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6.3 Ableitung von Nettozinssätzen bei natürlichen Personen und Personenunternehmen in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 118 - 126

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_118

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6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 81 Der Gewerbesteuersatz, d. h. me · h, in Gleichung (IV) nimmt keinesfalls immer positive Werte an, vielmehr kann er auch 0 % betragen. Letzterer Fall ist so zu interpretieren, dass die Gewerbesteuer nicht durch die Differenzerträge erhöht wird. 6.3 Ableitung von Nettozinssätzen bei natürlichen Personen und Personenunternehmen 6.3.1 Einführung und Fallunterscheidung Allen hier zu behandelnden Fällen ist gemeinsam, dass die Zinsen aus Supplementinvestitionen in der Form von Finanzinvestitionen nicht der Körperschaftsteuer, grundsätzlich aber der Einkommensteuer unterliegen. Im Übrigen können die Steuerfolgen aber stark voneinander abweichen. Einflussfaktoren auf die Höhe des Nettozinssatzes bei gleichem Bruttozinssatz sind: • der anzuwendende Einkommensteuertarif, d. h. die Anwendung des allgemeinen Tarifs nach § 32a EStG oder des gesonderten Steuertarifs des § 32d EStG, • der Anfall bzw. Nichtanfall von Gewerbesteuer, • im Falle des Anfalls von Gewerbesteuer die Unterfälle − der Anwendung des § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG und − der Nichtanwendung des § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG. In Abbildung I/6 sind die Zusammenhänge schaubildmäßig zusammengefasst. In den nachfolgenden Ausführungen wird anhand der in der Abbildung getroffenen Unterscheidungen vorgegangen. 82 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium Anwendung des § 32a EStG? Gewerbesteuer? § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG? Folge: Normale ESt, GewSt mit Wirkung auf § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG Folge: Normale ESt, GewSt ohne Wirkung auf § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG Folge: Normale ESt, keine GewSt Folge: Gesonderter Steuersatz des § 32d EStG, keine GewSt Abbildung I/6: Einflussfaktoren auf die Nettozinssätze bei natürlichen Personen und Personenunternehmen 6.3.2 Nettozinssätze bei Anwendung des allgemeinen Tarifs des § 32a EStG 6.3.2.1 Einführung Der allgemeine Tarif des § 32a EStG kommt bei der Besteuerung von Supplementinvestitionen in der Form von Finanzinvestitionen grundsätzlich dann zur Anwendung, wenn die des gesonderten Steuertarifs des § 32d Abs. 1 EStG ausgeschlossen ist. Diese Voraussetzung ist erfüllt, wenn die Supplementinvestitionen • im gewerblichen Bereich oder • im Rahmen der Einkünfte aus § 13, 18 oder 21 EStG erfolgen. nein ja ja nein ja nein 6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 83 6.3.2.2 Ableitung von Nettozinssätzen bei gewerblichen Personenunternehmen Tätigt ein gewerbliches Personenunternehmen (gewerbliches Einzelunternehmen oder Mitunternehmerschaft i. S. d. § 15 EStG) eine Differenzinvestition in der Form einer positiven Finanzinvestition oder eines Abbaus von Verbindlichkeiten, bei denen es nicht es zu einer Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG kommt, so entstehen Supplementzinserträge bzw. es verringern sich die Zinsaufwendungen in gleicher Weise wie in Gleichung (76) dargestellt. Die Supplementerträge (I0 · ib) unterliegen aber nunmehr nicht der Körperschaftsteuer, sondern der Einkommensteuer des (Mit-)Unternehmers. Hierbei sind in dem anzuwendenden Steuersatz se ggf. die Zuschlagsteuern (Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag) in der aus den Gleichungen (12) bzw. (13) bekannten Weise zu berücksichtigen. Ein weiterer Unterschied im Vergleich zu den Wirkungen bei Kapitalgesellschaften ergibt sich dadurch, dass Gewerbesteuer i. H. d. Faktors α multipliziert mit der Steuermesszahl bzw. in Höhe der tatsächlich entrichteten Gewerbesteuer nach § 35 EStG auf die Einkommensteuer des (Mit-)Unternehmers anzurechnen ist. Beides wird in dem kombinierten Steuersatz berücksichtigt, der mit E i. S. v. Gleichung (Ia)44 verknüpft ist. Die Supplementerträge des Jahres 1 (I0 · ib) haben somit die Wirkung von E i. S. v. Gleichung (Ia). Hieraus ergibt sich eine Steuerbelastung des Personenunternehmens einschließlich derjenigen seines (Mit-)Unternehmers (Spersu/zi1) i. H. v.: (86) Spersu/zi1 = I0 · ib · [se§32a +me · h – α ·me · (1 + solz)]. Diese Steuerbelastung wird in gleicher Weise wie in Gleichung (79) dargestellt von den Bruttosupplementerträgen (I0 · ib) abgezogen. Es kann dann in gleicher Weise, wie in Gleichung (81) aufgezeigt, der Nettozinssatz (in/persu/zi) ermittelt werden. Dieser beträgt: (87) in/persu/zi = [1 – se§32a −me · h + α ·me · (1 + solz)] · ib. Tätigt ein Personenunternehmen Differenzinvestitionen in der Form eines Abbaus von Schulden, so haben die fortfallenden Zinsaufwendungen die Wirkung fortfallender Betriebsausgaben und damit die Wirkungen von E i. S. v. Gleichung (Ia). Außerdem können die fortfallenden Zinsen einen Fortfall von Hinzurechnungen nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG bewirken. In Höhe von maximal einem Viertel (β) der Zinsen entfällt dann Hge i. S. v. Gleichung (Ia). Insgesamt hat die Differenzinvestition I0 also in diesem Fall folgende Steuerwirkungen (Spersu/zi§8,1): 44 Vgl. Gliederungspunkt 4.2.2.1 und Anhang 3. 84 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium (88) Spersu/zi§8,1 = I0 · ib · [se§32a +me · h – α ·me · (1 + solz)] – β · I0 · ib ·me · [h – α · (1 + solz)]. Auch in dieser Gleichung gibt β den Faktor an, mit dem Zinsen nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG hinzugerechnet werden. Gleichung (88) kann transformiert werden zu: (89) Spersu/zi§8,1 = I0 · ib · {se§32a +me · [h · (1 − β) – α · (1 + solz) · (1 − β)]}. Die Nettozinsen des Personenunternehmens im Falle einer Investition im Bereich des § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG (Zi/persu/§8,1) ergeben sich aus den Bruttozinsen (I0 · ib) durch Abzug der darauf lastenden Steuerbelastung gem. Gleichung (89). Sie betragen: (90) Zi/persu/§8,1 = I0 · ib · {1 − se§32a −me · [h · (1 – β) − α · (1 + solz) · (1 − β)]}. In dieser Gleichung stellt der Klammerausdruck den Nettozinssatz (in/persu/§8,1) dar. Dieser beträgt also: (91) in/persu/§8,1 = {1 − se§32a −me · [h · (1 − β) − α · (1 + solz) · (1 – β)]} · ib. Wird in Gleichung (91) β = 0 gesetzt, d. h. findet keine Hinzurechnung von Zinsen statt, so erhält die rechte Seite der Gleichung (91) die gleiche Gestalt wie die bereits bekannte Gleichung: (87) in/persu/zi = [1 – se§32a −me · h + α ·me · (1 + solz)] · ib. Dieser Zusammenhang zeigt, dass Gleichung (87) als Spezialfall zu Gleichung (91) aufgefasst werden kann, als ein Fall, in dem der Faktor der Hinzurechnung von Zinsen zum Gewerbeertrag 0 % beträgt. Damit kann Gleichung (91) - unter Verzicht auf eine Kennzeichnung der Zinsen mit „/§8,1“ - auch als allgemeine Form der Nettozinsen im Falle von Personenunternehmen formuliert werden. Sie lautet: (V) in/persu = {1 – se§32a −me · [h · (1 − β) − α · (1 + solz) · (1 − β)]} · ib. Die bisherigen Ausführungen zeigen, dass die Zusammenhänge bei der Besteuerung von Zinsen im gewerblichen Bereich von Personenunternehmen äußerst komplex sind. Die Komplexität steht aber ausschließlich mit der Gewerbesteuer im Zusammenhang. Wie in Gliederungspunkt 4.2.3 gezeigt worden ist, heben sich 6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 85 die einzelnen Wirkungen bei Hebesätzen von bis zu rd. 401 % aber i. d. R. gegenseitig auf. Bis zu einem Hebesatz von 380 % kommt es sogar häufig zu einer Entlastung von Gewerbesteuer, die größer ist als die Belastung. Dieser Effekt beruht darauf, dass Gewerbesteuer über § 51a Abs. 1 EStG auch auf den Solidaritätszuschlag angerechnet wird. Dies gilt zumindest für den Fall gewerblicher Einzelunternehmen. Bei gewerblichen Personengesellschaften kann vielfach wenigstens näherungsweise davon ausgegangen werden, dass sich die Wirkungen gegenseitig aufheben. Liegt der Gewerbesteuerhebesatz über 401 %, so ist zwar die Gewerbesteuerbelastung größer als die Anrechnung von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer, näherungsweise dürfte es aber auch in derartigen Fällen häufig vertretbar sein, davon auszugehen, dass sich die Wirkungen gegenseitig aufheben. Heben sich die Wirkungen der Gewerbesteuer und deren Anrechnung in pauschaler Form gegenseitig auf oder wird es für vertretbar gehalten, hiervon im Rahmen einer konkreten Steuerplanung näherungsweise auszugehen, so vereinfacht sich Gleichung (V) deutlich. In diesem Fall nimmt nämlich der mit me verknüpfte Term den Wert 0 an. Gleichung (V) wird dann zu: (Va) in/persu = (1 − se§32a) · ib. 6.3.2.3 Nettozinssätze in anderen Fällen der Anwendung des § 32a EStG Werden von natürlichen Personen Supplementinvestitionen in der Form eines Aufbaus von positiven Finanzinvestitionen (Aufbau von Guthaben) außerhalb des gewerblichen Bereichs getätigt, so unterliegen die Zinserträge nur der Einkommensteuer und den auf diese erhobenen Zuschlagsteuern. Die Zinserträge können hierbei im Rahmen der Einkünfte aus • Land- und Forstwirtschaft (§ 13 EStG), • selbständiger Arbeit (§ 18 EStG), • Kapitalvermögen (§ 20 EStG) und • Vermietung und Verpachtung (§ 21 EStG) anfallen. Auf Zinserträge im Rahmen der Einkünfte aus Kapitalvermögen ist § 32a EStG, dessen Anwendung in diesem Gliederungspunkt vorausgesetzt wird, aber nur dann tatsächlich anzuwenden, wenn die Steuerschuld nicht nach § 32d Abs. 1 i. V. m. § 43 Abs. 5 EStG mit der Erhebung von Kapitalertragsteuer abgegolten ist. Erfolgen die Supplementinvestitionen in der Form eines Abbaus von Verbindlichkeiten, so führen die ersparten Zinsaufwendungen vielfach zu einer Erhöhung der Einkünfte aus einer der soeben genannten Einkunftsarten. Diese zusätzlichen Einkünfte werden dann grundsätzlich ebenfalls mit Einkommensteuer und deren Zuschlagsteuern - und zwar nur mit diesen Steuern belastet. Die Wirkungen sind also grundsätzlich die gleichen wie in den Fällen der zuerst genannten Zinserträge. 86 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium Stehen Zinsaufwendungen mit keiner Einkunftsart im Zusammenhang, so berührt ihr Fortfall nicht die Höhe des zu versteuernden Einkommens. Mathematisch kann dies am einfachsten dadurch ausgedrückt werden, dass dem Einkommensteuersatz der Wert Null zugeordnet wird. Auch in den hier behandelten Fällen erhöht sich das zu Beginn eines Jahres vorhandene Supplementvermögen um die Bruttozinseinnahmen bzw. die verhinderten Bruttozinsausgaben und vermindert sich um die Steuern, die auf die Zinsen der Supplementinvestition entfallen. Diese Zusammenhänge können unverändert in der in Gleichung (78) wiedergegebenen Form dargestellt werden, wobei lediglich Skap/zi1 durch Snat/zi1 zu ersetzen ist. Die Gleichung lautet dann: (92) I1 = I0 + Zi1 – Snat/zi1. Im Gegensatz zu Zinsen im gewerblichen Bereich haben Zinsen hier - wie soeben dargestellt - lediglich Einfluss auf die Höhe des zu versteuernden Einkommens, nicht hingegen des Gewerbeertrags. Sie stellen also Ee i. S. v. Gleichung (I) bzw. (Ia) dar. Eine Supplementinvestition und die darauf entfallenden Zinsen verursachen somit folgende Steuerwirkungen: (93) Snat/zi1 = I0 · ib · se§32a. Das am Ende des Jahres 0 vorhandene Supplementvermögen (I0) steigt somit bis zum Ende des Jahres 1 an auf: (94) I1 = I0 + I0 · ib – I0 · ib · se§32a. Gleichung (94) kann umgeformt werden zu: (95) I1 = I0 + I0 · ib · (1 – se§32a). Auch hier stellen die beiden letzten Faktoren im zweiten Summanden der Gleichung den Nettozinssatz dar. Dies ergibt sich durch einen Vergleich der Gleichung (95) mit Gleichung (94). Die Nettoverzinsung beträgt also: (Va) in/nat = (1 – se§32a) · ib. Diese Gleichung ist für einen Spezialfall im gewerblichen Bereich bereits am Schluss des letzten Gliederungspunktes abgeleitet worden. Das gleiche Ergebnis, wie soeben abgeleitet, ergibt sich auch dann, wenn in der weiter oben abgeleiteten Gleichung (V) me = 0 gesetzt wird. 6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 87 6.3.3 Nettozinssatz bei Anwendung des gesonderten Steuersatzes des § 32d EStG Der gesonderte Steuersatz des § 32d Abs. 1 EStG kann nach dieser Rechtsnorm nur auf Einkünfte aus Kapitalvermögen angewendet werden. Weitere Voraussetzungen sind, dass seine Anwendung nicht nach § 32d Abs. 2 EStG ausgeschlossen ist und der Steuerpflichtige keinen Antrag auf Einbeziehung der Einkünfte in die Veranlagung gestellt hat. Ein Ausschluss der Anwendung des gesonderten Steuersatzes nach § 32d Abs. 1 EStG ergibt sich insbesondere in folgenden beiden Fällen (§ 32d Abs. 2 EStG): • Gläubiger und Schuldner der Zinsen sind einander nahestehende Personen. • Die Zinsen werden von einer Kapitalgesellschaft geschuldet und der Empfänger der Zinsen ist an der Kapitalgesellschaft zu mindestens 10 % beteiligt. Kommt es zur Anwendung des gesonderten Steuersatzes des § 32d EStG, so ist die entstehende Steuerschuld nach § 43 EStG in Form der Kapitalertragsteuer zu erheben und an das Finanzamt abzuführen. Mit der Kapitalertragsteuer gilt die Steuerschuld des Zinsempfängers gem. § 43 Abs. 5 EStG als abgegolten. Dies bedeutet, dass der Schuldner der Zinsen zwar die Steuerschuld einzubehalten und zu entrichten hat, dass Steuerschuldner aber der Zinsempfänger ist. Bei dem Kapitalertragsteuersatz handelt es sich somit um eine spezielle Ausprägung des Einkommensteuersatzes sei. Der Steuersatz in diesen Fällen (sei§32d) beträgt also stets 25 % (Rechtsstand im Sommer des Jahres 2009). Hinzu kommt nach § 1 i. V. m. § 3 Abs. 1 und § 4 SolZG ein 5,5 %iger Solidaritätszuschlag, so dass ein kombinierter Einkommensteuer- und Solidaritätszuschlagsatz i. H. v. [(25 % · (1+ 5,5 %) =] 26,375 % entsteht. Unterliegt der Steuerpflichtige der Kirchensteuer, so ist diese nach § 32d Abs. 1 Sätze 3 und 4 EStG - und zwar unter Beachtung der Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer als Sonderausgabe - ebenfalls zu berücksichtigen. Wie bereits an früherer Stelle dargestellt, führt die gesetzliche Regelung des § 32d Abs. 1 Sätze 3 und 4 EStG zu dem gleichen Ergebnis wie die Anwendung der in Gliederungspunkt 3.2.3 abgeleiteten Gleichung (13)45. Damit kann der Zusammenhang zwischen dem „reinen“ Einkommensteuersatz sei§32d und dem kombinierten Einkommen-, Kirchensteuer- und Solidaritätszuschlagsatz Gleichung (13) entnommen werden. Durch Einsetzen der konkreten Steuersätze von • sei§32d = 0,25, • solz = 0,055 und • ski = 0,09 ergibt sich der kombinierte Einkommen-, Kirchensteuer- und Solidaritätszuschlagsatz se§32d gem. § 32d EStG wie folgt: 45 Vgl. Gliederungspunkt 3.2.7. 88 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium se§32d = 0,25 · (1 + 0,055 + 0,09) 1 + 0,09 · 0,25 . Dies ergibt: se§32d = 0,27995. Bei einem 9 %igen Kirchensteuersatz beträgt der kombinierte gesonderte Steuersatz also 27,995 %. Bei Anwendung eines lediglich 8 %igen Kirchensteuersatzes ermäßigt sich der kombinierte Steuersatz geringfügig auf 27,819 %. Der Nettozinssatz bei Anwendung des gesonderten Steuersatzes kann als Unterfall des sich aus Gleichung (Vb) für die Supplementinvestitionen natürlicher Personen ergebenden Nettozinssatzes dargestellt werden. Er beträgt demnach: (96) in/nat§32d = ib · (1 − se§32d). In Gleichung (96) gibt in/nat§32d den zu ermittelnden Nettozinssatz und se§32d den kombinierten Einkommensteuer-, Kirchensteuer- und Solidaritätszuschlagsatz bei Anwendung des sich aus § 32d Abs. 1 EStG ergebenden gesonderten Tarifs an. 6.3.4 Zusammenfassung der Ergebnisse Die Untersuchung zu den Nettozinssätzen von Supplementinvestitionen, die von natürlichen Personen und Personenunternehmen durchgeführt werden, haben Folgendes ergeben: 1. Außerhalb des gewerblichen Bereichs wird der Bruttozinssatz ib stets nur durch den kombinierten Einkommen-, Kirchensteuer- und Solidaritätszuschlagsatz gemindert. Der Nettozinssatz in kann dann jeweils anhand folgender einfacher Formel ermittelt werden: in = (1 − se) · ib. Hierbei handelt es sich bei se, je nach Fallgruppe, entweder um se§32a oder um se§32d. 2. Innerhalb des gewerblichen Bereichs sind die Zusammenhänge zwischen Brutto- und Nettozinssätzen aufgrund der gewerbesteuerlichen Effekte wesentlich komplizierter als außerhalb. Dies gilt insbesondere dann, wenn es zu einer Hinzurechnung von Zinsen zum Gewerbeertrag gem. § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG kommt. Sofern der Gewerbesteuerhebesatz nicht mehr als 401 % beträgt, heben sich die gewerbesteuerlichen Effekte und die Anrechnung von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer der (Mit-)Unternehmer allerdings regelmäßig vollständig oder doch weitgehend gegenseitig auf. In derartigen Fällen kann deshalb für steuerplanerische Zwecke auf die unter 1. dargestellte Formel zurückgegriffen werden. 6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 89 6.4 Ermittlung von konkreten Nettozinssätzen auf nichtmathematischem Wege Bisher sind Nettozinssätze formelmäßig abgeleitet worden. Dies ist aber nicht zwingend. Vielmehr lässt sich im konkreten Einzelfall ein Nettozinssatz auch dadurch bestimmen, dass von dem Bruttozinssatz die auf die Erträge der Finanzinvestition entfallenden Steuerbelastungen abgezogen werden. Die Zusammenhänge sollen anhand eines Beispiels verdeutlicht werden: Beispiel Der Gesellschafter-Geschäftsführer G der X-GmbH beabsichtigt zum Ende des Jahres 1 für ein Jahr 100 T€ auf einem betrieblichen Festgeldkonto anzulegen. Er rechnet mit einer Verzinsung dieses Guthabens i. H. v. 10 % p. a. Für das Jahr 2 geht er von folgenden steuerlichen Bemessungsgrundlagen aus: Gewerbeertrag 2 Mio €, zu versteuerndes Einkommen 900 T€. Der Gewerbesteuerhebesatz beträgt 440 %. Solidaritätszuschlag wird i. H. v. 5,5 % erhoben. Es ist der Nettozinssatz zu ermitteln. Der Nettozinssatz der sich aus dem Festgeldkonto ergebenden Zinserträge lässt sich wie folgt ermitteln: % des Festgeldguthabens Bruttozinssatz 10,00 Gewerbesteuer (3,5 % · 440 % · 10,00 =) –1,54 Körperschaftsteuer (15 % · 10 =) –1,50 Solidaritätszuschlag auf die Körperschaftsteuer (5,5 % · 1,50 =) –0,08 Nettozinssatz 6,88 Eine etwas andere Darstellungsweise ergibt sich, wenn die Supplementinvestition die Form der Minderung von Schulden hat und dies durch fortfallende Zinsen nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG i. H. v. 25 % zu einer Minderung der Hinzurechnung führt. Auch dies soll anhand eines Beispiels dargestellt werden. Beispiel Es handelt sich um das gleiche Beispiel wie das zuletzt behandelte mit der Abweichung, dass die Supplementinvestitionen in der Form eines Abbaus von Schulden erfolgen. Die auf die Schulden entfallenden Schuldzinsen werden nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG zu 25 % dem Gewinn aus Gewerbebetrieb zur Ermittlung des Gewerbeertrags hinzugerechnet. Es ergibt sich Folgendes: % der Schuldenverringerung Bruttozinssatz 10,00 Zinsen 10,00 fortfallende Hinzurechnung von Schuldzinsen –2,50 Änderung des Gewerbeertrags 7,50 Gewerbesteuer (3,5 % · 440 % · 7,50 =) –1,16 Körperschaftsteuer (15 % · 10,00 =) –1,50 Solidaritätszuschlag auf die Körperschaftsteuer (5,5 % · 1,50 =) –0,08 Nettozinssatz 7,26

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.