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1.2.1 Der Wunsch nach Erholung und Erlebnis: Tourismusnachfrage in:

Felix Kolbeck, Marion Rauscher

Tourismus-Management, page 29 - 32

Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4486-5, ISBN online: 978-3-8006-4487-2, https://doi.org/10.15358/9783800644872_29

Bibliographic information
Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 13 1.2 Tourismus: Die  Sehnsucht nach  Traumstränden und -renditen 1.2.1 Der Wunsch nach Erholung und Erlebnis: Tourismusnach frage 14 1.2.1.1 Wichtige Begriffe und Abgrenzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 1.2.1.2 Historische Entwicklung der Tourismusnachfrage. . . . . . . . . . . . 15 1.2.2 Das Geschäft mit der Erholung und dem Erlebnis: Tourismusangebot . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 1.2.2.1 Wichtige Begriffe und Abgrenzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 1.2.2.2 Historische Entwicklung der Tourismusangebote . . . . . . . . . . . . 20 1.2.3 Tourismusmärkte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 Leitfragen •• Welche Tourismus-Kategorien unterscheidet die UNWTO? •• Wie kann man die Nachfrage nach touristischen Leistungen betriebswirtschaftlich sinnvoll beschreiben? •• Wie entwickelte sich die Tourismusnachfrage im Laufe der Zeit in Mitteleuropa? •• Welche besonderen Eigenschaften werden touristischen Produkten zugeschrieben? •• Warum spricht man beim touristischen Angebot von verschiedenen „Wertschöpfungsstufen“? •• Welches sind die zentralen touristischen Wertschöpfungsstufen, und wie unterscheiden sie sich voneinander? •• Was ist ein „touristisches Produkt“? •• Welche Stellung nehmen „touristische Attraktoren“ in einem touristischen Produkt ein? •• Wie entwickelte sich das Tourismusangebot in den verschiedenen Wertschöpfungsstufen historisch? •• Wie ist die Situation in den touristischen Wertschöpfungsstufen heute? Was sind die großen wirtschaftlichen Herausforderungen? •• Wie lassen sich touristische Märkte beschreiben? 1.2 Tourismus: Die Sehnsucht nach Traumstränden und -renditen Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 14 1. Grundlagen: Betriebswirtschaftslehre und Tourismus14 1.2.1 Der Wunsch nach Erholung und Erlebnis: Tourismus- Nachfrage 1.2.1.1 Wichtige Begriffe und Abgrenzungen Schon die Definition des Tourismus durch die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) aus dem Jahr 1993 zeigt sowohl die Breite, als auch die Unschärfe, die das Phänomen Tourismus auszeichnen: „Tourismus umfasst die Aktivitäten von Personen, die an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit-, Geschäfts- oder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten.“12 Zu den „bestimmten anderen Zwecken“, die stark an Bedeutung gewinnen, zählt insbesondere der Gesundheitstourismus. Neben diesen grundlegenden Tourismus-Motiven (Geschäft, Gesundheit und Erholung)13 existieren die statistisch erfassbaren Tourismus-Kategorien der UNWTO: Inlandstourismus Internationaler Tourismus Nationaler Tourismus Einreiseverkehr (Incoming Tourism) Binnenreiseverkehr (Domestic Tourism) Ausreiseverkehr (Outgoing Tourism) Abbildung 2: Kategorien des Tourismus14 Für eine verfeinerte Annäherung an die touristische Nachfrage bietet sich die Unterscheidung verschiedener Bedürfnisse an, die ein Tourist mit seiner Reise befriedigen will. Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive hat dies bedeutende Vorteile: •• Die Bedürfnisse des Kunden sind die zentralen Anknüpfungspunkte für die Entwicklung touristischer Produkte (Abschnitt 2.3) und deren Vermarktung. •• Sehr häufig sollen durch touristische Produkte beim Gast mehrere Bedürfnisse gleichzeitig angesprochen werden. •• Die Analyse von Bedürfnissen verfeinert die grundlegenden Tourismus- Motive und ermöglicht vertiefende, sozialpsychologische Fragestellungen im Tourismus. Nachfolgend werden einige zentrale Tourismus-Bedürfnisse anhand ihrer historischen Entwicklung in Mitteleuropa aufgezeigt. 12 Zitiert nach Freyer (2011), S. 2. 13 Vgl. Freyer (2011), S. 2–4. 14 In enger Anlehnung an Freyer (2011), S. 5. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 15 151.2 Tourismus: Die Sehnsucht nach Traumstränden und -renditen 1.2.1.2 Historische Entwicklung der Tourismusnachfrage Reisen hatten im Mittelalter meist keinen freiwilligen Charakter, sie waren maximal Mittel zum ökonomischen oder religiösen Zweck. „Geschäftsreisen“ waren in der Regel Handelsreisen, da sie mit Warentransporten verbunden waren. Im besten Fall führten sie über bedeutende Handelswege mit entsprechender Infrastruktur (Beherbergung, frische Pferde, Verpflegung), im schlechtesten Fall gingen ganze Schiffsladungen unter oder in Piratenbesitz über. Fahrende Handwerker und Gesellen mussten ihren Aufenthalt in fremden Städten belegen, indem sie die Wahrzeichen dieser Städte kannten – das hierdurch vermittelte „Ich war da!“ führt zu vagen Assoziationen mit Touristenpostkarten oder manchem facebook-Eintrag. Pilgerfahrten dagegen dienten dem Seelenheil des Reisenden, auch wenn diesen Reisen – wie dem Almosenwesen seiner Zeit – auch eine gewisse ökonomische Komponente innewohnte, wenn mit ihnen ein Ablass von zeitlichen Sünden gleichsam „erworben“ wurde. Jahrhundertelang war es Adel und Klerus vorbehalten, sich längere mit einem Ortswechsel verbundene Phasen der Ruhe und des Rückzugs leisten zu können. Meist erfolgte dies an vertrauten Orten (Sommerresidenzen, Jagdschlösser, …), an denen eine professionelle „Erholungsinfrastruktur“ geschaffen wurde: Musik, Theater, Gaukler und andere Formen zwischen Zerstreuung und Erbauung warteten auf ihre privilegierten Genießer. Erst im Zuge der Herausbildung des Bildungsbürgertums kam es Mitte des 19. Jahrhunderts vermehrt zu Reisen, die – durch Neugier und Entdeckergeist getrieben – bewusst fremde Orte zum Ziel hatten. Die in diese Zeit fallende Kolonialisierung und die zunehmend beliebte Reiseliteratur bedienten in den Kolonialmächten romantisierende, meist sehr realitätsferne Vorstellungen über die Ferne und die dort lebenden Menschen. Reisende trieb es auf die unerschlossenen Gipfel der Alpen, in das historisch bedeutende Ägypten und in die Exotik Afrikas. Das nachfolgende Industriezeitalter mit seinen Begleiterscheinungen der Verstädterung und der gesundheitlichen Probleme der Stadtbevölkerungen ließ die Erholung immer mehr zum zentralen Reisemotiv werden. Die beiden Zäsuren der Weltkriege konnten diese Entwicklung letztlich nur unwesentlich verlangsamen. So standen in den Wirtschaftswunderjahren der jungen Bundesrepublik das eigene Auto und die Massenmotorisierung nicht nur formal für eine erhöhte individuelle Reisemobilität im nahen und mittleren Entfernungsbereich. Vielmehr wurde das Auto auch Status- und Freiheitssymbol. Interessanterweise gewannen parallel dazu organisierte Reisen massiv an Bedeutung, zunächst per Bahn, aber Mitte der 60er-Jahre auch per Flugzeug. Hier standen zusätzliche Bedürfnisse Pate: Sicherheit und Qualitätsempfinden. Ab den 80er-Jahren rückte neben der Erholung das Erlebnis oder singuläre Freizeitereignis („Event“) in den Vordergrund, nicht zuletzt getrieben von dem Versuch, sich von der erholungssuchenden Masse abzuheben („Ich war dabei!“). Im Grunde schließt sich damit der Kreislauf unserer kurzen Betrachtung der Entwicklung der Reisebedürfnisse. Denn wie sich einst der Adel qua Stand und Symbolik wie oben beschrieben abgrenzte, gehört heute für viele Menschen ihr Freizeit- und Reiseverhalten zur eigenen Identifikation, aber auch zur Selbstdar- Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 16 1. Grundlagen: Betriebswirtschaftslehre und Tourismus16 stellung nach außen. Ein Grund für die stets wiederkehrenden Bedürfnisse im Tourismus mag auch darin liegen, dass verschiedene Träume der Menschheit mit dem Tourismus eng verbunden sind: Der Traum vom Fliegen, der Reiz fremder Länder und Kulturen sowie der Drang, gewohnte Bahnen verlassen und Grenzen erreichen zu wollen. Folgerichtig finden sich die im Laufe der Tourismusgeschichte entstandenen Reisemotive gleichsam vereint in vielen aktuellen Entwicklungen und Reiseformen wieder. Das Reiseverhalten wird somit zum Ausdruck bestimmter, mehr oder weniger klar abgrenzbarer Lebensstile . Diese werden seit der Jahrtausendwende unter anderem von den Themen Luxus (sich etwas gönnen), Gesundheit, Nachhaltigkeit und bewusste Lebensführung geprägt. 1.2.2 Das Geschäft mit der Erholung und dem Erlebnis: Tourismus-Angebot 1.2.2.1 Wichtige Begriffe und Abgrenzungen Die parallele Ansprache verschiedener menschlicher (Grund-)Bedürfnisse macht den Tourismus zu einem hochemotionalen Phänomen. Für die Anbieter touristischer Leistungen bedeutet dies, dass ihre Produkte und deren Vermarktung sehr komplex sein können. Die Definition des touristischen Angebotes erfolgt in zwei Schritten, siehe Abb. 3: 1. Zunächst muss das touristische Angebot im System der Wirtschaftsgüter15 „lokalisiert“ werden. 2. Anschließend muss die Dienstleistungskomponente des touristischen Produktes hinsichtlich ihrer zeitlichen Entstehung in verschiedene touristische Wertschöpfungsstufen aufgeteilt werden,16 da sie in der Regel von verschiedenen Anbietern bereitgestellt werden.17 Definition Ein touristisches Produkt entsteht durch die Produktion und ggf. Kombination touristischer Dienstleistungen17, die sich als spezifische Ausprägungen einer oder mehreren touristischen Wertschöpfungsstufen zuordnen lassen. Neben diesen Dienstleistungen kann das touristische Produkt die Zurverfügungstellung von Sachgütern und Informationen beinhalten. ! Die Dienstleistungskomponenten touristischer Produkte zeichnen sich durch bestimmte Eigenschaften aus:18 15 Zum System der Wirtschaftsgüter allgemein vgl. Thommen, Achleitner (2009), S. 39 und Maleri, Frietzsche (2008), S. 36. 16 Vgl. Freyer (2011), S. 136–138, Dettmer, Hausmann, Schulz (2008), S. 78 und Bieger (2007), S. 45–53. 17 Eine exakte, knappe Definition des Dienstleistungsbegriffs ist schwierig, da sie potenzial-, prozess- oder ergebnisorientiert erfolgen kann, vgl. Meffert, Bruhn (2009), S. 19. 18 Vgl. Freyer (2011), S. 135, Haller (2010), S. 9 sowie in Bezug auf Dienstleistungen allgemein Fließ (2009), S. 11–25.

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References

Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassendes Grundlagenwerk zur touristischen Betriebswirtschaftslehre

- Im deutschsprachigen Bereich ohne Beispiel

- Abdeckung aller wesentlichen Funktionsbereiche des Tourismus-Managements

- Eignung für Studierende und Praktiker

- Zahlreiche Praxis-Kurzbeiträge von Führungskräften

Zum Werk

Die Tourismusbranche gehört zu den am stärksten wachsenden, aber auch komplexesten Wirtschaftsbereichen.

Dieses Werk vermittelt erstmalig ein umfassendes betriebswirtschaftliches Grundwissen für die Tourismusbranche für Studium und Praxis, das alle wesentlichen Bereiche der Betriebswirtschaftslehre abdeckt. Es unterstützt Studierende und Praktiker bei der Entwicklung einer betriebswirtschaftlichen Denkhaltung, die sinnvolles aktives Handeln („Management“) im touristischen Geschäft ermöglicht.

Das Buch beschreibt auf der Basis eines integrierten Management-Modells Investition und Finanzierung, Beschaffung, Produktion und Marketing sowie die Managementprozesse Planung, Steuerung, Personalmanagement und Organisation. Den Abschluss bilden langfristige Überlegungen zur strategischen Unternehmensführung sowie zum nachhaltigen Tourismusmanagement.

Zahlreiche Experten-Statements von Führungskräften aus der Branche illustrieren die Praxisrelevanz.

Autoren

Prof. Dr. Felix Kolbeck und Prof. Dr. Marion Rauscher, Fakultät für Tourismus, Hochschule München

Zielgruppe

- Studierende der Bachelor-Studiengänge Tourismusmanagement, Masterstudiengänge, Weiterbildungsangebote (IHK, MBA, …) und Tourismusunternehmen.