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Claas Lattmann, Jamblique, In Nicomachi Arithmeticam. Introduction, texte critique, traduction française et notes de commentaire par Nicolas Vinel. in:

Gnomon, page 497 - 502

GNO, Volume 90 (2018), Issue 6, ISSN: 0017-1417, ISSN online: 0017-1417, https://doi.org/10.17104/0017-1417-2018-6-497

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C.H.BECK, München
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S. Eberle: Köhler, Zenon von Elea 497 nahekommt, solange man diese Gedanken nur an den uns geläufigen Maßstäben der Argumentation misst. Der infinite Progress oder Regress, der nicht dahin gelangen lässt, den bloß gesetzten Gegenstand zu erfassen, ist in der Tat mit der Wahrheit oder dem wahren Erkennen unvereinbar, wenn man von der Parmenideischen Einsicht (νόημα) ausgeht. Nicht vollendbar (ἀνυστόν) zu sein, ist Kennzeichen des Parmenideischen Weges ‘wie/dass es nicht ist’ (ὡς οὐκ ἔστιν) (B2.5/6). Gerade auch unter K.s Voraussetzung, Zenon habe die Parmenideische Ontologie verteidigen wollen, kann der Maßstab des Zenonischen Erkennens nur die Parmenideische Wegscheidung für das Einsehen sein (B2, B6). Gehen die Zenonischen Hypothesen auch von Begriffen aus, die sie den ‘Ansichten der Sterblichen’ entnehmen, so zielen sie, wenn sie auch ihr Ziel nicht erreichen können, dennoch auf eine Erkenntnis des Seienden im Sinne der Parmenideischen Wahrheit und damit auf den wahren Begriff, dem sich das Seiende als «von allen Seiten vollendet» (B8.42/3) oder anders, als von allen Seiten erfasst erweist. Zenon will uns nicht mit Argumenten etwas über Gegenstände lehren, das Argument hat für ihn keinen bloß instrumentalen Charakter, sondern er lehrt uns etwas über die Erkenntnis bestimmter Begriffe. Der Argumentationsgang ist ebenso Gegenstand der Erkenntnis wie die abstrakten Begriffe selbst, und zwar deshalb, weil hier die abstrakten Begriffe nur über die Entfaltung des Arguments entstehen. Sie sind vom Erkennen gesetzte Begriffe; man kann zwar ihre Funktion verstehen, doch den mit ihnen verbundenen Aporien kann man nicht entkommen. Die Tatsache der Abhängigkeit der Bestimmtheit des Erkenntnisgegenstandes von der, mit Platon gesprochen, ‘Weise’ (τρόπος) seiner Erkenntnis bleibt bei K. jedoch weitgehend unreflektiert. Nach der angesichts der vielen Wiederholungen derselben Textstellen aus Simplikios geradezu meditativen Lektüre des Buches wird der Leser gewiss nicht mehr der Ansicht Glauben schenken, Simplikios habe noch eine Schrift Zenons im originalen Wortlaut vor Augen gehabt. So kann K. auch überzeugend zeigen, dass Simplikios Zenons Ortsparadoxie nicht im Wortlaut zitiert, wie Guido Calogero gemeint hatte (53). K.s gewissenhafte Diskussion der Überlieferungsgeschichte der Vielheitsparadoxien lässt es sehr unwahrscheinlich erscheinen, dass überhaupt einer der Aristoteles-Kommentatoren nach Eudemos noch Zugang zu originalen Schriften Zenons gehabt hat. Braunschweig Stephan Eberle * Jamblique, In Nicomachi Arithmeticam. Introduction, texte critique, traduction française et notes de commentaire par Nicolas Vinel. Pisa/Roma: Fabrizio Serra 2014. 348 S. (Mathematica Graeca Antiqua. 3.). Nicolas Vinel (V.) hat, gestützt auf umfangreiche Vorarbeiten, mit Iamblichs Schrift ‘Zu Nikomachos’ Arithmetik’ eine wenig beachtete, gleichwohl mathematikhistorisch interessante Schrift neu ediert, ins Französische übersetzt und eingehend kommentiert.1 ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 Siehe u.a. V.s Dissertation (Clermont-Ferrand 2008) sowie M. Federspiel und N. Vinel: ‘Notes critiques et exégétiques sur le commentaire de Jamblique à l’Introduction Arithmé- GNOMON 6/90/2018 C. Lattmann: Vinel, Jamblique, In Nicomachi Arithmeticam 498 Die Ausgabe beginnt mit einer instruktiven Einführung (11–66). Nach einer Kontextualisierung durch einen Überblick zu Iamblichs Leben (11f) und seinen pythagoreischen Schriften (12f) erörtert V. Zweck, Aufbau und Bedeutung des Traktats und macht plausibel, dass es sich nicht um einen Kommentar zu Nikomachos’ ‘Einführung in die Arithmetik’, sondern um eine eigenständige Einführung in diese mathematische Disziplin handelt (13–23). Der Bezug auf Nikomachos im Titel rühre daher, dass Iamblich Nikomachos für ἀριθμητικώτατος gehalten habe, so dass die Arithmetik für ihn schlicht die ‘Kunst des Nikomachos’ gewesen sei (s. I § 10). So ist V.s Vorschlag plausibel, im überlieferten Titel Περὶ τῆς Νικομάχου ἀριθμητικῆς εἰσαγωγῆς das letzte Wort zu tilgen. Insofern jedoch Iamblich die Schrift mehrmals explizit als ‘Einführung’ charakterisiert (s. 14f), ließe sich (neben den zwei anderen von V. diskutierten Vorschlägen) erwägen, nur das letzte Sigma von εἰσαγωγῆς zu tilgen, also Περὶ τῆς Νικομάχου ἀριθμητικῆς εἰσαγωγή zu lesen (vgl. D.L. 7,60). Der Unterschied zu den Titeln der drei anderen arithmetischen Schriften (mit ἐπιστήμη an entsprechender, letzter Stelle) steht dem nicht entgegen: Während jene der angewandten Arithmetik gewidmet sind, behandelt diese Schrift die Arithmetik selbst, und zwar gewissermaßen als grundlegende ‘Einführung’ (man beachte allerdings andererseits, dass Iamblich selbst auch die weiterführenden Schriften als εἰσαγωγαί ankündigt: V § 123f). Im Vergleich mit Nikomachos sei für Iamblichs Einführung ein Interesse an den philosophischen Begründungszusammenhängen der Arithmetik und eine konzeptuelle Originalität charakteristisch. Drei separate Unterkapitel arbeiten dies an einschlägigen Beispielen heraus (23–53): Erstens sei Iamblich ein Vorläufer der Tradition der ‘magischen Quadrate’ (die so aus den Zahlen 1 bis n² konstruiert sind, dass sich horizontal, vertikal und diagonal dieselben Summen ergeben, wobei der Mittelwert von 1 und n² die mittlere Position im Quadrat einnimmt), auch in Hinsicht auf eine ‘Arithmetik der Gerechtigkeit’ (23–35). Zweitens zeigten Iamblichs Anmerkungen zur Definition von Punkt und Linie ein genuines Interesse an einer philosophischen Fundierung der Mathematik (35–41). Schließlich sei die Schrift Zeugnis für «la naissance oubliée du concept de zéro» (41–53). Dieses sei hier erstmalig mathematisch operationalisiert, und zwar im Zusammenhang mit der Postulierung eines «principe ontologique totalement ineffable et transcendant, antérieur à l’Un» (53; gleichwohl bleibt festzuhalten, dass auch Iamblich die Null als konzeptuell verschieden von der 1 und den Zahlen fasst). Den Abschluss der Einleitung bilden Anmerkungen zur Editions- und Überlieferungslage (53–65). Eine neue Ausgabe sei ein Desiderat, weil die beiden einzigen modernen Ausgaben von Tennulius (1668) und H. Pistelli (1894) nicht auf einer vollständigen Auswertung der Überlieferung beruhten und, auch aufgrund fehlgeleiteter editorischer Grundsätze, den Text nicht hinreichend wiederherstellten.1 ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– tique de Nicomaque (Deuxième article)’, REA 105, 2003, 491–519; vgl. M. Federspiel: ‘Notes critiques et exégétiques sur le commentaire de Jamblique à l’Introduction Arithmétique de Nicomaque (Premier article)’, REA 102, 2000, 59–80. 1 Ein Nachdruck von Pistellis Ausgabe wurde 1975 von U. Klein besorgt (erneut in der Bibliotheca Teubneriana). Auch wenn er sich im Wesentlichen nur in Hinsicht auf die zusätzlichen Addenda (X–XXIII) unterscheidet, vermisst man bei V. einen Hinweis auf seine Existenz. GNOMON 6/90/2018 C. Lattmann: Vinel, Jamblique, In Nicomachi Arithmeticam 499 Pistelli zog nur die älteste Hs heran, den Codex Laurentianus 86,3 (= F). Eine Auswertung der Hss ergebe aber, dass der Codex Laurentianus 86,29 (= L; von diesem stammen nach V. alle weiteren 22 Hss ab, vermittelt auch Tennulius’ Ausgabe) von diesem unabhängig sei, zugleich aber auf denselben Archetypus zurückgehe. Die Hs müsse also für die Textherstellung genutzt werden. Weiter gelte, dass «Pistelli pèche par l’insuffisance du travail effectué sur les corruptions du Laur. 86,3, qu’il répugnait à corriger» (54), mit dem Ergebnis, dass «beaucoup de corrections évidentes sont reléguées dans l’apparat et, surtout, un grand nombre de corruptions ou lacunes ne sont même pas signalées» (54f). Hätte Pistelli, «l’auteur d’un grand nombre de conjectures pertinentes, que nous avons souvent conservées», seiner Edition jedoch eine Übersetzung beigegeben, so V., wäre ihm aufgefallen, dass «nombre de passages restaient très corrompus, voire inintelligibles» (55). Es folgt der Text des Traktats, ergänzt durch die französische Übersetzung auf den gegenüberliegenden Seiten (68–197). Hilfreich ist V.s erstmalige Unterteilung der Schrift in fünf große Kapitel (‘I. Sur l’arithmétique’, ‘II. Sur la quantité en soi’, ‘III. Sur la quantité relative’, ‘IV. Sur les plans et les solides’; ‘V. Sur les proportions’) und weiter in thematische Unterabschnitte. Unnötig erscheint die feinere Gliederung in Paragraphen, denn diese umfassen meist nur einen einzigen Satz von mitunter nicht einmal einer einzigen Zeile (vgl. 76). Neben dem textkritischen Apparat finden sich auf fast jeder Seite ein Apparat mit Parallelstellen sowie (selten) ein Apparat mit Quellen. Im Ergebnis erreicht V. eine im Vergleich zu Pistelli bessere Dokumentation der Überlieferung, einschließlich der Unterscheidung der auf Tennulius zurückgehenden Emendationen von den (sich in Tennulius’ Ausgabe vermittelt zeigenden, von der Hs F abweichenden) Lesarten der Hs L. An nicht wenigen Stellen ist auch eine Verbesserung des Textes selbst festzustellen, und in jedem Fall ist er in einer lesbareren Form präsentiert, insofern nämlich die befürworteten Emendationen konsequent in den Text selbst aufgenommen wurden. Im Großen und Ganzen ist der Fortschritt gegenüber Pistellis Ausgabe aber nicht so groß wie von V. behauptet (54f). V. trifft oftmals dieselben textkritischen Entscheidungen wie Pistelli; im direkten Vergleich sind beide Ausgaben nicht selten seitenweise fast exakt gleich (vgl. 104. 118. 194. 196). Auch führen einige von V.s eigenen Änderungen des Texts zwar nicht selten zu einer objektiven Verbesserung des Griechischen, sind aber in ihrer Notwendigkeit im konkreten Fall nicht hinreichend begründet: Überliefertes ἄλλοι in II § 56,3 muss nicht in πολλοὶ geändert werden (vgl. 216), denn die Junktur ἕτεροι ἄλλοι ist durchaus belegt (vgl. Pl. Cra. 438d5); in IV § 40,2 muss nicht ἃ ergänzt werden, da der gesamte Zusammenhang parataktisch-asyndetisch formuliert ist (dies kommt häufiger in dieser Schrift vor: vgl. I § 18 mit Pistellis [VI] Entgegnung auf eine ähnlich motivierte Konjektur von Heiberg); in III § 79,1 muss εἰ nicht in ἐὰν korrigiert werden, denn auch wenn εἰ mit Konjunktiv in der Tat «[b]ei den attischen Prosaikern sehr selten und zweifelhaft ist» (Kühner/Gerth § 575,2 Anm. 1; von V. 262 angeführt), ist es in der Spätantike durchaus belegt (vgl. Phlp. in APr p. 136,25; p. 227,31; p. 293,15); in IV § 126,2 ist τῶν nicht in τουτῶν (sic) zu ändern, auch weil die resultierende Junktur τῶν ἐναντίων τουτῶν [sic] δύο δυνάμεων […] syntaktisch regelwidrig wäre; in II § 38,1 ist nicht mit der Hs L der bestimmte Artikel ἡ (om. F) im Satz Καὶ μία μὲν ἡ ἔμφασις ἥδε τοῦ οὐδὲν ὅτι χρήσιμον […] (übersetzt als «C’est là une première illustration de l’utilité du ‘rien’ […]» [85]) zu lesen, da ἥδε hier als (zurückverweisendes) Subjekt und μία […] ἔμφασις als Prädikatsnomen fungieren; auch wenn in II § 64,3 möglicherweise «[l]a leçon ὑφαίνει (FL), du verbe ‘tisser’, n’a pas de sens ici» (218; vgl. aber Pistelli im Apparat), hätte man sich für ein Verständnis von ὑποφαίνει im Sinne von «elle […] garde sous-jacente» (89) dennoch die Angabe einer relevanten Parallele im Aktiv gewünscht (s. 218; vgl. LSJ s.v.); in IV § 27,1 ist zu εὐθύγραμμον nicht σχῆμα zu ergänzen, da dieses Adjektiv regelhaft als selbständiges Substantiv auftritt (vgl. Euc. 1,45; GNOMON 6/90/2018 C. Lattmann: Vinel, Jamblique, In Nicomachi Arithmeticam 500 2,14; die von V. 239 angeführte Parallele begründet die Hinzufügung hier nicht hinreichend). Um ein letztes, ausführlicheres Beispiel zu geben: In IV § 92,3f ist der überlieferte Satz διότι δὲ ἐξ ἀρχῆς οὐκ ἂν εἴη, φησὶν ὁ Πλάτων, οὐκ ἂν ἔτι ἀρχὴ εἴη syntaktisch korrekt und im Rahmen der platonischen Philosophie sinnvoll zu verstehen (was nicht ‘von Anfang an’ existiert, kann kein ‘Anfang’ sein, hier konkret bezogen auf die direkt zuvor genannte δυάς). Demgegenüber ist die von V. angesichts der vermeintlichen Parallele Pl. Phdr. 245d2f vorgeschlagene Änderung von ἐξ ἀρχῆς οὐκ ἂν in εἰ ἔκ του ἀρχὴ εἴη mit einem Verständnis des gesamten Satzes als «car ‘si un principe provenait de quelque chose, dit Platon, ce ne serait plus un principe’» (149; vgl. 245f) weder inhaltlich noch sprachlich haltbar. Letzteres ist insbesondere deshalb der Fall, weil die Partikel δέ einen neuen Satz einleitet, mit der interpretatorischen Folge, dass die Konjunktion διότι nicht zurückverweisen und also der gesamte Satz nicht den vorangehenden Gedanken begründen könnte. In diesem Kontext führt die Einfügung des Konditionalsatzes durch V. zu einem grammatikalisch unvollständigen Satz (oder impliziert alternativ die Notwendigkeit der zusätzlichen Tilgung der Partikel δέ). Problematischer ist, dass sich an vielen Stellen ein Mangel an editorischer Sorgfalt zeigt, die den hohen Anforderungen an eine textkritische Ausgabe nicht genügt. Dies betrifft erstens den Umstand, dass bei über einem Dutzend Emendationen der eigentliche Urheber nicht genannt ist (weder im textkritischen Apparat noch, bis auf eine Ausnahme, im Kommentar). So entsteht fälschlich der Eindruck, sie gingen auf V. zurück. Dies betrifft insbesondere von Pistelli vorgeschlagene Konjekturen (die sich bei ihm allerdings in der Regel nur im Apparat bzw. in den eigenen ‘Addenda et Corrigenda’ [VI–IX] finden). Zweitens sind zahlreiche Druck- und andere Fehler zu verzeichnen. (1) V. schreibt in V § 38,2 ἐπιμόριοι <ἢ> ἐπιμερεῖς und notiert hierzu «ἐπιμόριοι] scripsi: -ον FL | ἢ] addidi»; Pistelli hatte im Apparat «ἐπιμόριοι <ἢ> ἐπιμερεῖς?» vermerkt. In IV § 29,5 schreibt V. ἀλλασσομένων <πλευρῶν> und merkt hierzu «πλευρῶν] addidi» an; in Pistellis Apparat steht «fort. ἀλλασσομένων <πλευρῶν>». Vergleichbares ist für (zumindest) die folgenden Stellen festzustellen: I § 26,3. 4 (ἐχομένας [im Text fälschlich ἐχόμενας] bzw. καταληγούσας: beides Federspiel); II § 37,1 (<κατὰ>: Pistelli; hier findet sich freilich ein klärender Verweis in V.s Kommentar [212]); II § 43,1 (ἀφελόντες γ′ προσθήσομεν: Pistelli; bei V. ist die überlieferte Textgestalt nicht hinreichend dokumentiert); II § 48,2 (αὑτοῦ: Federspiel in Modifikation von [bei V. angeführtem] Pistelli); II § 49,1 (<ἴστησιν> [sic]: Pistelli, mit demselben Druckfehler); II § 81,2 (ἐπὶ πλάτος: Pistelli, bekräftigt von My. [sic], Letzteres von V. im Übrigen wörtlich in der Einleitung zitiert [55]); III § 16,1 (ἐν <πρώτῳ>: Pistelli, jedoch mit zusätzlichem, angezeigtem τῷ vor πρώτῳ: vgl. Nicom. Ar. 1,19,10); IV § 78,3 (φυσικωτάτῃ: Pistelli); IV § 96,3 (ἐπὶ: Pistelli); IV § 106,1 (εἷς: Pistelli); IV § 125,4 (<ὁ>: Pistelli); IV § 167,3 (<τῆς>: Heiberg bei Pistelli; vgl. V.s Kommentar zur Stelle [254]: «nous avons aussi restitué après ὁμοιότης l’article τῆς», ohne weiteren Verweis); V § 25,2 ([πρώτη]: Pistelli); V § 49,1 ([τῶν]: Pistelli); V § 91,4 ([ἐφ’ ἑαυτοῦ]: Pistelli, auch im Text). Bemerkenswert ist V.s Vorgehen auch deshalb, weil er derartige Vorschläge an anderer Stelle durchaus eindeutig ihren Urhebern zuweist: So notiert V. zu V § 97,1 «δὲ] FL: δὴ Pist.» in Aufnahme von «δὲ corruptum: fortasse δὴ» bei Pistelli; oder in IV § 175,2 «αὑτοῦ] Pist.: αὐτοῦ FL» zu Pistellis «αὑτοῦ?». Der Transparenz hinderlich ist ebenso, dass V. die Urheberschaft einer von ihm in den Text gesetzten fremden Konjektur oftmals nach dem Muster «κατ’ αὐτὴν] scripsi: dubit. Pist.: καθ’ αὑτὴν FL» dokumentiert (zu IV § 26,2–3; allein auf der entsprechenden S. 130 dreimal). Ähnlich liegt der Fall bei Einträgen wie «ἁπλῶν τε] scripsi: ἀπλατῶν FL: ἁπλῶν Pist.» (zu III § 72,1; die Ergänzung von τε ist evident unnötig) und «γὰρ–ἢ] addidi: ὃς ἐκ τοῦ τρὶς δ′ ἢ add. Pist.» (zu IV § 97,2, wo sich also nur V.s zu bevorzugendes γὰρ am Anfang unterscheidet [welches im Text fälschlich als «γὰ’ρ» gedruckt ist]). GNOMON 6/90/2018 C. Lattmann: Vinel, Jamblique, In Nicomachi Arithmeticam 501 (2) In Text und Apparat finden sich verschiedene Arten von Druckfehlern. So sind mehr als drei Dutzend Akzentfehler festzustellen; sie betreffen zwar fast durchgängig die diakritischen Zeichen, mitunter sind sie aber auch signifikant (so ᾗ statt ᾖ in V § 31,2 mit Apparat; αὐτούς statt αὑτούς im Apparat zu II § 56,4). In den Apparaten stimmen mitunter die Zeilenangaben nicht (z.B. 94. 132. 168), stehen Klammern an der falschen Stelle, fehlen oder sind überflüssig (z.B. 146 bzw. 74 bzw. 78) und befinden sich Einträge auf der falschen Seite (z.B. 74. 160). Darüber hinaus sind Versehen sachlicher Art zu notieren. So finden sich falsche (z.B. zu IV § 93,2; IV § 109,6–7; IV § 144,2) und irreführende (z.B. zu IV § 78,1; IV § 109,6–7. 8) Verweise in den Apparaten zu den Parallelstellen bzw. Quellen. Die drei in den Text aufgenommenen Diagramme gehören eigentlich zu den Randanmerkungen (80. 92. 108; s. V. im Apparat; bei Pistelli richtig als Teil der Scholien ediert; diese finden sich bei V. im Übrigen nicht); einmal fehlt eine Zeile (80), einmal ist eine Zeile ergänzt (92), beides ohne Vermerk (aber korrekt bei Pistelli). Auf Text und Übersetzung folgt ein detaillierter Kommentar (199–264). Er ist in der (etwas unhandlichen) Form von Endnoten zur französischen Übersetzung der Begründung ausgewählter textkritischer Entscheidungen und der Diskussion inhaltlich schwieriger Stellen gewidmet. Die Erläuterungen sind oftmals hilfreich und zielführend, insbesondere durch den Einbezug von Diagrammen und mathematischen Formeln. Insgesamt erschließt V. in sicherer Weise die mathematische Dimension der Schrift. Nichtsdestoweniger stören auch im Kommentar zahlreiche Druckfehler. So finden sich allein auf S. 246f ausgelassene oder fehlerhafte Wörter in Zitaten (zweimal γάρ im Simplikios-Zitat bzw. μιγνομένων im Alexander-Zitat), zahlreiche falsche diakritische Zeichen sowie mehrere falsche Stellenangaben (z.B. Pl. Ti. 53c5, richtig b5); öfter geben auch die Lemmata nicht korrekt V.s eigenen Text wieder (vgl. 219. 244); in der Formel auf S. 245 steht fälschlich «+» statt ‘–’. Mitunter wünscht man sich auch einen umsichtigeren Umgang mit der Sekundärliteratur. So erzielt V. auf S. 204 wesentliche Ergebnisse von Huffmans Diskussion des bei Iamblich überlieferten Philolaos-Zitats (mit explizitem Rückgriff auf dieselbe Platonstelle), ohne dass Huffman erwähnt würde.1 Das Buch schließt mit umfangreichen Indizes (265–343), beginnend mit einem ‘Index Graecitatis’ zu Namen (267f) und ‘mathematica et philosophica’ (268– 334); beide beinhalten Zitate der Wörter im Kontext. Es folgen ein Stellenregister (335–340), Verzeichnisse der Manuskripte (341) und der zitierten modernen Gelehrten (343) sowie ein Literaturverzeichnis (345–348). Auch die Register zeigen mangelnde Sorgfalt. Abgesehen von zahlreichen Druckfehlern sind Einträge nicht korrekt einsortiert (signifikant etwa bei ἁρμόζειν und ἕξ), haben eine falsche innere Sortierung oder beinhalten falsche Stellenangaben (beides bei Theon von Smyrna im Stellenregister; vgl. auch ἀνάλυσις, συνεχής und σχημάτισις); nicht selten fehlen Stellen, so finden sich bei σχῆμα (326) nur fünf Einträge, vier sind ausgelassen. Einerseits sind mathematisch und philosophisch nicht relevante Wörter aufgenommen (z.B. ὕσπληξ, φάρμακον und φθόγγος), andererseits fehlen angezeigte Einträge (z.B. διπλασίων und φρόνησις). Um ein Fazit zu ziehen: V. widmet sich einer mathematik- und philosophiehistorisch interessanten, in jedem Fall zu wenig beachteten Schrift und verfolgt das wichtige Ziel einer zeitgemäßen Ansprüchen genügenden kritischen Edition. Die Ausgabe stellt insbesondere in Hinsicht auf die Präsentation eines hinrei- ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 C. A. Huffman: ‘Philolaus of Croton’, Cambridge 1993, hier 116–120. Das Buch findet sich freilich im Literaturverzeichnis. GNOMON 6/90/2018 C. Lattmann: Vinel, Jamblique, In Nicomachi Arithmeticam 502 chend emendierten und lesbaren Textes einen Fortschritt dar und kann in der Einleitung und den Erläuterungen relevante Einblicke in Iamblichs Mathematik geben. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die hier kritisch angemerkten Punkte den Wert des Buches, auch und gerade als Edition, deutlich trüben. Kiel/München Claas Lattmann * Anthony Andurand: Le Mythe grec allemand. Histoire d’une affinité élective. Préface de Michel Espagne. Rennes: Presses Universitaires de Rennes 2013. 403 S. (Histoire.) 22 €. Questo libro scaturisce da una tesi dottorale sostenuta all’università di Toulouse- Le Mirail nel 2011, che avrebbe dovuto però essere sottoposta almeno a revisione stilistica, evitando ad esempio il susseguirsi continuo di domande e di compendi, che rendono faticosa la lettura. La ricerca di Andurand (= A.) verte sugli usi politici, pedagogici, nazionalistici ed ideologici del passato greco da parte degli esponenti della scienza dell’antichità tedesca dal 1790 al 1945. A. dà dunque il nome complessivo e sintetico di Griechenmythos1 all’affinità elettiva (Wahlverwandschaft), singolare ed unica che lega i tedeschi ai Greci antichi dal 1790 al 1945 (p. 14). A. intende Griechenmythos come equivalente di Griechenglaube, traendo ispirazione dal titolo discutibile di un celebre libro di Walter Rehm (‘Griechentum und Goethezeit. Geschichte eines Glaubens’, 1936). Rehm attribuisce al classicismo di Weimar la scoperta nei Greci della norma e del canone dell’umano: da qui la ‘fede’ nella cultura greca, intesa come ideale estetico, la cui prima proposizione è fatta troppo superficialmente risalire a Winckelmann. A partire dall’inizio dell’Ottocento, la neonata Altertumswissenschaft, che in quanto scienza sarebbe stata destinata per sua natura a distruggere qualsiasi mito, ossia qualsiasi forma dell’immaginario che si ponesse fuori dalla storia, si appropriò invece del ‘mito della grecità’ e lo rese suo oggetto. Contemporaneamente, rivendicò ai professori universitari (quindi ad un’ élite intellettuale borghese) ed ai loro discepoli, divisi in scuole, il possesso degli strumenti (il metodo) per attingere alla verità ideale intrinseca al mondo greco antico. Ossia, come si legge alla fine della Darstellung di Wolf, solo gli iniziati al tempio della scienza potevano comprendere e rivivere l’ideale greco: il che equivale a dire che nell’ambito della pratica della scienza, ossia nell’ambito proprio della razionalità e dell’oggettività, si manifesta sin dall’inizio una forma di Erlebnis dell’antico, di esperienza irrazionale. Su questa commistione tra logos e mythos nella cultura tedesca, antichistica in particolare, richiamò vent’anni fa l’attenzione Glenn W. Most in un fondamentale articolo2 (che A. non pare conoscere), ove si rovescia lo schema storiografico che procede dal mythos al logos di Wilhelm Nestle.3 L’incrocio tra razionalismo e irrazionalismo riguarda pure la questione della necessità ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 Cfr. anche dello stesso autore: ‘Fabrique du mythe et production des savoirs: la Grèce des hellénistes allemands au miroir du Griechenmythos (1790–1945)’, Anabases, 15, 2012, consultabile online: URL: http://anabases.revues.org/3804.£ 2 ‘From Logos to Mythos’, in: Richard Buxton (ed.), ‘From Myth to Reason? Studies in the development of Greek Thought’, Oxford 1999, 25–47. 3 ‘Vom Mythos zum Logos. Die Selbstentfaltung des griechischen Denkens von Homer bis auf die Sophistik und Sokrates’, Stuttgart 1940. GNOMON 6/90/2018

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Abstract

As a critical journal for all classical studies, the GNOMON fosters the links between the distinct classical disciplines. It has thus an exceptional position among the classical review journals and allows familiarization with research and publications in neighbouring disciplines. The reviews address an international readership from all fields in classical studies. The GNOMON publishes reviews in German, English, French, Italian and Latin.

The GNOMON is published in eight issues a year.

Zusammenfassung

Der GNOMON pflegt als kritische Zeitschrift für die gesamte Altertumswissenschaft die Verbindung zwischen den verschiedenen Disziplinen der Altertumswissenschaft. Er nimmt dadurch eine Sonderstellung unter den Rezensionsorganen ein und bietet die Möglichkeit, sich über wichtige Forschungen und Publikationen auch in den Nachbarbereichen des eigenen Faches zu orientieren. Die Rezensionen im GNOMON wenden sich an ein internationales Publikum, das aus allen Teilgebieten der Altertumswissenschaft kommt. Die Publikationssprachen im GNOMON sind: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Lateinisch.

Der GNOMON erscheint acht Mal im Jahr.