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1.2 Geschäftsszenario der Fallstudie Spielzeux GmbH in:

Alexander Baumeister, Claudia Floren, Ulrike Sträßer

Controlling mit SAP Business ByDesign, page 22 - 26

Erfolgsmanagement im Mittelstand

1. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4739-2, ISBN online: 978-3-8006-4740-8, https://doi.org/10.15358/9783800647408_22

Series: Controlling Competence

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51.1 Konzeptionelle Zielsetzung des Buches Die fiktive Spielzeux GmbH dient im weiteren Verlauf dieses Buches als Fallbeispiel zur Konzeptionierung und Umsetzung eines Controlling mit SAP Business ByDesign. 1.2 Geschäftsszenario der Fallstudie Spielzeux GmbH Bei der Spielzeux GmbH handelt es sich um ein inhabergeführtes Unternehmen aus der Spielwaren-Branche. Sie wurde 1997 gegründet und fertigt qualitativ hochwertige Modell-Lokomotiven, die exklusiv über einen Modellbau-Filialisten vertrieben werden. Das Unternehmen hat zwei Standorte. Der Stammsitz des Unternehmens im saarländischen St. Ingbert dient ausschließlich zu Administrations- und Verwaltungszwecken, seit im Jahr 2010 die gesamte Produktion in die Landeshauptstadt Saarbrücken verlagert wurde. Das Produktionsprogramm der Spielzeux GmbH besteht aus zwei Spielzeuglokomotiven: Modell Classic und Modell Racer (vgl. Abb. 5). Abb. 5: Modelle der Spielzeux GmbH Die Produktionsstrategie der Spielzeux GmbH ist als Vorratsfertigung eine Form der Marktproduktion (vgl. zum Überblick über Produktionstypen z. B. Blohm et al. [Produktion] 274 ff.). Beide Modelle werden kundenanonym, also ohne dass konkrete Kundenaufträge vorliegen, produziert. Eingehende Kundenaufträge werden aus dem Lagerbestand bedient. Der angestrebte Umfang des Bestands geht in den Produktionsplanungsprozess ein. Insgesamt ist der Inhaber, der gleichzeitig die Geschäftsführung inne hat, mit der Geschäftsentwicklung zufrieden. Beide Modelle können zu auskömmlichen Absatzpreisen verkauft werden; die Absatzsituation ist ebenfalls stabil. Abb. 6 zeigt die Verkaufspreise und die Planabsatzmenge des Folgemonats. Unternehmensgrunddaten Produktions- und Absatzsituation 6 1. Hinweise zur Handhabung Produktart Verkaufspreis Planabsatzmenge Classic 170 €/Stück 1.000 Stück Racer 250 €/Stück 500 Stück Abb. 6: Verkaufspreise und Planabsatzmenge des Folgemonats Die Fertigung der Lokomotiven basiert weitestgehend auf fremd bezogenen Komponenten. Beide Modelle ähneln sich in ihrem Aufbau; sie bestehen aus jeweils einem Korpus und vier Rädern, die über zwei Achsen miteinander verbunden werden. Bei dem Modell Classic handelt es sich um eine Holzlokomotive. Racer besteht hingegen aus einem Metallkorpus und wird durch einen kleinen Motor elektrisch angetrieben. Abb. 7 zeigt die Materialbedarfe und die Bezugspreise für die Komponenten der beiden Endprodukte. Materialbedarf je Endprodukt Holzblock Metallkorpus Achse Reifen Motor Classic 1 Stk. --- 2 Stk. 4 Stk. --- Racer --- 1 Stk. 2 Stk. 4 Stk. 1 Stk. Bezugspreis 2,40 €/Stk. 12,00 €/Stk. 0,10 €/Stk. 0,25 €/Stk. 9,00 €/Stk. Abb. 7: Materialbedarfe und Bezugspreise Der Fertigungsprozess läuft wie folgt ab: Aus den Holzblöcken werden in der Schreinerei die Holzblöcke für das Modell Classic gefräst. Anschlie- ßend werden sowohl die Holzkorpusse als auch die für das Modell Racer fremd bezogenen Metallkorpusse in der Montage endmontiert. Für den Einbau des Motors in das Modell Racer ist eine Spezialmaschine erforderlich. Abb. 8 zeigt die Bearbeitungszeiten für beide Endprodukte. Fräszeit Montagezeit Classic 0,20 Std./Stk. 0,25 Std./Stk. Racer --- 0,50 Std./Stk. Abb. 8: Fertigungszeitbedarf je Endprodukt Materialstückliste Produktionssituation 71.2 Geschäftsszenario der Fallstudie Spielzeux GmbH Instandsetzungsmaßnahmen in den zwei Fertigungskostenstellen Schreinerei und Montage übernimmt die unternehmenseigene Reparaturstelle, wobei die Montage die dreifache Reparaturleistung verbraucht. Ferner ist die Materialkostenstelle für die Materialbeschaffung vom angemieteten Lager verantwortlich, während die Vertriebskostenstelle Kundenbeziehungen pflegt und Werbemaßnahmen verantwortet. Die Verwaltung beinhaltet u. a. das Rechnungs- und Personalwesen. Dabei fallen im Planmonat die in Abb. 9 aufgeführten primären Produktgemeinkosten in den Kostenstellen an. Reparatur Schreinerei Montage Material Vertrieb Verwaltung Löhne 20.000 € 55.000 € Gehälter 6.000 € 8.000 € 12.000 € 4.000 € 15.000 € 25.000 € Gas, Strom, Wasser 4.000 € 4.000 € 6.000 € 2.000 € 1.000 € 1.000 € sonstige Raumkosten 8.000 € Miete 10.000 € Werbekosten 3.000 € Bürobedarf 500 € Abb. 9: Überblick über primäre Produktgemeinkosten in den Kostenstellen Zur Steigerung des Bekanntheitsgrads des erst kürzlich auf dem Markt eingeführten Modells Racer sind erhöhte Werbeaktivitäten erforderlich. Die beauftragte Werbeagentur stellt pro Flyer 1 € in Rechnung. Für Classic werden 1.000 Stück und für Racer 2.000 Stück gedruckt. Trotz der insgesamt stabilen Geschäftsentwicklung möchte sich der Geschäftsführer A. Ehrlicher aufgrund des immer stärkeren Konkurrenzdrucks bei zukünftigen Entscheidungen nicht mehr allein auf sein unternehmerisches Gespür verlassen. Der Jahresabschluss und die gegenwärtige Finanzplanung bieten ihm aus seiner Sicht keine fundierte Grundlage zur Planung weiterer Wachstumsschritte und der damit verbundenen Angebots-, Preis- und Produktionsprogrammpolitik. Geplant ist daher, ein Unternehmenscontrolling zu implementieren und insbesondere die entscheidungsorientierte Gestaltung der Kosten- und Erlösrechnung voranzutreiben. Sein erster Ansprechpartner hierbei ist sein langjähriger Mitarbeiter I. Demreich, der Kostenstellenbedeutung Geschäftspolitik 8 1. Hinweise zur Handhabung das Rechnungswesen der Spielzeux GmbH betreut. Gemeinsam beschlie- ßen sie die Einführung einer − Kostenstellenrechnung; − differenzierten Zuschlagskalkulation; − mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung. Geschäftsführer Ehrlicher sieht zudem eine IT-Unterstützung als wichtigen Baustein für die Sicherung des Unternehmenserfolgs. So möchte er die Geschäftsprozesse zukünftig schneller, einfacher, übersichtlicher und nicht zuletzt kostengünstiger gestalten und die dabei entstehenden Informationen effizienter nutzen. Gegenwärtig setzt die Spielzeux GmbH keine einheitliche Unternehmenssoftware ein, vielmehr nutzt sie überwiegend Excel-basierte Insellösungen. Diese sollen nun durch SAP Business ByDesign abgelöst werden. Zwar verfügt Ehrlicher bereits über ungefähre Vorstellungen von der Funktionsweise betriebswirtschaftlicher ERP-Standardanwendungssoftware, möchte jedoch das Zusammenspiel der Komponenten und die Implementierungsmöglichkeiten eines Unternehmenscontrolling besser verstehen. Zu diesem Zweck engagiert er IT-Beraterin S. Orglar. Sie soll zusammen mit dem Leiter des Rechnungswesens Vorschläge für die Umsetzung aller betriebswirtschaftlichen Gestaltungsfragen in SAP Business ByDesign erstellen. Management-Informations- System Was SAP Business ByDesign für das Controlling leistet: Kapitel 2: Entscheidungsunterstützung mit SAP Business ByDesign 2.1 Management Summary: Entscheidungsorientierte Unternehmensrechnung Geschäftsprozesse sind das Ergebnis zahlreicher Einzelentscheidungen über den Einsatz meist knapper Wirtschaftsgüter (vgl. Schweitzer/Küpper [Systeme] 1). Sie sind zielgerichtete, zeitlich-logische Abfolgen von Aufgaben, die in der Regel arbeitsteilig mit dem Ziel der Leistungserstellung ausgeführt werden (vgl. zum Geschäftsprozessmanagement z. B. Gadatsch [Grundkurs] 35 ff.). Die Gestaltung betrieblicher Prozesse und Teilbereiche erfordert entsprechend Informationen über ihre Erfolgswirkungen (vgl. Troßmann/Baumeister/Werkmeister [Controlling] 44). Ihre Bereitstellung ist eine der Kernaufgaben des internen Rechnungswesens, um betriebliche Entscheidungen durch Planungs- und Steuerungsinformationen zu fundieren (vgl. zum Überblick Troßmann/Baumeister [Rechnungswesen]). Maßgebend für Inhalt und Aufbau entsprechender Rechenwerke sind damit die Informationsbedürfnisse unternehmensinterner Entscheidungsträger. Die entscheidungsorientierte Gestaltung betrieblicher Informationssysteme ist eine der zentralen Aufgaben des Controlling (vgl. Troßmann/Baumeister/Werkmeister [Controlling] 44). Das externe Rechnungswesen stellt hingegen die Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage der Unternehmung dar, um unternehmensexterne Adressaten über die Folgen interner Entscheidungen zu informieren. Zum internen Rechnungswesen zählen insbesondere die Investitionsrechnung sowie die Kosten- und Erlösrechnung. Während Erstere auf Zahlungsgrößen abstellt, stellt Zweitere mit Kosten bzw. Erlösen als bewertete, sachzielbezogene Güterverbräuche bzw. Güterentstehungen einer Periode auf einen kalkulatorischen Rechnungszweck ab (vgl. Troßmann [Rechnungswesen] 103). So sollen insbesondere Informationen über den Erfolg des Produktions- und Absatzprozesses bereitgestellt werden. Dies können produktbezogene Informationen, z. B. für die Kalkulation (→Kapitel 6) oder stellenbezogene Kosteninformationen (→ Kapitel 5) Zweck des Rechnungswesens Teilbereiche des internen Rechnungswesens

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Zusammenfassung

Der praxisorientierte Leitfaden. SAP Business ByDesignTM ist eine umfassende On-Demand-Software für die große Anzahl von kleinen und mittelständischen Unternehmen, die die deutsche Wirtschaft prägen. Dieses Buch ist die erste schrittweise Einführung in das Controlling mit SAP Business ByDesign.

Zahlreiche Abbildungen, Übungsaufgaben und eine integrierte Fallstudie sorgen für Praxisnähe und ein umfassendes Verständnis.

Aus dem Inhalt:

- Unternehmensplanung mit Absatz-, Kostenstellen- und Ergebnisplanung

- Gemeinkostencontrolling

- Produktkostencontrolling

- Markt- und unternehmensbezogene Erfolgsrechnungen

- Passgenaues Reporting

Die Autoren:

Professor Dr. Alexander Baumeister leitet den Lehrstuhl für Controlling an der Universität des Saarlandes. Claudia Floren und Ulrike Sträßer sind dort als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen tätig.