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6.2 Einkommensteuerliche Regelungen in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 1: Besteuerung, page 224 - 225

6. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-4197-0, ISBN online: 978-3-8006-4341-7, https://doi.org/10.15358/9783800643417_224_1

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6 Verlustverwertung 6.1 Problemstellung Für viele Investoren stellt sich die Frage, wie infolge der Investition entstehende Verluste steuerlich berücksichtigt werden können. Bei den Verlusten kann es sich sowohl um von vornherein eingeplante Anfangsverluste als auch um unvorhergesehene Verluste in späteren Jahren handeln. Wie bereits an früherer Stelle153 ausgeführt, können Verluste im Jahr ihrer Entstehung nach § 2 Abs. 3 EStG ausgeglichen (Verlustausgleich) und - soweit dies nicht möglich ist - im Rahmen des § 10d EStG in einem anderen Jahr abgezogen (Verlustabzug) werden. Körperschaftsteuerlich ist zusätzlich zu den genannten Vorschriften § 8c KStG zu beachten. Gewerbesteuerlich ist die Verlustverwertung in § 10a GewStG geregelt. Auf die genannten Vorschriften soll nachfolgend eingegangen werden. 6.2 Einkommensteuerliche Regelungen Aus § 2 Abs. 3 EStG ergibt sich implizit, dass negative Einkünfte eines Veranlagungszeitraums mit positiven Einkünften desselben Veranlagungszeitraums zu saldieren sind. Dieser Saldierungsvorgang wird als Verlustausgleich bezeichnet. Im Falle der Zusammenveranlagung von Ehegatten sind die positiven und negativen Einkünfte beider Ehegatten miteinander auszugleichen. Soweit Verluste im Jahr ihrer Entstehung mangels positiver Einkünfte in ausreichender Höhe nicht ausgeglichen werden können, sind sie nach den Regeln des § 10d EStG in einem anderen Veranlagungszeitraum abzugsfähig. Dieser Abzug wird als Verlustabzug bezeichnet. Zu unterscheiden ist hierbei zwischen einem Verlustrücktrag und einem Verlustvortrag. Im Verlustentstehungsjahr nicht ausgleichsfähige Verluste sind gem. § 10d Abs. 1 Satz 1 EStG bis zu einem Betrag von 511.500 € in das Jahr vor dem Jahr der Verlustentstehung zurückzutragen. Für zusammenveranlagte Ehegatten verdoppelt sich dieser Betrag gem. § 10d Abs. 1 Satz 1 EStG auf 1.023.000 €. Übersteigen die abzugsfähigen Verluste die sich nach § 10d Abs. 1 EStG ergebenden Beträge, so sind diese nach § 10d Abs. 2 EStG vortragsfähig. Ein Abzug erfolgt dann - soweit entsprechende positive Einkünfte vorhanden sind - im ersten Jahr nach dem Jahr der Verlustentstehung, und zwar in einer Summe von der Summe aller positiven Einkünfte. Allerdings ist der Verlustvortrag in seiner Höhe begrenzt. Unbeschränkt abzugsfähig ist ein Verlust im Rahmen des Verlustvortrags nach § 10d Abs. 2 Satz 2 EStG lediglich bis zu einem Betrag von 1 Mio € je Veranlagungszeitraum. Ein darüber hinausgehender Betrag kann nach § 10d 153 Vgl. die Gliederungspunkte 2.3.1 und 2.3.4. 196 Teil II: Ertragsteuern Abs. 2 Satz 1 EStG lediglich zu 60 % abgezogen werden. Für zusammenveranlagte Ehegatten erhöht sich der unbeschränkt abzugsfähige Betrag von 1 Mio € gem. § 10d Abs. 2 Satz 2 EStG auf 2 Mio €. Soweit Verluste im ersten Jahr des Verlustvortrags noch nicht abgezogen werden können, sind sie in das zweite Jahr nach dem Jahr der Verlustentstehung vorzutragen. Der Verlustabzug in diesem Jahr richtet sich wiederum nach den Regeln des § 10d Abs. 2 Sätze 1 und 2 EStG. Soweit in dem zweiten Jahr nach dem Jahr der Verlustentstehung ein Verlustabzug nicht möglich ist, erfolgt ein Vortrag in das dritte, vierte usw. Jahr und zwar solange, bis der Verlust vollständig verwertet ist. Nach § 10d Abs. 1 Satz 5 EStG kann der Steuerpflichtige auf einen möglichen Verlustrücktrag vollständig oder teilweise zugunsten eines entsprechend höheren Verlustvortrags verzichten. In dem für einen Verzicht erforderlichen Antrag muss der Steuerpflichtige nach § 10d Abs. 1 Satz 6 EStG die Höhe des von ihm gewünschten Verlustrücktrags angeben. Der am Schluss eines Veranlagungszeitraums verbleibende Verlustvortrag ist gesondert festzustellen. Dies ergibt sich aus § 10d Abs. 4 EStG. Für Verluste bei den Einkünften aus Kapitalvermögen (§ 20 EStG) und aus privaten Veräußerungsgeschäften i. S. d. § 23 EStG gelten Besonderheiten. Verluste aus Kapitalvermögen dürfen nach § 20 Abs. 6 Satz 2 EStG nicht mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden. Sie dürfen auch nicht nach § 10d EStG abgezogen werden. Derartige Verluste mindern jedoch nach § 20 Abs. 6 Satz 3 EStG die Einkünfte aus Kapitalvermögen, die der Steuerpflichtige in den folgenden Veranlagungszeiträumen erzielt. Die noch nicht berücksichtigten Verluste sind nach § 20 Abs. 6 Satz 4 EStG i. V. m. § 10d Abs. 4 EStG gesondert festzustellen. Verluste, die im Rahmen der Einkünfte aus Kapitalvermögen aus der Veräußerung von Aktien entstehen, dürfen nach § 20 Abs. 6 Satz 5 EStG nur mit entsprechenden Gewinnen ausgeglichen werden. Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften dürfen nach § 23 Abs. 3 Satz 7 EStG nur bis zur Höhe des Gewinns, den der Steuerpflichtige im gleichen Kalenderjahr aus privaten Veräußerungsgeschäften erzielt hat, ausgeglichen werden. Die Verluste mindern jedoch nach § 23 Abs. 3 Satz 8 EStG nach Maßgabe des § 10d EStG die Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften, die der Steuerpflichtige in dem unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraum erzielt hat oder in den folgenden Veranlagungszeiträumen erzielt. 6.3 Körperschaftsteuerliche Berücksichtigung von Verlusten Nach § 8 Abs. 1 KStG finden die Vorschriften des EStG grundsätzlich auch bei der Körperschaftsteuer Anwendung. Damit sind auch die Vorschriften über den Verlustausgleich (§ 2 Abs. 3 EStG) und über den Verlustabzug (§ 10d EStG) grundsätzlich anwendbar. Von diesem Grundsatz gibt es aber gem. § 8c KStG eine Ausnahme. Mit dieser Rechtsnorm sollen vorrangig sog. „Mantelkäufe“ verhindert werden. Ein Mantelkauf beinhaltet, dass die Anteile an einer maroden GmbH (Mantel) nur deshalb gekauft werden, weil die GmbH über abzugsfähige

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

Der »Klassiker« zur betriebswirtschaftlichen Steuerlehre ist gerade für Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen ein hervorragendes Lehrbuch. Durch die integrierten Aufgaben mit Lösungen kann der Wissensstoff gleich angewendet werden.

Die Schwerpunkte im Überblick

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* Ertragsteuern

* Steuerbilanzen

* Bewertungsgesetz und Substanzsteuern

* Verkehrsteuern

* Prinzipien des Steuerrechts und Besteuerungsverfahren.