Content

8.5 Zusammenfassende Darstellung der Besteuerung betrieblicher Renten in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 1: Besteuerung, page 372 - 373

6. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-4197-0, ISBN online: 978-3-8006-4341-7, https://doi.org/10.15358/9783800643417_372

Bibliographic information
8 Besteuerung der Renten und Raten im betrieblichen Bereich 343 8.5 Zusammenfassende Darstellung der Besteuerung betrieblicher Renten In Abbildung III/7 sind die Grundsätze für die Besteuerung betrieblich veranlasster Renten zusammengefasst. Vorausgesetzt ist, dass es sich bei den Rentenverpflichteten bzw. -berechtigten um bilanzierende Steuerpflichtige handelt. Im Falle der Veräußerungsrenten wird darüber hinaus davon ausgegangen, dass die Rente aus Anlass einer entgeltlichen Übertragung eines ganzen Betriebs vereinbart wird. Art der betrieblichen Rente Verpflichteter Berechtigter Veräußerungsleibrente Passivierung des Barwertes der Rentenschuld. Aktivierung der erworbenen Wirtschaftsgüter zum Teilwert. Ermittlung des Rentenbarwerts nach versicherungsmathematischen Regeln oder nach § 14 BewG. Tilgungsanteil der Rentenzahlung = erfolgsneutral. Zinsanteil = erfolgswirksam. Bei Verbuchung der gesamten Rentenzahlungen als laufender Aufwand ist am Jahresende eine Korrekturbuchung in Höhe des in den Rentenzahlungen enthaltenen Tilgungsanteils erforderlich. Ermittlung des Rentenbarwerts nach § 14 BewG. Wahlrecht zwischen sofortiger und nachträglicher Besteuerung des Veräußerungsgewinns. a) Sofortige Versteuerung Rentenbarwert ./. (Eigenkapital + Veräußerungskosten) = Veräußerungsgewinn. Dieser wird im Jahr der Veräußerung unter Berücksichtigung der Begünstigungsvorschriften der §§ 16 Abs. 4 und 34 EStG versteuert. Von den laufenden Rentenzahlungen bleibt der Tilgungsanteil steuerfrei. Der Ertragsanteil wird nach der zweiten Tabelle in § 22 EStG ermittelt und im Rahmen der sonstigen Einkünfte der Einkommensteuer unterworfen. b) Nachträgliche Versteuerung Ermittlung des Eigenkapitals aus der Ver- äußerungsbilanz. Die jährlichen Rentenzahlungen sind so lange nicht zu versteuern, wie sie (zusammengerechnet) das Eigenkapital nicht übersteigen. Danach sind die Zahlungen in voller Höhe als nachträgliche gewerbliche Einkünfte zu versteuern (§§ 24 i. V. m. 15 EStG). Keine Anwendung der Begünstigungsvorschriften der §§ 16 und 34 EStG. Veräußerungszeitrente Steuerliche Behandlung nach gleichen Grundsätzen wie bei Leibrente, jedoch Ermittlung des Rentenbarwerts nach den Regeln der Finanzmathematik. Aufteilung der jährlichen Rentenzahlungen in einen erfolgsneutralen Tilgungsanteil und in einen erfolgswirksamen Zinsanteil. Grundsätzlich gleiche steuerliche Behandlung wie bei Leibrenten, jedoch Ermittlung des Rentenbarwertes nach § 13 BewG. Berechtigter hat also Wahlrecht zwischen sofortiger und nachträglicher Versteuerung des Veräußerungsgewinns. Versorgungsrente Rentenzahlungen keine Betriebsausgaben, jedoch unter den Voraussetzungen des § 10 Abs. 1 Nr. 1a EStG in voller Höhe als Sonderausgaben abzugsfähig. Rentenzahlungen nach § 22 Nr. 1b EStG in voller Höhe einkommensteuerpflichtig. Schadensersatzund Unfallrenten Passivierung des Barwertes der Rentenverbindlichkeit zu Lasten des Gewinns. Zinsanteil der jährlichen Rentenzahlungen mindern den steuerlichen Gewinn. Rentenanspruch ist nach BFH-Rechtsprechung mit dem Barwert zu aktivieren und damit sofort als Ersatz für entgangene bzw. entgehende betriebliche Einkünfte zu versteuern. Diese Regelung wird in der Literatur zu Recht kritisiert. Zinsanteil der jährlichen Rentenzahlungen gehört zu den betrieblichen Einnahmen. Abbildung III/7: Zusammenfassende Darstellung der Besteuerung betrieblicher Renten 344 Teil III: Steuerbilanzen 8.6 Besteuerung von Kaufpreisraten im betrieblichen Bereich Stundet ein bilanzierender Steuerpflichtiger (nachfolgend Veräußerer genannt) eine Forderung aus dem Verkauf einzelner Wirtschaftsgüter unter Einräumung von Ratenzahlungen, so ist es für die steuerliche Behandlung von Bedeutung, ob eine angemessene Verzinsung vereinbart wird. Geschieht dies, so hat der Veräußerer die Forderung in voller Höhe, d. h. ohne Abzinsung, zu aktivieren. Ein aus der Veräußerung entstandener Gewinn (oder Verlust) wird sofort und nicht erst bei Eingang der Kaufpreisraten versteuert. Der Schuldner hat - vorausgesetzt er bilanziert - seine Verbindlichkeiten ebenfalls in voller Höhe anzusetzen. Die Zinsen stellen Betriebseinnahmen bzw. -ausgaben dar. Wird eine Kaufpreisforderung nur kurzfristig zinslos gestundet, so kann aus Vereinfachungsgründen auf eine Abzinsung verzichtet werden. Das bedeutet, dass Forderung und Verbindlichkeit jeweils in voller Höhe ausgewiesen werden können. Als kurzfristig wird hierbei ein Zeitraum von bis zu zwölf Monaten angesehen153. Wird eine Kaufpreisforderung für mehr als zwölf Monate zinslos gestundet, so ist eine Abzinsung erforderlich. Das Schrifttum geht davon aus, dass die Abzinsung handelsrechtlich zum jeweils landesüblichen Zinssatz für festverzinsliche Wertpapiere mit entsprechender Restlaufzeit zu erfolgen hat154. Steuerlich ist nach der ausdrücklichen gesetzlichen Regelung des § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 EStG ein Zinssatz von 5,5 % zugrunde zu legen. Der Veräußerer hat den Barwert der Kaufpreisraten als Forderung zu aktivieren, der Erwerber den abgezinsten Betrag als Schuld zu passivieren. Die einzelnen Kaufpreisraten enthalten einen fiktiven Zins- und Tilgungsanteil. Die Zinsen sind als Betriebseinnahmen bzw. -ausgaben zu behandeln. Der Tilgungsanteil stellt eine erfolgsneutrale Vermögensumschichtung dar. Die vorstehenden Ausführungen gelten auch dann, wenn ein ganzer Betrieb ver- äußert wird. In diesem Fall finden lediglich zusätzlich die Vorschriften der §§ 16 und 34 EStG auf den Veräußerungsgewinn Anwendung. Der Veräußerer eines Betriebes hat also bei Einräumung von Kaufpreisraten die aufgedeckten stillen Reserven im Jahr der Veräußerung und nicht erst bei späterem Zufluss der Raten zu versteuern. Der in den Raten enthaltene Zinsanteil gehört bei dem Veräußerer i. d. R. zu den Einnahmen aus Kapitalvermögen. Beim Erwerber stellt er Betriebsausgaben dar. Ein Wahlrecht auf Versteuerung der Ratenzahlungen als nachträgliche Betriebseinnahmen i. S. d. § 24 Nr. 2 i. V. m. § 15 EStG - wie dies die Finanzverwaltung bei Betriebsveräußerung gegen Zeitrenten einräumt - hat der Steuerpflichtige nicht155. 153 Vgl. Adler, H./Düring, W./Schmaltz, K., Rechnungslegung, § 253 HGB, Rz. 532; Ellrott, H./ Roscher, K., in: Beck'scher Bilanz-Kommentar, 2010, § 253 HGB, Anm. 592. 154 Vgl. ebenda. 155 Vgl. BFH-Urteile vom 23.1.1964, IV 85/62 U, BStBl 1964 III, S. 239; vom 16.7.1964, IV 377/62 U, BStBl 1964 III, S. 622; vom 12.6.1968, IV 254/62, BStBl 1968 II, S. 653.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

Der »Klassiker« zur betriebswirtschaftlichen Steuerlehre ist gerade für Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen ein hervorragendes Lehrbuch. Durch die integrierten Aufgaben mit Lösungen kann der Wissensstoff gleich angewendet werden.

Die Schwerpunkte im Überblick

* Grundlagen und Grundbegriffe, Durchführung der Besteuerung

* Ertragsteuern

* Steuerbilanzen

* Bewertungsgesetz und Substanzsteuern

* Verkehrsteuern

* Prinzipien des Steuerrechts und Besteuerungsverfahren.