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Ingo Süßmilch, Sonderformen der Außenfinanzierung – Anleihe, Mäzen und Gang an den Kapitalmarkt in:

Albert Galli, Vera-Carina Elter, Rainer Gömmel, Wolfgang Holzhäuser, Wilfried Straub (Ed.)

Sportmanagement, page 97 - 109

2. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3678-5, ISBN online: 978-3-8006-4613-5, https://doi.org/10.15358/9783800646135_97

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Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 85 Sonderformen der Außenfinanzierung – Anleihe, Mäzen und Gang an den Kapitalmarkt von Ingo Süßmilch Inhaltsverzeichnis 7.1 Die Ausgangslage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86 7.2 Alternative Liquiditätsbeschaffung mit ausgewählten Kapitalmarktprodukten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86 7.2.1 Die Anleihe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 7.2.2 Die Schechter-Anleihe. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88 7.2.3 Das Schuldscheindarlehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89 7.2.4 Die ABS-Transaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 7.2.5 Der Genussschein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 7.3 Mäzene und Partnerschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 7.3.1 Der private Geldgeber. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93 7.3.2 Die strategische Partnerschaft. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 7.4 Der Gang an den Kapitalmarkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 7.5 Fazit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 86 7.1 Die Ausgangslage Gerade im Hinblick auf die Außenfinanzierung von Unternehmen hat jede Krise, die die Wirtschafts- und Finanzwelt seit dem Platzen der Internetblase durchlaufen musste, deutliche Spuren bei der Vergabe von Krediten hinterlassen. Durch Basel II und Basel III wurden insbesondere die Anforderungen an Darlehensnehmer und Darlehensgeber noch einmal deutlich verstärkt. Dies führt dazu, dass Kreditinstitute gezwungen sind ihr Eigenkapital zu verstärken und gleichzeitig teilweise sogar das eigene Kreditportfolio abzubauen. Um den Liquiditätsbedarf in der Fußballbranche zu decken, bedienten sich die Fußballunternehmen wie alle anderen Unternehmen zunächst vornehmlich der Kreditfinanzierung. Spielertransfers wurden nicht selten durch die Aufnahme eines mittelfristigen Darlehens finanziert. Beim Bau von Stadien halfen die Kreditinstitute mit einer Projektfinanzierung. Durch die zunehmende Risikoaversion der Kreditinstitute sind die Anforderungen von Kreditinstituten im Hinblick auf die Vergabe von Darlehen stetig gestiegen. Von den Kreditnehmern werden ausreichende Sicherheiten und eine entsprechende Eigenkapitalquote erwartet. Darüber hinaus wird das Ergebnis des Ratings in der Höhe der Zinsen berücksichtigt. Mit diesen Veränderungen mussten sich auch die deutschen Fußballunternehmen auseinander setzen. Die Folgen waren eine zunehmende Zurückhaltung der Kreditinstitute bei der Vergabe von Darlehen, die Forderung von ausreichenden Sicherheiten, Bürgschaften und höhere Zinssätze auf Basis des Ratings und damit einhergehende steigende Fremdkapitalkosten. Besonders problematisch für die Kreditgeber sind die für Besicherungszwecke verfügbaren Assets. Fremdkapitalgeber sehen insbesondere materielles Anlagevermögen wie Immobilien und Beteiligungen als leichter beleihbar an. In den seltensten Fällen stehen bei Fußballunternehmen jedoch Sicherheiten in Form liquider Wertpapiere oder Grundschulden zur Verfügung. Der Großteil der Vermögensgegenstände eines Fußballunternehmens sind immaterieller Natur – beispielsweise Spielerwerte oder auch Marken- und Logorechte. Derartige Vermögenswerte sind von den Banken nur schwer zu bewerten und daher nur mit großen Abschlägen zu liquidieren. Zahlreiche Fußballunternehmen standen bzw. stehen vor der Aufgabe die Verschuldung bzw. die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten zu reduzieren. Im Vordergrund steht hier eine Umstrukturierung auf der Passivseite der Bilanz zum Beispiel mit den zur Verfügung stehenden Sonderformen der Außenfinanzierung, von denen bereits eine Reihe von Fußballunternehmen Gebrauch gemacht hat. 7.2 Alternative Liquiditätsbeschaffung mit ausgewählten Kapitalmarktprodukten Anleihen, Schuldscheindarlehen, Asset-Backed-Securities-Transaktionen (ABS-Transaktionen) und Genussscheine wurden sukzessive von der Fußballbranche entdeckt und Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 87 877 Sonderformen der Außenfinanzierung umgesetzt. Die Tatsache, dass diese Finanzierungsinstrumente bei Fußballunternehmen zur Anwendung kommen, spricht für eine stattgefundene Professionalisierung in den Strukturen dieser Unternehmen. Gleichzeitig erforderte die Ansprache des Kapitalmarktes im Hinblick auf die Publizität ein Umdenken in den Fußballunternehmen, das vielfach erst in der Praxis stattgefunden hat. 7.2.1 Die Anleihe Eine Anleihe ist ein Fremdkapitalinstrument und eignet sich insbesondere im Rahmen eines langfristigen Finanzierungsbedarfs. Damit ist die Anleihe auf den ersten Blick ein sehr gutes Instrument für eine Stadionfinanzierung. Zusätzlich bietet die Anleihe die Möglichkeit einer Umschuldung. Hier ist insbesondere die lange Laufzeit attraktiv. Bei der öffentlichen Platzierung einer Anleihe wird diese i. d.R. breit gestreut, wodurch das Risiko auf viele Investoren verteilt wird. Das bedeutet aber auch, dass die Interessen einer Vielzahl von Investoren berücksichtigt werden müssen. Der Emittent muss bestimmte Mindestanforderungen erfüllen und die Anleihebedingungen müssen den Kapitalmarktansprüchen genügen. Das bedeutet, dass es den Kapitalgebern jederzeit möglich sein muss, das Risiko des Investments einschätzen zu können. Hierzu gilt es umfangreiche Informationen jederzeit und zeitnah zu veröffentlichen. Das Geschäftsmodell sollte verständlich und das Tagesgeschäft jederzeit transparent sein. Zusätzlich wird von potenziellen Investoren oftmals ein unabhängiges Rating erwartet. Während der Laufzeit der Anleihe ist keine Amortisierung erforderlich, was in der Praxis dazu führt, dass die Refinanzierung einer Anleihe durch eine neue Anleihe dargestellt werden kann. Während der Laufzeit erhalten die Investoren, die in den Bedingungen der Anleihen festgelegten Zinszahlungen. Die Höhe der Zinsen ist abhängig vom Ergebnis des Ratings und vom Kapitalmarkt. Ein großer Vorteil einer Anleiheemission ist es, dass der Emittent keine Sicherheiten stellen muss. Des Weiteren profitieren Emittenten von Anleihen vom niedrigen Zinsniveau, so dass die Kosten im Vergleich zu durchschnittlichen historischen Kreditzinsen eher günstig sind. Von der Anleihe als Refinanzierungsinstrument haben in den letzten Jahren eine Vielzahl von Fußballunternehmen aus der Bundesliga und der 2. Bundeliga Gebrauch gemacht. Hierbei wurde im Wesentlichen die sogenannte Fananleihe emittiert. Bei der Fananleihe wird ein Teil der Emission in Form von Schmuck-Anleihen in kleineren Nennbeträgen bei den Mitgliedern und Fans des Fußballunternehmens platziert. Diese schmücken mit diesen Papieren meist ihren Hobby- oder Partyraum und schneiden weder die Zinsscheine ab noch tauschen sie das Papier nach Ende der Laufzeit ein. Somit konnten viele Fußballunternehmen über diese Art der Platzierung Mittel generieren, die wahrscheinlich niemals zurückgezahlt werden müssen und auch keine Zinskosten auslösen bzw. ausgelöst haben. Natürlich gibt es auch einige Investoren, die größere Beträge zeichnen und diese Papiere dann in ihrem Wertpapierdepot verwalten. Diese eher geringere Zahl an Investoren, die aber sicherlich einen größeren Anteil an sämtlichen Fananleihen gezeichnet haben, erhalten durch die Depotverwahrung automatisch die Zinsen gemäß Anleihebedin- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 88 Ingo Süßmilch88 gungen und werden nach Ende der Laufzeit das investierte Geld zurück erhalten, sofern das Fußballunternehmen in der Lage ist Zinsen bzw. zum Ende der Laufzeit das entsprechende Kapital zurück zu zahlen. Ausgewählte Fananleihen Fußballunternehmen Emissionsjahr Laufzeit Zinssatz Volumen in Mio. Euro FC Schalke 04 2010 6 Jahre 5,5% 11 Mio. Euro* TSV 1860 München 2010 5 Jahre 6% 9 Mio. Euro FC St. Pauli 2011 6 Jahre 8 Monate 6% 8 Mio. Euro* 1. FC Nürnberg 2010 6 Jahre 6% 6 Mio. Euro* Hertha BSC Berlin 2004 6 Jahre 6 Monats Euribor zzgl. 3% 6 Mio. Euro 1. FC Köln 2005 6 Jahre 5% 5 Mio. Euro* Alemannia Aachen 2008 5 Jahre 6% 5 Mio. Euro FC Hansa Rostock 2011 6 Jahre 5% 5 Mio. Euro Arminia Bielefeld 2006 5 Jahre 7,5% 3 Mio. Euro* * voll platziert/ alle anderen wurden bisher nicht voll platziert Quelle: eigene Recherchen Abb.1: Ausgewählte Fananleihen Insgesamt besteht sicherlich der Großteil der Zeichner einer Fananleihe aus Fans des emittierenden Fußballunternehmens. Aber auch der ein oder andere Nicht-Fußballfan könnte im Vertrauen auf die Tradition der Vereine und angelockt durch die im Vergleich zu alternativen Investitionsmöglichkeiten attraktiven Zinsen zu den Zeichnern gehören. Für die Fußballunternehmen hat die Anleihe insbesondere die Fananleihe ab einem gewissen Emissionsvolumen, das aufgrund der Kosten bei mindestens 3 Mio. Euro liegen sollte, eine Reihe von Vorteilen. Die Zinsen sind im Vergleich zu anderen Finanzierungsalternativen relativ günstig. Der Aufwand der Umsetzung ist überschaubar und mit der Schmuck-Anleihe werden Mittel generiert, die wahrscheinlich keine Rückzahlung nach sich ziehen. Auch wenn ein Fußballunternehmen eine Anleihe im Rahmen einer Umschuldung nutzt, bedeutet dies nicht unbedingt höhere Kosten. Das Gegenteil dürfte der Fall sein, wenn über eine Anleihe langfristig die Verbindlichkeiten eines Fußballunternehmens dargestellt werden. Mit einem festen Zins kann ein Fußballunternehmen besser planen und ist nicht länger dem Zinsänderungsrisiko ausgesetzt. Auch die zeitaufwendigen Verhandlungen mit den Kreditinstituten über neue Darlehen oder Prolongationen sind nicht mehr erforderlich. 7.2.2 Die Schechter-Anleihe Verschiedene europäische Fußballunternehmen nutzen die Anleihe bereits seit einigen Jahren als Finanzierungsinstrument. Eine große Anzahl von Anleiheemissionen aus der Fußballbranche betreute die Investmentboutique Schechter & Co. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 89 897 Sonderformen der Außenfinanzierung Entscheidend für Schechter & Co. sind die Einnahmen und Ausgaben der Fußballunternehmen. Bei den Ausgaben ist die Höhe entscheidend und bei den Einnahmen die Sicherheit der Zahlungen. Hier sind insbesondere Einnahmen, die über einen längeren Zeitraum relativ unabhängig vom sportlichen Erfolg sind, interessant. Stehen die Einnahmen und Ausgaben in einer vernünftigen Relation, weisen die Einnahmen zufriedenstellende Sicherheit auf und verfügt das Fußballunternehmen über ein professionelles Management, dann haben Schechter & Co. in der Vergangenheit auch Investoren für eine Anleihe gefunden. Unter den Investoren finden sich meist internationale Versicherungen und Pensionsfonds. Die Anleihen von Schechter & Co. wurden privat platziert, so dass die Bedingungen nicht veröffentlicht wurden. Es ist allerdings bekannt, dass die Schechter-Anleihen von den Fußballunternehmen im Gegensatz zu unbesicherten öffentlichen Anleihen immer besichert worden sind. Vielfach wurden hier Teile der Einnahmen aus dem Ticketing der traditionsreichen Emittenten zur Verfügung gestellt. Aus diesen Einnahmen bestreitet der Emittent sowohl den Zins als auch die Tilgung. Im Gegensatz zu öffentlichen Anleihen erfolgt die Tilgung bei den Anleihen von Schechter & Co. i. d. R. während der Laufzeit und nicht erst am Laufzeitende. Da ein Großteil der Mittel aus den Anleihen in die Finanzierung von Stadionprojekten geflossen ist, durch die der Emittent zusätzliche Einnahmen generieren konnte, entstanden durch die Begebung der Anleihe bei den Fußballunternehmen nicht zwingend zusätzliche Belastungen in Form von Zins und Tilgung. Insgesamt ist eine Anleihe im Rahmen einer Privatplatzierung wie bei Schechter & Co. ein sicherlich geeignetes Mittel zur Finanzierung eines Fußballunternehmens. Dabei  bleibt festzuhalten, dass die bekannten Schechter-Anleihen einem Darlehen sehr  verwandt sind. Auch bei einem Darlehen zahlt ein Unternehmen Zins und Tilgung, die aus den laufenden Einnahmen bestritten werden. Demnach lässt sich schlussfolgern, dass hier lediglich der Kapitalbedarf eines Fußballunternehmens nicht über ein Darlehen bzw. eine Projektfinanzierung sondern über institutionelle Investoren dargestellt wird. 7.2.3 Das Schuldscheindarlehen Bei einem Schuldscheindarlehen handelt es sich wie bei der Anleihe um ein reines Fremdkapitalprodukt. Im Vergleich zur Platzierung einer öffentlichen Anleihe bietet ein Schuldscheindarlehen verschiedene Vorteile. Die Ausgestaltung der Bedingungen ist sehr flexibel und sowohl der Dokumentationsaufwand als auch die Transaktionskosten sind im Vergleich zur Anleihe geringer. Im Vordergrund eines Schuldscheindarlehens steht für den Emittenten, dass er sich über dieses Finanzierungsinstrument langfristig Fremdkapital sichern kann. Die Zinsen für diese Mittel hängen von der Bonität des Emittenten und der aktuellen Kapitalmarktsituation ab. Hier werden die Konditionen der Anleihen oftmals als Benchmark für Schuldscheindarlehen benutzt. Ein Schuldscheindarlehen hat für ein Fußballunternehmen diverse Vorteile gegenüber einer öffentlichen Anleihe. So ist meist ein bankinternes Rating, das im Vergleich zu einem externen Rating oftmals preiswerter ist, ausreichend. Publizitätspflichten bestehen lediglich gegenüber den Gläubigern. Zusätzlich findet ein intensiver Informationsaustausch mit dem Arrangeur (Konsortialführer bei Kredit- oder Emissionskonsortium, Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 90 Ingo Süßmilch90 der für die Dokumentation und den Platzierungsmechanismus verantwortlich ist oder Lead Manager einer internationalen Anleihe) des Schuldscheindarlehens statt. Nach Expertenmeinung gibt es eine Reihe von nationalen und internationalen Investoren, die Interesse an Schuldscheindarlehen haben. Die Investoren fordern i.d.R. für den Emittenten mindestens einen Investmentgrade als externes bzw. bankinternes Rating. Insgesamt dürfte es für ein Fußballunternehmen ähnlich problematisch sein ein Schuldscheindarlehen zu platzieren, wie ein Darlehen bei einem Kreditinstitut zu bekommen. Entscheidend ist es, inwieweit es dem Management gelingt, Investoren zu überzeugen und wie attraktiv die Rendite ist. Wenn sich Investoren aus dem Sponsorenpool oder dem näheren Umfeld eines Fußballunternehmens finden, ist das Schuldscheindarlehen ein gutes Instrument, um die Abhängigkeit des Fußballunternehmens von Kreditinstituten zu verringern. Allerdings ist auch ein Schuldscheindarlehen Fremdkapital und stärkt somit nicht die Eigenkapitalausstattung eines Fußballunternehmens. 7.2.4 Die ABS-Transaktion Bei einer ABS-Transaktion verkauft ein Unternehmen (Originator) bestehende Forderungen bzw. bestehende Ansprüche an eine Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle), die meist außerhalb Deutschlands gegründet wird. Die Zweckgesellschaft finanziert sich über den Verkauf von Wertpapieren (Schuldverschreibungen) am Kapitalmarkt. Mit dem Erlös aus der Ausgabe der Schuldverschreibungen kauft die Zweckgesellschaft die Forderungen von dem Originator. Käufer der Schuldverschreibungen sind meist institutionelle Investoren. Die Kaufentscheidung basiert auf dem Ergebnis eines Ratings der von der Zweckgesellschaft ausgegebenen Papiere und einer ansprechenden Rendite. Damit die Konditionen einer ABS-Transaktion günstig sind, werden vom Originator gegebenenfalls zusätzliche Sicherheiten oder Garantien Dritter (z. B. Bürgschaften) eingebracht. Der Originator bleibt weiterhin für das Forderungsmanagement verantwortlich. Sobald die Zahlungen bei ihm eingehen, leitet er diese an die Zweckgesellschaft weiter. Die Zweckgesellschaft wiederum leistet mit diesen Mitteln die Zins- und Tilgungszahlungen an die Inhaber der Schuldverschreibungen. Mit einer ABS-Transaktion kann sich ein Unternehmen zusätzliche Liquidität verschaffen. Diese wiederum kann als Alternative zum Darlehen benutzt werden. Allerdings ist die Strukturierung einer ABS-Transaktion relativ teuer und komplex. Insbesondere die Durchführung einer Due Diligence (Legal, Financial und Tax Due Diligence) ist kosten- und zeitintensiv. Eine ABS-Transaktion eignet sich grundsätzlich als Finanzierungsalternative für Fußballunternehmen. Allerdings verfügen Fußballunternehmen nur selten über ausreichende Forderungen, die eine ABS-Transaktion wie beschrieben als sinnvoll erscheinen lassen. Alternativ könnten anstelle der bestehenden Forderungen zukünftige Cash Flows (zukünftige Ansprüche), die sich z. B. aus Sponsorenverträgen oder Ticketingeinnahmen ergeben, verbrieft werden. Entscheidend ist es die Kosten gegenüber den anderen Instrumenten wie Anleihe, Schuldscheindarlehen oder Genussscheine genau ab zu wägen. Bei einer öffentlichen ABS-Transaktion muss der Emittent den Anforderungen des Kapitalmarktes an die Publizität gerecht werden. Vor diesem Hintergrund erscheint eine private Anleiheemission für Fußballunternehmen attraktiver. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 91 917 Sonderformen der Außenfinanzierung 7.2.5 Der Genussschein Der Genussschein verbrieft ein Genussrecht in Form einer jährlichen Ausschüttung aus dem Bilanzgewinn des Emittenten. Am Ende der Laufzeit hat der Inhaber des Genussscheins i. d.R. Anspruch auf die Rückzahlung des Kapitals zum Nennwert. Es gibt aber auch unbefristete Emissionen bei denen die Rückzahlung über die ewige Rente des Genussscheins dargestellt wird. Der Inhaber eines Genussscheins hat, trotz möglicher Beteiligung am laufenden Verlust und obwohl Genussscheine als haftendes Eigenkapital anerkannt werden können, nur Gläubigerrechte. Er hat somit keine Mitwirkungsrechte in Form der Teilnahme an oder der Ausübung des Stimmrechts in der Haupt- oder Gesellschafterversammlung. Wo Genussscheine auf der Passivseite einer Bilanz zu finden sind, hängt im Wesentlichen von der konkreten Ausgestaltung der Emissionsbedingungen ab. Sie können sowohl als Eigen- als auch als Fremdkapital eingestuft werden. Vielfach werden Genussscheine als hybrides Finanzierungsinstrument in der Bilanz zwischen Eigen- und Fremdkapital (Stichwort „Mezzanine“) erfasst. Insbesondere die Besicherung, die Laufzeit und die Teilnahme an Verlusten entscheiden über die Einstufung. Der Zinsaufwand für das Genussrechtskapital wird beim Emittenten unabhängig von der Einstufung als Eigen- oder Fremdkapital als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen. Die Wertpapiere sind somit sehr flexibel in Bezug auf Laufzeit und Verzinsung. Neben einem garantierten festen Zins gibt es auch die Möglichkeit einen erfolgsabhängigen Bonus zu zahlen. Dies ist insbesondere für Fußballunternehmen attraktiv, wo ein Bonus in Abhängigkeit vom Erreichen sportlicher Ziele gezahlt werden könnte. Als erstes deutsches Fußballunternehmen hat der SV Werder Bremen vor Jahren über die Begebung von Genussscheinen nachgedacht. Der SV Werder Bremen beabsichtigte die Emission von Genussscheinen, die neben einer Grundverzinsung bei Erreichung einer vorgegebenen Zuschauerzahl oder bei erfolgreicher Teilnahme am Pokalwettbewerb bzw. der Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb einen entsprechenden Bonuszins an die Inhaber ausgeschüttet hätten. Diese Genussscheine hat der SV Werder Bremen aber bisher nicht emittiert. Stattdessen favorisierte der SV Werder Bremen nach den ersten Vorüberlegungen eine private Platzierung bei einem strategischen Partner. Jürgen L. Born, Vorsitzender der Geschäftsführung, zuständig für die Bereiche Finanzen und Öffentlichkeitsarbeit der Werder Bremen GmbH & Co. KGaA bevorzugte in einem Interview im März 2004 grundsätzlich die Beteiligung eines strategischen Partners mit einem Aktienpaket in Höhe von 10 % bis 20%. Dabei sollten zunächst Genussscheine mit Optionen auf Aktien bzw. Wandelanleihen ausgegeben werden. Die spätere Aktienausgabe sollte dann an die sportliche und wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt werden. Über eine Umsetzung dieser Idee ist leider nichts bekannt. Der 1. FC Köln hat vor der Saison 2004/05 erstmals Genussscheine bei institutionellen Großinvestoren privat platzieren können. Das Platzierungsvolumen lag zunächst bei 5 Mio. Euro. Weitere 5 Mio. Euro wurden in Aussicht gestellt. Die Laufzeit soll zehn Jahre betragen und neben einem fixen Zinssatz ist den Investoren ein erfolgsabhängiger Zinsbonus in Aussicht gestellt worden. Damit hat dieser Genussschein Eigenkapitalcharakter. An den Erfolg dieser ersten privaten Emission will der 1. FC Köln 2012 anknüpfen. Geplant ist nunmehr die Platzierung von Genussscheinen mit einem Gesamtvolu- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 92 Ingo Süßmilch92 men von 7,5 Mio. Euro bei einer Stückelung von 150 Stück zu je 50.000,00 Euro. Sollte dies dem 1. FC Köln gelingen, dann wären sie mit einer Anleiheemission und zwei Genussscheinemissionen führend in der Verwendung alternativer Finanzierungsinstrumente. Von Finanzierungsexperten wird die Genussscheinfinanzierung weitgehend positiv beurteilt. Zunächst kann das Genussrechtskapital, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, als Sonderposten des Eigenkapitals bilanziert werden, was bei vielen Fußballunternehmen die Eigenkapitalproblematik lösen würde. Zusätzlich kann durch die Berücksichtigung der erfolgsabhängigen Zinskomponente das sportliche Risiko und das damit verbundene wirtschaftliche Risiko teilweise an den Genussscheinzeichner abgegeben werden. Abschließend wäre noch zu klären, wer für die Zeichnung solcher Genussscheine in Frage kommen könnte. Zunächst kommen als potenzielle Investoren alle dem Fußballunternehmen eng verbundenen Unternehmen und die Fans in Frage. Um die breite Masse von Investoren anzusprechen, müsste es sich allerdings um eine öffentliche Platzierung handeln. Gleichzeitig würden dann auch verschiedene Fonds angesprochen, womit auch institutionelle Investoren außerhalb des direkten Umfeldes der Fußballunternehmen als Kapitalgeber gewonnen werden könnten. Entscheidend für den Erfolg einer öffentlichen Platzierung sind die Genussscheinbedingungen. Wenn der Zins attraktiv, die Laufzeit überschaubar, der Bonus realistisch und das Management überzeugend und vertrauensvoll ist, können Genussscheine eines Fußballunternehmens sicherlich auch öffentlich platziert werden. Allerdings sollten sich die Manager vorher darüber im Klaren sein, dass eine öffentliche Begebung von Genussscheinen eine Bilanzierung nach IFRS nach sich zieht. Insgesamt ist Folgendes zu beachten: Die Genussscheine sollten möglichst 1. Eigenkapitalcharakter haben. 2. Die Grundverzinsung sollte möglichst niedrig sein. 3. Über eine erfolgsabhängige Zinskomponente sollte die Attraktivität für potenzielle Investoren gesteigert werden. 4. Die Genussscheine sollten im Rahmen einer mittelfristigen Finanzplanung einen Baustein darstellen. 5. Nicht am Kapitalmarkt aktive Fußballunternehmen, die nicht nach IFRS bilanzieren, sollten unter Berücksichtigung von Kosten und Aufwand eine Privatplatzierung bevorzugen. 7.3 Mäzene und Partnerschaften Neben der klassischen Kreditfinanzierung und den alternativen Finanzierungsinstrumenten des Kapitalmarktes haben sich zwei weitere Finanzierungsvarianten national wie international etabliert. Sowohl der Mäzen als auch der strategische Partner stellten ursprünglich reine Geldgeber dar, die als Gegenleistung Dankbarkeit, Ruhm und als strategischer Partner Publicity und Marketing erwartet haben. Inzwischen beteiligen sich diese Geldgeber direkt an den Fußballunternehmen und stellen damit Eigenkapital zur Verfügung. Des Weiteren nutzen beide Gruppen sicher- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 93 937 Sonderformen der Außenfinanzierung lich auch alle alternativen Finanzierungsinstrumente, um weitere Mittel zur Verfügung zu stellen, sofern dies dringend notwendig ist. In Deutschland ist hier insbesondere die Tatsache zu beachten, dass der ursprüngliche Verein grundsätzlich die Mehrheit der Stimmrechte an einem Fußballunternehmen halten muss. Hierzu hat es in der jüngsten Vergangenheit eine für strategische Partner sicherlich wichtige Änderung gegeben. Nunmehr darf ein Partner der mindestens über 20 Jahre einem Fußballunternehmen entsprechend verbunden war, ähnlich wie Bayer in Leverkusen oder VW in Wolfsburg auch die Kapitalmehrheit an einem Fußballunternehmen halten. 7.3.1 Der private Geldgeber Der Mäzen ist im deutschen Fußball gerade in den unteren Klassen noch sehr weit verbreitet. Viele fußballbegeisterte Unternehmer unterstützen ihren Jugendverein mit Mitteln ohne die dieser Verein nicht mehr bestehen könnte. Aber auch in den höheren Klassen tauchen immer wieder einzelne Personen auf, die mit größeren Summen unterstützen. Die Lebensgeschichte eines Fußballunternehmens mit einem solchen Mäzen lässt sich schön am Beispiel Fortuna Köln nachempfinden. Lange Zeit war die Fortuna mit den Geldern von Jean Löring eine feste Größe in der 2. Bundesliga mit Aufstiegsambitionen. Mit dem Abstieg und der Insolvenz des Mäzen kam auch die Fast-Insolvenz der Fortuna. Ein weiteres Beispiel wäre die SG Wattenscheid 09 mit dem Mäzen Klaus Steilmann. Aktuellstes Beispiel für den privaten Geldgeber ist die TSG 1899 Hoffenheim mit Dietmar Hopp. Mit dem Geld des Mäzen und professionellen Unternehmensstrukturen, die ebenfalls von Herrn Hopp in den Verein getragen wurden, konnte dieses kleine Fußballunternehmen bis in die Bundesliga aufsteigen. Aktuell steht das Projekt sportlich im gesicherten Mittelfeld und man darf gespannt sein, wie sich das Thema weiter entwickelt. Mit Viktoria Köln und Franz Josef Wernze ist zur Saison 2011/12 ein neues Projekt gestartet. Auch hier wird es interessant sein, zu beobachten wie sich dieses Thema in den nächsten Jahren entwickelt. Man darf darüber hinaus gespannt sein, welchen Einfluss die Reglungen zum Financial Fair Play hier nehmen. Wenn sich Investoren mehrheitlich kapitalmäßig beteiligen, was in verschiedenen europäischen Ländern möglich ist, dann kann durch eine Ausgabenpolitik ohne Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit eine sehr hohe Abhängigkeit entstehen. Im internationalen Fußball insbesondere in den europäischen Top-Ligen gibt es eine Vielzahl von Mäzenen, die sich mehrheitlich an Fußballunternehmen beteiligt haben. Diese sehr reichen Geldgeber pumpen sehr hohe Beträge in ihr Fußballunternehmen um in erster Linie Ablösesummen und Gehälter der Spieler zu zahlen. Mit einer dann sehr namenhaften Mannschaft sollen am Ende einer Saison Titel eingesammelt werden. Dies gelingt bekanntlich nicht immer. Da hilft dann aber neues Geld für noch bessere Spieler usw. Dieses Vorgehen zieht verschiedene negative Entwicklungen nach sich. Zunächst leiden viele Fußballunternehmen ohne Mäzen unter den stetig steigenden Kosten für die Spieler. Dies führt dazu, dass auch die weniger talentierten Spieler zunehmend teurer werden. Langfristig birgt dieses Vorgehen aber eine große Gefahr für den Ver- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 94 Ingo Süßmilch94 ein bzw. das Fußballunternehmen, da diese Geschäftspolitik regelmäßig zu negativen Jahresergebnissen führt, die irgendwann in der Zukunft einmal aufgearbeitet werden müssen. Wahrscheinlich ist dann der Mäzen weg und es wartet ein Schicksal wie bei den deutschen Beispielen oder gar die sofortige Insolvenz. 7.3.2 Die strategische Partnerschaft Das erste deutsche Fußballunternehmen, das sich über die Beteiligung eines strategischen Partners Eigenkapital beschaffen konnte, war der FC Bayern München. Die adidas AG zahlte 2002 nach öffentlichen Informationen für eine Beteiligung in Höhe von 10% an der FC Bayern München AG 75 Mio. Euro. Im Jahre 2009 beteiligte sich dann der Ingolstädter Autohersteller Audi mit 9,5 % an der FC Bayern München AG für geschätzte 80 Mio. Euro. Bei Bayer 04 Leverkusen und dem VfL Wolfsburg sind die Partnerschaften mit der Bayer AG bzw. der Volkswagen AG historisch gewachsen. Die Beteiligung eines strategischen Partners ist für viele Fußballunternehmen die attraktivste alternative Finanzierungsquelle. Mit einer strategischen Partnerschaft wird die Abhängigkeit von den Kreditinstituten reduziert und gleichzeitig die Eigenkapitalausstattung gesteigert. Gleiches lässt sich nur im Rahmen eines Börsengangs realisieren. Als strategische Partner kommt i. d.R. nur eine begrenzte Anzahl von Unternehmen in Frage. Insbesondere langjährige Sponsoren, Ausrüster oder Geschäftspartner aus dem Medien- und Entertainment-Sektor bieten sich an. Auch regionale Größen, die eventuell bisher nicht im Fußballunternehmen im Rahmen von Sponsoringaktivitäten engagiert waren, kommen als potenzielle Investoren in Frage. Ein Engagement eines strategischen Partners, insbesondere aus dem Sponsorenumfeld bzw. aus dem Medien- und Entertainment-Sektor, bringt einem Fußballunternehmen einige Vorteile. Neben den generell niedrigen Platzierungskosten bei einer strategischen Beteiligung im Vergleich zu allen übrigen Finanzierungsalternativen, kann das Fußballunternehmen von einer engeren Bindung des strategischen Partners an das Unternehmen, vom Know-how des Investors und von dessen Netzwerk profitieren. Allerdings kann das Mitspracherecht des neuen Partners auch negative Folgen für das Fußballunternehmen haben. Daher müssen die handelnden Personen vor einem solchen Schritt unbedingt sicherstellen, dass der Partner das strategische Konzept des Fußballunternehmens mitträgt. Auch empfiehlt es sich bereits vor der Beteiligung eines strategischen Investors die Möglichkeit zusätzlicher Partnerschaften oder eines Börsengangs zu klären. Vor dem Hintergrund der aktuellen Änderungen hinsichtlich der kapitalmäßigen Mehrheitsübernahme bei einem Fußballunternehmen unter der Voraussetzung einer mindestens 20-jährigen Partnerschaft ist diese Art der Kooperation sicherlich für eine Reihe von potenziellen strategischen Partnern wesentlich attraktiver geworden. Es wird spannend sein, zu beobachten, welche Partnerschaften sich in Deutschland in den nächsten 20 Jahren entwickeln und welche Unternehmen bei einem Fußballunternehmen einen Status wie Bayer oder VW einnehmen wollen. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 95 957 Sonderformen der Außenfinanzierung 7.4 Der Gang an den Kapitalmarkt Ein weiteres Mittel, um die Abhängigkeit von externen Kreditgebern zu verringern und die Finanzierung auf eine breitere Basis zu stellen, ist der Gang an den Kapitalmarkt und die damit einhergehende Platzierung von Aktien. In Deutschland hat lediglich die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA den Schritt an den Kapitalmarkt im Oktober 2000 vollzogen. Immerhin konnte die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA seinerzeit nach Kosten einen Emissionserlös von etwa 130 Mio. Euro erzielen. Im Vergleich zu den bereits vorgestellten Finanzierungsalternativen bedeutet der Gang an den Kapitalmarkt die größten Veränderungen in einem Fußballunternehmen. Schon im Rahmen der Vorbereitung eines solchen Schrittes muss das Management sehr viel Zeit investieren. Die Öffentlichkeitsarbeit muss sich frühzeitig den Kapitalmarktanforderungen anpassen. Der größte Vorteil eines Börsengangs ist i. d.R. der hohe Mittelzufluss, der sowohl eine Reduzierung der Verschuldung als auch zusätzliche Investitionen erlaubt. Gleichzeitig steigt die Eigenkapitalquote erheblich. Die mit einem Börsengang verbundenen Publizitätspflichten werden von den Emittenten nicht selten als Belastung verstanden. Auch die Folgepflichten werden oft negativ eingestuft. Diese Öffentlichkeitswirkung sollten die Unternehmen aber auch als Chance begreifen. Seit dem Börsengang der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA hat sich die Marktlage für Neuemissionen stetig verschlechtert. Sollte sich die Marktlage für Neuemissionen wieder verbessern, bleibt der Gang an den Kapitalmarkt für einige ausgewählte Brandnames der Fußballbranche auch aus der Bundesliga eine mögliche Finanzierungsalternative. Allerdings ist es wichtig den Kapitalmarkt als Partner zu verstehen, der im Rahmen einer Emission Geld zur Verfügung stellt, aber auch eine Gegenleistung in Form von Publizität, wirtschaftlichem Handeln und Dividendenzahlungen erwartet. Eine ausführliche Darstellung zum Börsengang eines Fußballunternehmens findet sich in der 2. Auflage der FC €uro AG von 2001. Es gilt insbesondere die rechtlichen Voraussetzungen für den Gang an den Kapitalmarkt zu schaffen. Dahinter verbergen sich die Anpassung und Wahl der Rechtsform, die Anpassung der Strukturen im Fußballunternehmen und die Beachtung der 50 % + 1-Regel, wonach der Mutterverein stets die Stimmenmehrheit am Fußballunternehmen halten muss. Neben diesen internen Veränderungen müssen die Kriterien der externen Börsenreife geprüft werden, es muss ein Platzierungskonzept und eine Transaktionsstruktur erarbeitet werden und es muss ein Unternehmenswert ermittelt werden. Zusätzlich müssen vor dem Hintergrund der aktuellen rechtlichen Ausgestaltung und Möglichkeiten des Kapitalmarktes das Segment und der Börsenplatz bzw. die Börsenplätze ausgesucht werden. Der Erfolg einer solchen Transaktion hängt im Wesentlichen von einer guten Vorbereitung, einem starken Bankpartner, einem ansprechenden Kapitalmarktumfeld und aktuellem sportlichen Erfolg ab. Hierbei gibt es sicherlich Brandnames wie z. B. Bayern München, wo unter Umständen die Voraussetzungen nicht zwingend optimal sein müssten. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 96 Ingo Süßmilch96 7.5 Fazit Auch Fußballunternehmen mussten in den letzten Jahren ihre Finanzierungsgewohnheiten ändern und sich mit neuen Wegen der Liquiditätsbeschaffung vertraut machen. Ausgelöst durch immer neue Krisen wurde es für alle Unternehmen in Deutschland schwieriger an Kreditmittel zu kommen. Gleichzeitig wurde es für die Banken zunehmend schwerer, eben solche Kredite unter Berücksichtigung der entsprechenden Auflagen zu vergeben. Dieser Umstand traf insbesondere Fußballunternehmen, die über keine besonderen Sicherheiten verfügen und in der Vergangenheit nicht im Hinblick auf ein möglichst positives Jahresergebnis gewirtschaftet haben. Trotzdem konnte eine Vielzahl von Fußballunternehmen unterstützt durch die stattfindende Professionalisierung vom Verein zum Unternehmen einige alternative Finanzierungsformen umsetzen. Allen voran steht die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA mit dem bisher einzigen Börsengang eines deutschen Fußballunternehmens. Obwohl dieses Thema aktuell bei keinem Fußballunternehmen auf der Tagesordnung steht, muss festgehalten werden, dass wohl insbesondere der FC Bayern München ein Kandidat für den Kapitalmarkt ist und bleibt. Weitere Unternehmen aus der Bundesliga sollten diesen Schritt nur bei sehr positiven Rahmenbedingungen andenken. Im Rahmen der Stadionbauten konnten ebenfalls eine größere Anzahl der innovativen Finanzierungsprodukte umgesetzt werden. Ein absoluter Renner unter den hier vorgestellten Sonderformen der Außenfinanzierung ist die Fananleihe. Jüngstes Beispiel ist die Anleihe des FC St. Pauli (Laufzeit: November 2011 bis 30.06.2018, Zins: 6%). Knapp vier Wochen nach Emission waren 6 Mio. Euro platziert. Es wird nun über eine Aufstockung auf 8 Mio. Euro nachgedacht. Ein weiteres äußerst beliebtes Instrument könnte der Genussschein werden. Der 1. FC Köln bereitet gerade seine zweite Platzierung vor und im Rahmen von strategischen Partnern oder Mäzenen ist dieses Kapitalmarktprodukt im Rahmen von privaten Platzierungen sicherlich schon öfters umgesetzt worden. Damit werden Anleihen, Genussscheine, ABS-Transaktionen und strategische Eigenkapitalbeteiligungen bei der Finanzierung von Fußballunternehmen eine zunehmend wichtigere Rolle spielen. Insbesondere bei derartigen Finanzierungsinstrumenten ist es wichtig, dass sie nicht ausschließlich zur kurzfristigen Liquiditätssicherung verstanden werden. Durch die langfristige Aufnahme von Fremdkapital wird ein „Wechsel auf die Zukunft“ aufgenommen, und dies ist nur sinnvoll, wenn die entsprechende kurzfristige Liquidität zur Ablösung von teuren Kreditengagements verwendet wird oder für Investitionen, die nachhaltige Werte (z.B. Bau von Leistungszentren für Nachwuchsspieler usw.) schaffen. Die große Herausforderung bei allen Finanzierungsmöglichkeiten ist es, Partner zu finden, mit denen diese umgesetzt werden können. Dabei gilt es insbesondere für die Investoren, aber auch für die Fußballunternehmen, einen ansprechenden Anreiz zu schaffen. Den Investoren muss eine Investition mit einem angemessenen Chance-Risiko-Verhältnis angeboten und den Fußballunternehmen die Möglichkeit eröffnet werden, das Finanzierungsprodukt auch bei sportlichem Misserfolg bedienen zu können. Insbesondere die Brandnames der Bundesliga sind für Sponsoren, Ausrüster oder Unternehmen aus dem Medien- und Entertainment-Sektor als strategische Partner inte- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 97 977 Sonderformen der Außenfinanzierung ressant. Hierbei profitieren beide Seiten von den aktuellen Änderungen in den Statuten der Deutschen Fußball Liga. Dies wird mitunter eine der spannendsten Entwicklungen in den nächsten Jahren. Literatur- und Quellenverzeichnis FC €uro AG, Düsseldorf 2001 FC €uro AG, Düsseldorf 2002 FC €uro AG, Düsseldorf 2004 Volk Gerrit: Going Public, Stuttgart 2009 Klaus Olfert: Finanzierung, Neckargemünd 2011

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References

Zusammenfassung

"Das vorliegende Handbuch [...] gibt eine exzellente Orientierung für modernes und professionelles Sportmanagement [...]"

Wolfgang Niersbach

Präsident des Deutschen Fußball-Bundes

Immer weiter reichende ökonomische Aktivitäten und damit verbundene Risiken - Entscheidungsträger im professionellen Sport müssen nicht nur ihren Partnern aus der Wirtschaft auf gleicher Augenhöhe begegnen, sie müssen vielmehr die Klubs und deren Tochtergesellschaften bzw. die Organisationseinheiten um Einzelsportler in entsprechender Weise ausrichten und leiten, um den sportlichen vor allem aber den ökonomischen Wettbewerb erfolgreich bestreiten zu können.

Dieses umfassende Handbuch liefert Ihnen Lösungen zu den zentralen Fragen im professionellen Sportmanagement - es stellt die wesentlichen Ansatzpunkte für die unternehmerische Führung und die dafür notwendigen Grundlagen aus Betriebswirtschaftslehre, Steuern und Recht vor.

Vor allem am Beispiel des aus der ökonomischen Perspektive am weitesten entwickelten professionellen Fußballsports richtet sich dieses praxisorientierte Nachschlagewerk insbesondere an Verantwortliche in Klubs - Vereinsvorstände, Organe der Kapitalgesellschaften, Leiter der betriebswirtschaftlichen Bereiche und deren Mitarbeiter -, natürlich aber auch an Einzelsportler und ihre Berater sowie an Kapitalgeber, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Studierende.

Über die Autoren und Herausgeber

Das Handbuch "Sportmanagement" ist ein Gemeinschaftswerk von ausgewiesenen Praktikern, die über langjährige Erfahrungen im professionellen Sport verfügen. Es wird herausgeben von Prof. Dr. Albert Galli, Prof. Dr. Vera-Carina Elter, Prof. Dr. Dr. h.c. Rainer Gömmel, Wolfgang Holzhäuser und Wilfried Straub.

"(...) Wenn das Buch auf den ersten Blick den Eindruck erweckt, es befasse sich nur mit dem Profisport, so ist das ein falscher Eindruck. Da es sich in allen Teilbereichen um einen professionellen Umgang mit dem Sport bemüht, ist es bestimmt auch für den "normalen" Vereinsführer ein hilfreiches Werk. Hilfreich ist auch die klare Gliederung in kurze Artikel zu Teilbereichen."

In: Der Budoka 12/2002, zur 1. Auflage