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1.5 Möglichkeiten zur Erkundung des Controllings in der Praxis in:

Péter Horváth

Controlling, page 33 - 34

12. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3878-9, ISBN online: 978-3-8006-4455-1, https://doi.org/10.15358/9783800644551_33

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
1 Das Controllingkonzept20 Vahlens Handbücher – Horváth – Controlling (12. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 19.09.2011 Status: Imprimatur Seite 20 Immer wieder wird die Rolle des Controllers als „Coordinating Agent“ betont (vgl. z.B. Bradshaw 1950, S. 15). Auch auf die „Evolution of Controllership“ wird häufig hingewiesen (so z.B. Anderson, Saunders 1950, S. 47). Über die Anfänge der Controllingaufgaben im staatlichen Bereich berichtet Jackson (1950, S. 17 ff.): Die Stelle eines „Countrollour“ gab es bereits im 15. Jahrhundert am englischen Königshof für Aufgaben, die die Überprüfung von Aufzeichnungen über ein- und ausgehende Gelder und Güter zum Gegenstand hatten (z.B. „Countroller of Accounts in the Lord Chamberlain’s Office“). Der Titel erscheint später bei verschiedenen Positionen in der englischen Staatsverwaltung (z.B. „Controller of the Navy“). In den USA wurden vom Kongress 1778 per Gesetz die Ämter für „Comptroller, Auditor, Treasurer, and six Commissioners of Accounts“ geschaffen. Der Controller hatte über das Gleichgewicht zwischen dem Staatsbudget und der Verwendung der Staatsausgaben zu wachen. Nach mehreren Gesetzesänderungen gibt es heute das unabhängige Amt des „Comptroller General“ als Leiter des „General Accounting Office“ der USA. Die etymologische Erklärung des Wortes „controller“ bzw. „comptroller“ ist etwas kompliziert (vgl. Crow 1927, S. 1): Im mittelalterlichen Latein war „contra rolatus“ („Gegenrolle“) die Bezeichnung für eine zweite – für Kontrollzwecke vorgenommene – Aufzeichnung über eingehende bzw. ausgehende Güter und Gelder. Die Führung der „contre rôle“ (frz.) oder der „counter roll“ (engl.) oblag dem „countre-roullour“ oder „counterroller“. Der Begriff wird bereits 1292 im Englischen erwähnt (vgl. Jackson 1950, S. 22). Die Bezeichnung „comptroller“ sei im 16. Jahrhundert durch einen „etymologischen Irrtum“ entstanden (Jackson 1950, S. 22), indem das französische Wort „compter“ (= rechnen) als Basis der Schreibweise verwendet wurde. Crow (1927, S. 1) vermutet, dass der Grund darin liege, die Silbe „count“ nicht als Titel missverstehen zu können. Im Bereich der privaten Unternehmungen überwiegt heute die Bezeichnung „controller“ eindeutig (vgl. Peirce 1964), obwohl „The New Encyclopaedia Britannica“ (Bd. III, 1975, S. 57) noch vom „comptroller“ spricht. 1.5  Möglichkeiten zur Erkundung des Controllings in der Praxis Welche Möglichkeiten stehen uns zur Verfügung, Stand und Entwicklung des Controllings in der Praxis zu erkunden? Die Literatur können wir dabei in folgende Sparten aufteilen: r „Offizielle“ Verbandsdarstellungen, r Berichte über spezifische empirische Untersuchungen der Aufgaben, Organisation und Entwicklung des Controlling, r Veröffentlichungen über „typische“ oder „nachahmenswerte“ Lösungen aus der Praxis“, r Lehrbücher bzw. Nachschlagewerke zur Controllingfunktion. 1.6 Controlling in den USA 21 Vahlens Handbücher – Horváth – Controlling (12. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 19.09.2011 Status: Imprimatur Seite 21 Klassifikation und Typisierung sind zwar unerlässliche Instrumente wissenschaftlichen Arbeitens. Notwendig ist allerdings, dass man stereotype Definitionen ständig überprüft, weil sonst die Gefahr besteht, dass sie die Entwicklung verhindern. Man beschäftigt sich dann ausschließlich mit Zuständigkeitsfragen, ausgehend von einer statischen Definition des „typischen“ Controllers. „As a result, management principles fail to deal with dynamic problems of human systems in action.“ (Sayles 1964, S.262) Man sollte im Übrigen bei Darstellungen in der Literatur – nicht nur bei Controllingthemen – immer wieder nach der Art der Aussage fragen, z.B.: r Handelt es sich um die Beschreibung eines Einzelfalles? r Gibt der Verfasser Vorschläge etwa in der Form „ist notwendig“, „ist empfehlenswert“? r Wie werden allgemeine Aussagen empirisch belegt? r Liegt eine abstrahierende Modelldarstellung vor? Inzwischen liegt eine umfassende deutsche Literatur zum Controlling vor. Bemerkenswert an ihr ist die stark ausgeprägte Theoriekomponente. 1.6 Controlling in den USA 1.6.1 Verbandsdarstellungen Die erste „offizielle“ Zusammenstellung der Controllingaufgaben wurde 1946 vom Controller’s Institute of America unter dem Titel „The Place of the Controller’s Office“ veröffentlicht. Die Aufzählung der 17 Einzelaufgaben wirkt etwas unübersichtlich und unsystematisch. Man unterscheidet allgemeine und spezielle Funktionen (Übersetzung Scharpff 1961, S.223 ff.): a) Allgemeine Funktionen: 1. Einen Gesamtplan zur Kontrolle des Betriebsablaufes durch das zuständige leitende Personal aufzustellen, die Einzelpläne zu koordinieren und laufend zu ergänzen. Ein solcher Plan umfasst entsprechend den betrieblichen Erfordernissen Kostenstandards, Ausgabenbudgets, Absatzplanung, Gewinnplanung, Investitions- und Finanzplanung sowie die dazugehörigen Durchführungsmaßnahmen. 2. Die tatsächliche Entwicklung des Betriebsablaufes mit jener, die in den Betriebsplänen vorgesehen war, zu vergleichen und über die Ergebnisse der Betriebstätigkeit allen Stufen der Betriebsführung zu berichten und die Ergebnisse zu interpretieren. Diese Funktion schließt den Entwurf der Systeme ein, nach denen die Aufzeichnungen durchgeführt, zusammengestellt und aufgezeigt werden. 3. Die Gültigkeit des Betriebszieles festzustellen und den Erfolg der Maßnahmen und Verfahren zur Erreichung dieser Ziele zu messen und darüber zu berichten. Dies schließt die ständige Beratung aller betrieblichen Stellen ein, die an der Verwirklichung der gesetzten Ziele beteiligt sind. 4. Die erforderlichen Berichte an die Behörden abzufassen und alle Steuerangelegenheiten zu überwachen.

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Zusammenfassung

Der Klassiker zum Controlling.

Controlling: umfassend und bewährt

Auch nach über dreißig Jahren verfolgt dieses Buch weiterhin das ehrgeizige Ziel, mit jeder Neuauflage den »State of the Art« in Wissenschaft und Praxis des Controllings wiederzugeben. Unverändert geblieben ist dabei die Intention dieses Standardwerkes. Es liefert eindeutige Antworten auf drei umfassende Fragen:

* Was ist die Grundidee des Controllingkonzepts?

* Welche Aufgaben umfasst die Controllingfunktion?

* Wie wird die Controllingfunktion organisatorisch realisiert?

Höchste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Péter Horváth gehört zu den renommiertesten Persönlichkeiten im Controlling. Er ist Vorsitzender des Aufsichtsrates einer Managementberatung und Gründungsherausgeber der Zeitschrift für Controlling.