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10.4.1 Grundgedanke und Überblick in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 242 - 243

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_242

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 232 10 Internationale Aspekte des Umweltproblems232 buch hinausgehen würde. Die in der Fußnote genannten Quellen ermöglichen aber einen guten Einstieg.52 10.4 Öko-Dumping und strategische Handelspolitik 10.4.1 Grundgedanke und Überblick In Abschnitt 10.2 haben wir ausführlich erläutert, dass die pareto-effizienten Umweltstandards in Nationen mit unterschiedlichen Ausgangsbedingungen keineswegs gleich sein müssen, sondern erheblich voneinander abweichen können. Besonders einfach lässt sich dieses Ergebnis bei Schadstoffen begründen, die im Inland verbleiben: Die effizienten Um weltbelastungen sind dann ausschließlich eine Funktion nationaler Gegebenheiten wie der Produktivität, der Ausstattung mit Kapital und Arbeit, der Assimilationskapazitäten der Umwelt und der monetären Bewertung von Umweltbelastungen durch die jeweilige na tionale Bevölkerung. Viele Industriestaaten bezweifeln allerdings, dass unterschiedliche Umweltstandards wirklich nur die Konsequenz unterschiedlicher nationaler Ausgangsbedingungen sind und behaupten stattdessen, dass niedrige Umweltstandards bewusst als Mittel zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit eingesetzt werden. Sie fordern daher Vereinba rungen von Mindeststandards oder die Erlaubnis von Schutzmaßnahmen gegen geringe Umweltstandards, die sie als Öko-Dumping bezeichnen.53 Die Problematik des Öko-Dumping hat in den letzten Jahren nicht nur die Aufmerksamkeit besorgter Politiker in Industriestaaten, sondern auch die theoretischer Industrie und Umweltökonomen auf sich gezogen. Dies liegt daran, dass die Ersetzung der Annah men der traditionellen Außenhandelstheorie durch die realitätsgerechtere Berücksichti gung unvollständiger Konkurrenz mittlerweile auch umweltökonomische Fragestellungen erreicht hat. Wenn man international unvollständige Märkte berücksichtigt, so erweisen sich protektionistische Maßnahmen wie Importzölle und Exportsubventionen zumindest vom Standpunkt des jeweiligen Landes als rational, weil diese die Möglichkeit bieten, die bei unvollständiger Konkurrenz möglichen Gewinne vom Ausland ins Inland umzu lenken. Es ist daher vom Standpunkt der beteiligten Länder aus durchaus rational, die Position inländischer Unternehmen auf den Weltmärkten durch protektionistische Maß nahmen zu stärken. Die unzureichende Internalisierung externer Effekte kann vor diesem Hintergrund als protektionistische Maßnahme interpretiert werden, die angesichts der zu nehmenden politischen Schwierigkeiten anderer protektionistischer Maßnahmen immer reizvoller wird. Die Theorie weist die Befürchtungen, dass Öko-Dumping als Mittel der strategischen Handelspolitik eingesetzt werden könn- 52 Empfohlen werden können z.B. Hoel/Schneider (1997), Finus/Rundshagen (1998), Endres/ Finus (1999), Carraro/Siniscalco (1998), Ecchia/Mariotti (1998) sowie Endres/Ohl (2002). Zahlreiche weitere Literaturhinweise zu den verschiedensten Aspekten finden sich bei Endres (2013), Teil 5.B. 53 Darunter kann man verstehen, dass ein Land Umweltstandards setzt, bei denen die Grenzkosten der Schadstoffvermeidung noch niedriger als die Grenzschäden sind. Vgl. auch Rauscher (1995) und Ranné (1996). Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 233 10.4 Öko-Dumping und strategische Handelspolitik 233 te, unter plausiblen Bedingungen als durchaus berechtigt aus. Diese Problematik wollen wir in diesem Abschnitt diskutieren. Wir beginnen unsere Überlegungen mit einer Skizze der Regelungen im GATT (10.4.2), da diese den realen Rahmen der Auseinandersetzungen bilden. Anschließend skizzieren wir zunächst die entscheidenden Unterschiede zwischen der traditionellen Au- ßenhandelstheorie und der Theorie der strategischen Handelspolitik (Abschnitt 10.4.3), wobei wir dabei noch nicht speziell auf das Umweltproblem eingehen. In Abschnitt 10.4.4 erläutern wir dann informell die Annahmen und Resultate von Modellen zum Zusammen hang von Umwelt und strategischer Handelspolitik, die die Anreize zum Öko-Dumping in Abhängigkeit von der Wettbewerbsform (d.h. vor allem Preis- vs. Mengenwettbewerb) auf international oligopolistischen Märkten analysieren. Während wir uns in Abschnitt 10.4.4 auf Abgaben als umweltpolitisches Instrument und auf die Annahme einer gegebe nen Technologie beschränken, erläutern wir in Abschnitt 10.4.5 einige Erweiterungen, die sich mit Auflagen sowie Innovationen beschäftigen, durch die die Technologie zur Emis sionsvermeidung verändert wird. In beiden Abschnitten knüpfen wir direkt an die im vorhergehenden Kapitel erläuterten strategischen Anreize im Oligopol an. In Abschnitt 10.4.6 fassen wir die Argumente für und wider protektionistische Maßnahmen gegen Öko- Dumping zusammen, wobei wir uns auch um ein vorsichtiges Fazit bemühen. 10.4.2 Das Ursprungslandprinzip im GATT Die Zielsetzung des GATT (General Agreement on Tariffs and Trade) besteht darin, den freien Welthandel durch den Abbau protektionistischer Maßnahmen zu fördern. Ende 1993 wurde nach siebenjährigen Verhandlungen die sog. „Uruguay-Runde“ damit abgeschlossen, dass 114 Staaten den dort getroffenen Vereinbarungen zustimmten. Erstens ging es dabei um die Reduzierung von tarifären (z.B. Zollsätze und Exportsubvention en) und nicht-tarifären (beispielsweise wettbewerbshemmende Produktnormen) Marktzugangsbeschränkungen.54 Insgesamt kann man dabei von durchaus ernsthaften Erfolgen sprechen, weil Berechnungen zu dem Ergebnis kommen, dass etwa die durchschnittlichen Zollbelastungen der OECD-Staaten von 6,4 auf 4 % verringert wurden. Im Mittelpunkt der Maßnahmen steht dabei der Agrarsektor. Zweitens wurden bisherige Ausnahmen wie zahlungsbilanzbegründete Restriktionen, Anti-Dumping-Verfahren und Sonderrege lungen für Entwicklungsländer wieder in das GATT integriert, so dass dessen Reichweite erhöht wurde. Und schließlich wurden der Dienstleistungsbereich und der Schutz geistigen Eigentums erstmals umfassend vom GATT behandelt.55 Unter Umweltgesichtspunkten ist das Ursprungslandprinzip des GATT zentral, da es grundsätzlich jedem Land selbst gestattet, seine Produktionsbedingungen zu wählen. Ex akter formuliert: Unterschiedliche Produktionsbedingungen, beispielsweise bezogen auf Arbeitszeiten, Entlohnungen oder Umweltstandards, liefern anderen Ländern 54 Vgl. zum Folgenden ausführlich z.B. Langhammer (1994). Einen guten Überblick mit weiterführenden Literaturhinweisen geben auch Bagwell/Staiger (2009). 55 Darüber hinaus wurde das GATT in die 1995 neu gegründete Welthandelsorganisation (WTO) eingebunden, für deren Mitglieder die Unterzeichnung des GATT obligatorisch ist. Aktuell (Mai 2013) sind 159 Staaten in der WTO organisiert.

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References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.