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6.4 Ermittlung von konkreten Nettozinssätzen auf nichtmathematischem Wege in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 126 - 127

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_126

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6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 89 6.4 Ermittlung von konkreten Nettozinssätzen auf nichtmathematischem Wege Bisher sind Nettozinssätze formelmäßig abgeleitet worden. Dies ist aber nicht zwingend. Vielmehr lässt sich im konkreten Einzelfall ein Nettozinssatz auch dadurch bestimmen, dass von dem Bruttozinssatz die auf die Erträge der Finanzinvestition entfallenden Steuerbelastungen abgezogen werden. Die Zusammenhänge sollen anhand eines Beispiels verdeutlicht werden: Beispiel Der Gesellschafter-Geschäftsführer G der X-GmbH beabsichtigt zum Ende des Jahres 1 für ein Jahr 100 T€ auf einem betrieblichen Festgeldkonto anzulegen. Er rechnet mit einer Verzinsung dieses Guthabens i. H. v. 10 % p. a. Für das Jahr 2 geht er von folgenden steuerlichen Bemessungsgrundlagen aus: Gewerbeertrag 2 Mio €, zu versteuerndes Einkommen 900 T€. Der Gewerbesteuerhebesatz beträgt 440 %. Solidaritätszuschlag wird i. H. v. 5,5 % erhoben. Es ist der Nettozinssatz zu ermitteln. Der Nettozinssatz der sich aus dem Festgeldkonto ergebenden Zinserträge lässt sich wie folgt ermitteln: % des Festgeldguthabens Bruttozinssatz 10,00 Gewerbesteuer (3,5 % · 440 % · 10,00 =) –1,54 Körperschaftsteuer (15 % · 10 =) –1,50 Solidaritätszuschlag auf die Körperschaftsteuer (5,5 % · 1,50 =) –0,08 Nettozinssatz 6,88 Eine etwas andere Darstellungsweise ergibt sich, wenn die Supplementinvestition die Form der Minderung von Schulden hat und dies durch fortfallende Zinsen nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG i. H. v. 25 % zu einer Minderung der Hinzurechnung führt. Auch dies soll anhand eines Beispiels dargestellt werden. Beispiel Es handelt sich um das gleiche Beispiel wie das zuletzt behandelte mit der Abweichung, dass die Supplementinvestitionen in der Form eines Abbaus von Schulden erfolgen. Die auf die Schulden entfallenden Schuldzinsen werden nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG zu 25 % dem Gewinn aus Gewerbebetrieb zur Ermittlung des Gewerbeertrags hinzugerechnet. Es ergibt sich Folgendes: % der Schuldenverringerung Bruttozinssatz 10,00 Zinsen 10,00 fortfallende Hinzurechnung von Schuldzinsen –2,50 Änderung des Gewerbeertrags 7,50 Gewerbesteuer (3,5 % · 440 % · 7,50 =) –1,16 Körperschaftsteuer (15 % · 10,00 =) –1,50 Solidaritätszuschlag auf die Körperschaftsteuer (5,5 % · 1,50 =) –0,08 Nettozinssatz 7,26 90 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium Deutlich komplizierter als bei Kapitalgesellschaften sind die Zusammenhänge zur Ermittlung von Nettozinssätzen bei Personenunternehmen. Dies liegt - wie bereits weiter oben ausgeführt - zum einen an der Anrechnung von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer des (Mit-)Unternehmers, zum anderen an der Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer als Sonderausgabe. Diese Abzugsfähigkeit lässt sich ohne gro- ßen Rechenaufwand nur lösen, wenn insoweit doch auf eine formelmäßige Ermittlung, und zwar durch Anwendung der Gleichung (12) bzw. (13) zurückgegriffen wird. Auch diese Zusammenhänge sollen wiederum anhand eines Beispiels verdeutlicht werden. Beispiel Einzelunternehmer E beabsichtigt zum Ende des Jahres 1 100 T€ auf einem betrieblichen Festgeldkonto anzulegen. Er rechnet mit einer Verzinsung dieses Guthabens i. H. v. 10 % p. a. Für das Jahr 2 geht er von folgenden steuerlichen Bemessungsgrundlagen aus: Gewerbeertrag 1 Mio €, zu versteuerndes Einkommen 900 T€. Der Gewerbesteuerhebesatz beträgt 440 %, der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer 45 %. E ist evangelisch. Der Kirchensteuersatz beträgt 9 %. Es wird ein Solidaritätszuschlag i. H. v. 5,5 % erhoben. Der Nettozinssatz der sich aus dem Festgeldkonto ergebenden Zinserträge lässt sich wie folgt ermitteln: % des Festgeldguthabens Bruttozinssatz 10,00 Gewerbesteuer (3,5 % · 440 % · 10,00 =) –1,54 Kombinierte Einkommen- und Kirchensteuer plus Solidaritätszuschlag gem. Gleichung (13) ⎝ ⎛ ⎠ ⎞ 0,45 · (1 + 0,055 + 0,09) 1 + 0,09 · 0,45 · 10,00 = – 4,95 verbleiben vor Anrechnung gem. § 35 EStG 3,51 Anrechnung gem. § 35 EStG (3,5 % · 380 % · 10,00 =) +1,33 Verringerung des Solidaritätszuschlags (5,5 % · 1,33 =) +0,07 Nettozinssatz 4,91 Aus einem Bruttozinssatz von 10,00 % wird also im konkreten Fall ein Nettozinssatz von lediglich 4,91 %. Wird der Nettozinssatz zu Kontrollzwecken nach Gleichung (87) ermittelt, so ergibt sich ein Nettozinssatz von ebenfalls [(1 − 49,5 % − 3,5 % · 440 % + 380 % · 3,5 % · (1 + 5,5 %) · 10,00 % =] 4,91 %. Werden hingegen aus Vereinfachungsgründen die Wirkungen der Gewerbesteuer und ihrer pauschalen Anrechnung auf die Einkommensteuer vernachlässigt, so kann der Nettozinssatz nach Gleichung (Va) ermittelt werden. Er beträgt dann [(1 − 49,5 %) · 10 % =] 5,05 %. Er ist somit geringfügig, d. h. um (5,05 % − 4,91 % =) 0,14 %, geringer als bei einer exakten Ermittlung. 6.5 Aufgabe 7 Durch die Vornahme einer Sonderabschreibung auf ein Betriebsgebäude kann in den Fällen a) und b) im Jahre 1 jeweils eine Steuerersparnis von 100.000 € erzielt werden. Wird von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, so kommt es zum 1.1. des Jahres 2 jeweils zu einer Supplementinvestition in Höhe dieser Steuerersparnis. Die Fälle a) und b) sind wie folgt gekennzeichnet:

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.