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5.11.2 Ein ökonomisches Grundmodell in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 122 - 128

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_122

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 110 5 Steuern und Abgaben (Preislösungen)110 best. Dies liegt daran, dass sich bei Erreichen der pareto-effizienten Emissionsintensität eine zu geringe Produktionsmenge ergibt, wäh rend bei Erreichen der pareto-effizienten Produktionsmenge die Emissionsintensität zu hoch ist. Die Umweltbehörde muss also zwischen diesen beiden Ineffizienzen abwägen, so dass sie keinen optimalen, sondern nur noch einen „zweitbesten“ Zustand (second best) erreichen kann. Diese Überlegungen gelten unter der Annahme, dass nur ein Instrument (hier eine Abgabe) zur Verfügung steht. Die Umweltbehörde kann dagegen ein Pareto-Optimum erreichen, wenn sie neben einer Emissionsabgabe auch noch eine Output-Subvention ein führt. Diese Output-Subventionen für Monopole wurden außerhalb des Umweltproblems schon oft diskutiert, weil jede Subvention die gewinnmaximale Produktionsmenge erhöht und die Behörde daher bei vollständiger Information auf diese Art ein Optimum herbei führen kann. Allerdings scheint dies aus zwei Gründen nicht besonders realistisch: erstens scheitert eine Subventionierung von Monopolisten schon an politischem Widerstand und zweitens ist die Behörde im Allgemeinen nicht vollständig informiert, so dass sich gra vierende Anreizprobleme ergeben würden (jedes Unternehmen hätte einen Anreiz, eine ohne Subventionen zu geringe Produktionsmenge zu signalisieren, um so in den Genuss von Subventionen zu kommen). Daher scheint die Annahme gerechtfertigt, dass die Umweltbehörde bei der Internalisierung externer Effekte durch Preislösungen ausschließlich auf das Instrument einer Emissionsabgabe zurückgreift, so dass nur noch ein second best erreicht werden kann. 5.11.2 Ein ökonomisches Grundmodell 5.11.2.1 Grundlagen des Modells Wir wollen die geschilderten Probleme nun in einem etwas formaleren Modell erläutern, wobei wir uns auf die Marktformen vollständiger Konkurrenz und des Monopols beschrän ken. Für das Oligopol ergeben sich im Grunde die gleichen Schlussfolgerungen wie für das Monopol, allerdings in abgeschwächter Form, weil die Produktionsmengen mit wachsender Anzahl der Marktteilnehmer immer näher an das Pareto-Optimum rücken. Ferner ist zu bedenken, dass die Ergebnisse im Oligopol auch stark von der Art der Wettbewerbsform (beispielsweise Preis- oder Mengenwettbewerb) und dem Ausmaß der Heterogenität der Produkte abhängt, so dass sich dort mittlerweile eine eigenständige Forschung etabliert hat.68 Wir erläutern wie erwähnt ausschließlich den Monopolfall und wählen dazu ein Beispiel mit möglichst einfachen Funktionsverläufen, da dadurch die Kernaussagen am leichtesten nachvollzogen werden können. Wir werden allerdings feststellen, dass die Zusammenhänge trotzdem relativ komplex werden. Im Einzelnen treffen wir folgende Annahmen: 1. Die Preis-Absatz-Funktion ist linear und lautet p = 10 – x. (5.24) 2. Die Kosten des Produzenten steigen linear in der Produktionsmenge, so dass wir von konstanten Grenzkosten hinsichtlich der Produktionsmenge ausgehen. Zur Be- 68 Siehe hierzu beispielsweise Gersbach/Requate (2004). Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 111 5.11 Preislösungen bei unvollständiger Konkurrenz 111 rücksichtigung der Emissionsintensität nehmen wir an, dass die Stückkosten progressiv in den pro produzierter Einheit vermiedenen Emissionen ansteigen. Diese pro Einheit Produktionsmenge vermiedenen Emissionen bezeichnen wir als Vermeidungsintensität und kürzen sie mit v ab. Gemäß diesen Überlegungen definieren wir als Stückkostenfunktion k = v2. (5.25) Somit ist die Gesamtkostenfunktion als Produkt aus Stückkosten und Produktionsmenge K = v2 · x. (5.26) 3. Bei der Schadensfunktion müssen wir zunächst die Emissionen bestimmen, die sich pro Produkteinheit aus den vermiedenen Emissionen v ergeben. Wir gehen davon aus, dass die maximale Emissionsintensität emax = 10 beträgt, so dass die wirkliche Emissionsintensität e einfach e = emax – v = 10 – v (5.27) ist. Die gesamten Emissionen sind als Produkt aus Emissionsintensität und Output E = (10 – v) x. (5.28) Wenn wir zur Vereinfachung der Rechnungen konstante Grenzschäden unterstel len,69 so ist die einfachste Normierung, dass die Schäden S den Emissionen E ent sprechen: S = (10 – v) x = 10x – vx (5.29) Die Preis-Absatz-Funktion, die Gesamtkostenfunktion und die Schadensfunktion ermöglichen es uns nun, die soziale Wohlfahrtsfunktion zu formulieren: 2 0 (10 ) (10 ) x W x dx v x x vx= − − − −∫ 2 0 (10 ) 10 x x dx v x x vx= − − − +∫ (5.30) Unter dem Integral steht die Preis-Absatz-Funktion bzw. die Grenznutzenfunktion, so dass das Integral den Bruttonutzen der Konsumenten misst. Davon werden die von der Vermeidungsintensität v abhängigen Gesamtkosten und die durch den externen Effekt verursachten Schäden abgezogen. Wir gehen nun folgendermaßen vor: zunächst bestim men wir die Werte für v und x, die sich aus der Maximierung der sozialen Wohlfahrtsfunktion ergeben. Anschließend zeigen wir, dass sich dieses Ergebnis durch eine Pigou-Steuer dezentralisieren lassen würde, sofern wir vollständige Konkurrenz hätten. Dann betrachten wir das Monopol und gehen davon aus, dass wir als einziges Instrument eine Emissionssteuer zur Verfügung haben und unter der Nebenbedingung des Monopols die soziale Wohlfahrt maximieren möchten. Dies wird uns zu dem zentralen Ergebnis führen, dass die wohlfahrtsoptimale Steuer unter der Pigou-Steuer liegt, weil dadurch der im Monopol zu geringen Produktionsmenge entgegengewirkt werden kann. Schließlich zei gen wir, dass durch die Kombination von zwei Instrumenten (nämlich einer Pigou-Steuer und einer Outputsubvention) sowohl die pareto-effiziente Emissionsintensität als auch die pareto-effiziente Produktionsmenge erreicht werden kann. 69 Dies ist kein Problem, weil wir ja steigende Vermeidungskosten angenommen haben. Dies garantiert in Verbindung mit konstanten Grenzschäden ein eindeutiges Optimum. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 112 5 Steuern und Abgaben (Preislösungen)112 5.11.2.2 Maximierung der sozialen Wohlfahrt Die Maximierung der sozialen Wohlfahrt ergibt sich aus den gleich Null gesetzten partiel len Ableitungen von (5.30) nach der Produktionsmenge x und der Vermeidungsintensität v und führt zu70 2(10 ) 10 0 W x v v x ∂ = − − − + = ∂ (5.31) 2 0 W vx x v ∂ = − + = . ∂ (5.32) Wenn wir in (5.32) die Produktionsmenge x ausklammern, so erhalten wir x(1 – 2v) = 0 (5.33) und daraus für jede positive Produktionsmenge vf = 0,5 (5.34) Gleichung (5.34) zeigt uns, dass die pareto-effiziente Vermeidungsintensität v f (und damit selbstverständlich auch die pareto-effiziente Emissionsintensität e f) unabhängig von der Produktionsmenge ist, was allerdings nur an unserer speziellen Annahme linearer Grenzschäden liegt.71 Aus Einsetzen von (5.34) in (5.31) können wir die optimale Produktionsmenge zu xf = 0,25 (5.35) ermitteln. (5.34) und (5.35) geben uns also die Vermeidungsintensität und die Produktionsmenge für die Maximierung der sozialen Wohlfahrtsfunktion an. 5.11.2.3 Die Pigou-Steuer bei vollständiger Konkurrenz Wir nehmen nun zum späteren Vergleich mit der uns interessierenden Monopollösung zunächst an, dass die Grenznutzenfunktion weiterhin der durch (5.24) gegebenen Preis -Absatz-Funktion entspricht, auf dem Markt vollständige Konkurrenz besteht und die Umweltbehörde eine Pigou-Steuer t f erhebt. Wenn wir bedenken, dass der Preis bei vollständiger Konkurrenz ein Datum ist und die Pigou-Steuer auf alle nicht vermiedenen Emissionen erhoben wird, so ist der Gewinn eines Unternehmens unter der Marktform vollständiger Konkurrenz offenbar 2 (10 )fG p x v x t v x= ⋅ − − − 2 10 f fp x v x t x t vx= ⋅ − − + . (5.36) Dabei sind v2x die Produktionskosten als Funktion der Vermeidungsintensität v und t f(10 – v)x die Steuerzahlungen, die sich als Produkt aus der Pigou-Steuer t f, der Emissionsintensität 10 – v und der Produktionsmenge x ergeben (bedenken Sie, dass eine Pigou-Steuer pro emittierter Einheit E und damit pro Einheit (10 – v)x erhoben wird). Die gleich Null gesetzten partiellen Ableitungen nach der Produktionsmenge x und der 70 Bedenken Sie, dass sich bei der Ableitung nach x das Integral und die Ableitung im ersten Term aufheben, so dass einfach die Preis-Absatz-Funktion (bzw. die Grenznutzenfunktion) stehen bleibt. 71 Der Zweck dieser Annahme besteht gerade darin, diese mathematische Vereinfachung zu erhalten. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 113 5.11 Preislösungen bei unvollständiger Konkurrenz 113 Vermeidungsintensität v geben uns die Werte für das gewinnmaximale Verhalten eines Unter nehmens bei vollständiger Konkurrenz bei einer gegebenen Pigou-Steuer: 2 10 0f f G p v t t v x ∂ = − − + = ∂ (5.37) 2 0f G vx t x v ∂ = − + = ∂ (5.38) Wenn wir in (5.38) analog zur Maximierung der sozialen Wohlfahrtsfunktion die Produktionsmenge x ausklammern, so erhalten wir ( 2 ) 0fx t v= − = (5.39) bzw. für positive Produktionsmengen 2 ft v = . (5.40) Aus (5.40) können wir nun leicht die Pigou-Steuer bestimmen, da diese ja garantieren soll, dass die Unternehmen die pareto-effiziente Vermeidungsintensität v f wählen. Da wir aus der Maximierung der sozialen Wohlfahrtsfunktion wissen, dass die paretoeffiziente Vermeidungsintensität 0,5 ist, setzen wir 0,5 ein und erhalten als Pigou-Steuer 0 5 2 0 5 1f fv t= , ⇒ = ⋅ , = (5.41) Diese zum first best führende Pigou-Steuer können wir verwenden, um sie mit der Monopollösung zu vergleichen.72 5.11.2.4 Der second best-Steuersatz im Monopol Wir suchen nun nach dem Steuersatz ts, der unter der Marktform eines Monopols zur Maximierung der sozialen Wohlfahrt führt. Diese Lösung bezeichnen wir als second best, weil aus den in Abschnitt 5.10.1 schon erläuterten Gründen ein first best nicht mehr erreicht werden kann: wenn wir nämlich die Pigou-Steuer t f = 1 vorgeben, so kommt es zwar zur optimalen Vermeidungs- bzw. Emissionsintensität, aber wegen des Monopols zu einer zu geringen Produktionsmenge. Es ist daher auch intuitiv einsichtig, dass im second best von der Pigou-Steuer nach unten abgewichen werden muss, um dem Mengeneffekt entgegenzuwirken. Dies führt dann allerdings zu einer zu hohen Emissionsintensität, so dass kein first best erreichbar ist. Wenn die Umweltbehörde die Wohlfahrt im Sinne eines second best maximieren möchte, so muss sie (analog zur vollständigen Konkurrenz) zunächst überlegen, wie der 72 Lassen Sie sich nicht davon irritieren, dass in Gleichung (5.37) die Produktionsmenge x gar nicht mehr auftaucht und wir daher auch keine optimale Produktionsmenge xf bestimmen können. Dies liegt daran, dass wir von einzelnen Unternehmen ausgehen und eine Kostenfunktion verwendet haben, deren produktionsmengenabhängige Grenzkosten konstant sind. Bei konstanten Grenzkosten und vollständiger Konkurrenz lässt sich für einzelne Unternehmen aber nie eine gewinnmaximale Produktionsmenge be stimmen, weil die Grenzkosten entweder über oder unter dem exogen gegebenen Marktpreis liegen, so dass die gewinnmaximale Produktionsmenge entweder Null oder unendlich ist (wenn Grenzkosten und Preis identisch sind, ist der Gewinn unabhängig von der Menge Null). Dies ist in unserem Zusammenhang aber nebensächlich, da wir die pareto-effiziente Menge für den Gesamtmarkt ja schon aus (5.35) kennen. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 114 5 Steuern und Abgaben (Preislösungen)114 Mo nopolist auf die Steuererhebung reagieren wird. Dazu gehen wir von der Gewinnfunktion des Monopolisten aus, die mit ts als second best-Steuer 2(10 ) 10 s sG x x v x t x t vx= − − − + (5.42) lautet. Der einzige Unterschied zur vollständigen Konkurrenz ist also, dass der Preis kein Datum ist, sondern durch die Preis-Absatz-Funktion gegeben wird. Dies ändert zwar nicht die partielle Ableitung nach der gewinnmaximalen Vermeidungsintensität, aber nach der Produktionsmenge: 210 2 10 0s s G x v t t v x ∂ = − − − + = ∂ (5.43) 2 0s G vx t x v ∂ = − + = ∂ (5.44) Wie gewohnt erhalten wir für die gewinnmaximale Vermeidungsintensität , 2 st v = (5.45) da diese nur vom Steuersatz, aber nicht von der Marktform abhängt. Einsetzen von (5.40) in (5.38) führt zu einer gewinnmaximalen Produktionsmenge von 240 ( ) 40 8 s st t x + − = . (5.46) Wir sehen, dass die Pigou-Steuer t f = 1 zu einer Produktionsmenge von 1/8 führen würde,73 so dass die Produktionsmenge zu gering wäre. Die second best-Steuer können wir nun berechnen, indem wir die soziale Wohlfahrtsfunktion als Funktion des Steuersatzes unter Berücksichtigung des Verhaltens des Monopolisten maximieren (denn dieses Verhalten kann die Umweltbehörde aus (5.45) und (5.46) ja antizipieren). Die soziale Wohlfahrtsfunktion lautet unverändert 2 0 (10 ) 10 x W x dx v x x vx= − − − + .∫ (5.47) Wenn wir das Integral berechnen, so erhalten wir 2 2 2 21 110 10 2 2 W x x v x x vx vx x v x= − − − + = − − . (5.48) Diese Schreibweise ist nun vorzuziehen, weil wir ja die Produktionsmenge x und die Vermeidungsintensität v durch die Steuer t ersetzen wollen, um die second best-Steuer ts zu berechnen. Einsetzen von (5.45) und (5.46) in (5.48) führt zu 22 240 ( ) 40 1 40 ( ) 40 2 8 2 8 s s s s st t t t t W + − + − = − 2 2( ) 40 ( ) 40 4 8 s s st t t + − − . (5.49) 73 Hierzu müssen wir nur für ts in (5.46) 1 einsetzen. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 115 5.11 Preislösungen bei unvollständiger Konkurrenz 115 Dies ist nun unsere Zielfunktion, die wir über den Steuersatz maximieren können. Der Computer behauptet, dass die Maximierung von (5.49) t s = 0,5084 (5.50) ergibt, was unserer Intuition entspricht: Die second best-Steuer t s liegt deutlich unter der Pigou-Steuer t f = 1, um der zu geringen Produktionsmenge entgegenzuwirken. Mit t s = 0,5084 erhalten wir zwar weder die pareto-effiziente Emissionsintensität noch die pareto-effiziente Produktionsmenge, aber der Wohlfahrtsverlust der aus beiden Effekten gegenüber dem Optimum entsteht, wird minimiert. 5.11.2.5 Implementierung eines Pareto-Optimums durch Instrumentenmix Wie in Abschnitt 5.11.1 schon angedeutet, können die optimale Vermeidungs- bzw. Emissionsintensität und die optimale Produktionsmenge erreicht werden, indem die Emissio nen besteuert und der Output subventioniert werden. Mit einer Outputsubvention s pro produzierter Einheit verändert sich die Gewinnfunktion des Monopolisten von (5.42) zu 2(10 ) 10G x x v x tx tvx sx= − − − + + . (5.51) Es kommt also lediglich die Gesamtsubvention sx als Produkt aus Subvention pro Einheit und Produktionsmenge hinzu.74 Als Bedingungen erster Ordnung für die gewinnmaximale Produktionsmenge x und die gewinnmaximale Vermeidungsintensität v ergeben sich bei gegebener Emissionssteuer t und ebenfalls gegebener Stücksubvention s 210 2 10 0 G x v t tv s x ∂ = − − − + + = ∂ (5.52) 2 0 G vx tx v ∂ = − + = . ∂ (5.53) Da im Pareto-Optimum die optimale Vermeidungsintensität vf = 0,5 gewählt werden muss, können wir aus (5.53) wie bei der Maximierung der sozialen Wohlfahrtsfunktion und bei vollständiger Konkurrenz eine pareto-effiziente Steuer von t = 1 ermitteln. Dies ist selbstverständlich, denn die Vermeidungsintensität hängt nur vom Steuersatz ab, so dass der Steuersatz dem pareto-effizienten entsprechen muss. Wenn wir t = 1 und vf = 0,5 in (5.52) einsetzen, so erhalten wir eine Funktion, die uns die gewinnmaximale Produk tionsmenge des Monopolisten als eindeutige Funktion der Subvention s angibt: 210 2 0 5 10 1 1 0 5 0x s− − , − ⋅ + ⋅ , + = (5.54) s muss nun so gewählt werden, dass die gewinnmaximale Produktionsmenge x des Monopolisten in (5.54) genau der pareto-effizienten Produktionsmenge aus (5.35), also xf = 0,25 entspricht. Also setzen wir für xf in (5.54) 0,25 ein und erhalten als erforderliche Subvention s = 0,25. (5.55) 74 Lassen Sie sich nicht durch den Term 10tx irritieren: die Bedeutung des Outputs ergibt sich indirekt aus der Abhängigkeit der Schäden von der Produktionsmenge. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 116 5 Steuern und Abgaben (Preislösungen)116 Dies bedeutet, dass ein sozialer Planer die Wohlfahrt maximieren kann, indem er die Pigou-Steuer t f = 1 mit einer Outputsubvention von 0,25 pro produzierter Einheit koppelt. Einschränkend muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass wir dabei un terstellt haben, dass Subventionszahlungen von einer Geldeinheit auch nur Kosten von einer Geldeinheit hervorrufen, so dass die Kosten des Staates genau den Einnahmen der Unternehmen entsprechen. Dies ist aber keineswegs zwingend, weil die Öffentliche Hand die Subventionen aus Steuereinnahmen bezahlen muss und die Steuererhebung möglicherweise Kosten verursacht (man nennt dies die „shadow costs of public funds“). Eine weiterführende Restriktion kann daher darin gesehen werden, dass die Subventionen die Steuereinnahmen nicht überschreiten dürfen. In unserem Beispiel mit einer Produktionsmenge von x = 0,25 und einer Subvention von s = 0,25 ist die Gesamtsubvention S 0 25 0 25 0 0625S s x= ⋅ = , ⋅ , = , . (5.56) Die gesamten Steuereinnahmen T sind (10 ) 1 (10 0 5) 0 25 2 375T t E t v x= ⋅ = ⋅ − ⋅ = ⋅ − , ⋅ , = , , (5.57) so dass auch diese Restriktion erfüllt ist und der Öffentlichen Hand trotz der Subven tion noch Gelder zur Senkung anderer Steuern verbleiben.75 5.12 Zusammenfassende Schlussfolgerungen In diesem Kapitel haben wir gezeigt, dass die Informationsanforderungen bei Preislösungen zur Erfüllung der zentralen umweltpolitischen Kriterien der Pareto-Effizienz und Kosteneffizienz wesentlich geringer sind als bei Auflagen. Für Pareto-Effizienz wird (zu mindest bei Schadstoffen, bei denen es nicht auf die räumliche Verteilung ankommt), le diglich die aggregierte Grenzkostenfunktion der Schadstoffverminderung, aber nicht jede einzelne Grenzkostenfunktion benötigt. Dies ist ein erheblicher Vorteil, weil die aggre gierte Grenzkostenfunktion aus repräsentativen Erhebungen geschätzt werden kann. Für Kosteneffizienz werden bei diesen Schadstoffen gar keine Informationen benötigt, weil die Unternehmen aus Eigeninteresse ihre jeweiligen Grenzkosten dem (für alle Unterneh men gleichen) Abgabensatz angleichen, so dass im Endeffekt auch die Grenzkosten aller Unternehmen miteinander identisch sind. Angesichts dieses zentralen Vorteils, der unter Verweis auf eine empirische Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts in Köln über die Europäische Luftreinhaltepolitik auch als praxisrelevant ausgewiesen werden konnte, stellt sich hauptsächlich noch die Frage, in welchem Ausmaß Preislösungen eingesetzt werden sollten. Dabei wurde darauf hinge wiesen, dass die Umweltbehörde über halbwegs brauchbare Kenntnisse der (aggregierten) Grenzkostenfunktion der Schadstoffvermeidung verfügen muss, wenn sie nicht entweder das Kriterium der ökologischen Treffsicherheit oder die Planungssicherheit der beteiligten Unternehmen gefährden will, was sich wiederum negativ auf 75 Bedenken Sie, dass das Geld nicht zum Umweltschutz eingesetzt werden sollte, weil die pareto effizienten Emissionen (bzw. die zugehörigen Vermeidungen) ja durch die Pigou-Steuer schon erreicht werden.

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References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.