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1.4.1 Definition und Zielsystem des Real Estate Management (Immobilienmanagement) in:

Hanspeter Gondring, Thomas Wagner

Real Estate Asset Management, page 28 - 29

Handbuch für Studium und Praxis

1. Edition 2010, ISBN print: 978-3-8006-3608-2, ISBN online: 978-3-8006-4468-1, https://doi.org/10.15358/9783800644681_28

Bibliographic information
6 1 Begriffsdefinition und Einordnung In der gif-Richtlinie „Definitionen und Leistungskatalog Real Estate Investment Management“ (2004) wird das Real Estate Investment Management, i. S. d. REAM, unter Kapitalanlagegesichtspunkten zum Zwecke der Performanceoptimierung gesehen. Interessant ist, dass auf die Verwendung des Begriffs des REAM verzichtet wird: „Dieser Begriff wird insbesondere im angelsächsischen Raum üblicherweise für Dienstleistungen auf Objektebene verwendet, es finden sich jedoch auch zahlreiche Beispiele für eine übergeordnete Auslegung dieses Begriffes. Von daher erschien es zweckmäßig, den weitgehend ’unverbrauchten’ Begriff des Investment Management zu verwenden, der widerspruchslos als Oberbegriff für den vielschichtigen und komplexen Prozess des Immobilien-Management dienen kann.“15 Die Definition der gif kann, wenngleich sie auch im Wortlaut nicht das REAM beinhaltet, als sehr umfangreiche Definition beschrieben werden. Das REAM wird darin primär unter Kapitalanlagegesichtspunkten betrachtet und kann, wie schon in der Definition von Schulte und Soens enthalten, sowohl die Direktanlage als auch indirekte Investitionen umfassen. Gemeinsames Merkmal der Autoren ist weiter die an den Vorgaben des Investors ausgerichtete Eigentümervertretung des Managements. Daneben erfolgt in der Definition der gif eine Untergliederung in Investment-, Portfolio- und Objektebene. Zusammenfassend kann das REAM in Anlehnung an obige Definitionen folgendermaßen definiert werden: Das REAM ist ein dynamischer, strategisch ausgerichteter Managementprozess, der die Planung, Steuerung und Kontrolle für ein Immobilienvermögen ganzheitlich unter Kapitalanlagegesichtspunkten umfasst. Dabei handelt das REAM als Eigentümervertretung und orientiert sich vorrangig an den laufenden Vorgaben und strategischen Zielen des Investors. Immobilieninvestitionen im REAM können neben Direktanlagen in Immobilien auch indirekte Investitionen umfassen. Weiter wird unterschieden in fremdgenutzte, eigengenutzte oder nicht primär der Ertragserzielung dienende Immobilien. 1.4 Einordnung und Abgrenzung des Real Estate Asset Management 1.4.1 Definition und Zielsystem des Real Estate Management (Immobilienmanagement) „Als Immobilienmanagement wird […] der Prozess der Erfüllung aller immobilienbezogenen Aufgaben von der Entstehung bis zur Verwertung einer Immobilie begriffen.“16 Das Real Estate Management (REM) bzw. Immobilien-Management stellt die begriffliche Überordnung im Rahmen der nachfolgend näher erläuterten Managementdisziplinen dar. Das REM umfasst in diesem Sinne branchenübergreifend „sämtliche Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Entwicklung, Bewirtschaftung und Entstehung von Einzelimmobilien oder Immobilienbeständen“17. Dem Begriffsverständnis obiger Definition wird ein lebenszyklusumfassendes Management vorausgesetzt. In diesem Zusammenhang wird unter REM die direkte Steuerung des immobilienbezogenen Wertschöpfungsprozesses verstanden. Der Schwerpunkt liegt hierbei in der optimalen Allokation und Kombination von Ressourcen mit 15 gif Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung, S. 3 f. 16 Vgl. Homann, K. (2001), S. 383–403. 17 Vgl. Brauer, K-U. (2006), S. 677. 71.4 Einordnung und Abgrenzung des Real Estate Asset der Zielsetzung, ein immobilienbezogenes Leistungs- und Erfolgspotential zu identifizieren, zu generieren sowie den Wert und Nutzen der Immobilie zu steigern. So wird unter REM eine Komposition aus originären leistungsbezogenen sowie phasenspezifischen Managementfunktionen und funktionalen Managementaspekten verstanden. Bei den leistungsbezogenen Funktionen geht es vor allem um die Planung, Steuerung und Kontrolle. Phasenspezifische Managementfunktionen befassen sich unter anderem mit Fragen aus den Bereichen Projektentwicklung, Bau- und Projektmanagement sowie mit dem Facility Management. Hinzu kommen funktionale Managementaspekte wie. z. B. Immobilieninvestition, -finanzierung oder -marketing.18 Erfolgsbezogene Entscheidungen werden im REM zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Immobilienlebenszyklus von den verschiedenen Entscheidungsträgern und Beteiligten (z. B. Eigentümer, Investor, Dienstleister) getroffen. Dadurch können uneinheitliche Auffassungen über die Relevanz und Priorität der einzelnen Erfolgsfaktoren im Zielsystem des REM entstehen. Die Kernaufgabe des REM ist folglich die optimale Integration der unterschiedlichen Zielrichtungen in das Zielsystem zur Erreichung des wirtschaftlichen Erfolgs der Immobilie. Zentrales Erfolgspotenzial einer Immobilie liegt zum einen in der nachhaltigen Ertragskraft der Immobilie und deren Leistungsbereitschaft bei uneingeschränkter Flächennutzung (nicht berücksichtigt werden hier die physische Abnutzung und Risiken) sowie zum anderen in der Kosteneffizienz der Immobilienbereitstellung und -nutzung.19 1.4.2 Generelle Einordnung der Managementbegriffe Im Immobilien-Management haben sich im Laufe der Zeit viele (neue) Managementdisziplinen angesiedelt. Zunehmend geprägt durch die Internationalisierung der Immobilienmärkte und der fortschreitenden Entwicklung der Immobilie zu einem Wirtschaftsgut, ist für den vielschichtigen Begriff des REM eine Fülle von Begrifflichkeiten, vor allem aus dem angelsächsischen Sprachgebrauch, entstanden. Die Grenzen zwischen den Begriffen und Leistungsprofilen verlaufen meist sehr eng, bzw. existieren in der Praxis nicht. Vor dem Hintergrund der Neupositionierung der deutschen Immobilien-Dienstleister durch ausländische Investoren findet im Folgenden eine Abgrenzung der Managementdisziplinen statt. 18 Vgl. Homann, K. (2001), S. 383–403. 19 Vgl. ebenda, S. 383–403.

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Zusammenfassung

Asset Management ist das beherrschende Thema der immobilienwirtschaftlichen Fachöffentlichkeit seit Anfang 2006. Grund für diese beachtliche Entwicklung ist die dominierende Präsenz ausländischer Investoren auf dem deutschen Immobilienmarkt in der jüngeren Vergangenheit. Diese Investoren - zumeist aus dem angelsächsischen Raum - importierten gleichermaßen ein neues Anspruchsdenken, was die professionelle Betreuung von Immobilien betrifft. Ausgehend von dem Asset Management-Ansatz aus der Finanzwirtschaft wird das aktive Wertmanagement der Immobilien nach international kompatiblen Standards erwartet. Diese Entwicklung bedeutet auch einen kontinuierlichen Reifeprozess der Assetklasse Immobilie als kapitalmarktfähige Anlage. Die immer stärkeren Auswirkungen der globalen Finanzmärkte (vgl. Subprime-Krise) erfordern ein professionelles Asset Management für Immobilien auch in Deutschland.

Dieses Handbuch stellt das komplexe Thema in übersichtlicher und umfassender Form dar.

- Begriffsdefinition und Einordnung

- Ziele und Aufgaben

- Der Wertschöpfungsprozess

- Theoretische Grundlagen

- Immobilien und Kapitalmarkt

- Aspekte der Bewertung und Bilanzierung

- Performancemessung für Immobilienportfolios

- Investment- und Wertschöpfungsstrategien

- Risikomanagement für Immobilien

- Controlling und Reporting

- Informationsmanagement und Informationstechnologie

- Real Estate Asset Management in der Investment-Phase

- Real Estate Asset Management in der Bestandsphase

- Real Estate Asset Management in der Exit-Phase

- Markt und Wettbewerb im Real Estate Asset Management

- Anbieter Real Estate Asset Management

- Immobilienkennzahlen und Formeln

Prof. Dr. oec. Hanspeter Gondring FRICS, Studiengangsleiter Immobilienwirtschaft im Institut für Finanzwirtschaft an BA Stuttgart/University of Cooperative Education und wissenschaftlicher Leiter der ADI Akademie der Immobilienwirtschaft.

Dipl.-Kfm. Thomas Wagner, MRICS war über 8 Jahre Leiter des Bestands- und Portfoliomanagements bei der Union Investment

Real Estate AG. Seit 2005 betreut er internationale Investoren in den Bereichen Asset Management und Investment Management.

Das Buch richtet sich in erster Linie an Praktiker, die ihr Wissen in diesem Bereich erweitern wollen. Hier kommen insbesondere Mitarbeiter und Führungskräfte von Unternehmen in Betracht, die mittelbar oder unmittelbar mit Asset Management Themen konfrontiert sind, d.h. Immobilienverwalter, Projektentwickler, Immobilien-Berater, Makler, Fonds, Immobilien-AGs etc.

Es richtet sich aber auch an Studenten immobilienwirtschaftlicher Studiengänge und Teilnehmer von Aufbaustudiengängen bzw. Weiterbildungslehrgängen.