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Stefanie Hochhold, Bernd Rudolph, Principal-Agent-Theorie in:

Manfred Schwaiger, Anton Meyer (Ed.)

Theorien und Methoden der Betriebswirtschaft, page 135 - 148

Handbuch für Wissenschaftler und Studierende

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3613-6, ISBN online: 978-3-8006-4437-7, https://doi.org/10.15358/9783800644377_135

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Stefanie Hochhold /Bernd Rudolph Principal Agent Theorie Zusammenfassung Im Rahmen der Principal Agent Theorie als Teilgebiet der Neuen Institutionenökonomik sollen Probleme aufgezeigt und gelöst werden, die im Rahmen einer Leistungsbeziehung zwischen einem Auftraggeber, dem Principal und einem Auftragnehmer, dem Agenten, auftreten kön nen. Problematisch ist eine Principal Agent Beziehung immer dann, wenn eine Partei besser informiert ist als die andere und gleichzeitig Interessenskonflikte zwischen den beiden Parteien bestehen und somit Agency Kosten entstehen. Asymmetrische Informationen können bereits vor Vertragsabschluss über die Qualität der zu erbringenden Leistungen (Adverse Selection) oder nach Vertragsabschluss über die Handlungen der Vertragspartner (Moral Hazard) beste hen. Ziel der Principal Agent Theorie ist es, vertragliche oder anderweitige Vereinbarungen zu finden, um die Agency Kosten zu minimieren. Im Falle von vorvertraglicher Qualitätsunsicher heit eignen sich Signalling und Screening Mechanismen, bei einer Moral Hazard Problematik, Monitoring und Anreizverträge zur Reduktion von Agency Kosten. Dipl. Kffr. Stefanie Hochhold ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am In stitut für Kapitalmarktforschung und Finanzierung an der Ludwig Maximilians Universität München. Prof. Dr. Bernd Rudolph ist Lehrstuhlinhaber und Vorstand des Instituts für Kapitalmarktfor schung und Finanzierung an der Ludwig Maximilians Universität München. Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 2 Überblick über die Principal Agent Theorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134 2.1 Die Principal Agent Theorie im Kontext der Neuen Institutionenökonomik . . . 134 2.2 Informationsasymmetrie innerhalb einer Principal Agent Beziehung . . . . . . . . . 135 2.3 Agency Kosten im Rahmen der Principal Agent Beziehung . . . . . . . . . . . . . . . . 136 3 Darstellung vor und nachvertraglicher Principal Agent Problematik . . . . . . . . . . . . . 137 3.1 Adverse Selection als vorvertragliche Informationsasymmetrie . . . . . . . . . . . . . . 137 3.1.1 Auftreten von Adverse Selection . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137 3.1.2 Reduktion von Adverse Selection . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138 3.2 Moral Hazard als nachvertragliche Informationsasymmetrie . . . . . . . . . . . . . . . 139 3.2.1 Auftreten von Moral Hazard . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139 3.2.2 Reduktion von Moral Hazard . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139 3.3 Anwendung der Principal Agent Theorie in der Kapitalmarktforschung . . . . . . 140 4 Würdigung der Principal Agent Theorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142 Principal-Agent-Theorie 133 1 Einleitung Unternehmen können nicht nur als Orte der Produktion, sondern auch als spezifische Insti tutionen angesehen werden, die das Ziel verfolgen, auf Grundlage von Ideen und Kenntnis sen mehrerer Wirtschaftssubjekte einen Mehrwert zu schaffen. Den Entscheidungsträgern im Unternehmen werden dabei Handlungsspielräume gegeben, um auf neue Informationen und Marktgegebenheiten schnell und flexibel reagieren zu können. Dabei kann es aufgrund individu eller Nutzenmaximierungen und begrenzter Rationalität der einzelnen Wirtschaftssubjekte zu Koordinations und Informationsproblemen kommen. Diese Sichtweise von Unternehmen als „legal fictions which severe as a nexus for a set of contracting relationships among individuals“ (J /M 1976, S. 310) entspricht der Theorie der Neuen Institutionenökonomik. Die Principal Agent Theorie stellt ein Teilgebiet der Neuen Institutionenökonomik dar. Dabei werden im Rahmen der positiven Principal Agent Theorie1 Probleme aufgezeigt und beschrie ben, die im Rahmen einer Leistungsbeziehung zwischen einem Auftraggeber, dem Principal und einem Auftragnehmer, dem Agenten, auftreten können. Problematisch ist eine Principal Agent Beziehung immer dann, wenn eine Partei besser informiert ist als die andere und gleichzeitig Interessenskonflikte zwischen den beiden Parteien bestehen. Je nachdem, ob bereits vor Vertrags abschluss Unsicherheit über die Qualität der zu erbringenden Leistung (Adverse Selection), oder nach Vertragsabschluss Unsicherheit über die Handlungen der Vertragspartner besteht (Moral Hazard), kann die Principal Agent Theorie in vor und nachvertragliche Untersuchungsein heiten eingeteilt werden. Im Rahmen dieser Arbeit sollen nach einem Überblick über die Principal Agent Theorie die vor und nachvertragliche positive Principal Agent Problematik an jeweils einem Beispiel erläutert werden. Die vorvertragliche Qualitätsunsicherheit wird an einem Arbeitsmarkt modell von S (1973) diskutiert, die nachvertragliche Verhaltensunsicherheit wird an hand des Beispiels einer Arbeitgeber Arbeitnehmer Beziehung von S (1987) dar gestellt. Im Anschluss werden jeweils Möglichkeiten zur Reduktion von vorvertraglicher Qualitätsunsicherheit und nachvertraglicher Verhaltensunsicherheit aufgezeigt. In Abschnitt 4 wird exemplarisch die Anwendung der Principal Agent Theorie auf dem Gebiet der Kapital marktforschung und Finanzierung skizziert. Dabei wird der Fokus auf eine Gläubiger Schuld ner Beziehung, sowie auf eine Eigentümer Manager Beziehung gelegt. Die Arbeit schließt mit einer kritischen Würdigung und dem Hinweis auf Notwendigkeit der Erweiterung dieses Theorieansatzes im Rahmen des Erklärungs und Gestaltungsbeitrages der Principal Agent Theorie. Neben der positiven Principal Agent Theorie beschäftigt sich die normative Principal Agent Theorie mit dem Versuch für die jeweilige Situation optimale Verträge und Institutionen zu entwerfen. Um eine Lösung für eine Principal Agent Problematik für interagierende Parteien mit unterschiedlichen Informationsständen zu finden, kann man sich häufig der Systematik der dynamischen Spieltheorie bedienen (vgl. in diesem Herausgeberband, M ). 134 Stefanie Hochhold /Bernd Rudolph 2 Überblick über die Principal Agent Theorie 2.1 Die Principal Agent Theorie im Kontext der Neuen Institutionenö konomik Die zentrale Annahme der neoklassischen Organisationstheorien beruht auf vollkommenem Wettbewerb und rationalen Akteuren. Die Neue Institutionenökonomik stellt eine Weiterent wicklung dieses ökonomischen Standardmodells unter Auflockerung der neoklassischen Ver haltensannahmen dar. Im Rahmen der Theorie der Neuen Institutionenökonomik wird mit Hilfe verschiedener Ansätze versucht, die ökonomische Interaktion unvollkommener Akteure, Menschen mit begrenzter Rationalität und Moral, zu erklären (vgl. zu folgender Übersicht P . 2002; K 2004). Innerhalb dieser Theorie existieren drei Ansätze, die sich mit den Auswirkungen von Institutionen2 auf das Verhalten individuell nutzenmaximierender und begrenzt rationaler Menschen beschäftigen. Zu den drei Teilströmungen der Neuen Insti tutionenökonomik zählen die Property Rights Theorie, die Transaktionskostentheorie und die Principal Agent Theorie. Die Property-Rights-Theorie betrachtet Verhaltensmuster ökonomischer Akteure, die Handlungs und Verfügungsrechte von existierenden Gütern betreffen. Dabei ist der Wert eines Gutes nicht nur durch dessen physikalische Eigenschaften, sondern auch durch die jeweiligen ausübbaren Handlungs und Verfügungsrechte eines Individuums determiniert. Sind die Handlungs und Verfügungsrechte an einem Gut auf mehrere Individuen verteilt, können aufgrund der jewei ligen individuellen Nutzenmaximierung Wohlfahrtsverluste entstehen. Innerhalb der Proper ty Rights Theorie wird versucht, effiziente Institutionen zu entwickeln, um Wohlfahrtsverluste möglichst gering zu halten (vgl. in diesem Herausgeberband, H ). In engem Zusammenhang dazu steht die Transaktionskostentheorie. Hier sollen Institutionen dazu beitragen, Transaktionskosten möglichst gering zu halten. Transaktionskosten entstehen immer dann, wenn bei einer einzelnen Transaktion Verfügungsrechte zwischen den beteilig ten Akteuren übertragen werden. Unter Transaktionskosten werden alle monetär erfassbaren Größen wie auch nichtmonetäre Komponenten wie Mühe und Zeit subsumiert (vgl. in diesem Herausgeberband, W ). Die Principal Agent Theorie untersucht die Leistungsbeziehung der an einer Transaktion be teiligten Akteure. Innerhalb dieser Beziehung können bei ungleichen Interessen der Markt teilnehmer Koordinations und Motivationsprobleme zwischen Auftraggeber (Principal) und Auftragnehmer (Agent) auftreten, da künftige Umweltzustände und mögliche Reaktionen der Akteure nicht vollständig in Rahmenverträgen3 beschrieben werden können. Das Wissen der Akteure ist somit unvollständig und oftmals zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer un gleich verteilt. Das bedeutet, dass mindestens einMarktteilnehmer über Informationen verfügt, die anderen Marktteilnehmern nicht zugänglich sind. Unter einer Institution wird ein Konstrukt wie z.B. ein Vertrag oder eine Organisationsstruktur verstanden. Die Herleitung eines optimalen Rahmenvertrages steht imMittelpunkt der Vertragstheorie. Hier fließen strategische Überlegungen der Vertragspartner während der Verhandlungmit ein. Dies setzt eine Analyse strategischer Interaktionen der Spieler sowie möglicher Anreizbedingungen des Vertrages voraus. Zur Herleitung des optimalen, anreizverträglichen Vertrages werden oftmals Methoden der Spieltheorie eingesetzt. Somit kann die Prinzipal Agent Theorie auch in die Vertragstheorie vollständiger Verträge eingeordnet werden (vgl. bspw. B 2005). Principal-Agent-Theorie 135 Diese asymmetrische Informationsverteilung führt dazu, dass pareto optimale Gleichgewichte nicht erreicht werden können und anstelle von First best Lösungen nur Second best Lösungen erzielbar sind. Die im Rahmen einer Leistungsbeziehung bei asymmetrisch verteilter Infor mation resultierenden Mehrkosten, die im Vergleich zu einer First best Lösung bei symme trisch verteilter Information entstehen, werden als Agency Kosten bezeichnet. Ziel der agency theoretischen Institutionengestaltung ist es, die Agency Kosten zu minimieren und gegeben asymmetrisch verteilter Information die Second best Lösung der First best Lösung möglichst anzunähern. 2.2 Informationsasymmetrie innerhalb einer Principal Agent Beziehung Untersuchungsgegenstand von Principal Agent Modellen sind Vertragsprobleme, die aufgrund asymmetrisch verteilter Information entstehen. Informationsasymmetrien können immer dann auftreten, wenn ein Individuum als Auftraggeber mit einem anderen Individuum als Auftrag nehmer einen Vertrag über die Erfüllung einer bestimmten Aufgabe schließt. Zusätzlich zu einer asymmetrischen Informationsverteilung muss zur Entstehung einer Principal Agent Problematik ein Zielkonflikt zwischen den beiden Parteien bestehen. Asymmetrisch verteilte Information kann dahingehend unterschieden werden, ob diese vor oder nach Abschluss eines Vertrages entsteht. Dabei wird der Begriff „Adverse Selection“ analog zur vorvertraglichen In formationsasymmetrie verwendet und der Begriff „Moral Hazard‘‘ analog zur nachvertraglichen Informationsasymmtrie.4 Im Rahmen der Adverse Selection besteht vor Vertragsabschluss Unsicherheit über die Qualität der Leistungserbringung des Agenten gegenüber dem Principal. Die wahre Qualität der Leistung erfährt ein Principal erst ex post, also nach dem eigentlichen Vertragsabschluss. In diesem Zu sammenhang kann es dazu kommen, dass ein Principal unerwünschte Vertragspartner auswählt und die Gefahr besteht, dass Agenten mit einer unterdurchschnittlichen Qualität ihrer Leistung diese Tatsache bewusst verheimlichen und Agenten mit einer überdurchschnittlichen Leistung diese nicht verbindlich zeigen können. Auf Grund der Unsicherheit wird deshalb bei schlechter Qualität ein zu hoher und bei guter Qualität ein zu niedriger Preis am Markt erzielt. Das hätte zur Folge, dass sich Agenten mit einer Leistungserstellung von überdurchschnittlicher Qualität vom Markt zurückziehen. Diesen Mechanismus zeigt A (1970) in einem Modell am Beispiel des Gebrauchtwagenmarktes, des „market for lemons“. Der Markt bricht zusammen, wenn die Qualitätsunsicherheit so groß wird, dass Agenten mit überdurchschnittlicher Leistung sukzessive den Markt verlassen. Ein weiteres Beispiel für den Zusammenbruch eines Marktes aufgrund vorvertraglicher Qualitätsunsicherheit wird in dem Arbeitsmarktmodell von S (1973) betrachtet, welches in Abschnitt 3.1 näher vorgestellt wird. Bei der nachvertraglichen Informationsasymmetrie, dem Moral Hazard, werden Situationen beschrieben, in denen beide Parteien bei Vertragsabschluss über gleiche Informationen verfü gen, nach Vertragsabschluss jedoch eine Partei, typischerweise der Agent, einen Informations vorsprung erhält. Dies ist der Fall, wenn der Agent Handlungen vornimmt, die der Principal Die Begriff lichkeiten „Adverse Selection“ und „Moral Hazard“ stammen ursprünglich aus der Versicherungsliteratur. Adverse Selection beschreibt den Informationsvorteil, den ein Versicherungsnehmer gegenüber seiner Versicherung hinsichtlich Höhe und Wahrscheinlichkeit im Falle eines eintretenden Schadens hat.MitMoral Hazard wird die Situation beschrieben, in der die Versicherung nicht beobachten kann, ob der Versicherungsnehmer nach Vertragsabschluss nötige Handlungen zur Schadensvermeidung vornimmt oder unterlässt (vgl. M C 1995, S. 477). 136 Stefanie Hochhold /Bernd Rudolph nicht beobachten kann. Innerhalb der nachvertraglichen Unsicherheit kann zwischen „Hidden Action“ und “Hidden Information“ unterschieden werden.5 Im Fall der Hidden Action nimmt der Agent Handlungen vor beziehungsweise trifft Entscheidungen, die der Agent nicht beo bachten kann, die jedoch das angestrebte Ergebnis innerhalb der Leistungsbeziehung für den Principal negativ beeinflussen können. Dazu zählen auch Handlungen, die der Principal zwar beobachten kann, die aber vor einer Gerichtsbarkeit nicht verifizierbar sind. Der in der Literatur unbedeutendere Fall der Hidden Information beschreibt die Situation, in welcher der Agent im Gegesatz zum Principal Informationen über Umweltzustände besitzt, die das optimale Hand lungsergebnis beeinflussen können (vgl. A 1985, S. 38–40). Nachteile, die durch asymmetrisch verteilte Informationen in Form von Agency Kosten für den Auftraggeber wie auch für den Auftragnehmer entstehen können, werden im Folgenden erläutert. 2.3 Agency Kosten im Rahmen der Principal Agent Beziehung Innerhalb einer Principal Agent Beziehung können Agency Kosten im Rahmen einer Leistungs beziehung aufgrund einer ineffizienten Second best Lösung entstehen. Da Principal und Agent versuchen, ihren jeweiligen Nutzen zu maximieren, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Agent nicht immer im Interesse des Principals handeln wird. Diesem Bestreben kann der Principal entgegenwirken, indem er ein geeignetes Anreizsystem für den Agenten konzipiert, um die Interessen des Agenten den eigenen Zielen anzugleichen. Ebenso besteht die Möglichkeit, den Agenten zu überwachen, um seine Handlungsfreiheit einzuschränken. Außerdem könnte es für den Agenten sinnvoll sein, glaubwürdig zu signalisieren, dass er im Interesse des Principals handelt und im Falle eines Verstoßes eine Vertragsstrafe zahlen muss. Wenn Informationsasymmetrien vorhanden sind, ist es nicht möglich, diese ohne zusätzliche Kosten zu reduzieren. Nach J /M (1976) setzen sich diese Kosten aus drei Kom ponenten zusammen: den Signalisierungskosten des Auftragnehmers, den Kontrollkosten des Auftraggebers und dem verbleibenden Wohlfahrtsverlust. Die Signalisierungskosten des Agenten umfassen alle Anstrengungen, die dieser unternimmt, um Informationsasymmetrien gegenüber dem Principal abzubauen. Die Bemühungen, die ein Principal anstellt, um seinen Informationsnachteil gegenüber dem Agenten abzubauen, werden als Kontrollkosten zusammengefasst. Selbst wenn der Agent hohe Signalisierungskosten und der Principal hohe Kontrollkosten in Kauf nehmen, um Informationsasymmetrien zu minimieren, kommt es in der Regel zu keiner vollständigen Elimination von ungleich verteilter Informati on. Es existiert daher noch eine Abweichung im Ergebnis bei vollkommener Information und größtmöglicher Minimierung der Informationsasymmetrie bei unvollkommener Information. Diese Differenz wird als verbleibender Wohlfahrtsverlust oder „Residual Loss“ bezeichnet. Im Rahmen des Principal Agent Ansatzes wird nach geeigneten Mechanismen zur Verminderung der Informationsasymmetrie gesucht. Im Falle von Adverse Selection eignen sich insbesondere Signalling und Screening Mechanismen zur Reduktion von Informationsasymmetrien. Liegt nachvertragliche Informationsasymmetrie vor, kann diese durch Kontrollaktivitäten und Ver tragsinstrumente verringert werden. Die Begrifflichkeiten „Hidden Action“ und „Hidden Information“ werden in der Literatur nicht einheitlich verwendet. In vorliegender Arbeit werdenHidden Action undHidden Information innerhalb der nachvertraglichen Principal Agent Problematik als Ausprägungen desMoral Hazard verwendet (vgl. R /F 2003, S. 477; A 1985, S. 38–40). Principal-Agent-Theorie 137 Ausgehend von der zugrundeliegenden Informationsproblematik soll die Principal Agent Theo rie einen Beitrag dazu leisten, vor und nachvertragliche Verhaltensprobleme unter Minimierung der Agency Kosten zu begrenzen. Da Agency Kosten aber nicht genau quantifizierbar sind, die nen sie in erster Linie als heuristisches Beurteilungskriterium (vgl. D 1993, S. 145). Darin, dass Agency Kosten nicht genau quantifiziert werden können, jedoch als Optimierungsgröße in Principal Agent Modellen dienen, liegt ein wesentliches Problem dieser Theorie. Mit zuneh mender Informationsasymmetrie steigen der Steuerungsbedarf des Principals und gleichzeitig die Agency Kosten. 3 Darstellung vor und nachvertraglicher Principal Agent Problematik 3.1 Adverse Selection als vorvertragliche Informationsasymmetrie 3.1.1 Auftreten von Adverse Selection Annahmegemäß besteht Unsicherheit über die Qualität einer Leistung im Rahmen einer Prin cipal Agent Beziehung immer dann, wenn der Agent zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses über private Informationen verfügt, die dem Principal nicht bekannt sind. Das Auftreten von Adverse Selection soll nun anhand eines Beispiels illustriert werden. Betrachtet wird ein exem plarisches Arbeitsmarktmodell von S (1973), dessen Formalstruktur hier nicht wiederge geben wird. Am Arbeitsmarkt bieten zwei Typen von Arbeitern (Agents), die über niedrige oder hohe Pro duktivität verfügen, ihre Arbeitskraft an. Mehrere identische Unternehmen wollen Arbeitskräfte einstellen. Die amMarkt agierenden Unternehmen sind risikoneutral und setzen eine identische Produktionstechnologie ein, welche konstante Skalenerträge liefert. Für die Produktion des Gutes wird lediglich die Arbeitsanstrengung des Arbeiters benötigt. Auf dem Arbeitsmarkt herrscht vollkommener Wettbewerb, d.h. die erwartete Produktivität der Arbeiter ist gleich dem Lohnangebot. Ist der jeweilige Typ des Arbeiters nun common knowledge, also das Produktivitätsniveau ist für den Arbeitgeber beobachtbar, würde sich auf diesem Arbeitsmarkt ein pareto effizientes Konkurrenzgleichgewicht einstellen. Für die Unternehmen besteht kein Unterscheidungspro blem und die Arbeiter würden gemäß ihrer Produktivität differenzierte Lohnangebote erhalten. Adverse Selection tritt auf, wenn dem Arbeitgeber (Principal) die Produktivität des Arbeiters vor Abschluss eines Arbeitsvertrages nicht bekannt ist. Es besteht keine Möglichkeit, das tat sächliche Produktionsniveau des Arbeiters an Kriterien wie Alter, Geschlecht, Ausbildung oder bisheriger Berufserfahrung zu erkennen. Nach Vertragsabschluss sei eine Nachverhandlung des Lohnniveaus auf Basis des nun beiderseits bekannten Produktivitätsniveaus des Arbeiters nicht möglich. Dies hat zur Folge, dass die Arbeitgeber identische Lohnangebote in Höhe der erwarteten, durchschnittlichen Produktivität der Arbeiter unterbreiten. Ein guter Arbeiter hat demzufolge keinen Anreiz mehr, dieses Lohnangebot anzunehmen und zieht sich vom Arbeits markt zurück. Es stellt sich ein Gleichgewicht ein, in dem nur noch Arbeiter mit niedriger Produktivität auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, mit einem Lohnangebot in Höhe des niedrigen Produktivitätsniveaus, der Markt bricht zusammen. 138 Stefanie Hochhold /Bernd Rudolph 3.1.2 Reduktion von Adverse Selection Wenn Unsicherheit über die Qualität der Leistung des Agenten besteht, gibt es unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem. Zum einen wäre ein genereller Interessensangleich beider Vertragspartner möglich. Dieser kann z.B. daraus resultieren, dass ein Agent, wenn er über mehrere Perioden am Markt agiert, nur vom Principal erwünschte Leistungen anbietet, um einen Reputationsverlust für nachfolgende Leistungsbeziehungen zu vermeiden. Eine weitere Möglichkeit der Reduktion einer Adverse Selection Problematik besteht darin, Informationsa symmetrie durch Signalling, Screening oder Self Selection zu beseitigen. Das Problem des Marktversagens auf demModellarbeitsmarkt von S wird dadurch gelöst, dass es dem Arbeiter mit hoher Produktivität möglich wird, dem Arbeitgeber dies glaubhaft zu signalisieren. Um die Qualitätsunsicherheit bezüglich des Produktivitätsniveaus der Arbeiter zu reduzieren, führt S eine weitere Annahme in sein Modell ein. Jeder Arbeiter kann vor Zutritt auf den Arbeitsmarkt eine Ausbildung absolvieren. Das Ausbildungsniveau des einzelnen Arbeiters ist für den Arbeitgeber beobachtbar. Die Ausbildung verursacht für den Arbeiter in Abhängigkeit des Ausbildungsniveaus und der Produktivität Kosten. Jeder Arbeiter maximiert seinen Nutzen aus Arbeitseinkommen und Ausbildungskosten. Damit die Ausbildung eine Signalwirkung über die nicht beobachtbare Produktivität der Agenten hat, muss gelten, dass der Vorteil der Signalproduktion, also der Lohn für Arbeiter mit hohem Produktionsniveau, höher ist als die Kosten der Signalproduktion, also der Ausbildung. DesWeiteren muss gelten, dass die Ausbildungskosten für Arbeiter mit niedriger Produktivität höher sind als der Vorteil durch den Erhalt eines höheren Lohnes. Das bedeutet, dass sich eine Ausbildung nur für Arbeiter mit hoher Produktivität lohnt und der Principal anhand des beobachtbaren Ausbildungsniveaus somit die Produktivität des Agenten ex ante erkennen kann. Um dieses separierende Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt unter Berücksichtung von Signalling zu finden, wendet Spence die Systematik dynamischer Spiele mit unvollkommener Information an. S kann zeigen, dass tatächlich ein separierendes Gleichgewicht existiert. Im Gleichgewicht sind die Kosten einer Ausbildung für einen Arbeiter mit niedriger Produktivität gerade um soviel höher als für einen Arbeiter mit hoher Produktivität, dass es sich für den Arbeiter mit niedriger Produktivität nicht lohnt, in eine Ausbildung zu investieren. Der Arbeiter mit hoher Produktivität wählt dasjenige Ausbil dungsniveau, mit welchem er sich von seinem niedrigproduktiven Kontrahenten differenzieren kann. Dadurch kann ein Arbeiter mit hoher Produktivität in diesem Modell ein klares Signal über sein Produktivitätsniveau senden. Eine weitere Möglichkeit die Informationsasymmetrie auf diesem Arbeitsmarkt zu beseitigen ist das Screening. Darunter werden alle Aktivitäten verstanden, durch die der Principal versucht, Informationen über relevante Qualitätsmerkmale des Agenten einzuholen. Darunter können Einstellungstests oder auch die vertragliche Vereinbarung einer Probezeit fallen. Ein dritter Aspekt zum Abbau von Informationsasymmetrie ist die Self Selection. Dabei werden den Agenten unterschiedlich ausgestaltete Verträge angeboten. Ziel der unterschiedlichen Ver tragsstrukturen ist es, durch gezielte Anreizsetzung die tatsächlichen Qualitätsmerkmale ex ante zu evaluieren. Um Arbeiter mit hohem Produktionsniveau von solchen mit niedrigem Produkti onsniveau zu unterscheiden, könnte zum einen ein Arbeitsvertrag mit variablem, leistungsorien tiertem Entlohnungsschema und andererseits ein Arbeitsvertrag mit fixer, leistungsunabhängiger Entlohnung angeboten werden. Principal-Agent-Theorie 139 3.2 Moral Hazard als nachvertragliche Informationsasymmetrie 3.2.1 Auftreten von Moral Hazard Im Fall der nachvertraglichen Verhaltensunsicherheit verfügt der Agent über mehr Informati onen als der Principal. Der Principal delegiert Handlungsrechte an den Agenten und verpflichtet diesen, im Rahmen eines Vertrages bestimmte Aufgaben zu übernehmen. Die Handlungen des Agenten haben dabei Einfluss auf seinen eigenen Nutzen und auf den Nutzen des Principals. Die Darstellung und die Reduktion von Moral Hazard soll nachfolgend am Beispiel des „linear exponential normal model“ (LEN Modell) von S (1987) dargestellt werden. Mit Hilfe des LEN Modells lässt sich zeigen, wie es im Rahmen eines Arbeitnehmer Arbeitgeber Verhält nisses bei nachvertraglicher Informationsasymmetrie durch Hidden Action zu Wohlfahrtsver lusten kommen kann und wie diese reduziert werden. Im Rahmen des LEN Modells werden folgende Verteilungsannahmen getroffen: die Nutzenfunktion des Agenten ist exponentiell, das Entlohnungsschema linear und das Bruttoergebnis normalverteilt. Der Principal ist der Eigentümer einer Technologie, zu deren Nutzung er die Arbeitsleistung des Agenten in Anspruch nimmt. Der Bruttogewinn der Technologie sei von der Arbeitsleistung des Agenten und einer Zufallsgröße abhängig. Der Principal unterbreitet dem Agenten einen Take it or leave it Arbeitsvertrag, auf dessen Basis der Agent bei Annahme des Vertrages sein Anstrengungsniveau wählt. Der Principal kann am Ende einer Periode den Bruttogewinn beo bachten, weiß aber nicht, wie dieser zustande kam. Folglich kennt er den Arbeitseinsatz und die Realisation der Zufallsgröße nicht. Der Lohn des Agenten orientiert sich am erzielten Bruttoge winn, wobei ein höheres Anstrengungsniveau beim Agenten ein höheres Arbeitsleid verursacht. Die vom Bruttogewinn abhängige Vergütung hat zum Ziel, die Interessen des Agenten an die des Principals anzugleichen. Entscheidet sich der Agent für die Annahme des Vertragsangebotes, kann er die Höhe seines Gehalts durch seinen Arbeitseinsatz über den Gewinn beeinflussen. Die Schwierigkeit, die mit Hilfe des LEN Modells formal auf sehr einfachem Wege gelöst werden kann, besteht dabei darin, dass der Gewinn nicht nur vom Anstrengungsniveau des Agenten, sondern auch von Zufallseinflüsssen abhängig ist. Die zeitliche Struktur des Hidden Action Modells stellt sich wie folgt dar: der Principal bietet dem Agenten einen gewinnabhängigen Anreizvertrag an, den der Agent entweder annimmt oder ablehnt. Im Anschluss wählt der Agent sein Anstrengungsniveau. Zuletzt wird der Bruttogewinn realisiert, der neben dem Anstren gungsniveau des Agenten zusätzlich von einer Zufallsgröße abhängt. Danach erhalten Agent und Principal ihre Zahlungen. Ziel ist es, durch ein geeignetes Anreizvertragsdesign unter Kenntnis der Risikopräferenzen von Principal und Agent, die vorliegende Hidden Action Problematik zu entschärfen. 3.2.2 Reduktion von Moral Hazard Die Problematik der nachvertraglichen Verhaltensunsicherheit kann durchMonitoring oder auch durch Anreiz- und Sanktionssysteme reduziert werden. Mit Hilfe vonMonitoring versucht der Principal Informationsasymmetrien zu entschärfen. Da bei werden diskretionäre Verhaltensspielräume des Agenten eingeengt und über die Handlungen des Agenten Transparenz geschaffen. Das Monitoring verursacht jedoch Kontrollkosten, die im Rahmen einer modelltheoretischen Analyse gänzlich vom Principal getragen werden.6 In der Realität werdenMonitoringkosten, abhängig von der jeweiligen Situation entweder vom Principal, vom Agenten oder anteilig von beiden Vertragspartnern getragen. 140 Stefanie Hochhold /Bernd Rudolph Ein weiterer Aspekt zur Reduktion von Moral Hazard besteht in einem Interessensangleich zwischen Principal und Agent durch die Konstruktion eines geeigneten Anreizsystems. Formal müssen Anreizsysteme zwei Bedingungen erfüllen, was nachfolgend am Beispiel des LEN Mo dells erläutert wird. Zum einen muss die Anreizkompatibilitätsbedingung des Agenten erfüllt sein. Der Anreiz muss dabei für den Agenten so gesetzt werden, dass der erwartete Nutzen bei optimalem Anstrengungsniveau mindestens so groß ist als bei jeder geringeren Anstrengung. Zum anderen muss die Partizipationsbedingung erfüllt sein. Der erwartete Nutzen des Agenten bei Annahme des Vertrages muss mindestens so groß sein wie bei Ablehnung. Der optimale Anreizvertrag lässt sich mit Hilfe der Spieltheorie durch Rückwärtsinduktion ermitteln. Auf der letzten Spielstufe entscheidet sich der risikoaverse Agent für ein Anstrengungsniveau, das Arbeitsleid verursacht und in Abhängigkeit des Anstrengungsniveaus überproportional ansteigt. Er versucht durch die Wahl seines Anstrengungsniveaus seinen Erwartungsnutzen zu maximieren. Auf der vorletzten Stufe entscheidet der Agent, ob er den Vertrag annehmen oder ablehnen soll. Dabei wird er den Vertrag nur annehmen, wenn sein Erwartungsnutzen mindestens so hoch wie sein Reservationsnutzen ist (Partizipationsbedingung). Der Vertrag beinhaltet eine Vergütung, die sich aus einem Anteil Fixgehalt und aus einem variablen Anteil am Bruttoge winn zusammensetzt. Zuletzt wählt der Principal, der sich risikoneutral verhält, das optima le Anreizvertragsdesign unter Antizipation des Verhaltens des Agenten auf den letzten beiden Spielstufen. Die Partizipations und die Anreizkompatibilitätsbedingung des Agenten sollten dabei berücksichtigt werden. Gemäß der Reaktionsfunktion des Agenten auf das Vertragsan gebot des Principals ergibt sich der optimale Arbeitseinsatz des Agenten aus dem Anteil, den er am Bruttogewinn erhält. Unter Beachtung der Reaktionsfunktion des Agenten maximiert der Principal seinen Nutzen durch ein Lohnniveau, das genau dem Reservationsnutzen des Agenten entspricht. Der Anteil des fixen Gehaltsanteils und der variable Anteil am Bruttogewinn zeigen den bestehenden Trade Off zwischen Anreizgestaltung und effizienter Risikoteilung. Der effi ziente Anreizvertrag gestaltet sich in der Form, dass je höher der Riskoaversionskoeffizient des Agenten, beziehungsweise je höher die Varianz der Ergebnisse ist, umso höher ist im Optimum der fixe Gehaltsanteil und umso kleiner ist der variable Gewinnanteil. Im Rahmen des Modells gilt, dass bei Risikoneutralität des Agenten die First best Lösung im Falle eines Hidden Action Problems erreicht werden kann und somit keine Wohlfahrtsverluste entstehen. Der Ansatz des LEN Modells hat den Vorteil, dass das Anreizschema dabei genau quantifiziert werden kann. Weitere Möglichkeiten in diesem Kontext der nachvertraglichen Arbeitgeber Arbeitnehmer Beziehung Handlungsunsicherheit zu reduzieren, wären z.B. Maßnahmen von Mitarbeiterbin dung an das Unternehmen oder Monitoring in Form von regelmäßigen Ergebnispräsentationen, Berichterstattungen sowie eine geeignete Kostenallokation (vgl. P /Z 1998, S. 188). In der Praxis kann es durchaus sinnvoll sein, bei der Minderung von nachvertraglicher Verhal tensunsicherheit qualitative Instrumente wie Monitoring mit quantitativen Instrumenten wie dem Abschluss eines optimalen Anreizvertrages zu kombinieren. 3.3 Anwendung der Principal Agent Theorie in der Kapitalmarkt forschung Im Rahmen der Kapitalmarktforschung und Finanzierungstheorie hat der Principal Agent Ansatz eine besondere Bedeutung. Interessenskonflikte können dabei zwischen allen an einem Finanzierungsvertrag beteiligten Wirtschaftssubjekten vor sowie nachvertraglich auftreten. Insbesondere werden Gemeinsamkeiten und Konflikte zwischen Schuldnern und Gläubigern Principal-Agent-Theorie 141 sowie zwischen Managern und Eigentümern untersucht. Eine Principal Agent Beziehung kann zwischen den Beteiligten am Kapitalmarkt wechselseitig bestehen. Im Rahmen einer Kreditfinanzierung besteht Unsicherheit des Kreditgebers über relevante Merkmale des Kreditnehmers in Form von vorvertraglicher Qualitätsunsicherheit. Der Kredit nehmer kann seine Kreditwürdigkeit selbst besser beurteilen und dieWahrscheinlichkeitsvertei lung seines Rückzahlungsstroms besser einschätzen. Analog zumGebrauchtwagenmarktmodell von A (1970) kommt es auch auf dem Kreditmarkt zu einem Marktversagen, wenn Kreditnehmer mit einer hohen Rückzahlungswahrscheinlichkeit nicht von solchen mit einer niedrigen Rückzahlungswahrscheinlichkeit unterschieden werden können. Der Kreditgeber würde von allen Kreditnehmern den gleichen Zins verlangen, der sich aus dem durchschnitt lichen Risikoaufschlag ergibt. Kreditnehmer mit hoher Bonität würden sich daraufhin aus dem Markt zurückziehen und der Markt unter Umständen zusammenbrechen. Durch ein Screening der Kreditnehmer durch die Kreditgeber und durch Hinterlegung von Sicherheiten wird ver sucht, dieses Adverse Selection Problem auf dem Kreditmarkt zu reduzieren (vgl. B 1998, S. 121–130). Hinsichtlich nachvertraglicher Informationsasymmetrie kann es zu einer Moral Hazard Pro blematik in einem Unternehmen mit hoher Verschuldung bei einer Risikoumverteilung (Risk Shifting) von den Eigentümern hin zu den Fremdkapitalgebern kommen. Eigentümer haben bei einem hohen Fremdkapitalanteil einen Anreiz, in riskante und nicht immer in kapitalwert positive Projekte zu investieren. Schlägt das Investitionsprojekt fehl, tragen sie den Verlust nur im Rahmen ihrer geringen Eigenkapitalbeteiligung. Im Erfolgsfall partizipieren diese jedoch vollständig am Gewinn nach Abzug der Fremdkapitalkosten. Ein weiteres Problem hinsichtlich nachvertraglicher Verhaltensunsicherheit bei einem verschul deten Unternehmen ist das Unterinvestitionsproblem. Eigentümer haben möglicherweise keinen Anreiz, eine kapitalwertpositive Investition durchzuführen, da sie sich damit nicht besser stellen würden. Hängt der Marktwert des Unternehmens vor allem von zukünftigen Wachstumschan cen ab und existiert für Fremdkapitalgeber noch keine Haftungssubstanz, so würde es zu einer Reichtumsverschiebung zu Gunsten der Gläubiger kommen. Das gesamte Risiko der Investition würden die Schuldner tragen. Diese hätten somit keinen Anreiz, ein wenig riskantes Investiti onsprojekt durchzuführen (vgl. M 1977). Ziel einer Eigentümer Manager Beziehung ist es, dass Manager als Agenten im Auftrag der Eigen tümer als Principale das Unternehmen führen und den Wert des Unternehmens erhöhen. Dabei können unterschiedliche Anreizprobleme zwischen Managern und Aktionären entstehen. Manager haben gegenüber den Aktionären eines Unternehmens einen Wissensvorsprung. Sig nalling Modelle können bei Schwierigkeiten in der Kapitalmarktkommunikation helfen, Qua litätsunsicherheit bezüglich der Qualität des Unternehmens zu reduzieren. Nach R (1977) und M /R (1985) kann eine Dividendenausschüttung als ein glaubwürdiges Signal ertragsstarker Unternehmen angesehen werden und einen Beitrag zur Überwindung von Fehl bewertungen leisten. M (1977) zeigt, dass eine Aktienemission ein negatives Signal für den Wert des Unterneh mens darstellt. Aktionäre antizipieren den Anreiz besser informierter Managern überbewertete Aktien zu emittieren. Dies kann die in der Praxis negative Kursreaktionen bei Ankündigung einer Kapitalerhöhung erklären (vgl. R 2006, S. 173). Guten Unternehmen müsste es folglich gelingen, ein Signal über ihre gute Qualität zu senden, um ungerechtfertigten Preisabschlägen bei einer Emission entgegenzuwirken. Ist dies nicht möglich, versagt derMarkt für Eigenkapital erhöhungen und gute Unternehmen müssen ihren Kapitalbedarf mit Fremdkapital decken. 142 Stefanie Hochhold /Bernd Rudolph Im Rahmen eines nachvertraglichen Leistungsanreizproblems nehmenManager in der Regel ein hohes Arbeitsleid auf sich, um ein Unternehmen zu führen. Dabei partizipieren sie jedoch nicht in dem Umfang an den erwirtschafteten Ergebnissen wie die Eigentümer. Aufgrund nachvertraglicher Informationsasymmetrien können die Anteilseigner den tatsäch lichen Arbeitseinsatz des Managers nicht kontrollieren. Dadurch könnte der Manager einen Anreiz haben, sein Anstrengungsniveau zu senken und ein niedrigeres Anstrengungsniveau zu wählen. Eine weitere Problematik im Rahmen der Eigentümer Manager Beziehung stellt das Dienst verbrauchsproblem dar. Aufgrund nachvertraglicher Handlungsunsicherheit sind Manager in der Lage, Unternehmensressourcen für ihre persönlichen Ziele zu nutzen. Dazu zählen z.B. Dienstreisen, ein teurer Firmenwagen oder eine attraktive Sekretärin (vgl. M 1985). Die ser Konsum an Fringe Benefits geht zu Lasten der Anteilseigner. Eine Möglichkeit, den Konsum von Fringe Benefits der Manager einzuschränken, wäre, die Manager über einen höheren Ei genkapitalanteil oder über Aktienoptionen zu entlohnen und dadurch einen Interessensangleich zwischen Aktionären und Managern zu schaffen (vgl. J /M 1976). Ein weiterer Aspekt, das Dienstverbrauchsproblem zu begrenzen, wäre, den Eigenkapitalanteil des Unter nehmens möglichst gering zu halten. Durch die Notwendigkeit der Kreditrückzahlung hätte der Manager keinen allzu großen Spielraum mehr bei der Entnahme von Fringe Benefits. Dies ist jedoch problematisch, da eine geringe Eigenkapitalausstattung das Insolvenzrisiko eines Un ternehmens erhöht (vgl. J 1986; M 1963; W 1963). Das Risikopräferenzproblem stellt ein weiteres Problem dar, welches aus der Manager Eigen tümer Beziehung resultieren kann. Manager können ihr Humankapital nicht diversifizieren, da sie nur für ein Unternehmen tätig sind. Deshalb versuchen Manager durch eine risikoarme Investitionspolitik das Risiko einer Insolvenz möglichst gering zu halten. Dieses Bestreben ist für Anteilseigner jedoch nicht beobachtbar. Die Minderung des Risikopräferenzproblems ist in der Praxis relativ schwierig. Zudem wird das Problem noch verstärkt, wenn aufgrund des Leistungsanreizproblems und des DienstverbrauchsproblemsManager gewinnabhängig vergütet werden, da dies ihr Risiko noch erhöhen würde (vgl. H /P 2001). 4 Würdigung der Principal Agent Theorie Die Ausgestaltung einer effizienten Leistungsbeziehung innerhalb der Neoklassik verliert in der Neuen Institutionenökonomik nicht an Bedeutung. Sie dient innerhalb des neoinstitutiona listischen Ansatzes als Referenzpunkt, anhand dessen eine First best Lösung mit der Second best Lösung bei Vorliegen von Informationsasymmetrie verglichen werden kann. Dabei wird im Rahmen der Principal Agent Theorie versucht, einen Erklärungsbeitrag zur Existenz realer Vertragsstrukturen und Institutionen zu leisten (positive Agency Theorie). Darüber hinaus hat die Theorie zum Ziel, anhand formaler Modelle optimale Vertragsstrukturen und Institutionen zu konstruieren (normative Agency Theorie). Die positive Principal Agent Theorie untersucht die Abhängigkeit der Leistungserstellung von einer effizienten Vertragsgestaltung bzw. eines effizienten Institutionendesigns. Diese Bezie hung wurde bisher in der neoklassischen Organisationstheorie wie auch in der neoklassischen Mikroökonomie vernachlässigt. Die Principal Agent Theorie orientiert sich dabei am Konzept einer ökonomischen Leistungsbeziehung, welche die stark vereinfachten Annahmen der Neo klassik zugunsten eines größeren Realismus ersetzt. Eine zentrale Rolle innerhalb der Principal Principal-Agent-Theorie 143 Agent Problematik spielt ungleich verteilte Information, opportunistisches Verhalten derMarkt teilnehmer, sowie die Existenz von Agency Kosten (vgl. K 2006, S. 272–277). Somit lie fert die positive Agency Theorie einen wertvollen Beitrag zur Erklärung von beobachtbaren Institutionen. Ziel der Principal Agent Theorie ist es, eine Second best Lösung bei der Implementierung ei ner Leistungsbeziehung zu finden, welche der neoklassischen First best Lösung möglichst nahe kommt und die Agency Kosten minimiert. Im Falle von vorvertraglicher Qualitätsunsicherheit eignen sich Signalling und Screening Mechanismen, bei einer Moral Hazard Problematik Mo nitoring und Anreizverträge zur Reduktion von Agency Kosten. Dabei ist jedoch problematisch, dass Agency Kosten nicht genau quantifiziert werden können. Deshalb wird eine Annäherung an das First best Ergebnis mit zunehmender Informationsasymmetrie und steigenden Agency Kosten immer problematischer. Nimmt die Komplexität einer vorliegenden Principal Agent Problematik zu, ist es schwierig, alle Situationsfaktoren modelltheoretisch im Principal Agent Grundmodell abzubilden. Aus diesemGrund gibt es eine Reihe von Erweiterungen. ImGrundmodell wird jeweils die Situation modelliert, in der der Agent die besser informierte Partei darstellt und sich aufgrund dieses In formationsvorsprungs opportunistisch verhält. Dabei wird eine wechselseitige Principal Agent Beziehung oft vernachlässigt, die jedoch in vielen Bereichen relevant ist. So kann der Agent im Rahmen eines Arbeitgeber Arbeitnehmer Verhältnisses, wie in den Modellen von S und S , der Arbeitnehmer sein. Es wäre aber auch eine andere Perspektive denkbar, in der sich der Arbeitgeber in der Rolle des Agenten befindet. Der Arbeitgeber hat dann gegenüber dem Arbeitnehmer einen Informationsvorsprung. Beispiele für diesen Informationsvorsprung sind Veränderungen in der Unternehmens und Personalpolitik oder auch die tatsächliche Er tragslage des Unternehmens. Eine wechselseitige Adverse Selection und wechselseitigeMoral Hazard Problematik wurde z.B. im Rahmen vonWagniskapitalfinanzierungen untersucht. Bei einerWagniskapitalfinanzierung befindet sich der Venture Capitalist zum einen in der bereits beschriebenen Rolle des Gläubigers. Da jedoch beiWagniskapitalfinanzierungen der Venture Capitalist eine Unterstützungsfunktion des Managements eines Wachstumsunternehmen haben sollte, fungiert der Venture Capitalist hier gleichzeitig als Agent und das Unternehmen als Principal (vgl. S 2003). Eine zusätzliche Erweiterung des Grundmodells sind Multi Agent Modelle, in denen ein Prin cipal einen Vertrag mit mehreren Agenten abschließt, die im Team zusammenarbeiten. Hierbei wird zusätzlich das Verhalten der Agenten in den Teams wie Freeriding oder die Wettbewerbs situation der einzelnen Teammitglieder untereinander mit analysiert (vgl. H 1982). Eine mehrperiodige Interaktion von Principal und Agent wird ebenfalls im Grundmodell nicht berücksichtigt. Besteht eine Principal Agent Beziehung über mehrere Perioden am Markt und ist die Möglichkeit gegeben, opportunistisches Verhalten in Folgeperioden zu sanktionieren, sind die Agency Kosten geringer als in Einperiodenmodellen (vgl. M /S 1988). 144 Stefanie Hochhold /Bernd Rudolph Literaturverzeichnis aKerloF, g. a. (1970):TheMarket for Lemons: Quality Uncertainty and the Market Mecha nism, in: The Quarterly Journal of Economics, Vol. 84, No. 2, S. 488–500. arroW, K. J. (1985): The Economist of Agency, in: Pratt, J. W.; Zeckhauser, R. J. [Hrsg.]: Principal and Agents: The Structure of Business, Boston, 1985, S. 1–38. Bannier, C. e. (2005): Vertragstheorie, Heidelberg, 2005. BreUer, W. 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Zusammenfassung

Dieser Sammelband bietet einen Überblick über relevante Theorien der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie ausgewählte Methoden der qualitativen und quantitativen Forschung. Der Leser hat die Möglichkeit, jede hier behandelte Theorie und Methode in ihren grundlegenden Aussagen bzw. Funktionsweisen zu verstehen sowie hilfreiche Hinweise und Literaturquellen für ein vertiefendes Studium jedes Themenfeldes zu erhalten.

Studenten oder Doktoranden stehen vor dem gleichen Problem:

Wie können Forschungsfragen durch geeignete theoretische Konzepte fundiert werden, wie werden sie in Hypothesen transformiert und mit welchen empirischen Methoden überprüft?

Die Kernbotschaft: Auf dem Weg zu wissenschaftlicher Leistung müssen Theorien und Methoden Hand in Hand gehen.

Damit dies gelingen kann benötigt jeder Forscher eine grundlegende Kenntnis derjenigen Theorien und empirischen Methoden, die im jeweiligen Forschungsfeld Relevanz besitzen und für die Anwendung in Frage kommen. Das Verständnis von Theorien bzw. der Funktionsweise und Leistungsfähigkeit empirischer Methoden sind dabei essentiell. Erst dadurch werden eine zutreffende Auswahl und eine korrekte Anwendung von Theorien und Methoden zur Lösung des Forschungsanliegens ermöglicht.

Der Überblick über die Theorien und Methoden der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Der kompakte Sammelband ist empfehlenswert für Studenten und Doktoranden, die Forschungsfragen durch geeignete theoretische Konzepte fundieren, in Hypothesen transformieren und anschließend mit geeigneten empirischen Methoden überprüfen können.