Content

1 Grundlagen in:

Stefan Müller, Katja Gelbrich

Interkulturelle Kommunikation, page 469 - 471

1. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4600-5, ISBN online: 978-3-8006-4601-2, https://doi.org/10.15358/9783800646012_469

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Te il G Teil G: Kommunikationsstil Vahlens Handbuch – Müller/Gelbrich – Interkulturelle Kommunikation Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.11.2013 Status: Druckdaten Seite: 469 1 Grundlagen „Stil“ ist ein Erklärungskonzept, das ursprünglich Kunsthistoriker entwickelt und später Soziologen wie Münch (1990) übernommen haben. Im weiteren Verlauf der Wissenschaftsgeschichte wurde das Stilkonzept auf weite Bereiche der Geistesund Sozialwissenschaften übertragen (vgl. Abb. 123). Die Stilforschung befasst sich mit den charakteristischen Formen des Ausdrucks, Erkennens und Handelns, jeweils bezogen auf einen bestimmten Handlungsbereich (vgl. Barmeyer 2000). Aus kognitionswissenschaftlicher Sicht definieren Zhang/Sternberg (2001) „Stil“ als die situationsunabhängige Präferenz für eine bestimmte, zumeist kognitive Vorgehensweise. Der Sprachstil wurde bereits in Kap. E ausführlich behandelt und der allgemeine Kommunikationsstil (explizite vs. implizite Kommunikation in Kap. A-1.3.2). Weitere Stile sind z.B. der Lernstil, der kognitive Stil, der Erziehungsstil oder der Wirtschaftsstil (vgl. Kap. D-5). Gegenstand dieses Kapitels sind die Denk-, Argumentations- und Verhandlungsstile sowie die Konfliktstile und die Führungsstile, jeweils in ihrer Prägung durch das kulturelle Umfeld. 1 Grundlagen Teil G: Kommunikationsstil Definition Abb. 123: Kommunikative Stile im Überblick Quelle: Bolten (2007, S. 79). Führungsstile Wissenschaftliche Stile Lebensstile Kunststile Erziehungsstile Verhaltensstile Lernstile Wirtschaftsstile Vahlens Handbuch – Müller/Gelbrich – Interkulturelle Kommunikation Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.11.2013 Status: Druckdaten Seite: 470 Vahlens Handbuch – Müller/Gelbrich – Interkulturelle Kommunikation Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.11.2013 Status: Druckdaten Seite: 471 2 Interkulturelle Verhandlungen Die dominante Zeitperspektive einer Kultur liefert erste Hinweise auf die von den Angehörigen dieser Kultur wahrscheinlich praktizierte Argumentationsweise und den von ihnen präferierten Denk- und Diskussionsstil. Die Zeitperspektive, die vergangenheits-, gegenwarts- oder zukunftsorientiert sein kann, variiert sowohl interkulturell als auch intrakulturell (⇒ Zeit). 2.1 Denkstil e Die animistischen Kulturen Afrikas wie auch die buddhistischen und die hinduistischen Kulturen Asiens sind wesentlich stärker vergangenheitsorientiert als die westlichen Industriegesellschaften. Prägt die Vergangenheit das Denken, wie etwa in Indien, so sind Traditionalismus und konservative Einstellungen zu erwarten. Gleiches gilt für die soziale Unterschicht von Industriegesellschaften: Auch ihre Angehörigen sind im Regelfall stärker vergangenheitsorientiert und weniger zukunftsorientiert als die Angehörigen der aufstiegsorientierten Mittelschicht (vgl. Hopf 2010; Tismer 1985). Der Typus der Gegenwartsorientierten neigt einerseits zum Determinismus und andererseits zu kompromissbereitem Pragmatismus. Als Voluntaristen (vgl. Kap. C-2.1.8) sind sie davon überzeugt, ihr Leben willentlich steuern zu können und Herr ihres Schicksals zu sein. Zukunftsorientiert sind hauptsächlich die Bewohner des angelsächsischen Kulturraumes. Ihr Denk- und Argumentationsstil wird als progressiv bezeichnet (vgl. Hasenstab 1999, S. 165). Auch sind sie eher Chancensucher als Risikomeider, weshalb sich unter ihnen überproportional viele ,variety seeker‘ finden. Weiterhin Zeit perspektive: Schwerpunkt des wahrge nommenen Zeitverlaufs 2.1 Denkstile Variety See ker: Streben nach Anre gung durch Abwechs lung. Inhaltsverzeichnis 2.1 Denkstil e . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 472 2.2 Argumentationsstil e . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 473 2.2.1 Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 473 2.2.2 Induktive vs. deduktive Argumentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 473 2.2.3 Lineare vs. zirkuläre Argumentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 473 2.2.4 Logische vs. intuitive Argumentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 474 2.2.5 Nüchterne vs. anregende Argumentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 476 2.3 Verhandlungsstil e . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 476 2.3.1 Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 476 2.3.2 Beziehungsorientierter vs. sachorientierter Verhandlungsstil . . . . 476 2.3.3 Landestypische Besonderheiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 477 2.4 Arbeitsstile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 482 Vahlens Handbuch – Müller/Gelbrich – Interkulturelle Kommunikation Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.11.2013 Status: Druckdaten Seite: 472 Vahlens Handbuch – Müller/Gelbrich – Interkulturelle Kommunikation Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.11.2013 Status: Druckdaten Seite: 473

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Prof. em. Dr. Stefan Müller lehrte Marketing an der Technischen Universität Dresden.

Prof. Dr. Katja Gelbrich ist Inhaberin des Lehrstuhls für Internationales Management an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Menschen kommunizieren auf vielfältige Weise. Nur wenige der dabei zu beobachtenden Kommunikationsformen und -inhalte sind weltweit gleichermaßen verständlich. Verständi­gung setzt deshalb u.a. voraus, dass die Beteiligten in der Lage sind, kulturspezifische Signale zu decodieren, z.B.:

• Grußformeln und Regeln des Small Talk (= verbale Kommunikation),

• Stimmlage, Tonhöhe und Lachen (= paraverbale Kommunikation),

• Mimik, Gestik sowie Art und Dauer des Blickkontakts (= nonverbale Kommunikation),

• Distanz und Nähe, körperliche Begrüßungsrituale und Gastgeschenke (= extraverbale Kommunikation).

Ausgehend von E. T. Halls berühmter These, dass „Kommunikation Kultur ist und Kultur Kommunikation“, erörtern die Autoren den Einfluss der Landeskultur auf die Kommuni­kation. Vor dem Hintergrund kulturabhängiger Weltbilder, Mythen, Helden, Rituale, Symbole, Tabus, Normen und Werte diskutieren sie die Möglichkeiten des Verstehens

und des Missverstehens.

Neben den Besonderheiten und Gesetzmäßigkeiten der interpersonellen Kommunikation in kulturübergreifenden Interaktionen behandelt das Buch die Grundlagen der interkulturellen kommerziellen Kommunikation. Sie umfasst Print-, TV- und elektronische Werbung, Public Relations, Verkaufsförderung, Sponsoring, vergleichende Werbung, Direkt­marketing und Empfehlungsmanagement bei Zielgruppen mit unterschiedlicher kultureller Orientierung. Ein weiteres Kapitel befasst sich mit den verschiedenen kommu­nikativen Stilen. Hierzu zählen Denk-, Argumentations- und Verhandlungsstile sowie Führungsstile und Konfliktstile.