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Gnomon, page 556 - 576

GNO, Volume 79 (2007), Issue 6, ISSN: 0017-1417, ISSN online: 0017-1417, https://doi.org/10.17104/0017-1417_2007_6_556

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C.H.BECK, München
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R. Bielfeldt: Pettenò, Cruciamenta Acherunti556 tiefst pessimistischen Zukunftsaussichten abfinden müssen, mit denen uns die kaiserzeitlichen Nekyiabilder und Grabinschriften ungeschönt konfrontieren. Heidelberg Ruth Bielfeldt VORLAGEN UND NACHRICHTEN Frances Pownall: Lessons from the Past. The Moral Use of History in Fourth- Century Prose. Ann Arbor: Michigan UP 2004. IX, 204 S. 60 $. Die Studie ist den Historikern Xenophon, Ephoros und Theopomp gewidmet. Gezeigt werden soll, daß diese nicht in erster Linie beabsichtigten, ein wirklichkeitsgetreues Bild von der Vergangenheit zu liefern, sondern durch eine spezifische Darstellung historischer Ereignisse Werte zu vermitteln und Verhaltensweisen zu prägen, mit den Worten der Verf. ’moralische‘ Exempla zu präsentieren. Zu Recht bemängelt die Verf. eingangs (vi) das Fehlen einer systematischen Untersuchung der Anfänge dieser für die Späteren modellhaft gewordenen historiographischen Form. Die vorliegende Studie möchte die Bedingungen aufzeigen, die zu dem ’moral use of history‘ führten, dessen jeweilige Ausprägung bei Xenophon, Ephoros und Theopomp vergleichen und so deren Bedeutung für die Entwicklung der Gattung sichtbar machen. Ärgerlich ist die unreflektierte Verwendung des Begriffs ’moralisch‘: Die Ethik der Klassik ist noch nicht moralisch, sondern pragmatisch konzipiert, d.h. Gut-Sein (ˆretÜ) ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Glücklich-Sein (vgl. P. Stemmer, HWbPh X, 1998, Art. ’Tugend‘). Eine philosophisch saubere Klärung würde den terminologischen Anachronismus vermeiden und die Eigenart der besprochenen Historiker gerade im Kontrast zur Moderne präziser hervortreten lassen. Der Hauptteil des Buches besteht aus fünf je etwa 30 Seiten langen Kapiteln: (I) The Intellectual Context, (II) The Menexenus: Plato’s Critique of Political Rhetoric, (III) Xenophon’s Hellenica, (IV) Ephorus’s History, (V) Theopompus’s Philippica. Die Grundlagen für die neue Art der Geschichtsschreibung sieht die Verf. in den vielfältigen Umwälzungen des 5. Jh. und der damit verbundenen Wertediskussion. Eine wichtige Rolle komme der Sophistik und der sich entwickelnden Rhetorik zu; die für die moralische Ausprägung entscheidenden Impulse hätten aber die Sokratik und Isokrates gegeben. Der ’Menexenos‘ wird untersucht, weil auch Platon hier durch seine Darstellung der athenischen Geschichte nach der These der Verf. zu ethischer Reflexion anregen will: «Plato deliberately parodies the conventional distortions of the funeral oration in order to subvert the sanitized versions of the past» (48). Das wird durch Interpretation der vorkommenden historischen Motive detailliert vorgeführt. Gezeigt wird, wie Platon rhetorische Mittel (’exaggeration‘, ’internal inconsistencies‘ und Anachronismen) raffiniert dazu benutzt, den Leser nachdenklich zu machen und zu einer tiefergehenden Beurteilung der geschichtlichen Vorgänge zu führen. Der Dialog sei «designed as a bitter diatribe, not only against contemporary rhetoric, but also against the immorality of contemporary politics» (63). Die Kapitel zu Xenophon, Ephoros und Theopomp bilden das Kernstück des Buchs. Die Verf. hält dabei ein einheitliches Gliederungsschema ein. Einführend behandelt sie autorenspezifische Probleme (wie etwa die Verläßlichkeit der fragmentarischen Überlieferung), dann listet sie die vom jeweiligen Autor propagierten Tugenden und Werte auf und führt die Methoden vor, mit denen diese den Lesern vermittelt werden. Abschließend wird die Frage behandelt, in welchem Ausmaß die ethische Intention die Schriftsteller zu einer verzerrten Darstellung historischer Vorgänge geführt hat. Daß Xenophon in seinem Geschichtswerk wichtige Ereignisse verschweigt und viele Vorgänge nicht ihrer historischen Bedeutung gemäß gewichtet, ist längst beobachtet und wird zumeist mit einer politischen Voreingenommenheit des Autors für Gnomon Bd. 79, 2007 557 Sparta und gegen Theben begründet. Dagegen setzt die Verf. «Xenophon’s desire to use lessons from the past for the moral instruction of his fellow aristocrats» (66) als Erklärung und verdeutlicht dies anhand der nicht erzählten Gründung des zweiten attischen Seebunds, der Gründung von Megalopolis und der Neugründung von Messene. Das primäre Kriterium der Stoffauswahl sei für Xenophon nicht die historische Bedeutung von Vorgängen, sondern «moral instructiveness» (80). Doch wird die politische Erklärung dabei nicht überflüssig; denn Xenophons Spartafreundlichkeit und seine Vorliebe für eine gemäßigte Oligarchie spielten eine Rolle: «The moral lessons in which Xenophon desires to instruct his readers are clearly not free of political impact» (82). Überdies würden mit Frömmigkeit, kriegerischer Übung und Gehorsam typisch spartanische Tugenden propagiert. Die literarischen Mittel, mit denen der Leser für diese Haltungen gewonnen werden soll, seien Lob und Tadel, Reden, Exkurse, Anekdoten und die Schilderung von Peripetien; die größte Bedeutung aber hätten Beispiele, die zeigten, wie sittlich gutes Handeln Erfolg, schlechtes aber Scheitern nach sich ziehe. Ephoros trete als ein sorgfältig prüfender Forscher auf, der seine Quellen kritisch auswähle und den Wert der Autopsie betone (F 110). Auf eine Darstellung der mythischen Zeit soll er deswegen verzichtet haben (T 8). Die bezeugten Abweichungen von diesen Grundsätzen seien auf sein Streben nach Vermittlung von Werten zurückzuführen. Sein Wertekanon umfasse «military valor and civic harmony, achieved through a simple liefestyle, on the one hand, and education and culture on the other» (132). Darin seien Einflüsse von Herodot und Isokrates unverkennbar. Die Wahl der Darstellungsmittel zeige Ephoros als Schüler der Sophistik. In inhaltlicher Beziehung (mit Ausnahme der politischen Ansichten) seien viele Übereinstimmungen mit Isokrates zu erkennen, die die Verf. als Hinweise auf eine direkte Beziehung wertet. Theopomp schätze (am Beispiel Lysanders) die Tugenden «industry, ability to form friendships and alliances, moderation, self-control over all pleasures (especially sexual license and intoxication) and honesty in handling the (huge) sums of money over which he had control.» Andere lobenswerte Haltungen seien «refusal to yield to flattery, and piety» (149). Charakteristisch für Theopomp sei seine Neigung zum Tadel. Die an Länge das Hauptthema der Geschichte Philipps weit übertreffenden Exkurse dienten der moralischen Belehrung und bildeten somit einen integralen Bestandteil des Werks. Weit stärker als Xenophon und Ephoros bediene sich Theopomp rhetorischer Mittel, vor allem der Ironie. Seine Aussage im Proömium, er habe die Philippika geschrieben, weil Europa noch niemals einen solchen Mann wie Philipp, den Sohn des Amyntas, hervorgebracht habe (F 27), mache nur ironisch verstanden Sinn (die alte Auffassung, die Aussage drücke echte Bewunderung aus, wird noch im Neuen Pauly XII 1, Art. Theopomp, Sp. 397, vertreten); denn der Makedonenkönig wird von Theopomp als Ausbund an Verderbtheit gezeichnet. Dessen unerhörten Erfolg erkläre Theopomp mit den Launen der Tyche (174 nach F 237a e‡tyxƒsai). «Theopompus’s Philippica was unique ... in its apparent inversion of the traditional equation of moral virtue with military success» (175). Der Verf. ist es gelungen, die Anfänge der neuen historiographischen Form überzeugend zu erklären und das Profil ihrer Vertreter deutlich hervortreten zu lassen. Die Interpretationen werden umsichtig entwickelt und nehmen auf die Forschungsliteratur (auch auf die nichtenglischsprachige) ausführlich Bezug. Die Ergebnisse sind relevant für eine angemessene Einschätzung der besprochenen Werke als historischer Quellen. Nicht zuletzt findet auch ein mit dem Gegenstand weniger vertrauter Leser hier eine brauchbare Einführung in die behandelten Autoren. Augsburg Peter Roth Vorlagen und Nachrichten558 Lukian, Der Tod des Peregrinos. Ein Scharlatan auf dem Scheiterhaufen. Herausgegeben, übersetzt und mit Beiträgen versehen von Peter Pilhofer, Manuel Baumbach, Jens Gerlach und Dirk Uwe Hansen. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2005. X, 257 S. (Texte zur Forschung. SAPERE: Scripta antiquitatis posterioris ad ethicam religionemque pertinentia. 9.). At a time when comparisons between early Christianity, including even its founder, and the Graeco-Roman Cynic movement are in vogue in theological circles, a new edition and commentary on Lucian’s account in his De morte Peregrini of the second-century figure of Peregrinus Proteus, who at one time or another belonged to both movements, and indeed for a short time belonged to both at once, is timely and welcome. This edition provides a Greek text, without an apparatus criticus, based mostly on M. D. Macleod’s SCBO text and a translation by Hansen; the latter is readable but, according to Pilhofer’s notes, not always accurate (see the correction n. 56; for other differences of opinion see nn. 37 and 46); one would have expected a greater degree of coordination between the translation and the notes. Readings which differ from Macleod’s text and from that of Harmon’s Loeb edition are listed in the brief introduction written by Baumbach and Pilhofer, but, surprisingly, not discussed or mentioned in the notes, although there is some discussion of other text-critical questions (cf. pp. 62, 104–7). It must always be a matter of judgement what should be mentioned in the notes and what should be omitted, but was it really necessary to document and discuss the embarrassment of nineteenth-century scholars at Peregrinus’ behaviour in §17, particularly in the light of other questions that are left untouched? Note 40, for instance, seems to explain what the word prostÀthw does not mean in this case (§11), rather than what it does or could mean (Hansen’s translation leaves it untranslated); surprisingly the frequent use of the term for a patronus or benefactor is not mentioned and the concentration upon the question of its meaning in Jewish or Christian circles is hard to understand, given that the author who is here using the term belongs to neither of these communities. Pilhofer’s notes are otherwise often very informative, for instance making use of the results of archaeological excavations at sites such as Elis and Olympia as well as electronic data-bases on philological and prosopographical matters. Often the notes are sometimes quite extensive quotations from Wilhelm Nestle’s Tusculum edition of the work, although Pilhofer more than once takes him to task for overestimating the relevance of New Testament parallels, e.g. between Peregrinus’ apotheosis and the accounts of Jesus’ resurrection appearances, as well as from older editions reaching back to Wieland in 1788 and other secondary literature and works of reference, particularly ’Der Neue Pauly‘. At times ancient sources are quoted extensively along with a German translation, in particular in connection with the comparable self-immolations of various Brahmans (n. 90) and Athenagoras’ reference to the statue of Peregrinus (n. 95). The various contributors to the volume have also supplied interpretative essays to supplement the text, translation and notes: Pilhofer on Lucian’s description of early Christian communities compared with those of other non-Christian sources in the second century; Baumbach and Hansen on Peregrinus’ career; Hansen comparing Lucian’s treatment of Peregrinus with his positive account of the Cynic Demonax, who also took his own life, and the unfavourable one of Alexander of Abonuteichos, whom Lucian also regarded as a charlatan, but died an inglorious natural death; Gerlach, in the longest of the essays, but a thoroughly interesting one, on Lucian’s depiction of various types of charlatans, above all philosophical and religious, in his Piscator, Bis accusatus, Fugitivi, De morte Peregrini and Alexander, and on the different strategies which this author adopts to counter them; finally, Baumbach shows how the De morte Peregrini met with very different reactions and evaluations amongst its interpreters in the following centuries. (But did Lucian really intend his depiction of this figure to be open to such different interpretations as Baumbach seems to suggest, any more than, say Jesus wanted his teaching to be interpreted in Cynic fashion?) Gnomon Bd. 79, 2007 559 Pilhofer’s essay draws attention to a number of unusual features of Lucian’s account: Peregrinus not only expounds Christian writings but is himself the author of some (perhaps the ’apologies‘ mentioned in the third-century list in Mitteis/Wilcken I 2, no. 155?), and Lucian also seems to be aware of Paul’s role as a ’second founder of Christianity‘ (Pilhofer prefers to read a‡t¯n in §13 although the text published here has a‡tÞn). These features as well as the evident tensions and incongruities within Lucian’s account to which Pilhofer’s notes and Gerlach’s essay draw attention would, one have thought, have made it possible to begin to sift the potentially historical from the evidently tendentious (the latter author plausibly detects behind the account the typical features of a ©eÁow ˆnÜr), yet there is little sign of such an attempt in Baumbach and Hansen’s contribution. Moreover, their construal of Lucian’s account as imposing the familiar image of the Cynics on the Christians (p. 115) seems to neglect certain un-Cynic features of this portrayal of the latter, such as their love for one another and its manifestation in their concern for Peregrinus while he was in prison (§12). Nor is it so certain that it was utterly impossible to combine the Cynic way of life with Christianity, at least superficially, as these two authors suppose (p. 120). (Although they cite in their support the judgement of Gerald Downing in a paper presented in 1991, his account in his Cynics and Christian Origins, published in the following year, is more cautious: «... even as a Christian with an exclusive allegiance one could still assimilate, more or less successfully, more or less critically, many aspects of other systems and groups, Jewish, Stoic, Platonist – or Cynic» [p. 177].) Yet the tensions and differences between the interpretations of Lucian’s work by the various contributors to this volume in themselves provide a valuable incentive to form one’s own judgement on it, all the more conscious that the last word has not yet been spoken, as well as being a useful basis for further study. München A. J. M. Wedderburn Evelyn Fertl: Von Musen, Miminnen und leichten Mädchen. Die Schauspielerin in der römischen Antike. Wien: Braumüller 2005. 228 S. 19 Abb. (Blickpunkte. 9.). Everyone knows, as least in principle, that mime was a cultural force of real significance in the Roman world, and its influence has become increasingly difficult for scholarship to ignore. The study of authors from Plautus to Ovid and beyond and of cultural institutions like the theater, amphitheater, and banquet hall now require at least acknowledgement of its appeal to Romans of all social classes. As a subject in its own right, however, mime suffers from the largely non-literary nature of the sources and their refusal to cohere. Social and legal history, epigraphy, art, and philology often promise to converge, but they never quite meet. For this study of female entertainers in the Roman world, Evelyn Fertl therefore casts a wide net, collecting, reviewing, and summarizing an extensive and varied range of testimony and reporting an equally wide range of scholarly opinions. The result is more descriptive than analytic, but the breadth and thoroughness of her treatment not just facilitate but encourage, even demand further investigation of this fascinating but elusive subject. Her review extends chronologically from the establishment of the Floralia in the mid-third century BCE until the fifth century CE, when the trail runs cold, and it draws upon literary, epigraphic, and legal texts, as well as the funeral monuments, sculpture, and graffiti that archaeology provides. The actual arrangement here is less chronological than thematic: the organization and appeal of stage performances (10–79), the social status of the performers (80–144), and then – perhaps most interesting – moving beyond the stage itself to the social relationships these women might form (’Partnerbeziehungen‘, 145–51) and (inevitably) the relationship between the acting profession and the oldest profession (’Prostitution und Schauspiel‘, 152– 67). The study ends with a valuable prosopographical appendix, which identifies fifty-nine individual performers, complete with the facts known of each, the primary and secondary sources of that knowledge, and the relevant epigraphic texts (152–69). Vorlagen und Nachrichten560 Though F. focuses on the social, legal, and economic status of female actors and dancers in Roman antiquity, the discussion is not as narrowly centered as her title might suggest. What these women actually did as artists emerges indirectly but unmistakably through the discussion of terms like mima, emboliaria and saltatrix, and much of what she has to say about the organization of their collegia and greges is not limited to the professional life of female players. The structure of her investigation, however, requires artificial separation and serial treatment of some topics, e.g. social and economic position, that are co-extensive, and, although the book ends with ten pages of serviceable black-andwhite plates, F. does not actually discuss her illustrations in any significant way. This is particularly unfortunate since the elegance of some funerary monuments speaks volumes about the social standing of those memorialized, and performing figures (statuette and bas-relief) are themselves valuable evidence for the performances in question. Significant points emerge from this survey, and F. deserves much credit for bringing them to our attention. The evident mobility of performers in response to demands for their services has important implications for the occasions and the popularity of the non-literary genres of mime and dance (70–79). The contrast between the Romans’ public and private opinions of the stage is very striking: much could be said about the genuine interest of aristocrats like Sulla, Catiline, Verres, and Antony in the art of mime and the fact that our knowledge of their interests comes from traditions hostile to them (90–98). F. also illustrates – and acknowledges – the inevitable problems caused by the disjunction between the technical barriers of legal status and the fluidity of social practice (118–51). Though none of the discussions here is definitive, all of them are valuable, and readers will come away from F.’s work with great respect for her diligence and even greater thanks for her success. Los Angeles Sander M. Goldberg 1. Graziana Brescia: Il miles alla Sbarra. [Quintiliano] Declamazioni maggiori, III. Bari: Edipuglia 2004. 269 S. (Scrinia. 23.) 20 €; 2. Catherine Schneider: [Quintilien] Le soldat de Marius (Grandes déclamations, 3). Cassino: Edizioni dell’università degli studi di Cassino; Roma: Viella Libreria editrice 2004. 285 S. (Collana scientifica. 5. Studi archeologici, artistici, filologici, letterari e storici.). Im Kimbernkrieg hat sich in der römischen Armee ein denkwürdiger Fall von Notwehr zugetragen: Ein Soldat tötete einen Militärtribun, der ihn sexuell belästigte, und wurde von Marius nicht nur freigesprochen, sondern sogar ausgezeichnet. Der Fall wurde vor allem deshalb berühmt, weil der Getötete ein Neffe des Marius war. Am ausführlichsten erzählt ihn Plutarch; als exemplum ist er präsent bei Cicero, Valerius Maximus und Quintilian.1 Die Rhetorenschule hat sich seiner auch sonst angenommen: Unter den pseudoquintilianischen Declamationes maiores findet sich als Nr. 3 eine fiktive Verteidigungsrede für den Miles Marianus;2 Argumente pro und contra liest man bei Calpurnius Flaccus (decl. 3). Zum literaturgeschichtlich wichtigsten Text, der dritten ’großen Deklamation‘, liegen nun diese beiden umfänglichen Arbeiten vor.3 Die beiden Autorinnen haben ihre Manuskripte vor der Publikation miteinander verglichen und so einige Doppelungen vermieden. Denn die Schwerpunkte sind etwas unterschiedlich. Vereinfachend gesagt: B(rescia) behandelt die rhetorischen Aspekte ausführlicher, Sch(neider) die im engeren Sinn philologischen. Daneben – oder in der Hauptsache – folgen die Autorinnen einem starken kulturhistorischen Interesse. Dies ist umso begreiflicher, als die Gattung Deklamation, zwischen Epik ____________________________________ 1 Plut. Marius 14,4–9; vgl. reg. et imp. apophth. 202 B–C; Cic. Mil. 9 und schol. Bob. dazu (vgl. auch inv. 2,124); Val. Max. 6,1,12; Quint. inst. 3,11,14. 2 Sehr viel später wurde dazu von einem Anonymus das gegnerische Plädoyer verfaßt (zuletzt mit abgedruckt in G. Lehnerts Edition der Decl. maiores, 1905). 3 Brescia hat eine erste Fassung schon 2002 veröffentlicht (mir nicht zugänglich). Gnomon Bd. 79, 2007 561 und Rede angesiedelt, den literarischen Bedürfnissen eines modernen Publikums wenig entgegenkommt. B. referiert zu Beginn über die Declamationes maiores allgemein: Mögliche Entstehungszeit der einzelnen – jedenfalls nachquintilianischen – Stücke, Redaktion des Corpus, Überlieferung (21–33). Es folgt eine Analyse des in decl. 3 vorgetragenen Plädoyers, in der es vor allem um dessen ’ideologischen‘ Kontext geht. Dabei erweist sich die Rhetorenschule, wie meistens, als Hüterin der öffentlich gepflegten Werte, besonders im Hinblick auf die rigide Sexualmoral, mit den Schlüsselbegriffen pudicitia und stuprum. Die Tradition der Vorwürfe und Begriffe (neben stuprum noch furor, flagitium, libido, corruptor, scortum u.a.) wird von B. im Schlußkapitel noch einmal aufgenommen, mit besonderer Rücksicht auf Formulierungen in den Reden Ciceros. Ähnlich stellt sich die «problématique sexuelle» bei Sch. dar (25–34; 92–95). Die Autorinnen können hier auf die stark angewachsene Forschungsliteratur speziell zum Thema Homosexualität zurückgreifen. Kaum weniger wichtig ist das Thema der militärischen Disziplin (darin prominent der Begriff virtus: B. 81f; Sch. 78–80). Daß Marius hier Maßstäbe gesetzt hat, nutzt der Verteidiger des Soldaten gebührend aus; daß der Deklamator dabei aus Sallusts Bellum Iugurthinum schöpft, wird von den Interpretinnen hervorgehoben (B. 93. 188; Sch. 23). Aus Sch.s Einleitung ist noch das Kapitel über die Datierung von decl. 3 hervorzuheben (34–38), in dem Sch. ihre schon früher veröffentlichten Ergebnisse zusammenfaßt. Sie bezieht sich dabei auf eine constitutio der Kaiser Constantius II. und Constans aus dem Jahr 342, die sich gegen Homosexualität richtet. Decl. 3 mußte daher in dieser Zeit besonders aktuell sein, auch später als ’Waffe‘ «parmi les armes du combat idéologique et religieux qui, entre 384 et 394, fut d’une brûlante actualité» (37). Tatsächlich ist recht sicher, daß man decl. 3 in jener Zeit gelesen hat, denn das Corpus wurde offenbar am Ende des 4. Jh. zusammengestellt. Offen bleibt freilich, ob der Text damals auch entstanden ist («pourrait» urteilt Sch. 36 vorsichtig). Die Datierung müßte mit sprachlichen Indizien begründet werden. Der Hauptteil besteht in beiden Fällen aus einem Kommentar, bei B. in Form einer Abhandlung, bei Sch. als Kompendium von Anmerkungen zu ihrer Übersetzung. Der vorausgeschickte lateinische Text ist jeweils – ohne den kritischen Apparat – aus L. Håkansons Edition (Stuttgart 1982) übernommen. Der hauptsächliche Unterschied zwischen den Kommentaren besteht darin, daß B. sich auf die Begriffe konzentriert, die für ihre Interpretation wesentlich sind, während Sch. durchgängig auf den Sprachgebrauch des Deklamators eingeht und Parallelen notiert, also der ’klassischen‘ Form des Kommentars nahe kommt. Hilfreich sind beide. Sch. wird zu Einzelheiten öfter konsultiert werden als B. und deshalb auch in stärkerem Maß Kritik auf sich ziehen. Ein möglicher Punkt dabei ist der, daß Sch. machmal sprachliche Parallelen anführt, die nicht genau passen. So hat in § 2 Mars parens – offenbar ein Poetismus für Mars pater – wenig zu tun mit Liv. praef. 7 suum (sc. populi Romani) conditorisque sui parentem Martem, da parens dort näher bestimmt ist. Zu § 3 puerilis ... annos aliquo semper opere durando bemerkt Sch. (115): «La formule opere durando se lit déjà chez Lucrèce, V, 1359–1360». Dort heißt es aber, mit Präposition und ohne Gerundium: opere in duro durarent membra manusque. Es wäre jedoch ungerecht, den Ertrag langer Arbeit an solchen Schönheitsfehlern zu messen. Die gegenwärtige Erschließung des einst von der Forschung vernachlässigten Corpus ist wieder ein gutes Stück vorangekommen.1 Hamburg Joachim Dingel ____________________________________ 1 Vorausgegangen sind: A. Stramaglia, [Quintiliano] I gemelli malati: un caso di vivisezione (Declamazioni maggiori, 8), Cassino 1999; ders., [Quintiliano] La città che si cibò dei suoi cadaveri (Declamazioni maggiori, 12), Cassino 2002. Sch.s Veröffentlichung folgt den redaktionellen Prinzipien dieser Reihe. Vorlagen und Nachrichten562 Viviana Campone: I ghene attici tra Oriente e Occidente. Napoli: Luciano Editore 2004. 208 S. 4°. 27 €. Die starke Ausstrahlung Athens auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet kann – bei aller Vorsicht vor einer allzu athenozentrischen Sichtweise – nicht bestritten werden, wenn man den Erfolg attischer Keramik und die militärische Machtposition im 5. Jahrhundert betrachtet. Das in den einleitenden Sätzen formulierte Ziel der Autorin ist es, die Rolle der führenden athenischen gÛnh bei dieser ökonomischen und politischen Expansion Athens zu bestimmen. Als untere zeitliche Begrenzung wurde die Mitte des 5. Jahrhunderts gewählt, als die alten Familien ihre Macht in der Polis einbüßten. Titel und Einleitung des Buches suggerieren eine gleichmäßige Behandlung des Ostens und des Westens, doch dies ist nicht der Fall. Adria, Sizilien und Magna Grecia werden nur am Rande behandelt, die Überlegungen C.s konzentrieren sich vielmehr auf die Ägäis und Kleinasien. Dies wird schon im ersten Kapitel deutlich, dessen Leitfrage darin besteht, seit wann Athen als ionische (Mutter-)Polis, als presbytÀthn gaÁan \IaonÝaw (Solon F 4.2 Gentili – Prato) angesehen wurde. Aufgrund einer ausführlichen Analyse der verschiedenen Traditionen plädiert C. dafür, die Vorstellung, Athen sei eine ionische Stadt, bereits für das späte 8. Jahrhundert anzusetzen. Die folgenden beiden Kapitel sind der Zeit Solons gewidmet, in der sich nach C. die Beziehungen Athens mit den Inseln der Ägäis und dem kleinasiatischen Festland intensivierten. Dies macht sie an einer Fülle von Einzelaspekten fest, doch die Vorgehensweise ist aus methodischer Sicht sehr fragwürdig, wie anhand eines Beispiels dargelegt werden soll: Den von Herodot geschilderten Besuch Solons am Hof des Lyderkönigs Kroisos erklärt sie für historisch, mit der Einschränkung, daß aus chronologischen Gründen nicht Kroisos, sondern dessen Vater Alyattes der Gastgeber des Nomotheten gewesen sei. Das gleiche gelte für die Begegnung des Alkmaion mit dem Lyderkönig – auch hier habe Herodot Kroisos und Alyattes verwechselt, die Reise des Alkmaion nach Sardes aber sei historische Tatsache. Daraus zieht sie weitreichende Schlüsse: «Il confronto tra le due vicende, quella di Solone e quella di Alcmeone, permette di affermare con una certa sicurezza che le più importanti famiglie aristocratiche dell’Atene del VII sec., le uniche a disporre di un surplus agricolo da scambiare con prodotti di lusso, dovevano intrattenere relazioni commerciali con il mondo lidio, sia direttamente sia indirettamente, tramite la mediazione ionica.» (30) Es soll hier nicht bestritten werden, daß es intensive Beziehungen zwischen der athenischen Aristokratie und dem lydischen Königshaus gab, aber auf der Grundlage der Anekdoten Herodots zu diesem Schluß zu kommen, ohne die literarische Dimension von Herodots Werk und die Wege zu reflektieren, auf denen der Historiograph zu seinen Informationen gelangte, ist methodisch unzulässig. Hier wie an vielen anderen Stellen dieses Kapitels, z.B. in den Überlegungen zu Solons Münz- und Gewichtsreform, blendet C. die Debatten zur Glaubwürdigkeit der Quellen einfach aus. Gegenstand der Kapitel 4 und 5 sind die führenden gÛnh Athens im 6. Jahrhundert, Peisistratiden, Alkmeoniden und Philaiden. Deren Kontakte zu Inseln und Küsten der Ägäis werden besprochen, vor allem das Ausgreifen der Peisistratiden nach Delos und die Schaffung einer philaidischen Machtbasis auf der thrakischen Chersones. Einen großen Raum nimmt dabei die Untersuchung von Genealogien ein: nach C. untermauerten die athenischen gÛnh Ansprüche auf Einfluß in außerattischen Gebieten, indem sie sich durch die Schöpfung neuer Genealogien in die epichorische Mythenwelt ’einklinkten‘. Eine Bündelung der Ergebnisse der zahlreichen Detailanalysen liefert C. nicht, und es stellt sich die Frage, ob dies überhaupt möglich wäre. Denn die Anlage dieser Kapitel weist einen grundsätzlichen Fehler auf: Die Verfasserin setzt voraus, daß die politische Geschichte Athens in archaischer Zeit gleichbedeutend mit der Geschichte der großen Adelsgeschlechter sei. Diese hätten über eine hohe innere Kohärenz verfügt, über viele Generationen hinweg bestimmte Ziele verfolgt und Freundund Feindschaften untereinander bewahrt; so seien die Philaiden immer «nemici storici degli Alcmeonidi» (86) gewesen. Mit dieser Vorstellung eines Geschlechterstaa- Gnomon Bd. 79, 2007 563 tes knüpft C. an eine alte Forschungstradition an,1 ignoriert aber die Erschütterung dieser Vorstellung durch Felix Bourriot,2 der in einer äußerst umfangreichen Studie zur Semantik des Begriffs gÛnow und zur Existenz und Bedeutung von Adelsgeschlechtern in Athen zum Ergebnis gekommen war, daß die archaische griechische Aristokratie eben gerade nicht in Form von Clans organisiert gewesen sei; die handlungsleitende Einheit sei vielmehr der oikos gewesen. Auch wenn Bourriot in manchen Punkten über das Ziel hinausgeschossen ist, beispielsweise beim Versuch, die hohe Bedeutung von Verwandtschaftsgruppen auf Ägina zu relativieren, hat sich sein Werk doch als Bezugspunkt für alle weiteren Forschungen etabliert. Vor diesem Hintergrund ist es frappierend, daß C. Bourriots Argumente völlig außer Acht läßt. Daß Athen in archaischer Zeit ein Geschlechterstaat gewesen sei, ist nicht das Ergebnis ihrer Untersuchung – dies wäre schon überraschend genug –, sondern deren Prämisse! Noch gravierender als diese selektive Wahrnehmung der Forschung wirkt sich aus, daß keine Definition des Untersuchungsgegenstandes geliefert wird. Welcher Personenkreis ihrer Meinung nach von dem Begriff gÛnow zusammengefaßt wird (übersetzt gibt sie ihn mit «famiglia» wieder), welche Rolle agnatische und cognatische Verwandtschaft spielten, wie der Zusammenhalt innerhalb eines gÛnow gewährleistet wurde, all dies erfährt man von C. nicht. Ganz aus dem Blick geraten die gÛnh in den folgenden Kapiteln über Themistokles, Kimon und den Handel mit attischer Keramik. C. zeichnet nach, wie nach dem erfolgreichen Abwehrkampf gegen die Perser die Ägäis in kurzer Zeit zu einem attisch dominierten, politisch und wirtschaftlich vereinheitlichten Raum wurde und Athen gleichzeitig in der Adria seinen Einfluß verstärkte. Daß die Protagonisten dieser ____________________________________ 1 J. Toepffer, Attische Genealogie, Berlin 1889; G. Alföldy, Der attische Synoikismos und die Entstehung des athenischen Adels, Revue Belge de Philologie e d'Histoire 47, 1969, 5–36. 2 F. Bourriot, Recherches sur la nature de genos, Lille 1976. Entwicklung zum einen der athenische Demos, zum anderen herausragende Politiker wie Themistokles oder Kimon gewesen seien, geht aus der Darstellung deutlich hervor; welche Rolle die gÛnh in der attischen Politik der Pentekontaëtie einnahmen, wird nicht thematisiert. Manche der Einzelanalysen des Buches, insbesondere diejenigen zum politischen Hintergrund mythologischer Genealogien, bringen dem Leser Gewinn. Wenn es im Hinblick auf das Erkenntnisziel – die Bestimmung der Bedeutung von Adelsclans im Prozeß der athenischen Expansion – scheitert, so ist dies darauf zurückzuführen, daß es C. nicht gelingt, die Existenz solcher Clans plausibel zu machen – es bleiben folglich nach der Lektüre des Buches Zweifel, ob dessen Untersuchungsgegenstand überhaupt existiert. Freiburg Christian Mann Marietta Horster: Landbesitz griechischer Heiligtümer in archaischer und klassischer Zeit. Berlin/New York: de Gruyter 2004. IX, 260 S. (RGVV. 53.). Die wirtschaftlichen Grundlagen antiker Tempel, Heiligtümer und Kultvereinigungen sind ein ebenso wesentliches wie lebendiges Forschungsthema. So haben etwa Reger (Regionalism and Change in the Economy of Independent Delos (Berkeley 1994)), die Beiträge in Linders & Nordquist und Linders & Alroth (Gifts to the Gods. Uppsala 1987; Economics of Cult. Uppsala 1992), oder der thesenreiche Artikel von J. Davies (’Temples, Credit and the Circulation of Money‘ in A. Meadows & K. Shipton (Hrsgg.) Money and its Uses in the Ancient Greek World. Oxford 2001: 117–128) argumentiert, daß Tempel und Heiligtümer Wirtschaftsunternehmen waren, die mit ihren Einnahmen aus Verpachtungen, Zinsgeschäften und Schenkungen Kulte, Bauten oder Personal finanzierten und dabei durchaus gewinnorientiert handelten. Je nach Umfang des Besitzes waren religiöse Verbände damit wichtige Spieler in der antiken Wirtschaft. Doch ist bisher wenig diskutiert worden, welchen Status Tempelbesitz und insbesondere heiliges Land vis-à-vis der Öffentlichkeit hatte, und damit auch, wie auto- Vorlagen und Nachrichten564 nom Tempel und Heiligtümer als Wirtschaftseinheiten waren.1 Hier setzt Marietta Horsters Studie an. Zurecht betont sie einführend, daß in signifikantem Gegensatz zu altorientalischen und ägyptischen Tempelbesitzungen die Verwaltung und Finanzierung griechischer Kulte und Heiligtümer eine öffentliche Angelegenheit der Gemeinschaften war, die für sie verantwortlich waren (1). Doch weist sie Finleys Meinung, es habe neben öffentlichem und privatem Land kein heiliges Land gegeben, entschieden zurück, denn dies übergehe alle jene Äußerungen, die die Götter als eigenständige Wirkmacht hervortreten ließen (11).2 Neben dem öffentlichen (dhmÞsion oder koinÞn) und dem privaten Besitz (œdion) war der Besitz der Götter (ÓerÞn) deutlich markiert, wobei er allerdings keine eigene juristische Kategorie darstellte und die Götter selbst niemals Rechtssubjekte waren (13–15). Diese Feststellung wird an der Signifikanz von Grenzsteinen, literarischen Zeugnissen, sowie einigen theoretischen Äußerungen der klassischen Philosophen im Detail demonstriert (Kap. 1). In den folgenden vier Kapiteln werden die Entstehung von heiligem Land (Kap. 2), Nutzungsverbote und Restriktionen (Kap. 3), die wirtschaftliche Nutzung (d.h. Verpachtung) von heiligem Land (Kap. 4), sowie die Bedeutung dieser Nutzung im Gesamtbudget der Heiligtümer untersucht (Kap. 5). Kapitel 2 diskutiert sechs Formen der Entstehung von heiligem Land. Zunächst entwickelten sich sakrale Räume im Zuge der Formierung antiken Gemeinschaftslebens in der ersten Hälfte des 8. Jh. v. Chr. ____________________________________ 1 S. jedoch S. B. Aleshire ’Towards a definition of ’state cult‘ in ancient Athens‘ in R. Hägg (Hrsg.), Ancient Greek Cult Practice from the Epigraphical Evidence. Proceedings of the II. International Seminar on Greek Cult, Athens 1991. Stockholm 1994: 9–16. 2 M. I. Finley, Studies in Land and Credit in Ancient Athens 500–200 BC.: The Horos Inscriptions. New Brunswick 1952, bes. 278; D. M. Lewis‚ ’Public property in the city‘ in O. Murray (Hrsg.), The City from Homer to Alexander. Oxford 1990: 245–263. Städtegründungen strukturierten sich um abgetrennte Kulträume, die nicht nur das städtische Leben, sondern auch die Landschaft beherrschten und bisweilen überregionale Bedeutung hatten. Einen deutlichen Schub erhielt die Abgrenzung von heiligem Land in der Periode der Kolonisierung, um die sich ex post Geschichten über die Aufteilung des Landes an die Siedler sowie die Abtrennung von Bezirken für die Götter rankten. Angesichts der epigraphischen Zeugnisse späterer Gründungen und der emblematischen Gründungsgeschichte Scherias bei Homer scheint dieser Aspekt der Entstehungsmythen durchaus historisch fundiert. In der Folge wurde heiliges Land vornehmlich durch Eroberungen, Schenkungen und Konfiskationen gewonnen, sowie im Zuge von Kultgründungen fremder und indigener Kultvereinigungen. Letzteres geschah häufig auf private Initiative in privaten Räumen, doch wenn der Kult einen offiziellen Charakter hatte, mußte neues Land von der Bürgerschaft (d.h. der Stadt) zur Verfügung gestellt werden. Aus dem 3. Jh. gibt es Zeugnisse, daß eigens hierfür Land von der Stadt käuflich erworben wurde (77). Im 3. Kapitel wendet sich H. jenem Land zu, das keine wirtschaftliche Bedeutung für die Heiligtümer hatte. Hierzu gehörten heilige Haine, Gewässer, Weideflächen, einzelne Bäume und Agrarland, das explizit von der landwirtschaftlichen Nutzung ausgeschlossen war. Häufig hatten solche Nutzungsverbote rationale Zwecke, wie etwa die Schaffung von Grenzland oder von Zugangswegen zu Flußläufen und dem Meer. In anderen Fällen sollten heilige Haine beispielsweise durch ihre Schönheit und Pflege als etwas anderes, dem Menschen nicht zum unmittelbaren Nutzen Dienendes gekennzeichnet werden. Die Beschlüsse, in denen uns Restriktionen der Nutzung heiliger Flächen überliefert sind, hatten meist einen ganz konkreten Anlaß und dokumentieren eine gewisse Praxisorientierung der staatlichen Kontrolle heiliger Besitzungen (136f). Kap. 4, das als der zentrale Teil der Studie anzusehen ist, behandelt Land, das dem Unterhalt eines Heiligtums diente. Als häufigste Form der Nutzung erscheint in der klassischen und nachklassischen Zeit die Verpachtung von Tempelland, aber es Gnomon Bd. 79, 2007 565 gibt Hinweise für Bearbeitung durch Tempeldiener (eg. Syll.3 22 (Magnesia, 494 v. Chr.)). In der archaischen Zeit sind Verpachtungen gar nicht belegt. H. weist deutlich darauf hin, daß die anscheinende Dominanz der Verpachtung von Tempelland von der Quellenlage abhängt, da Informationen weitgehend aus Attika sowie Schenkungs- und Stiftungsurkunden stammen, in denen die Nutzung von Erträgen geregelt und dadurch die Bedeutung von verpachtetem Land quantitativ überbetont wird (143). H. diskutiert sodann eine Reihe bekannter Pacht- bzw. pachtbezogener Urkunden aus Attika, Herakleia und Delos, aber auch weniger bekanntes Material aus Arkesine, Chios, Delphi, Lokri, Samos, Thasos und Xanthos. Erwähnt sei hier, daß sie die vieldiskutierten hekatostai Inschriften aus Attika mit guten Argumenten gegen Osborne und Walbank, als Dokumentation von Verkäufen, nicht Verpachtungen betrachtet (157f).1 H. beobachtet zusammenfassend, daß Verpachtungen außerhalb Attikas im 5. Jh. v. Chr. noch selten waren und erst im Laufe des 4. Jh. v. Chr. im Ägäisraum üblicher wurden (190). Zuständige Amtsträger für die Verpachtung waren in keinem Fall Priester, sondern öffentliche, mit der Verwaltung der Heiligtümer beauftragte Magistrate (hieropoioi, tamiai, Prytanen oder Polianomen). Die Pachtverträge der klassischen Zeit enthalten ferner die auch aus hellenistischen Verträgen bekannten Kontrollen des Verpächters über Art und Qualität des Anbaus, Bürgenstellung der Pächter, sowie Strafzahlungen in Höhe von 150 % des Pachtzinses. Nur in den Verträgen, die von Kultvereinen abgeschlossen wurden, scheint keine Bürgenstellung erforderlich gewesen zu sein. Pachten wurden mit wenigen Ausnahmen in Geld geleistet. Im Vorgriff auf das abschließende Kap. vermutet H., daß die Einnahmen aus Pachten kaum die Kosten der aufwendigen Feste größerer Heiligtümer gedeckt haben können (191). ____________________________________ 1 R. Osborne, The Discovery of Classical Attika. Cambridge 1985: 56–59; M. B. Walbank, ’Leases of public land‘ in G. Lalonde, M. Langdon, M. Walbank (Hrsgg.), The Athenian Agora 19. Princeton 1991: 145–207. Im 5. Kap. unternimmt H. den Versuch, ein balance sheet der Einnahmen und Aufwendungen griechischer Heiligtümer zu entwerfen. Ausdrücklich wendet sie sich gegen die von Davies (s.o.) vertretene These, die Finanzierung griechischer Tempel habe sich progressiv von Naturalzuwendungen zu monetären Einnahmen und schließlich der systematischen Ausbeutung von Kapital im Zinsgeschäften entwickelt. Vielmehr müsse ein solches Modell regional und von Kult zu Kult getrennt nachgewiesen werden. Sodann vergleicht H. Angaben zu den Einnahmen der Heiligtümer aus Ländereien mit anderen Einnahmequellen, insbesondere Kreditgeschäften, Strafgeldern, Opfern, Gebühren und Abgaben. Diesen Einnahmen stellt sie Ausgaben (vor allem für Feste, Kultaktivitäten und Priesterlöhne) gegenüber. Es scheint sich zu ergeben, daß Einnahmen aus Landverpachtung in klassischer Zeit nur einen Teil einer vielschichtigen Einnahmenpolitik der Tempel und Heiligtümer darstellte, und im Gegensatz einer Äußerung des Isokrates (Areop. 29f) den Unterhalt von Heiligtümern kaum zu gewährleisten vermochten. Sogar insgesamt scheinen die Einnahmen von Tempeln niedriger als ihre Ausgaben gewesen zu sein, was sich schon an der Notwendigkeit von Liturgiezahlungen zeigt. Im 4. Jh v. Chr., so H., mögen Verpachtungen die Kultkosten der Heiligtümer ausreichend gedeckt haben, nicht aber alle für das Heiligtum notwendigen Ausgaben (217). H. hat aus einer Vielzahl epigraphischer, archäologischer und literarischer Quellen eine Synthese gezogen, die insbesondere auch für Lehrzwecke nützlich sein wird. Hinter der gut lesbaren Darstellung steckt ein großes Maß an Detailarbeit, die sorgfältig und, soweit ersichtlich, zuverlässig geleistet worden ist. Stellungnahmen zu einzelnen Forschungsproblemen sind überzeugend formuliert. Allerdings wird die Eingangsthese, heiliges Land sei eine eigene, wenn auch nicht juristische Kategorie gewesen, nicht systematisch und in allen ihren Konsequenzen analysiert. Zwar vermag H. es zu zeigen, daß heiliges Land von privatem und öffentlichem Land sichtbar abgegrenzt war, doch schränkte die Einflußnahme der Magistrate auf die Verpachtung von Tempelland die wirtschaftliche Autonomie der Vorlagen und Nachrichten566 Heiligtümer deutlich ein. Eine Analyse verschiedener Formen von Nutznieß, etwa von Polisland, Schenkungen oder Stiftungen wäre hier weiterführend gewesen. Auch scheint das von H. betonte Veräußerungsverbot von Tempelland (14) signifikant für die Frage der Rechte der Heiligtümer vis-à-vis der Gemeinschaft gewesen zu sein. Schließlich wäre eine Unterscheidung der Rechte einheimischer Tempel, einheimischer Kultvereine, sowie zugewanderter Kultvereine und Heiligtümer für fremde Götter notwendig gewesen, um die Trennung von öffentlichem, privatem und heiligem Land zu spezifizieren. Die Beobachtung, daß bei Pachtverträgen mit Kultvereinen im Gegensatz zu jenen mit Tempeln keine Bürgen für die Pacht gestellt wurden, deutet auf einen wesentlichen Unterschied der respektiven Rechte von Kultvereinen und (öffentlich verwalteten) Tempeln hin. Solange über mögliche Differenzierungen keine Klarheit herrscht, bleibt Finleys juristische Umschreibung des Status von Tempelland für wirtschaftliche Fragestellungen wesentlich. Es fragt sich ferner, ob an manchen Stellen eine quantitative oder auch nur tabellarische Darstellung der Evidenz sinnvoll gewesen wäre. H. betont explizit, daß das Material für quantitative Studien nicht ausreichend sei. Dennoch hätte sich der mit Fußnoten überfrachtete Abschnitt zu den horoi (Grenzsteinen) durch eine tabellarische Auflistung der Evidenz erübrigt. Auch hätte eine systematische, d.h. tabellarische Darstellung der Pachtverträge, ihrer Datierung, Herkunft, Vertragspartner und Klauseln H.s historisches Argument unterstützt. Und schließlich hätte eine quantitative Erfassung der vorhandenen Daten zu Einnahmen und Ausgaben der Tempel deutlich gemacht, daß die Evidenz für eine solche Kostenrechnung tatsächlich nicht ausreicht. Angesichts H.s breiter Quellenkenntnis steht zu hoffen, daß weiterführende Analysen des in dieser Studie vorgestellten Materials in kommenden Publikationen fortgesetzt werden. Augsburg Sitta von Reden Barbara Burrell: Neokoroi. Greek Cities and Roman Emperors. Leiden/Boston: Brill 2004. 395 S. 27 Taf. (Cincinnati Classical Studies. N. s. 9.) 139 €. Das kompetitive Klima zwischen den Städten Kleinasiens führte in der römischen Kaiserzeit zur Ausbildung einer regionalen Besonderheit bei der Administration des Herrscherkultes: die Bezeichnung ’Tempelwächter‘ (nevkÞrow) führten jene Städte als Ehrentitel, denen es in Konkurrenz zu ihren Nachbarn gelungen war, einen provinzialen Kaisertempel auf ihrem Gebiet errichten zu lassen. Höchstwahrscheinlich mußte eine jede solche Einrichtung von den kaiserlichen Behörden genehmigt werden, so daß neben der erfolgreichen Auseinandersetzung mit den Nachbarstädten in der Provinz auch eine gelungene Kommunikation mit den kaiserlichen Behörden aus der Titelführung erschlossen werden kann: Herrschaftsmodalitäten und Machtstrukturen werden sichtbar. Das Buch von B. behandelt das Phänomen der Neokorie umfassend und vollständig; es enthält als Teil 1 eine Serie von 37 detaillierten Lokalstudien zu jenen Städten, die den Titel Neokoros errangen (’city-by-city section‘, 17–269) und als Teil 2 die Ergebnisse systematischer Analyse des in diesen Lokalstudien verarbeiteten Materials (’summary chapters‘, 273–374). Die Einführung (1–13) befaßt sich kurz mit der Forschungsgeschichte, mit der Herleitung des Terminus ’nevkÞrow‘, und stellt dann die Quellenbasis der Untersuchung dar, die hauptsächlich aus Inschriften und Münzen besteht. Literarische Zeugnisse überliefern nur ausnahmsweise Informationen zur Neokorie, und das archäologische Material ist nur selten eindeutig auf einen Provinzkult zu beziehen. Die Lokalstudien sind nach Provinzen (koinÀ) geordnet; in der Inhaltsangabe wird nach dem Namen einer jeden Stadt der Kaiser aufgeführt, unter dem dieser Stadt erstmals der Titel Neokoros verliehen wurde, so daß hier bereits eine erste Übersicht zur zeitlichen Verteilung und zur Positionierung einer Stadt innerhalb ihrer Provinz bereitgestellt wird. Interessant ist dies schon auf den ersten Blick bei der Provinz Asia, die mit 14 Neokorie- Städten oder ’nevkÞroi‘ alle anderen Pro- Gnomon Bd. 79, 2007 567 vinzen überragt, während etwa Galatia, Armenia, Cappadocia nur eine einzige, Bithynia, Pamphylia, Macedonia, Pontus, Cilicia, Thracia jeweils zwei bis drei Städte aufweisen, die Titel und Status der Neokorie erlangten: Die Titelführung bildet den Urbanisierungsgrad und die Rangverhältnisse zwischen den Städten einer Provinz relativ zuverlässig ab, so daß es nicht verwundert, bei Asia in den ersten zwei Jahrhunderten n.Chr. hauptsächlich die Städte der kleinasiatischen Westküste – Pergamon, Smyrna, Milet, Ephesos und Sardis, Kyzikos (291) – aufgeführt zu sehen. Jedes dieser 37 Kapitel enthält die numismatische und epigraphische Gesamtdokumentation in Form einer anhängenden Liste – ein überaus nützliches Arbeitsinstrument –, während der Haupttext die Umstände der Neokorie-Verleihungen ausführlich zu rekonstruieren sucht. Hier wären viele Spezialprobleme zu diskutieren, von denen nur einige Beispiele genannt seien: Beherbergte der Apollontempel in Didyma einen Provinzkult für Kaiser Gaius/Caligula? War Kaiser Hadrian der Kultadressat des riesigen Tempels in Kyzikos? Fungierte das sog. Traianeum in Pergamon als Provinztempel? Nicht jeder Forscher wird die von B. vertretenen Positionen – sie optiert in diesen Fällen jeweils positiv – teilen und mittragen wollen, doch bietet dieses Buch die derzeit vollständigste und aktuellste Diskussionsgrundlage zu diesen Themen. Es wird sicherlich zu einem Standardwerk der provinzialrömischen Forschung werden. Hinzu kommt die hervorragende Ausstattung mit Abbildungen guter bis sehr guter Qualität, die es erlaubt, viele der diskutierten Probleme sofort anhand des Bildmaterials, hauptsächlich Münzen, mitzuverfolgen. Der erste und umfangreichere Teil des Buches richtet sich an Spezialisten, deren Forschungsgebiet das kaiserzeitliche Kleinasien ist; der systematisch angelegte, zweite Teil hingegen nimmt eine weitere Perspektive ein und richtet sich an ein Publikum, das grundsätzlicher als die Lokalforscher an den Modalitäten des Herrscherkultes auf der regionalen Ebene, an Fragen der Sozialhistorie und Institutionengeschichte interessiert ist. Den größten Umfang des zweiten Teiles nimmt die Beschreibung der diachronischen Entwicklung der Institution Neokorie ein (275–304, ch. 38). Sie ist seit Augustus faktisch, seit der zweiten Hälfte des 1. Jh. n.Chr. auch terminologisch faßbar; ausgehend von der kleinasiatischen Westküste breitet sie sich als eine Art Erfolgsmodell bei der symbolischen Formulierung der Machtverhältnisse stetig aus, wobei Beroia in Makedonien die westliche, Nikopolis in Armenia und Neapolis in Syria Palaestina die östliche Grenze des bekannten Vorkommens markieren. Viele der größeren und selbst einige der kleineren Städte erreichten mehrmals die Titelverleihung, beginnend mit Pergamon in traianischer Zeit. Zu Anfang des 3. Jh. ist dann eine wahre Titelinflation zu beobachten, und B. stellt zu Recht die in vielen Fällen nicht zu beantwortende Frage, welche Realität hinter der massenhaften Titelführung dieser Zeit steht: Konnten all diese Koina und Städte tatsächlich zwei oder drei Kaisertempel finanzieren? Hat man bereits vorhandene vielleicht nur umbenannt? Die spätesten Belege für die Neokorie stammen vom Ende des 3. Jh., was womöglich nicht das Ende der Einrichtung, sicherlich aber den bekannten Wechsel bei den Zeugnisgattungen ab der Mitte des 3. Jh. reflektiert. Der diachronische Durchgang wurde von B. nach einzelnen Kaisern bzw. Kaiserdynastien organisiert, doch erlaubt die Dokumentationslage eigentlich nur bei dem reisefreudigen Kaiser Hadrian (281– 4), den konkreten Handlungszusammenhang (Anlaß, Mediatoren, Zeit und Ablauf von Neokorieverleihungen) einigermaßen klar zu erkennen, während ansonsten mit einer großen Variationsbreite möglicher Gründe (372) gerechnet werden muß, die uns die erhaltenen Zeugnisse aufgrund ihrer spezifischen Aussagerichtung, die nicht mit den modernen Erkenntnisinteressen übereinstimmt, verschweigen. Das zweite Kapitel des systematischen Teils handelt von der materiellen Seite der Herrscherverehrung, von den Kultorten und Statuen der Herrscher: wir kennen nur wenige nachweislich provinziale Kaisertempel aus Städten, die den Titel Neokoros führten; in der Zählung von B. sind es ganze elf Beispiele, wobei nicht eindeutige Fälle – wie das bereits erwähnte Didymaion oder der große Tempel in Sagalassos – mitgerechnet werden (308). Dies schmälert natürlich die Tragfähigkeit von generalisierenden Aussagen, etwa zur Ten- Vorlagen und Nachrichten568 denz, für den provinzialen Herrscherkult große und möglichst eindrucksvolle Bauwerke zu errichten und diese im Stadtbild prominent zu plazieren (330). Auch die Dekorationssysteme der Bauten und die Gestaltung der Kaiserbilder in den verschiedenen Städten variieren beträchtlich, so daß es der Rez. schwerer fällt als der Verf., hier ein einigermaßen konsistentes Bild (330) zu erkennen. Die drei folgenden Kapitel (ch. 40–42) beschreiben den provinzialen Herrscherkult als komplexes Kommunikationssystem zwischen den lokalen Eliten in den Städten (331–42), dem Beziehungsgeflecht der Städte auf Provinzebene (343–58) und den römischen Machthabern mit ihrem Behördenapparat (359–71). B. geht wiederum diachronisch vor und analysiert das dialogförmige Wechselspiel zwischen Stadt bzw. Koinon und Machthaber bei jedem einzelnen Kaiser ohne in der eng gefaßten Fragestellung nach dessen ’Religionspolitik‘ steckenzubleiben. Die oft übersehene Rolle des römischen Senates in diesem Prozeß wird betont (367–70) und die Rolle einzelner Personen gebührend beleuchtet (333–4). Die Darstellung der Sachverhalte und der Forschungsprobleme ist durchgehend akribisch und von wohlabgewogenem Urteil, so daß dieses Buch durchaus auch als Einführung in die Problematik kaiserzeitlicher Provinzialorganisation im Osten des Römerreiches empfohlen werden kann. Eine Karte zur Verteilung der Neokoroi und eine synoptische Graphik zur diachronischen Verteilung (396), auch eine Kaisertabelle (395), erleichtern die Orientierung in dem umfangreichen Material. Leipzig Annette Hupfloher Karl Christ: Pompeius. Der Feldherr Roms. Eine Biographie. München: Beck 2004. 246 S. This book is presumably intended for German-speaking general readers, since the absence of references to ancient sources and modern literature severely limits its usefulness to scholars and all but the most elementary of students. It begins with a very general but unexceptionable introduction to the history of the Roman republic, followed by a largely straightforward narrative of the career of P.’s father Strabo, in which Chr. makes the interesting point that Strabo wanted power, but wanted it granted to him in due legal form, a trait even more strongly evidenced in his son. The account of P.’s beginnings under Sulla is again rather skeletal but largely sound, highlighting the early proofs of P.’s gift for organisation and his desire for special recognition, though one might query the suggestion that P.’s flirtation with Lepidus shows that he was never fully committed to the Sullan system. But Chr. is right to point out that P.’s whole career was shaped by actions taken by Sulla or actions that he had failed to take. P.’s first triumph is dated to 79 and it is assumed that Sulla was still dictator. As with certain other questions of detail later it is impossible in the absence of footnotes to be sure whether this implies rejection or merely unawareness of more recent views. The account of the rising of Lepidus is too telescoped to be entirely clear, while that of the Sertorian war lays just emphasis on P.’s work of reorganisation in Spain, but offers no interpretation of his notorious letter home. The assumption, based on Plutarch, that P. and Lucullus were already enemies in 74 has little to commend it. Chr. exaggerates the strength of P.’s position on his return from Spain in 71 and offers no explanation of his rivalry with Crassus. P.’s election to the consulship is rightly regarded as inevitable. But to deny him the title of statesman or even politician simply because, unlike Sulla and above all Caesar, he merely wanted to bend the system, not break it, seems somewhat unfair. The great commands of the sixties are in the main effectively dealt with. The problem of the nature of P.’s imperium against the pirates is not mentioned, though ’Oberbefehl‘ of the Mithridatic command presumably implies that it was now at least maius. Chr. espouses the traditional view of the Eastern settlement as the consequence of careful overall planning; in fact its detailed progress may well have been much more haphazard, though the ultimate effect was much the same. In expounding the situation which confronted P. on his return Chr. resorts to a Gnomon Bd. 79, 2007 569 somewhat antiquated conception of Roman politics as an ongoing contest between optimates and populares. Since he believes that P. had offered a genuine threat of force in 81 and 71 he is puzzled by his demobilisation of his army and indeed seems to disapprove. A straightforward account of the formation of the coalition neglects the question of what Cato hoped to gain by his intransigence and revives the old interpretation of siluae callesque. The treatment of Caesar’s legislation of 59 is brief, that of Clodius’ independence very fair, but P.’s attitudes to Cicero’s exile and recall are not considered in any great depth. On the corn command Chr. is sound, on the Egyptian question very brief even by his Laconic standards, on the possible repeal of the lex Campana too brief: he neglects to point out that it was P. who had caused the subject to be raised in the senate. The narrative then moves to Ravenna and Luca. Chr. appears to imply (rightly) that Crassus was not at Luca, but takes a somewhat maximalist view of the terms of the agreement made there. The second consulship and the years of increasing anarchy down to 52 are briefly but sensibly dealt with. In the last years before the civil war Chr. constantly stresses P.’s respect for constitutional forms, but remains undecided as to whether the legislation of 52 was deliberately intended to undermine Caesar’s position. Indeed, there is no real discussion of P.’s political aims and motivation in the intrigues that led up to the war. The effect on P. of public reaction to his illness and recovery is, however, rightly emphasised. From that point on P. began to make errors of judgement that show his credulity and lack of preparation. The account of the war itself shows Chr. at his best. He stresses the folly of not giving P. supreme command at the outset, highlighting his problems with other republican commanders and the mutual suspicion that made it impossible for P. to contemplate a meeting with Caesar. After the initial panic caused by the speed of Caesar’s advance, P. is deservedly praised for his organisation of the evacuation of Italy. Caesar’s initial successes were limited, but the change in the constitutional position in 48 told to his advantage, while P., even after he was made commander-inchief, continued to experience problems with the senate in exile and to be subjected to the pressures that eventually led to his fighting against his better judgement at Pharsalus. After the narrative proper Chr. appends first a summary of ancient verdicts on P. and a Forschungsbericht, thorough on German works, sketchier on English and other languages, then an interesting final chapter on P.’s personality and family. P.’s desire for a unique extraordinary position within republican constitutional structures is clearly defined. The influence of both Strabo and Sulla on the young P. is well brought out, with the pertinent observation that Sulla’s special treatment of him did much to increase P.’s vanity. The conventional dichotomy between the clumsy and tentative politician and the consummate imperial organiser is perhaps too glib, but the assertion that throughout his career P. never escaped Sulla’s shadow is a profound and valuable insight. Chr. again repeatedly criticises P. for failing to take the final step to supreme power, in other words for not being Caesar. Some might think that this was his greatest virtue. In all, then, despite the extreme traditionalism of its approach to late republican history and its tendency to gloss over sometimes quite important problems without discussion, its readability and the perceptive quality of some of its insights make this a book well worthy of attention. Liverpool Robin Seager Karl-Joachim Hölkeskamp: Rekonstruktionen einer Republik. Die politische Kultur des antiken Rom und die Forschung der letzten Jahrzehnte. München: Oldenbourg 2004. 146 S. (Historische Zeitschrift. Beihefte. 38.). This small monograph (or expansive essay) addresses an issue much discussed among Roman historians in the past two decades: the structure and character of politics in the Roman Republic. H. has himself contributed significantly to the debate through a series of important articles. Here he pens his reflections on the subject, summarizes selective highlights from recent scholar- Vorlagen und Nachrichten570 ship, and offers proposals for future research. H. takes as his starting point the argument over F. Millar’s conception of the Roman Republic as a form of democracy and his denial that it was governed by an oligarchy. The thesis and H.’s resistance to it runs as a leitmotif through the essay. He makes some telling points on this controversy. But grappling with the Millar thesis, unfortunately, proves to be more a distraction than an advance. The most valuable feature of the work is H.’s movement of the discussion to a different level of discourse, namely from a study of politics to that of political culture. Repeated reversion to Millar’s construct and criticism of it deflects attention from that salutary enterprise. H. rightly seeks to transcend the tired dichotomy between a strictly constitutional, legalistic approach to Roman politics and the prosopographical analysis that finds the «Adelsparteien», built through dynastic marriages and family factions, in constant competition for political ascendancy. As H. notes, Millar’s claim to be jousting against the ’orthodoxy‘ of the latter is overblown. Few ever embraced it in its pure form – not even Gelzer. A more nuanced and acute interpretation appeared a generation ago in Christian Meier’s ’Res Publica Amissa‘ which H. holds up as a principal model. Meier discerned complex relationships among different segments in society that generated flexible, shifting alliances, perpetuating rather than disrupting the system. A great strength of H.’s essay is that it builds upon Meier’s insights, drawing on a host of recent studies, particularly those of M. Jehne and E. Flaig, to underscore the continuities that held Roman political society together for so long, instead of focusing on the ’fall‘ of the Republic. H. places stress not on structures but on conventions and shared practices, a ’consensus‘ that maintained solidarity within the ascendant orders and secured allegiance from the populace. Rituals and tradition supplied the glue for society: political culture rather than politics. He rehearses the work done in the past two decades on triumphs, spectacles, festivals, monuments, funeral processions, and civic rituals of every form. Bourdieu’s concept of ’symbolic capital‘ is here exploited to good effect. The Roman elite held its place through repeated reminders of repute and achievements gained across the generations. Millar and others have correctly stressed that Roman political interaction occurred in public, in the open air, in face to face encounters, in the forum, contiones, and the law courts. H. expands that terrain, bringing in the contributions of T. Hölscher above all, and recalls that urbs Roma also consisted of locations for religious pageantry, for public ceremonies, temples, and parade routes that comprised a form of sacral landscape in the city. These institutions put civic solidarity on exhibit while reinforcing the hierarchical character of Roman society. Collective morality, expressing itself in concepts like virtus, fides, existimatio, dignitas, and honos, was deeply aristocratic. The office-holding class may not have been a closed shop, but the inner elite possessed critical advantage in its association with the traditions of the res publica itself. Participation of the citizenry in the affairs of state, in short, constituted no democracy, but the means and forms of communication in a stratified society. On all these matters H. offers useful reminders of valuable work already done by others that lift the debate outside the narrow confines of political institutions. His small monograph offers no startling novelties. And the denseness of much of the writing will impede its aim of reaching out to a larger readership. Nevertheless, H.’s call for expansion of interdisciplinary studies, particularly in conjunction with anthropology and sociology, and for a broadened perspective on the political culture of the Roman Republic is most welcome. Berkeley Erich S. Gruen Gnomon Bd. 79, 2007 571 Claudia Rapp: Holy Bishops in Late Antiquity. The Nature of Christian Leadership in an Age of Transition. Berkeley/ Los Angeles/London: California UP 2005. XII, 346 S. 1 Abb. (The Joan Palevsky imprint in classical literature. The transformation of the classical heritage. 37.) 49, 95 $. In diesem Buch geht es, wie es einleitend heißt, um die sich wandelnde Rolle des Bischofs in der Zeit vom dritten bis zum sechsten Jahrhundert vom idealen Christen zum idealen Bürger. Hauptanliegen der Verf. ist dabei die Zurückweisung des einst von Max Weber und anderen Gelehrten des frühen 20. Jahrhunderts wie Karl Heussi und Hans von Campenhausen ins Spiel gebrachten Gegensatzes zwischen einer charismatischen und einer institutionalisierten Autorität. Auszugehen sei vielmehr von einer in der Regel zugrundeliegenden charismatisch–asketischen Haltung, welche der Hauptgrund für die Anerkennung der Bischöfe als moralische Vorbilder und einsatzfreudige Bürger ihrer Städte gewesen sei. Es liegt auf der Hand, daß die Verf. damit sehr stark den Forschungen von Peter Brown verpflichtet ist, dessen Werke sie neben vielen anderen immer wieder zitiert. Demgemäß beginnt sie in einem ersten Teil mit der Vorstellung des von ihr favorisierten Dreiermodells einer pragmatischen, spirituellen und asketischen Autorität und kommt sodann sehr weitgreifend auf die geschichtliche Entwicklung des Episkopats zu sprechen, so auf den Namen Episcopus, die bischöflichen Pflichten nach 1 Tim. 3,1–7, die frühen Kirchenordnungen, die Bedeutung der Geist- und Christusträger (Pneumatophoroi bzw. Christophoroi), die Übernahme und Vergebung der Sünden anderer durch ’heilige Männer‘, die Bedeutung der Wüste und des Moses als biblisches Modell für eine Führerschaft sowie auf Mönche, die Bischöfe wurden, und Bischöfe, die später das Leben eines Mönches vorzogen. Freilich werden bei den letzteren Schwächen und Gefahren wie Unfähigkeit, Flucht, erzwungene Ordination, einfacher Stand und geringe Bildung nicht übersehen. Aber an der Hauptthese wird stets festgehalten: Asketische Autorität sei die höchste Qualifikation dafür, daß ein bischöflicher Amtsträger pragmatische Autorität gewinnen konnte. Gewiß kann sie hierbei auf eine Reihe bedeutender Gestalten wie Johannes Chrysostomus sowie die Kappadokier Basilius von Caesarea und Gregor von Nazianz verweisen, auch Augustin im Westen bietet sich an, welche sich für eine gewisse Zeit in der Einsamkeit aufhielten bzw. in einer klosterähnlichen Gemeinschaft lebten, – hierfür gibt es sogar einen längeren Exkurs über die Wüstenväter in Ägypten, Syrien und Palästina, die ebenfalls ihre Tugenden im Dienste ihrer Mitmenschen etwa durch ihre Fürsprache bei Gott bewiesen –, aber man fragt sich, ob manchmal Wüste und Städte nicht doch als Gegensätze empfunden wurden und tatkräftige Bischöfe sich immer mit den heiligen Männern so sehr identifizierten, daß diese stets als Vorbild gelten konnten. Die Verf. weiß um diese Probleme, daher geht es in einem zweiten Teil ’Bischöfe in Aktion‘ um die Frage, ob diese tatsächlich stets jene asketische Hochschätzung an den Tag legten, welche ihnen innere Kraft und Ansehen bei den Mitbürgern verlieh. Welch große Unterschiede hier existierten, wird bereits an den geschickt vorangestellten völlig unterschiedlichen Lebensläufen des aus angesehenem Haus stammenden Synesius von Kyrene, der vorher als weltlicher Beamter tätig war, und des aus einfachen Verhältnissen kommenden Theodoros von Sykeon deutlich, in dessen Vita mehr von Gebet, Fasten und Wundern berichtet wird als von dem widerwillig angenommenen Bischofsamt. Damit wird deutlich, daß die Grenze zwischen dem Werk, d.h. dem priesterlichen Dienst, und der äußeren Ehrenstellung mit der Gefahr einer Vermischung mit einem weltlichen Amt durchaus nicht scharf zu ziehen ist. Im Folgenden geht es um die Rekrutierung der geistlichen Leiter aus niederen Verhältnissen, aus dem Kurialenstand, wo es die meisten Bewerber gegeben habe, und der Schicht der wenigen Senatoren, um die Erziehung, die doch etwas zu hoch eingeschätzt wird, um die Familientradition und die Möglichkeit, die geistliche Würde lediglich als Durchgangsstation etwa für ein Hofamt zu benützen. Freilich sollte man sich nicht durch einzelne hochgebildete Bischöfe etwa in Italien und bes. in Gallien über den zunächst allgemein niederen Bildungsstand täuschen lassen. Hier hätte eine Vorlagen und Nachrichten572 stärkere Berücksichtigung der beiden Studien von W. Eck über die Auswahl der Bischöfe seit Konstantin bzw. den Episkopat in Nordafrika (Chiron 1978 bzw. HistZ 1983) wohl zu differenzierteren Urteilen geführt. Was des weiteren über die Bischöfe in den Städten, die Bescheidenheit ihrer ’Residenzen‘, die Problematik des persönlichen Reichtums (etwa bei einer teilweisen Vererbung auf einen Sohn), die Verwaltung der kirchlichen Güter (Vierteilung seit den Päpsten Simplicius und Gelasius, nicht Dreiteilung!), die baulichen Aktivitäten und vornehmlich die pastoralkaritative Tätigkeit (Sorge für Eingekerkerte und Gefangene, Nahrungsbeschaffung) ausgeführt wird, ist weitgehend bekannt. Gewiß wird dabei neben der Aufnahme des heidnischen Euergesia- Gedankens früherer Zeit erneut die Verbindung zu den ’heiligen Männern‘ sichtbar, worauf P. Brown ebenfalls den Blick gerichtet hat. Im Abschnitt über die Bischöfe im Reich wird zunächst zu Recht betont, daß es trotz aller Ehrerbietung des Kaisers keine Hinweise auf eine völlige Gleichstellung mit weltlichen Beamten gibt, was bereits aus den Titeln abgelesen werden kann (illustris oder gloriosissimus, gegen Klauser!). Gemäß der Grundthese, daß auch bei dem rein praktischen Wirken für die Gemeinde der stets vorhandene asketische Hintergrund zu beachten sei, wird sowohl bei der manumissio in ecclesia wie auch bei der audientia episcopalis und dem Kirchenasyl die bekannte Formulierung vom Wandel der Kirche von einer «pseudostaatlichen zu einer staatlich inkorporierten Existenz» (E. Herrmann) in Frage gestellt, da es sich im wesentlichen um die Fortführung bereits früherer Tätigkeiten gehandelt habe, die jetzt eine erhebliche Ausbreitung erfahren hätten. Auch hier wäre natürlich einzuwenden, daß dieser Einbau in die staatliche Verwaltungsorganisation und die zugrundeliegende religiöse Motivation durchaus nicht als Gegensätze anzusehen sind. Schließlich wird beim Zugang zum Kaiserhof mit der Möglichkeit einer freien Sprache (parrhesia), deren sich die führenden Bischöfe bedienten, ebenfalls auf ein gleiches Recht der ’heiligen Männer‘ Wert gelegt. Aufschlußreich ist das letzte Kapitel, wo ein Vergleich über die Rolle der Bischöfe im Codex Theodosianus und Codex Iustinianus gezogen wird, der deutlich zeige, daß die Bischöfe, die durchaus in kein Vacuum wegen eines angeblich allgemeinen Niedergangs des Kurialenstandes gestoßen seien, neben den führenden Vertretern der Kurien, den Principales bzw. proteuontes, eine eigene Gruppe innerhalb der neuen städtischen Elite bildeten, sozusagen eine neue städtische Funktionärsschicht, welche von Justinian in vielfältiger Weise zur Reichsverwaltung herangezogen wurde. Ein abschließender Epilog, in welchem vor allem die hagiographischen Berichte des siebten Jahrhunderts in den Mittelpunkt rücken, liefert nach Ansicht der Verf. die Bestätigung für ein solch integriertes Modell, da hier erneut die persönliche Heiligkeit der bischöflichen Protagonisten in gleicher Weise wie bei den ’heiligen Männern‘ früherer Zeit gefeiert werde. Das Buch erhält auch dadurch seinen Wert, daß es bei dem durchgehenden Bemühen, von der ’ideologischen Annahme einer strikten Trennung zwischen den religiösen und weltlichen Aspekten der Bischöfe‘ abzurücken, sich auf eine Fülle selbst entlegener literarischer und epigraphischer Quellen über drei Jahrhunderte hin stützt, welche die intensive Beschäftigung der Autorin mit ihrem Thema (und wohl auch ihre Förderung) dokumentieren. Wendelstein Richard Klein (†) THOMAS G. ROSENMEYER † Thomas G. Rosenmeyer, Professor Emeritus of Greek and Comparative Literature at the University of California at Berkeley, died at his home in Oakland on Tuesday, February 6, 2007. He was 86. Tom Rosenmeyer was born in Hamburg, Germany, on April 3, 1920, and educated at the Johanneum in Hamburg from 1930 to 1938. He fled to England in the late 1930s, where he was interned as a German citizen and then transferred to an internment camp in Canada. During and after the war, he completed an undergraduate degree at McMaster University in Hamilton, Ontario, in 1944, took an MA in Classics from the University of Toronto in 1945, Gnomon Bd. 79, 2007 573 and went on to do his doctoral studies at Harvard, receiving his degree in 1949 with a dissertation on Plato entitled ’The Isle of Critias‘. After highly successful years teaching Classics at the University of Iowa (1947–52), Smith College (1952–55), and the University of Washington (1955–66), he arrived at Berkeley in 1966 to a joint position in Classics and Comparative Literature; and he immediately became one of the main shaping forces of the new, and soon preeminent, program in Comparative Literature. At Berkeley, Tom Rosenmeyer was admired and loved as a deeply learned, wideranging and loyal colleague, a warm friend and mentor, and a stalwart servant of his two departments and of the humanities. He served terms as chair of each department and as Acting Dean of Humanities, helped to organize what is now the Townsend Center for the Humanities, and was selected by the Academic Senate to be Faculty Research Lecturer in 1990. Upon his retirement in 1990 he received the Berkeley Citation, the highest award available to faculty for a distinguished career of teaching, service, and scholarship. To mark his 70th birthday in that same spring, he was presented with a Festschrift with contributions from his friends, colleagues and former students entitled ’Cabinet of the Muses‘. As a scholar, Tom Rosenmeyer became one of the leading expositors in his generation of classical Greek literature, with his distinctive combination of traditional philology and flexible, finely-nuanced literary analysis. He was able to draw skillfully both on philosophically-based aesthetic theory (German as well as Anglo- American) as well as an impressive range of literary-critical models – the fruit of his formidably wide and deep reading. In his early career he published numerous articles on Plato. His first book, ’The Masks of Tragedy‘ (1963), collected several provocative essays on Greek plays. ’The Green Cabinet: Theocritus and the European Pastoral Tradition‘ (1969) is an excellent example of his comparative approach, as it brings a wide-ranging chronological and cultural perspective to the study of Greek and Latin poetry, points up interconnections between literature and philosophy, and shows the continuing relevance of the classics for the understanding of later literature. ’The Art of Aeschylus‘ (1982) is likewise a remarkable tour de force, erudite, sophisticated, and pithily written; and, in a late turn to Latin literature, ’Senecan Drama and Stoic Cosmology‘ (1989) argues for an original thesis concerning the interconnection of Stoicism with Seneca’s tragedies. In these books and in numerous shorter contributions, such as his brilliant chapter on drama in M. I. Finley’s ’The Legacy of Greece‘ (1981), as well as in his work as an editor, the important characteristics of Tom Rosenmeyer’s scholarship were these: sensitive and provocative attention to the ancient texts in the light of an immense range of ancient and modern literature; facility in pinpointing those aspects and techniques of modern texts which significantly borrow from, continue, or consciously modify ancient models; interest in the connections between literature and the contemporary currents of philosophical thought; scrutiny of the interplay and tension between literary theory and literary practice; openness to the ambiguities and imprecisions of both literary expression itself and the interpretative strategies of scholars. Beyond Berkeley, the distinction of Tom Rosenmeyer was acknowledged by the award of two Guggenheim Fellowships, his election to both the American Academy of Arts and Sciences and the American Philosophical Society, and his service as President of the American Philological Association in 1989. He lectured both in this country and abroad. Before and after his retirement in 1990 he held a number of visiting appointments, including a semester as Visiting Professor at Harvard. Although hampered in his last years by deafness, which made it difficult for him to attend social gatherings and lectures, he maintained his one-on-one connections with his friends and colleagues, communicated far and wide by email, and pursued an active life of reading, research, and writing. He was physically and mentally active right up to the end. His wife of 56 years, Lilo, died last year. He is survived by two daughters, Patricia Rosenmeyer of Madison, Wisconsin, and Katherine Fabunan of Fresno, California, and by three grandchildren. Vorlagen und Nachrichten574 For a bibliography of Tom Rosenmeyer’s work, consult the front matter of the digital edition of ’Cabinet of the Muses‘ at http://repositories.cdlib.org/ ucbclassics/. Berkeley Donald Mastronarde 29. TAGUNG DER MOMMSEN- GESELLSCHAFT In Magdeburg fand vom 30. Mai bis zum 2. Juni 2007 die 29. Tagung der Mommsen- Gesellschaft statt. Wer am 30. Mai früh genug angereist war, konnte bei sonnigem Wetter und angenehmen Temperaturen an Führungen durch die Altstadt und den Dom teilnehmen. Am späteren Nachmittag desselben Tages begann im schön restaurierten und schön gelegenen Magdeburger Gesellschaftshaus für die rund 130 anwesenden Mitglieder der M.-G. (der zur Zeit 611 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angehören) die Eröffnungsveranstaltung. Die Begrüßungsansprache hielt der Erste Vorsitzende der M.-G. Prof. Dr. Martin Dreher. Nachfolgend entrichteten der M.-G. ihre Grußworte der Oberbürgermeister der Stadt Magdeburg Dr. Lutz Trümper, der Rektor der Otto-von- Guericke-Universität Magdeburg Prof. Dr. Klaus Erich Pollmann, der Vorsitzende des Deutschen Altphilologenverbandes Prof. Dr. Stefan Kipf, der Vorsitzende des Historikerverbandes Prof. Dr. Peter Funke und die Vorsitzende des Archäologenverbandes Prof. Dr. Friederike Fless. Für den wissenschaftlichen Eröffnungsvortrag konnte auch in diesem Jahr ein Wissenschaftler aus dem Ausland gewonnen werden. Prof. Dr. Glenn W. Most aus Pisa/ Chicago sprach über ’Das Kind ist Vater des Mannes: Kindheitserlebnisse und Erwachsenencharakter, damals und jetzt‘. Musikalisch wurde das Eröffnungsprogramm erfrischend begleitet von dem Jazz- Duo Christian Hoffmann und Jan Sichting. Zum Abschluß des ersten Tages hieß Ministerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Böhmer die M.-G. in der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt willkommen. Das weitere Programm der 29. Tagung, das zum größten Teil ebenfalls im schönen Ambiente des Gesellschaftshauses stattfand, war abwechslungsreich und (nicht nur deswegen) anregend: Auf den 31. Mai sowie den 1. und den 2. Juni verteilten sich die wissenschaftlichen Vorträge; außerdem fanden am 31. Mai die Verleihung des Bruno-Snell-Preises und die Mitgliederversammlung der M.-G. statt, am 1. Juni tags- über zwei Podiumsdiskussionen sowie ein abendlicher Festvortrag mit anschließendem Empfang im Kulturhistorischen Museum. Die Reihe der wissenschaftlichen Vorträge eröffnete am 31. Mai Prof. Dr. Klaus- Peter Johne (Berlin) mit dem Vortrag ’Schon ist die Elbe näher als der Rhein – Zur Diskussion um die Elbgrenze des Imperium Romanum‘; danach trugen vor Prof. Dr. Jürgen Blänsdorf (Mainz) über ’Religion, Magie und Sprachkunst in den Defixionum tabellae des Mainzer Isisund Magna-Mater-Heiligtums‘, PD Dr. Claudia Schindler (Tübingen) über ’Claudians ’pagane‘ Götter: Tradition und Innovation in der spätantiken Panegyrik‘ und Prof. Dr. Ulrich Schmitzer über ’Transformierte Transformation. Eine Fallstudie zu Erzähltechnik und Rezeption von Ovids Metamorphosen anhand der Actaion-Sage‘. Am 1. Juni sprachen Dr. Christoph Leidl (Heidelberg) zum Thema ’Geschmacksfragen. Zur ästhetischen Bewertung von Literatur in der Antike (und Moderne)‘, HD Dr. Gyburg Radke (derzeit Heidelberg) über ’’Die bloße Freude am Erzählen‘. Eine Gegenüberstellung von frühgriechischen und hellenistischen Erzählstrategien‘, Prof. Dr. Kostas Buraselis (Athen) über ’Städtisch-monarchische Feste im Hellenismus‘ und Prof. Dr. Friederike Fless (Berlin) über ’Das nördliche Schwarzmeergebiet zur Zeit des Dion Chrysostomos‘. Die Vorträge des 2. Juni hielten Prof. Dr. Luca Giuliani (Berlin) über ’Prokne und der athenische Patriotismus. Zum Verständnis der Alkamenes-Gruppe auf der Akropolis‘, Prof. Dr. Hans-Peter Stahl (Pittsburgh) über ’Göttliches Wirken und empirische Psychologie. Vergils Karthagische Königin‘ und Prof. Dr. Peter Lebrecht Schmidt (Konstanz) über ’Petrarca und Cicero. Etappen einer Begegnung‘. Den Bruno-Snell-Preis 2007 erhielt Prof. Dr. Christian Tornau für seine Habilitationsschrift ’Zwischen Rhetorik und Philosophie. Augustins Argumentations- Gnomon Bd. 79, 2007 575 technik in De civitate Dei und ihr bildungsgeschichtlicher Hintergrund‘, die Herr Tornau im Anschluß an die Preisverleihung in einem 30-minütigen Referat vorstellte. In der darauf folgenden Mitgliederversammlung wurde u.a. der neue Vorstand gewählt. Ihm gehören an als neue Erste Vorsitzende Prof. Dr. Christiane Reitz (Rostock), daneben der als Zweiter Vorsitzender wiedergewählte Prof. Dr. Volker Michael Strocka (Freiburg), die ebenfalls in ihren Ämtern bestätigten Vorstandsmitglieder Prof. Dr. Ursula Gärtner (Potsdam), Prof. Dr. Markus Janka (München) und Prof. Dr. Gregor Weber (Augsburg) sowie die neu gewählten Vorstandsmitglieder Prof. Dr. Wulf Raeck (Frankfurt/M.) und Prof. Dr. Christian Tornau (Jena). Als Ort für die in zwei Jahren stattfindende 30. Mommsen-Tagung wurde Berlin bestimmt. Dabei wird die Mommsen-Tagung in die dann in Berlin stattfindende FIEC-Tagung integriert werden; einzig die Mitgliederversammlung der M.-G. wird – voraussichtlich am 24. August 09 – außerhalb des Tagungsprogramms der FIEC abgehalten werden. Ein novum im Rahmen der Mommsen- Tagungen (das diese Bewährungsprobe bestanden hat) waren zwei Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen des praktischen akademischen Betriebes. Über das Thema ’Die Einwerbung von Drittmitteln durch Altertumswissenschaftler‘ hielten Prof. Dr. Friederike Fless (Berlin), die diese Podiumsdiskussion auch leitete, Prof. Dr. Michael Erler (Würzburg), Prof. Dr. Peter Funke (Münster) und Prof. Dr. Axel Horstmann (Hannover) Impulsreferate und stellten sich danach den Fragen des Plenums. Diesem Ablauf folgte auch die zweite Podiumsdiskussion über ’Probleme der neuen Studiengänge, insbesondere Fragen der Akkreditierung‘; sie wurde geleitet von Prof. Dr. Claudia Klodt (Bochum), Referenten waren PD Dr. Norbert Blößner (Berlin), Dr. Markus Dubischar (München), Simone Kroschel (Bonn), Prof. Dr. Bernhard Schmaltz (Münster) und Prof. Dr. Winfried Schmitz (Bonn). Im Festvortrag am Abend desselben Tages sprach in Magdeburgs Kulturhistorischem Museum Prof. Dr. Paul Gerhard Schmidt (Freiburg) über ’Margareta Contracta. Eine Magdeburger Mystikerin des 13. Jahrhunderts‘, worauf, ebenfalls noch im Kulturhistorischen Museum, ein Empfang der M.-G. gegeben wurde. Wie vor dem eigentlichen Beginn der Tagung, so bestand auch nach dem offiziellen Tagungsende die Möglichkeit, an Stadtführungen oder auch an einer Bus- Exkursion ins Winckelmann-Museum in Stendal teilzunehmen. Alle Tagungsteilnehmer haben Anlaß, dem scheidenden Ersten Vorsitzenden Prof. Dr. Martin Dreher wie auch allen übrigen Organisatoren und Helfern für die herzliche Gastfreundschaft, den reibungslosen Tagungsverlauf und die durchweg angenehme Tagungsatmosphäre zu danken. München Markus Dubischar PERSONALIEN Der Professor of Greek emeritus an der University of California at Berkeley Dr. William Kendrick Pritchett ist am 30. Mai 2007 im 99. Lebensjahr gestorben. Die Reader of Classics an der University of Reading Dr. Christiane Sourvinou- Inwood ist am 19. Mai 2007 im 63. Lebensjahr gestorben. Der William Abbott Oldfather Professor of the Classics an der University of Illinois at Urbana/Champaign Dr. William M. Calder III feiert am 3. September 2007 seinen 75. Geburtstag. Der ord. Professor der Klassischen Philologie an der Humboldt-Universität Berlin Dr. Johannes Christes feiert am 18. Oktober 2007 seinen 70. Geburtstag. Der ord. Professor der Klassischen Archäologie an der Universität Münster Dr. Werner Fuchs feiert am 27. September 2007 seinen 80. Geburtstag. Der ord. Professor der Klassischen Archäologie an der Technischen Universität Darmstadt Dr. Heinrich Knell feiert am 9. Oktober 2007 seinen 70. Geburtstag. Der ord. Professor der Klassischen Philologie an der Universität Freiburg i. Br. Dr. Wolfgang Kullmann feiert am 12. Oktober 2007 seinen 80. Geburtstag. Der em. Regius Professor of Greek an der Universität Oxford Sir Hugh Lloyd- Jones feiert am 21. September 2007 seinen 85. Geburtstag. Vorlagen und Nachrichten576 Prof. Dr. Reimar Müller, Berlin, feiert am 30. August 2007 seinen 75. Geburtstag. Der ord. Professor der Klassischen Philologie an der Universität Tübingen Dr. Ernst A. Schmidt feiert am 26. September 2007 seinen 70. Geburtstag. Der Professor der Klassischen Philologie an der Universität Köln Dr. Helmut van Thiel feiert am 28. September 2007 seinen 75. Geburtstag. Der em. ord. Professor der Klassischen Philologie an der Universität Marburg Dr. Walter Wimmel feiert am 27. September 2007 seinen 85. Geburtstag. An der Universität Erlangen-Nürnberg hat sich Dr. Christoph Schubert mit einer Arbeit über ’Studien zur Schrift De Noe des Ambrosius von Mailand‘ für Klassische Philologie habilitiert. ____________________________________________________________________________ Der GNOMON erscheint vierteljährlich zweimal. Voller Bezugspreis jährlich 154,– €; ermäßigter Bezugspreis im Juniorabonnement jährlich: 98,– €. Abo-Service: Telefon (0049) 0 89/3 81 89-6 79, Telefax (0049) 0 89/3 81 89-2 97. E-Mail: abo.service@beck.de Die Berechnung erfolgt jährlich. Preise früherer Bände auf Anfrage beim Verlag. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen entgegen. Verlag: Verlag C. H. Beck oHG, Wilhelmstraße 9, D-80801 München, Postfachadresse: Postfach 40 03 40, D-80703 München. Druck: Druckerei C. H. Beck (Adresse wie Verlag). Alle redaktionellen Zuschriften an Prof. Dr. Martin Hose bzw. an Dr. Maximilian Braun, Universität München, Institut für Klassische Philologie, Geschwister-Scholl-Platz 1, D-80539 München. Rezensionsexemplare an dieselbe Anschrift. Eingegangene Druckschriften werden nicht zurückgesandt. Mit Namen gezeichnete Artikel geben die Auffassung des Verfassers, nicht die der Redaktion wieder. Alle Nachrichten werden nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr gegeben. Partnerunternehmen des GNOMON sind die GNOMON-Bibliographische Datenbank und der GNOMON ONLINE, die beide verantwortlich von Prof. Dr. Jürgen Malitz, Eichstätt, herausgegeben und betreut werden. Nähere Informationen über beide Werke erhalten Sie im Internet unter: http:/www.beck.de/gw/gnomon.htm und http://www.gnomon.ku-eichstätt.de/Gnomon/Gnomon.html ____________________________________________________________________________

Zusammenfassung

Peter Roth: Frances Pownall: Lessons from the Past. The Moral Use of History in Fourth- Century Prose

A. J. M. Wedderburn: Lukian, Der Tod des Peregrinos. Ein Scharlatan auf dem Scheiterhaufen. Herausgegeben, übersetzt und mit Beiträgen versehen von Peter Pilhofer, Manuel Baumbach, Jens Gerlach und Dirk Uwe Hansen

Sander M. Goldberg: Evelyn Fertl: Von Musen, Miminnen und leichten Mädchen. Die Schauspielerin in der römischen Antike

Joachim Dingel: 1. Graziana Brescia: Il miles alla Sbarra. [Quintiliano] Declamazioni maggiori, III; 2. Catherine Schneider: [Quintilien] Le soldat de Marius (Grandes déclamations, 3)

Christian Mann: Viviana Campone: I ghene attici tra Oriente e Occidente

Sitta von Reden: Marietta Horster: Landbesitz griechischer Heiligtümer in archaischer und klassischer Zeit

Annette Hupfloher: Barbara Burrell: Neokoroi. Greek Cities and Roman Emperors

Robin Seager: Karl Christ: Pompeius. Der Feldherr Roms. Eine Biographie

Erich S. Gruen: Karl-Joachim Hölkeskamp: Rekonstruktionen einer Republik. Die politische Kultur des antiken Rom und die Forschung der letzten Jahrzehnte

Richard Klein (†): Claudia Rapp: Holy Bishops in Late Antiquity. The Nature of Christian Leadership in an Age of Transition

Donald Mastronarde: Thomas G. Rosenmeyer †

Markus Dubischar: 29. Tagung der Mommsengesellschaft

Personalien

References

Abstract

As a critical journal for all classical studies, the GNOMON fosters the links between the distinct classical disciplines. It has thus an exceptional position among the classical review journals and allows familiarization with research and publications in neighbouring disciplines. The reviews address an international readership from all fields in classical studies. The GNOMON publishes reviews in German, English, French, Italian and Latin.

The GNOMON is published in eight issues a year.

Zusammenfassung

Der GNOMON pflegt als kritische Zeitschrift für die gesamte Altertumswissenschaft die Verbindung zwischen den verschiedenen Disziplinen der Altertumswissenschaft. Er nimmt dadurch eine Sonderstellung unter den Rezensionsorganen ein und bietet die Möglichkeit, sich über wichtige Forschungen und Publikationen auch in den Nachbarbereichen des eigenen Faches zu orientieren. Die Rezensionen im GNOMON wenden sich an ein internationales Publikum, das aus allen Teilgebieten der Altertumswissenschaft kommt. Die Publikationssprachen im GNOMON sind: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Lateinisch.

Der GNOMON erscheint acht Mal im Jahr.