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4.5.2 Besteuerung bei übereinstimmender Steuersubjektqualifikation in:

Wolfram Scheffler

Internationale betriebswirtschaftliche Steuerlehre, page 360 - 364

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3614-3, ISBN online: 978-3-8006-4406-3, https://doi.org/10.15358/9783800644063_360

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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332 4. Besteuerung der grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit Rahmen der inländischen Besteuerung die Beteiligung an der Personengesellschaft der Errichtung einer Betriebsstätte gleichgestellt wird (Transparenzprinzip: anteilige Zurechnung der Gewinnanteile auf die Gesellschafter). Wird die ausländische Personengesellschaft im Ausland wie eine juristische Person besteuert und gleichzeitig im Inland als Kapitalgesellschaft angesehen, kommt es nicht zu einem Qualifikationskonflikt. Die Beteiligung an dem ausländischen Unternehmen wird in dieser Situation wie die Beteiligung an einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft besteuert. Zur steuerlichen Behandlung kann auf Abschnitt 4.4 verwiesen werden. Die folgenden Darstellungen beschränken sich auf die Prinzipien der Besteuerung einer Beteiligung an einer ausländischen Personengesellschaft. Auf Einzelheiten und Streitfragen (insbesondere im Bereich der Gesellschaft-Gesellschafter-Verträge und der Abkommensberechtigung der Personengesellschaft selbst) wird nicht eingegangen142. 4.5.2 Besteuerung bei übereinstimmender Steuersubjektqualifikation 4.5.2.1 Nationales Recht (Nicht-DBA-Fall) (1) Besteuerung im Ausland. Gilt die Personengesellschaft im Ausland nicht als eigenständiges Steuersubjekt, führt die Beteiligung an dieser Personengesellschaft zur beschränkten Steuerpflicht des inländischen Gesellschafters. Diese umfasst im Rahmen der Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer die Gewinnanteile, die auf den jeweils betrachteten Anteilseigner entfallen. Die Beteiligung an der ausländischen Personengesellschaft als Mitunternehmer wird der Errichtung einer ausländischen Betriebsstätte gleichgestellt. Die Betriebsstätte wird den an der Personengesellschaft beteiligten Gesellschaftern jeweils anteilig zugerechnet143. Inwieweit Sondervergütungen im Quellenstaat in die Betriebsstätteneinkünfte eingehen, hängt davon ab, ob bzw. in welchem 142 Zur Besteuerung von Beteiligungen an einer ausländischen Personengesellschaft aus Sicht der Finanzverwaltung siehe BMF-Schreiben vom 24.12.1999 (Betriebsstätten-Verwaltungsgrundsätze), BStBl. 1999 I, S. 1076, Tz. 1.1.5.2, Tz. 1.2.3, Anhang, Tabellen 1 und 2 sowie BMF, Personengesellschaften (Internet). Siehe hierzu auch Debatin, H., BB 1992, S. 1181–1188; Frotscher, G., Steuerrecht, 2005, S. 170–195; Hemmelrath, A., IStR 1995, S. 570–574; Jacobs, O.H., International, 2007, S. 515–567, S. 614–629; Kahle, H., Beteiligung, 1996; Kesselmeyer, B., Partnership, 2000; Kessler, W./Kröner, M./Köhler, S., Konzernsteuerrecht, 2008, S. 683–698; Knebel, A., DStR 1999, S. 1421–1427; Knobbe-Keuk, B., Unternehmenssteuerrecht, 1993, S. 540–557; Knobbe-Keuk, B., RIW 1991, S. 306–316; Krabbe, H., IStR 2002, S. 145–150; Krabbe, H., StbJb 2000/2001, S. 183–203; Lang, M., IStR 2007, S. 606–609; Mittermaier, J.E., Personengesellschaften, 1999; Mössner, J.M. u.a., Steuerrecht, 2005, Rz. E1-E139; Müller, M./Wangler, C., IStR 2003, S. 145–154; Ostendorf, C., Sondervergütungen, 1994; Piltz, D.J., Personengesellschaften, 1981; Prinz, U., DStR 1999, S. 98–103; Prinz, U./Breuninger, G.E., IWB 1997, Fach 10, International, Gruppe 2, S. 1293–1319; Pyszka, T., IStR 1998, S. 745–749; Riemenschneider, S., Personengesellschaften, 1995; Schmidt, C., IStR 2001, S. 489–497; Schmidt, C., WPg 2002, S. 1134–1145, S. 1232–1242; Schmidt, C., IWB 1998, Fach 10, International, Gruppe 2, S. 1331–1342; Schmalz, A., IStR 2003, S. 290–298; Strunk, G./ Kaminski, B., IStR 2003, S. 181–187; Wassermeyer, F., IStR 1998, S. 489–494; Wassermeyer, F., Der Konzern 2008, S. 338–343; Weggenmann, H., IStR 2002, S. 1–12; Weggenmann, H., Personengesellschaften, 2002. Zur internationalen Vorgehensweise siehe OECD, Partnerships, 1999. Durch den Beschluss des Fiskal-Ausschusses der OECD vom 29.4.2000 wurden die Empfehlungen dieses OECD-Berichts teilweise in das OECD-MA und den Kommentar aufgenommen, vgl. Art. 23A Abs. 4 OECD-MA; OECD, MA-Kommentar, Art. 1, Ziff. 2–6.7, Art. 3, Ziff. 2, Ziff. 10.1, Art. 5, Ziff. 19.1, Art. 15, Ziff. 6.1–6.2, Art. 23, Ziff. 32.1–32.7, Ziff. 34–36, Ziff. 56.1–56.3, Ziff. 59, Ziff. 69.1–69.3. Speziell zum Entwurf des BMF-Schreibens vom 10.5.2007 siehe Haun, J./Reiser, H., GmbHR 2007, S. 915–922; Lang, M., IStR 2007, S. 606–609; Wassermeyer, F., IStR 2007, S. 413–417. 143 Vgl. BMF-Schreiben vom 24.12.1999 (Betriebsstätten-Verwaltungsgrundsätze), BStBl. 1999 I, S. 1076, Tz. 1.1.5.1; BMF, Personengesellschaften (Internet), Tz. 4.1.1.1 sowie BFH vom 26.2.1992, BStBl. 1992 II, S. 937; BFH vom 21.7.1999, BStBl. 1999 II, S. 812. 4.5 Besteuerung von Tochterpersonengesellschaften 333 Umfang im Ausland der schuldrechtliche Leistungsaustausch zwischen einer Personengesellschaft und ihren Gesellschaftern dem gewerblichen Bereich zugerechnet wird. Soweit die Gesellschaft-Gesellschafter-Verträge nicht dem gewerblichen Bereich zugerechnet werden, richtet sich die Besteuerung der Sondervergütungen (insbesondere Geschäftsführungsvergütungen, Zinsen aus Gesellschafterdarlehen, Mieten) nach den allgemeinen Regeln des jeweiligen ausländischen Steuerrechts. Sofern der Quellenstaat Gewerbesteuer oder eine vergleichbare Steuer erhebt, ist diese häufig von der Personengesellschaft selbst zu entrichten. Erhebungstechnisch besteht zur Betriebsstätte insoweit ein Unterschied, als die Personengesellschaft als Steuerschuldnerin anzusehen ist (analog § 5 Abs. 1 Satz 3 GewStG)144, während bei einer rechtlich unselbständigen Betriebsstätte der Inhaber des inländischen Stammhauses die Steuer zu entrichten hat. (2) Besteuerung im Inland. Ist der Gesellschafter im Inland ansässig, ist er in Deutschland unbeschränkt einkommen- bzw. körperschaftsteuerpflichtig. Zu seinen Einkünften aus Gewerbebetrieb gehören sowohl die Anteile am Gewinn der ausländischen Personengesellschaft als auch die im Rahmen von Gesellschaft-Gesellschafter-Verträgen bezogenen Sondervergütungen (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG). In Anlehnung an die Besteuerung einer ausländischen Betriebsstätte erfolgt die Vermeidung der internationalen Doppelbesteuerung grundsätzlich durch die Anrechnungsmethode (§ 34c Abs. 1 EStG, § 26 Abs. 1 KStG). Wahlweise stehen die Abzugsmethode (§ 34c Abs. 2 EStG, § 26 Abs. 6 Satz 1 KStG) sowie (bei natürlichen Personen) die Pauschalierung nach dem Pauschalierungserlass zur Verfügung145. Die Anrechnung der im Ausland bezahlten Steuern gilt nicht nur hinsichtlich der auf die Gewinnanteile entfallenden Steuern, sondern auch für die vom Quellenstaat auf die Sondervergütungen erhobenen Ertragsteuern. Bei den Sondervergütungen ist die Anrechenbarkeit unabhängig davon gegeben, ob im Ausland die Gesellschaft-Gesellschafter-Verträge dem gewerblichen Bereich zugerechnet werden oder ob sie vom Quellenstaat nach den allgemeinen Abgrenzungsregeln besteuert werden. Der Unterschied besteht lediglich darin, in welcher Form im Ausland die Steuerschuld erhoben wird und ob die Sondervergütungen in den Betriebsstättengewinn einbezogen werden oder ob die beschränkte Steuerpflicht auf eine andere Art und Weise umgesetzt wird (z.B. Abzug von Kapitalertragsteuer auf die Zinsen aus einem Gesellschafterdarlehen). Gewerbesteuerlich wird die Beteiligung an einer ausländischen Personengesellschaft im Inland auch dann nicht erfasst, wenn die Beteiligung an der ausländischen Grundeinheit im Betriebsvermögen eines inländischen Gewerbebetriebs enthalten ist. Allerdings kommen nicht die für Betriebsstätten geltenden Korrekturvorschriften zur Anwendung; vielmehr kennt die Gewerbesteuer für Beteiligungen an ausländischen Personengesellschaften eigenständige Hinzurechnungs- bzw. Kürzungsvorschriften. Gewinne aus der Beteiligung an einer ausländischen Personengesellschaft werden nach § 9 Nr. 2 GewStG gekürzt. Verluste werden nach § 8 Nr. 8 GewStG hinzugerechnet. Im Rahmen der gewerbesteuerlichen Korrekturvorschriften setzt sich der Beteiligungsertrag gleichfalls aus dem Anteil am Erfolg der Personengesellschaft und den Sondervergütungen zusammen. Die gewerbesteuerliche Nichterfassung ist unabhängig davon, ob die Gewinnanteile oder Sondervergütungen im Quellenstaat der Gewerbesteuer oder einer vergleichbaren Steuer unterliegen und unabhängig davon, ob die Gesellschaft- Gesellschafter-Verträge im Ausland dem gewerblichen Bereich zugerechnet werden. 144 Besonderheiten gelten für die Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV), bei der auch für die Gewerbesteuer die Gesellschafter Steuerschuldner sind (analog § 5 Abs. 1 Satz 4 GewStG). 145 Vgl. BMF-Schreiben vom 10.4.1984, BStBl. 1984 I, S. 252. 334 4. Besteuerung der grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit 4.5.2.2 Abkommensrecht (DBA-Fall) (1) Besteuerung im Ausland. Sind nach ausländischem Steuerrecht Personengesellschaften nicht selbständig steuerpflichtig, löst die Beteiligung an einer Personengesellschaft im Quellenstaat eine beschränkte Steuerpflicht des Anteilseigners aus. Rechtsgrundlage bildet das Betriebsstättenprinzip (Art. 7 OECD-MA). Die im Vergleich zum Nicht-DBA-Fall engere Fassung des Betriebsstättenbegriffs ist bei Beteiligung an einer ausländischen Personengesellschaft prinzipiell ohne materielle Relevanz. Da Personengesellschaften zumeist eine feste Geschäftseinrichtung unterhalten, kann davon ausgegangen werden, dass im Regelfall sowohl nach nationalem Recht als auch nach Abkommensrecht die Voraussetzungen für eine Betriebsstätte erfüllt sind. Hinsichtlich des Anteils des Gesellschafters am Gewinn der Personengesellschaft ist die Geltung des Betriebsstättenprinzips international unstrittig. Für die Sondervergütungen ist eine Fallunterscheidung vorzunehmen: • Werden nach ausländischem Steuerrecht analog zur Vorgehensweise in Deutschland Gesellschaft-Gesellschafter-Verträge dem gewerblichen Bereich – ausnahmsweise – zugerechnet (Mitunternehmerkonzept), werden die Sondervergütungen mit dem Anteil am Gewinn der Personengesellschaft zusammengefasst und nach den gleichen Regeln besteuert. Die Erfassung der Sondervergütungen im Rahmen der beschränkten Steuerpflicht stützt sich in dieser Situation auf Art. 7 OECD-MA146. • Werden die Gesellschaft-Gesellschafter-Verträge dagegen – wie häufig – im Ausland nicht dem gewerblichen Bereich zugerechnet (Transparenzprinzip), kommt für Sondervergütungen nicht der für Unternehmensgewinne geltende Art. 7 OECD-MA zur Anwendung, vielmehr ist in diesen Situationen bei den Sondervergütungen der für die jeweilige Leistungsart vorgesehene spezielle Abkommensartikel heranzuziehen. Die Sondervergütungen werden nur insoweit im Rahmen der beschränkten Steuerpflicht erfasst, als nach dem zwischen der Bundesrepublik und dem Sitzstaat der Personengesellschaft bestehenden DBA das Besteuerungsrecht dem Quellenstaat zugewiesen wird und dieser nach nationalem Recht sein Besteuerungsrecht ausübt. Bei einer fehlenden Zuordnung der Gesellschaft-Gesellschafter-Verträge zum gewerblichen Bereich kann es beispielsweise bei Zinsen aus einem Gesellschafterdarlehen oder bei Lizenzgebühren zu einer beschränkten Steuerpflicht des Gesellschafters kommen (Art. 11, Art. 12 OECD-MA). Fallen die Gesellschaft-Gesellschafter-Verträge unter keinen der speziellen Abkommensartikel, werden die Sondervergütungen im Rahmen der beschränkten Steuerpflicht des inländischen Gesellschafters nicht erfasst. (2) Besteuerung im Inland. Nach der in Deutschland geltenden Mitunternehmerkonzeption erfolgt die Besteuerung der Beteiligung an einer ausländischen Personengesellschaft entsprechend den für Betriebsstätten vorgesehenen Prinzipien. Dem inländischen Gesellschafter wird sein Anteil am Gewinn der Personengesellschaft zugerechnet, allerdings geht er nach dem Betriebsstättenprinzip im Inland nicht in die steuerpflichtige 146 So die deutsche Finanzverwaltung für die Beteiligung eines Steuerausländers an einer inländischen Personengesellschaft, vgl. BMF-Schreiben vom 24.12.1999 (Betriebsstätten-Verwaltungsgrundsätze), BStBl. 1999 I, S. 1076, Tz. 1.1.5.5, Tz. 1.2.3 sowie BMF, Personengesellschaften (Internet), Tz. 5.1. Die Rechtsprechung ordnet demgegenüber die Sondervergütungen dem jeweils spezielleren Abkommensartikel zu. Dies bedeutet, dass der Staat, in dem die ausländische Personengesellschaft tätig ist, bei Geschäftsführervergütungen, Zinsen aus einem Gesellschafterdarlehen und anderen Sondervergütungen nur insoweit ein Besteuerungsrecht hat, als dies für Gehälter, Zinsen oder Lizenzgebühren vorgesehen ist, vgl. BFH vom 17.10.2007, BFH/NV 2008, S. 869. Für die weiteren Erläuterungen in diesem Buch wird der (umstrittenen) Rechtsauffassung der Finanzverwaltung gefolgt. 4.5 Besteuerung von Tochterpersonengesellschaften 335 Bemessungsgrundlage ein (Freistellung nach Art. 7 i.V.m. Art. 23A OECD-MA, bei der Einkommensteuer mit Progressionsvorbehalt). Nach den Wertungen des deutschen Steuerrechts werden die schuldrechtlichen Leistungsbeziehungen zwischen der Personengesellschaft und ihren Anteilseignern dem gewerblichen Bereich zugerechnet. Dies bedeutet, dass auch die Sondervergütungen nach dem Betriebsstättenprinzip im Rahmen der unbeschränkten Einkommen- bzw. Körperschaftsteuerpflicht grundsätzlich freizustellen sind147. Abweichungen vom Betriebsstättenprinzip ergeben sich, wenn hinsichtlich der Reichweite des Mitunternehmerkonzepts zwischen dem inländischen und dem ausländischen Steuerrecht Differenzen bestehen (Qualifikationskonflikt). Sind die im Zusammenhang mit Gesellschaft-Gesellschafter-Verträgen gezahlten Vergütungen auf Ebene der ausländischen Personengesellschaft als Betriebsausgabe abziehbar, ohne dass sie beim Gesellschafter seinen nach dem Betriebsstättenprinzip zu versteuernden Einkünften zugerechnet werden, unterliegen sie im Ausland nicht der Besteuerung oder es wird nur eine, im DBA-Fall reduzierte Kapitalertragsteuer erhoben (Transparenzprinzip). Um eine zweimalige Nichtbesteuerung zu vermeiden, gehen diese Sondervergütungen im Rahmen der unbeschränkten Steuerpflicht des Anteilseigners in die inländische Bemessungsgrundlage ein. Die im Methodenartikel (Vermeidungsnorm) vorgesehene Freistellung von Betriebsstättengewinnen kommt hinsichtlich derartiger Vergütungen aus Gesellschaft-Gesellschafter-Verträgen nicht zur Anwendung (§ 50d Abs. 9 Satz 1 Nr. 1 EStG)148. Die im Ausland auf Sondervergütungen erhobenen Quellensteuern (z.B. Kapitalertragsteuer auf Zinsen oder Lizenzen) werden im Rahmen der Besteuerung im Ansässigkeitsstaat angerechnet (§ 34c Abs. 6 Satz 5 EStG). Die Auflösung des Qualifikationskonflikts durch Übergang von der Freistellungsmethode auf die Anrechnungsmethode kann sich nicht nur aus § 50d Abs. 9 EStG, d.h. aus dem innerstaatlichen Recht, ergeben, sondern auch aus einer speziellen im DBA vereinbarten Switch-over-Klausel (in Anlehnung an Art. 23A Abs. 4 OECD-MA)149. Die DBA-Freistellung bewirkt, dass die Erträge, die im Zusammenhang mit der Beteiligung an der ausländischen Personengesellschaft stehen, im Inland nicht mit Gewerbesteuer belastet werden, da insoweit im Inland keine Betriebsstätte besteht (§ 2 Abs. 1 Satz 3 GewStG). Nach deutschem Verständnis umfassen die Erträge aus der Beteiligung an der ausländischen Personengesellschaft sowohl den Anteil an der Personengesellschaft (erste Stufe der Gewinnermittlung) als auch die Sondervergütungen (zweite Stufe der Gewinnermittlung). Soweit die nationale Kürzungsvorschrift weiter geht als das Betriebsstättenprinzip des Abkommens, kommt subsidiär § 9 Nr. 2 GewStG zur Anwendung, d.h. es gilt jeweils die für den Steuerpflichtigen günstigere Regelung. 147 Vgl. BMF-Schreiben vom 24.12.1999 (Betriebsstätten-Verwaltungsgrundsätze), BStBl. 1999 I, S. 1076, Tz. 1.1.5.5, Tz. 1.2.3 sowie BMF, Personengesellschaften (Internet), Tz. 5.1. 148 Vgl. BMF-Schreiben vom 24.12.1999 (Betriebsstätten-Verwaltungsgrundsätze), BStBl. 1999 I, S. 1076, Tz. 1.2.3; BMF, Personengesellschaften (Internet), Tz. 5.1; OECD, Partnerships, 1999; Vogel, K./Lehner, M., Doppelbesteuerungsabkommen, 2008, Art. 7, Rz. 36–41. Die Rechtsprechung ordnet zwar die Sondervergütungen dem speziellen Abkommensartikel zu, vgl. BFH vom 27.2.1991, BStBl. 1991 II, S. 444; BFH vom 31.5.1995, BStBl. 1995 II, S. 683; BFH vom 17.10.2007, BFH/NV 2008, S. 869. Da aber beispielsweise Zinsen und Lizenzen im Ansässigkeitsstaat besteuert werden, ergibt sich im Ergebnis (aber nicht hinsichtlich der Begründung) zwischen der Auffassung der Finanzverwaltung und der Rechtsprechung insoweit kein Unterschied. 149 Zu den speziellen Regelungen für Sondervergütungen in den deutschen Abkommen siehe BMF, Personengesellschaften (Internet), Tz 5.2. 336 4. Besteuerung der grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit 4.5.3 Besteuerung bei Abweichungen hinsichtlich der Steuersubjektqualifikation 4.5.3.1 Nationales Recht (Nicht-DBA-Fall) (1) Besteuerung im Ausland. Bei einer abweichenden Steuersubjektqualifikation wird die Personengesellschaft in ihrem Sitzstaat nach dem Trennungsprinzip besteuert. Dies gilt unabhängig davon, ob der Quellenstaat Personengesellschaften generell nach dem Trennungsprinzip besteuert oder ob dies nur unter bestimmten Bedingungen (z.B. nach Ausübung eines entsprechenden Optionsrechts) zutrifft. Behandelt der ausländische Staat die Personengesellschaft als eigenständiges Steuersubjekt, ist die Personengesellschaft mit ihrem Einkommen unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig. Erhebt der Quellenstaat eine Gewerbesteuer oder eine damit vergleichbare Steuer, ist diese von der Personengesellschaft zu entrichten. Den Gesellschaftern werden nach dem ausländischen Steuerrecht solange keine Einkünfte zugerechnet, solange die Personengesellschaft die von ihr erzielten Gewinne thesauriert. Zu dem Zeitpunkt, zu dem die Gewinne ausgeschüttet werden, wird der Anteilseigner im Ausland beschränkt steuerpflichtig. Die Gewinnausschüttungen gelten als Dividenden, sodass die beschränkte Steuerpflicht durch die Erhebung von Kapitalertragsteuer auf die Gewinnausschüttungen abgegolten wird. Vergütungen für Leistungen des Gesellschafters gegenüber der Personengesellschaft (z.B. Zinsen, Lizenzgebühren) sind auf Ebene der Personengesellschaft als Betriebsausgabe abziehbar; beim Gesellschafter werden diese Sondervergütungen – in Abhängigkeit von der Ausgestaltung der Quellenbesteuerung im Ausland – nach den allgemeinen Abgrenzungsregeln von der beschränkten Steuerpflicht erfasst. Wird die Personengesellschaft in ihrem Sitzstaat als eigenständiges Steuersubjekt behandelt, stimmt die Besteuerung im Ausland vom Ansatz her mit der Besteuerung einer Tochterkapitalgesellschaft überein. Dies gilt sowohl für die Beteiligungsebene (Personengesellschaft: Körperschaftsteuer; Gesellschafter: keine steuerbaren Einkünfte bei Thesaurierung der Gewinne bzw. Kapitalertragsteuer auf ausgeschüttete Gewinne) als auch für den schuldrechtlichen Leistungsaustausch zwischen der Personengesellschaft und ihren Anteilseignern (Behandlung der Vergütungen aus Gesellschaft-Gesellschafter-Verträgen nach den für Direktgeschäfte geltenden Regeln). (2) Besteuerung im Inland. Die abweichende Einordnung der Personengesellschaft in das Besteuerungssystem des Auslands verändert die inländische Besteuerung nicht, sodass insoweit auf Abschnitt 4.5.2.1 verwiesen werden kann. Die Gewinnanteile sowie die Sondervergütungen sind von einem inländischen Anteilseigner im Rahmen seiner unbeschränkten Steuerpflicht als gewerbliche Einkünfte zu versteuern. Die Besteuerung der Anteile am Gewinn der Personengesellschaft erfolgt in dem Veranlagungszeitraum, in dem die Personengesellschaft den Gewinn erzielt. Die Besteuerung im Rahmen der unbeschränkten Steuerpflicht des Gesellschafters ist auch bei abweichender Steuersubjektqualifikation unabhängig davon, ob die Personengesellschaft den Gewinn thesauriert oder ausschüttet. Auch in dem Fall, in dem im Ausland das Trennungsprinzip gilt, wird im Inland auf das für Personengesellschaften geltende Mitunternehmerkonzept (Transparenzprinzip mit Zurechnung der Gesellschaft-Gesellschafter-Verträge zum gewerblichen Bereich) zurückgegriffen. Bei der Anrechnung der Quellensteuer auf die Sondervergütungen gelten keine Besonderheiten. Nach deutschem Verständnis liegen ausländische Einkünfte vor, auch die Steuersubjektidentität ist unstrittig gegeben. Die Anrechnung der im Quellenstaat von der Personengesellschaft gezahlten Körperschaftsteuer auf die inländische Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer ist gleichfalls möglich. Da nach deutscher Wertung

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References

Zusammenfassung

Besteuerung international tätiger Unternehmen

Das Handbuch gibt einen fundierten Überblick über die Besteuerung deutscher Unternehmen mit internationaler Geschäftstätigkeit. Der erste Teil vermittelt die Grundlagen zu:

* den betriebswirtschaftlichen Grundfragen (Doppelbesteuerung)

* der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung

* der Minderbesteuerung (Umsatzsteuer)

* den Normen des internationalen Steuerrechts

Zusätzlich werden die Zusammenhänge zwischen den steuerrechtlichen Regelungen und den Formen einer grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit detailliert aufgezeigt. Im zweiten Teil werden ausgewählte Teilbereiche der internationalen Unternehmensbesteuerung vertieft dargestellt:

* Empfehlungen zu Rechtsform und Finanzierung einer Auslandsinvestition

* die zwischenstaatliche Erfolgszuordnung und Verteilung der betrieblichen Funktionen zwischen dem Inland und Ausland

* die Umsatzsteuer bei einem grenzüberschreitenden Leistungsaustausch

Das Handbuch richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Steuerfachleute in der Wirtschaft.

Der Autor

Professor Dr. Wolfram Scheffler ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Steuerlehre an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.