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3.2 Steuerpflichtige, Steuerschuldner, Steuerzahler in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 1: Besteuerung, page 51 - 52

6. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-4197-0, ISBN online: 978-3-8006-4341-7, https://doi.org/10.15358/9783800643417_51_1

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3 Am Vorgang der Besteuerung beteiligte Personen und Institutionen 3.1 Einführung An dem Vorgang der Besteuerung, dem Besteuerungsverfahren, können unterschiedliche Personen oder Personengruppen beteiligt sein, sei es, dass sie aktiv tätig werden, sei es, dass sie ein Handeln anderer Personen erleiden. Beteiligte sind zunächst einmal die einzelnen der Besteuerung unterworfenen Personen, die Steuerpflichtigen, Steuerschuldner oder Steuerzahler, wie sie in den Steuergesetzen genannt werden. Beteiligte auf Seiten des Staates sind die für die einzelnen Steuerfälle zuständigen Finanzbehörden. In aller Regel handelt es sich hierbei um das örtlich zuständige Finanzamt. Da Behörden selbst nicht handlungsfähig sind, nehmen deren Aufgaben ihre Amtsträger wahr. Zur Erfüllung ihrer steuerlichen Pflichten bedienen sich Steuerpflichtige häufig anderer Personen. Diese haben dann in aller Regel zugleich die Aufgabe, für eine möglichst vorteilhafte Gestaltung der steuerlichen Angelegenheiten ihrer Auftraggeber zur sorgen. Bei diesen zu Rate gezogenen Personen kann es sich entweder um selbständige Steuerberatungsbetriebe oder aber um Angestellte der Steuerpflichtigen handeln. Bestehen Streitigkeiten zwischen Steuerpflichtigen und der Finanzbehörde, so werden oft Gerichte, die Gerichte der Finanzgerichtsbarkeit, zur Entscheidung angerufen. Diese Gerichte sind somit ebenfalls häufig am Vorgang der Besteuerung beteiligt. Mit den genannten Personen und Institutionen beschäftigen sich die folgenden Gliederungspunkte. 3.2 Steuerpflichtige, Steuerschuldner, Steuerzahler Steuerpflichtiger ist jeder, der eine ihm durch ein Steuergesetz auferlegte Verpflichtung i. S. d. § 33 Abs. 1 AO zu erfüllen hat. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Verpflichtung eines Steuerschuldners zur Steuerzahlung. Neben dieser vermögensrechtlichen Verpflichtung definiert § 33 Abs. 1 AO i. V. m. den Einzelsteuersetzen eine Vielzahl anderer Verpflichtungen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang insbesondere • die Pflicht zur Abgabe von Steuererklärungen und • Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten bestimmter Personen. Wer im konkreten Einzelfall Steuerpflichtiger ist, richtet sich nach den Vorschriften der AO und der Einzelsteuergesetze. Steuerpflichtige können vor allem sein • natürliche Personen, • juristische Personen, vor allem Kapitalgesellschaften, • Zusammenschlüsse natürlicher oder juristischer Personen. 3 Am Vorgang der Besteuerung beteiligte Personen und Institutionen 23 So unterliegen natürliche Personen bei Vorliegen der Voraussetzungen des § 1 EStG der Einkommensteuerpflicht, d. h. die entsprechenden natürlichen Personen sind Steuerpflichtige i. S. d. § 33 AO. Kapitalgesellschaften unterliegen zwar nicht der Einkommen-, dafür aber bei Vorliegen der Voraussetzungen des § 1 KStG der Körperschaftsteuerpflicht. Sie sind damit ebenfalls Steuerpflichtige i. S. d. § 33 AO. Steuerschuldner ist jeder, der einen Tatbestand verwirklicht, an den ein Steuergesetz eine Leistungspflicht knüpft. Eine Leistungspflicht, insbesondere eine Steuerschuld entsteht mit Tatbestandsverwirklichung und nicht erst aufgrund eines besonderen Tätigwerdens einer Finanzbehörde (§ 38 AO). Wer im konkreten Fall Steuerschuldner ist, richtet sich nach den Einzelsteuergesetzen (§ 43 AO). Der Begriff des Steuerschuldners ist ein Unterbegriff desjenigen des Steuerpflichtigen. Anders ausgedrückt: Jeder Steuerschuldner ist ein Steuerpflichtiger, aber nicht jeder Steuerpflichtige ist ein Steuerschuldner. Steuerzahler ist derjenige, der aufgrund einer gesetzlichen Verpflichtung eine Steuerschuld an den Fiskus entrichtet. Steuerzahler ist in der Regel der Steuerschuldner, in einigen Fällen aber ein Dritter. So hat die Lohnsteuer gem. § 38 i. V. m. § 41a EStG nicht der Arbeitnehmer, sondern an dessen Stelle der Arbeitgeber zu entrichten. Der Arbeitnehmer ist also Steuerschuldner, der Arbeitgeber hingegen Steuerzahler. 3.3 Finanzbehörden Der Aufbau der Finanzverwaltung ist im Gesetz über die Finanzverwaltung (FVG) geregelt. Unterschieden wird dort zwischen Bundes- und Landesfinanzbehörden. Einen Überblick über den Aufbau der Finanzverwaltung gibt die nachstehende Abbildung. In dieser sind allerdings nur einige der wichtigsten der im FVG genannten Finanzbehörden aufgeführt und zwar - mit Ausnahme des Bundesamtes für zentrale Dienste - nur solche, die zugleich Finanzbehörden i. S. d. § 6 AO sind. Nur die in § 6 AO genannten Finanzbehörden spielen nämlich im Rahmen der Besteuerung eine Rolle. Auch die Finanzbehörden i. S. d. § 6 AO sind in der Abbildung nicht vollständig aufgeführt32. 32 Hinsichtlich einer ausführlichen Darstellung der Finanzbehörden sei auf Wünsch, D., in: Pahlke, A./Koenig, U., Abgabenordnung, 2009, § 6 AO, Rz. 4 ff. verwiesen.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

Der »Klassiker« zur betriebswirtschaftlichen Steuerlehre ist gerade für Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen ein hervorragendes Lehrbuch. Durch die integrierten Aufgaben mit Lösungen kann der Wissensstoff gleich angewendet werden.

Die Schwerpunkte im Überblick

* Grundlagen und Grundbegriffe, Durchführung der Besteuerung

* Ertragsteuern

* Steuerbilanzen

* Bewertungsgesetz und Substanzsteuern

* Verkehrsteuern

* Prinzipien des Steuerrechts und Besteuerungsverfahren.