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2.3.1 Fallbeispiel: Touropa – TUI – Touropa in:

Felix Kolbeck, Marion Rauscher

Tourismus-Management, page 142 - 145

Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4486-5, ISBN online: 978-3-8006-4487-2, https://doi.org/10.15358/9783800644872_142

Bibliographic information
Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 129 2.3 Produktion 2.3.1 Fallbeispiel: Touropa – TUI – Touropa. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130 2.3.2 Produktionsprozesse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132 2.3.2.1 Überblick: Struktur der Produktionsprozesse . . . . . . . . . . . . . . . . 132 2.3.2.2 Besonderheiten in der Produktion touristischer Dienstleistungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 2.3.2.3 Ausgewählte Produktionsprozesse im Tourismus . . . . . . . . . . . . 135 2.3.2.3.1 Reiseveranstalter: Produktion einer Pauschalreise . . . . . . . . . . . . 135 2.3.2.3.2 Hotellerie: Produktion einer Übernachtungsleistung. . . . . . . . . . 137 2.3.2.3.3 Fluggesellschaften: Produktion eines Linienfluges . . . . . . . . . . . 138 2.3.2.3.4 Event-Agenturen: Produktion einer Großveranstaltung . . . . . . . 140 2.3.2.3.5 Schifffahrtsunternehmen: Produktion einer Kreuzfahrt . . . . . . . 141 2.3.3 Grundlegende Elemente der Produktionstheorie . . . . . . . . . . . . . 142 2.3.3.1 Produktionsfaktoren und Produktionsfunktionen . . . . . . . . . . . . 142 2.3.3.2 Kostenfunktionen, -begriffe und -verläufe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144 2.3.3.3 Produktion als kostenminimale Faktorkombination . . . . . . . . . . 147 2.3.3.4 Economies of Scale, Economies of Scope. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148 2.3.4 Produktionsstandorte im Tourismus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 2.3.5 Stimmen aus der Praxis: Marcus Minzlaff, TUI Deutschland GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 152 Leitfragen •• Nach welchen Kriterien lassen sich Produktionsprozesse strukturieren? Welche Beispiele lassen sich in der Tourismusbranche für unterschiedliche Produktionsprozesse finden? •• Warum gelten für die Produktion touristischer Dienstleistungen Besonderheiten – und worin äußern sie sich? •• Welches sind die Kernprozesse in der Produktion eines Reiseveran stalters? •• Was kann – in Abgrenzung zu anderen touristischen Produktionsprozessen – als Hauptmerkmal der Produktion von Übernachtungsleistungen in der Hotellerie angesehen werden? •• Auch wenn die Reisedurchführung durch die touristischen Leistungsträger sichergestellt wird: Welche Aufgaben können sich hier für den Reiseveranstalter ergeben? •• Bei einer Fluggesellschaft treffen der Produktionsprozess der Airline und der Konsumtionsprozess des Fluggastes aufeinander. Welche Interaktionen laufen zwischen beiden ab? •• Warum sind die Produktionsstrukturen bei Event-Agenturen oft nur temporärer Natur? 2.3 Produktion Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 130 2. Funktionsbereiche: Kernelemente touristischer Wertschöpfung130 •• Die Produktion einer Kreuzfahrt weist Produkt- und Prozesselemente von Reiseveranstaltern, Hotelunternehmen, Verkehrsträgern und Eventagenturen auf. Was ist dann ein Kreuzfahrtschiff? •• Worin unterscheiden sich die betriebswirtschaftlichen Produktionsfaktoren von den Produktionsfaktoren aus volkswirtschaftlicher Sicht? •• Was stellt eine Produktionsfunktion dar? •• Was versteht man unter einer partiellen Faktorsubstitution? •• In eine touristische Dienstleistung gehen meist verschiedene Leistungselemente als Faktoren ein. Sind diese untereinander substituierbar? •• Wie kann man einen degressiven Verlauf von Grenzkosten beschreiben? •• Die Gestaltung der Produktionsabläufe kann einen großen Einfluss auf die Kostenentwicklung haben. Welche Beispiele lassen sich aus der Tourismusbranche anführen? •• Warum steht eine Minimalkostenkombination für eine gleichermaßen technisch effiziente wie kostenminimale Produktionsweise? •• Welche grundsätzlichen Standortstrategien lassen sich in der Tourismusbranche identifizieren? •• Warum gibt es Mischformen dieser Strategien? 2.3.1 Fallbeispiel: Touropa – TUI – Touropa Im Oktober 1948 gründete sich in München eine Arbeitsgemeinschaft aus Deutsches Reisebüro (DER), Hapag-Lloyd Reisebüro, Amtl. Bayer. Reisebüro (ABR) und Reisebüro Dr. Carl Degener. Ab 1951 firmierte diese Arbeitsgemeinschaft als Reiseveranstalter mit dem Namen Touropa. 1968/69 erfolgte die Fusion mit den Veranstaltern Scharnow, Hummel und Dr. Tigges zur Touristik Union International – die TUI war geboren.140 Der Markenname Touropa verschwand anschließend nach und nach. Pauschalreisen waren in den Nachkriegsjahren zunächst ein neues Produkt, das rasant an Bekanntheit und Bedeutung gewann, so dass das Nachrichtenmagazin „DER SPIEGEL“ im Juli 1956 titelte: „Geselligkeitsreisen von der Stange“.141 Die „Stange“, von dem der Urlauber die Reise nehmen konnte, war der Reisekatalog. Details zu diesem neuen Reiseprodukt „Geselligkeitsreise“ mussten den potentiellen Kunden im Reisekatalog eine Zeit lang noch erklärt werden. So hieß es etwa im „Touropa Ferienführer 1953“ zu den oberbayerischen Zielorten: „An einem oder mehreren Abenden (…) finden sich die Geselligkeit liebenden Teilnehmer mit den Einheimischen zu einem Heimatabend oder einer sonstigen Unterhaltung zusammen. Alle diese Veranstaltungen stehen zur Auswahl, niemand aber ist auch nur im leisesten dazu gezwungen, daran teilzunehmen.“142 140 Vgl. Schneider (2001), S. 71–74 und S. 103 f. 141 Vgl. DER SPIEGEL (1956), Titelseite und den sehr lesenswerten Leitartikel auf S. 20–27. 142 Touropa Ferienführer (1953), S. 2. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 131 1312.3 Produktion Touropa will „(…) einer ständig wachsenden Zahl von Reisefreunden eine Ferienreise gestalten, die bei einem Minimum an Kosten ein Maximum an Erholung und weit über die Urlaubstage hinausstrahlende Lebensfreude beschert. Wie aber ist ein niedriger Preis bei hoher Qualität der Reise möglich?“144 Die letzte Frage hatte auch im Jahr 2004 nicht an Bedeutung verloren, als wieder ein neu gegründetes Unternehmen mit der Marke Touropa an den Start ging: touropa.com. Es handelte sich um ein Joint Venture der TUI mit dem Unternehmer und früheren TUI-Manager Georg Eisenreich. Auf der website touropa. com heißt es zur Unternehmensphilosophie: „touropa.com hat alle Abläufe der Veranstalterreise online ins Web übersetzt und realisiert dadurch Vorteile in punkto Geschwindigkeit, Prozesskosten und bei der Informationsqualität.“145 Egal ob klassische Katalogproduktion oder „virtuelle Produktion“ von Reisen im Internet, die betriebswirtschaftliche Kernfrage in der Produktion bleibt stets dieselbe: Wie können Kosten und Preis klein gehalten werden, ohne dass die Produktqualität leidet, um im Markt wettbewerbsfähig zu sein? Nur wird diese Frage heute anders beantwortet als vor 60 Jahren. 143 Titelbild des Reisekatalogs „Touropa Ferienführer 1958“ und die Website der Touropa. com im Februar 2012. 144 Touropa Ferienführer (1953), S. 1. 145 Touropa (2012). Abbildung 36: Produktionsmodelle der Touropa 1958 und der Touropa 2012143 Touropa 1958 • Klassischer Reiseveranstalter • Vorratsproduktion Touropa 2012 • Virtueller Reiseveranstalter • Kundenindividuelle Auftragsproduktion Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 132 2. Funktionsbereiche: Kernelemente touristischer Wertschöpfung132 2.3.2 Produktionsprozesse 2.3.2.1 Überblick: Struktur der Produktionsprozesse Produktionsprozesse lassen sich nach vielen Kriterien systematisieren (Abbildung 37). 146 Die Auswahl und die Anwendung einer bestimmten Prozessart hängen stark davon ab, welche Ziele der Produktion zu Grunde liegen sollen. Wesentliche Ziele können in einer hohen Qualität, möglichst niedrigen Kosten und einer angemessen Umweltverträglichkeit gesehen werden. Da Zielkonflikte schon bei diesen noch recht grob gefassten Hauptzielen offensichtlich sind, kann die Entscheidung für ein bestimmtes Qualitäts-, Kosten- und Umweltverträglichkeitsniveau nur strategisch aus der Produktpolitik147 heraus getroffen werden. Allerdings ist bei der Produktion von touristischen Dienstleistungen zu beachten, dass die Produktqualität hinsichtlich Definition, Normierung und Messung deutlich schwerer zu „fassen“ ist als etwa die Produktqualität industriell gefertigter Sachgüter.148 Was heißt beispielsweise „hohe Qualität“ einer Übernach- 146 Aufbauend auf Hutzschenreuter (2011), S. 241 und Dettmer, Hausmann (2008), S. 137. 147 Vgl. Abschnitt 2.4.4.1. 148 Zu Qualitätsdimensionen touristischer Dienstleistungen vgl. Mundt (2011), S. 491. Produktionsprozesse nach… • Einproduktfertigung • Mehrproduktfertigung • Auftragsproduktion • Vorratsproduktion ?Virtuelle Veranstalter ?Klassische Veranstalter • Manuell • Teilautomatisiert • Vollautomatisiert • Gruppenfertigung • Werkstattfertigung • Fließfertigung • Einstufig • Mehrstufig • Einzelfertigung • Serienfertigung • Massenfertigung Individuelle Weltreise Standard-Pauschalreise Wellness-Special zu Silvester ?Nischenanbieter ? „Vollsortimenter“ Ticketverkauf am Skilift 10er Karte Elektronische Abbuchung Anzahl der Produkte Anstoß der Fertigung Automatisierungsgrad Stufigkeit Organisation der Fertigung Fertigungsmenge Heubad Wellness-Verwöhntag Gussüberzug von Mehlspeisen Küche, Patisserie Systemgastronomie Abbildung 37: Produktionsprozesse mit Beispielen aus dem Tourismus146

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Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassendes Grundlagenwerk zur touristischen Betriebswirtschaftslehre

- Im deutschsprachigen Bereich ohne Beispiel

- Abdeckung aller wesentlichen Funktionsbereiche des Tourismus-Managements

- Eignung für Studierende und Praktiker

- Zahlreiche Praxis-Kurzbeiträge von Führungskräften

Zum Werk

Die Tourismusbranche gehört zu den am stärksten wachsenden, aber auch komplexesten Wirtschaftsbereichen.

Dieses Werk vermittelt erstmalig ein umfassendes betriebswirtschaftliches Grundwissen für die Tourismusbranche für Studium und Praxis, das alle wesentlichen Bereiche der Betriebswirtschaftslehre abdeckt. Es unterstützt Studierende und Praktiker bei der Entwicklung einer betriebswirtschaftlichen Denkhaltung, die sinnvolles aktives Handeln („Management“) im touristischen Geschäft ermöglicht.

Das Buch beschreibt auf der Basis eines integrierten Management-Modells Investition und Finanzierung, Beschaffung, Produktion und Marketing sowie die Managementprozesse Planung, Steuerung, Personalmanagement und Organisation. Den Abschluss bilden langfristige Überlegungen zur strategischen Unternehmensführung sowie zum nachhaltigen Tourismusmanagement.

Zahlreiche Experten-Statements von Führungskräften aus der Branche illustrieren die Praxisrelevanz.

Autoren

Prof. Dr. Felix Kolbeck und Prof. Dr. Marion Rauscher, Fakultät für Tourismus, Hochschule München

Zielgruppe

- Studierende der Bachelor-Studiengänge Tourismusmanagement, Masterstudiengänge, Weiterbildungsangebote (IHK, MBA, …) und Tourismusunternehmen.