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I. Zwecke der Kosten- und Erlösträgerstückrechnung in:

Marcell Schweitzer, Hans-Ulrich Küpper

Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, page 190 - 191

10. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3804-8, ISBN online: 978-3-8006-4414-8, https://doi.org/10.15358/9783800644148_190

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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C. Kosten- und Erlösträgerstückrechnung (Kalkulation) I. Zwecke der Kosten- und Erlösträgerstückrechnung In der Kostenträgerstückrechnung werden Kosten den einzelnen Kostenträgern zugerechnet. Diese Rechnung kann auf die Erfüllung verschiedener Zwecke bzw. Rechnungsziele ausgerichtet werden. Ein wichtiges Rechnungsziel der Kostenträgerstückrechnung besteht in der Kostenermittlung je Produkt(einheit) und je Periode. Dagegen werden in der Kostenträgerzeitrechnung die gesamten Kosten einer Rechnungsperiode und ihre Verteilung auf die Kostenträger bestimmt. Durch die Kostenträgerstückrechnung erlangt man Informationen für die Preispolitik der Unternehmung. Ihre Verwendbarkeit richtet sich danach, welche Bestimmungsgrößen für die Preisentscheidungen maßgebend sind. Den größten Einfluss hat die Kostenträgerstückrechnung auf die Preispolitik, wenn die Absatzpreise der Unternehmung auf Basis der Stückkosten und einem Gewinnzuschlag festgelegt werden. Diese kostenorientierten Absatzpreise treten in einer Marktwirtschaft jedoch nur in besonderen Fällen auf. Beispielsweise kommen sie bei öffentlichen Aufträgen vor, bei dem Angebot des Produkts durch einen einzigen Hersteller und bei der Festlegung von Verrechnungspreisen zwischen Unternehmungen eines Konzerns184. In marktwirtschaftlichen Systemen werden die Marktpreise dagegen vom Verhalten der Nachfrager und der Anbieter bestimmt. Dann sind die Informationen der Kostenträgerstückrechnung einer Unternehmung neben anderen Größen für die Preisbeurteilung relevant. Die Kosten je Produkteinheit und ihre Aufteilung z.B. in Einzel- bzw. Gemeinkosten sowie variable bzw. fixe Kosten können zur Ermittlung von Preisuntergrenzen herangezogen werden. Damit gewinnt die Unternehmung Informationen für die Spielräume, die sie im Hinblick auf ihre Ziele bei Preisentscheidungen von der Kostenseite her besitzt. Sofern ihr die Preise fest vorgegeben sind, kann sie keine Preispolitik betreiben, sondern nur entscheiden, ob und in welchem Umfang sie die betreffenden Produktarten erzeugen und absetzen will. Jedoch kann die Kostenträgerstückrechnung auch für derartige Entscheidungen über das Produktions- und Absatzprogramm Informationen zur Verfügung stellen. Ein weiterer Zweck der Kostenträgerstückrechnung ist darin zu sehen, dass sie Informationen für Entscheidungen über die Beschaffung von Einsatzgütern liefern kann. Es lassen sich Preisobergrenzen ermitteln, welche für die Bestimmung von Einsatzgütern, Beschaffungspreisen und die Lieferantenauswahl von Bedeutung sind. Ferner sind die variablen Stückkosten von Zwischenprodukten eine Grundlage für Entscheidungen über ihre Eigenfertigung oder ihren Fremdbezug. 184 Vgl. GROCHLA, E. (Kalkulation), S. 29 ff.; DIEDERICH, H. (Kostenpreis), S. 57 ff. C. Kosten- und Erlösträgerstückrechnung 159 Die Kostenträgerrechnung findet des weiteren Verwendung für die Bewertung von Beständen an Zwischen- und Endprodukten der Unternehmung. Bei mehrstufigen Fertigungsprozessen gibt es häufig Zwischenlager für Produkte unterschiedlicher Fertigungsstufen. Die betreffenden Bestände an Halb- und Fertigerzeugnissen sind insbesondere für die Erstellung der Handelsbilanz und der Steuerbilanz zu bewerten. Des weiteren müssen die von der Unternehmung selbst erzeugten Anlagen, Werkzeuge und Vorrichtungen bewertet werden. Schließlich kann die Kostenträgerrechnung auf eine Reihe zusätzlicher Rechnungszwecke ausgerichtet werden. Da bei zahlreichen Entscheidungen der Unternehmung Kostengesichtspunkte eine Rolle spielen, kann man die Ergebnisse der Kostenträgerrechnung in vielfältiger Weise auswerten. II. Begriff und Arten von Kosten- und Erlösträgern 1. Kostenträger Kostenträger der Unternehmung sind in der Regel die von ihr erstellten Güter. Den wesentlichen Teil dieser Güter stellen die Endprodukte dar, die das Sachziel der Unternehmung bilden. Man kann davon ausgehen, dass letztlich die gesamten Kosten der Unternehmung im Hinblick auf das Sachziel und damit für die Herstellung und Verwertung der Endprodukte anfallen. Andererseits sollen die Endprodukte am Markt verwertet werden. Ihre Erlöse müssen die entstehenden Kosten decken. Deshalb bilden die Endprodukte eine wichtige Größe für die Zurechnung von Kosten und Erlösen. Jedoch können nicht nur die Endprodukte als Kostenträger aufgefasst werden. Vielmehr lassen sich alle in der Unternehmung erzeugten materiellen und immateriellen Güter als Kostenträger ansehen. So sind auch Zwischenprodukte oder Arbeits- und Sachmittelleistungen mögliche Kostenträger. In Sonderfällen werden Einsatzgüter als Kostenträger behandelt, wenn die Kosten in stärkerem Maße von diesen als von den erzeugten Gütern abhängig sind. Das Produktionsprogramm der Unternehmung kann nach den Merkmalen Güterart, Anzahl erstellter Produkte, Übereinstimmung, Bestandteile der Produkte gekennzeichnet werden. Im Hinblick auf das Fertigungsverfahren sind vor allem die Zahl der Produktionsstufen sowie der Sonderfall technischer Verbundenheit bei Kuppelprodukten für die Kennzeichnung möglicher Kostenträger von Bedeutung. Bei mehrstufiger Fertigung muss eine Reihe von Fertigungsprozessen an den eingesetzten Gütern vollzogen werden, bis die Produkte ihre Absatzreife erlangen. Die Zwischenprodukte auf jeder Fertigungsstufe und die Endprodukte können als selbständige Kostenträger betrachtet werden. Besondere Probleme entstehen bei der Herstellung von Kuppelprodukten, wenn in einem Fertigungsprozess aus technischen Gründen zwangsläufig mehrere Güterarten anfallen. Dann lassen sich die entstehenden Kosten ohne eine zusätzliche Verteilungsannahme keinem der Güter

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Zusammenfassung

Dieses Standardwerk liefert Ihnen einen umfassenden Überblick über die Aufgaben, Techniken und Systeme der Kosten- und Erlösrechnung. Zunächst führt es in die Grundlagen ermittlungsorientierter Systeme ein. Dazu gehören die Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung, ein Spektrum, das in jeder Vorlesung zur Kostenrechnung gelehrt wird. Daran schließt sich die Darstellung planungs- und verhaltenssteuerungsorientierter Systeme an. Dabei handelt es sich um Methoden wie Prozesskosten-, Grenzplankosten- oder Deckungsbeitragsrechnungen und Target Costing, die im Alltag von höchster praktischer Relevanz sind. Abgeschlossen wird das Buch durch die Behandlung aktueller Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Kostenrechnung. Hierbei spielen insbesondere die Herausforderungen der Preisregulierung bei den Strom-, Gas- und Telekommunikationsmärkten eine große Rolle.

Die Autoren

Prof. Dr. Marcell Schweitzer lehrte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Tübingen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Ulrich Küpper ist Inhaber des Lehrstuhls für Produktionswirtschaft und Controlling an der LMU in München.