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Andreas Parensen, Spielervermittlung im Profifußball: Ökonomischer und rechtlicher Kontext in:

Albert Galli, Vera-Carina Elter, Rainer Gömmel, Wolfgang Holzhäuser, Wilfried Straub (Ed.)

Sportmanagement, page 648 - 669

2. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3678-5, ISBN online: 978-3-8006-4613-5, https://doi.org/10.15358/9783800646135_648

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Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 653 Spielervermittlung im Profifußball: Ökonomischer und rechtlicher Kontext von Andreas Parensen Inhaltsverzeichnis 38.1 Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 654 38.2 Marktüberblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 654 38.3 Tätigkeitsfelder im Rahmen des Berufsbildes Spielervermittler . . . . . . . . . . . 657 38.3.1 Spielervermittlung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 657 38.3.2 Spielerbeobachtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 658 38.3.3 Spielerberatung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 658 38.4 Spielregeln der Berufsausübung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 660 38.4.1 Verbandsrechtliche Rahmenbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 660 38.4.1.1 Wesentliche Bestimmungen des FIFA-Spielervermittlerreglements . . . 660 38.4.1.2 Umsetzung durch den DFB . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 661 38.4.2 Einbettung der Spielervermittlungstätigkeit in das Verbandssystem . . . . 662 38.4.3 Rechtliche Rahmenbedingungen der Spielervermittlung in Deutschland 664 38.4.4 Spielervermittlung im Spannungsfeld von nationalem und europäischem Recht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 665 38.5 Ökonomische Aspekte im Verhältnis Spieler, Vermittler, Verein und Verband . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 667 38.5.1 Ziele und grundsätzliche Positionierungsmöglichkeiten der Spielervermittler. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 667 38.5.2 Interaktionsebene von Spieler und Spielervermittler . . . . . . . . . . . . . . . . . . 668 38.5.3 Interaktionsebene von Verein und Spielervermittler. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 669 38.5.4 Interaktionsebene von Verband und Spielervermittler . . . . . . . . . . . . . . . . . 671 38.6 Resümee und Ausblick vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um eine Marktliberalisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 671 Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 654 38.1 Einleitung „Der Spielervermittler ist verpflichtet, seine Tätigkeit gewissenhaft auszuüben und sich durch sein Verhalten in der Ausübung des Berufes und sein sonstiges Geschäftsgebaren der Achtung würdig zu zeigen, die sein Beruf erfordert“ (FIFA, 2008, 28). Trotz dieses hohen Anspruches der ersten Regel des Berufsethikkodexes für Spielervermittler schlägt den Angehörigen dieses Berufszweiges in der Profifußballbranche nur wenig Sympathie entgegen. Mayer-Vorfelder bezeichnete das Beraterwesen gar als „das Schlimmste, was dem Fußball passieren konnte“ (spox.com, 6.4.2011) Die juristische Forschung und Würdigung der Vermittlungstätigkeit im Lichte nationaler Gesetze und Rechtsprechung sowie des nationalen und internationalen Verbandsrechts ist mittlerweile sehr umfangreich. Die Sportmanagementliteratur hingegen hat diesen Marktakteuren bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dies betrifft sowohl die differenzierte theoretische Analyse als auch die empirische Erfassung und Auswertung verfügbaren Datenmaterials. Insoweit soll mit diesem Beitrag ein Überblick über den Berufsstand der Spielervermittler, den Rechtsrahmen für die Ausübung der Vermittlungstätigkeit sowie Ansätze für eine ökonomische Aufbereitung der Vermittlungstätigkeit erfolgen. 38.2 Marktüberblick Weltweit führen die großen europäischen Fußball-Nationalverbände, die sogenannten Big Five, auch die Rangliste der bei ihnen registrierten lizenzierten Spielervermittler an. Deutlich an der Spitze liegt Italien mit über 640 registrierten Vermittlern. Die Anzahl der aktuell vom DFB lizenzierten Spielervermittlerinnen und -vermittler beträgt 395. Sie hat sich gegenüber 187 im Jahr 2008 (Benz/Gehring, 2009, 45, Fn. 119) damit in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt. Offensichtlich erfreut sich der Berufsstand trotz der noch aufzuzeigenden relativ geringen Anzahl vermittelter Spitzenspieler pro Berater sowie zahlreicher Vorbehalte von anderen Akteuren im Profifußball und des optimierbaren allgemeinen Images einer wachsenden Attraktivität. Die dargestellte Gesamtzahl lizenzierter Spielervermittler ist indes für einen Gesamtmarktüberblick allein nicht aussagekräftig. Denn neben den Inhabern einer durch einen Nationalverband ausgestellten FIFA-Spielervermittlungslizenz führen auch weitere Personen die Vermittlung von Fußballspielern durch. Verbandsrechtlich sind neben Rechtsanwälten ebenso Geschwister und Eltern sowie Ehepartner ohne das Erfordernis einer Vermittlerlizenz für diese Tätigkeit zugelassen. Unabhängig von diesen Regelungen führen auch in einem wesentlichen, von den Verbänden nicht sanktionierten oder sanktionierbaren Umfang Personen ohne gültige Lizenzen Spielervermittlung durch. Brancheninsider gehen davon aus, dass weltweit der Prozentsatz von Spielertransfers, die ohne lizenzierten Berater erfolgen, bei 70 % oder mehr liegt (SID, 2010, 2). Darüber hinaus werden nicht „legal“ durchgeführte Transfers zum Teil durch die formale Einschaltung lizenzierter oder nicht lizenzpflichtiger Strohmänner verschleiert (Englisch, 2003, 49). Für deskriptiv-analytische Zwecke bietet die Internetplattform www.transfermarkt. de aufschlussreiches Datenmaterial. Um den nationalen Markt einzugrenzen, werden Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 655 65538 Spielervermittlung im Profifußball „exportierende“ Spielervermittler, die Spieler aus der Bundesliga zu ausländischen Vereinen vermitteln, bei der Ermittlung der folgenden Kennzahlen außer Acht gelassen und nur die Transfers in die und innerhalb der Clubs der beiden Fußball-Bundesligen betrachtet. Nach eigenen Analysen von 460 Transfers in der Saison 2010/11 sind demnach 164 Spielervermittler und/oder Rechtsanwälte beteiligt gewesen. Gemessen an der Gesamtzahl der in dieser Spielzeit tätigen Bundesligaspieler bedeutet dies, dass durchschnittlich jeder auf diesem Marktsegment tätige Spielervermittler ein „Portfolio“ von etwa sechs Spielern vertrat und vermittelte. Diese Betreuungsrelation trifft ebenfalls noch zu, wenn man auch die 3. Liga und die Regionalligen in die Betrachtung einbezieht. Die Anzahl der von den Spielervermittlern durchgeführten Transfers variierte dabei stark von einem bis zu 30. Lässt man die Anzahl von 27 Transfers außer Acht, zu denen von transfermarkt.de kein Spielervermittler zugeordnet werden konnte, war ein Vermittler oder eine Vermittlungsagentur, sofern deren Dienste in Anspruch genommen wurden, an etwa 2,6 Transfervorgängen beteiligt. Dieser Wert ist jedoch durch die Tatsache zu relativieren, dass die Hälfte dieses Marktes auf 24 Spielervermittler oder Vermittlungsagenturen mit durchschnittlich 10 Transfers entfiel. Somit ermöglichte dies für die verbleibenden 142 Spielervermittler durchschnittlich nur noch knapp 1,6 Transfers. Durch die vorgenommene Markteingrenzung fehlen in der in Abb.2 folgenden Top- 10-Darstellung Spielervermittler oder Sportlerberatungsagenturen mit grundsätzlicher oder saisonal verstärkter internationaler Ausrichtung. Auffällige Befunde sind, dass es in die Top 10 der vergangenen Jahre immer seltener Einzelpersonen schaffen, die sich nicht einer Agentur angeschlossen oder eine solche gegründet haben. 641 571 479 395 337 286 210 132 124 123 123 121 104 0 100 200 300 400 500 600 700 Abb.1: Übersicht der Länder mit mehr als 100 lizenzierten Spielervermittlern (Quelle: Eigene Darstellung nach Daten der FIFA, Liste der Spielervermittler (Stand: 13.3.2012)) Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 656 Andreas Parensen656 Weiterhin wird selbst bei Transfers von Bundesligaspielern – offiziell – relativ häufig auf Familienangehörige zurückgegriffen und eine nicht unwesentliche Anzahl von Transfers ohne Vermittler abgewickelt. Neben der Anzahl hat auch der Organisationsgrad der Spielervermittler durch die Gründung nationaler und internationaler Berufsvereinigungen zugenommen. Allerdings hat sich bisher erst die Minderheit der registrierten Spielervermittler in Deutschland diesen als Mitglied angeschlossen. So zählt die Deutsche Fußballspieler-Vermittler Vereinigung e.V. mit Sitz in Frankfurt und Verwaltungszentrale in Duisburg 49 Mitglieder (DFVV, Mitglieder, 2012). Der Berufsverband der Spielervermittler und Sportmanager e.V., München, weist 20 Mitglieder aus, die der Veröffentlichung ihrer Mitgliedschaft zugestimmt haben (BVS, Mitglieder, 2012). Ziele der beiden Organisationen bestehen darin, den Professionalitätsgrad, die Qualität und das Arbeitsumfeld von Spielervermittlern und Beratern zu verbessern sowie die Transparenz der Spielervermittlertätigkeit unter verbandsrechtlicher Kontrolle zu fördern (DFVV, Ziele, 2012; BVS, Über uns, 2012). Auch auf internationaler Ebene bestehen mittlerweile Berufsorganisationen der nationalen Vermittlerverbände. In Europa ist dies die European Football Agents Association (EFAA) mit Sitz in Den Haag. In ihr sind neben der DFVV zehn weitere nationale Vermittlerorganisationen vertreten. Darüber hinaus haben sich der EFAA Vermittler- und Beratervereinigungen Argentiniens, Australiens, Brasiliens und Japans als assoziierte Mitglieder angeschlossen. 30 26 16 12 10 9 8 8 8 7 7 7 0 5 10 15 20 25 30 35 Abb.2: Top 10 der Spielervermittler und -berater nach Anzahl der durchgeführten Transfers in den Fußball-Bundesligen der Saison 2010/11 (Quelle: Eigene Darstellung nach Datenanalysen der Internetplattform www.transfermarkt.de) Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 657 65738 Spielervermittlung im Profifußball Land Organisation Dänemark Danish Agent Association Deutschland Deutsche Fußballspieler Vermittler Vereinigung e.V. (DFVV) England The Football Agents Association Frankreich Union des Agents Sportifs du Football Italien Associazione Agenti Calciatori e Societa (A.I.A.C.S.) Kroatien Croacian Agent Association Niederlande Pro Agent Portugal Associação Nacionalde Agentes de Futebol (ANAF) Schweiz Swiss Agent Association Spanien Asociación Española de Agentes Futbolistas (AEAF) Tschechien Czech Agent Association Tab.1: Mitgliedsorganisationen der EFAA (Quelle: Eigene Darstellung nach Informationen der EFAA, Connected Partners (Stand 23.2.2012)) 38.3 Tätigkeitsfelder im Rahmen des Berufsbildes Spielervermittler Hat ein beherztes „Open your mouth and declare yourself one“ (Weistart/Lowell, 1979, 319) zu den Pionierzeiten des Profisports noch ausgereicht, werden heute komplexere Anforderungen an die Aufnahme einer Vermittlertätigkeit, vor allem aber an die längerfristige Beratung von Profisportlern gestellt. In der praktischen Ausgestaltung der Vermittlungs- und Beratungstätigkeit vermischen sich die nachfolgend skizzierten Tätigkeitsfelder. 38.3.1 Spielervermittlung Gemäß FSvR der FIFA (2008, S. 4) sind die im Rahmen der Spielervermittlung zu erbringenden Kerntätigkeiten das Vorstellen eines Spielers bei einem neuen Verein, das Aushandeln oder Neuverhandeln eines Arbeitsvertrages oder das Vorstellen zweier Vereine im Hinblick auf das Abschließen eines Transfervertrages. Der Vermittlungsauftrag kann entweder von einem Spieler oder einem Verein erfolgen. Die Tätigkeit, die natürlichen Personen vorbehalten ist, soll unter Einhaltung der Regelungen des FSvR und auf Basis eines schriftlichen Vertrages – nach Vorbild des als Anlage zum FSvR beigefügten Mustervertrags – mit einem Spieler oder einem Verein, nicht jedoch mit beiden (Art. 19 Nr.8 FSvR) durchgeführt werden. Die FIFA erkennt dabei explizit das Recht der Vermittler auf ein Entgelt an, das im Streitfall oder bei fehlender Vergütungsregelung 3 % des Grundgehaltes des Spielers betragen soll (Art. 20 Nr. 4 FSvR). Neben dem reinen Zusammenbringen von Angebot (Spieler oder transferwilliger Verein) und Nachfrage (Verein) werden in der Regel auch beratende Tätigkeiten unterschiedlicher Ausprägung, Komplexität und Qualität im Rahmen der Spielervermittlung gegenüber den anderen Vertragsparteien erbracht. Denn die Spielervermittlung beruht meistens auf einer systematischen Marktbeobachtung, d. h. auf der jederzeit aktuellen Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 658 Andreas Parensen658 Kenntnis wechselwilliger Spieler sowie deren Stärken und Schwächen. Weiterhin werden durch die Tätigkeit Erfahrungen aus geführten Vertragsverhandlungen und Insiderwissen erworben, um den „Marktwert“ eines Spielers in Form des beim neuen Verein zu erwartenden Gehaltsniveaus und der wahrscheinlichen Transfergebühr, sofern sie gezahlt werden muss, abschätzen zu können. 38.3.2 Spielerbeobachtung Der Vermittlung geht in der Regel als vorgelagerte Tätigkeit einer Spieleransprache eine systematische Spielerbeobachtung (Scouting) und Spieleranalyse voraus, die unter anderen Aspekten konstitutionelle Voraussetzungen, technisch-taktische Fertigkeits- und Fähigkeitsprofile, die physische und psychische Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit, aber auch eine Umfeldanalyse des Spielers beinhalten. Dies sind für den Spielervermittler Vorlauf- und damit Suchkosten, die er auf sein eigenes unternehmerisches Risiko hin und bei der dargestellten Marksituation auch in einem intensiven Wettbewerbsumfeld mit hohem Konkurrenz- und Akquisitionsdruck anderer Spielervermittler durchführt. Sofern es mit einem beobachteten Spieler nicht zu einem Vertragsabschluss kommt, der mit einem Vermittlungserfolg verbunden ist, führt dies beim Spielervermittler zu verlorenen Kosten (sunk costs). Dies gilt insbesondere, wenn Vermittler die Spielerbeobachtung nicht selbst durchführen, sondern sie bei Spielerbeobachtern oder Scouts in Auftrag geben. Diese können fest angestellte Mitarbeiter von Spielervermittlern oder deren Agenturen sein. Sehr häufig arbeiten auf diesem Markt auch freiberufliche, auf Honorarbasis tätige Spielerbeobachter und Vermittler, die eine offizielle Lizenz anstreben oder dies erfolglos versucht haben und für die weitere Vermittlungstätigkeit eine Person benötigen, die hierzu legitimiert ist. Auf die Dienste eigener Spielerbeobachter greifen auch Vereine zurück. Große Vereine unterhalten in der Regel ein relativ festes, zum Teil internationales Netzwerk von Spielerbeobachtern. Insoweit sind ihnen häufig die von Spielervermittlern in einigen Fällen mit umfangreichem Videomaterial unterlegten Spielerangebote bereits durch eigene Scoutingaktivitäten bekannt, speziell von den Spielern, die für einen Transfer entweder auf Fremdempfehlung oder durch eigene Markt- und Spielerbeobachtung bereits in die engere Auswahl gezogen werden. Die verstärkten Scoutingaktivitäten der Vermittler beginnen mit der Sichtung und Ansprache von Talenten, mit der Zielsetzung einen Vermittler- oder Beratervertrag abzuschließen, ab der Altersklasse U-15 bis U-16. Durch den steigenden Konkurrenzdruck verlagert sich dies mittlerweile sogar auf jüngere Jahrgänge. 38.3.3 Spielerberatung Serviceorientierte Spielervermittler mit einem strategischen Interesse, ihren Spielerpool aufrecht zu erhalten, bieten neben allgemeinen Themen des Karrieremanagements auch Zusatzdienstleistungen an, die sich aus einer intensiveren Zusammenarbeit insbesondere bei internationalen Spielertransfers ergeben und oft pragmatische Ursachen haben. Dies können beispielsweise die Unterstützung bei Umzug und Wohnungssuche einschließlich der Verhandlung mit Immobilienmaklern sowie die Begleitung bei Behördengängen und die Hilfe bei der Erledigung entsprechender Formalitäten, Mithilfe bei der Suche von Betreuungsangeboten oder geeigneten Schulen für Kinder von Spielern mit Familie oder ähnliches sein. Weitere Umfeldaktivitäten können darin bestehen, Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 659 65938 Spielervermittlung im Profifußball bei der außersportlichen Weiterqualifizierung – Schulabschluss, Ausbildung oder Studium – beratend zur Seite zu stehen, sofern dies vom Verein nicht durchgeführt wird. Etablierte Vermittler haben mit Ausweitung ihrer geschäftlichen Aktivitäten über die rein vermittelnde Kernaktivität eine diversifizierte Angebotsstruktur mit einem ganzen Portfolio weiterer qualifizierter Dienstleistungen für die von ihnen betreuten Spieler entwickelt. Deren Bandbreite variiert je nach Berater und dessen strategischer Ausrichtung. Die Angebotspalette reicht von der sportlichen Laufbahnberatung über die PR- und Medienberatung mit Pflege der Spielerhomepages, Marketingberatung, Akquisition und Aushandeln von Sponsorenverträgen und deren Begleitung bei der Umsetzung mit der Organisation von Treffen mit Sponsorenvertretern, Autogrammstunden, Werbeaufnahmen, Pressekonferenzen und Platzierung in den Medien bis hin zum qualifizierten Markenaufbau und der gezielten Markenentwicklung, -positionierung und -inszenierung der Spieler. Weiterhin werden über Kooperationspartner Steuer- und Rechtsberatung, hier vor allem der Schutz und die Durchsetzung von Persönlichkeitsrechten sowie die Unterstützung bei komplexen Arbeits- und Vermarktungsvertragsverhandlungen, die Optimierung des Versicherungsschutzes, Vermögensberatung, Vermögensaufbau und Geldanlage angeboten. Spielervermittler, die gleichzeitig Rechtsanwälte sind, können einen Teil der beratenden Aktivitäten unmittelbar in ihr Dienstleistungsportfolio unter Beachtung vor allem gewerbesteuerrechtlicher Vorgaben in ihre Tätigkeit einbringen. Die Ausweitung des Leistungsspektrums hat – neben der im Zeitverlauf organischen Weiterentwicklung von Spielervermittlern zu Beratungsagenturen – zwei wesentliche Gründe. Zum einen soll die gesamte Wertschöpfungskette mit den daraus für beide Parteien erzielbaren Ertragspotenzialen der unmittelbar und mittelbar mit der Berufsausübung des Spielers zusammenhängenden Aktivitäten vom Spielerberater aus einer Hand gemanagt werden. Zum anderen ist es dem Spielerberater durch die zusätzlichen Dienstleistungsangebote möglich, den Spieler längerfristig und exklusiv über die Tätigkeiten seiner Beratungsagentur an sich zu binden. Denn für die reine Vermittlungstätigkeit sind langfristige und ausschließliche vertragliche Vereinbarungen zwischen einem Vermittler und „seinem“ Spieler, wie noch darzustellen ist, zumindest nach deutschem Recht unzulässig. Der aus Vermittlersicht betriebswirtschaftlich sinnvollen Anreicherung oder Diversifizierung und Internationalisierung der Vermittlungstätigkeit sowie Fragen der betrieblichen Risikominimierung und gesellschaftrechtlichen Einbindung weiterer Partner führen zur Bildung international tätiger Agenturen oft in der Rechtsform haftungsbeschränkter Kapitalgesellschaften. Über Netzwerke mit losen bis vertraglich vereinbarten Kooperationen werden Spezialisten im oben dargestellten erweiterten Dienstleistungsspektrum hinzugezogen. Bei der Geschäftsentwicklung stellt sich für die Berater die klassische Make-or-buy- Entscheidung. Dabei bietet es sich an, Tätigkeiten wie etwa PR-, Marketingberatung oder Sponsorenakquise bei Erreichen eines kaufmännisch gesehen kritischen, ausreichenden Spielerpools durch die Beratungsagentur selbst mit eigenen Spezialisten durchzuführen. Rechtsberatung ist ebenfalls möglich, sofern ein zugelassener Rechtsanwalt in der Spielerberatungsagentur beschäftigt ist. Da sich allerdings nicht jeder Spieler für eine individuelle Vermarktung mit einer für beide Seiten auskömmlichen Wertschöpfung eignet, werden häufig nur für Schwerpunkttätigkeiten und administrative Aufgaben eigene Mitarbeiter vorgehalten. Je diversifizierter das Angebot ist, desto mehr müssen vor allem aus berufsrechtlichen Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 660 Andreas Parensen660 Gründen in der Regel externe Dienstleister wie Rechtsanwälte oder Steuerberater herangezogen oder diese Personen in der Beratungsagentur angestellt werden. 38.4 Spielregeln der Berufsausübung Will man diesen Beruf „legal“ ausüben, ist dies mit dem Erfüllen verbandsrechtlicher Zugangsregeln verbunden, die für bestimmte Personengruppen Ausnahmebestimmungen vorsehen. In Ländern, in denen für die Berufsausübung der Arbeitsvermittlung nationale Gesetze existieren, hat dies die Nachrangigkeit des Verbandsrechts zur Folge. Dies führt regelmäßig zu einem Spannungsverhältnis. Zudem stößt die Regelungskompetenz des Verbandsrechts zuweilen auch an kartellrechtliche Grenzen. 38.4.1 Verbandsrechtliche Rahmenbedingungen 38.4.1.1 Wesentliche Bestimmungen des FIFA-Spielervermittler reglements Die FIFA selbst lizenziert Spielervermittler nicht direkt. Zuständig für die Erteilung ist der nationale Fußballverband des Landes, dessen Staatsangehörigkeit der Bewerber besitzt bzw. in dem sich seit mindestens zwei Jahren der ständige Wohnsitz eines Bewerbers befindet (Art. 5 Nr.1 FSvR). Diese Mindestzeitregelung gilt nicht für Bewerber in EU/EWR-Mitgliedstaaten (Art.5 Nr.2 FSvR). Allerdings müssen sich die nationalen Verbände bei der Lizenzvergabe an die im FSvR festgelegten Richtlinien halten. Demnach können Spielervermittlerlizenzen grundsätzlich nur von natürlichen Personen im Rahmen eines Lizenzierungsverfahrens, das eine Prüfung beinhaltet, erworben werden. An die Person werden keine weiteren fachlichen Voraussetzungen gestellt. Lizenzbewerber und spätere Vermittler müssen einen tadellosen Leumund besitzen, Kernleistung Spielervermittlung Erweiterung des Dienstleistungsspektrums Spielerberatung Spielerempfehlung Spielerbewertung Spieleranalyse Spielerbeobachtung Vermittlung Vertragsverhandlung Steuerberatung Rechtsberatung Vermögensberatung Versicherungsmanagement Marketing/Vermarktung Kommunikation/PR Vorgelagerte Leistungen Scouting Spielermanagement Karriereberatung Umfeldberatung und unterstützende Tätigkeiten „Klassisches“ Geschäftsmodell Full-Service- Spielerberatungsagentur In te gr at io n ex te rn er D ie ns tle is te r fa k f ul ta tiv no tw en di g Abb.3: Dienstleistungsangebote entlang der Wertschöpfungskette der Spielervermittlung (Quelle: Eigene Darstellung) Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 661 66138 Spielervermittlung im Profifußball also nicht wegen einer Finanz- oder Gewaltstraftat verurteilt worden sein (Art. 6 Nr.1 FSvR). Spielervermittler können sich zum Zwecke ihrer Berufsausübung zwar gesellschaftrechtliche Organisationsform wählen, müssen die Interessen der Spieler und/ oder der Vereine aber als natürliche Person vertreten (Art. 3 Nr. 1 FSvR) und als solche dafür auch haften. Sie können Mitarbeiter beschäftigen; diese dürfen lediglich administrative, jedoch keine Vermittlungstätigkeiten wahrnehmen (Art.3 Nr. 2 FSvR). Generell befreit vom Erfordernis eines Lizenzerwerbs sind in ihrem Wohnsitzland zugelassene Rechtsanwälte. Da für sie in der Regel nationale Gesetze die Berufsausübung regeln, unterfallen sie nicht der Zuständigkeit der FIFA. Insoweit dürfen sie Spieler vollumfänglich bei der Verhandlung über einen Transfer oder einen Arbeitsvertrag vertreten. Eine Ausnahme besteht auch für Eltern, Geschwister oder Ehepartner von Spielern, die diese auch ohne Vermittlerlizenz beim Transfer betreuen dürfen (Art. 4 Nr.1 bis 3 FSvR). Ein Verbot des Lizenzerwerbs besteht für Funktionäre und Arbeitnehmer der FIFA, einer Konföderation, eines Verbandes, einer Liga oder mit diesen verbundenen Organisationen (Art. 6 Nr.2 FSvR). Weitere Voraussetzungen für den Lizenzerwerb sind deren Beantragung beim zuständigen Verband (Art. 6 Nr. 1), das Bestehen einer Prüfung in Form eines Multiple-Choice- Tests (Art. 8 Nr.4 FSvR) sowie der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung, welche die Risiken und mögliche Schadenersatzansprüche auch nach Beendigung der Tätigkeit abdeckt (Art. 9 Nr.1 FSvR). Alternativ kann hierzu eine Bankgarantie in Höhe von 100.000 CHF einer schweizerischen Bank vorgelegt werden (Art. 10 FSvR). Abschließend ist die Unterzeichnung des Berufsethikkodexes (Art. 11 FSvR) erforderlich. Die Lizenz ist für die Dauer von fünf Jahren nach ihrer Ausstellung gültig. Innerhalb dieses Zeitraumes muss der Spielervermittler sich zu einer erneuten Prüfungsteilnahme anmelden (Art. 17 Nr. 1 und 2 FSvR). Bei Nichtbestehen wird die Lizenz entzogen (Art.17 Nr. 4 FSvR). Eine beliebig häufige Wiederholung der Prüfung ist möglich (Art.17 Nr.5 FSvR). Neben der Unterstellung der sonst verbandsrechtlich in der Regel nicht an FIFA-, Konföderations- oder Nationalverbandregularien gebundenen Spielervermittler (Art. 6 Nr.4 FSvR) verfolgt die FIFA mit der Verfahrensweise zur Regulierung des Zugangs zur Vermittlertätigkeit noch weitere Zwecke. Sie möchte ein angemessenes Ausbildungsniveau und Qualitätsstandards sicherstellen (Art.1 Nr.4 FSvR) und ihre Regelungen auch auf nationaler Ebene durchsetzen (Art.1 Nr.5 FSvR). 38.4.1.2 Umsetzung durch den DFB Der DFB veröffentlicht die Zulassungsbedingungen über seine Homepage (Quelle: DFB, Spielervermittlerlizenz, 2012) Daraus geht hervor, dass jährlich zwei von der FIFA festgelegte Prüfungstermine im März und September eines Jahres angeboten werden. Hierzu müssen sich die Bewerber in der Regel knapp zwei Monate vorher schriftlich anmelden. Der Anmeldung sind folgende Unterlagen beizufügen: ein Bild, ein polizeiliches Führungszeugnis, Erklärungen des Bewerbers, in der er eine Position als Verbandsfunktionär oder -arbeitnehmer verneint sowie die zur Teilnahme an der Prüfung relevanten Wohnsitzvoraussetzungen bestätigt und in der er sich zur Einhaltung der Verbandsstatuten und Organentscheidungen der FIFA, der zuständigen Konföderationen und des DFB verpflichtet. An Hand dieser Unterlagen erfolgt die Überprüfung der persönlichen Eignungsvoraussetzungen für die Vermittlertätigkeit. Prüfungsrelevant sind die Statuten und Reglements der FIFA, der UEFA sowie die Satzungen und Ordnungen des DFB und des Ligaverbandes. Die FIFA kann den Prüfungsgegenstand eingrenzen. Der Multiple-Choice-Test mit 60 bis 90 Minuten Be- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 662 Andreas Parensen662 arbeitungszeit umfasst 20 Fragen, von denen 15 ausschließlich von der FIFA zu den internationalen und fünf vom DFB zu den nationalen Regelwerken gestellt werden (FIFA, 2012, Zirkular 1291, 3). Bei erfolgreich absolvierter Prüfung muss der Lizenzbewerber innerhalb von sechs Monaten ab dem Prüfungstag den von ihm unterzeichneten Berufsethikkodex an den DFB übersenden und durch Überlassung der Police das Bestehen einer vom DFB anerkannten Berufshaftpflichtversicherung nachweisen. Anderenfalls muss das gesamte Lizenzierungsverfahren wiederholt werden. Sind sämtliche Voraussetzungen erfüllt, erteilt der DFB dem Bewerber die Lizenz mit Übergabe des Spielervermittler- Lizenzausweises. 38.4.2 Einbettung der Spielervermittlungstätigkeit in das Verbandssystem Die Vermittlungstätigkeit erfolgt in einer komplexen Struktur aus Mitgliedschaftsbeziehungen und Verträgen, welche im Ergebnis die Lizenzierten verpflichten, die internationalen und nationalen Verbandsstatuten zu beachten, sich der Regelungskompetenz der Verbände zu unterwerfen und die Schiedsgerichtsbarkeit dieser Institutionen insbesondere in Fragen der Nutzung der Ligen als Vereinseinrichtungen anzuerkennen. Für Vereine und Spieler sind die Verträge Katalysatoren, ohne die ein Zugang zu den Ligen als Verbandseinrichtungen des DFB nicht möglich ist. Mit Abschluss des Lizenzvertrages stimmen Spieler und Vereine zu, die Vereinseinrichtungen Bundesliga und 2. Bundesliga nur statutengemäß zu nutzen und sich nach Satzungen und Ordnungen des Ligaverbandes zu verhalten (§ 3 Lizenzvertrag Spieler; §2 Lizenzvertrag Verein). Gegenüber beiden benennen § 1 Satz 2 LOS bzw. § 1 Nr.3 LO die Unterwerfung unter die Satzungen, das Ligastatut, die Ordnungen und Durchführungsbestimmungen des Ligaverbandes und des DFB sowie die Entscheidungen der Organe des Ligaverbandes und der DFL sowie des DFB als wesentliche Zwecke der Lizenzierung. Im Hinblick auf die Spielervermittler wird dem Spieler die konkrete Verpflichtung gemäß § 13 Nr. 3 LOS auferlegt, sämtliche mit einem Berater und/oder Vermittler abgeschlossenen Verträge einschließlich Anlagen und Zusatzvereinbarungen unverzüglich nach deren Abschluss der DFL vorzulegen. Die Vereine haben im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens mit Einreichung eines Jahres- oder Zwischenabschlusses ihre Transferaktivitäten offenzulegen (LO Anhang VII). Neben den transferierten Spielern und deren Transfergebühren müssen sie in der Tabelle 5.1.3.7 Mittelzu- und Mittelabfluss im Transferbereich für jeden bis zu zwei Jahre zurückliegenden Transfer den jeweils beteiligten Spielerberater und die an ihn gezahlte oder noch zu zahlende Vergütung darstellen. Selbst im arbeitsvertraglichen Schenkel Spieler – Verein wird bei Verwendung des DFB-Mustervertrages (§ 1 Nr. 2) noch einmal die Verpflichtung, die Verbandsstatuten anzuerkennen und sich diesen zu unterwerfen, aufgenommen. Darüber hinaus hat den Arbeitsvertrag auch der beim Vertragsabschluss mitwirkende Spielervermittler oder Rechtsanwalt zu unterzeichnen. Unmittelbare Wirkung zwischen Verband und Spielervermittler entfaltet der Berufsethikkodex der FIFA (Anhang 1 FSvR), ohne dessen Unterzeichnung eine Lizenz nicht erteilt wird. Darin verpflichtet sich der Spielervermittler neben einer gewissenhaften Berufsausübung vor allem zur bedingungslosen Einhaltung der FIFA-, Konföderationsund Nationalverbandstatuten sowie der Weisungen und Entscheidungen ihrer zuständigen Organe (Anhang 1 Nr. 1 und 2 FSvR). Diese Verpflichtung wird im letzten Passus des Berufsethikkodexes weiter konkretisiert und ihre Bedeutung durch Fettdruck be- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 663 66338 Spielervermittlung im Profifußball tont. Denn es ist den Spielervermittlern untersagt, Rechtsstreitigkeiten vor ordentlichen Gerichten anhängig zu machen; sie müssen sich hinsichtlich jeglicher Ansprüche der Zuständigkeit des Verbands oder der FIFA unterwerfen (Anhang 1 Nr. 7 FSvR). So wird die Sanktionierung eines lizenzierten Vermittlers ermöglicht. Bei Fehlverhalten droht ihm gemäß § 33 FSvR ein Verweis oder eine Ermahnung, eine Geldstrafe in Höhe von mindestens 5.000 CHF, ein vorläufiger Entzug der Lizenz für bis zu zwölf Monate, Entzug der Lizenz – und damit ein faktisches Arbeitsverbot – oder das Verbot jeglicher in Zusammenhang mit dem Fußball stehenden Tätigkeit. Nicht lizenzierte Vermittler oder Personengruppen, die von einem Lizenzierungserfordernis ausgenommen sind, entziehen sich dem verbandsrechtlichen Zugriff vollständig. Daher besteht die einzige Möglichkeit für die Verbände, über die lizenzvertraglich abgesicherte Unterwerfung unter die Verbandsstatuten die Regeln der Spielervermittlung gegenüber Spielern und Vereinen und insbesondere die ausschließliche Inanspruchnahme von Diensten offiziell zugelassener Spielervermittler unter Androhung von Sanktionen durchzusetzen. Diese sehen in Art.34 FSvR für Spieler neben Verweis, Ermahnung und einer Mindestgeldstrafe in Höhe von 5.000 CHF, Spielsperre und ein Tätigkeitsverbot vor. Vereine können mit Verweis oder Ermahnung, Geldstrafen von mindestens 10.000 CHF, Transfersperre, Abzug von Punkten oder sogar Zwangsabstieg sanktioniert werden. Daher sollten Spieler und Vereine vor Vertragsabschluss prüfen, ob ihr Vermittler überhaupt eine gültige Lizenz besitzt. Dies setzt voraus, dass die beteiligten Parteien über Grundkenntnisse des FSvR verfügen und sich vor Inanspruchnahme von Vermittlungsleistungen von der Gültigkeit der Zulassung des Vermittlers überzeugen. Dies kann durch Vorlage seiner Lizenz geschehen oder durch Überprüfung der einschlägigen, zeitnah durch die nationalen Verbände veröffentlichten Listen von Spielervermittlern mit gültiger Lizenz. DFB Ligaverband Spieler Aufnehmender Verein Lizenzvertrag Lizenzvertrag Mitgliedschaft Schiedsgerichtsvertrag Schiedsgerichtsvertrag Abgebender Verein Vermittler Lizenzvertrag Mitgliedschaft Schiedsgerichtsvertrag Ablöseangebot Vermittlungsvertrag I B er uf seff th ik ko de x Abb.4: Verbandsrechtlicher Kontext der Vermittlungstätigkeit (Quelle: Eigene Darstellung) Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 664 Andreas Parensen664 38.4.3 Rechtliche Rahmenbedingungen der Spielervermittlung in Deutschland Bei der rein vermittelnden Kerntätigkeit handelt es sich um eine erlaubnisfreie Arbeitsvermittlung im Sinne des § 35 Abs. 1 Satz 2 SGB II, da der Spieler bei seinem neuen Verein eine weisungsgebundene, in dessen Betrieb eingegliederte Tätigkeit aufnehmen soll (Menke/Reiter, 2011, 19 f.). Sie weist wesentliche Elemente der – grundsätzlich zunächst neutralen – (Nachweis-)Maklertätigkeit im Sinne des § 652 ff. BGB auf, wenn der Vermittler durch seine aktive Vermittlungsleistung für den Auftraggeber einen wesentlichen Anstoß gegeben und auf seine Willensbildung zum Vertragsabschluss hingewirkt hat; nur dann ist auch ein Provisionsanspruch des Vermittlers gerechtfertigt (Jungheim, 2002, 135 f.; Stopper/Holzhäuser, 2011, 13; Westermann, 2003, 55). Da ein Spielervermittler in der Regel seine Tätigkeit selbstständig und mit Gewinnerzielungsabsicht durchführt, liegt eine gewerbliche Tätigkeit vor. Diese ist nachdem in § 1 GewO geltenden Grundsatz der Gewerbefreiheit jedermann gestattet, soweit nicht durch die GewO selbst Ausnahmen oder Beschränkungen vorgeschrieben oder zugelassen sind. Gemäß § 35 GewO kann die Ausübung eines Gewerbes wegen Unzuverlässigkeit des Gewerbetreibenden untersagt werden oder wenn dies zum Schutz der Allgemeinheit erforderlich ist. Der Spielervermittler muss sein Gewerbe gemäß § 14 GewO bei der zuständigen Behörde anzeigen. Seine Tätigkeiten unterliegen der Regelbesteuerung, insbesondere auch der Gewerbesteuer, und sind bei Überschreiten der sogenannten „Kleinunternehmerregelung“ umsatzsteuerpflichtig. Bei der durch einen Spieler initiierten Vermittlung sind wesentliche Voraussetzungen gemäß § 296 SGB III Nr. 1, dass ein Vermittlungsvertrag zwischen Vermittler und Fußballspieler in schriftlicher Form vorliegt, dessen Inhalt dem Spieler vorgelegt worden ist und der die Vergütung des Vermittlers enthält. Ebenfalls werden vom Vermittler auch Leistungen verlangt, die zur Vorbereitung und Durchführung der Vermittlung erforderlich sind, insbesondere die z. B. durch systematische Spielerbeobachtung gewonnene Feststellung der Fähigkeiten des Spielers sowie die mit der Vermittlung verbundene Berufsberatung. Gemäß § 296 Abs. 2. SGB III ist der Spieler zur Zahlung einer Vergütung nur verpflichtet, wenn infolge der Vermittlung des Vermittlers der Arbeitsvertrag zustande gekommen ist. Der Vermittler darf keine Vorschüsse auf die Vergütungen verlangen oder entgegennehmen, sonst wird der Vertrag unwirksam (Stopper/Holzhäuser, 2011, 13). Diese Rechtsfolge tritt gemäß § 296 SGB III Nr.3 auch im Falle von Exklusivitätsklauseln ein, die sicherstellen sollen, dass ein Verein oder Spieler sich ausschließlich eines bestimmten Vermittlers bedient. Nach § 296 Abs.3 SGB III wird der Vermittlervertrag prinzipiell auch unwirksam, wenn die Vergütungsgrenzen des §421 g Abs. 2 Satz 1 SGB III – derzeit 2.000 € einschließlich Umsatzsteuer – überschritten werden. Aber in Bezug auf die zu vereinbarende Entlohnung des Vermittlers ist unstrittig, dass es sich bei Berufsfußballspielern um „atypische Arbeitnehmer“ handelt und insoweit für die Bemessung des Vermittlungshonorars die VermittVergV einschlägig ist. Gemäß § 2 Abs. 1 VermittVergV steht dem Spielervermittler im Erfolgsfall ein Honoraranspruch in Höhe von 14 % – einschließlich Umsatzsteuer – maximal eines Bruttojahresgehaltes zu; andernfalls könnte dieser als sittenwidrig gelten (Menke/Reiter, 2011, 21). Im Falle der Tätigkeit im Auftrag eines Vereins greifen die vorgenannten Regelungen, insbesondere das Schriftformerfordernis des Vertrages und die Begrenzung der Höhe der Vermittlerprovision durch die VermittVergV nicht (Stopper/Holzhäuser, 2011, 14; Menke/Reiter, 2011, 21). In Verbindung mit steuerrechtlichen Aspekten führt dies bei Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 665 66538 Spielervermittlung im Profifußball der praktischen Durchführung von Transfers zum systembedingten „Parteiverrat“: Kurz vor Abschluss eines zunächst spielerinduzierten Vermittlungsauftrages wird dieser gekündigt; der Spielervermittler schließt einen Vertrag mit dem aufnehmenden Verein und erhält von diesem die Vermittlungsprovision (Stopper/Holzhäuser, 2011, 13). Diese stellt für den Verein Betriebsausgaben dar und der Spieler vermeidet damit die Bezahlung des Vermittlers aus versteuertem Einkommen (Stopper/Holzhäuser, 2011, 15). Wiederum anders ist die Situation bei Beraterverträgen, die eine längerfristige Bindung und frei verhandelbare Vergütungsregelungen unter Beachtung der Unzulässigkeit sittenwidriger, wucherischer oder anderer Vereinbarungen, bei denen Leistung und Gegenleistung in einem auffälligen Missverhältnis zueinander stehen, zwischen Spieler und Berater ermöglichen (Schmeilzl, 2004, 26). Daher ist bei Vermittler- und Beratertätigkeiten aus einer Hand die Trennung von Vermittler- und Beraterverträgen geboten. 38.4.4 Spielervermittlung im Spannungsfeld von nationalem und europäischem Recht Grundsätzlich ist die reine Vermittlungstätigkeit im Sinne einer neutralen Maklertätigkeit zur Vorbereitung und Herstellung der Kontakte zwischen Vereinen und Spielern unproblematisch. Neutralität ist bei „korrekter“ Ausübung der Vermittlertätigkeit im Sinne der FSvR allerdings nicht möglich, denn gemäß Art. 19 Nr.8 FSvR darf der Vermittler nur die Interessen einer Partei vertreten. Insoweit ist bei dem eben dargestellten Parteiwechsel wichtig, dass der ursprüngliche Vertrag mit dem Spieler formal korrekt vor Abschluss eines Vertrages mit dem Verein beendet wird und keine treuewidrige Doppeltätigkeit des Vermittlers vorliegt (Stopper/Holzhäuser, 2011, 13). Bei einem Transfer erbringt der Vermittler in der Regel weitere Leistungen. Dies liegt zum einen am ausdrücklich geäußerten Willen des Spielers und zum anderen an der im umkämpften Vermittlermarkt auch faktischen Notwendigkeit, den Transfer bis zum Ende zu begleiten – nicht zuletzt auch, um sich der Erfolgszahlung sicher zu sein und nicht von konkurrierenden Vermittlern „ausgebootet“ zu werden (Menke/Reiter, 2011, 22). Insbesondere wirkt ein Spielervermittler üblicherweise beim Aushandeln des Vertrages, zumindest aber von wesentlichen Bestandteilen wie etwa der Höhe des Grundgehaltes, Prämienregelungen, geldwerte Leistungen oder Eigenvermarktungsmöglichkeiten des Spielers mit. Da es sich hierbei nicht mehr nur um Hilfsleistungen, sondern vielmehr Hauptleistungen im Sinne des RDG handelt, sind diese jedoch als Rechtsdienstleistungen zu qualifizieren, die gemäß § 1 RDG Rechtsanwälten vorbehalten sind – auch wenn der Transfer von einem ausländischen Vermittler begleitet wird (Wertenbruch, 2009, 184). Die FIFA hat dieses Problem erkannt und in Art. 2 Abs. 1 FSvR explizit auf die Einhaltung nationaler Gesetze hingewiesen. In der Praxis wird dies aber nur selten Anwendung finden, es sei denn, die Spielervermittlung wird durch einen Rechtsanwalt – gegebenenfalls auch als Angestellter einer (Spielervermittler-) Agentur – oder Familienangehörige durchgeführt. Werden im Zusammenhang mit Gehaltszahlungen steuerrechtliche Fragen verhandelt, können sich daraus ebenso Verstöße gegen das Steuerberatungsgesetz ergeben. Dabei riskiert der Vermittler neben Geldbußen von bis zu 5.000 € auch die Unwirksamkeit seines Vermittlungsvertrages (Schmeilzl, 2004, 25). Probleme der Vermittlungstätigkeit resultieren auch aus verbandsrechtlichen, mit dem Lizenzierungserfordernis zusammenhängenden Berufsausübungs- und Marktzugangsregelungen. Diese könnten grundsätzlich eine Einschränkung der Berufsfreiheit Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 666 Andreas Parensen666 bedeuten. Unstrittig verstößt das unverhältnismäßige Erfordernis, die Lizenz nach fünf Jahren durch eine erneute Prüfung „auffrischen“ zu müssen, gegen Art. 12 GG, da bei Nichtbestehen der Prüfung dem Vermittler der Existenzverlust droht (Wertenbruch, 2009, 186). Darüber hinaus kann im Lizenzierungserfordernis ein Verstoß gegen die Dienstleistungsfreiheit gemäß Art. 49 EGV (neu Art. 56 AEUV) gesehen werden, weil nur lizenzierte Spielervermittler und Rechtsanwälte Fußballspieler vermitteln dürfen; FIFA und nationale Verbände setzen dies durch, indem sie Spielern und Vereinen mit übermäßigen Sanktionen drohen, wenn diese mit nicht lizenzierten Vermittlern zusammenarbeiten (Jungheim, 2002, 28 f.). Die wettbewerbsrechtliche Einschätzung, ob die Verbände mit dem Lizenzierungserfordernis und den damit verbundenen vertraglichen Regelungen gegenüber Vereinen und Spielern dadurch missbräuchlich ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzen, ist uneinheitlich. Wertenbruch (2009, 186) erkennt eine Freistellungsfähigkeit des Lizenzierungserfordernisses vom Kartelltatbestand im Sinne des Art. 81 Abs. 3 EGV (neu Art. 101 AEUV) an. Für ihn sprechen hierfür vor allem der Hinzugewinn an Professionalisierung, die verbesserte Ethik der Spielervermittlung und der Schutz der Spieler vor unseriöser Beratung und daraus resultierender Nachteile. Jungheim (2002, 255 ff.) hingegen sieht die Verbände in einer wettbewerbsrechtlich problematischen Situation: Regelungen zur Zusammenarbeit mit Spielervermittlern gehören grundsätzlich nicht zum originären sporttypischen Bereich, so dass Verbänden hier die Reglungskompetenz fehlt; zudem könnten die Bestimmungen in den Lizenzverträgen der Vereine und Spieler nicht sachgerecht sein, weil das Zusammenarbeitserfordernis mit ausschließlich lizenzierten Spielerberatern nicht in Beziehung dazu steht, die Ligen als Einrichtungen des Verbandes zu nutzen; auch die Wahlmöglichkeiten sowohl für Vereine als auch für Spieler und damit das Dienstleistungsangebot werden eingeschränkt, da diese nur lizenzierte Vermittler hinzuziehen dürfen. Auch Einzelfragen insbesondere der Vergütung des Spielervermittlers durch den Spieler sind problematisch. Art. 20 Nr.2 FSvR sieht neben einer Einmalzahlung auch eine jährliche Abrechnung der Provision als möglich an. In Art. 20 Nr 3 FSvR besteht sogar noch ein Anspruch des Vermittlers auf eine jährliche Vergütung nach Ablauf des Vermittlungsvertrags, bis der Arbeitsvertrag des Spielers ausläuft oder der Spieler ohne Hinzuziehung des betreffenden Spielervermittlers einen neuen Arbeitsvertrag unterzeichnet, sofern keine einmalige Zahlung vereinbart wurde. Diese Praxis steht nur dann in Einklang mit der VermittVergV, wenn über die Vertragslaufzeit die dort genannte Obergrenze von 14% eines Jahresgehaltes nicht überschritten wird. Wenn man sich an die Empfehlungen des § 20 Nr.4 FSvR von 3% des Jahresbruttogrundgehaltes zuzüglich eines etwaigen Handgeldes hielte, würde diese Grenze in der Regel eingehalten. Nach eigenen Recherchen werden von Spielern Provisionen von bis zu 25% des Jahresgrundgehaltes pro Vertragsjahr gefordert. Vom Verein erhält der Vermittler in der Regel eine prozentuale Beteiligung an der Transfersumme oder die Beteiligung an den Vergütungen des Spielers am neuen Vertrag, die etwa zwischen 10% und 15 % liegen (Küpper, 2010). Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 667 66738 Spielervermittlung im Profifußball 38.5 Ökonomische Aspekte im Verhältnis Spieler, Vermittler, Verein und Verband 38.5.1 Ziele und grundsätzliche Positionierungsmöglichkeiten der Spielervermittler Die unternehmerische Ausrichtung von Spielervermittlern kann zunächst nach zwei wesentlichen strategischen Dimensionen erfolgen: (Provisions-)Umsatz, der kurz- oder langfristig erzielt werden soll, und Reputation, deren Aufbau als eher unwichtig oder wichtig eingestuft wird. Sofern der Vermittler nicht bei jedem einzelnen Transfer taktiert, kann er sich zudem für eine eher spieler- oder vereinsorientierte Geschäftsausrichtung entscheiden. Die Chance des Provisionsmaximierers, der auf reine Vermittlung „spezialisiert“ ist und ohne große Rücksicht auf ihre Reputation im Markt agiert, liegt darin, seine Informationsvorsprünge gegenüber Spielern und/oder Verein in den Verhandlungen opportunistisch für sich ausnutzen. Besteht darin jedoch seine grundsätzliche Geschäftsstrategie, wird er nicht in der Lage sein, nachhaltigen Reputationsaufbau zu betreiben. Dieses Feld muss er reputationsorientierten Beratern mit einer eher langfristig angelegten Umsatzoptimierung, überlassen, die in mehrjährigen Kooperationen mit Spielern neben der Vermittlungstätigkeit diversifizierte Dienstleistungen anbieten und damit eine größere Wertschöpfungstiefe erzielen. Wollen diese auch ihre Reputation erhöhen oder auf einem hohen Niveau halten, indem sie bemüht sind, einen optimalen Fit zwischen den Vorstellungen und Erwartungen von Verein und Spieler basierend auf einem intensiven und systematischen Scouting zu erfüllen, besitzen sie zusätzlich die Möglichkeit, durch verlässliches Agieren Reputationsrenten zu erwirtschaften (Picot/ Dietl/Franck, 2008, 56). Sie werden häufiger Berücksichtigung bei Anfragen für Spielerakquisitionen von Vereinen finden und besser in der Lage sein, ein umfangreiches Portfolio von Spielern und damit Marktanteile zu akquirieren. Zwischen beiden Polen könnten sich Spielervermittler ansiedeln, für die diese Tätigkeit eine Einkommensergänzung und eher als Nebentätigkeit betrieben wird. Die Orientierung auf Spieler oder Verein wird allerdings durch ein grundlegendes Problem beeinflusst. Die zwischen Spielervermittler, Spieler und aufnehmendem Verein bestehende Auftragsbeziehung ist nicht nur rechtlich „problematisch“. Mit seiner Tätigkeit bringt sich der Vermittler auch ökonomisch in eine nicht einfach zu bewertende Rolle, was zu erheblichen Konsequenzen in Bezug auf seine strategische Geschäftsausrichtung und das taktische Konzept beim jeweiligen Transfer führt. Denn die Kundenorientierung des Spielervermittlers ist nicht eindeutig. Zwar besteht die Basistätigkeit des Spielervermittlers darin, Verkaufssignale des Spielers (Signalling) und Suchsignale des oder der Vereine (Screening) auf dem Markt zu entdecken und die Vertragspartner dann zu einem Abschluss zu führen, wofür er mit einer Provision entlohnt wird (Woratschek, 2002, 11). Dies ist grundsätzlich unproblematisch, weil beide – Spieler und Verein – an einem Vertragsabschluss interessiert sind. In Anbetracht der unterschiedlichen Zielsetzungen der beiden Parteien führt dies jedoch zu einem Interessenkonflikt, den der Spielervermittler grundsätzlich zwar einvernehmlich lösen könnte. Faktisch aber wird die Maklerfunktion des Spielervermittlers dahingehend beeinflusst, dass er seine Neutralität in der Regel aufgibt und seine Kundenorientierung eher an der stärkeren Marktseite, das heißt an derjenigen mit dem knapperen Angebot, ausrichtet. Im „normalen“ Geschäftsleben“ lässt sich dies dadurch beobachten, dass Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 668 Andreas Parensen668 die schwächere Marktseite den größten Teil oder sogar die gesamte Maklerprovision zahlt (Woratschek, 2002, 12). Insoweit ist die Rolle des Spielervermittlers nicht nur im juristischen Sinne eine atypische Maklertätigkeit. Eine Bezahlung vom Spieler und vom Club wäre demnach das Regulativ, die Interessen beider Markseiten wirksam und fair zu vertreten. Allerdings stellen sich damit für die legal tätigen Spielervermittler hier die genannten juristischen Grenzen der VermittVergV auf Seiten des von ihm vertretenen Spielers, wohingegen er mit dem Verein eine Provisionsregelung jenseits dieser Grenzen verhandeln kann. Die taktische Ausrichtung des Vermittlers kann damit von Fall zu Fall und selbst im Verlaufe eines einzigen Spielertransfers wechseln. Selbst wenn er möglicherweise vorher explizit von einer Marktseite einen Vermittlungsauftrag erhalten hat, könnte sich am Ende des Verhandlungsprozesses seine Kundenorientierung in Richtung auf die Gegenseite hin ausrichten. Beim Transfer von Starspielern oder Talenten, deren Angebot knapp ist oder im Falle eines Engpassfaktors beim Verein, z. B. bei Verletzung oder ungeplantem Wechsel eines bisherigen Stammspielers, die einen kurzfristig Ersatz erfordern, ist zu erwarten, dass der Vermittler in einem solchen Fall eher spielerorientiert agiert. Bei Durchschnittsspielern, bei denen das Angebot größer ist oder wenn kein zeitlicher Transferdruck besteht, ist eine eher vereinsorientierte Taktik wahrscheinlicher. In der Praxis werden die Vermittler ihre Rolle demnach flexibel gestalten. Insoweit ergeben sich für die Spielervermittler immer Informationsvorsprünge gegenüber beiden anderen Parteien, wenn nur der Vermittler selbst seine Präferenzen kennt und sie keinem anderen gegenüber offenlegt. 38.5.2 Interaktionsebene von Spieler und Spielervermittler Ein – eher stärker als schwächer ausgeprägtes – ökonomisches Motiv eines Profisportlers besteht darin, sein Einkommen im Laufe seiner Karriere zu maximieren. Daher wird er bemüht sein, regelmäßig zu dem Verein zu wechseln, der ihm das höchste Gehalt bietet. Denkbar ist aber auch, dass er diese Zielfunktion mit anderen Nebenzielen kombiniert. Viele Sportler werden ebenso bemüht sein, ihr sportliches Leistungsniveau zu optimieren – und dies nicht nur im Sinne einer Hilfsfunktion im Hinblick auf das erstgenannte Ziel. Auch die Optimierung außersportlicher Faktoren kann zumindest eine mitentscheidende Rolle spielen, wie etwa für junge Spieler die Förderung der Ausund Weiterbildung. Zusätzlich können das Image und die Attraktivität seines lokalen und regionalen Umfeldes von Bedeutung sein sowie für ältere Spieler oder Spieler, für die latent die Gefahr besteht, ihre Karriere verletzungsbedingt aufgeben zu müssen, Karrieremöglichkeiten außerhalb des Sports, wie etwa eine Anschlusstätigkeit beim Verein oder dessen Partnern. Eine jeweils eindimensionale Zielfunktion, insbesondere die der Gehaltsmaximierung, erleichtert den Auftrag für den Spielervermittler und führt vor allem dann nicht zu Problemen, wenn dieser nur für die – jeweils – einmalige Transfertätigkeit hinzugezogen wird. Die Kombination mehrerer Ziele erschwert den Vermittlungsauftrag. Hier ist eine Zusammenarbeit mit einem Spielervermittler eigentlich nur in einem langfristigen Zeitraum, mithin bei mehreren Transfers oder Vertragsverhandlungen und mit flankierender Beratungstätigkeit sinnvoll. Erleichtert wird diese Beratungstätigkeit, wenn Spieler versuchen, sich auf ihre Karriere zu konzentrieren und sie von Managementaufgaben, kaufmännischen und juristischen Fragen rund um ihre sportberufliche Weiterentwicklung entlastet werden wollen. Sie führt, sofern der Spieler Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 669 66938 Spielervermittlung im Profifußball aus der Vielzahl einen geeigneten Berater im Markt identifiziert hat und der die dem Spieler gegenüber erteilten Zusagen einhält, im Idealfall zu einer langjährigen, vertrauensvollen Zusammenarbeit. Diese Nebenbedingung birgt jedoch auch die Gefahr der „Bequemlichkeit“ mit möglichen Informationsnachteilen des Spielers gegenüber Vermittlern und Vereinen. Darüber hinaus fördert sie auch nicht die wünschenswerte persönliche Weiterentwicklung über rein sportlich-athletische Fähigkeiten hinaus. Sie führt ebenfalls dazu, dass die Verhandlungsmacht vom eigentlichen Inhaber, dem Spieler, entkoppelt wird und zu einer derivativen Marktmacht des Spielervermittlers führt. Da bei Einschalten eines Vermittlers oder Beraters mit Exklusivvertrag die Verhandlungen immer über diesen geführt und oft erst zur Finalisierung der Vertragsmodalitäten die Spieler hinzugezogen werden, wird der Spielervermittler versuchen, dies zu seinem Vorteil je nach taktischer Ausrichtung entweder gegenüber dem Spieler oder dem Verein zu nutzen. Insoweit sind langfristige Beratungsverträge auf ihre Chancen und Risiken hin abzuwägen. Vorteile für den Spielerberater und den Spieler liegen darin, dass beide Parteien Suchkosten reduzieren können. Durch zusätzliche, qualitativ hochwertige Dienstleistungen des Beraters können sich die Vermarktungsmöglichkeiten und der Professionalisierungsgrad des Athleten erhöhen. Ein Risiko für den Spieler kann, neben der Schlechtleistung eines Beraters, darin bestehen, dass dieser einer von vielen betreuten Athleten ist und das Engagement des Beraters sich auf diejenigen konzentriert, mit denen höhere Erträge zu erwirtschaften sind. 38.5.3 Interaktionsebene von Verein und Spielervermittler Oberziel ist für viele Vereine die Optimierung des sportlichen Leistungsniveaus im Rahmen eines definierten Budgets. Ebenso wird es regelmäßig eine entscheidende Rolle spielen, einen Spieler mit einem möglichst optimalen Fit in das bestehende oder geplante Mannschaftsgefüge sowohl spielerisch, in Bezug auf das Gehaltsniveau und unter sozial-affektiven Aspekten zu erreichen. Weiterhin kann die Suchkostenminimierung bedeutsam sein. Für die Vereine ist es in der Regel wichtig, zügig einen geeigneten Spieler zu identifizieren und eine schnelle Transferabwicklung unter Vermeiden langwieriger Verhandlungen umzusetzen. Bei der Suche nach Ergänzungsspielern oder zur Risikostreuung durch „günstige“ Reservebesetzungen von Spielpositionen soll ein geringerer monetärer Gesamtaufwand aus Vermittlergebühren, eventuell zu zahlenden Ablösesummen an den abgebenden Verein sowie das Gehalt des neuen Spielers erreicht werden. Auch kann Vereinen an einer Kontinuität im Kaderaufbau bei Verfolgen einer mittel- bis langfristig orientierten Geschäftspolitik gelegen sein. Spekulationen mit Spielern und ihren zukünftigen Marktwerten können ebenfalls bei Spielerakquisitionen oder Vertragsverlängerungen eine Rolle spielen. Um die dargestellten Ziele zu erreichen, ist die Zusammenarbeit mit hierzu geeigneten Spielervermittlern erforderlich, die dazu noch auf das erforderliche Spielerportfolio zurückgreifen können. Bei einer langjährigen Kooperation eines Vereins mit einem Vermittler werden Vorteile in Form geringerer Such- und Verhandlungskosten in Bezug auf einen schnellen und „passenden“ Transfer durch die gegenseitige Kenntnis zu erwarten sein. Auf der anderen Seite können aus der Tätigkeit eines Spielervermittlers überhöhte Tausch- und Abstimmungskosten resultieren (Picot/Dietl/Franck, 2008, 33). Diese entstehen vor allem dann, wenn ein Spielertransfer auch ohne die Beteiligung eines Vermittlers zustande gekommen wäre, wie etwa durch Direktansprache des Vereins und Zustimmung des Spielers. Im juristischen Sinne stünde dem Agenten in Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 670 Andreas Parensen670 seiner Rolle als Vermittlermakler hier ebenfalls keine Provision zu. Dennoch wird diese in der Regel entrichtet, da sich der Vermittler des Spielers einschaltet oder der Spieler selbst vor Vertragsabschluss auf diesen verweist. Informationsvorsprünge von den Spielervermittlern gegenüber den Vereinen bestehen grundsätzlich dann, wenn der Vermittler einen Spieler lange kennt und betreut. Diese sinken, wenn die Vereine eigene Scoutingaktivitäten unterhalten, über umfangreiche Datenbanken mit Informationen zu zahlreichen Spielern verfügen und in der Lage sind, öffentlich zugängliche und ergänzend recherchierte Informationen systematisch aufzubereiten und für Spielerbewertungszwecke zu nutzen. Vom Verein auszuloten ist, ob seitens des Spielers mit vorvertraglichen Opportunismus zu rechnen ist, der auch dem Spielervermittler bekannt ist. Dieser könnte darin bestehen, dass beide die wirkliche Motivation für den Vereinswechsel oder die Vertragsverlängerung beim alten Verein sowie andere Risiken, wie z.B. gesundheitliche Probleme, die nicht durch die medizinische Untersuchung entdeckt werden können, verschweigen. In der Verhandlung selbst haben die Vereine dann möglicherweise Informationsnachteile und können – speziell bei ihnen weniger bekannten Beratern – auch deren taktische Interessen nicht abschätzen. Schutz vor dem „Kauf“ eines unmotivierten Spielers bietet dann nur die Bewertung der strategischen Orientierung des Vermittlers. Legt er auf seine Reputation und auf eine nachhaltige Geschäftsbeziehung mit dem Verein Wert, wird dieser auch seinerseits bemüht sein, einen „passenden“ Spieler zu vermitteln. Aber selbst bei Inanspruchnahme von Diensten qualifizierter und kompetenter Spielervermittler und bei weitgehendem Ausschluss vor- und nachvertraglichem Opportunismus, z. B. in Form reduzierter Leistungsbereitschaft des Spielers nach Vertragsunterzeichnung, ist ein entgangener Produktivitätszuwachs bei den Vereinen möglich. Das Risiko des schlechten Matchings eines vermittelten Spielers kann auch zu einem großen Teil vereinsseitig bestehen. Denn im Gegensatz zu mess- oder beobachtbaren Leistungsparametern kann der Verein die Schnittstellenkompatibilität der Spieler falsch einschätzen; der Spieler kann dann nicht wie erwartet in das bestehende Gefüge aus dem Zusammenspiel von Management, Spielern, Trainern und anderen Stakeholdergruppen integriert werden oder die Anforderungen an den Spieler differieren plötzlich, z. B. nach einem Trainerwechsel (Frick/Prinz, 2005, 31). Gefahren können bei Konzentration auf die Dienste weniger Spielervermittler entstehen, die dadurch ganz erhebliches Insiderwissen bei dem jeweiligen Verein aufbauen und damit Verhandlungsstrategien und Preisniveaus für Ablösen und Gehälter deutlich besser einschätzen können. Die aus wettbewerbsstrategischen Gründen wichtige Kontinuität im Kaderaufbau und die Kaderstabilität (Frick/Prinz, 2005, 6) sind nur zu erreichen, wenn zum Mannschaftgefüge passende Spieler akquiriert und dann auch gehalten werden. Bei diesen Spielern und ihren Vermittlern sollte der Verein demzufolge Anreize für einen Vereinswechsel reduzieren. Dies kann seitens des Vereins durch ein frühzeitiges Anschlussvertragsangebot mit wettbewerbsantizipierender Gehaltshöhe erfolgen. Auf Grund der in der Regel bei den Spielervermittlern liegenden derivativen Verfügungsrechte in Bezug auf das Aushandeln von Verträgen ihrer Spieler muss der Verein dem Rechnung tragen und die Vermittler auch bei Vertragsverlängerungen mit Provisionen oder jährlichen Bonuszahlungen vergüten. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 671 67138 Spielervermittlung im Profifußball 38.5.4 Interaktionsebene von Verband und Spielervermittler Oberziele von Verbänden und Ligaorganisationen sind in der Regel der Reputationsschutz und der Schutz der Integrität des Wettbewerbssystems, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit sowie das öffentliche Image und die Vermarktung der Liga wie auch der Lizenznehmer zu fördern (DFB, Politik und Zielsetzung, 2011, 1). In Bezug auf die Spielervermittler kann daraus abgeleitet werden, dass zur Sicherstellung eines funktionierenden Transferumfeldes und zum Schutz der Mitglieder vor unseriösen Beratern und überhöhten Beraterprovisionen analog zum FIFA-Reglement Mindestqualitätsstandards für die Vermittlertätigkeit zu fordern sind. Darüber hinaus wird ein Verband für sich eine Satzungskompetenz in Anspruch nehmen, um alle oder möglichst viele sportrelevanten Sachverhalte im eigenen Verbandssystem selbstständig zu regeln, gegebenenfalls sogar unter Schließen nationaler und internationaler Regelungslücken. Wegen des problembehafteten Renommees der Spielerberater ist es verständlich, den Vermittlungsmarkt grundsätzlich regeln zu wollen, um Mindeststandards in Bezug auf die Qualifikation und die Durchführung der Vermittlung sicherzustellen und dadurch die Reputation des Sportes zu schützen und zu stärken. Durch wirksame Statuten und lizenzvertragliche Vereinbarungen, wonach die Akteure dem „Zugriff“ des Verbandsrechts unterliegen, wird dies formal erreicht. Dem Ziel der Qualitätssicherung könnte man näher kommen, wenn bereits auf die Ausbildung Einfluss genommen wird und nicht nur Prüfungen und Wiederholungsprüfungen abgehalten werden. Denn die Vorbereitung auf die Prüfung des DFB ist den Teilnehmern bisher grundsätzlich selbst überlassen. Vorbereitungslehrgänge oder Schulungen zur Aufrechterhaltung der Lizenz gibt es nicht. Hierzu bieten mittlerweile spezialisierte Dienstleister einschlägige Kurse an. Reputations- und Integritätsschutz können auch durch konsequenteres Vorgehen gegen missbräuchliche Praktiken von Spielervermittlern verbessert werden. Aber es ist schwierig, die Tätigkeit eines unzulässigen Spielervermittlers überhaupt nachzuweisen und effektiv zu verfolgen (Englisch, 2003, 49). 38.6 Resümee und Ausblick vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um eine Marktliberalisierung Die dargestellte Lizenzierung der Spielervermittler und die Vorschrift, nur verbandsrechtlich „legale“ Spielervermittler bei Transfers in Anspruch zu nehmen, ist juristisch aus einer Vielzahl von Gründen problematisch und wird faktisch in einer Vielzahl von Fällen ausgehebelt. Darüber hinaus sind in der Vergangenheit Unregelmäßigkeiten oder sogar Betrugsfälle bei Ablegung der Prüfung durch vorab erkaufte Lösungen des Multiple-Choice-Tests aufgetreten (Ebert, 2010, 6 f.). Die genannten Defizite und die mittlerweile langjährig geführte Diskussion um die Frage, ob ein Sportverband weltweit geltende Regeln für eine Berufszulassung aufstellen und durchsetzen darf und auch die Probleme, das Lizenzierungswesen in die Ordnungen der jeweiligen Nationalverbände zu integrieren, hat die FIFA reagiert (Stopper/Holzhäuser, 2011, 16). Sie plant zukünftig auf eine Lizenzierung der Spielervermittler zu verzichten und die Vermittlungstätigkeit ausschließlich zwischen sich, den Vereinen und Spielern zu regeln, wobei diese aber verpflichtet werden, dabei mit der gebotenen Sorgfalt vorzugehen (Menke/Reiter, 2011, 19.). Dies würde voraussichtlich nach sich ziehen, dass zum Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 672 Andreas Parensen672 einen bisher „illegale“ Spielervermittler legalisiert werden und zum anderen durch den vereinfachten Marktzutritt noch mehr Personen diese Tätigkeit anzustreben versuchen. Risiken für Spieler und Vereine können vor allem daraus resultieren, dass „Glücksritter“ ohne fundiertes Geschäftsmodell, möglicherweise sogar ohne spezielle Erfahrungen und Kontakte oder ohne wesentliche kaufmännische, juristische oder fußballspezifische Grundkenntnisse auf ihre Chance hoffen und auf einen sprunghaft unübersichtlicher werdenden Markt drängen. Dies wird vor allem für Spieler zu einem erschwerten Screening führen, aus einer potenziell noch größeren Auswahl von Vermittlern den „Richtigen“ auszuwählen. Diese Problematik stellt sich den Vereinen ebenfalls. Sie müssen dann mit einer noch größeren Zahl von Vermittlern auf niedrigerem Durchschnittsniveau verhandeln. Ebenso wird es schwerer, die Glaubwürdigkeit der Vermittler abzuschätzen, da die Vereine bereits jetzt über Vermittler Spielerangebote erhalten, ohne dass die anbietenden Vermittler überhaupt ein Vertragsverhältnis mit diesen haben. Kurzfristig kann dies zu einem Sinken der Transferhonorare auch für die etablierten Vermittler führen. Die Gefahr besteht dann, dass die Einsparungen möglicherweise durch entstehende Mehrkosten auf Grund längerer und unprofessionellerer Verhandlungen wieder aufgezehrt werden. Durch eine Ausweitung des Personenkreises wird der Akquisitionsdruck der Vermittler weiter zunehmen. Dies führt zu noch intensiveren und häufigeren Ansprachen von Spielern, speziell auch im noch sehr jungen Nachwuchsbereich. Mittelfristig ist eine Marktbereinigung dann zu erwarten, wenn es den neu eintretenden Vermittlern und Beratern nicht gelingt, relativ schnell einen Reputationsaufbau zu erreichen. Wahrscheinlich werden es Spielervermittler schwer haben, wenn sie eine nur unscharfe geschäftliche Ausrichtung haben oder Zusatzdienstleistungen nicht selbst oder über Netzwerk- und Kooperationspartner anbieten können, um damit Spieler strategisch an sich zu binden. Spielervermittler sollten dahingehend ihre Geschäftsstrategie sorgsam überdenken. Bei zunehmender Konkurrenz kann eine Strategie der Vermittler auch darin bestehen, die Aktivitäten zu diversifizieren. Hierbei bietet es sich zunächst an, auch Sportler in anderen Sportarten zu vermitteln und zu beraten. In der Öffnung besteht aber auch eine Chance, dass sich geeignete und fachlich qualifizierte Personen oder Berufsgruppen wie etwa Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Vermögensverwalter, Marketingspezialisten oder Sportmanager, die aber bisher das Erfordernis einer Lizenzierung von einem Markteintritt abgehalten hat, für diese Tätigkeit interessieren. Weiterhin könnten Personen, mit denen Spieler bereits vertrauensvoll zusammenarbeiten, diese dann auch in Transferfragen und -verhandlungen offiziell unterstützen. Unabhängig von der geplanten Liberalisierung des Spielervermittlermarktes bestehen Optimierungsmöglichkeiten zur Aufwertung des Berufes des Spielervermittlers. Dies wird vor allem dann geschehen, wenn sich „berufsständische“ Organisationen etablieren und die Funktion eines Qualitätssetzers übernehmen. Diese könnten – nicht nur im Falle der Abschaffung des Lizenzierungsverfahrens – für die Aufnahme in ihren Verband bestimmte Mindeststandards setzen, regelmäßige Schulungen und Weiterbildungen mit der Verpflichtung der Mitglieder, an diesen teilzunehmen, durchführen. Die Zugehörigkeit zu einer solchen Spielervermittlervereinigung kann dann als Qualitätssignal in den Markt wirken. Überdies könnten diese Berufsorganisationen juristische Maßnahmen gegen illegale Aktivitäten unseriöser Berater offenlegen oder Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 673 67338 Spielervermittlung im Profifußball möglicherweise vor ordentlichen Gerichten zur Anklage bringen. Ein weiteres Regulativ können Medien, insbesondere das Internet darstellen, um die Transparenz auf diesem Markt zu erhöhen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, neben den Spielerdatenbanken auch solche für Spielervermittler anzulegen und zu pflegen. Die Vermittler könnten nach systematischen Scoring-Modellen bewertet werden, z.B. Erfolgsquoten für die Vermittlung geeigneter Spieler, Professionalisierungsgrad der Transferabwicklung, Angemessenheit der Provision, Beachten von Compliance-Regeln oder bezüglich der verfolgten Geschäftsstrategie der Vermittler etwa in Bezug auf deren kurzfristige oder langfristige Ertragsmaximierung. Das müsste konsequenterweise auch dazu führen, mit unterschiedlichen „Vermittlertypen“ differenzierte Verträge im Sinne der mittelfristigen Vereinsziele abzuschließen, z. B. in Form von Zusatzprämien bei besonders guter sportlicher Entwicklung des Spielers. Ein Augenmerk könnte auch darauf gelegt werden, eine Abhängigkeit von wenigen Spielervermittlern zu vermeiden. Die Vereine sind neben oft schon bestehenden internen Regelungen, „Berater“ von Spielern unter einem Mindestalter nicht zu akzeptieren, darüber hinaus gefordert, ihre Nachwuchsspieler und deren Erziehungsberechtigte präventiv aufzuklären. Auch die Spieler – oder deren Eltern – selbst können gewisse Grundregeln beachten. Sie könnten zunächst darin bestehen, sich klare Karriereziele zu setzen. Nicht jeder junge Spieler kann auf kaufmännische und/oder juristische Erfahrungen im Elternhaus zurückgreifen, wenn er plötzlich mit Anfragen von Spielervermittlern konfrontiert wird. Vor Abschluss von Erstverträgen mit Vermittlern sollte man sich im Kollegenkreis umhören und nach dem Renommee von Vermittlern erkundigen. Weiterhin sollten neutrale Berater oder Vertrauenspersonen in die Verhandlungen mit Spielervermittlern einbezogen werden. Wichtig sind auch Mindestkenntnisse rechtlicher Grundlagen der Vermittlertätigkeit, so dass zumindest keine langfristigen, exklusiven Vermittlungsverträge oder Verträge mit einer offensichtlich zu hohen Provisionsforderung unterzeichnet werden. Die Möglichkeit, mehrere Vermittler „auszuprobieren“ kann durchaus auch eine sinnvolle Alternative darstellen. Literatur- und Quellenverzeichnis Benz, M./Gehring, S.: Krisen im Profifußball, Stuttgart u. a., 2009. 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References

Zusammenfassung

"Das vorliegende Handbuch [...] gibt eine exzellente Orientierung für modernes und professionelles Sportmanagement [...]"

Wolfgang Niersbach

Präsident des Deutschen Fußball-Bundes

Immer weiter reichende ökonomische Aktivitäten und damit verbundene Risiken - Entscheidungsträger im professionellen Sport müssen nicht nur ihren Partnern aus der Wirtschaft auf gleicher Augenhöhe begegnen, sie müssen vielmehr die Klubs und deren Tochtergesellschaften bzw. die Organisationseinheiten um Einzelsportler in entsprechender Weise ausrichten und leiten, um den sportlichen vor allem aber den ökonomischen Wettbewerb erfolgreich bestreiten zu können.

Dieses umfassende Handbuch liefert Ihnen Lösungen zu den zentralen Fragen im professionellen Sportmanagement - es stellt die wesentlichen Ansatzpunkte für die unternehmerische Führung und die dafür notwendigen Grundlagen aus Betriebswirtschaftslehre, Steuern und Recht vor.

Vor allem am Beispiel des aus der ökonomischen Perspektive am weitesten entwickelten professionellen Fußballsports richtet sich dieses praxisorientierte Nachschlagewerk insbesondere an Verantwortliche in Klubs - Vereinsvorstände, Organe der Kapitalgesellschaften, Leiter der betriebswirtschaftlichen Bereiche und deren Mitarbeiter -, natürlich aber auch an Einzelsportler und ihre Berater sowie an Kapitalgeber, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Studierende.

Über die Autoren und Herausgeber

Das Handbuch "Sportmanagement" ist ein Gemeinschaftswerk von ausgewiesenen Praktikern, die über langjährige Erfahrungen im professionellen Sport verfügen. Es wird herausgeben von Prof. Dr. Albert Galli, Prof. Dr. Vera-Carina Elter, Prof. Dr. Dr. h.c. Rainer Gömmel, Wolfgang Holzhäuser und Wilfried Straub.

"(...) Wenn das Buch auf den ersten Blick den Eindruck erweckt, es befasse sich nur mit dem Profisport, so ist das ein falscher Eindruck. Da es sich in allen Teilbereichen um einen professionellen Umgang mit dem Sport bemüht, ist es bestimmt auch für den "normalen" Vereinsführer ein hilfreiches Werk. Hilfreich ist auch die klare Gliederung in kurze Artikel zu Teilbereichen."

In: Der Budoka 12/2002, zur 1. Auflage