrachtet werden. Mit der Ausschüttung gelangen Gewinnbestandteile in den Verfügungsbereich der Gesellschafter (Aktionäre). Bei diesen werden sie üblicherweise als steuerpflichtige Einnahmen behandelt, in der Bundesrepublik Deutschland bekanntlich als Einnahmen aus Kapitalvermögen. Sofern der jeweilige Gesetzgeber keine abweichenden Regelungen schafft, kommt es somit zu einer definitiven Doppelbelastung derselben Gewinnbestandteile, und zwar einmal zu einer Belastung mit Körperschaftsteuer bei der Gesellschaft, zum anderen mit Einkommensteuer bei den Gesellschaftern. In vielen Ländern hält der Gesetzgeber die aufgezeigte definitive Doppelbelastung für nicht erwünscht. Er hat deshalb Regelungen getroffen, um sie zu beseitigen oder zu verringern. Einige Länder halten allerdings an einer ungemilderten Dop- 114 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium pelbelastung fest. Weltweit gibt es daher derzeit viele unterschiedliche Systeme der Besteuerung von Gewinnausschüttungen bei den Kapitalgesellschaften und deren Gesellschaftern. Diese Systeme lassen sich in unterschiedlicher Weise zu Gruppen zusammenfassen. Hier soll zwischen folgenden Systemen unterschieden werden: 1. Systeme einer ungemilderten definitiven Doppelbelastung mit Körperschaftund Einkommensteuer (klassische Systeme), 2. Systeme mit einer Milderung der Steuerbelastung auf der Gesellschaftsebene mit Hilfe eines ermäßigten Körperschaftsteuersatzes für Ausschüttungen (Systeme eines gespaltenen Körperschaftsteuersatzes), 3. Systeme mit einer Entlastung auf Gesellschafterebene mit Hilfe einer vollständigen oder teilweisen Anrechnung der Körperschaftsteuer auf die Einkommensteuer (Voll- und Teilanrechnungssysteme), 4. Systeme mit einer Entlastung auf der Gesellschafterebene mit Hilfe einer vollständigen oder teilweisen Freistellung der Ausschüttungen von der Einkommensteuer (Freistellungssysteme) und 5. Systeme einer Entlastung auf der Gesellschafterebene mit Hilfe eines ermä- ßigten Einkommensteuersatzes (Systeme eines ermäßigten Einkommensteuersatzes, auch Shareholder-Relief-Verfahren genannt). Nachfolgend soll auf die genannten Systeme in knapper Form eingegangen werden. 7.6.2 Klassisches System der Doppelbelastung Das üblicherweise als klassisch bezeichnete System einer Doppelbelastung ausgeschütteter Gewinne zeichnet sich dadurch aus, dass weder bei der Kapitalgesellschaft noch bei ihren Gesellschaftern irgendeine Milderung der doppelten Belastung vorgenommen wird. Es kann bereits bei im internationalen Vergleich niedrigen Körperschaftsteuersätzen zu einer insgesamt recht hohen Gesamtbelastung führen. Beispiel Die A-Kapitalgesellschaft (A-KapG) in A-Land unterliegt einer 15 %igen Körperschaftsteuer. Ausschüttungen der A-KapG an ihre Gesellschafter unterliegen bei diesen dem Spitzensteuersatz der Einkommensteuer in A-Land i. H. v. 45 %. Die A-KapG hat 100 GE Gewinn vor Steuern zur Verfügung. Diese sollen ausgeschüttet werden, soweit sie nicht für Steuerzahlungen benötigt werden. Die Steuerzahlungen und der den Gesellschaftern zufließende Nettobetrag (Verfügungsbetrag) können wie folgt ermittelt werden: GE GE Gewinn vor Steuern 100,00 Körperschaftsteuer (100 · 15 % =) 15,00 ./. 15,00 Ausschüttung 85,00 Einkommensteuer (85 · 45 % =) 38,25 ./. 38,25 Gesamtsteuerbelastung 53,25 Verfügungsbetrag 46,75 7 Unterschiedliche Systeme der Unternehmensbesteuerung 115 Der letztlich den Gesellschaftern zur Verfügung stehende Betrag beläuft sich also auf lediglich 46,75 GE, der größere Teil des Ausgangsbetrags, nämlich 53,25 GE ist an das Finanzamt zu entrichten. Klargestellt sei, dass ein Körperschaftsteuersatz von 15 % im internationalen Vergleich gering und ein Spitzensteuersatz der Einkommensteuer von 45 % nicht sonderlich hoch ist. Das Beispiel veranschaulicht, dass bei Anwendung des klassischen Systems die Gesamtbelastung außerordentlich hoch sein kann. Dies wird weltweit überwiegend als nicht sachgerecht angesehen. Insbesondere wird die Gefahr gesehen, dass die hohe Steuerbelastung potentielle Eigenkapitalgeber abschrecke. Das klassische System wird deshalb auch nur noch in wenigen Staaten angewendet51. 7.6.3 System eines gespaltenen Körperschaftsteuersatzes Eine Möglichkeit, die definitive Belastung mit Körperschaft- und Einkommensteuer zu mildern, besteht darin, ausgeschüttete Gewinne mit einem - bezogen auf thesaurierte Gewinne - ermäßigten Körperschaftsteuersatz zu besteuern. Dieses System wurde weltweit mehrere Jahrzehnte in vielen Ländern angewendet. In der Bundesrepublik Deutschland hat es bis einschließlich 1976 bestanden. Das deutsche System war damals durch folgende Steuersätze gekennzeichnet: • einen Körperschaftsteuersatz auf thesaurierte Gewinne von 51 % und • einen Körperschaftsteuersatz auf ausgeschüttete Gewinne von 15 %. Außerdem wurde damals - ebenso wie heute - Gewerbesteuer erhoben. Da der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer damals deutlich höher lag als heute (im Jahr 1976 betrug er 56 %), konnte sich im Einzelfall eine exorbitant hohe Steuerbelastung ergeben. Auf eine Darstellung im Einzelnen soll hier verzichtet werden. 7.6.4 Voll- und Teilanrechnungssysteme Voll- und Teilanrechnungssysteme sind dadurch gekennzeichnet, dass in ihnen die auf die ausgeschütteten Gewinne entfallende Körperschaftsteuer in vollem Umfang (Vollanrechnungssysteme) oder teilweise (Teilanrechnungssysteme) auf die Einkommensteuer der Gesellschafter angerechnet wird. Bei einer Vollanrechnung werden ausgeschüttete Gewinne letztlich nur mit der Einkommensteuer des Gesellschafters belastet. Sie unterliegen also im Ergebnis dem individuellen Einkommensteuersatz (Differenzsteuersatz) des jeweiligen Gesellschafters. Damit erfolgt eine Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit des jeweiligen Gesellschafters. Bei konsequenter Anwendung dieses der Vollanrechnung zugrunde liegenden Prinzips muss eine Anrechnung der Körperschaftsteuer auch dann erfolgen, wenn Gewinne bzw. Gewinnteile nicht im Jahr ihrer Entstehung, sondern zu irgendeinem späteren Zeitpunkt ausgeschüttet werden. 51 Z. B. in Irland. Vgl. Jacobs, O., Unternehmensbesteuerung, 2007, S. 116. 116 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium Weltweit als erstes Land hatte die Bundesrepublik Deutschland zum 1.1.1977 ein Vollanrechnungssystem eingeführt. Es wurde als körperschaftsteuerliches Anrechnungsverfahren bezeichnet. Innerhalb der EU haben in späteren Jahren Frankreich, Italien und Finnland ebenfalls ein Vollanrechnungssystem eingeführt52. In der Bundesrepublik Deutschland selbst ist es mit Ablauf des Jahres 2001 wieder abgeschafft worden. Allerdings besteht nach den § 37 und 38 KStG eine Übergangsfrist bis zum Veranlagungszeitraum 2017, in der sich noch Wirkungen aus dem Anrechnungsverfahren ergeben können53. Angemerkt sei, dass nach Ansicht des Verfassers die Argumente, die in der Bundesrepublik Deutschland zur Abschaffung des körperschaftsteuerlichen Anrechnungsverfahrens geführt haben, wenig überzeugend waren54. Im Gegensatz zu den Vollanrechnungssystemen wird bei den Teilanrechnungssystemen die auf die Ausschüttungen entfallende Körperschaftsteuer nicht in vollem Umfang, sondern lediglich teilweise auf die Einkommensteuer der Gesellschafter angerechnet. Innerhalb der EU gibt es das Teilanrechnungssystem derzeit nur in Spanien55. 7.6.5 Freistellungssysteme Eine doppelte Definitivbelastung ausgeschütteter Gewinne mit Körperschaft- und Einkommensteuer lässt sich dadurch erreichen, dass die Ausschüttungen bei den Gesellschaftern von der Einkommensteuer freigestellt werden. In einem derartigen Freistellungssystem werden die Gewinne also nur mit Körperschaftsteuer, nicht hingegen mit Einkommensteuer belastet. Innerhalb der EU wird eine vollständige Freistellung der Ausschüttungen von der Einkommensteuer derzeit in Estland, Griechenland, Lettland und der Slowakei praktiziert56. Anstelle einer vollständigen ist auch eine teilweise Freistellung der Ausschüttungen von der Einkommensteuer denkbar. Ein derartiges System der teilweisen Freistellung wurde bzw. wird in der Bundesrepublik Deutschland mit dem Halbeinkünfteverfahren bzw. dem 60 %-Einkünfteverfahren praktiziert57. 52 Vgl. Bareis, P., Halbeinkünfteverfahren, 2000, S. 139. 53 Im Einzelnen s. hierzu Gliederungspunkt 4.3. 54 Zur Kritik an der Abschaffung des Anrechnungsverfahrens s. Schneeloch, D./Trockels- Brand, T., Anrechnungsverfahren, 2000, S. 907 ff. 55 Vgl. Jacobs, O., Unternehmensbesteuerung, 2007, S. 116. 56 Vgl. Jacobs, O., Unternehmensbesteuerung, 2007, S. 116. 57 Hinsichtlich einer Aufzählung weiterer EU-Länder, die ein Freistellungssystem anwenden, s. Jacobs, O., Unternehmensbesteuerung, 2007, S. 120. 7 Unterschiedliche Systeme der Unternehmensbesteuerung 117 7.6.6 Ermäßigter Einkommensteuersatz Eine Möglichkeit, die doppelte Belastung ausgeschütteter Gewinne mit Körperschaft- und Einkommensteuer zu mildern, besteht darin, die Ausschüttungen bei dem Gesellschafter nicht mit dem normalen, sondern mit einem ermäßigten Einkommensteuersatz zu besteuern. Eine derartige Vorgehensweise ist auch unter dem Begriff des Shareholder-Relief-Verfahrens bekannt. Innerhalb der EU findet es in Belgien, Dänemark, Großbritannien, Litauen, Niederlande, Österreich, Polen, Schweden, Tschechien, Ungarn, Zypern und - seit dem Veranlagungszeitraum 2009 - auch in der Bundesrepublik Deutschland Anwendung58. Eine Ermäßigung des Einkommensteuersatzes kann im Hinblick auf zwei unterschiedliche Bezugsgrößen erfolgen. Die erste Möglichkeit besteht darin, dass die Bezugsgröße in dem Spitzensteuersatz des Landes besteht. Der ermäßigte Steuersatz ist dann in Bezug auf den Spitzensteuersatz ermäßigt. Bei dieser Vorgehensweise kann die Einkommensteuer auf die Gewinnausschüttung als Abgeltungsteuer gestaltet werden. Sie wird dann von der ausschüttenden Gesellschaft bzw. von der Depotbank einbehalten und für Rechnung des Steuerschuldners an das Finanzamt abgeführt. Die Ausschüttung wird nicht in die Veranlagung zur Einkommensteuer einbezogen. Zu einer Ermäßigung der Steuerbelastung gegenüber einer Einbeziehung der Ausschüttung in das zu versteuernde Einkommen kann es bei dieser Vorgehensweise nur dann kommen, wenn der Abgeltungsteuersatz niedriger ist als der Differenzeinkommensteuersatz im Falle einer Einbeziehung in das zu versteuernde Einkommen. Ist der Abgeltungsteuersatz hingegen höher, so kommt es nicht zu einer Entlastung, sondern zu einer Verschärfung der Doppelbelastung. Dies kann dadurch vermieden werden, dass dem Steuerpflichtigen das Recht eingeräumt wird, eine Einbeziehung der Ausschüttungen in das zu versteuernde Einkommen zu beantragen. Dies ist z. B. in Deutschland der Fall. Das soeben dargestellte System wird in der Bundesrepublik Deutschland seit dem Veranlagungszeitraum 2009 angewendet. Die zweite mögliche Bezugsgröße für die Ermäßigung des Einkommensteuersatzes kann der „normale“ individuelle Einkommensteuersatz des einzelnen Gesellschafters sein. So kann der ermäßigte Einkommensteuersatz z. B. ein bestimmter Prozentsatz des Durchschnittssteuersatzes des einzelnen Gesellschafters sein. Die Art der Ermäßigung ist dann vergleichbar mit derjenigen, die sich nach deutschem Recht aus § 34 Abs. 3 EStG ergibt. Klargestellt sei, dass § 34 Abs. 3 EStG (selbstverständlich) keine Begünstigungsvorschrift für Gewinnausschüttungen darstellt. Begünstigt werden nach dieser Vorschrift vielmehr - unter den engen Voraussetzungen dieser Vorschrift - bestimmte außerordentliche Einkünfte. 58 Vgl. Jacobs, O., Unternehmensbesteuerung, 2007, S. 117. 118 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium Die bisherigen Ausführungen zeigen Folgendes: • Wird als Bezugsgröße für die Festlegung eines ermäßigten Einkommensteuersatzes der Spitzensteuersatz des jeweiligen Landes gewählt, so kann im individuellen Einzelfall die Situation entstehen, dass es überhaupt nicht zu einer Einkommensteuerentlastung kommt oder statt einer Entlastung sogar eine zusätzliche Belastung entsteht. • Wird als Bezugsgröße eines ermäßigten Steuersatzes hingegen der „normale“ Einkommensteuersatz des jeweiligen Gesellschafters gewählt, so kommt es stets zu einer Ermäßigung der Steuerbelastung im Vergleich zu einer „normalen“ Besteuerung. 7.6.7 Das Problem einer Mehrfachbelastung In vielen Ländern ist zwar eine definitive Doppelbelastung ausgeschütteter Gewinne mit Körperschaft- und Einkommensteuer gewollt, nicht aber eine doppelte oder gar mehrfache Belastung mit Körperschaftsteuer. Zu einer derartigen Doppelbelastung mit Körperschaftsteuer kommt es aber grundsätzlich dann, wenn eine Kapitalgesellschaft an einer anderen beteiligt ist und von dieser Gewinnausschüttungen erhält. Eine Mehrfachbelastung entsteht dann, wenn Beteiligungen übereinander geschachtelt sind, etwa Kapitalgesellschaft A an Kapitalgesellschaft B und diese an Kapitalgesellschaft C beteiligt ist. Soll eine derartige Doppel- oder Mehrfachbelastung mit Körperschaftsteuer vermieden werden, so kann dies am einfachsten dadurch geschehen, dass die Ausschüttungen bei der Gesellschaft, die die Beteiligung hält (Obergesellschaft), steuerbefreit werden. Dies ist eine Regelung, die in der Bundesrepublik Deutschland mit dem Übergang zum Halbeinkünfteverfahren durch § 8b KStG herbeigeführt worden ist. Allerdings sind auf Grund des § 8b Abs. 5 KStG tatsächlich derzeit (Rechtsstand Sommer 2009) nur 95 % der Ausschüttungen befreit. Zu Zeiten des körperschaftsteuerlichen Anrechnungsverfahrens war eine Regelung wie hier dargestellt nicht erforderlich, da die Körperschaftsteuer der ausschüttenden Kapitalgesellschaft bei der Obergesellschaft angerechnet wurde. Auch in anderen Ländern als der Bundesrepublik Deutschland bleiben Ausschüttungen bei einer Obergesellschaft körperschaftsteuerfrei. Das gilt innerhalb Europas für die Länder Dänemark, Finnland, Großbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, Österreich, Spanien und Schweden. Einige dieser Länder, nämlich Dänemark, Luxemburg, die Niederlande, Schweden und Spanien setzen allerdings eine Mindestbeteiligung der Obergesellschaft an der ausschüttenden Gesellschaft (Untergesellschaft) voraus59. Dies entspricht dem in Deutschland von der Gewerbesteuer her bekannten und in § 9 Nr. 2a GewStG geregelten Schachtelprivileg. 59 Siehe hierzu die Länderteile in Mennel, A./Förster, J., Steuern, unter dem Stichwort „Schachtelprivileg“. 7 Unterschiedliche Systeme der Unternehmensbesteuerung 119 7.6.8 Vergleich der Systeme miteinander Ein Vergleich der Systeme miteinander zeigt, dass eine definitive Doppelbelastung mit Körperschaft- und Einkommensteuer nur dann vollständig vermieden werden kann, wenn entweder eine vollständige Anrechnung der Körperschaftsteuer auf die Einkommensteuer oder aber eine vollständige Freistellung der Ausschüttungen bei dem Empfänger erfolgt. In allen anderen Fällen hingegen wird eine Doppelbelastung überhaupt nicht oder nur teilweise vermieden60. Die Systeme der Vollanrechnung und der vollständigen Freistellung sind auch die einzigen, die keine Spezialregelung zur Vermeidung einer doppelten oder mehrfachen Belastung mit Körperschaftsteuer erforderlich machen. Die Steuerwirkungen dieser beiden Systeme können allerdings erheblich voneinander abweichen. Während bei der Vollanrechnung letztlich eine Belastung mit dem individuellen Einkommensteuersatz des Gesellschafters erfolgt, ergibt sich bei der Freistellungsmethode eine Belastung mit dem Körperschaftsteuersatz der Kapitalgesellschaft. Wird eine Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit der einzelnen Gesellschafter angestrebt, so kommt nur ein System der vollständigen Anrechnung der Körperschaftsteuer auf die Einkommensteuer in Betracht. 7.7 Aufgabe 8 Seit seiner Scheidung vor einem Jahr ist Björn Björnson (B) aus Kiruna der langen nordschwedischen Winter überdrüssig. Er beschließt deshalb, in südlichere Gefilde auszuwandern und seinen hochrentablen Betrieb der Nanotechnik in seine neue Heimat zu verlagern. Seine besten Mitarbeiter hat er bereits davon überzeugt, dass sie im Süden wesentlich besser leben können; sie haben zugesagt, auch in seinem neuen Betrieb zu arbeiten. Nach einer sorgfältigen Untersuchung nichtsteuerlicher Faktoren und langen Diskussionen mit seinen Mitarbeitern kommt B zu dem Ergebnis, dass als Zielländer der geplanten Auswanderung lediglich die Länder D und F in Betracht kommen. Vor einer endgültigen Entscheidung will B wissen, welches der beiden Länder für ihn steuerlich vorteilhafter ist. Er beauftragt seinen Steuerberater Sven Svenson (S) mit einer entsprechenden Untersuchung. Da B erbschaft- und schenkungsteuerliche Aspekte trotz seines hohen Vermögens nicht interessieren und da weiterhin in beiden Ländern umsatzsteuerlich das Mehrwertsteuersystem angewendet wird, soll sich die Untersuchung auf ertragsteuerliche Wirkungen beschränken. Aus Haftungsgründen kommt für B in beiden Ländern nur die Gründung einer Kapitalgesellschaft in Betracht. B will Alleingesellschafter der Kapitalgesellschaft werden. In beiden Ländern ist dies gesellschaftsrechtlich möglich. Im Rahmen seiner Untersuchung stellt S fest, dass in D-Land eine 25 %ige Körperschaftsteuer erhoben wird. Diese ist nicht als Betriebsausgabe abzugsfähig. Außerdem wird in D-Land eine regionale Steuer erhoben. Der Steuersatz dieser Steuer variiert zwischen den einzelnen Regionen. Im Durchschnitt beträgt er etwa 20 %. Die regionale Steuer ist als Betriebsausgabe bei der Gewinnermittlung abzugsfähig. Sowohl die Kör- 60 Siehe hierzu die Aufstellung von Sigloch, J., Unternehmenssteuerreform, 2000, S. 165.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.