Content

2.1.4 Finanzierung in:

Felix Kolbeck, Marion Rauscher

Tourismus-Management, page 103 - 110

Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4486-5, ISBN online: 978-3-8006-4487-2, https://doi.org/10.15358/9783800644872_103

Bibliographic information
Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 89 892.1 Investition und Finanzierung Bei zwei sich gegenseitig ausschließenden Investitionsmöglichkeiten gilt zwar grundsätzlich, dass diejenige zu wählen ist, die die höchste interne Verzinsung aufweist. Allerdings führt diese Entscheidungsgrundlage unter Umständen zu problematischen Ergebnissen, so dass die Resultate der internen Zinsfußmethode sorgfältig geprüft werden sollten.91 Zusammenfassend liefern die dynamischen Investitionsrechenverfahren fundierte Aussagen bezüglich der Vorteilhaftigkeit einer Investition. Sie finden beispielsweise in der Kreditanalyse von Banken oder im Rahmen von Machbarkeitsüberprüfungen touristischer Projekte – sogenannten Feasibility Studies – Anwendung. Voraussetzung ist jedoch, dass die zukünftigen Zahlungsströme verlässlich geschätzt werden können und – im Fall der Kapitalwertmethode oder Annuitätenmethode – ein Kalkulationszinsfuß zuverlässig ermittelt werden kann. 2.1.4 Finanzierung 2.1.4.1 Überblick über die Kapitalarten Die Finanzierung befasst sich mit der Mittelherkunft, also der Frage, welche Kapitalquellen überhaupt zur Verfügung stehen und welche letztendlich zur Finanzierung einer Investition eingesetzt werden sollen. Die Finanzierungsstruktur eines Unternehmens kann auf der Passivseite der Bilanz abgelesen werden. So stellte sich die Bilanz der Fluggesellschaft airberlin zum 31. März 2010 folgendermaßen dar: 91 Dies gilt insbesondere für sich schneidenden Kapitalwertkurven. Außerdem kann die IZF-Methode zu mathematischen Problemen führen, wenn eine Zahlungsreihe betrachtet wird, die einen mehrmaligen Vorzeichenwechsel in den verschiedenen Perioden aufweist. Abbildung 19: Kapitalwert bei unterschiedlichen Kalkulationszinsfüßen i K 0 IZF K 0 > 0 für IZF > i K 0 < 0 für IZF < i K 0 = 0 für IZF = i Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 90 2. Funktionsbereiche: Kernelemente touristischer Wertschöpfung90 Der Aufbau unterscheidet zwischen zwei Kapitalarten: Eigenkapital und Fremdkapital. Kapital der Unternehmenseigentümer taucht unter der Rubrik Eigenkapital auf. Unternehmensfremde finden ihre Kapitalmittel unter den langfristigen und kurzfristigen Verbindlichkeiten wieder, welche als Fremdkapital zusammengefasst werden (Abschnitt 3.2). Die beiden Kapitalarten weisen nach Abbildung 21 einige grundsätzliche Unterschiede auf. Von Eigenkapitalgebern spricht man – je nach Rechtsform –, wenn Eigentümer, Teilhaber oder Gesellschafter eines Unternehmens Kapital zur Verfügung stellen. Die Finanzierungskapazität ist dabei durch das private Vermögen des Eigenkapitalgebers begrenzt. Handelt es sich bei dem Unternehmen um eine Personenhandelsgesellschaft, so haften die Eigentümer voll mit ihrem persönlichen Vermögen. Bei Kapitalgesellschaften ist die Haftung auf die Kapitaleinlage der Eigentümer beschränkt, so dass im Gegensatz zu Personengesellschaften ein vermindertes Risiko der Kapitaleinlage vorliegt. Risiko, welches Eigenkapitalgeber zu tragen haben, kommt ebenfalls bei der Gewinn- und Verlustteilhabe zum Ausdruck. Sie haben Residualansprüche, was bedeutet, dass ihre Zahlungsansprüche erst dann bedient werden, wenn die Verpflichtungen 92 Vgl. airberlin (2010), S. 29. Abbildung 20: Passivseite der Bilanz der airberlin plc92 Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 91 912.1 Investition und Finanzierung gegenüber allen anderen Kapitalgebern beglichen wurden. Eigenkapitalgeber haben folglich nachrangige Ansprüche und können dadurch einerseits voll an möglichen Gewinnsteigerungen partizipieren. Andererseits besteht auch die Möglichkeit eines vollständigen Kapitalverlusts. Um dieses Risiko abzumildern, stehen den Unternehmenseigentümern gewisse Mitsprache- und Kontrollrechte zu. So sind beispielsweise die Aktionäre einer Aktiengesellschaft gemäß § 118 AktG berechtigt, auf der Hauptversammlung ihre Rechte, insbesondere ihr Stimmrecht, auszuüben. Weiterhin ist der Unternehmensgewinn, aus dem die Ausschüttungen an die Unternehmenseigentümer getätigt werden, voll zu besteuern. Eigenkapital wird schließlich ohne eine Rückzahlungsverpflichtung gewährt, so dass es zeitlich unbeschränkt zur Verfügung steht. Allgemein signalisiert hohes Eigenkapital eine solide Finanzbasis. Unternehmen mit hohem Eigenkapital können dieses einsetzen, um auch Perioden schwacher Geschäftsentwicklung zu überstehen, ohne in eine Zahlungsunfähigkeit zu geraten. Da dies Vertrauen gegenüber Investoren und Kreditgebern schafft, erhalten eigenkapitalstarke Unternehmen eher günstiges Kapital als eigenkapitalschwache. Im Gegensatz dazu basiert Fremdkapital auf einem schuldrechtlichen Vertrag, dem Kreditvertrag, der den Kapitalgeber zum Gläubiger des Unternehmens macht. Als solcher haftet er nicht für Unternehmensverbindlichkeiten. Seine Ansprüche ergeben sich aus dem Kreditvertrag und sind im Regelfall durch vertraglich fixierte Zins- und Tilgungszahlungen gekennzeichnet. Der Fremdkapitalgeber hat somit nicht die Möglichkeit, Gewinnsteigerungen zu verein- 93 In Anlehnung an Perridon, Steiner (2009), S. 358. Merkmal Eigenkapital Fremdkapital Rechtsstellung Eigentümer, Teilhaber oder Gesellschafter auf Basis des Gesellschaftervertrages Gläubiger auf Basis des Kreditvertrages Haftung Persönlich (Personengesellschaften) oder in Höhe der Einlage (Kapitalgesellschaften) Keine Haftung Ertragsansprüche Residualansprüche Kontraktbestimmte Ansprüche Mitsprache- und Kontrollrechte In der Regel ja In der Regel nein Steuerliche Belastung Gewinn besteuert Zinszahlungen steuerlich absetzbar Zeitliche Verfügbarkeit Zeitlich unbeschränkt In der Regel beschränkt Abbildung 21: Grundlegende Charakteristika von Eigen- und Fremdkapital93 Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 92 2. Funktionsbereiche: Kernelemente touristischer Wertschöpfung92 nahmen, trägt aber im Gegenzug auch kein vollständiges Verlustrisiko. Da die Zins- und Tilgungszahlungen zudem vorrangig den Eigenkapitalansprüchen gegenüber bedient werden, folgt auch hieraus ein gegenüber dem Eigenkapital vermindertes Risiko. Zinszahlungen stellen auf Unternehmensebene Aufwendungen dar, so dass sie in gewissem Rahmen steuerlich absetzbar sind. Schließlich steht das Fremdkapital nur zeitlich befristet zur Verfügung, denn im Kreditvertrag ist üblicherweise eine Tilgungsfrist vereinbart. Zusammenfassend geht es bei einer Finanzierung nicht nur um die Aufnahme finanzieller Mittel, sondern es werden zugleich Zahlungs-, Informations-, Kontroll- und Sicherungsbeziehung zwischen Unternehmen und Finanzier festgelegt.94 Neben dem Kriterium der Rechtsstellung können Kapitalquellen nach der Mittelherkunft in Außen- und Innenfinanzierungsquellen unterschieden werden. 2.1.4.2 Außenfinanzierung Die Außenfinanzierung umfasst sämtliche Kapitalmittel, die einem Unternehmen von extern zufließen, die es also nicht selbst durch seinen Leistungserstellungsprozess generiert. Als Kapitalgeber können die verschiedensten Gruppen auftreten: Eigentümer, Banken, Lieferanten, Kunden, etc. Werden Zahlungsmittel von bisherigen oder neuen Eigentümern des Unternehmens zur Verfügung gestellt, so spricht man von einer Beteiligungsfinanzierung. Je nach Rechtsform des Unternehmens ist diese mehr oder weniger zur Kapitalaufnahme geeignet. Da die Eigenkapitalgeber von Personengesellschaften eine persönliche Haftung zu tragen haben und die Finanzierungskapazität zudem durch das persönliche Vermögen des Kapitalgebers begrenzt ist, weist die Beteiligungsfinanzierung in der Regel ein deutlich geringeres Volumen auf als bei Kapitalgesellschaften. Bei Letzteren gilt zwar eine begrenzte Haftung. Für GmbHs ist der Rückgriff auf eine Beteiligungsfinanzierung dennoch schwierig. Das liegt daran, dass GmbH-Anteile an keinem organisierten Markt gehandelt werden und eine Übertragung notariell beurkundet werden muss. Die Beteiligungsfinanzierung eignet sich hingegen insbesondere für emissionsfähige Unternehmen, als solche, die einen Zugang zur Börse haben. Hierzu 94 Vgl. Drukarczyk (2006), S. 402. Außenfinanzierung Innenfinanzierung Eigenfinanzierung Beteiligungsfinanzierung Überschussfinanzierung Vermögensumschichtung Fremdfinanzierung Kreditfinanzierung Rückstellungsfinanzierung Abbildung 22: Finanzierungsquellen nach Kapitalart und -herkunft Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 93 932.1 Investition und Finanzierung zählen unter anderem die KGaA und die AG. Deren Anteile sind meist breit gestreut und zudem sehr fungibel. Das bedeutet, dass Kapitalgeber sich bereits mit einem kleinen Betrag beteiligen können und in der Lage sind, ihre Anteile leicht weiter zu veräußern, so dass sie nur ein eingeschränktes Risiko auf sich nehmen.95 Die Aufnahme von Eigenkapital von emissionsfähigen Unternehmen erfolgt über eine Kapitalerhöhung , welche in den §§ 182–220 AktG geregelt ist. Der Normalfall ist die ordentliche Kapitalerhöhung der §§ 182–191 des AktG, bei der das Grundkapital der Gesellschaft durch die Ausgabe neuer (junger) Aktien steigt. Interessierte Investoren können die neuen Aktien zeichnen und leisten im Gegenzug eine Bar- oder auch eine Sacheinlage an die Gesellschaft und werden so zu Miteigentümern. „Die Air Berlin PLC hat die heute morgen angekündigte Kapitalerhöhung erfolgreich abgeschlossen und insgesamt 23 Millionen Euro durch die Ausgabe neuer Aktien eingenommen. Durch die Ausgabe der Aktien wird das Grundkapital um rund 10 Prozent erhöht. Die Erlöse der Transaktion sollen für allgemeine Unternehmenszwecke verwendet werden.“ (Pressemeldung der Air Berlin vom 4.6.2009.) Die Kreditfinanzierung ist eine Form der Außenfinanzierung, bei der es sich um Fremdkapital handelt. Diese spielt in Deutschland eine weitaus größere Rolle als die Beteiligungsfinanzierung. Aufgrund der breit gefächerten Ausgestaltung von Kreditfinanzierungen ist es nahezu unmöglich, eine vollständige Klassifikation der verschiedenen Formen vorzunehmen. Ihnen allen ist jedoch gemein, dass kreditnehmende Unternehmen im Regelfall eine planmäßige Zinszahlung zu leisten und den ausgeliehenen Betrag gemäß eines vereinbarten Tilgungsplans zurückzuzahlen haben. Eine genauere Unterscheidung ist nach den folgenden Kriterien möglich, wobei dies keine vollständige Auflistung darstellt: •• Laufzeit (kurz-, mittel-, langfristig, unbefristet) •• Tilgungsstruktur (endfällig, Raten-, Annuitätenzahlung) •• Zahlungsrang (vorrangig, nachrangig) •• Besicherung (blanko, Personensicherheit, Sachsicherheit) •• Zinszahlung (fix, variabel, erfolgsabhängig) •• Währung (Heimat-, Fremdwährung) •• Verwendungsart (Konsumenten-, Investitions-, Außenhandelskredit) •• Kapitalgeber (Kreditinstitute, Kunden, Kapitalmarkt, Gesellschafter) 2.1.4.3 Innenfinanzierung Die Innenfinanzierung umfasst sämtliche Zahlungsmittel, die das Unternehmen selbst generieren kann. Handelt es sich dabei um die aus dem Leistungserstellungsprozess erwirtschafteten Überschüsse eines Unternehmens, so spricht man von einer Überschussfinanzierung . Diese kann weiter in die Selbstfinanzierung und die Abschreibungsfinanzierung untergliedert werden. Selbstfinanzierung bedeutet die Thesaurierung von Gewinnen. Erwirtschaftete 95 Zu den verschiedenen Unternehmensrechtsformen sowie den Aktienformen vgl. Abschnitt 1.5. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 94 2. Funktionsbereiche: Kernelemente touristischer Wertschöpfung94 Überschüsse werden also nicht an die Gesellschafter ausgeschüttet, sondern verbleiben im Unternehmen und werden reinvestiert. So ist im Geschäftsbericht der airberlin für das Jahr 2009 zu lesen: „Zur FINANZIERUNG IHRES WACHSTUMS und ihrer Investitionen mit einer möglichst hohen Quote an selbst erwirtschafteten Mitteln sowie zur Stärkung ihrer Bilanz wird airberlin aller Voraussicht nach erzielte Gewinne in den nächsten Jahren reinvestieren.“ (airberlin, Geschäftsbericht 2010, S. 28.) Die Abschreibungsfinanzierung macht sich die Zahlungsunwirksamkeit von Abschreibungen zunutze. Abschreibungen stellen den Werteverzehr eines Vermögensgegenstandes dar und werden beim Verkauf einer darauf basierenden Leistung in deren Verkaufspreis mit einberechnet. Dem Unternehmen fließen auf diese Weise liquide Mittel in Höhe der Abschreibungsgegenwerte zu. In der Finanzbuchführung hingegen stellen Abschreibungen eine Aufwandsposition der Berichtsperiode dar. Sie wirken gewinnmindernd, so dass die korrespondierenden liquiden Mittel nicht an die Anteilseigner ausgeschüttet werden können, sondern im Unternehmen verbleiben. Kurz: Abschreibungen sind Aufwendungen einer Periode, die erst in zukünftigen Perioden auszahlungswirksam werden.96 In der Zwischenzeit stehen die liquiden Mittel der Abschreibungsgegenwerte dem Unternehmen für Finanzierungszwecke zur Verfügung und man spricht von einer Abschreibungsfinanzierung. Bei der Vermögensumschichtung handelt es sich um die Umwandlung von gebundenem Vermögen in liquide Mittel. Ein Beispiel hierfür ist der Verkauf von nicht betriebsnotwendigen Vermögen wie beispielsweise die Ver- äußerung eines nicht mehr benötigten Grundstücks einer Hotelgesellschaft. Hierdurch verringert sich das Sachanlagevermögen und die liquiden Mittel steigen im selben Ausmaß an. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wird nicht das für Finanzierungszwecke benötigte Kapital erhöht, sondern es wird lediglich freigesetzt. Auch die Freisetzung von gebundenem Kapital durch Rationalisierungs maßnahmen fällt unter die Vermögensumschichtung. Hierzu zählen auch Outsourcing -Maßnahmen wie die Übertragung der Reinigungsdienste an externe Dienstleister oder der automatisierte Check-in in der Budget Hotellerie.97 Die Finanzierung aus Rückstellungen verläuft nach demselben Prinzip wie die Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten. Die Bildung von Rückstellungen mindert den Jahresüberschuss. Sofern der Gegenwert durch die Umsatzerlöse erwirtschaftet wird, steht dieser dem Unternehmen als liquide Mittel zur Verfügung – so lange, bis die Rückstellungen aufgelöst bzw. in Anspruch werden. Erst dann kommt es zu einer Auszahlung, durch die das Kapital wieder abfließt. Insofern hat die Fristigkeit der Rückstellungen einen entscheidenden Einfluss auf die Finanzierungsdauer. Zu den kurz- und mittelfristigen Rückstellungen gehören beispielsweise Steuerrückstellungen, Rückstellungen für unterlassene Instandhaltung oder Gewährleistungsrückstellungen. Langfristige Rückstellungen sind typischerweise Pensionsrückstellungen. In der Bilanz finden sich 96 Zum Unterschied zwischen Ausgabe, Auszahlung und Aufwand vgl. Abschnitt 3.2. 97 Vgl. Schumacher, Weisinger (2009), S. 75. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 95 952.1 Investition und Finanzierung Rückstellungen als Bestandteil der Verbindlichkeiten und stellen folglich Verpflichtungen gegenüber Dritten dar. Die Finanzierung aus Rückstellung ist also eine innerbetriebliche Fremdfinanzierung. Abbildung 23 zeigt die Finanzierungsquellen deutscher Unternehmen (ohne Finanzinstitute) für das Jahr 2008: Die vorangegangene Vorstellung der einzelnen Instrumente ist nicht abschlie- ßend. Insbesondere kommen im touristischen Bereich häufig spezielle Finanzierungsinstrumente wie beispielsweise Leasing-Konstruktionen im Bereich der Flugzeug- oder auch Schiffsfinanzierung zum Einsatz (Abschnitt 2.2). Ebenso treten häufig öffentliche Institutionen als externe Kapitalgeber auf, die zinsgünstige Darlehen oder Subventionen gewähren (Abschnitt 1.4). Schließlich kommen bei der Finanzierung von touristischen Großprojekten spezifische Finanzierungsformen wie zum Beispiel die Projektfinanzierung zum Einsatz.99 2.1.4.4 Kapitalkosten Die Aufnahme von Kapital verursacht Kosten beim Kapitalnehmer. Im Rahmen der Investitionsrechnung finden sich die Kapitalkosten als Kalkulationszinsfuß wieder, welcher zur Beurteilung der Vorteilhaftigkeit einer Investition notwendig ist. Im Beispiel des Freizeitparks wurde eine vollständige Fremdfinanzierung angenommen, so dass die Kapitalkosten dem Bankfinanzierungszins entsprochen haben. Es handelt sich ausschließlich um Fremdkapitalkosten, die mit dem Gläubiger im Kreditkontrakt in Form der Finanzierungszinsen vereinbart werden. Doch auch die Eigenkapitalaufnahme verursacht Kosten beim Unternehmen, obwohl keine vertraglich vereinbarten Zahlungsverpflichtungen zu leisten 98 Vgl. Deutsche Bundesbank (2008). Die aktuellere Statistik für das Jahr 2009 ist aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht repräsentativ, weshalb auf ihre Darstellung an dieser Stelle verzichtet wurde. 99 Vgl. hierzu Böttcher, Blattner (2010). Position Betrag (in Mrd. €) Innenfinanzierung 279,2 Selbstfinanzierung 73,1 Abschreibungsfinanzierung 206,2 Außenfinanzierung 104,2 davon bei Banken 50,2 davon über Pensionsrückstellungen 2,9 Abbildung 23: Finanzierungsquellen in Deutschland in 200898 Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 96 2. Funktionsbereiche: Kernelemente touristischer Wertschöpfung96 sind. Die Frage ist jedoch: weshalb sollten Eigenkapitalgeber ihr Kapital dem Unternehmen überlassen, wenn sich ihnen noch andere Anlagemöglichkeiten bieten? Das werden sie nämlich nur dann tun, wenn sie für die Kapitalbereitstellung und das damit implizit übernommene Risiko mit einer angemessenen Rendite entlohnt werden. Diese muss mindestens so hoch sein, wie die beste Alternativanlagemöglichkeit der Eigenkapitalgeber, um diese dazu bewegen, ihr Kapital in das Unternehmen zu investieren. Insofern sind Eigenkapitalkosten die Opportunitätskosten, die das Unternehmen dem Investor vergütet, da er auf eine alternative (risikoadäquate) Anlagemöglichkeit verzichtet. In aller Regel bestehen die Finanzierungsmittel eines Unternehmens sowohl aus Eigen- als auch aus Fremdkapital. Es trägt damit sowohl Eigenkapitalkosten (ie) als auch Fremdkapitalkosten (iF). Die Gesamtkosten entsprechen den gewogenen durchschnittlichen Kapitalkosten oder Weighted Average Cost of Capital (WACC) (8) = +E F Eigenkapital Fremdkapital WACC i · i · Gesamtkapital Gesamtkapital , mit Gesamtkapital = Eigenkapital + Fremdkapital, wobei hier von Steuern abstrahiert wurde. Grundsätzlich gilt: je höher das Risiko eines Zahlungsausfalls beurteilt wird, desto höher sind die Kapitalkosten, da der Investor eine höhere Vergütung für das übernommene Risiko fordert.100 So betrugen die Kapitalkosten des TUI Konzerns im Geschäftsjahr 2010/2011 10,75 %, während sie im Vorjahr noch bei 10,5 % lagen.101 Da Eigenkapital haftet, keine vertraglich vereinbarten Zahlungen existieren und zudem erst nach dem Fremdkapital bedient wird, ist dieses riskanter als Fremdkapital. Regelmäßig übersteigen daher die Eigenkapitalkosten die Fremdkapitalkosten. 2.1.5 Kennzahlen der finanzwirtschaftlichen Analyse Zur Beurteilung der finanzwirtschaftlichen Leistung eines Unternehmens werden bestimmte Kennzahlen herangezogen. Von der Vielzahl an Kennzahlen, die existieren, werden einige bekannte hier vorgestellt. Sie können übergeordnet in die Gruppe der Liquiditätskennzahlen, der Kapitalstrukturkennzahlen sowie der Vermögenskennzahlen eingeordnet werden. Wie eingangs erwähnt, stellen Unternehmen Finanzpläne auf, um Ein- und Auszahlungen zu prognostizieren, Investitionsmöglichkeiten zu evaluieren und Finanzierungsmittel zu prüfen. Im Rahmen der Berechnung und Steuerung der Zahlungsströme ist es wichtig, jederzeit eine ausreichende Liquidität zu 100 Mit der Beurteilung der Zahlungsfähigkeit beschäftigt sich auch das sogenannte Rating von Banken oder Ratingagenturen. Hierbei werden mittels analytischer Verfahren Ausfallwahrscheinlichkeiten berechnet. Daraus leitet sich eine bestimmte Kreditwürdigkeit (Bonität) ab, der ein Code – das Rating – zugeordnet wird. Auf diese Weise werden Unternehmen und Institutionen gemäß ihrer Bonität in bestimmte Risikokategorien eingeordnet, nach denen sich die Zinszahlungen richten. 101 Vgl. TUI (2011), S. 60.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassendes Grundlagenwerk zur touristischen Betriebswirtschaftslehre

- Im deutschsprachigen Bereich ohne Beispiel

- Abdeckung aller wesentlichen Funktionsbereiche des Tourismus-Managements

- Eignung für Studierende und Praktiker

- Zahlreiche Praxis-Kurzbeiträge von Führungskräften

Zum Werk

Die Tourismusbranche gehört zu den am stärksten wachsenden, aber auch komplexesten Wirtschaftsbereichen.

Dieses Werk vermittelt erstmalig ein umfassendes betriebswirtschaftliches Grundwissen für die Tourismusbranche für Studium und Praxis, das alle wesentlichen Bereiche der Betriebswirtschaftslehre abdeckt. Es unterstützt Studierende und Praktiker bei der Entwicklung einer betriebswirtschaftlichen Denkhaltung, die sinnvolles aktives Handeln („Management“) im touristischen Geschäft ermöglicht.

Das Buch beschreibt auf der Basis eines integrierten Management-Modells Investition und Finanzierung, Beschaffung, Produktion und Marketing sowie die Managementprozesse Planung, Steuerung, Personalmanagement und Organisation. Den Abschluss bilden langfristige Überlegungen zur strategischen Unternehmensführung sowie zum nachhaltigen Tourismusmanagement.

Zahlreiche Experten-Statements von Führungskräften aus der Branche illustrieren die Praxisrelevanz.

Autoren

Prof. Dr. Felix Kolbeck und Prof. Dr. Marion Rauscher, Fakultät für Tourismus, Hochschule München

Zielgruppe

- Studierende der Bachelor-Studiengänge Tourismusmanagement, Masterstudiengänge, Weiterbildungsangebote (IHK, MBA, …) und Tourismusunternehmen.