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1.2.3 Tourismusmärkte in:

Felix Kolbeck, Marion Rauscher

Tourismus-Management, page 37 - 39

Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4486-5, ISBN online: 978-3-8006-4487-2, https://doi.org/10.15358/9783800644872_37

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Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 21 211.2 Tourismus: Die Sehnsucht nach Traumstränden und -renditen 1.2.3 Tourismusmärkte Wie finden jetzt touristische Nachfrage und touristisches Angebot zueinander? Dies vollzieht sich tagtäglich auf vielen touristischen Teilmärkten: Reisende und Gäste fragen touristische Leistungen nach, die von den Anbietern vorab oder in Gegenwart des Gastes produziert, mit einem bestimmten Preis versehen und vermarktet werden. Allerdings sind die psychologischen Prozesse, die zur tatsächlichen Äußerung bzw. Manifestierung der touristischen Nachfrage führen, sehr vielschichtig. Hierfür liefern neue Forschungen der Tourismusökonomie (Abschnitt 1.3.3) wertvolle Hinweise. Sie erweitert die Sicht auf das touristische Produkt, in dem sie als zentrale Produktbestandteile touristische Attraktoren definiert.20 Ein Attraktor, also „der Anziehungspunkt, weshalb der Reisende hierhin und nicht dorthin fährt“21, kann dabei produzierbar sein wie die touristische Dienstleistung oder die für deren Erbringung nötige Infrastruktur (Hotels, Bäder, Museen, …). Es gibt jedoch zahlreiche nicht-produzierbare touristische, tradierte Attraktoren (bspw. das Klima, Schloss Neuschwanstein, Gastfreundlichkeit oder die Mona Lisa im Louvre), deren Entstehung nicht aufgrund eines betriebswirtschaftlichen Produktionsprozesses erfolgt, sondern in aller Regel durch Rückgriff auf ein Erbe aus den Bereichen Natur, Kultur oder vorwiegend tradiertem Wissen. Diese drei Bereiche können daher auch als touristische Produktionsfaktoren angesehen werden, in Abgrenzung zu den klassischen Produktionsfaktoren der Volkswirtschaftslehre (Arbeit, Kapital, Boden und neues Wissen, das sich u. a. in technischem Fortschritt manifestiert). Diese Erweiterung des touristischen Produktbegriffs ist für das Verständnis des Funktionierens touristischer Märkte essentiell. Anders wäre es auch nicht zu erklären, warum bestimmte Tourismusprodukte trotz erbärmlicher Dienstleistungsqualität dennoch leidlich funktionieren, wie beispielsweise sehr schlechte Hotels in der Nähe eines sehr populären touristischen Attraktors (Naturoder Kulturdenkmal). Umgekehrt fußt eine qualitativ hochwertige touristische Dienstleistung immer auf einer „besseren“ Inwertsetzung eines touristischen Attraktors. Eine nachhaltige touristische Dienstleistung legt darüber hinaus großen Wert auf eine weitestmögliche Schonung der touristischen Attraktoren , um deren langfristige Nutzung auch in der Zukunft zu gewährleisten. Somit lassen sich die touristischen Attraktoren als das zentrale Bindeglied zwischen touristischem Angebot und touristischer Nachfrage auf den touristischen Märkten kennzeichnen. Denn ohne einen touristischen Attraktor (oder mehrere) würde ein Gast das „enge“ touristische Produkt, die touristische Dienstleistung in einzelnen Wertschöpfungsstufen, erst gar nicht nachfragen. Definition Touristische Märkte entstehen durch das Zusammentreffen der touristischen Nachfrage mit dem entsprechenden Produktangebot. In marktwirtschaftlichen Systemen führen die ! 20 Vgl. hierzu und im Folgenden Letzner (2010), S. 22–30. 21 Letzner (2010), S. 22. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 22 1. Grundlagen: Betriebswirtschaftslehre und Tourismus22 Präferenz des Gastes hinsichtlich bestimmter touristischer Attraktoren sowie die Auswahl „passender“ (hinsichtlich Zeit, Qualität und Menge) touristischer Dienstleistungsprodukte durch den Gast zur langfristigen Steuerung des Produktangebots. Dieser Umstand, dass einige – im Auge des Gastes wichtige – Teile des touristischen Produkts im engeren Sinn nicht produzierbar, sondern allenfalls im weiteren Sinn ins Produkt integrierbar sind, macht das touristische Produkt sehr anspruchsvoll. Es zu entwickeln und zu steuern erfordert neben den betriebswirtschaftlichen auch kulturelle Kenntnisse und ein hohes Maß an Allgemeinbildung. Literatur Bieger, Thomas (2007): Dienstleistungsmanagement. Einführung in Strategien und Prozesse bei Dienstleistungen. 4. Aufl., Bern, Stuttgart, Wien Dettmer, Harald; Hausmann, Thoma; Schulz, Julia Maria (2008): Tourismus-Management. München Fließ, Sabine (2009): Dienstleistungsmanagement. Kundenintegration gestalten und steuern, Wiesbaden Freyer, Walter (2011): Tourismus. Einführung in die Fremdenverkehrsökonomie. 10. Aufl., München Gabler Verlag (2011a) (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Dienstleistungen, online im Internet http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/770/dienstleistungen-v9.html, letzter Zugriff am 11. April 2012 Haller, Sabine (2010): Dienstleistungsmanagement. Grundlagen-Konzepte-Instrumente. 4. Aufl., Wiesbaden Letzner, Volker (2010): Tourismusökonomie. Volkswirtschaftliche Aspekte rund ums Reisen. München Maleri, Rudolf; Frietzsche, Ursula (2008): Grundlagen der Dienstleistungsproduktion. 5. Aufl., Berlin, Heidelberg Meffert, Heribert; Bruhn, Manfred (2009): Dienstleistungsmarketing. 6. Aufl., Wiesbaden Thommen, Jean-Paul; Achleitner, Ann-Kristin (2009): Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. Umfassende Einführung aus managementorientierter Sicht. 6. Aufl., Wiesbaden Weiterführende Literaturhinweise Gebauer, Julia (2008): Entstehung des Tourismus: Von der Kavalierstour bis zu den Anfängen der Pauschalreise. Saarbrücken Hachtmann, Rüdiger (2007): Tourismus-Geschichte. Göttingen Reichert, Folker E. (2009): Quellen zur Geschichte des Reisens im Spätmittelalter. Darmstadt Schmude, Jürgen; Namberger, Philipp (2010): Tourismusgeographie. Darmstadt. Insbesondere S. 29–86 Schneider, Otto (2001): Die Ferien-Macher. Eine gründliche und grundsätzliche Betrachtung über das Jahrhundert des Tourismus. Hamburg Stier, Bernhard; Laufer, Johannes (2005): Von der Preussag zur TUI. Wege und Wandlungen eines Unternehmens 1923–2003. Essen Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 23 1.3 Tourismusmanagement: Handlungsfelder einer  Betriebswirtschaftslehre des Tourismus 1.3.1 Betriebswirtschaftliches Denken im touristischen Alltag . . . . . . 23 1.3.2 Ein integrierter Ansatz für das Tourismusmanagement . . . . . . . 25 1.3.3 Tourismusmanagement und Tourismusökonomie . . . . . . . . . . . . 29 1.3.4 Betriebswirtschaft und Tourismusmanagement in der Lehre . . 31 Leitfragen •• Was sollte man mitbringen oder erlernen, wenn man beruflich im Tourismus tätig sein möchte? •• Wodurch sind wachsende touristische Märkte gekennzeichnet? •• Welche grundlegenden Strategien bieten sich dagegen in gesättigten touristischen Märkten an? •• Was macht eine gute „betriebswirtschaftliche Denkhaltung“ im touristischen Alltag aus? •• Was versteht man unter einer Dienstleistungsorientierung? •• Warum erfordert ein betriebswirtschaftliches Modell für das Tourismusmanagement eine integrierte, ganzheitliche Perspektive? Wie ist die touristische Wertschöpfungskette in diesem Modell verankert? •• Welche Funktionsbereiche und Managementprozesse sind im Tourismusmanagement relevant? •• Welche weiteren Betrachtungsdimensionen sind im Tourismusmanagement wichtig? Warum? •• Wie wird Tourismusmanagement unterrichtet? •• Wie definiert man Tourismusmanagement und Tourismusökonomie? 1.3.1 Betriebswirtschaftliches Denken im touristischen Alltag Wer im Tourismus arbeitet, macht die Gestaltung des Urlaubs und der Freizeit des Gastes zu seinem Beruf: „Wir machen 365 Tage Urlaub im Jahr“ – so lautet ein Motto vieler Reiseunternehmen. Wie aber lassen sich Reisen, Urlaub und die damit verbundenen Erlebnisse und Emotionen professionell planen und organisieren? Tourismus ist ein äußerst vielfältiger Wirtschaftszweig, mit unterschiedlichen Wertschöpfungsstufen und Trägern. Vordergründig betrachtet ist ein Geschäftsreisehotel sicherlich anders durch eine Konjunkturkrise zu führen, als eine Abenteuerreisegruppe zu Pferd über einen Andenpass. Und „Airliner“, also Mitarbeiter von Fluggesellschaften „sind anders“ als die Mitarbeiter eines 1.3 Handlungsfelder einer Betriebswirtschaftslehre des Tourismus

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References

Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassendes Grundlagenwerk zur touristischen Betriebswirtschaftslehre

- Im deutschsprachigen Bereich ohne Beispiel

- Abdeckung aller wesentlichen Funktionsbereiche des Tourismus-Managements

- Eignung für Studierende und Praktiker

- Zahlreiche Praxis-Kurzbeiträge von Führungskräften

Zum Werk

Die Tourismusbranche gehört zu den am stärksten wachsenden, aber auch komplexesten Wirtschaftsbereichen.

Dieses Werk vermittelt erstmalig ein umfassendes betriebswirtschaftliches Grundwissen für die Tourismusbranche für Studium und Praxis, das alle wesentlichen Bereiche der Betriebswirtschaftslehre abdeckt. Es unterstützt Studierende und Praktiker bei der Entwicklung einer betriebswirtschaftlichen Denkhaltung, die sinnvolles aktives Handeln („Management“) im touristischen Geschäft ermöglicht.

Das Buch beschreibt auf der Basis eines integrierten Management-Modells Investition und Finanzierung, Beschaffung, Produktion und Marketing sowie die Managementprozesse Planung, Steuerung, Personalmanagement und Organisation. Den Abschluss bilden langfristige Überlegungen zur strategischen Unternehmensführung sowie zum nachhaltigen Tourismusmanagement.

Zahlreiche Experten-Statements von Führungskräften aus der Branche illustrieren die Praxisrelevanz.

Autoren

Prof. Dr. Felix Kolbeck und Prof. Dr. Marion Rauscher, Fakultät für Tourismus, Hochschule München

Zielgruppe

- Studierende der Bachelor-Studiengänge Tourismusmanagement, Masterstudiengänge, Weiterbildungsangebote (IHK, MBA, …) und Tourismusunternehmen.