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5.3.1 Daten der Fallstudie in:

Wolfram Scheffler

Internationale betriebswirtschaftliche Steuerlehre, page 418 - 420

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3614-3, ISBN online: 978-3-8006-4406-3, https://doi.org/10.15358/9783800644063_418

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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390 5. Rechtsformwahl und Finanzierung einer Auslandsinvestition ding wird erst vorteilhaft, wenn der Betrachtungszeitraum um mindestens zwei Jahre verlängert wird, d.h. bei einer Thesaurierung auf Ebene der Auslandsholding über 7 Jahre oder länger führt deren Zwischenschaltung gegenüber einem direkten Bezug der ausländischen Einkünfte zu einer Minderung der Gesamtsteuerbelastung. Die Einschaltung einer inländischen Auslandsholding ist dann zu empfehlen, wenn die im Ausland erwirtschafteten Erträge über einen längeren Zeitraum auf Ebene der inländischen Auslandsholding verbleiben. Der Mindestthesaurierungszeitraum ist tendenziell umso kürzer, • je höher die Rendite aus der Wiederanlage ausfällt (Tab. 5.30 von links nach rechts gelesen) und • je höher der Nachteil von Mutterpersonenunternehmen bei einem direkten Bezug der ausländischen Einkünfte ist (Tab. 5.30 von oben nach unten gelesen). 5.3 Finanzierung der Auslandsinvestition mit Fremdkapital 5.3.1 Daten der Fallstudie Gegenüber der ersten Fallstudie (Finanzierung des Auslandsengagements mit Eigenkapital) ergeben sich nur insoweit Abweichungen, als bei der zweiten Fallstudie davon ausgegangen wird, dass das inländische Mutterunternehmen die Auslandsinvestition mit Fremdkapital finanziert. Aus Vereinfachungsgründen wird angenommen, dass die im Ausland erzielten Einkünfte und die für das Fremdkapital zu zahlenden Zinsen betragsmäßig übereinstimmen. Das Gesamtergebnis beläuft sich damit auf Null. Im Regelfall werden zwar die Erträge aus der Auslandinvestition die Fremdkapitalaufwendungen übersteigen, aber dieser Fall kann dadurch berücksichtigt werden, dass hinsichtlich der Gewinne, die die Fremdkapitalzinsen übersteigen, auf die in der vorangehenden Fallstudie (Abschnitt 5.2) vorgestellten Ergebnisse zurückgegriffen wird. Es wird angenommen, dass sowohl der im Ausland aus Außenbeziehungen erzielte Gewinn als auch die gezahlten Fremdkapitalzinsen jeweils 100 betragen. Per Saldo wird also ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt. Würde das Fremdkapital von der ausländischen Grundeinheit aufgenommen, würden weder im Ausland noch im Inland Ertragsteuern anfallen. In dieser Fallstudie wird untersucht, inwieweit sich Mehr- oder Minderbelastungen ergeben, wenn die Fremdfinanzierung von der inländischen Spitzeneinheit vorgenommen wird. Das Nebeneinander von Besteuerung der Gewinne aus Außenbeziehungen im Ausland und Fremdfinanzierung im Inland kann dazu führen, dass für die Erfassung der (im Ausland erzielten) Gewinne und die Verrechnung der (im Inland gezahlten) Fremdkapitalzinsen andere Besteuerungsregeln gelten. Ist die Gesamtsteuerbelastung positiv, kommt es zu Verzerrungen zu Lasten der Unterneh- Nachteil bei direktem Bezug Wiederanlagerendite vor Steuern 5 % 10 % 15 % Betriebsstätte 15,00 14 Jahre 7 Jahre 5 Jahre Tochterkapitalgesellschaft: Gesellschafterdarlehen 17,06 7 Jahre 4 Jahre 3 Jahre Tochterkapitalgesellschaft: Ausschüttung 19,63 4 Jahre 2 Jahre 2 Jahre Tab. 5.30: Mindestthesaurierungsdauer für die Vorteilhaftigkeit einer inländischen Auslandsholding 5.3 Finanzierung der Auslandsinvestition mit Fremdkapital 391 men. Ist die Gesamtsteuerbelastung negativ, wirken die Verzerrungen zugunsten der Unternehmen. Die Fallkonstellation stellt sich also wie folgt dar. Das Fremdkapital wird im ersten Schritt vom inländischen Mutterunternehmen aufgenommen und im zweiten Schritt an die ausländische Grundeinheit weitergeleitet. Bei einer Betriebsstätte handelt es sich um sogenanntes „durchgeleitetes Fremdkapital“, d.h. es liegt auch aus Sicht des Auslands eine Fremdfinanzierung vor35. Bei einer Weiterleitung der liquiden Mittel an eine ausländische Tochterkapitalgesellschaft ist zwischen einer Kapitalerhöhung (Finanzierung des Tochterunternehmens mit Eigenkapital) oder einem Gesellschafterdarlehen (Finanzierung des Tochterunternehmens mit Fremdkapital) zu unterscheiden. Bei einer Tochterkapitalgesellschaft erfolgt also die (Re-)Finanzierung des inländischen Mutterunternehmens mit Fremdkapital. Aus Sicht des Ansässigkeitsstaats der Tochterkapitalgesellschaft handelt es sich bei der Überlassung des Kapitals entweder um Eigenfinanzierung oder um Fremdfinanzierung: Es wird davon ausgegangen, dass die Auslandsinvestition (Betriebsstätte bzw. Tochterkapitalgesellschaft) in einem anderen Mitgliedstaat der EU durchgeführt wird und dass das Doppelbesteuerungsabkommen mit diesem Staat mit dem OECD-Musterabkommen übereinstimmt. Die Daten bei einer Fremdfinanzierung der Auslandsinvestition stimmen mit der Fallstudie überein, bei der von einer Finanzierung mit Eigenkapital ausgegangen wurde: • im Ausland: Einkommensteuersatz 40 %; Körperschaftsteuersatz 25 %; Kapitalertragsteuer auf Dividenden an natürliche Personen 15 % und auf Zinsen an natürliche Personen 10 %; bei Dividenden und Zinsen an eine Mutterkapitalgesellschaft fällt keine Kapitalertragsteuer an. • im Inland: Einkommensteuersatz 45 % (Spitzensteuersatz); Körperschaftsteuersatz 15 %; Solidaritätszuschlag 5,5 %; Hebesatz der Gewerbesteuer 400 %; keine Berücksichtigung der Kirchensteuer. 35 Siehe hierzu Abschnitt 6.6.8. Gesellschafterdarlehen Dividenden Eigenkapital Zinsen Durchleitung des Fremdkapitals Fremdkapital Fremdkapitalgeber ausländische Betriebsstätte ausländische Tochterkapitalgesellschaft inländisches Mutterunternehmen Zinsen Abb. 5.2: Fremdfinanzierung der Auslandsinvestition durch das inländische Mutterunternehmen 392 5. Rechtsformwahl und Finanzierung einer Auslandsinvestition Soweit die Zinsaufwendungen in die inländische Bemessungsgrundlage eingehen, wird davon ausgegangen, dass bei der inländischen Spitzeneinheit genügend inländische Einkünfte vorhanden sind, um eine Verrechnung der Zinsaufwendungen zu gewährleisten. Es wird also davon ausgegangen, dass die Einschränkungen der Zinsschranke (§ 4h EStG, § 8a KStG) nicht zur Anwendung kommen. 5.3.2 Inländische Spitzeneinheit: Einzelunternehmen oder Personengesellschaft (1) Betriebsstätte. Fremdkapital, das vom Stammhaus aufgenommen wird und bei der Betriebsstätte eingesetzt wird, ist als durchgeleitetes Fremdkapital in der Betriebsstättenbilanz zu passivieren. Die Zinsaufwendungen sind bei der Ermittlung des Gewinns der Betriebsstätte im Ausland zu verrechnen. Entscheidend ist der Zusammenhang mit der Tätigkeit im Quellenstaat und nicht der Ort, an dem die Fremdkapitalzinsen gezahlt werden (Art. 7 Abs. 3 OECD-MA). Nach der Verrechnung der Gewinne aus Außenbeziehungen mit den Fremdkapitalzinsen verbleibt auf Ebene der ausländischen Betriebsstätte ein Ergebnis von Null. Es fallen weder im Ausland noch im Inland Ertragsteuern an. Gegenüber dem Fall, dass die Betriebsstätten das Darlehen in ihrem Belegenheitsstaat aufnimmt (direkte Fremdkapitalaufnahme), ergeben sich keine Abweichungen. (2) Tochterkapitalgesellschaft (Eigenfinanzierung, Thesaurierung im Ausland). Das Trennungsprinzip führt dazu, dass die vom Gesellschafter im Inland gezahlten Zinsen auf Ebene der ausländischen Tochterkapitalgesellschaft nicht verrechnet werden können. Stellt der Gesellschafter die von ihm aufgenommenen finanziellen Mittel der Tochterkapitalgesellschaft in Form einer Kapitalerhöhung zur Verfügung, hat diese die von ihr erwirtschafteten Gewinne zu versteuern. Bei einem ausländischen Körperschaftsteuersatz von 25 % und einem Gewinn von 100 hat das Tochterunternehmen in ihrem Ansässigkeitsstaat Körperschaftsteuer von 25 zu zahlen. Thesauriert die Tochterkapitalgesellschaft die von ihr erwirtschafteten Gewinne, werden dem Gesellschafter insoweit keine Einkünfte zugerechnet. Die Zinsaufwendungen können nur im Rahmen der unbeschränkten Steuerpflicht des Inhabers bzw. der Gesellschafter des Mutterpersonenunternehmens berücksichtigt werden. Da die Zinsaufwendungen im Zusammenhang mit der Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft stehen, können sie nur zu 60 % als Betriebsausgabe geltend gemacht werden (§ 3c Abs. 2 EStG). Bei der Gewerbesteuer ist zusätzlich zu berücksichtigen, dass der Teil, der bei Ermittlung der Einkünfte aus Gewerbebetrieb als Betriebsaus- Besteuerung im Ausland beschränkte Einkommensteuerpflicht des inländischen Unternehmers: Zinsaufwand der Spitzeneinheit reduziert als durchgeleitetes Fremdkapital den Gewinn der Betriebsstätte auf Null: 100 – 100 0,00 0×estA Besteuerung im Inland keine Änderung der Belastung im Inland (Zinsen im Ausland verrechnet, Freistellung der Betriebsstätteneinkünfte) – . – – . – Summe der inländischen Steuern – . – – . – Gesamtsteuerbelastung 0,00 0×estA Tab. 5.31: Fremdfinanzierung einer Betriebsstätte (Spitzeneinheit Personenunternehmen)

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Zusammenfassung

Besteuerung international tätiger Unternehmen

Das Handbuch gibt einen fundierten Überblick über die Besteuerung deutscher Unternehmen mit internationaler Geschäftstätigkeit. Der erste Teil vermittelt die Grundlagen zu:

* den betriebswirtschaftlichen Grundfragen (Doppelbesteuerung)

* der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung

* der Minderbesteuerung (Umsatzsteuer)

* den Normen des internationalen Steuerrechts

Zusätzlich werden die Zusammenhänge zwischen den steuerrechtlichen Regelungen und den Formen einer grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit detailliert aufgezeigt. Im zweiten Teil werden ausgewählte Teilbereiche der internationalen Unternehmensbesteuerung vertieft dargestellt:

* Empfehlungen zu Rechtsform und Finanzierung einer Auslandsinvestition

* die zwischenstaatliche Erfolgszuordnung und Verteilung der betrieblichen Funktionen zwischen dem Inland und Ausland

* die Umsatzsteuer bei einem grenzüberschreitenden Leistungsaustausch

Das Handbuch richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Steuerfachleute in der Wirtschaft.

Der Autor

Professor Dr. Wolfram Scheffler ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Steuerlehre an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.