3 Bilanzinhalte in:

Michael Beyer, Reinhard Heyd, Daniel Zorn

Bilanzierung nach HGB in Schaubildern, page 32 - 34

Die Grundlagen von Einzel- und Konzernabschlüssen

1. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4502-2, ISBN online: 978-3-8006-4503-9, https://doi.org/10.15358/9783800645039_32

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3 Bilanzinhalte definieren wirtschaftliche Sachverhalte, die dem Grunde nach in die Bilanz aufgenommen werden müssen oder können. Nach dem Grundaufbau der Bilanz unterscheidet man Aktiva und Passiva. • Aktiva stellen die Mittelverwendung dar, • Passiva repräsentieren die Mittelherkunft. Nach der statischen Bilanztheorie steht auf der Aktivseite realisierbares Haftungspotenzial, auf das die Gläubiger zur Realisierung ihrer Forderungen zugreifen können. Die Passivseite hat einen vollständigen Schuldenausweis darzustellen, um durch eine stichtagsbezogene Gegenüberstellung von Vermögen und Schulden überprüfen zu können, ob Überschuldung eingetreten ist oder nicht. Der Saldo der Aktiva über die Schulden ist das Eigenkapital. Die dynamische Bilanz sieht die Aktiva als den „Kräftespeicher“ der Unternehmung, d.h. Positionen bei denen die Ausgabe dem Aufwand zeitlich vorgelagert ist. Bei den Passiva ist die Einnahme dem Ertrag zeitlich vorgelagert. Sonderposten wie aktive und passive latente Steuern sowie der Aktive Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung lassen sich konzeptionell auch in diesem Schema erfassen. Bilanzinhalte Abb. 17: Bilanzinhalte Vermögensgegenstände Geschäfts- oder Firmenwert (Goodwill) (§ 246 Abs. 1 Satz 4 HGB) Rechnungsabgrenzungsposten (§ 250 HGB) Eigenkapital Schulden Wirtschaftliche Werte, die für das Unternehmen einen zukünftigen Nutzen erwarten lassen Selbstständige Bewertbarkeit (geeigneter Wertmaßstab, regelmäßig Vorliegen von Ausgaben) Selbstständige Verkehrsfähigkeit, d.h. Einzelveräußerbarkeit (→ Gläubigerschutzinteresse) Überschuss, der für die Übernahme eines Unternehmens bewirkten Gegenleistung über das zum beizulegenden Zeitwert angesetzte Nettovermögen → gilt als zeitlich begrenzt nutzbarer immaterieller Vermögensgegenstand Bilanzposten, die vorschüssige Zahlungen repräsentieren, welche sachlich einem bestimmten Zeitraum nach dem Bilanzstichtag zuzuordnen sind Vorrangig haftende Residualgröße als Überschuss der Aktiva über die Schulden Belastungen des Vermögens am Bilanzstichtag Belastungen müssen auf am Bilanzstichtag bestehender, rechtlicher oder wirtschaftlicher Leistungsverpflichtung des Unternehmens beruhen Selbstständige Bewertbarkeit sichere Schulden = Verbindlichkeiten Unsichere Schulden = Rückstellungen Aktiva PassivaAktiva/Passiva 3 Bilanzinhalte26 Auf der Aktivseite der Bilanz werden sämtliche Vermögensgegenstände des Unternehmens entsprechend ihrer Geldnähe verzeichnet. Sind die liquiden Mittel längerfristig in Vermögensgegenständen gebunden und dient der Vermögensgegenstand dem Unternehmen dauerhaft, gehört er zum Anlagevermögen (§ 247 Abs. 2 HGB). Ist der Vermögensgegenstand „Geld-nah“ und dient er dem Unternehmen vorrausichtlich weniger als ein Jahr bzw. schlägt er sich in einem Jahr um, gehört er zum Umlaufvermögen. Der Kaufmann hat hier sämtliche Vermögensgegenstände, bei denen er zumindest wirtschaftlicher Eigentümer ist, zu verzeichnen. Daneben sind auch die Rechnungsabgrenzungsposten und die latenten Steuerpositionen Bestandteile der Aktivseite der Bilanz. Beide Positionen sind ebenfalls auf der Passivseite zu finden. Vermögensgegenstände stellen das realisierbare Haftungspotenzial dar, auf das die Gläubiger grundsätzlich zugreifen können, um ihre Ansprüche zu befriedigen. Sie repräsentieren einen zukünftigen Nutzen für das Unternehmen, stellen also einen Wert dar. Sie sind selbstständig bewertbar, d.h. in der Regel sind Ausgaben getätigt worden, um die Vermögensgegenstände zu erlangen. Der Wert lässt sich dem einzelnen Vermögensgegenständ zuordnen, d.h. er ist nicht nur Ausdruck allgemeiner unternehmerischer Chancen. Und der Vermögensgegenstand ist einzeln verwertbar, d.h. regelmäßig selbstständig veräußerbar. Das bedeutet, er kann liquidiert werden, ohne dass das ganze Unternehmen liquidiert werden muss. Dies ist eine Voraussetzung, die dem Gläubigerschutzgedanken entspringt. Der Geschäfts- oder Firmenwert ist der Betrag, um den der Kaufpreis eines gesamten Unternehmens (oder eines für sich alleine lebensfähigen Teils davon) die Differenz der Zeitwerte aller Vermögensgegenstände und Schulden übersteigt. Wenn ein Unternehmen erworben wird, sind die Vermögensgegenstände und Schulden mit ihrem beizulegenden Zeitwert zu bewerten. Wenn der Kaufpreis höher ist als die Fair-Value-Differenz der Aktiva minus der Schulden, dann werden damit Potenziale vergütet, die sich trotz Aufdeckung stiller Reserven nicht in der Bilanz des Erworbenen darstellen lassen. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Marktbekanntheit, die Mitarbeiterressourcen, die technischen Potenziale oder die organisatorischen Kompetenzen. Da dem Geschäfts- oder Firmenwert das Merkmal der Einzelveräußerbarkeit fehlt, ist es kein Vermögensgegenstand. Allerdings gilt er als solcher (§246 Abs.1 Satz 4 HGB) und ist deshalb aktivierungspflichtig. Aktive und passive Rechnungsabgrenzungsposten haben die Aufgabe, im Falle vorschüssiger Zahlungen, die auch nachgelagerte Perioden betreffen, die Erfolgswirkungen nach sachlichen Kriterien aufzuteilen. Werden Mieten, Versicherungsbeiträge, Kfz-Steuern u.Ä. nicht periodenkongruent bezahlt, so sind mithilfe der Rechnungsabgrenzungsposten die Erfolgswirkungen dieser Zahlungen aufzuteilen. Aktive Rechnungsabgrenzungen liegen vor, wenn 273 Bilanzinhalte das berichtende Unternehmen zahlt, passive Rechnungsabgrenzungen liegen vor, wenn dem berichtenden Unternehmen bezahlt wird. Während die Aktivseite der Bilanz die Mittelverwendung des Unternehmens darstellt, erläutert die Passivseite die Mittelherkunft. Es wird zwischen Eigenkapital und Fremdkapital bzw. Schulden unterschieden. Während zum Fremdkapital sowohl Rückstellungen als auch Verbindlichkeiten zählen, stellt das Eigenkapital das Reinvermögen des Unternehmens dar. Zieht man von der Aktivseite der Bilanz die Schulden ab, so gelangt man zum Eigenkapital (Reinvermögen). Dabei steht das Eigenkapital dem Unternehmen dauerhaft zur Verfügung und ist grundsätzlich an Mitgliedschaftsrechte gekoppelt. Es wird nicht verzinst. Die Rentabilität resultiert vielmehr aus dem Gewinn des Unternehmens innerhalb einer Rechnungsperiode. Erzielt das Unternehmen keinen Gewinn, so weist auch das eingesetzte Eigenkapital keine Rendite auf. Die Schulden stehen dem Unternehmen nur vorübergehend zur Verfügung. An Fremdkapitaltitel sind keine Mitgliedschaftsrechte und Mitspracherechte geknüpft. Unabhängig von einem eventuellen Gewinn, ist der Kapitaldienst durch das Unternehmen dennoch nachhaltig und termingerecht zu erbringen.

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Zusammenfassung

Ziel dieses Buches ist es, Ihnen eine strukturierte Durchdringung der doch sehr komplexen gesetzlichen Regelungen der einzelnen Bilanzierungsnormen des Einzel- und Konzernabschlusses zu ermöglichen. Dabei soll ein Grundverständnis für den Gesamtkontext der Rechnungslegung nach HGB geschaffen werden mit dem Ziel, einen sicheren Umgang mit den gesetzlichen Bilanzierungsregeln zu ermöglichen.

Die „Übersetzung“ der Bilanzierungsnormen in 260 Schaubilder hilft Ihnen, sich auf anschauliche Art und Weise einfach und schnell den Inhalt einer Bilanzierungsnorm zu erschließen. Um das Gesamtverständnis zu schärfen, wird jede grafische Darstellung zusätzlich mit einem Begleittext unterlegt, der anwendungsorientiert die illustrierten Sachverhalte beschreibt.

Aus dem Inhalt: Grundlagen der Bilanzierung nach HGB, Jahresabschluss und Jahresabschlusserstellung, Bilanzinhalt, Ansatz- und Bewertungsvorschriften, Gliederung der Bilanz und Bilanzpositionen, Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang, Lagebericht, spezielle Bilanzsachverhalte, Konzernabschluss, Offenlegung und Corporate Governance

Zielgruppe: Leser ohne Vorkenntnisse als auch erfahrenere Anwender, wie Bilanzbuchhalter oder Abschlussprüfer, erhalten mit diesem kompakten Band einen visuell orientierten Einstieg und Überblick über die zentralen Bilanzierungsnormen zur Einzel- und Konzernabschlusserstellung sowie zur Abschlussprüfung und Corporate Governance nach HGB.

Die Autoren: Prof. Dr. Reinhard Heyd ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Bilanzierung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Aalen und Honorarprofessor an der Universität Ulm. Dr. Michael Beyer ist Leiter Finanzen der Sparda-Bank Berlin. Daniel Zorn LL.M. (WSU) arbeitet als Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsassistent bei der H/W/S Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft GmbH & Co. KG in Stuttgart und ist Lehrbeauftragter an der Hochschule Nürtingen-Geislingen.