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Armin Höll, Property-Rights-Theorie in:

Manfred Schwaiger, Anton Meyer (Ed.)

Theorien und Methoden der Betriebswirtschaft, page 149 - 162

Handbuch für Wissenschaftler und Studierende

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3613-6, ISBN online: 978-3-8006-4437-7, https://doi.org/10.15358/9783800644377_149

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Armin Höll Property Rights Theorie Zusammenfassung Die neoinstitutionalistische Property Rights Theorie beschäftigt sich mit der Analyse der Ver teilung von Verfügungsrechten an Gütern auf Individuen und der resultierenden Anreizeffekte auf das Handeln der Individuen. DieTheorie postuliert, dass unter allen möglichen Verfügungs rechteverteilungen stets diejenige gewählt werden sollte, die die Summe ausWohlfahrtsverlusten und Transaktionskosten minimiert. Der vorliegende Beitrag fasst die grundlegenden Überle gungen und Erkenntnisse der Property Rights Theorie zusammen und gibt eine exemplarische Übersicht über Anwendungsgebiete der Theorie. Dipl. Kfm. Armin Höll ist Doktorand am Institut für Kapitalmarktforschung und Finanzierung an der Ludwig Maximilians Universität München und Consultant bei Bain & Company. Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 2 Grundlagen der Property Rights Theorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 2.1 Kennzeichen der neoinstitutionalistischen Modellwelt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 2.2 Untersuchungsgegenstand der Property Rights Theorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 2.3 Verfügungsrechteverteilungen und ihre Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151 2.4 Beschränkungen von Verfügungsrechten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 152 2.5 Optimierung der Verteilung von Verfügungsrechten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153 3 Anwendungsgebiete der Property Rights Theorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155 3.1 Ökonomische Theorie des Rechts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155 3.2 Untersuchung der Wirtschaftsgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155 3.3 Öffentliche Güter und externe Effekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155 3.4 Theorie der Unternehmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156 3.5 Wahl der optimalen Kapitalstruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156 3.6 Steuerung von Anreizen für das Unternehmensmanagement . . . . . . . . . . . . . . . 157 3.7 Regulierung des Kapitalmarkts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158 4 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158 148 Armin Höll Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Trade off Beziehung zwischen Wohlfahrtsverlusten durch externe Effekte und Transaktionskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154 Property-Rights-Theorie 149 1 Einleitung Die betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Forschung wurde bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts von neoklassischen Denkansätzen beherrscht. Die neoklassische Theorie betrachtet die Welt unter der Annahme idealer Bedingungen (vgl. F . 2001, S. 34). Gleichgewichtszustände auf Faktor und Gütermärkten werden untersucht, die den Gewinn der beteiligten Marktteilnehmer maximieren. Dabei bleiben institutionelle Rahmenbedingungen unberücksichtigt (vgl. hierzu und im Folgenden P . 2005, S. 35–36 & S. 39). In der Neuen Institutionenökonomik (auch Neoinstitutionalismus genannt) werden neoklassische Ansätze fortgeführt, jedoch um Aussagen zu Verhalten von Individuen erweitert. Wirtschafts theoretiker geben Idealitätsannahmen auf und untersuchen den Einfluss rechtlicher und insti tutioneller Rahmenbedingungen. C (1937) gilt mit seinem Aufsatz The nature of the firm als Begründer der neuen Welt anschauung, unter der mehrere Forschungszweige entstanden sind (vgl. R /F 2003, S. 46). Zu den bekanntesten zählen die Principal Agent Theorie, die Transaktionsko stentheorie und die Property Rights Theorie (vgl. in diesem Herausgeberband, W & H /R ). Auf die Property Rights Theorie wird in der folgenden Arbeit imDetail eingegangen. In Abschnitt 2 werden die theoretischen Grundlagen der Theorie erklärt, in Ab schnitt 3 wird auf die Anwendung der Theorie auf ökonomische Fragestellungen eingegangen. Eine kritische Zusammenfassung schließt die Arbeit ab. 2 Grundlagen der Property Rights Theorie 2.1 Kennzeichen der neoinstitutionalistischen Modellwelt Die Property Rights Theorie arbeitet mit der Weltanschauung des Neoinstitutionalismus, der das neoklassische Paradigma kritisiert. Idealistische – größtenteils unrealistische – Annahmen der Neoklassik werden im Neoinstitutionalismus durch „realitätsnähere“ Annahmen ersetzt (vgl. T 1981, S. 237–265). In der neoinstitutionalistischen Theorie wird das Verhalten von Kollektiven mittels Analy se der Handlungsanreize der Einzelindividuen im Kollektiv untersucht (methodologischer Individualismus; vgl. F /P 1972, S. 1137; R /F 2003, S. 3). Beispielsweise wird die Entscheidung über eine Investition eines Unternehmens vor dem Hintergrund der Wirkung auf die zukünftigen Karrierechancen des verantwortlichen Ma nagers untersucht. Das neoklassische Gewinnmaximierungsprinzip von Unternehmen und Haushalten wird im Neoinstitutionalismus durch ein individuelles Nutzenmaximierungsprinzip ersetzt (vgl. F /P 1972, S. 1137). Der „homo oeconomicus“ der neoklassischen Theo rie wird zum „Resourceful Evaluative Maximizing Man“ (REMM; vgl. M 1976, S. 545–559) weiterentwickelt (vgl. hierzu und im Folgenden T 1981, S. 219). Jeder Mensch ist einfallsreich, bewertet relativ und maximiert seinen individuellen Nutzen. Der individuelle Nutzen kann sich aus unterschiedlichen Nutzenkomponenten zusammenset zen. Beispielsweise können Prestige undMacht einzelnen Individuen genauso Nutzen stiften wie Geld und persönliche Unabhängigkeit. Bei der Maximierung seines Nutzens beachtet ein Individuum die Auswirkungen seines Handelns auf andere Wirtschaftssubjekte nicht (= opportunistisches Verhalten; vgl. R /F 2003, S. 5). Das Handeln eines 150 Armin Höll Einzelnen kann anderen Wirtschaftssubjekten negativen Nutzen bringen (negative externe Effekte), z.B. wenn eine Fabrik die Umwelt verschmutzt, oder positiven Nutzen stiften (positive externe Effekte), wenn beispielsweise ein Forscher eine neue Entdeckung macht, von der die gesamte Menschheit profitiert (zu Ausführungen zu diesem Beispiel vgl. R 1983, S. 123f.). Einzelindividuen wird subjektiv rationales Handeln unterstellt, d.h. sie beziehen alle ihnen zur Verfügung stehenden Informationen in ihre Entscheidungen ein und entscheiden dann in ihrem eigenen Interesse rational (vgl. P . 2005, S. 32f.; R /F 2003, S. 4). Entscheidungen treffen die Wirtschaftssubjekte unter Beachtung von institutionellen, d.h. politischen, gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen (vgl. hierzu und im Folgenden C 1984, S. 230; P . 2005, S. 46). Der Neoinstitutionalismus geht von der Existenz eines Überwachungs und Durchsetzungssystems aus, das Verfügungs rechte durchzusetzen und zu sichern versucht (Gesetz, Moral, Gewohnheit). Mittels dieses Anreiz und Sanktionssystem kann das Verhalten von Individuen gesteuert werden. Die Existenz von Transaktionskosten beeinflusst das Entscheidungsverhalten von Indivi duen maßgeblich (vgl. Abschnitt 2.3). Unter Transaktionskosten werden insbesondere Ko sten der Informationssuche und beschaffung, des Vertragsschlusses und der Überwachung der Vertragseinhaltung verstanden (vgl. C 1960, S. 7). 2.2 Untersuchungsgegenstand der Property Rights Theorie C legte mit seinem Artikel The problems of Social Cost im Journal of Law and Economics 1960 die Grundlage für die Property Rights Theorie. Aufbauend darauf leisteten Armen A. Alchian und Harold Demsetz die systematische Entwicklung dieserTheorie (vgl. T 1981, S. 208), wobei an der internationalen Verbreitung Eirik G. Furubotn und Steve Pejovich maß geblich beteiligt waren (vgl. D 1998, S. 12). Im Rahmen der neoinstitutionalistischen Modellwelt beschränkt sich die Property Rights The orie auf einen Teilaspekt. Wie der Theoriename bereits ausdrückt, stehen Property Rights im Fokus der Untersuchung. Eine direkte Übersetzung des Begriffs Property Rights ins Deutsche ist schwierig. Die Begriffe „Handlungsrechte“ und „Verfügungsrechte“ treffen am ehesten was gemeint ist (vgl. T 1981, S. 209) und werden deshalb in dieser Arbeit synonym verwen det. Unter Property Rights werden sozial anerkannte, auf Konvention, Tradition, gesetztem Recht oder auf Verträgen beruhende Handlungsbeschränkungen (vgl. A 1977, S. 129) verstan den. Generell unterscheidet man zwischen vier Einzelrechten (vgl. P . 2005, S. 46; F /P 1972, S. 1140): das Recht, ein Gut zu nutzen (usus), das Recht, ein Gut in seiner Beschaffenheit zu verändern (abusus), das Recht, die aus der Gutsverwendung entstandenen Gewinne für sich zu beanspruchen, bzw. die Pflicht, entstandene Verluste zu tragen (usus fructus), das Recht, ein Gut zu veräußern und die daraus entstandenen Liquidationserlöse für sich zu beanspruchen. Individuellen Akteuren zugeordnete Verfügungsrechte grenzen die auf ein bestimmtes Gut bezogenen Handlungsspielräume und Nutzungsmöglichkeiten ein (vgl. F /P Property-Rights-Theorie 151 1972, S. 1138), die dem Individum aufgrund von gegebenen Rechtsvorschriften, Verträgen oder kulturellen Normen und Gewohnheiten zustehen (vgl. D 1967, S. 347). Außerdem legen die Verfügungsrechte fest, inwiefern Dritte von der Nutzung eines Gutes ausgeschlossen werden können (vgl. P 1981, S. 156). Die Verfügungsrechte an einem Gut sind für dessen Wert und Nutzungsmöglichkeiten mindestens so entscheidend wie seine physischen Eigenschaften (vgl. T 1981, S. 210). Beispielsweise hängt der Wert eines Pkw weniger von Länge, Breite und Form des Autos ab, als davon, ob sein Halter es fahren darf oder nicht. Wird im Sinne der Property Rights Theorie von Besitz oder Tausch eines Gutes gesprochen, so geht es nicht um das Gut selbst, sondern um das mit dem Gut verbundene Rechtebündel (vgl. F /P 1972, S. 1139). 2.3 Verfügungsrechteverteilungen und ihre Wirkung Die Zuordnung von Verfügungsrechten an Gütern auf Individuen beeinflusst deren Umgang mit den Gütern (vgl. hierzu und im Folgenden F /P 1972, S. 1138f.). Somit stellen Property Rights Strukturen ein Anreizsystemmit Belohnungs und Bestrafungspotenti alen für die von den Verfügungsrechten betroffenen Individuen dar. Die Kernfrage der Property Rights Theorie lautet folglich: Wie sollten Verfügungsrechte an Gütern verteilt werden, damit es zu einer effizienten Güter nutzung kommt? Ideale Verfügungsrechtestrukturen Zieht ein Individuum sämtlichen Nutzen aus einemGut und trägt es das volle Risiko, so wird es das Gut effizient nutzen. Deshalb sieht die Property Rights Theorie die uneingeschränkte und vollständige (= exklusive) Zuordnung von Verfügungsrechten an einemGut auf ein Individuum als Idealzustand an (vgl. F /P 1972, S. 1141). In der Realität lässt sich dieser Idealzustand meist nicht herbeiführen, da äußere Umstände – sog. „Nutzungsbeschränkungen“ (vgl. A 1977, S. 326) – dies verhindern. Diese Umstände bedingen, dass Property Rights meist einem oder mehreren Individuen mehr oder weniger vollständig zugeordnet sind. Man spricht in diesem Zusammenhang von „verdünnten“ Verfügungsrechten (vgl. P . 2005, S. 46f.). Verdünnte Verfügungsrechtestrukturen Generell sind zwei Arten der Verdünnung zu unterscheiden (vgl. hierzu und im Folgenden P . 2005, S. 47): Property Rights können vollständig oder nur teilweise Individuen zugeordnet sein die Anzahl der Property Rights Träger kann variieren Abhängig davon, wie hoch der Anteil der Verfügungsrechte ist, der einer einzelnen Person zugeordnet ist, spricht man von einer eher konzentrierten bzw. eher verdünnten Verfügungs rechtestruktur. Ein Beispiel für eine sehr konzentrierte Verfügungsrechtestruktur ist die Ein zelunternehmung. Hier hat der Unternehmer sämtliche Entscheidungsrechte und erhält den vollständigen Gewinn bzw. trägt den Verlust aus seinem Unternehmen. Eine Publikumsak tiengesellschaft ist als verdünnte Property Rights Struktur anzusehen. Die Aktionäre treffen wichtige Entscheidungen gemeinsam und erhalten Gewinn und tragen Verlust entsprechend ihrem Anteil am Unternehmen. Eine unvollständige, d.h. verdünnte Verfügungsrechtezuordnung an Gütern schwächt die Effi zienz im Umgang mit den Gütern ab (vgl. T 1994, S. 994): 152 Armin Höll Bekommen mehrere Personen gemeinsam den Gewinn aus der Verwendung eines Guts, erhält ein Einzelner aus der Gruppe nicht den vollen Gewinnzuwachs aus seiner zusätzlichen Anstrengung. Somit wird er sich nicht effizient anstrengen. Trägt den Schaden aus der Verwendung eines Gutes eine Gruppe, kann es dazu kommen, dass das Gut von jedem Einzelnen verschwenderisch eingesetzt wird. Dies ist beispielsweise beim nachlässigen Umgang mit Gemeindeeigentum zu beobachten. 2.4 Beschränkungen von Verfügungsrechten Wie bereits erwähnt, ist es in der Realität aufgrund von äußeren Umständen meist nicht mög lich, Verfügungsrechte zu konzentrieren. Insbesondere institutionelle Rahmenbedingungen und Transaktionskosten verhindern dies (vgl. hierzu und im Folgenden P . 2005, S. 47–50). Institutionelle Rahmenbedingungen Zu den institutionellen Rahmenbedingungen zählen politische, gesellschaftliche und rechtliche Nutzungsbeschränkungen, die je nach Land unterschiedlich sein können. Sie können Property Rights ganz oder teilweise einschränken und damit den Wert des Gutes für eine Person schmä lern (vgl. hierzu und im Folgenden F /P 1972, S. 1140). Beispielsweise darf ein Auto in Deutschland auf öffentlichen Strassen nur gefahren werden, sofern es eine amtliche Zulassung hat, vom TÜV als verkehrstauglich zertifiziert wurde und der Fahrer einen gültigen Führerschein besitzt. Institutionelle Nutzungsbeschränkungen sind oft staatlich, d. h. gesetzlich angeordnet, aber auch ethisch moralische Vorstellungen und Tradition können Verfügungs rechte eingrenzen (vgl. A 1977, S. 129f.). Die Missachtung der Rechtebeschränkungen muss mit spürbaren Sanktionen verbunden sein, damit Wirtschaftssubjekte die Beschränkung in ihr Nutzenmaximierungskalkül einbeziehen (vgl. T 1981, S. 212). Beispielsweise wer den Autofahrer sich nur an Geschwindigkeitsbeschränkungen halten, wenn sie damit rechnen müssen, bei Übertretungen ertappt und bestraft zu werden. Die Existenz von Polizei und Auf sichtsämtern lässt sich so begründen. Transaktionskosten Neben institutionellen Rahmenbedingungen beeinflussen Transaktionskosten die Verteilung von Verfügungsrechten auf Wirtschaftssubjekte. Der Begriff „Transaktionskosten“ geht auf Ro nald Harry Coase zurück. Oliver Eaton Williamson hat in den 70er Jahren erkannt, dass diese Kosten imWirtschaftsgeschehen eine wichtige Rolle einnehmen, ihre Operationalisierung aber schwierig ist. Er entwickelte die theoretischen Überlegungen zur Wirkung von Transaktions kosten weiter und begründete damit die „Transaktionskostentheorie“. Transaktionskosten umfassen alle Opfer und Nachteile, die von Tauschpartnern zur Verwirkli chung des Leistungsaustausches zu tragen sind (vgl. P 1991, S. 344). Dazu gehören insbesondere Kosten der Anbahnung (z.B. Reise , Kommunikations und Beratungskosten) Vereinbarung (z.B. Verhandlungskosten, Rechtsberatung und Kosten der Abstimmung) Abwicklung (z.B. Steuerung des Tauschprozesses, Managementkosten der Führung und Koordination) Kontrolle (z.B. Qualitäts und Terminüberwachung) Property-Rights-Theorie 153 Anpassung (z.B. Zusatzkosten nachträglicher, qualitativer, mengenmäßiger, preismäßiger und terminlicher Änderung) (in Anlehung an P . 2005, S. 57). Der Begriff „Kosten“ wird in einer breiten Definition verwendet und umfasst neben „echten“ Kosten auch Zeit und Mühe (vgl. P /D 1990, S. 178). C (1960, S. 15) konnte nachweisen, dass in einer Welt ohne Transaktionskosten die Vertei lung von Property Rights aufWirtschaftssubjekte irrelevant ist. DieWirtschaftssubjekte würden so lange tauschen, bis eine pareto optimale Property Rights Verteilung vorliegt (Coase Theo rem). In der Realität spielen Transaktionskosten jedoch eine große Rolle (vgl. P 1981, S. 159). Sie schränken den Tausch von Verfügungsrechten zwischen Individuen ein (vgl. C 1960, S. 7f.) und erschweren so das Streben nach effizienter Güternutzung mittels konzentrierter Property Rights Strukturen. Beispielsweise entstehen beim Gebrauchtwagenkauf hohe Infor mationskosten, um die Qualität des Fahrzeugs zu bestimmen. Außerdem erschweren Transakti onskosten die Durchsetzbarkeit von Property Rights. Aktionäre tragen beispielsweise Kontroll kosten, wenn sie die Führung ihres Unternehmens einem Manager übertragen, den Manager aber dazu bewegen wollen, das Unternehmen in ihrem Sinne zu führen. 2.5 Optimierung der Verteilung von Verfügungsrechten Institutionelle Rahmenbedingungen und Transaktionskosten können unterschiedlichste Ver fügungsrechtestrukturen herbeiführen. Um die Frage der Property Rights Theorie nach der optimalen Verteilung von Verfügungsrechten beantworten zu können, müssen verschiedene Property Rights Verteilungen miteinander verglichen werden. Dafür ist die Festlegung eines Vorteilhaftigkeitskriteriums notwendig. Sinnvollerweise setzt die Beurteilung verschiedener Verfügungsrechtestrukturen an ihren Anreizeffekten zur Güternutzung an. Betrachtet wird zunächst eine stark verdünnte, unvollständige Verfügungsrechtezuordnung. In dieser Situation besteht eine große Wahrscheinlichkeit für externe Effekte. Dabei handelt es sich um „unkompensierte Nutzenveränderungen, die ein Wirtschaftssubjekt durch seine Handlungen bei anderen Gesellschaftsmitgliedern auslöst“ (P . 2005, S. 47). Sind diese Nutzenänderungen negativ, spricht man von negativen, andernfalls von positiven externen Effekten (vgl. hierzu und im Folgenden P . 2005, S. 47–49). Ein klassisches Beispiel für negative externe Effekte ist das einer Fabrik, die im Rahmen ihrer Produktion umweltschä digende Emissionen erzeugt. Externe Effekte lassen sich nicht über den Markt bereinigen, da sie meist schwer zu erfassen sind, sich jedoch direkt auf die Produktions und Konsumtätigkeit einzelner Personen auswirken. Selbst unter der Bedingung vollkommener Konkurrenz kann beim Bestehen externer Effekte kein Wohlfahrtsoptimum erreicht werden (vgl. R /F 2003, S. 109f.). Folgt man der Property Rights Theorie, ist eine Möglichkeit zur Vermeidung von externen Ef fekten ihre „Internalisierung“ (vgl. hierzu und im Folgenden A /D 1973, S. 22f.). Dabei ist die Rede von der Schaffung und Zuteilung neuer Verfügungsrechte auf Individuen oder der Änderung äußerer Umstände. Beide Anpassungen sollen dazu führen, dass die externe Effekte verursachenden Individuen die Effekte in ihrem Nutzenmaximierungskalkül berück sichtigen. Dies sei am Beispiel der luftverschmutzenden Fabrik illustriert. Solange die Fabrik die Ressource „Luft“ kostenlos ausbeuten kann, wird es zu einer Übernutzung kommen. Schafft man jedoch neue Verfügungsrechte, beispielsweise durch die Einführung von Emissionszer tifikaten, und verteilt man diese wahlweise auf die Anwohner im Fabrikumfeld oder auf die Fabrik, wird es zu einer „effizienten“ Luftverschmutzung kommen. Die Fabrik wird die Kosten der Luftverschmutzung in ihr Nutzenmaximierungskalkül einbeziehen. 154 Armin Höll Der Internalisierung von extenen Effekten wirken steigende Transaktionskosten entgegen (vgl. hierzu und im Folgenden P . 2005, S. 49). Nicht immer lassen sich die Folgen einer Handlung dem Handelnden eindeutig zuordnen. Im Beispiel der luftverschmutzenden Fabrik wird die Internalisierung der sozialen Kosten durch Informations und Kontrollkosten, z.B. durch Schwierigkeiten bei der Messbarkeit der Emissionen, eingeschränkt. Zusätzlich wird die Situation erschwert durch den Anreiz des Managements der Fabrik und der Anwohner, sich „strategisch zu verhalten und den Informationsmangel anderer Akteure zu ihren Gunsten aus zunutzen“ (P . 2005, S. 49). Anwohner werden die Emissionen hoch darstellen, die Fabrik wird sie herunterspielen. Unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus der Betrachtung von externen Effekten und Transaktionskosten lässt sich eine Antwort auf die zentrale Frage der Property Rights Theorie geben: Unter allen möglichen Verfügungsrechteverteilungen an Gütern ist nach dem Effizienkriterium diejenige zu wählen, die die Summe ausWohlfahrtsverlusten und Transaktionskosten minimiert (vgl. Abbildung 1 & P . 2005, S. 49). Möchte man bestehende Verfügungsrechteverteilungen durch Änderung an äußeren Umstän den wie Marktmechanismen oder rechtlichen Rahmenbedingungen in eine neue Verteilung überführen, müssen die Wohlfahrtsgewinne aus der Minderung externen Effekte sorgfäl tig mit den sozialen Verlusten aus steigenden Transaktionskosten ausbalanciert werden (vgl. F /P 1972, S. 1145). Wie die Änderung einer Verfügungsrechteverteilung am besten erreicht werden kann, ist in der Literatur strittig: Einige Autoren sehen staatli che Regulierungen als den Ausweg. C (1960, S. 17f.) behauptet jedoch, es gäbe ökono misch effizientere Wege als über staatliche Eingriffe, da jeder Eingriff eine Ausdünnung von Property Rights und somit eine „Quelle für Ineffizienz“ sei. Er erklärt, in Abwesenheit von Grad der Internalisierung Wohlfahrtsverluste Wohlfahrtsverluste Transaktionskosten Gesamteffekt Transaktionskosten Gesamteffekt Abbildung 1: Trade-off-Beziehung zwischen Wohlfahrtsverlusten durch externe Effekte und Transaktionskosten [Picot et al. 2005, S. 50] Property-Rights-Theorie 155 Transaktionskosten würden externe Effekte über Marktmechanismen vollständig internali siert werden. Seine Annahme fehlender Transaktionskosten ist in der Realität zu verwerfen. R /F (2003, S. 116) stellten jedoch fest, dass staatliche Regulierungen zwar nicht mehr notwendig sind, sobald die Voraussetzungen für eine Internalisierung externer Ef fekte geschaffen wurden, sie die Internalisierung aber unterstützen können. 3 Anwendungsgebiete der Property Rights Theorie Wie in Abschnitt 2 ausgeführt, eignet sich die Property Rights Theorie zur Untersuchung und Erklärung vielfältiger ökonomischer Phänomene. Insbesondere die Frage der Zuordnung von Verfügungsrechten an Gütern auf Individuen und die Wirkung der Rechtezuteilung auf das Verhalten der Personen sind sowohl für die positive als auch die normative betriebswirtschaft liche Analyse interessant. Aus den zahlreichen Anwendungsgebieten der Property Rights Theorie werden im Folgenden mehrere exemplarisch erläutert. 3.1 Ökonomische Theorie des Rechts Rechtsnormen sind entscheidende Determinaten von Verfügungsrechtsstrukturen. Somit liegt es nahe, die Property Rights Theorie bei der Analyse bestehender Vorschriften bzw. bei der ökonomischen Analyse zur Neugestaltung von Rechtsnormen heranzuziehen. Im Fokus der Untersuchungen liegen das Vertrags und Deliktrecht, das Eigentums und Haftungsrecht, das Arbeitsrecht, gewerbliche Schutzrechte, das Recht der staatlichen Regulierung und das Unter nehmens und Wettbewerbsrecht (vgl. W 1996, S. 675). 3.2 Untersuchung der Wirtschaftsgeschichte Folgt man der Weltanschauung der Property Rights Theoretiker, ist es effizient, Verfügungs rechtestrukturen zu verändern, wenn der Nutzen aus der Veränderung die Kosten übersteigt (vgl. hierzu und im Folgenden H 1983, S. 82f.). Folglich müsste geschichtlich immer dann eine Änderung in der Art zu wirtschaften herbeigeführt worden sein, wenn der Druck zu Ver änderung durch ökonomische Interessen zu groß geworden ist. Vertreter dieses Ansatzes der „Geschichtsschreibung“ (bspw. Nobelpreisträger D. North) versuchen geschichtliche Wirt schafts und Gesellschaftsentwicklungen aus dem Zusammenspiel ökonomischer Interessen und Verfügungsrechtestrukturen zu begründen. 3.3 Öffentliche Güter und externe Effekte Die Property Rights Theorie bezeichnet Güter als öffentlich, sofern sie von allen Wirtschafts subjekten unentgeltlich konsumiert und einzelne Individuen nicht von der Nutzung der Güter ausgeschlossen werden können. Öffentlichkeit von Gütern begünstigt ihre Übernutzung bzw. ihren ineffizienten Einsatz. Ein Beispiel ist die Überfischung von Flüssen und Seen. Als Lösungs ansatz schlägt die Property Rights Theorie die Spezifizierung der Verfügungsrechte vor, d.h. die Änderung des Rechtsrahmens zur Überführung öffentlicher Güter in Privateigentum. Externe Effekte des Gemeineigentums werden dadurch internalisiert. Sobald die Ressource einer Person zugeordnet worden ist, besteht für diese kein Anreiz mehr zum verschwenderischen Umgang. 156 Armin Höll Eine vollständige Spezifizierung ist nicht immer möglich bzw. effizient. Übersteigen die Ko sten der Spezifizierung den Nutzen, wie z.B. bei der Aufteilung von Hochseegewässern, ist es sinnvoller, die Güter in Gemeineigentum zu belassen. Zur Überwachung der Einhaltung von Ressourcennutzungsbeschränkungen sollten jedoch Institutionen geschaffen werden. 3.4 Theorie der Unternehmung Die Property Rights Theorie gibt mit der Annahme des methodologischen Individualismus die traditionelle Sicht auf die Unternehmung auf (vgl. F /P 1972, S. 1137; R /F 2003, S. 3). Anstelle der Betrachtung einer Unternehmung als Produkti onsfunktion tritt eine vertragstheoretische Betrachtungsweise. Ein Unternehmen wird als Ge flecht von Verträgen zwischen Individuen gesehen, wobei die Verträge mit dem Unternehmer geschlossen werden (vgl. P . 2005, S. 53). Die Verfügungsrechteverteilung in Unter nehmen wird über organisatorische Strukturen geregelt, z.B. über die Unternehmensverfassung. Sie schaffen ein individuelles Anreizsystem für alle im Unternehmen handelnden Individuen (vgl. F /P 1972, S. 1138). Folglich muss die neoklassiche Aussage fallen gelas sen werden, dass im Rahmen der Unternehmung Gewinnmaximierung angestrebt wird. Da in der Regel mehrere Individuen imUnternehmen handeln und die Nutzenquellen von Individuen meist nicht nur monetäre Größen sind, wird im Allgemeinen das mögliche Gewinnmaximum nicht realisiert werden können. Zur Beantwortung der Grundsatzfrage, weshalb Unternehmen existieren, leistet die Property Rights Theorie zwei Erklärungsbeiträge: Die Gründung eines Unternehmens reduziert die Anzahl von Verträgen, die zwischen Handelspartnern des Unternehmens und den Mitarbeitern des Unternehmens geschlossen werden müssen. Ein Vertrag zwischen dem Unternehmen und demHandelspartner genügt. Alle weiteren Vertragsbeziehungen werden im Unternehmen im Innenverhältnis geregelt. Geht man davon aus, dass bei jedem Vertragsschluss Transaktionskosten auftreten, erklärt sich die Existenz von Unternehmen durch ihre Transaktionskosten senkende Wirkung (vgl. C 1937, S. 390f.). Unternehmen ermöglichen die Realisierung von ökonomischen Vorteilen der Teampro duktion. Mit Hilfe der Teamarbeit lässt sich ein höherer Output erzielen als bei getrennter Produktion. Wenn die Vorteile der Teamproduktion die entstehenden Koordinations und Kontrollkosten im Unternehmen überkompensieren, lohnt sich die Organisation und Ab wicklung im Rahmen eines Unternehmens. In der Teamproduktion tritt das „Trittbrett fahrer“ Problem (Shirking) auf: Die Anstrengungen eines Teammitglieds lassen sich nicht vollständig kontrollieren. Einzelne Individuen mindern ihre Anstrengungen unbemerkt, realisieren dadurch persönlichen Nutzen und senken den Teamoutput. Um diesem Phäno men entgegenzuwirken, müssen imUnternehmen Kontrolleure eingeführt werden. Oberster Kontrolleur muss der Unternehmer sein, da ihm der Residualnutzen aus der Ressource „Unternehmen“ zusteht (vgl. A /D 1972, S. 779–781; P . 2005, S. 51). 3.5 Wahl der optimalen Kapitalstruktur Eine zentrale Frage der Unternehmensfinanzierung ist, welche Kapitalstruktur ein Unternehmen für seine Finanzierung wählen sollte. Dies entspricht der Frage nach der optimalen Allokation von Verfügungsrechten an einem Unternehmen auf die Kapitalgeber. Property-Rights-Theorie 157 M /M (1958, S. 267–271) konnten zeigen, dass der Wert eines Unternehmens in einer neoklassischen Modellwelt ohne Transaktionskosten von der Wahl der Kapitalstruk tur unabhängig ist. In der Realität spielen Transaktionskosten eine Rolle. Beispielsweise führt die Einführung von Steuern auf Überschüsse eines Unternehmens zur Vorteilhaftigkeit einer erhöhten Fremdfinanzierung, da Zinsen von der Steuer abgesetzt werden können (vgl. M /M 1958, S. 272f.). Neben der Principal Agent Theorie (vgl. bspw. J /M 1976) lässt sich die Property Rights Theorie zur Untersuchung der Anreizeffekte von unterschiedlichen Finanzierungsstruk turen verwenden: Optimale Anreizseffekte liegen bei einer vollständigen Zuordnung von Verfü gungsrechten auf einen Eigentümer Manager vor (vgl. R 2006, S. 124–126). Sämtliche Kosten und Nutzen der Entscheidungen trägt der Eigentümer Manager, was zur effizienten Nutzung der Ressource Unternehmen führt. Aufgrund von Risikoaversion oder beschränkter Kapitalverfügbarkeit beim Eigentümer Mana ger kann es notwendig sein, weitere Kapitalgeber in die Unternehmensfinanzierung einzubezie hen und die Verfügungsrechte zu verdünnen.Wird das Unternehmen durch mehrere Eigenkapi talgeber finanziert, entsteht für einen einzelnen Eigenkapitalgeber der Anreiz, zu große Risiken einzugehen, da ein Teil des erhöhten Risikos durch die anderen Eigenkapitalgeber übernommen wird. Dieses Phänomen verstärkt sich, wenn insbesondere bei geringem Eigenkapital ein Teil der Finanzierung durch Fremdkapitalgeber erfolgt (vgl. hierzu und im Folgenden R 2006, S. 179–180). Zwar werden Fremdkapitalansprüche stets vor Eigenkapitalansprüchen befriedigt, Eigenkapitalgeber erhalten das Residuum, jedoch tragen in dieser Verfügungsrechtestruktur die Fremdkapitalgeber einen großen Teil des Verlustrisikos, sollte das Unternehmen insolvent werden. Die Eigenkapitalgeber partizipieren überproportional amGewinn aus dem Projekt. Um unter anderem die Ausnutzung der Fremdkapitalgeber durch die Eigenkapitalgeber bzw. das den Eigenkapitalgebern verpflichtete Management zu mildern, wurden in der modernen Unterneh mung Institutionen wie der Aufsichtsrat geschaffen. Im Aufsichtsrat können Fremdkapitalgeber die Entscheidungen der Eigenkapitalgeber überwachen. Der Anreiz zur Überwachung hängt vom Grad der Verdünnung des Fremdkapitals und den mit der Überwachung verbundenen Transaktionskosten ab. Je mehr Fremdkapitalgeber sich die Überwachungsanstrengungen teilen, desto höher ist der Anreiz eines Einzelnen, sich davor zu drücken. Je höher die bei der Überwachung anfallenden Informations und Kontrollkosten sind, desto geringer ist das zu erwartende Ausmaß der Überwachung. 3.6 Steuerung von Anreizen für das Unternehmensmanagement Betrachtet wird eine Unternehmung, in der das Eigentum (Veräußerungsrecht und Gewinna neignungsrecht) sowie die Verfügungsmacht (Koordinationsrecht) zwischen Kapitalgebern und Management des Unternehmens aufgeteilt sind (z.B. eine Publikumsaktiengesellschaft). Für diese Situation bietet die Property Rights Theorie ein geeignetes Instrumentarium zur Analyse von Anreizstrukturen an (in Anlehnung an R 2006, S. 181–184). Ein Manager ist laut seinem Anstellungsvertrag zwar zur Steigerung des Unternehmenswerts verpflichtet, seine Nutzenfunktion ist jedoch auch von anderen Einflussfaktoren, sog. „fringe benefits“ genannt, abhängig (z.B. großer Geschäftswagen, großes Büro (vgl. W 1964)). Diese senken den Unternehmenswert. Außerdem können Manager in die Stärkung ihrer Machtposition in vestieren, statt den Unternehmenswert zu steigern. Die Handlungen des Managements haben somit externe Effekte auf die Kapitalgeber. Um diese Effekte zu vermeiden, schlägt die Proper ty Rights Theorie deren Internalisierung vor. Dies kann bespielsweise erreicht werden, indem Manager erfolgsabhängig vergütet werden. 158 Armin Höll 3.7 Regulierung des Kapitalmarkts Der Kapitalmarkt dient der Umverteilung von Verfügungsrechten an Kapital und soll diese möglichst ihrer effizientesten Verwendungsmöglichkeit zuführen. Die Property Rights Theorie kann für Überlegungen zur optimalen Gestaltung des Kapitalmarktes herangezogen werden. Die Theorie postuliert, je geringer die Transaktionskosten im Markt sind, desto besser funk tioniert der Umverteilungsmechanismus. Gesetze zur Regulierung des Kapitalmarktes sollten folglich Informations und Suchkosten durch die Schaffung von Transparenz senken. In der Praxis unterstützen beispielsweise die Pflicht zur regelmäßigen Veröffentlichung von Quartals und Jahresberichten sowie die Ad hoc Veröffentlichungspflicht aktienkurswirksamer Neuig keiten dieses Ziel. Außerdem senken diese Pflichten die Kontrollkosten, da kapitalvernichtende Entscheidungen amMarkt leichter abgestraft werden können (vgl. F /P 1972, S. 1150). 4 Zusammenfassung Die Property Rights Theorie erschließt durch die teilweise Aufhebung neoklassischer Annah men, insbesondere durch das Abstellen auf individuelle Nutzenmaximierung, neue Betrach tungsfelder. Dabei fokussiert dieTheorie die Analyse von Verfügungsrechten und ihre Wirkung auf das Verhalten von Individuen. Bestehende Verfügungsrechteverteilungen werden unter Be achtung von äußeren Umständen der Realität untersucht. Zielsetzung ist, bezogen auf vorher festgelegte Kriterien, effizientere Property Rights Verteilungen zu identifizieren. Damit will die Property Rights Theorie Handlungsanweisungen liefern, wie bestehende (relativ) ineffiziente in neue effizientere Verfügungsrechtestrukturen überführt werden können. Die eindimensionale Fokussierung der Property Rights Theorie auf die Optimierung allokativer Effizienz wird gerne kritisiert (vgl. T 1981, S. 232f.). Die Grundausrichtung der Pro perty Rights Theorie verfolge die Idee, alle ökonomischen Probleme könnten über den Markt gelöst werden. Dabei stelle sie Privateigentum über Gemeineigentum. Kritiker bemängeln die Vernachlässigung von weiteren erstrebenswerten Zielsetzungen (vgl. D 1968, S. 33) wie die Realisierung gewünschter Einkommensverteilungen, Arten und Intensität der Ressourcen nutzung, Arbeitsplatzmerkmale etc. Außerdem werde festgestellt, (reine) Kollektivgüter ließen sich über den Marktmechanismus nicht produzieren. Grund dafür seien die zu hohen Kosten des Ausschlusses von Individuen von der Nutzung des öffentlichen Gutes (vgl. T 1981, S. 235). Kritiker sehen die Property Rights Theorie als „spekulative Theorie“ (vgl. A /D 1973, S. 26). Eine (mathematische) Formalisierung der Theorie und eine empirische Über prüfung habe noch kaum stattgefunden (vgl. T 1981, S. 236). Die empirische Bestä tigung werde erschwert durch Probleme bei der Quantifizierung von externen Effekten und Transaktionskosten (vgl. S 1978, S. 84). Außerdem scheitere die Bestimmung von Nutzenfunktionen, die zur Ermittlung effizienter Verfügungsrechteverteilungen nötig sind, an der Unschärfe der Realität. Auch wenn die genannten Kritikpunkte ihre Berechtigung haben, stellt die Property Rights Theorie einen deutlichen Fortschritt gegenüber neoklassischen Denkansätzen dar (vgl. F /P 1972, S. 1137). Sie ermöglicht, menschliches Handeln unter gegebenen insti tutionellen Rahmenbedingungen vorherzusagen. Damit lenkt sie beispielsweise das Augenmerk Property-Rights-Theorie 159 darauf, dass „ineffizient“ handelnde Menschen nicht per se schlecht sind, sondern die äußeren Rahmenbedingungen sie zu ihrem Handlen verleiten (vgl. T 1981, S. 234). Literaturverzeichnis alChian, a. a. (1977): Economic Forces at Work, Indianapolis, 1977. alChian, a. a.; DemseTz, h. (1972): Production, Information Costs, and Economic Organi zation, in: American Economic Review, Vol. 62, No. 5, S. 777–795. alChian, a. a.; DemseTz, h. (1973): The Property Right Paradigm, in: Journal of Economic History, Vol. 33, No. 1, S. 16–27. Coase, r. h. (1937): The Nature of the Firm, in: Economica, Vol. 4, No. 15, S. 386–405. Coase, r. h. (1960): The Problem of Social Cost, in: Journal of Law and Economics, Vol. 3, S. 1–44. Coase, r. h. (1984):The New Institutional Economics, in: Journal of Institutional and Theo retical Economics, Vol. 140, S. 229–231. DemseTz, h. 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References

Zusammenfassung

Dieser Sammelband bietet einen Überblick über relevante Theorien der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie ausgewählte Methoden der qualitativen und quantitativen Forschung. Der Leser hat die Möglichkeit, jede hier behandelte Theorie und Methode in ihren grundlegenden Aussagen bzw. Funktionsweisen zu verstehen sowie hilfreiche Hinweise und Literaturquellen für ein vertiefendes Studium jedes Themenfeldes zu erhalten.

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Der Überblick über die Theorien und Methoden der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

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