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13.5 Monopolistische Ressourcenbesitzer in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 347 - 349

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_347

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 339 13.5 Monopolistische Ressourcenbesitzer 339 Op timalitätsbedingungen für gewöhnliche, reproduzierbare Güter verglichen werden kann: Während dort Preis (bzw. Grenznutzen) = Grenzkosten gilt, gilt nun Preis (bzw. Grenz nutzen) = Grenzkosten + Opportunitätskosten .λ Die Einführung von Kosten ändert an der grundsätzlichen Modelllogik also nichts, da der Unterschied zu reproduzierbaren Gütern weiterhin in der Berücksichtigung der Opportunitätskosten λ besteht. Interessant ist allerdings die Frage, ob der Einbau von konstanten und periodenunabhängigen Grenzkosten den Abbau der Ressource beschleunigt oder nicht. Zuerst könnte man denken, dass die Kosten keinen Einfluss haben, weil die Grenzkosten nicht ansteigen. Der Preispfad (13.21) zeigt aber, dass das nicht der Fall ist:18 (1 ) (1 )t tt op p r c r c= + − + + (13.21) Überlegen wir, ob der Preis gemäß (13.21) schneller oder langsamer steigt als in der Bedingung (1 )tt op p r= + (13.22) für den Fall ohne Abbaukosten. Da c bei einem positiven Diskontierungssatz immer kleiner als (1 )tc r+ ist, steigt der Preis offensichtlich langsamer als in (13.22). Dies bedeutet, dass der Zukunftspreis niedriger als im Modell ohne Abbaukosten ist und deshalb im Vergleich dazu in der Zukunft mehr verkauft wird. Ferner wird dadurch impliziert, dass der Abbau durch die Einführung von Abbaukosten langsamer vonstatten geht. Bedenken Sie bitte, dass dies nicht dadurch zustande kommt, dass wir steigende Grenzkosten pro Periode unterstellt haben. Dadurch würde der Effekt des langsameren Abbaus verstärkt, um der Steigerung der Grenzkosten auszuweichen. In unserem Fall resultiert der langsamere Abbau dagegen ausschließlich daraus, dass der Ressourcenbesitzer die Kosten in die Zukunft verlagern möchte, so dass der Diskontierung der Erträge (dies bewirkt einen schnellen Abbau) durch die Diskontierung der Kosten (dies bewirkt einen langsamen Abbau) entgegengewirkt wird. 13.5 Monopolistische Ressourcenbesitzer Unsere Kenntnisse der gewöhnlichen Preistheorie lassen schon vermuten, dass die Bedin gungen für einen wohlfahrtsoptimalen Ressourcenabbau nur dann durch Märkte dezentra lisiert werden können, wenn vollständige Konkurrenz besteht. Um dies zu demonstrieren, betrachten wir nun das zweite Extrem einer Marktsituation, indem wir einen monopo listischen Ressourcenbesitzer unterstellen.19 Analog zur Situation bei reproduzierbaren Gütern muss der Monopolist in jeder Periode damit rechnen, dass eine Ausdehnung sei nes Angebots zu einem Rückgang des Nachfragepreises führt. Um die Analyse möglichst einfach zu halten, gehen wir nun wieder davon aus, dass keine Abbaukosten anfallen. Der einzige Unterschied zur Situation bei vollständiger 18 Analog zum Modell ohne Abbaukosten können Sie den Preispfad selbst durch einige Umformungen aus (13.20) ermitteln. 19 Wie in der statischen Allokationstheorie liegen die Ergebnisse im Oligopol unter plausiblen Prämissen zwischen denen bei vollständiger Konkurrenz und im Monopol. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 340 13 Ressourcenökonomie340 Kon kurrenz in Abschnitt 13.3 ist, dass der Periodenpreis pt eine Funktion der Angebotsmenge yt ist. Demnach lautet die Lagrangefunktion zur Gewinnmaximierung des Monopolisten 0 0 ( ) (1 ) T T t t t tt t t p y y L y y r = = = + λ − . +∑ ∑ (13.23) Als Bedingungen erster Ordnung folgen 0 0 0 0 0 0 ( ) 0 pL p y y y y ∂∂ = + −λ = ∂ ∂ (13.24) 1 1 1 1 1 1 1 ( ) 0 (1 ) p p y y L y y r ∂ + ∂ ∂ = −λ = ∂ + (13.25) . . . ( ) 0 (1 ) T T T T T T T p p y y L y y r ∂ + ∂ ∂ = −λ = ∂ + . (13.26) Nach den üblichen Umformungen erhalten wir: 1 1 1 1 0 1 0 0 0 1 0 ( ) ( ) ( ) 0 (1 ) (1 ) T T T T T T p p p y y p y y p y y p y y y r r ∂ ∂ + + ∂ ∂ ∂ + = = = −λ = ∂ + + (13.27) Gleichung (13.27) unterscheidet sich von der korrespondierenden Bedingung (13.13) bei vollständiger Konkurrenz nur dadurch, dass nicht mehr der diskontierte Preis, sondern der diskontierte Grenzerlös in allen Perioden gleich sein muss. Dieser Grenzerlös ist wie in statischen Modellen ( ) ( ),t t t t tp y y p y+ ∂ / ∂ weil zusätzlich zum Preis ( )t tp y noch die auf alle verkauften Einheiten yt bezogene Preisänderung t tp y∂ / ∂ berücksichtigt werden muss. Da diese Preisänderung wie immer negativ ist, liegt der Grenzerlös unter dem Preis. Berechnen wir nun gemäß der gewohnten Methode den Preispfad, um zu analysieren, ob die Ressource im Monopol schneller oder langsamer abgebaut wird als bei vollständiger Konkurrenz. Als Preispfad ergibt sich 0 0 0 0 0 ( ) (1 ) ( )(1 )t ttt t t t BA p p p y y r y p y r y y ∂ ∂ = + − + + . ∂ ∂ (13.28) Betrachten wir die Komponenten „A“ und „B“, die den in (13.28) dargestellten Preispfad vom Preispfad bei vollständiger Konkurrenz unterscheiden: Da die erste Ableitung des Preises nach der Menge ( )p y∂ / ∂ bei gewöhnlichen Nachfragefunktionen negativ ist, sind die Ausdrücke „A“ und „B“ ebenfalls negativ. Der Preis pt ist also niedriger als bei vollständiger Konkurrenz, wenn der Betrag von „A“ größer als der Betrag von „B“ ist, weil dann die abgezogene Größe höher ist als die addierte (-„B“). Dies ist offensichtlich Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 341 13.6 Zur praktischen Relevanz des Hotelling-Models 341 der Fall, weil (1 + r)t größer als Eins ist. Da pt – der Zukunftspreis – kleiner ist als bei vollständiger Konkurrenz, wird also in der Zukunft mehr verkauft als bei vollständiger Konkurrenz. Der Ressourcenabbau vollzieht sich langsamer. Aus diesem Grund spricht man auch davon, dass das „Monopol der Freund des Umweltschützers ist“. Dabei ist aber zu beachten, dass der Abbau gemessen am Optimum, das durch vollständige Konkurrenz implementiert werden kann, zu langsam ist. Die Erklärung des langsameren Abbaus vollzieht sich ganz analog zur statischen Allo kationstheorie bei reproduzierbaren Gütern: Da der Monopolist den durch eine Erhöhung der Angebotsmenge hervorgerufenen Preisverfall in der Gegenwart verhindern möchte, reduziert er seine Angebotsmenge im Vergleich zu der Menge, die er bei einem gegebenen Preis (vollständige Konkurrenz) anbieten würde. Insgesamt kann er die Auswirkungen der Menge auf den Preis zwar nicht verhindern, weil im Zeitraum T die gesamte Menge verkauft werden soll und daher jede Mengenverknappung in der Gegenwart eine Mengen erhöhung (und damit eine Preisverminderung) in der Zukunft nach sich zieht. Aber eine zukünftige Preisreduktion wird vom Monopolisten wegen der Diskontierung gegenüber einer heutigen Preisreduktion geringer bewertet, was die Mengensenkung erklärt. 13.6 Zur praktischen Relevanz des Hotelling-Models In der ökonomischen Literatur wird seit längerem nach einer empirischen Bestätigung des Hotelling-Ansatzes gesucht, allerdings bisher ohne großen Erfolg. Die meisten Autoren beurteilen die Annahmen für die meisten Rohstoffe als zu restriktiv und nicht kompatibel mit der Realität.20 Eine weitere Erklärungsmöglichkeit für die nicht erfolgte empirische Bestätigung ist das Problem der Datenverfügbarkeit mit den daraus folgenden Messproblemen.21 Als besonders kritisch wird in der Literatur zumeist die Unterstellung eines fixen und bekannten Ressourcenbestands angesehen.22 Innerhalb der einfachsten Variante der Hotelling-Sicht ist es zwar durchaus konsistent, dass mit zunehmender Ausbeutung der Preis stetig weiter steigen muss und so die immer weiter zunehmende Knappheit signalisiert. In der Realität geben aber gerade diese Preisanstiege Investoren Anreize, Explorationsbemühungen zu intensivieren und neue Lagerstätten zu suchen. Darüber hinaus können nun Lagerstätten entwickelt werden, die aufgrund ihrer Förderkosten bei den bisher niedrigen Preisen nicht wettbewerbsfähig waren. Dadurch weitet sich das Angebot wieder aus und die Knappheit wird geringer bzw. der Preisanstieg unterbrochen.23 Im 20 Literaturüberblicke geben bspw. Adelman/Watkins (2008) und Livernois (2009). Eine Ausnahme wird in den Altbeständen von Douglastannen gesehen, für welche die meisten Hotelling- Annahmen plausibel scheinen; vgl. Livernois/Thile/Zhang (2006). 21 Vgl. Ströbele/Pfaffenberger/Heuterkes (2012), S. 43. 22 Es finden sich jedoch auch zahlreiche Autoren, die gerade diese Annahme als Basis ihrer Ansätze verwenden. Wichtige Arbeiten dieser als „geologische Denkschule“ bekannten Sichtweise sind neben den bereits in Abschnitt 13.1 angesprochenen Weltmodellen v.a. Hubbert (1956) und Campbell/Laherre (1998). 23 Nach Endres (2013), S. 368, kann dies als self-destroying prophecy der Hotelling-Regel bezeichnet werden.

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References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.