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4.4 Ökologische Treffsicherheit in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 73 - 74

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_73

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 61 4.4 Ökologische Treffsicherheit 61 1. Die pareto-effizienten Emissionen fiE ergeben sich für jedes einzelne Unternehmen bekanntlich im Schnittpunkt der (erwarteten) Grenzschäden mit den Grenznutzen der Emissionen (bzw. den Grenzkosten der Schadstoffvermeidung, da der Grenznutzen der Emissionen gerade in den eingesparten Kosten der Schadstoffvermei dung besteht). Daraus folgt erstens, dass die Umweltbehörde die Schadensfunktion kennen muss, um ein Pareto-Optimum zu implementieren. Zwar kann die Scha densfunktion im Umweltbereich immer nur geschätzt werden, doch mag es häufig so sein, dass die Umweltbehörde über diese Funktion mindestens gleich gut infor miert ist wie die emittierenden Unternehmen. Die Orientierung an der Kenntnis der Umweltbehörde stört dann nicht bei der Erreichung des Pareto-Optimums „in erwarteten Größen“ und man kann ohnehin nichts anderes machen, als vom besten verfügbaren Schätzwert auszugehen. Man kann dann mit guten Argumenten die Maximierung der erwarteten Wohlfahrt als Pareto-Optimum bezeichnen. Darüber hinaus – und dies ist der entscheidende Punkt – muss die Umweltbehörde aber auch für jedes einzelne Unternehmen die Grenznutzenfunktion (bzw. die Grenzkosten der Schadstoffvermeidung) kennen, um ein Pareto-Optimum zu implementieren. Denn für jedes Unternehmen mit anderen Grenznutzenfunktionen ergibt sich auch ein anderes fiE , so dass die Umweltbehörde entsprechend viele verschiedene iE + vorge ben muss. Wegen dieser Kenntnis der individuellen Grenznutzenfunktionen ist der Informationsbedarf der Umweltbehörde bei der Auflagenlösung extrem hoch. 2. Doch selbst wenn die Umweltbehörde diese Informationen hätte, so würden sich kaum lösbare Zielkonflikte zwischen der (statischen) Pareto-Effizienz und der dyna mischen Anreizwirkung ergeben. Unter dynamischer Anreizwirkung versteht man wie erwähnt den Anreiz zur Entwicklung umweltfreundlicher Technologien. Da Pareto-Effizienz bei der Auflagenlösung voraussetzt, dass Unternehmen mit hohen Grenznutzen der Emissionen (also hohen Grenzkosten der Schadstoffvermeidung) mehr emittieren dürfen, führt diese unter dem Gesichtspunkt der Pareto-Effizienz erforderliche Differenzierung dazu, dass der Anreiz zur Entwicklung umweltfreundlicher Technologien zurückgeht. Denn wenn ein Unternehmen weiß, dass es umso mehr emittieren darf, je höher die Vermeidungskosten sind, so schmälert dies den Anreiz zur Entwicklung kostensenkender Umwelt-Technologien offensichtlich entscheidend. Wir halten daher fest, dass • Pareto-Effizienz bei der Auflagenlösung die Kenntnis aller einzelnen Grenznutzenfunktionen der Emissionen erfordert und der Informationsbedarf daher extrem hoch ist; • und zweitens ein kaum lösbarer Zielkonflikt zwischen statischer Allokationseffizienz und dynamischer Anreizwirkung besteht, sofern ein Pareto-Optimum gesucht wird. 4.4 Ökologische Treffsicherheit Der große Anreiz zur Einhaltung des vorgegebenen Umweltstandards macht Auflagen in allen Bereichen reizvoll, in denen ein bestimmtes Emissionsniveau keinesfalls überschrit ten werden sollte. Dies gilt besonders bei giftigen, insbesondere karzinogenen Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 62 4 Auflagen62 Stoffen, aber auch bei riskanten Tätigkeiten wie – außerhalb des Umweltbereichs – beispielsweise beim Autofahren, wo die Vorgabe von Geschwindigkeitsbeschränkungen daher sicherlich ein probates Mittel ist.5 Da die Umweltbehörde bei hinreichend hohen Strafen die Einhaltung von iE + herbeiführen kann, schneidet die Auflagenlösung unter dem Gesichtspunkt der ökologischen Treffsicherheit hervorragend ab. Der entscheidende Vorteil der Auflagen lösung bezüglich der ökologischen Treffsicherheit ist, dass die Umweltbehörde keinerlei Information benötigt, um die gewünschte Umweltqualität zu erreichen. Dies gilt für jede „diktatorische Vorgabe“ – wenn man einen Standard setzt, dessen Missachtung zu harten Strafen führt, so sind die Chancen gut, dass dieser eingehalten wird – allerdings unab hängig davon, ob es der richtige (pareto-effiziente) Standard ist oder nicht. 4.5 Kosteneffizienz Die letzten Überlegungen zeigen, dass Auflagen als Instrumente der Umweltpolitik überall dort unumstritten sind, wo die exakte Einhaltung einzelner Standards besonders wichtig ist. Gleichzeitig führt der hohe Anreiz zur Einhaltung von iE + aber zu Schwierigkeiten, wenn der vorgegebene Standard iE + vom pareto-effi zien ten Standard f iE abweicht. Las sen Sie uns nochmals deutlich machen, was wir mit der Einhaltung einzelner Standards meinen. Charakteristisch für das Risiko beim Autofahren ist, dass die einzelnen Geschwin digkeiten nur sehr bedingt gegeneinander substituierbar sind. Beispielsweise ist es nicht das gleiche, ob von vier Autofahrern im Ort alle 50 km/h, oder einer 140 km/h und drei 20 km/h fahren, weil es nicht (nur) um die Summe der Geschwindigkeiten, sondern auch um die Verteilung auf die einzelnen Fahrer geht. Es ist dann naheliegend, verbindliche Vorgaben zu treffen, die von jedem beachtet werden müssen und die damit verbunde nen Ineffizienzen (vielleicht liegt das Optimum des einen Fahrers wegen seiner größeren Reaktionsfähigkeit bei 70 km/h und das des anderen bei 35 km/h) in Kauf zu nehmen. Die Situation sieht allerdings ganz anders aus, wenn es in viel stärkerem Maße als beim Autofahren primär auf die Summe der riskanten Tätigkeiten, und nur sekundär auf ihre Verteilung ankommt. Unter diesen Umständen ist das Kriterium der Kosteneffizi enz von herausragender Bedeutung: Unter Kosteneffizienz versteht man wie erwähnt die Minimierung der volkswirtschaftlichen Gesamtkosten zur Einhaltung einer bestimmten, exogen vorgegebenen Umweltqualität. Das Kriterium der Kosteneffizienz kann daher auch dann angewendet werden, wenn die pareto-effiziente Umweltqualität unbekannt ist. Zur Analyse der Kosteneffizienz von Auflagen betrachten wir vereinfachend einen Schadstoff, bei dem es keinerlei Rolle spielt, wo er ausgestoßen wird. Dies gilt vor allem für CO2, da das Problem bei CO2 ausschließlich im Treibhauseffekt besteht und für diesen die räumliche Verteilung des Schadstoffs ganz gleichgültig ist. Dies bedeutet, 5 Ob der Gebrauch von Glühlampen einen solch gefährlichen Tatbestand darstellt, sei einmal dahingestellt. Die Autoren verwundert es jedoch schon, dass offenbar auch aktuell die Politik bevorzugt Auflagen bzw. Verbote implementiert, während marktnähere Lösungen (siehe Kapitel 5) trotz aller Vorteile nur selten in Erwägung gezogen werden.

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Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.