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Hans-Hermann Francke, 6.4 Zukunftsprobleme der Gestaltung wirtschaftspolitischer Rahmen bedingungen in:

Hans-Hermann Francke, Heinz Rehkugler (Ed.)

Immobilienmärkte und Immobilienbewertung, page 229 - 235

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3808-6, ISBN online: 978-3-8006-4342-4, https://doi.org/10.15358/9783800643424_229

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Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 214 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 215 6.4 Zukunftsprobleme der Gestaltung 215 Eben dies ist in den USA vor Eintritt der Krise der Fall gewesen, weil die Hauspreise seit den 90er Jahren stetig gestiegen waren, während z. B. die Aktienmärkte starken Schwankungen ausgesetzt waren. Die Immobilienpreisblase kann also auch bezüglich ihres zeitlichen Ablaufs im Kontext der allgemeinen Vermögenspreisinflation gut erklärt werden. Auch hier führte die überzogene Wohnungseigentumspolitik zugunsten der Subprimer zur Störung eines wichtigen marktwirtschaftlichen Lenkungsmechanismus, nämlich der Risikoeinschätzung privater Investoren. 6.4 Zukunftsprobleme der Gestaltung wirtschaftspolitischer Rahmen bedingungen 6.4.1 Regulierung der Finanzmärkte Die durch die Immobilienkrise in den USA ausgelöste globale Finanzmarktkrise übertrug sich insbesondere im Jahre 2009 auf die Realwirtschaft. Dort erreichte sie im Juli 2009 ihren Höhepunkt. Doch inzwischen hatten weltweit staatliche Rettungsaktionen begonnen, in deren Mittelpunkt Hilfen für Finanzintermediäre, insbesondere Banken, standen. Der analytische Hintergrund dieser Rettungsaktionen war die zutreffende Einsicht, dass ohne eine Stabilisierung der Finanzwirtschaft der Zusammenbruch der Realwirtschaft nicht aufgehalten werden konnte; denn die Finanzwirtschaft trägt die Risiken der Realwirtschaft, weil sie deren Investitionen finanziert und die Liquidität für die Nachfrage der Verbraucher bereit stellt. Der Ausfall sogenannter systemrelevanter Finanzintermediäre, also solcher Akteure, deren Zusammenbruch wegen wechselseitiger Abhängigkeiten ihrer Forderungen und Verpflichtungen die Märkte insgesamt schwerwiegend geschädigt hätte, sollte durch Staatshilfen auf jeden Fall vermieden werden. Die staatlichen Unterstützungsprogramme hatten dabei im Wesentlichen drei Ansatzpunkte. Zum einen wurden Garantien für Bankdepositen und solche Kreditforderungen und Wertpapiere ausgesprochen, die im Verlauf der Krise einen großen Teil ihres Wertes verloren hatten, so dass sie wertberichtigt werden mussten und damit zu unmittelbaren Eigenkapitalverlusten der Banken führten. Dadurch konnten zahlreiche Banken die Basel I bzw. II-Vorschriften nicht mehr erfüllen und benötigten Hilfen für Eigenkapitalzuführungen. Deren jeweilige Form orientierte sich an der Rechtsform der gefährdeten Institute, d. h. private Banken wurden vor allem durch staatliche Einlagen bzw. Kredite unterstützt oder gar verstaatlicht; staatlichen Banken (z. B. deutsche Landesbanken) wurde Eigenkapital von ihren öffentlichen Eigentümern zugeführt. Schließlich produzierten die Zentralbaken in enormem Umfang Primärliquidität, um die Funktionsfähigkeit der Geldmärkte zu erhalten, weil die Liquiditätsversorgung der Banken untereinander wegen gegenseitigen Misstrauens lange gestört war. Schon während dieser Rettungsaktionen erfolgten vehemente politische Absichtserklärungen, die eine umfassende Reform der Finanzmarktregulierungen Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 216 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 217 6 Die Immobilienkrise in den USA – Ursachen und Konsequenzen216 forderten, um eine Wiederholung der Krise zu verhindern. Die Grundzüge dieser Regulierungsreform sind inzwischen (Ende 2010) verhandelt und teilweise verabschiedet worden. Sie erstrecken sich im Wesentlichen auf drei Felder. Erstens wurden im Rahmen der Verhandlungen des Basler Ausschusses der Notenbankgouverneure bei der Bank für internationalen Zahlungsbilanzausgleich (BIZ bzw. BIS) neue Regeln für die Eigenkapitalunterlegungspflicht und Liquiditätsvorsorge (sogenannter Basel III-Akkord) vereinbart. Zweitens wurden für die Bankenaufsichten für zahlreiche Staaten neue institutionelle Rahmenbedingungen vorgesehen. Schließlich sind – ebenfalls auf der nationalen Ebene und in Abhängigkeit von den jeweiligen unterschiedlichen Finanzierungssystemen – zahlreiche strukturelle Eingriffe vorgesehen, die sich primär auf die Corporate Governance, aber auch den institutionellen Aufbau der Bankensysteme beziehen. Die Basel III-Vorschriften stehen im Mittelpunkt der Regulierungsreform, weil sie von übergreifender internationaler Bedeutung sind, auch wenn gegenwärtig noch nicht absehbar ist, welche Staaten diese (freiwilligen) Vereinbarungen von 27 Staaten tatsächlich in nationales Recht übertragen werden. Kern des Basel III-Abkommens sind verschärfte Eigenkapitalunterlegungspflichten für die Banken. Danach sollen in Zukunft das echte Eigenkapital und die Rücklagen („Core Tier 1“) mindestens 4,5 % aller risikogewichteten Aktiva betragen. Hinzu tritt der Aufbau eines sogenannten „Capital Conservation Buffers“ in Höhe von 2,5 %, so dass sich insgesamt eine Unterlegungspflicht für echtes Eigenkapital von 7 % ergibt. Diese Eigenkapitalanforderung wird außerdem dadurch erhöht, dass die Banken einen zusätzlichen „Counter-Cyclical Buffer“ bilden sollen, wenn die Kreditmärkte boomen. Dieser Buffer soll zwischen 0 und 2,5 % betragen und aus nachrangigem Eigenkapital bestehen, welches bei Bedarf nach Entscheidung der Aufsichtsbehörden dem für die Erfüllung der Unterlegungspflicht notwendigen echten Eigenkapital zugerechnet werden kann. Zu diesen verschärften Eigenkapitalunterlegungspflichten treten neue Liquiditätsgrundsätze, welche international – allerdings nicht in Deutschland – bisher weitgehend unterentwickelt waren. Diese Liquiditätsgrundsätze laufen u. a. darauf hinaus, dass Banken den Verlust kurzfristiger Verbindlichkeiten (vor allen Depositen und Geldmarktverbindlichkeiten) für 30 Tage jederzeit zu 100 % finanzieren können. Grundsätzliche umfassende Reformen der institutionellen Ordnung der Bankenaufsicht sind u. a. für die EU vorgesehen. Im Mittelpunkt steht auf Vorschlag der Kommission die Einführung eines sogenannte European Systemic Risk Boards (ESRB). Dieser wird aus dem Rat der EZB, Mitgliedern der European Banking Authority (EIOPA)), der Eropean Securities Markets Authority (ESMA) sowie Vertretern der Europäischen Kommission gebildet. Der ESRB soll im engen Informationsaustausch mit den entsprechenden nationalen Gremien stehen und diesen gegenüber Beratungsfunktionen ausüben sowie Warnungen aussprechen können. Neben dieser Vernetzung der nationalen Aufsichten mit der und über die EU- Ebene hat die EU-Kommission Vorschläge zur Beschränkung (bis zu fallweisen Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 216 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 217 6.4 Zukunftsprobleme der Gestaltung 217 Verboten) vom Derivatehandel (insbesondere außerhalb der Bilanzierungspflichten), Leerverkäufen und Credit Default Swaps eingebracht. Aus deutscher Sicht ist zusätzlich auf drei neue Regulierungsinstrumente hinzuweisen, die inzwischen vom Bundestag verabschiedet wurden. Erstens ist ein öffentliches Verfahren zur Sanierung und Reorganisation von Banken beschlossen worden. Durch diese Rechtsrahmen sollen gefährdete Banken in Zukunft schneller gerettet bzw. reorganisiert werden können, indem umfassend in die Rechte der Gläubiger und Anteilseigner eingegriffen wird. Zweitens wird ein Restrukturierungsfonds eingerichtet, welcher gefährdete Banken stützen soll. Der Fonds wird durch Beiträge der Kreditwirtschaft finanziert, wobei öffentliche Banken und Genossenschaftsbanken weitgehend von der Finanzierung befreit sind, weil sie über eigene Rettungsverbünde verfügen. Drittens sollen neue strengere Haftungsregeln für Bankmanager gelten, die darüber hinaus gehaltlich gedeckelt werden, wenn ihre Institute Stabilisierungsmittel in Anspruch genommen haben oder der Staat an diesen mit mindestens 75 % beteiligt ist. Die ökonomische Bewertung dieser Regulierungsformen fällt unterschiedlich aus. Der Basel III-Akkord wird überwiegend positiv beurteilt. Aber es ist darauf hinzuweisen, dass die geforderten Erhöhungen der Eigenkapitalunterlegung sehr teuer werden (Eigenkapital ist teurer als Fremdkapital) und die Kreditzinsen nachhaltig erhöhen werden, auch wenn der geplante Anpassungszeitraum über mehrere Jahre gestreckt ist. Hinzu kommt die Unverbindlichkeit der Vorschriften, weil diese nur freiwillig in nationales Recht übertragen werden können. Dabei sind noch nicht die Rechnungslegungsvorschriften bzw. Bilanzierungsstandards international einheitlich, so dass sich hier einzelne Staaten Wettbewerbsvorteile für ihre Kreditinstitute verschaffen können. 138 Quelle: European Commission – Internal Market and Services. Abbildung 81: New Structure of Financial Supervision138 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 218 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 219 6 Die Immobilienkrise in den USA – Ursachen und Konsequenzen218 Bezüglich der Internationalisierung der Finanzmarktaufsichten in der EU ist zwar positiv anzumerken, dass gerade die Erweiterung der EU Vorkehrungen zur Vermeidung von Systemrisiken benötigt. Doch ist die Macht des neuen ESRB sehr gering. Tatsächlich beschränkt sie sich auf die Kraft der Informationen, die sie den Marktteilnehmern und nationalen Regierungen übermittelt. Die spezifischen deutschen Regulierungen sind aus ordnungspolitischer Perspektive eher skeptisch zu sehen. Das neue Sanierungs- und Reorganisationsverfahren ermöglicht zu starke Staatseingriffe, die auch durch bürokratische Ineffizienz gefährdet sind. Die Bankenabgabe für den Restrukturierungsfonds ist prinzipiell richtig. Aber dieser muss nachhaltig gegen fiskalische Zugriffe gesichert werden. Die Gehaltsdeckelungen für Bankmanager erscheinen mehr der öffentlichen Neiddiskussion geschuldet. Sie sind für den internationalen Wettbewerb kontraproduktiv. 6.4.2 Öffentliche Verschuldung und Währungssysteme Im Verlauf der Krise ist die Staatsverschuldung weltweit auf ein Rekordniveau gestiegen. Das ist keineswegs allein auf die Finanzierung von Konjunkturprogrammen zurückzuführen, sondern überwiegend auf strukturelle Defizite der öffentlichen Finanzen, also solche Fehlbeträge, die auch ohne einen konjunkturellen Einbruch vorhanden sind. In den meisten Staaten sind dafür ähnliche Probleme ursächlich, nämlich die Überforderung des Staates durch Sozialausgaben, die über die bestehenden Steuer- und Abgabenstrukturen nicht finanziert werden können. Demokratisch gewählte Regierungen setzen dem Anstieg der Sozialausgaben häufig auch deshalb wenig Widerstand entgegen, weil eine Mehrzahl von Wählern wegen ihres Alters oder ihrer Einkommenssituation Kürzungen der Sozialausgaben nicht wünscht. Die aktuellen Defizite der öffentlichen Haushalte erzeugen dann Schulden des Staates, die in Form von Besteuerung, Abgabenerhöhungen oder Einschränkungen anderer öffentlicher Leistungen nachwachsende Generationen belasten. Vor diesem Hintergrund waren die meisten westlichen Demokratien bereits vor dem Beginn der Immobilien- und Finanzmarktkrise im Sinne nicht vorhandener längerfristiger Tragbarkeit überschuldet. Trotzdem konnte die Politik der Öffentlichkeit einen doppelten Irrtum nahelegen. Zum einen wurde der Eindruck erweckt, dass die im Jahre 2010 deutlich werdende öffentliche Überschuldung zahlreicher Staaten die Folge der Krise war, weil die notwendigen Ausgabenprogramme zur Rettung der Banken und Stabilisierung der Realwirtschaft durch Kreditaufnahme finanziert werden mussten. Zum anderen wurden die für Eskalation der Staatsverschuldung verhängnisvollen Rahmenbedingungen der Währungspolitik, nämlich die Fehlanreize zur Überschuldung, die von den nicht funktionsfähigen Devisenmärkten ausgingen, weitgehend verschwiegen. Die Funktionsdefizite der Devisenmärkte hatten ihre Ursachen vor allem in dem de facto Festkurssystem zwischen den USA und China sowie der Einheitswährung des EURO-Systems. Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 218 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 219 6.4 Zukunftsprobleme der Gestaltung 219 Im EURO-System war auf die Gefahren öffentlicher Überschuldung schon vor Einführung der Einheitswährung von zahlreichen Kritikern hingewiesen worden. Drei Argumente standen dabei im Mittelpunkt der Warnungen. Erstens wurde darauf hingewiesen, dass die Beitrittsstaaten zu unterschiedliche ökonomische und kulturelle Strukturen hätten, um eine einheitliche Geldpolitik ohne eine weitgehende Integration der übrigen Politikbereiche (Finanz-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik) zu ertragen. Deshalb waren ohne ausgleichende Wechselkursanpassungen der nationalen Währungen wachsende Zahlungsbilanzungleichgewichte zu erwarten. Zweitens stand zu befürchten, dass die „Spill-over-Effekte“ einheitlicher Nominalzinssätze bei den Mitgliedstaaten mit schwächerer Schuldnerbonität wegen zu niedriger Nominal- und Realzinssätze Anreize zur Überschuldung erzeugen würden. Drittens wurde bezweifelt, dass die in den Verträgen von Maastricht und Lissabon verankerte „No bail-out“- Klausel im Ernstfall durchzuhalten sei, so dass sie von vorn herein unglaubwürdig und damit wirkungslos wäre. Die bisherige Geschichte des EURO-Systems hat dann die Warnungen der Kritiker (zu denen der Verfasser dieses Beitrags gehörte) leider vollständig bestätigt. Als wenn die Folge der Ereignisse einem Drehbuch entnommen wäre, welches seine Logik aus volkswirtschaftlichen Lehrbüchern bezog, entwickelte sich die Performance des EURO-Systems. Nach anfänglichen Boomjahren in den ökonomisch schwächeren Mitgliedstaaten, insbesondere Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien (die heute sogenannten PIIGS) wuchsen deren Zahlungsbilanzdefizite und öffentlichen und privaten Schuldenstände immer stärker an. Den vorläufigen Höhepunkt bildete die gerade noch durch die Hilfe der anderen Mitgliedstaaten verhinderte Insolvenz Griechenlands, womit de facto gegen die „No bail-out“-Klausel verstoßen wurde. Dabei sei noch einmal betont, dass diese Krise ihre Ursachen nicht in der Immobilien- und Finanzmarktkrise hatte, auch wenn sie in engem zeitlichen Zusammenhang damit stand. Die folgenden Tabellen zeigen, wie aus anfänglichen Wachstumsschüben in den PIIGS-Staaten über dort steigende Inflationsraten und damit sinkende Realzinsen schließlich Immobilienpreisblasen und wachsende Zahlungsbilanzdefizite entstanden sind. Wachstumsraten des realen BIPs in % 2003 2004 2005 2006 2007 2008 Deutschland –0,2 1,2 0,8 3,2 2,5 1,3 Portugal –0,8 1,5 0,9 1,4 1,9 0,0 Italien 0,0 1,5 0,7 2,0 1,6 –1,0 Irland 4,4 4,6 6,2 5,4 6,0 –3,0 Griechenland 5,9 4,6 2,2 4,5 4,5 2,0 Spanien 3,1 3,3 3,6 4,0 3,6 0,9 EU gesamt 1,3 2,5 2,0 3,2 2,9 0,8 Quelle: OECD Factbook 2010, S. 37 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 220 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 221 6 Die Immobilienkrise in den USA – Ursachen und Konsequenzen220 Inflationsraten in % (CPI, consumer price index) 2003 2004 2005 2006 2007 2008 Deutschland 1,0 1,7 1,6 1,6 2,3 2,6 Portugal 3,3 2,4 2,3 3,1 2,5 2,6 Italien 2,7 2,2 2,0 2,1 1,8 3,3 Irland 3,5 2,2 2,4 3,9 4,9 4,1 Griechenland 3,6 2,9 3,6 3,2 2,9 4,2 Spanien 3,0 3,0 3,4 3,5 2,8 4,1 EU gesamt 2,1 2,3 2,3 2,3 2,4 3,7 Quelle: OECD Factbook 2010, S. 87 Realzinsen in % 2003 2004 2005 2006 2007 2008 Deutschland 3,07 2,37 2,47 2,47 1,77 1,47 Portugal 0,77 1,67 1,77 0,97 1,57 1,47 Italien 1,37 1,87 2,07 1,97 2,27 0,77 Irland 0,57 1,87 1,67 0,17 –0,83 –0,03 Griechenland 0,47 1,17 0,47 0,87 1,17 –0,13 Spanien 1,07 1,07 0,67 0,57 1,27 –0,03 EU gesamt 1,97 1,77 1,77 1,77 1,67 0,37 Berechnet aus: OECD Factbook 2010, S. 87 und S. 95 Jährliche prozentuale Änderung der Hauspreise 2003 2004 2005 2006 2007 Deutschland –1,2 –1,4 –1,5 0,3 0,3 Portugal 1,1 0,6 2,3 2,1 1,3 Italien 7,2 7,0 8,6 5,8 5,0 Irland 14,3 11,5 7,2 13,4 0,9 Griechenland 5,4 2,3 10,9 12,2 n/a Spanien 17,6 17,4 13,9 10,4 5,8 EU gesamt 6,4 7,2 7,6 6,4 4,3 Quelle: Eiglsperger/Haine (2009), S. 118 Sparquoten (in % des verfügbaren Haushaltseinkommens) 2003 2004 2005 2006 2007 2008 Deutschland 1,9 4,7 5,1 6,5 7,9 6,7 Portugal –6,1 –7,6 –9,5 –10,0 –9,4 –12,1 Italien –1,3 –0,9 –1,7 –2,6 –2,4 –3,4 Irland 0,0 –0,6 –3,5 –3,5 –5,3 –5,3 Griechenland –6,6 –5,9 –7,4 –11,3 –14,5 –14,5 Spanien –3,5 –5,3 –7,4 –9,0 –10,0 –9,6 Quelle: OECD Factbook, S. 45 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 220 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 221 6.5 Zusammenfassung 221 Gegenwärtig bemüht man sich um ein Paket von Rettungsmaßnahmen, welche die Zukunft des EURO sichern sollen. Im Hintergrund steht der grundsätzliche Interessenkonflikt zwischen den ökonomisch stärkeren sogenannten Geberstaaten, welche das System finanziell stützen, und den Nehmerstaaten, die von den Transfers der anderen profitieren, um so die Folgen ihrer Überschuldung erträglicher zu gestalten. Eine Analyse der Reformmaßnahmen, die im einzelnen geplant sind, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Es zeichnet sich jedoch schon jetzt ab, dass die notwendige Verschärfung der Regeln zur Überschuldungsvermeidung, der Stabilitätspakt, Mehrheitsentscheidungen der Mitgliedstaaten unterliegen wird und nicht Anwendungsautomatismen folgt. Deshalb ist der Weg des EURO-Systems zu einer Transferunion vorgezeichnet. Die Alternative ist ein Scheitern der Gemeinschaftswährung. Die Überschuldungsprobleme der USA gegenüber China, die vor allem durch den de facto festen Wechselkurs zwischen dem Dollar und dem Yuan entstanden sind, beginnen sich teilweise zu entspannen. Der Yuan wurde in kleinen Schritten aufgewertet und der Dollar verlor gleichzeitig gegenüber anderen wichtigen Währungen an Wert. Ursächlich waren die weiter unbefriedigenden Wachstumsaussichten in den USA, trotz der expansiven Geldpolitik der FED durch ihre Ankäufe amerikanischer Staatsanleihen. Die stabilisierenden Wirkungen dieser erneuten Versuche geldpolitischer Lockerung sind in den USA eher gering. Stattdessen werden dadurch erneut globale Carry-trade-Transaktionen in Gang gesetzt, die zu Vermögenspreisblasen, auch auf den europäischen und asiatischen Märkten, führen können. Insofern besteht die Gefahr, dass die Weltwirtschaft ein Dollarproblem bekommt, vor allem, wenn dadurch Abwertungswettläufe oder gar Protektionismus erzeugt werden. Zusätzlich müssen Lösungen gefunden werden, um die ungeheuren Devisenreserven Chinas in produktive Anlageformen, u. a. chinesische Beteiligungen an westlichen Firmen, zu ermöglichen. Aber auch hier stehen immer protektionistische Vorbehalte der potenziellen Anlagestaaten im Wege. Deshalb sind pessimistische Stimmen ernst zu nehmen, welche vor neuen Krisenszenarien warnen. 6.5 Zusammenfassung Die Immobilien- und Finanzmarktkrise, welche 2007 in den USA begann und ihren Höhepunkt durch den Einbruch der realen Weltwirtschaft Mitte 2009 erreichte, ist im Kern eine Überschuldungskrise. Die öffentliche und private Überschuldung wurde vor allem dadurch verursacht, dass durch wirtschaftspolitische Fehlentscheidungen wesentliche Steuerungsmechanismen der Marktwirtschaft außer Kraft gesetzt wurden. Dies galt für den Zins-, Wechselkursund Preismechanismus. Ineffiziente Rahmenbedingungen, insbesondere de facto (USA/China) und de jure (EURO-System) bestehende Festkurssysteme haben Fehlanreize zur Überschuldung erzeugt.

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Zusammenfassung

Immobilienmärkte und Immobilienbewertung:

Alles für die immobilien-wirtschaftliche Ausbildung.

Rund um die Immobilie

Das Werk enthält Beiträge zur Entwicklung und Analyse von

* Immobilienprodukten,

* Immobilienmärkten sowie zur

* Immobilienbewertung.

Immobilienmärkte und Immobilienbewertung

Anschaulich und kompakt werden zentrale Stoffinhalte der immobilienwirtschaftlichen Ausbildung dargestellt: von der Analyse der dominanten Einflussfaktoren der Entwicklung von Immobilienmärkten über die Diskussion um das angemessene Bewertungsverfahren für Immobilien und Immobiliengesellschaften bis hin zu Fragestellungen der Bilanzierung von Immobilien nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften.