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1. Theorien der Unternehmung und Zielsysteme in:

Louis Perridon, Manfred Steiner, Andreas W. Rathgeber

Finanzwirtschaft der Unternehmung, page 27 - 28

16. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3991-5, ISBN online: 978-3-8006-4900-6, https://doi.org/10.15358/9783800649006_27

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
A. Grundlagen der Finanzwirtschaft der Unternehmung 10 II. Finanzwirtschaft und Zielsetzung der  Unternehmung Die Einteilung der Wirtschaftseinheiten in Produktions- und Konsumhaushalte ist systemindifferent, d.h. unabhängig davon, welches Wirtschaftssystem jeweils vorliegt. Im marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystem hat sich die Unternehmung als Er scheinungsform des Produktionshaushalts herausgebildet. Sie stellt einen am erwerbswirtschaftlichen Prinzip orientierten Produktionshaushalt dar, der durch seine Aktivitäten einen Mehrwert (z.B. in Form von Konsumnutzen) für seine Eigentümer erwirtschaften soll.5 Die weiteren Ausführungen dieses Buches stellen auf die Unternehmung als der in marktwirtschaftlichen Systemen vorherrschenden Form des Produktionshaushaltes ab. 1. Theorien der Unternehmung und Zielsysteme Die Lehre von der Finanzwirtschaft der Unternehmung befasst sich mit Theorie und Technik der Kapitalaufbringung und Kapitalanlage (Investition). Die Kapitalaufbringung zerfällt dabei in drei Teilprobleme: 1. Kapitalstruktur (Finanzierungsarten und deren zweckmäßige Kombination), 2. Kapitalvolumen (Ermittlung des Kapitalbedarfs) und 3. Kapitalkosten (Bestimmung der Kapitalkosten und der kostenoptimalen Finanzierung) Im Bereich der Kapitalanlage wird untersucht, 1. welche Vermögensteile beschafft werden sollen, 2. in welchem wertmäßigen Umfang Vermögensteile beschafft werden sollen und 3. wie lange eine Kapitalanlage in den entsprechenden Vermögensteilen erfolgen soll (Kapitalanlagedauer). Rationale finanzwirtschaftliche Entscheidungen über diese Tatbestände können nur bei Zugrundelegung eines Zieles oder eines Zielkatalogs getroffen werden. In der Betriebswirtschaftslehre haben sich unterschiedliche Betrachtungsweisen der Unternehmung und – damit verknüpft – der unternehmerischen Zielvorstellungen herausgebildet. Stark vereinfacht kann in holistische und behavioristische Theorien der Unternehmung getrennt werden. 1. Holistische Unternehmenstheorien 1.1. Traditionelle ökonomische Konzeptionen 1.2. Spieltheoretische Unternehmensanalyse 1.3. Kybernetische und systemtheoretische Unternehmenstheorie 5 Vgl. auch Gutenberg, Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Bd. 1, 1983, S. 457ff.; Wöhe, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 2008, S. 27 ff. II. Finanzwirtschaft und Zielsetzung der  Unternehmung 11 2. Behavioristische Unternehmenstheorien 2.1. Verhaltensorientierte Unternehmungstheorien (Behavioral Theory of the Firm) 2.2. Konflikttheoretische Unternehmungsanalyse Bei den holistischen Betrachtungsweisen wird die Unternehmung letztendlich als Entscheidungseinheit gesehen. Die Theorien gehen daher i. d. R. davon aus, dass nur ein oder wenige Unternehmensziele existieren, die zudem quantifizierbar sind. Dabei wird eine maximale oder optimale Zielerreichung angenommen. Die behavioristischen Unternehmenstheorien gehen demgegenüber von Individualzielen der Organisationsteilnehmer aus, die sich im Zeitablauf verändern. Ferner wird angenommen, dass sich die Organisationsteilnehmer mit einer befriedigenden Zielerreichung begnügen, da maximale oder optimale Zielverwirklichung in der Realität meist nicht erreichbar und häufig auch nicht messbar ist. Die Finanzierungs- und Investitionstheorien beruhen überwiegend auf holistischen Unternehmungsauffassungen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass diese Theorien Ergebnis eines wohl definierten Bündels von Annahmen und Folgerungen, eines geschlossenen Modells, sind und neben Erklärungsmodellen auch Entscheidungsmodelle anbieten. Die behavioristischen Ansätze konzentrieren sich dagegen auf Erklärungsmodelle. Im Bereich der Finanzwirtschaft finden sie vor allem Verwendung beim Budgetmanagement (Budgetfestsetzung und -kontrolle unter Berücksichtigung von Verhaltensreaktionen), bei der Beurteilung von Humaninvestitionen und bei der Analyse der Zielsetzungen von Fremd- und Eigenkapitalgebern. Die Theorien, die nur mit einem oder wenigen quantifizierbaren Zielen arbeiten, haben den Vorteil, dass sich hierbei konkrete Zielfunktionen formulieren lassen und damit mathematische Methoden zur Lösung von Entscheidungsproblemen verwendet werden können. Je spezieller die Zielgröße jeweils gewählt wird und je enger die Annahmen über die Zielvorschrift sind, umso leichter lassen sich programmierte Rechenverfahren einsetzen, desto weniger allgemein gültig werden aber auch die Aussagen. 2. Finanzwirtschaftliche Entscheidungskriterien Als eher traditionelle finanzwirtschaftliche Entscheidungskriterien werden Unabhängigkeit (Erhaltung der unternehmerischen Dispositionsfreiheit), Liquidität, Rentabilität und Sicherheit (Risiko einer Kapitalanlage) angesehen. Andere Zielsetzungen, wie Macht, Ruf, Marktanteil usw., wie sie insbesondere bei behavioristischer Betrachtungsweise Verwendung finden, bleiben außer Ansatz. Ein allgemeineres Zielkriterium, das derartige Zielsetzungen mitberücksichtigt, stellt die Nutzenmaximierung dar. Dieses bedarf jedoch für Entscheidungsmodelle wiederum der Operationalisierung. a) Unabhängigkeit Bei finanzwirtschaftlichen Entscheidungen, insbesondere im Bereich der Kapitalaufbringung, ist auf die Erhaltung der Dispositionsfreiheit und der Flexibilität des Unternehmens zu achten. Mit der Aufnahme zusätzlichen Kapitals werden neue Mitspracherechte geschaffen. Bei Beteiligungsfinanzierung (Aufnahme zusätzlichen Eigenkapitals) ergeben sich i. d. R. größere Mitspracherechte als bei Kreditfinanzierung. Je nach Marktmacht und Umfang der Kreditierung kann jedoch auch die Einflussnahme

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Zusammenfassung

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Dieses Lehrbuch und Nachschlagewerk ist das Standardwerk für den gesamten Bereich der Investition und Finanzierung nach deutschem Recht. Neben den wichtigen Methoden der klassischen Finanz- und Investitionstheorie werden auch neue Finanzinstrumente und Erkenntnisse im Bereich der Kapitalmärkte erläutert, sodass dem Leser ein fundierter Überblick über den aktuellsten Stand der Forschung ermöglicht wird.

Aus dem Inhalt

- Management der Vermögensstruktur - Investitionsrechnung und Disposition des Umlaufvermögens

- Wertpapiergeschäfte - Analyse von Aktien und Aktienindizes sowie Wertpapierprogrammentscheidungen und Risikomanagement mit Termingeschäften

- Alternativen der Kapitalaufbringung - Finanzierungsformen, Kapitalstruktur und Verschuldungspolitik

- Finanzanalyse - Kennzahlenanalyse und Kapitalflussrechnung

- Finanzplanung - Kapitalbedarf- und Liquiditätsplanung, Plananpassung und Kontrolle

Die Autoren

Dr. Dr. h.c. Louis Perridon und Dr. Manfred Steiner waren bis zu ihrer Emeritierung Professoren für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg. Dr. Andreas Rathgeber ist Professor am Institut Materials Resource Management und am Kernkompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement an der Universität Augsburg.